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Auditive Fähigkeiten als Voraussetzung für das Erlernen unserer Laut- und Buchstabenschrift sowie deren Förderung

Hausarbeit 2000 14 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Kennzeichen und Besonderheiten unserer Laut- und Buchstabenschrift
1.1 Verhältnis der Laut- & Buchstabenschrift gegenüber Zeit und Raum
1.2 Die historische Entwicklung der Schrift
a) Bilderschriften
b) Ideen- und Begriffsschriften
c) Silbenschriften
d) Laut- und Buchstabenschrift
1.3 Die Laut- und Buchstabenschrift als Synthese von Bedeutung und Klanggestalt
1.4 Der Zusammenhang von Schrift und Sprache

2. Erläuterung des Begriffs „auditive Fähigkeiten“ im Hinblick auf den Schriftspracherwerb.
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Die auditiven Fähigkeiten beim Eintritt in die Grundschule

3. Die auditiven Fähigkeiten sind von Anfang an notwendig. Belegung dieser Aussage anhand eines methodenintegrierenden Verfahrens.
3.1 Erläuterung eines methodenintegrierenden Verfahrens
3.2 Belegung der These „ die auditiven Fähigkeiten sind von Beginn an notwendig“ anhand des beschriebenen Leselehrgangs

4. Beschreibung von Lernspielen (bzw. Übungen), die der Förderung der auditiven Fähigkeiten dienen.
4.1 Allgemeine Hinweise zur Förderung der auditiven Fähigkeiten
4.2 Beschreibung eines Lernspieles zur Förderung der auditiven Fähigkeiten

1. Kennzeichen und Besonderheiten unserer Laut- und Buchstabenschrift

1.1 Verhältnis der Laut- & Buchstabenschrift gegenüber Zeit und Raum

Ebenso wie alle uns bekannten Zeichensysteme, wie z. B. das der Stadtpläne, Landkarten, Notensysteme, Ziffern, Zahlensymbole oder das der Verkehrszeichen kennzeichnet sich unsere Laut- und Buchstabenschrift ebenfalls dadurch aus, dass sie durch ihre Fixierung die Überlieferung von Inhalten über Raum- und Zeitgrenzen hinweg ermöglicht und neue Möglichkeiten der geistigen Auseinandersetzung mit ihnen eröffnet.[1] Im Gegensatz zu akustischen Wahrnehmungen, wie der gesprochenen Sprache, Klatschen, Musik,... oder zu visuellen Wahrnehmungen, wie Mimik, Gesten, Gebärdensprache, Rauchsignalen,... ist die Buchstabenschrift also weder räumlich noch zeitlich begrenzt, da die graphischen Zeichen, die dem alleinigen Ziel der menschlichen Kommunikation dienen, auf geeignetem Untergrund dauerhaft angebracht werden können.

1.2 Die historische Entwicklung der Schrift

Die Kennzeichen und die Besonderheiten der gebräuchlichen Laut- und Buchstabenschrift werden besonders in der Konfrontation mit deren historischer Entwicklung nachvollziehbar, vor allem, wenn man bedenkt, dass jedes Kind während seines Schreiblernprozesses die geschichtliche Entstehung der Schrift in groben Zügen noch einmal durchläuft. Theoretisch lassen sich vier Stadien in der Schriftentwicklung festhalten: Bilderschriften – Ideen- und Begriffsschriften – Silbenschriften und schließlich unsere heutige Buchstaben- und Lautschrift. Der entscheidende Schritt in der Entwicklungsgeschichte der Schrift ist die „Phonetisierung“ (ca. 3000 v. Chr.), also der Schritt von der Begriffsschrift zur Lautschrift, die nun ihrerseits nicht mehr den Sinn der sprachlichen Mitteilung verschlüsselt, sondern den Klang der Sprache.[2]

a) Bilderschriften

Die Bilderschriften sind gekennzeichnet durch Reihungen von einfachen Bildern, denen eine bleibende Bedeutung zugrunde liegt. Sie dienen dem Zweck der Erinnerung oder der Mitteilung von bestimmten Informationen.

b) Ideen- und Begriffsschriften

Bei den Ideen- und Begriffsschriften, deren Zeichen für jeweils eine bestimmte Idee stehen, tritt der Bildcharakter immer weiter in den Hintergrund, weil man dem Schreibvorgang nicht mehr soviel Zeit widmen wollte.[3] Die Schwierigkeiten hierbei sind offenkundig: Das Lesenlernen erfordert ein äußerst aufnahmefähiges Gedächtnis, zudem können abstrakte Begriffe kaum oder gar nicht dargestellt werden. Positiv zu bewerten ist allerdings die Tatsache, dass diese Art von Schriften von Menschen der verschiedensten Muttersprachen zu verstehen ist, wobei eine Buchstabenschrift einen gemeinsamen Sprachcode zum Verständnis voraussetzt.

c) Silbenschriften

Die Silbenschriften arbeiten ebenfalls noch mit Zeichen, die jetzt jedoch für bestimmte Silben stehen, d.h. gleichklingende Silben werden durch gleiche Zeichen dargestellt. Auch hierbei ist eine hohe Gedächtnisleistung notwendig, jedoch ist keine Lautsynthese erforderlich.

d) Laut- und Buchstabenschrift

Übergänge in der Entwicklung hin zur Lautschrift sind Schriften mit Zeichen für die Konsonanten und als die Griechen dann noch die Vokale entwickelten, entstand um ca. 900 v. Chr. das erste Alphabet, das sich in der ganzen Welt ausdehnte und praktisch ohne Veränderung bis heute Bestand hat.[4] Mit den 26 Buchstaben unseres Alphabets, also den 26 graphischen Zeichen für die einzelnen Laute und Diphtonge plus einiger weniger Sonderzeichen (ü, ß,...), sind wir in der Lage, alles aufzuschreiben ohne irgendwelche Ausnahmen. Unsere Lautschrift beherbergt einen festgelegten Klang, so muss oft aus dem Zusammenhang heraus der Sinn erfasst werden (z.B. Schloss, Ball, übersetzen,...). Im Gegensatz dazu haben die Begriffsschriften eine festgelegte Bedeutung, jedoch keinen verbindlichen Klang (Obst oder Früchte).

1.3 Die Laut- und Buchstabenschrift als Synthese von Bedeutung und Klanggestalt

Linguistisch betrachtet setzt sich die Buchstabenschrift aus zwei Ebenen zusammen, zum einen aus dem Bedeutungsgehalt und zum anderen aus der auditiv wahrnehmbaren Klanggestalt, die visuell durch Buchstaben repräsentiert wird, indem Phonemen (Laute) Grapheme (Buchstaben) zugeordnet werden.[5] Schrift fungiert also, so auch nach Topsch, als sekundäres Repräsentationssystem, sie ist das Symbol für die Sprache, die Bedeutungen und Inhalte vertritt.[6]

1.4 Der Zusammenhang von Schrift und Sprache

Hieraus ergibt sich die Frage, wie man Sprache in Schrift übertragen kann. Zunächst muss von der Bedeutungsebene abstrahiert werden, denn allein die Klanggestalt ist verantwortlich für die Folge der Buchstaben. Zudem ergibt sich das Problem, dass die Zuordnung von Phonem zu Graphem nicht immer eindeutig ist, da 26 Zeichen einschließlich Sonderzeichen über 40 Phoneme plus Gleitlaute wiedergeben. Im Allgemeinen kennzeichnen sich Buchstabenschriften dadurch aus, dass sie selbst nicht phonetisch sein können, sie orientieren sich lediglich am Phonetischen Prinzip, da verschiedene Buchstaben/-gruppen für das gleiche Phonem stehen können (Tier, stiehlt, dir) oder weil gleicher Klang verschieden verschriftet wird (Held - hält) oder verschiedener Klang durch das gleiche Graphem repräsentiert ist (Vogel – Vase).[7] Unsere Lautschrift beinhaltet auch einige Stellungslaute, die akzentuiert gesprochen werden und somit deutlicher zu hören sind als die verbindenden Elemente zwischen den Stellungslauten, die sog. Gleitlaute. Fasst man ähnlich klingende Laute zusammen, denen Grapheme zugeordnet werden, die die jeweilige Lautbreite repräsentieren, so gelangt man meist zum Normallaut (Bsp. O in Rost, holen, Holunder), wobei bei der Verschriftung die Stellungslaute den Normallauten entsprechen und die Gleitlaute wegfallen.[8] Die Normallaute geben jedoch nur ungefähre Anhaltspunkte für die Klanggestalt eines Wortes, so dass sich sagen lässt, dass unsere Schrift nur das darstellt, was zur Rekonstruktion des Klanges unbedingt von Nöten ist. Die Laut- und Buchstabenschrift, wie wir sie heute kennen, ist die leistungsfähigste aller Schriftsysteme und kennzeichnet das Ende der bisherigen Schriftentwicklung, es ist jedoch nicht gesagt, ob sie das für immer in der zukünftigen Geschichte der Menschheit bleiben wird.

[...]


[1] Vgl. Andresen, H.: Schriftspracherwerb und die Entstehung von Sprachbewußtheit 1985, S.17f.

[2] Schenk, Ch.: Lesen und Schreiben lernen und lehren. Eine Didaktik des Schriftspracherwerbs 1999, S.23.

[3] Vgl. Schenk, Ch.: Lesen und Schreiben lernen und lehren. Eine Didaktik des Schriftspracherwerbs 1999, S.24.

[4] Vgl. Schenk, Ch.: Lesen und Schreiben lernen und lehren. Eine Didaktik des Schriftspracherwerbs 1999, S.27.

[5] Vgl. Schenk, Ch.: Lesen und Schreiben lernen und lehren. Eine Didaktik des Schriftspracherwerbs 1999, S.28.

[6] Vgl. Topsch, W.: Lesenlernen/Erstunterricht. Bochum 1979, S.11.

[7] Vgl. Schenk, Ch.: Lesen und Schreiben lernen und lehren. Eine Didaktik des Schriftspracherwerbs 1999, S.29.

[8] Vgl. Schenk, Ch.: Lesen und Schreiben lernen und lehren. Eine Didaktik des Schriftspracherwerbs 1999, S.31.

Details

Seiten
14
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638143134
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6826
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik
Note
keine, aber gut
Schlagworte
Auditive Fähigkeiten Voraussetzung Erlernen Laut- Buchstabenschrift Förderung Didaktik Schriftspracherwerbs

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