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Wandel vom Deutschen Bildungssystem und -verständnis

Hausarbeit 2006 31 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff „Bildung“ - Versuch einer Definition

3. Historische Entwicklung deutscher Hochschulen – eine Übersicht

4. Das Hochschulsystem der Bundesrepublik Deutschland
4.1. Hochschularten
4.2. Hochschulzugang
4.3. Studienfinanzierung
4.3.1. BAföG
4.3.2. Studiengebühren
4.4. Wettbewerb unter den Hochschulen
4.4.1. Vorbild USA – eine Vergleichsanalyse
4.4.2. Hochschulrankings

5. Bildungsverständnis in Deutschland
5.1. Exkurs: PISA – Studie
5.2. Wandel des Bildungsverständnisses

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Das deutsche Bildungssystem- und verständnis soll in dieser Arbeit genauer beleuchtet werden. Dieses Thema scheint nicht nur durch die baldige Einführung von Studiengebühren von großer Bedeutung, sondern auch durch die internationale Schulleistungsstudie PISA, die zum großen Teil mit zum Wandel im deutschen Bildungsverständnis beigetragen hat. Kaum ein Tag in Deutschland vergeht, an dem die Medien nicht von Bildungsarmut oder neuen Bildungsreformen berichten. Dabei bildet Bildung die politische, wirtschaftliche und soziale Grundlage jedes Landes und sollte für jeden Bürger gleichermaßen zugänglich sein.

Ein Wandel im deutschen Bildungssystem zeigt sich nicht erst seit den Diskussionen um die Einführung von Studiengebühren, sondern zum Beispiel auch durch die internationale Angleichung der Studienmodelle mittels Bachelor und Master Studiengängen. Die Wirklichkeit des Bildungssystems in Deutschland ist sehr facettenreich, daher auch unübersichtlich. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit speziell auf die Universitäten in Deutschland eingegangen und weniger auf das Schulsystem, welches jedoch gleichermaßen interessant erscheint. Bevor jedoch das Hochschulsystem in Deutschland genauer betrachtet werden kann, muss eine theoretische Grundlage zum Verständnis des Begriffes Bildung gegeben werden. Im Anschluss daran wird die historische Entwicklung deutscher Hochschulen aufgezeigt, um danach auf die heutige Situation deutscher Hochschulen einzugehen. Die Darstellung der verschiedenen Bereiche und Aufgaben, die das deutsche Bildungssystem bewältigen muss, bilden den Hauptteil dieser Arbeit. Nach einer ausführlichen Darlegung verschiedenster Modelle gilt es das Bildungsverständnis in Deutschland genauer zu beleuchten, wobei ein kurzer Exkurs zur PISA-Studie unabdingbar erscheint. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit.

2. Der Begriff „Bildung“ - Versuch einer Definition

Der Bildungsbegriff, so wie ich ihn verstehe, steht für den Entwicklungsprozess eines jeden Menschen, bei dem er seine Fähigkeiten und Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen erweitert. Dieser Lernprozess beginnt bei der Geburt und wird bis zum Tod fortgesetzt. Die Aneignung von Bildung erfolgt in den ersten Lebensjahren durch Erziehung, welche von den Eltern, der Schule oder ähnlichem ausgeht. Im weiteren Verlauf des Lebens bildet sich jeder Mensch individuell weiter. Die Grundlage für Erziehung und Bildung liegt dabei in der Fähigkeit des Menschen lernen zu können. Die Bedeutung des Bildungsbegriffes hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert.

Das alte humboldtsche Bildungsverständnis verstand unter Bildung hauptsächlich die Anreicherung von Wissen und Fertigkeiten. Ein modernes Bildungsverständnis hingegen setzt sich aus einem Gleichgewicht zwischen Aneignung von Wissen auf der einen Seite und der Anhäufung von sozialen Kompetenzen auf der anderen Seite zusammen. Der anerkannte deutsche Pädagoge Hartmut von Hentig versteht unter Bildung:

„einen schwer fassbaren Vorgang und Prozess, durch den etwas Gestalt annimmt.“[1]

Er unterscheidet weiterhin drei Bereiche von Bildung: persönliche, politische sowie berufliche. Des Weiteren entwickelte er sechs Maßstäbe, an denen sich Bildung bewähren soll:

1) Entwicklung humanistischer Prinzipien oder Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit
2) Perzeption von Glück oder Wahrnehmung von Glück
3) Fähigkeit und Wille sich zu verständigen
4) Drang nach Wissen bezüglich der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz
5) Konstruierung eines Bewusstseins für metaphysische Fragen oder Wachheit für letzte Fragen
6) Selbstverantwortung und Verantwortung in der res publica (Gemeinwesen)[2]

Für Wilhelm von Humboldt, den Begründer der klassischen Bildungstheorie des Neuhumanismus, ist Bildung eher theoretisch bestimmt. Er versteht unter Bildung:

„die Anregung aller Kräfte eines Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt in wechselseitiger Ver- und Beschränkung harmonisch- proportionierlich entfalten und zu einer sich selbst bestimmten Individualität oder Persönlichkeit führen, die in ihrer Idealität und Einzigartigkeit die Menschheit bereichere.“[3]

In beiden Definitionen geht es um die Entwicklung von Persönlichkeit und Individualität. Dabei lässt sich festhalten, dass der Mensch sein Leben lang seine Persönlichkeit weiterentwickelt, da Bildung als Vorgang nicht abschließbar ist. Sie stellt somit keinen verfestigten Zustand dar, sondern zeigt sich eher als eine Art Prozess mit etlichen Steigerungsmöglichkeiten. Jedoch bleibt es jedem Menschen selbst überlassen wie viel Bildung er sich individuell aneignet.

3. Historische Entwicklung deutscher Hochschulen – eine Übersicht

Hierbei soll in erster Linie auf die Zeit nach 1950 eingegangen werden. Dabei dürfen die Anfänge von Wilhelm von Humboldt nicht ganz außer Acht gelassen werden. Dieser gründete 1812 die Universität Berlin neu[4], welche in der Geschichte zum Modell der deutschen Universitäten wurde. Grundwerte dieser Idee waren die innere Autonomie der staatlich getragenen Hochschulen, ihre Selbstverwaltung durch die Ordinarien, sowie die Freiheit der eigenen Studiengestaltung.[5] Die klassische Universität war dabei in ihren Strukturen auf die wissenschaftliche Bildung einer kleinen Elite ausgerichtet. Diese elitäre Form der Universität konnte sich allerdings nicht lange halten. Deutlich wurde dies Anfang der 50er Jahre durch Wandlungsprozesse im Hochschulsystem. Die so genannten (…)goldenen 50er Jahre(…)[6] zeichneten sich durch einen Expansionsschub von Studentenzahlen aus.[7] So begannen zu dieser Zeit etwa 4% eines Altersjahrganges ein Studium. Diese Zahl erscheint auf den ersten Blick nicht sehr groß, trotzdem nahm die Entwicklung der Studienzahlen ein nicht erwartetes Ausmaß an. So machte sich das Phänomen überfüllter Hörsäle schon damals bemerkbar.

Die Eskalation im deutschen Bildungswesen kann in den 60er Jahren, in der so genannten „Ausbildungsrevolution“, gefunden werden. Ausschlaggebend hierfür waren unter anderem die geringen Bildungsausgaben, im Vergleich zu anderen Industrienationen, überfüllte Hörsäle, das veraltete Bildungssystem sowie die scharfe soziale Auslese beim Studienzugang. Dies sind nur einige Faktoren, die schließlich zu den Studentenbewegungen um das Jahr 1968 führten.[8] Ein grundlegendes Resultat dieses Prozesses war, dass die bekannte humboldtsche Universität als Bildungsinstitution auf der Strecke blieb.[9] Die folgenden 70er Jahre waren gekennzeichnet durch Reformen und Umstellungen. So entwickelten sich die alten elitären Einrichtungen zu Gruppenuniversitäten, in der Demokratisierung und Transparenz eine wichtige Rolle spielten.[10] Die Einführung von Fachhochschulen 1968 stellte eine Neuerung im Bildungssystem dar.[11]

Gleichermaßen wurde 1976 das Hochschulrahmengesetz eingeführt, das zum Beispiel die Studienreform, Schaffung neuer Personalstrukturen oder die Neuordnung des Hochschulwesens zur Aufgabe hatte.[12] Durch all diese Neuerungen erfuhr das deutsche Bildungssystem einen erheblichen Modernisierungsschub. Eine positive Konsequenz dieser „Revolten“ Ende der 70er Jahre war die Erhöhung der Bildungsausgaben. Diese war durch den fortlaufenden Anstieg der Studentenzahlen dringend erforderlich.

In den späten 70er Jahren und Anfang der 80er Jahre stagnierten in Deutschland die Bildungsausgaben nach dem ersten Umschwung. Dabei wuchsen die Studentenzahlen immer weiter.[13] Diese Steigerung ließ die Universitäten schließlich an ihre Kompetenzgrenzen stoßen. So wurde 1980 die Millionengrenze der Studentenzahlen überschritten.[14] Diese Grenzüberschreitung kam durch eine Fehleinschätzung zustande. Der Bund ging davon aus, dass nach geburtenstarken Jahrgängen, nun zahlenmäßig schwächere Jahrgänge folgen würden. Weiterhin konnte der Arbeitsmarkt nicht genügend Beschäftigungsmöglichkeiten bereitstellen. Es wurde davon ausgegangen, dass die Studierbegeisterung abnehmen würde.[15] Tatsächlich stiegen beziehungsweise steigen die Erstsemesterzahlen heute teilweise immer noch an oder bleiben auf einem sehr hohen Niveau.[16] In der Zeit nach 1980 bestand die größte Aufgabe des Hochschulsystems darin, 1990 das Hochschulwesen in den neuen Bundesländern aufzubauen beziehungsweise an das westliche Bildungssystem anzupassen. Die Integration der ostdeutschen Universitäten in das Hochschulwesen war dabei ein langwieriger Prozess, der heutzutage als abgeschlossen erscheint. In Deutschland studieren zurzeit etwa 2 Millionen Menschen.[17]

4. Das Hochschulsystem der Bundesrepublik Deutschland

Das deutsche Hochschulsystem ist gekennzeichnet durch verschiedene komplexe Disziplinen. In dem Rahmen wird nicht nur ein Überblick über die einzelnen Punkte gegeben, sondern es werden gleichermaßen die Probleme herausgefiltert, die das deutsche Hochschulsystem belasten.

4.1. Hochschularten

Die Hochschullandschaft in Deutschland zeichnet sich durch ihre Größe aus. So existierten 2004/05 372 Hochschulen in Deutschland, wobei sich diese in etliche verschiedene Hochschularten aufspalten.[18] Dazu kommt zusätzlich das Angebot der Berufsakademien. Die gängigsten Hochschularten sind: Universitäten, spezialisierte Hochschulen (wie zum Beispiel Pädagogische Hochschule, Kunst- und Musikhochschule), Gesamthochschulen, Fachhochschulen, Private Universitäten, sowie Berufsakademien und Fernuniversitäten.[19] Die Unterschiede werden exemplarisch an den zwei wichtigsten Hochschularten dargestellt.

Als Universitäten werden in der Regel alle Hochschulen bezeichnet, die sowohl ein breites Fächerangebot, als auch das Recht der Verleihung von Doktorgrad und Habilitation aufweisen.[20] Ein Kennzeichen deutscher Universitäten ist die theoretische Ausbildung. Praktische Fähigkeiten können zum größten Teil nur in Praktika gesammelt werden. Der Studienalltag an einer Universität zeichnet sich durch hohe Eigeninitiative und Disziplin aus, da dieser wenig verschult ist. Trotzdem bilden die Universitäten in Deutschland mit einer Studentenzahl von 1.348.829 Millionen im Jahr 2004/05 den Kern des Hochschulsystems.[21]

Als Gegenpol zu den allgemeinen Universitäten sehen sich die Fachhochschulen, von denen es im Jahr 2004/05 in Deutschland 167 gab.[22]

[...]


[1] Hentig, Hartmut von (1996): Bildung. Ein Essay. München: Carl Hanser Verlag. S.39.

[2] Vgl. ebd., S.73ff.

[3] Brockhaus Enzyklopädie (1987). In: Hentig, Hartmut von (1996): Bildung. Ein Essay. München: Carl Hanser Verlag . S.40.

[4] Vgl. Turner, George (2000): Hochschule zwischen Vorstellung und Wirklichkeit: Zur Geschichte der Hochschulreform im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Berlin: Duncker und Humboldt. S.13.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd., S.14.

[7] Vgl. Peisert, Hansgert und Framhein, Gerhild (1994): Das Hochschulsystem in Deutschland. Bonn: BMBW. S.6.

[8] Vgl. Turner, George (2000): Hochschule zwischen Vorstellung und Wirklichkeit: Zur Geschichte der Hochschulreform im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Berlin: Duncker und Humboldt. S.17.

[9] Vgl. ebd., S.19.

[10] Vgl. ebd., S.20.

[11] Vgl. ebd., S.21.

[12] Vgl. Turner, George (2000): Hochschule zwischen Vorstellung und Wirklichkeit: Zur Geschichte der Hochschulreform im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Berlin: Duncker und Humboldt. S.23.

[13] Vgl. ebd., S.27.

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. ebd.

[16] Vgl. Hochschulstandort Deutschland. Verfügbar über: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,388890,00.html. Datum des Zugriffs: 13.07.2006.

[17] Vgl. Hochschulen. Verfügbar über: http://www.destatis.de/basis/d/biwiku/hochtab2.php. Datum des Zugriffs: 13.07.2006.

[18] Vgl. Hochschularten. Verfügbar über: http://www.destatis.de/basis/d/biwiku/hochtab1.htm. Datum des Zugriffs: 19.04.2006.

[19] Vgl. Rosigkeit, Andreas (1995): Reformdefizite der deutschen Hochschule. Frankfurt am Main: Europäischer Verlag der Wissenschaften. S.34.

[20] Vgl. ebd., S.35.

[21] Vgl. Hochschularten. Verfügbar über: http://www.destatis.de/basis/d/biwiku/hochtab1.htm. Datum des Zugriffs: 19.04.2006.

[22] Vgl. ebd.

Details

Seiten
31
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638609500
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68306
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,3
Schlagworte
Wandel Deutschen Bildungssystem Bildung Anspruch Realität

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