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Prostitution: Geschichte und der Einfluss moderner Sozialarbeit.

von Dipl. Grösch/Freudenthal Susann (Autor) Carolin Licht (Autor)

Wissenschaftlicher Aufsatz 2006 25 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fragestellung und Anlage der Arbeit

2. Begriffserklärung und Erläuterung von Prostitution und deren Ursachen

3. Geschichte der Prostitution in Kultur und Gesellschaft –
3.1 Die Tempelprostitution als Fruchtbarkeitsritus = Das Altertum
3.2 Die Prostitution im Mittelalter
3.3 Die Prostitution in der Neuzeit

4. Die Formen von Sexarbeit
4.1. Hauptgewerbliche Prostitution
4.2. Nebenerwerbliche („Hobby“-) Prostitution
4.3 Männliche Prostitution

5 Zwangsprostitution

6 Soziale Arbeit in dem Prostitutionsgewerbe

7. Die Prostitution und das Gesetz
7.1 Die Prostitution und das Gesetz in den letzten Jahren
7.2. Das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der

8. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Fragestellung und Anlage der Arbeit

Kaum ein Gewerbe konnte sich über so lange Zeit und über alle Krisen hinweg halten wie die Prostitution. Aber auch kaum ein Gewerbe, das einen nicht zu vernachlässigenden Erfolg zu verzeichnen hat, ist von der Gesellschaft derart geschmäht. Gerade heute, in Zeiten von sexueller Präsens allerorts, mutet der ambivalente Umgang mit dem „ältesten Gewerbe der Welt“ seltsam an.

Wir versuchen in unserem ersten Teil der Arbeit den Begriff der Prostitution näher zu erläutern und deren Ursachen festzustellen.

Anschließend haben wir uns mit der historischen Entwicklung der Prostitution in groben Zügen auseinandergesetzt und versuchen mit unsere Ausführungen einem groben Überblick über die Entstehungsgeschichte der Prostitution zu geben. Hier versuchen wir die Prostitution weder als persönliche "Neigung", noch als "Sünde" zu interpretieren.

Dabei wird der Zusammenhang von Prostitution und Gesellschaft deutlich, was wiederum darauf hinweist, daß Prostitution veränderbar ist, wie die Gesellschaftsformen auch.

Hierzu ist es wichtig die verschiedenen Formen genauer zu definieren und zu beleuchten, was wir kurz in unserem nächsten Teil der Arbeit versucht haben. Eine wichtige Rolle spielt hier das Thema der Zwangsprostitution auf das wir noch mal gesondert eingegangen sind.

Daran anschließend, teilweise parallel soll beschrieben werden, mit welcher rechtlichen Realität eine Frau, die als Prostituierte arbeitet, konfrontiert war und bis heute immer noch ist.

Der letzte Teil der Arbeit stellt dar, wo und von wem bereits soziale Arbeit im Bereich der Prostitution geleistet wird. Hierzu werfen wir einen Blick auf ein in Deutschland etabliertes Hurenprojekt, dessen Geschichte für Anschaulichkeit sorgen soll. Dabei geht es mir um die Frage inwieweit es Sozialarbeit überhaupt möglich ist als Instrument der gesellschaftlichen Anerkennung zu dienen, bzw. welche Hilfestellungen dafür von Seiten der Sozialarbeit geleistet werden müßten.

Die abschließende Zusammenfassung soll ein allgemeines Fazit der kompletten Thematik darstellen.

2. Begriffserklärung und Erläuterung von Prostitution und deren Ursachen

„Die Bereitschaft zur Prostitution wird heute aus einem Zusammenwirken verschiedener Faktoren erklärt, wie materielle Not, problematische Familienverhältnisse, sexueller Missbrauch in der Kindheit, beschädigte Selbstbilder, ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Sexualität, Finanzierung von Suchtmitteln sowie eine Neigung zu schnell verdientem Geld. […]“[1]

Es gibt sowohl männliche als auch weibliche Prostituierte, wobei die Frauen deutlich in der Überzahl sind. Weibliche Prostituierte befriedigen meist die Bedürfnisse von männlichen Kunden, den so genannten Freiern. Männliche Prostituierte (zum Beispiel Strichjungen und Callboys) erfüllen zumeist ebenfalls die Wünsche von männlichen Kunden. Weibliche Kunden von Prostituierten gibt es nur selten, sie gelten weitestgehend als ein von den Medien geschaffenes Phantom. Männer, die ihre Dienste ausschließlich Frauen anbieten, treffen in der Regel nicht auf genug Nachfrage, um dieses Angebot aufrechterhalten zu können. Ausnahmen gibt es gelegentlich in den Randzonen der Prostitution durch so genannte Gigolos. Auch der in manchen Anzeigen männlicher Prostituierter zu findende Hinweis „Damen angenehm“ oder ähnlichen sprechen eher für die Wünsche meist noch neuer, männlicher Prostituierter als für die Existenz weiblicher Kunden. Ein entsprechender Hinweis bei Anzeigen weiblicher Prostituierter soll wohl eher männliche Phantasien über lesbische Sexualität anregen als tatsächlich weibliche Kunden anlocken.[2]

Neben der freiwilligen Berufswahl führen als häufigste Ursachen wirtschaftliche Not oder Zwang in die Prostitution. Die Abgrenzung zwischen wirtschaftlichen Gründen und freiwilliger Berufswahl ist oft schwierig; viele Frauen gerade in wirtschaftlich schwachen Ländern werden Prostituierte, weil ihnen kein attraktiver oder auch nur akzeptabler Beruf offen steht.
Ein Grund für Prostitution kann auch Geldbeschaffung für Drogen sein. Hier kann ein Teufelskreis entstehen, in dem die schwierige emotionale Situation einer oder eines Prostituierten den Drang einer Betäubung mittels Drogen bedingt.[3]

3. Geschichte der Prostitution in Kultur und Gesellschaft - Von der klassischen Hetäre zum postmodernen Bodygirl

An der Art der Ausübung der Prostitution hat sich im Laufe der Geschichte erstaunlich wenig verändert, sehr gewandelt hat sich jedoch die Anerkennung in der Gesellschaft und Religion. Pierre Dufour, ein französischer Kulturwissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert, spekulierte über die Anfänge der sexuellen Dienstleistung in seiner legendären "Weltgeschichte der Prostitution": "Die Prostitution hat an dem Tage ihren Einzug in die Welt gehalten, an dem das erste Weibe sich als Ware verkaufte." Interessant ist, wie sich in den verschiedenen Kulturen und in verschiedenen Zeitepochen die Einstellung zur Prostitution veränderte und sich oft stark unterschied.[4]

3.1 Die Tempelprostitution als Fruchtbarkeitsritus = Das Altertum

Belege für eine erste, frühe Form von Prostitution gibt es aus der Zeit um 3000 vor Christus, die so genannte Tempelprostitution.

Unter Tempelprostitution versteht man eine im Altertum vor allem in Indien, Ägypten, Babylon, Lydien, Numidien, Persien und auf Zypern übliche Form des kultischen Geschlechtsverkehrs von Tempeldienerinnen.
Jede Frau in Babylon musste nach einem Gesetz des Königs Hamurabi (1793-1750 v. Chr.) zeitweise vor ihrer Ehe als Tempeldienerin tätig sein.[5] Sie bereicherten sich damit aber nicht selbst, sondern führten die Einnahmen an ihren Tempel ab. Es waren ganz normale Bürgerinnen, die nur für kurze Zeit im Tempel blieben, nämlich solange, bis sie einen Mann fanden, der sie interessierte. Es war ein Fruchtbarkeits-Ritus und der Verkehr mit der Priesterin sollte die Götter für die Ackerbau und Viehzucht günstig stimmen
Dieser Kult fand später auch in Griechenland Eingang, speziell in Kappadokien und Korinth, jedoch überwiegend von freigelassenen Sklavinnen, den so genannten Pornas ausgeübt. Griechische Hetären waren im Gegensatz zur Porna oft sehr gebildet und genossen einen höheren gesellschaftlichen Status als Ehefrauen.

Bei den Griechen und Römern gewannen die geschäftliche Berechnung und die Sicht auf den Körper als Ware an Bedeutung. Nach historischen Überlieferungen soll es die ältesten offiziellen Bordelle in Griechenland gegeben haben: Der griechische Staatsmann Solon ließ im siebten

Jahrhundert vor Christus die so genannten Staatsbordelle errichten – und verdiente gutes Geld damit. Zu jener Zeit arbeiteten Frauen aus allen Bevölkerungsschichten als Sexarbeiterinnen, aber insbesondere die Geschichten von den so genannten Hetären, bezahlten Geliebten bedeutender griechischer Männer, sind überliefert: Aspasia, die Freundin und spätere Frau des athenischen Staatsmannes Perikles, der im fünften Jahrhundert vor Christus regierte, oder Thais, die Geliebte von Alexander dem Großen (356-323 v. Chr.), waren sehr gebildete Frauen, die auch die Geschichte ihrer Zeit geistig mitbestimmten. Ein Relikt des Sexgewerbes aus römischer Zeit ist wegen seiner erotischen Fresken weltberühmt und heute noch zu besichtigen: das Lupanar von Pompeji.

Die frühen Christen sahen das Lustvolle und Lebensfrohe der heidnischen Antike als Auswuchs der Dekadenz an; ihrer Meinung nach war der Untergang Pompejis im Jahr 79 nach Christus der Beweis dafür. Sie entwickelten in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt einen religiös-moralischen Gegenentwurf. Nach ihrem Verständnis galt das weibliche Geschlecht als Verführung, allein sexuelle Askese und die Hinwendung zu Gott konnten das Seelenheil bringen. Sexualität in der Ehe diente der Fortpflanzung, Sex als körperliches und seelisches Vergnügen war reine Sünde. Christliche Dirnenlegenden, wie die von Maria Magdalena, sind Beispiele für Prostituierte als reuige Sünderinnen.[6]

3.2 Die Prostitution im Mittelalter

Im 12. Jahrhundert werden die ersten Bordelle im Europa des Mittelalters urkundlich erwähnt. Eines der ältesten Deutschlands (noch betriebenen) ist in Minden in Westfalen zu finden. Ironischerweise waren oftmals Klöster oder Kirchen die Betreiber dieser bordellähnlichen Betriebe.

Außerdem gab es Prostituierte (Hübschlerinnen), die durch das Land zogen, um auf Jahrmärkten und auch bei kirchlichen Festen ihr Geld zu verdienen.

Die Menschen im Mittelalter hatten eine ambivalente Einstellung zur Prostitution: Religiös-moralisch wurde sie verurteilt, aber rechtlich war sie erlaubt. Nicht zuletzt um die "ehrbare Frau" zu schützen und wegen der finanziellen Einnahmen wurde sie von den behördlichen Instanzen offiziell

geregelt und somit auch, paradoxerweise, von der Kirche toleriert, die im Mittelalter großen gesellschaftlichen Einfluss hatte.

In den Städten war die Obrigkeit darauf bedacht, durch die Festlegung einzelner Straßen die Prostitution einzuschränken und die Dirnen durch Kleidervorschriften für die Gesellschaft kenntlich zu machen. Immer wieder trachteten die Dirnen, ihr Gewerbe in allen Stadtteilen ausüben zu können.[7]

Um ehrbare Frauen von Prostituierten unterscheiden zu können, mussten diese sich oft einer Kleiderordnung unterwerfen, die ihnen das Tragen bestimmter Schuhe, Bänder oder Schleier vorschrieb. Meistens waren diese Kennzeichnungen in den Schandfarben rot, gelb oder grün. Die Kleidervorschriften jeder Stadt waren allerdings verschieden. So mussten Prostituierte in Wien ein gelbes Tüchlein an der Achsel tragen, in Augsburg einen Schleier mit einem grünen Strich, in Frankfurt a. M. eine gelbe Verbrämung (Saum) und in Zürich und Bern verdeutlichte ein rotes Käppeli bzw. eine rote Mütze ihre niedrige Standeszugehörigkeit. Nach dem Meraner Stadtrecht aus dem 14. Jahrhundert sollten die freien Töchter auf ihren Schuhen ein gelbes Fähnchen haben. Gelb ist also nicht grundsätzlich die Farbe der Prostituierten; denn auch Juden wurden teilweise mit dieser Farbe gekennzeichnet.[8]

Die Polizei hatte zur damaligen Zeit alle Hände voll zu tun mit einer ausufernden Prostitution auf den Straßen, Brücken und Plätzen denn trotz des Prostitutionsverbots schafften es die „liederlichen Weiber“ immer wieder Männer anzulocken. Dies führte dazu, dass die Städten und Gemeinden anfingen Bordelle/Frauenhäuser einzurichten. Stadthalter, Fürsten und die Kirche zählten meist zu den Bordellbesitzern. Man sah sich gezwungen die Huren unter Aufsicht zu stellen und meist übernahm dies ein Scharfrichter, denen die wöchentlichen Abgaben der Huren sehr willkommen waren.[9]

In mittelalterlichen Städten wurden die Bordellhäuser meist vor die Stadtmauer bzw. kurz dahinter an die Stadttore gesetzt, so dass das sexuell ausgehungerte Fahrende Volk (reisende Studenten und Lehrlinge,

Vaganten, fliegende Händler, Söldner und Soldaten auf Durchmarsch) dort erst einmal da durchzog, bevor es die Stadt betrat.

Als die Städte jedoch zu wachsen begannen und zunehmend dichter bebaut wurden lagerten sich neue Vorstädte an.[10]

Zum Ende des Mittelalters hatte sich eine große Kluft zwischen Moral und Praxis im Umgang mit dem Thema aufgetan. Insbesondere die Reformation, die Inquisition und die Ausbreitung der Geschlechtskrankheit Syphilis führten ab dem 15. Jahrhundert innerhalb nur weniger Jahrzehnte zur gesellschaftlichen Ausgrenzung von Prostituierten. Sie wurden jetzt als das "Tor des Teufels" gebrandmarkt und als Hexen verdammt. Die Kirche bot Ausstiegshilfen an - die Prostituierten konnten ein Leben im Kloster wählen - aber das Gewerbe starb nicht aus. Prostitution wurde unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit weiter praktiziert.[11]

Es wurde die Ausrottung der Prostitution angestrebt und man glaubte mit härtesten Bestrafungen dies erreichen zu können. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann man das Geschäft mit der käuflichen Liebe wieder als anerkanntes Gewerbe zu dulden und zu besteuern.[12]

[...]


[1] Brockhaus 1998, S.210

[2] vgl. Stimmer 2000, S.521

[3] vgl. Brakhoff 1989, S.10

[4] vgl. Feustel 1993 S.7

[5] vgl. Bargon 1982, S.47, Bloch 1912, S.69, Blaschko 1904, S.7, zit. n. Heinz-Trossen 1993, S.37-38

[6] vgl. Feustel 1992, S.15ff

[7] vgl. Schuster 1992, S.72ff

[8] vgl. Schuster 1992, S.145ff ; vgl. Meister 1786, S.107, zit. n. Schuster 1995 S.80f.

[9] vgl. Paulus 2003, S.38

[10] vgl. Schattenhofer 1984, S.138; Simon-Muscheid 1992, S.204, zit. n. Schuster 1995 S.98f

[11] vgl. Paulus 2003, S. 38f

[12] vgl. Bassermann 1965, S.245f, zit. n. Heinz-Trossen 1993, S.41

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638611497
ISBN (Buch)
9783640319480
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68809
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda
Note
1.8
Schlagworte
Prostitution

Autoren

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