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Fallbeispiel Chile - Ein Beweis für einen positiven Zusammenhang von Demokratie und Entwicklung?

Hausarbeit 2006 25 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Entwicklungspolitik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Der Demokratiebegriff
2.2 Der Entwicklungsbegriff nach Nohlen und Nuscheler
2.2.1 Wachstum
2.2.2 Arbeit
2.2.3 Gleichheit/Gerechtigkeit
2.2.4 Partizipation
2.2.5 Unabhängigkeit/Eigenständigkeit
2.2.6 Anmerkungen und Operationalisierung

3 Fallbeispiel Chile
3.1 Politische Geschichte
3.2 Wirtschaftsgeschichte

5 Untersuchungen anhand der Entwicklungskriterien von Nohlen und Nuscheler
5.1 Wachstum
5.2 Arbeit
5.3 Gleichheit/Ungleichheit
5.6 Wirtschaftliche Unabhängigkeit

6 Fazit

Quellen

1 Einleitung

Der Jahrzehnte währende Streit um den Zusammenhang von Entwicklung und Demokratie ist nach wie vor aktuell. Die Beantwortung der Frage, ob Entwicklung und Demokratie zusammenhängen, ist eine wesentliche Vorraussetzung, um Entwicklungspolitik betreiben zu können. Zu diesem Zweck müssen Ursachen von Unterentwicklung und Wege für Entwicklung erkannt und angewandt werden. Die Uneinigkeit in der wissenschaftlichen Forschung hängt zum einen mit ungenauen Begriffsbestimmungen und der Komplexitätsproblematik zusammen. Zum anderen wird versucht, generelle Aussagen durch Studien zu erzielen, die eine hohe Fallzahl aufweisen. Dies führt für mich jedoch zu ungenauen Aussagen.

In meiner Arbeit werde ich zunächst eine exakte Begriffsbestimmung von Entwicklung und Demokratie vornehmen. Anschließend werde ich mich auf ein Fallbeispiel, hier Chile, konzentrieren und länderspezifische Charakteristika und Probleme beleuchten. Anhand der Operationalisierung des Entwicklungsbegriffes werde ich gezielt meine empirische Untersuchung vornehmen. In einem abschließenden Fazit werde ich eine Beurteilung bezüglich des Zusammenhangs von Demokratie und Entwicklung vornehmen.

2 Begriffsbestimmungen

Bevor ich beginne, erscheint es mir sinnvoll, den wissenschaftlichen Stand, der sich mit dem Zusammenhang von Entwicklung und Demokratie auseinandersetzt, zu erläutern. Anschließend werde ich meine ausführlichen Begriffsdefinitionen vornehmen, um auf deren Grundlage empirisch vorgehen zu können.

Modernisierungstheoretiker sahen stets einen Zusammenhang von ökonomischer und demokratischer Entwicklung. Wenn, so die Theoretiker, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit steige, dann werden - nach einiger Zeit - demokratische Strukturen gebildet.

Problematisch waren diese Ansätze aufgrund ihrer Unbestimmtheit. Zwar sind sie in der Lage aufzuzeigen, dass in allen Industrieländern Demokratie in irgendeiner Form herrscht. Ursachen oder bestimmende Faktoren und Gründe für diesen Zusammenhang konnten jedoch nicht genannt werden. Ob Demokratie die Wirtschaft oder Wirtschaft die Demokratie bestimmt, ist ein interessanter, jedoch schwer nachzuweisender Zusammenhang, der sich durch Modernisierungstheorien nicht erklären lässt. Letztendlich können diese empirischen Studien nur betonen, dass es einen Zusammenhang zwischen ökonomischer und demokratischer Entwicklung gibt. Wie dieser Zusammenhang sich ausgestaltet und welche die abhängige bzw. die unabhängige Variable ist, wird nicht gesagt. Lediglich Tendenzen können ausgemacht werden. „Pragmatisch und vorurteilsfrei betrachtet, scheint der Schluss berechtigt, dass das Einkommenswachstum als Maßstab der Wohlfahrt überbetont wurde, dass aber das Einkommenswachstum üblicherweise nicht gegen den Erfolg in anderen Bereichen spricht.“ (Weltentwicklungsbericht 1991, S. 60)

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hielten sich in der Folgezeit zwei Systemtypen: Diktaturen in unterschiedlichen Formen und Demokratien. Ein logischer Schluss aus der „Modernisierungsthese“ wäre: Wenn die Ökonomie wächst, muss sich eine Demokratie herausbilden. Dies ist, wie die Empirie zeigt, aber nicht zwangsläufig der Fall. Als Gegenbeispiel seien hier Singapur oder andere Tigerstaaten genannt, die zwar eine stark wachsende Wirtschaft haben, jedoch in ihrer demokratischen Entwicklung Defizite besitzen. Ökonomische Entwicklung allein kann demnach nicht das Entstehen einer Demokratie erklären.

Modernisierungs- und Dependenztheorien sind daher in ihrem Anspruch, den Zusammenhang zwischen politischer und ökonomischer Entwicklung erklären zu können, gescheitert. Konvergenz-, Divergenz- und Konflikttheorien innerhalb modernisierungstheoretischer Paradigmen führen nicht zu eindeutigen Aussagen.

Arbeit, Gleichheit und Unabhängigkeit müssen differenziert betrachtet werden, um Aussagen über die Entwicklung eines Landes machen zu können. Interessant wird es, wenn man sich das Verhältnis von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit betrachtet: Unter den zweitgenannten Begriff fallen auch das Recht auf Arbeit und das Recht auf Gleichheit. Mit diesem Komplexitätsbewusstsein werde ich nun die Begriffe Demokratie und Entwicklung definieren.

2.1 Der Demokratiebegriff

Die Demokratie ist ein weitläufig und oft auch undifferenziert benutzter Begriff. Von daher werde ich klären, auf welches Demokratieverständnis ich für meine weitere Arbeit aufbauen werde. Probleme, ab wann man von einer Demokratie sprechen kann, versuchte Dahl 1971 zu lösen. Er entwickelte Basiskriterien, die notwendig seien, um von einer Demokratie sprechen zu können. Er betonte jedoch auch, dass selbst in den „fortgeschrittensten“ Demokratien diese Kriterien oft nur unzureichend erfüllt seien. Sie können somit Leitkriterien und Orientierungshilfen sein, die in einer Demokratie unabhängig von ihrem Grad der Entwicklung vorhanden sein müssen.

Zu diesen Kriterien gehören:

1. Freedom to form and join organizations
2. Freedom of expression
3. Right to vote
4. Eligibility for public office
5. Right of political leaders to compete for votes
6. Alternative sources of information
7. Free and fair elections
8. Institutions for making government policies depend on votes and other expressions of preference

(Dahl 1971: 3)

Ich habe mich aufgrund seiner einfachen Handhabung für diesen Demokratiebegriff entschieden, da mein Hauptaugenmerk in dieser Arbeit der Interdependenz von Demokratie und Entwicklung gilt. Ein zu komplexer Demokratiebegriff würde es erschweren, meine empirischen Untersuchungen zu operationalisieren. Zudem wurde bereits von Dahl festgestellt, dass selbst in den fortgeschrittensten Demokratien diese "Idealpunkte" nie erreicht werden können. Diese Definition greift also nicht verschiedene Grade von demokratischer Entwicklung auf. Eine Demokratie ist demnach ein politisches System, welches die oben genannten acht Punkte unabhängig von ihrer Intensität verwirklicht hat.

2.2 Der Entwicklungsbegriff nach Nohlen und Nuscheler

Entwicklung ist zu einem schwammigen, nichts sagenden Begriff geworden. „Für die Weltbank bedeutet Entwicklung etwas anderes als für die UNDP, für einen liberalen Wirtschaftstheoretiker etwas anderes als für einen Marxisten.“ (Nuscheler 2004: 225) Die Tatsache, dass Entwicklung als Prozess verstanden werden muss, macht eine Definition nicht leichter. Entwicklung kann deshalb nur durch normative Ziele definiert und gefasst werden, um feste Orientierungspunkte auszumachen. Dadurch wird die Definition jedoch normativ geprägt und an gewissen Wertvorstellungen gelehnt.

Nohlen und Nuscheler, deren „Magisches Fünfeck von Entwicklung“ ich erläutern werde, sind der Meinung, dass Entwicklung bei der Befriedigung von Grundbedürfnissen, also Nahrung, Kleidung und Behausung, beginnen muss. Gleichzeitig plädieren sie dafür, den Entwicklungsbegriff weiter zu differenzieren. (vgl. Nohlen, Nuscheler: 1992: 64) Dieser komplexe, sich aus den fünf Komponenten Wachstum, Arbeit, Gleichheit/Ungleichheit, Partizipation sowie Abhängigkeit/Eigenständigkeit zusammensetzende Begriff soll nun näher erläutert werden.

2.2.1 Wachstum

Unter Wachstum ist ein „angemessenes und möglichst stetiges Wachstum des Produktionspotenzials verbunden mit einer realen Einkommenssteigerung“ zu verstehen. (Kaiser, Wagner 1988: 62)

Nohlen und Nuscheler verstehen darunter eine Bedingung für Entwicklung, da eine wachsende Wirtschaft nötig ist, um Grundbedürfnisse zu befriedigen. Jedoch geht ihr Wachstumsbegriff über pures quantitativ-ökonomisches Wachstum hinaus. Vielmehr beinhaltet er die „gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt“ und fasst somit auch die Verminderung von Armut und ungleichen Einkommensverhältnissen. Die Frage ist somit, „wem Wachstum zugute kommt und auf welche Weise es zustande kommt.“ (Nohlen, Nuscheler: 1992: 67) Damit aber „Wachstum ohne Entwicklung“ vermieden wird, nennt Nuscheler drei Voraussetzungen:

1. eine gerechte Verteilung der Wohlstandseffekte,
2. eine langfristige, nachhaltige Wachstumsorientierung und
3. eine arbeitsintensive Wachstumsorientierung zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit und deren sozialen Folgen.

(Vgl. Nuscheler 2004: 235)

2.2.2 Arbeit

Im Mittelpunkt dieser Komponente von Entwicklung steht die Arbeit als Mittel, sich eigenständig zu verwirklichen, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und die Armut zu überwinden. Arbeit, so Nohlen und Nuscheler, ist mehr als eine Einkommensquelle, sondern vielmehr ein „Zugang zu existenziellen Verbrauchs- und Gebrauchsgütern.“ (Nohlen, Nuscheler 1992: 70) Die Bereitstellung existenzsichernder Arbeitsplätze muss nicht zwangsläufig zu einer wachstumsmindernden Wirkung führen, da gleichzeitig mit einem vernünftigen Einkommen die Nachfrageseite stimuliert wird. (vgl. Nuscheler 2004: 237) Zudem darf nicht vergessen werden, dass Arbeit das größte Entwicklungspotenzial von Entwicklungsländern ist. (vgl. Kaiser, Wagner 1988: 62)

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Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638611961
ISBN (Buch)
9783638673099
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68900
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,3
Schlagworte
Fallbeispiel Chile Beweis Zusammenhang Demokratie Entwicklung Einführung Entwicklungspolitik

Autor

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Titel: Fallbeispiel Chile - Ein Beweis für einen positiven Zusammenhang von Demokratie und Entwicklung?