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Zukunftsmarkt China. Internationalisierungsstrategien der Textil- und Bekleidungsindustrie

Diplomarbeit 2005 141 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Definition und Abgrenzung

2. Wirtschaftsstandort VR China
2.1 Die Wirtschaftsentwicklung seit 1978 (Reform- und Öffnungspolitik)
2.2 Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts seit 1978
2.3 Einkommensentwicklung und –verteilung
2.4 Sonderwirtschaftsgebiete

3. Chinas WTO-Beitritt und das Auslaufen des Agreement on Textiles and Clothing (ATC)

4. Motive für Investitionen in der VR China
4.1. Absatz- und marktorientierte Motive für Investitionen
4.2. Kostenorientierte Investitionsmotive

5. Investitionsstandort VR China
5.1 China als Absatz- und Handelsstandort für Bekleidung
5.1.1 Chinas Einzelhandel und der Absatzmarkt für Bekleidung
5.1.2 Erfolgsfaktoren im Absatzmarkt für Bekleidung
5.1.3 Chinas Konsumenten
5.1.3.1 Die kleinen Kaiser
5.1.3.2 Die jungen Aufsteiger
5.1.3.3 Die Altgedienten
5.2 China als Produktions- und Beschaffungsstandort
5.2.1 Die Beschaffungsstrategie des Global Sourcing
5.2.2 Die VR China als Beschaffungsland
5.2.2.1 Wichtige Beschaffungsregionen
5.2.2.2 Produktionskosten im internationalen Vergleich
5.2.3 Herausforderungen bei der Beschaffung
5.2.3.1 Bestandsaufnahme der chinesischen Textil- und Bekleidungs- industrie
5.2.3.2 Vorzüge des chinesischen Beschaffungs- und Produktionsstandortes
5.2.3.3 Lieferantenidentifikation
5.2.3.4 Lieferantenbewertung und -auswahl
5.2.3.5 Erfolgsfaktoren für die Beschaffung in China
5.2.3.6 Probleme bei der Beschaffung

6. Formen und Strategien der Internationalisierung
6.1 Außenhande
6.2 Kooperationen ohne Kapitalbeteilung
6.2.1 Internationale Lizenzvergabe
6.2.2 Lohnfertigung
6.2.3 Franchise
6.2.4 Das Contractual Joint Venture
6.3 Kooperationen mit Kapitalbeteiligung (Direktinvestitionen)
6.3.1 Das Equity Joint Venture
6.3.2 Wholly Foreign Owned Enterprise

7. Markteintrittsphasen
7.1 Vorbereitungs- und Verhandlungsphase
7.1.1 Vorbereitungen
7.1.2 Informationsbeschaffung
7.1.3 Partnersuche
7.1.4 Partnerwahl
7.1.5 Vertragsverhandlungen
7.2 Genehmigungs- und Registrierungsphase
7.2.1 Lizenzgeschäfte
7.2.2 Joint Ventures und Wholly Foreign Owned Enterprises
7.2.2.1 Letter of Intent
7.2.2.2 Project Proposal
7.2.2.3 Feasibility Study
7.2.2.4 Kooperationsvertrag

8. Praktische Erfahrungen und Einschätzungen im China-Geschäft
8.1 Die Tom Tailor AG
8.2 s.Oliver Bernd Freier GmbH & Co. KG
8.3 Hugo Boss AG

9. Zusammenfassung und Ausblick

Anlagenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Abgrenzung der Textil- und Bekleidungsindustrie

Darstellung 2: Bruttoinlandsprodukt und Wachstum

Darstellung 3: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

Darstellung 4: Einfuhrwerte von Textilien und Bekleidung

Darstellung 5: Produktion von Bekleidung 2002

Darstellung 6: Die wichtigsten Exportprovinzen für Textilien und Bekleidung 2002

Darstellung 7: Die zehn günstigsten Produktionsländer

Darstellung 8: Internationalisierungsstrategien

Darstellung 9: Vor- und Nachteile einer Investition mit und ohne chinesischen Partner

Darstellung 10: Bestandteile einer Feasibility-Study in China

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Volksrepublik China (VR China) gilt als einer der wichtigsten Zukunftsmärkte weltweit. Seit der Öffnung im Jahre 1978 wächst die Wirtschaft in einem enormen Tempo, mit konstanten Wachstumsraten zwischen 7% und 9,5%. Mit Einführung der „sozialistischen Marktwirtschaft“ hat sich viel verändert im Reich der Mitte. Mittlerweile ist die VR China der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten und öffnet sich im Zuge dessen weiter dem Ausland. Dies bietet große Möglichkeiten für ausländische Unternehmen. Neben dem stetigen Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP), lassen auch das weltweit größte Absatzpotential mit 1,3 Mrd. Menschen und die günstigen Produktionsmöglichkeiten die Herzen der westlichen Manager höher schlagen. Bei vielen Unternehmen besteht „eine gewisse Chinabesoffenheit“, so wie es der frühere Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff ausgedrückt hat.[1]

Den wirtschaftlichen Chancen stehen allerdings auch Hemmnisse gegenüber, da bedacht werden muss, dass China vor 1978 ein System der Planwirtschaft hatte und immer noch planwirtschaftliche Elemente in der Wirtschaft verankert sind. So greift die chinesische Regierung mit radikalen Maßnahmen in die Wirtschaft ein (z.B. Verbot der Kreditvergabe an bestimmte Branchen), um die drohende wirtschaftliche Überhitzung abzukühlen. Eines der größten Probleme ist aber nach wie vor die Durchsetzung von Rechtsansprüchen, trotz der gesetzlichen Verbesserungen im Zuge des WTO-Beitritts im Jahre 2001. Hinzu kommt, dass die Konkurrenz in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft stark zunimmt. Weitere Problemfelder können die ausgeprägte Produktpiraterie sein, sowie die Unterschiede in Sprache und Kultur, die sich bspw. in den unterschiedlichen Verhandlungsgepflogenheiten äußern. Diese kurzen Ausführungen lassen die möglichen Gefahren eines China-Engagements erahnen.

Deutschland ist, hinter den USA, das zweitgrößte Importland auf dem Welttextilmarkt und Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Auch China hat sich mittlerweile für Deutschland zum bedeutendsten Handelspartner in Asien entwickelt. Die VR China ist einerseits, als weltgrößter Produzent und Exporteur von Textilien und Bekleidung, ein attraktives Produktions- und Beschaffungsland, andererseits bietet China auch große Chancen als Handels- bzw. Absatzstandort. Mit dem konstant schnellen Anstieg des Einkommens der Bevölkerung, steigt auch das Kundenpotential rasant an.

Beide Sichtweisen sollen in der Arbeit beleuchtet werden. Zum einen, aus der Sicht eines Herstellerbetriebs, für den die Produktion in China im Vordergrund steht, aber genauso für Bekleidungshändler, für die China ein Beschaffungsland darstellt. Zum anderen, aus der Sicht des Handels, für den die Erschließung des chinesischen Absatzmarkts vorrangig ist.

Die deutsche Textil- und Bekleidungsbranche steht aufgrund der hohen inländischen Arbeitskosten, aber auch wegen einer weitgehenden Marktsättigung, in Verbindung mit einem schwachen Konsum in Deutschland, stark unter Druck.

Um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, nutzen die Unternehmen das Prinzip der internationalen Arbeitsteilung, bei der die arbeits- und lohnintensiven Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden. Durch Internationalisierung des Handels bzw. Absatzes, kann sich die Textil- und Bekleidungsbranche ein weiteres Standbein aufbauen und damit eine Risikodiversifikation und stärkere Unabhängigkeit vom deutschen Markt erreichen.

Chinas Anziehungskraft auf Unternehmen liegt darin begründet, dass es sowohl einen attraktiven Produktions- als auch Absatzstandort darstellt.

Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen Internationalisierungsstrategien der Textil- und Bekleidungsbranche am Beispiel der VR China darzustellen. Dabei sollen die unterschiedlichen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für einen Markteintritt in China analysiert werden. Die Arbeit soll Unternehmen, die sich in China engagieren möchten, einen ersten Eindruck von den wirtschaftlichen Begebenheiten vermitteln und verdeutlichen, welche chinesischen Besonderheiten bei einem Markteintritt zu beachten sind.

Anzumerken ist, dass diese Arbeit, aufgrund der rasanten Entwicklungen und Veränderungen in China, keinen Anspruch auf letzte Aktualität erheben kann.

Aufbau der Arbeit

Nach einer begrifflichen Abgrenzung der Textilindustrie und der Bekleidungsindustrie, wird unter dem zweiten Gliederungspunkt der Arbeit der Wirtschaftsstandort China beleuchtet. In diesem werden zunächst die Reformen des Wirtschaftssystems und die damit einhergehende wirtschaftliche Entwicklung seit der Öffnung 1978 beleuchtet. Daran anschließend erfolgt eine Darstellung der Einkommensentwicklung der Bevölkerung unter Berücksichtigung des für China charakteristischen Ost-West- bzw. Stadt-Land-Gefälles. Dieser Abschnitt schließt mit der Beschreibung der chinesischen Sonderwirtschaftsgebiete und deren Bedeutung für die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft ab.

Der dritte Teil der Arbeit stellt den Beitritt Chinas zur WTO dar. Beschreibt Veränderungen und Erleichterungen, die sich mit dem chinesischen Beitritt ergeben haben. Dazu wird auf das Auslaufen des für den weltweiten Textil- und Bekleidungshandel so wichtigen Agreement on Textiles and Clothing (ATC) eingegangen.

Im vierten Abschnitt sollen die bedeutendsten Motive analysiert werden, die Unternehmen dazu veranlassen, sich in der VR China zu engagieren.

Unter dem fünften Gliederungspunkt wird der Investitionsstandort China beleuchtet. Zuerst aus der Sicht eines Bekleidungsunternehmens, für welches der chinesische Absatz- und Handelsstandort Investitionsziel ist. Es werden Erfolgsfaktoren aufgezeigt, die bei der Erschließung des chinesischen Absatzmarkts zu beachten sind. Darüber hinaus wird ein Bild der unterschiedlichen chinesischen Konsumentengruppen und ihren Konsumgewohnheiten gezeichnet.

Der Investitionsstandort China unter dem Aspekt der Beschaffung und Produktion von Textilien und Bekleidung schließt sich an. Die Strategie des Global Sourcing wird erläutert und China als Beschaffungsland beschrieben, indem auf die Beschaffungsregionen und die Produktionskosten eingegangen wird. In China stellen sich besondere Herausforderungen bei der Beschaffung bezüglich Lieferantenidentifikation und –bewertung, die im Folgenden, neben den damit zusammenhängenden Erfolgsfaktoren, aufgezeigt werden sollen. Abgeschlossen wird dieser Abschnitt mit den Vorzügen und den Problemen des chinesischen Beschaffungsstandortes.

Der sechste Teil der Arbeit stellt die unterschiedlichen Formen der Internationalisierungsstrategien in China vor. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf den Kooperationen mit und ohne Kapitalbeteiligungen, wobei sowohl Strategien zur Internationalisierung der Produktion als auch des Handels beschrieben werden. Beschränkt wird sich bei den Ausführungen auf Strategien, die für die Textil- und Bekleidungsindustrie von Bedeutung sind. Die verschiedenen Formen werden aufsteigend nach ihrer Ressourcenbindung bearbeitet.

Der siebte Abschnitt behandelt die Phasen des Markteintritts, nachdem ein Unternehmen sich für eine der Internationalisierungsstrategien entschieden hat. Dabei wird auf die einzelnen Schritte der Vorbereitungs- und Anlaufphase des China-Engagements eingegangen. Die Partnerwahl steht am Ende dieser Phase, wobei die Vertragsverhandlungen mit Chinesen, aufgrund der hohen Bedeutung, nochmals explizit dargestellt werden. Anschließend folgt die Genehmigungs- und Registrierungsphase. In dieser Phase werden die chinesischen Zulassungsanforderungen an ausgewählte Internationalisierungsstrategien deutlich gemacht.

Der achte Teil der Arbeit behandelt praktische Erfahrungen und Einschätzungen des China-Geschäfts in der Textil- und Bekleidungsbranche. Hierzu wurden Modeunternehmen schriftlich und mündlich befragt.

1.1 Definition und Abgrenzung

Die Textilwirtschaft umfasst, „... den gesamten Produktions- und Verarbeitungsprozess von der ersten Bearbeitung des textilen Rohstoffs bis zum Absatz der fertigen Textilerzeugnisse an den Endverbraucher.“[2]

Es zählen dazu die Textil- und Bekleidungsindustrie, die textile Produkte herstellt und anbietet, der Groß- und Einzelhandel (mit Versandhandel) von Textilien und Bekleidung und der Endverbraucher als Nachfrager von Textilien und Bekleidung. Die Lieferanten von Vorleistungen, Rohstoffen und Maschinen werden nicht zur Textilwirtschaft im engeren Sinne gezählt.[3]

Charakteristisch ist für die Herstellung von Bekleidung eine serielle Verarbeitungsfolge. Das bedeutet, dass die einzelnen Verarbeitungsschritte nur nacheinander und nicht parallel durchgeführt werden können.[4] Deshalb spricht man von der „textilen Kette“.

Daher lassen sich die einzelnen Schritte des Wertschöpfungsprozesses relativ leicht separieren und damit auch internationalisieren.[5] Bspw. kann die Kollektionserstellung in Deutschland stattfinden und die Fertigung wird ins Ausland verlagert.

Wie Abbildung Nr. 1 verdeutlicht, bezieht die Textil- und Bekleidungsindustrie verschiedene Vorleistungen aus anderen Branchen. Das können Rohstoffe wie Naturfasern (z.B. Baumwolle, Wolle, Seide usw.) oder Chemiefasern (z.B. Nylon, Polyester, Elasthan usw.) sein.

Am Anfang der textilen Kette steht die Aufbereitung und Verarbeitung von Fasern, aus denen Garne erzeugt werden. Das erledigen die Kämmereien und Spinnereien. Im nächsten Schritt werden die Garne zu so genannten textilen Flächen (z.B. Stoffe, Vliesstoffe usw.) verarbeitet. Dies geschieht in den Web-, Strick- und Wirkereien.[6]

Die textilen Flächen werden in der Konfektionsstufe weiterverarbeitet. Dabei werden die Endprodukte, je nach Verwendungszweck, in Bekleidung, Heim- und Haustextilien (z.B. Bettwäsche) und technische Textilien (z.B. Verpackungstextilien (Säcke), Autozubehör)[7] unterschieden.[8] Alle Verarbeitungsstufen vor der Konfektionierung werden der Textilindustrie zugerechnet. Die Konfektionierung hingegen, ist sowohl Bestandteil der Textilindustrie als auch der Bekleidungsindustrie. Ausschlaggebend zu welchem Zweig die Konfektion zählt, ist die Art des Fertigprodukts. Zur Bekleidungsindustrie wird nur die Herstellung von Bekleidungstextilien gerechnet, alles andere zählt zur Textilindustrie.[9]

Die textile Veredelung, also die Behandlung eines textilen Produkts (z.B. Ausrüsten, Färben, Bedrucken) kann theoretisch in jeder Stufe des textilen Herstellungsprozesses und an jedem Ort der Welt geschehen.[10]

Darstellung 1: Abgrenzung der Textil- und Bekleidungsindustrie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Synthese aus: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, S. 93 und Tücking, E., Die deutsche Bekleidungsindustrie im Zeitalter der Globalisierung, S.13.

Die Konfektionierung zeichnet sich durch hohe Arbeitsintensität aus, mit relativ geringem Automatisierungsgrad.[11] Diese Eigenschaft, verbunden mit den hohen Arbeitskosten in Deutschland, hat viele konfektionierende Unternehmen gezwungen, ihre Produktion in Niedriglohnländer zu verlagern. Die Bekleidungsindustrie ist daher sehr stark in die internationale Arbeitsteilung eingebunden.[12]

Die nachgelagerte Stufe der textilen Kette, ist der Groß- und Einzelhandel. Auch diese Wertschöpfungsstufe erfährt eine zunehmende Internationalisierung.

In der vorliegenden Arbeit sollen die Internationalisierungsstrategien der Bekleidungsindustrie und des Bekleidungshandels am Beispiel Chinas im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen.

In der Arbeit wird von der Textil- und Bekleidungsindustrie gesprochen, da die Rahmenbedingungen für den konfektionierenden Teil der Textilindustrie, also der Herstellung von Heim- und Haustextilien, den Rahmenbedingungen für die Konfektion von Bekleidung entsprechen.

An die Herstellung von technischen Textilien werden andere Anforderungen gestellt. Unternehmen dieses Wirtschaftszweiges werden deshalb nicht in die Untersuchungen einbezogen.

Die Grenzen zwischen Bekleidungshersteller und –händler können in der Praxis fließend verlaufen. So sind bspw. vertikal organisierte Unternehmen in beiden Wertschöpfungsstufen tätig.

2. Wirtschaftsstandort VR China

2.1 Die Wirtschaftsentwicklung seit 1978 (Reform- und Öffnungspolitik)

Seit der vom ehemaligen Staatspräsidenten Deng Xiaoping 1978 eingeleiteten Reform- und Öffnungspolitik, haben die Direktinvestitionen in der VR China kontinuierlich zugenommen. Dies gilt auch für die der deutschen Unternehmen.[13] Im Zuge dieser Transformationspolitik wurden in das planwirtschaftlich organisierte Wirtschaftssystem zunehmend markt- wirtschaftliche Elemente integriert.[14] Dabei verfolgt die Regierung eine „Politik der kleinen Schritte“, indem sie Reformen erst in bestimmten Regionen und Sektoren erprobt und sie bei Erfolg stufenweise auf andere Gebiete und Sektoren ausdehnt. Dadurch hat die chinesische Führung den Reform- und Öffnungsprozess unter ständiger Kontrolle und trägt so zu politischer und wirtschaftlicher Stabilität bei, was wichtig für die Attraktivität des Investitionsstandortes China ist.[15]

So wurden ausländische Direktinvestitionen z.B. zuerst weitestgehend in der Landwirtschaft, dann in der Investitions- und Konsumgüterindustrie und zuletzt auch im Dienstleistungssektor zugelassen. Einige Bereiche sind aber bis heute noch nicht geöffnet. Die Öffnung wurde aber durch den Beitritt zur WTO weiter abgebaut.[16]

Ab 1980 wurde das Außenhandelssystem Chinas liberalisiert und dezentralisiert und damit weitreichende Kompetenzen an die Provinzregierungen und Unternehmen abgegeben.[17] Spezielle Sonderwirtschaftszonen (SWZ) (z.B. Shenzhen, Zhuhai) wurden eingerichtet, die durch besondere Steuervergünstigungen und Rechtsbestimmungen ausländisches Kapital anziehen sollten. Vorgesehen war ein Umfeld, welches weitestgehend frei von administrativen Hemmnissen und durch eine marktwirtschaftliche Ordnung gekennzeichnet war.[18] 1984 folgte aufgrund des wirtschaftlichen Erfolges der SWZ eine weitere Öffnung und 14 Küstenstädte wurden für ausländische Investitionen geöffnet. Bis heute sind noch zahlreiche weitere Gebiete und Städte an der Küste und im Binnenland dazugekommen.

Die chinesische Regierung hat die Notwendigkeit von ausländischen Investitionen erkannt, um die Reformpolitik und vor allem die Strukturmaßnahmen (wie z.B. Infrastrukturprojekte) umzusetzen. Die Öffnungspolitik bewirkte ein starkes Ansteigen der ausländischen Direktinvestitionen in der zweiten Hälfte der 80er Jahre und half so die chinesischen Industrien zu modernisieren und infolge ansteigender Exporte den Devisenhaushalt zu erhöhen.[19]

Dafür wurden bereits 1979 das Equity Joint Venture-Gesetz erlassen, welches die Bildung von Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischer und ausländischer Kapitalbeteiligung regelt. 1986 wurde dann das Gesetz über 100% Auslandsgesellschaften erlassen. Dies erlaubte ausländischen Investoren Wholly Foreign Owned Enterprises (WFOE) in der VR China zu gründen. Zudem folgte 1988 durch das Contractual Joint Venture-Gesetz die rechtliche Definition dieser Kooperationsform.[20] Zu bedenken gilt hierbei allerdings, dass diese Regelungen nicht in allen Wirtschaftssektoren gelten (z.B. nicht bei Medien und im Rüstungssektor) und vielen Restriktionen und Auflagen unterliegen, aber immer weiter abgebaut werden.

Das Vertrauen von ausländischen Investoren in den Standort China erhielt 1989 mit der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste einen starken Dämpfer. Erst mit der Verkündung der „sozialistischen Marktwirtschaft“ im Jahre 1992 konnte Deng Xiaoping das verlorene Vertrauen der ausländischen Investoren zurückgewinnen, wobei er die Fortführung der Wirtschaftsreformen zusicherte.[21]

Die anhaltende Öffnungspolitik hat zu mehr Vertrauen der ausländischen Unternehmen geführt und wesentliche Erleichterungen bei der Gründung von Joint Ventures, vor allem mit ausländischer Kapitalmehrheit, und bei WFOE geführt.[22] So hat sich 1992 die Zahl der ausländischen Direktinvestitionen im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdreifachte.[23] Die Zahl der Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung stieg zwischen 1985 und 1995 von 282 auf 59.331 an.[24]

Auch der Nachfolger Deng Xiaopings Jiang Zemin (ab 1997), führte die Reformpolitik weiter und öffnete weitere Gebiete und Sektoren. Vor allem in dem bis dahin noch vernachlässigten Binnenland werden ausländische Investitionen in Prioritätsbereiche wie Landwirtschaft, Energie- und Transportwesen und die Infrastruktur gelenkt. Auch Sektoren wie z.B. der Versicherungs- und Bankensektor und Hightech Bereiche wie die Telekommunikation und Informationsverarbeitung werden weiter geöffnet, unterliegen aber noch strengen Genehmigungsauflagen (z.B. den Transfer von Hochtechnologie oder einen Exportanteil von mindestens 50%).[25]

Den wohl größten Schritt machte China mit dem Beitritt zur WTO im Jahre 2001 und der damit verbundenen Öffnung und Integration in die Weltwirtschaft. China erkennt damit die Regeln des internationalen Handels an und verpflichtet sich, den weiteren Abbau von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen voranzutreiben. Daraus ergeben sich enorme Chancen sowohl für die Chinesen, als auch für das Ausland auf dem chinesischen Markt.

2.2 Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts seit 1978

Seit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik von 1978 steigt das Bruttoinlandsprodukt (BIP), von einem niedrigen Niveau aus, kontinuierlich an. Der einzige Dämpfer trat nach der Niederschlagung der Studentenproteste 1989 ein. Hier wurden Investitionen kurzzeitig zurückgehalten, was sich auf das BIP mit einer Steigerung von „nur“ 4,2% im Jahre 1990 unmittelbar ausgewirkt hat. Im nächsten Jahr stieg das BIP aber auch gleich wieder stark an und bewegt sich seitdem immer zwischen 7,2% und 9,8%. In absoluten Zahlen ist das BIP, zwischen 1995 und 2004, in einer atemberaubenden Geschwindigkeit um knapp das Zweieinhalbfache auf 1.648,7 Mrd. US$ angestiegen (siehe Darstellung 2).

Damit ist China schon heute die sechstgrößte Volkswirtschaft und die drittgrößte Handelsnation auf der Welt und dürfte dieses Jahr erstmals Italien an Wirtschaftskraft überholen.[26]

Dieses Wirtschaftswachstum ist konstant so hoch, dass die Regierung versucht, gegenzusteuern, um eine nachhaltige Entwicklung in China zu erreichen.

Gemäß dem laufenden 5-Jahresplan sollte das Wachstum in den Jahren 2003 und 2004 nur 7% betragen. Dieser Wert wurde mit 9,1% bzw. 9,5% aber jeweils deutlich überschritten.[27]

Damit die Wirtschaft nicht überhitzt, versucht Premierminister Wen Jiabao seit Anfang des Jahres 2004 das Wachstum etwas zu dämpfen. Der Wirtschaftsboom hat auch negative Folgen für China. So gibt es schon jetzt eine große Energieknappheit. Vor allem in den Großstädten wird der Strom teilweise rationiert. Deshalb mussten 2004 allein in Shanghai 2.100 Unternehmen durchgehend nachts arbeiten.[28] Als weitere Folgen des unkontrollierten Booms werden leicht Überkapazitäten aufgebaut und die Inflationsrate (Verbraucherpreise +3,9% 2004) steigt.[29]

Aber auch im 1. Halbjahr 2005 hielt sich das Wirtschaftswachstum bei 9,5%. Radikale Maßnahmen zur Abkühlung der Entwicklung wie bspw. Investitions- und Kreditbeschränkungen bei Boombranchen wie der Bau- und Stahlwirtschaft greifen insofern (noch) nicht.[30]

Darstellung 2: Bruttoinlandsprodukt und Wachstum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: NBS, China Monthly Economic Indicators

2.3 Einkommensentwicklung und –verteilung

Seit dem Beginn der Wirtschafsreformen und dem damit verbundenen Anstieg des BIP, hat sich auch der Lebensstandard der Bevölkerung in China wesentlich verbessert. Die Menschen erzielten höhere Einkommen, sowohl die städtische als auch die ländliche Bevölkerung.[31]

Trotzdem liegt das BIP pro Kopf erst seit 2003 bei einem Wert von über 1.000 US$ im Jahr. Somit ist China das größte Entwicklungsland weltweit. Das niedrige Ausgangsniveau von 1978 wird deutlich.[32]

Darstellung 3: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: NBS, China Monthly Economic Indicators

Die Durchschnittswerte der Darstellung verschweigen jedoch die erheblichen Unterschiede der Einkommensverteilung innerhalb des Landes. Dabei bestehen große Unterschiede zwischen den Boomregionen an der Ostküste und den übrigen westlichen Landesteilen. Hinzu kommt ein Stadt-Land-Gefälle. Auch innerhalb der Städte gehen die Einkommens- unterschiede immer weiter auseinander.[33] So haben Menschen in Riesenstädten wie bspw. der weltgrößten Stadt Chongqing und in Shanghai ein überdurchschnittlich gutes Einkommen.[34]

Eine Weltbank-Studie bestätigt diesen Trend, dass nämlich in keinem anderen Land der Welt die Einkommensunterschiede so schnell zunehmen wie in der VR China.[35]

Die wachsende Ungleichheit, zwischen der Stadt- und Landbevölkerung, zeigt sich in dem Auseinanderdriften der Einkommensschere. Die Differenz hat sich zwischen 1991 und 2001 von 992 RMB auf 6.486 RMB[36] vergrößert. Dies entspricht im genannten Zeitraum einem durchschnittlichen Einkommensanstieg von 12,82% auf dem Land und 14,97% in der Stadt.[37]

Trotz der staatlichen Bemühungen setzt sich die ungleiche Entwicklung zwischen Stadt- und Landbevölkerung auch im Jahr 2004 fort:

- 9.422 RMB (1.139 US$) verfügbares Pro-Kopf-Einkommen p.a. in den Städten
- 2.936 RMB (355 US$) verfügbares Pro-Kopf-Einkommen p.a. auf dem Land

Damit liegt das Einkommen der Landbevölkerung bei knapp einem Drittel des urbanen Durchschnittseinkommens!

Auch die Steigerungsraten des Einkommens im Jahr 2004 zeigen den wachsenden Unterschied:

- 7,7% in den Städten
- 6,8% auf dem Land[38]

Die Einkommensentwicklungen zeigen aber, dass noch keine adäquaten Mittel zur Beseitigung dieser Ungleichheiten gefunden werden konnten. Die Folge ist eine weitere Öffnung der Schere, die zu einer Zunahme des sozialen Ungleichgewichts im Land führt und somit den sozialen Frieden gefährdet. Davor fürchtet sich die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) besonders. Nicht zuletzt deshalb steht die Aufhebung der Unterschiede ganz oben auf der Prioritätenliste der chinesischen Regierung.

Die chinesische Regierung versucht seit 1999 dem Problem des starken Ost-West-Gefälles zu begegnen. Im Rahmen der „Go-West“-Politik wird eine verstärkte Förderung der zentralen und westlichen Provinzen vorgenommen z.B. durch Steuererleichterungen und einer verbesserten Infrastruktur.[39]

Trotz der Unterschiede in der Einkommensentwicklung steigt das verfügbare Einkommen aller Chinesen kontinuierlich an.

Bei der Verwendung des Einkommens, stehen die durchschnittlichen Ausgaben für Essen noch an Nummer eins. Dies macht das niedrige Ausgangsniveau deutlich und zeigt, dass es noch ein weiter Weg zum allgemeinen Wohlstand ist. Nach Ausgaben für Freizeit- und Bildungsangebote und Wohnkosten, kommen die Aufwendungen für Bekleidung an vierter Stelle. Sie machen ca. 10% des Einkommens aus.[40]

2.4 Sonderwirtschaftsgebiete

Die Idee der Errichtung von besonderen Wirtschaftsgebieten ist in Ost- und Südostasien ein verbreitetes und recht erfolgreiches Konzept. In diesen begrenzten Gebieten sollen vor allem ausländische Unternehmen in eine weitgehend von Zollbarrieren und anderen Restriktionen befreite, exportorientierte Industrie investieren.

Im Zuge der wirtschaftlichen Öffnung, rückte vor allem diese Variante der staatlichen Wirtschaftsförderung in den Fokus der Betrachtung. Insbesondere die guten Erfahrungen der „abtrünnigen Provinz“ Taiwan mit ihren, ab 1966 gegründeten „Exportsonderzonen“, waren für die chinesische Regierung interessant.

1980 wurden dann schließlich vier „Exportsonderzonen“ gegründet, die aber bald in „Sonderwirtschaftszonen“ umbenannt wurden. Bis heute gibt es insgesamt fünf dieser SWZ. Dies sind Shenzhen, Zhuhai, Shantou in der Provinz Guangdong und Xiamen in der Provinz Fujian, sowie die Insel Hainan (seit 1988).[41]

Zu Beginn sollten diese Gebiete nur dem bloßen Export dienen. Schnell wurde aber erkannt, dass diese Regionen sich sehr gut als Experimentierfelder für den Umgang mit neuen Technologien und Managementtechniken eigneten und dazu noch Devisengewinne abwarfen. Im Gegensatz zu den Exportsonderzonen anderer asiatischer Staaten, war es den chinesischen SWZ von Beginn an gestattet, einen Teil der Produktion auch ins chinesische Inland zu verkaufen. Darüber hinaus erhoffte sich die chinesische Führung unter Deng Xiaoping, langfristig eine Art „Spin-off“-Effekt für die gesamte chinesische Wirtschaft. Reformorientierte Funktionäre betrachteten die Gebiete überdies als ein Testgebiet für mögliche Systemveränderungen, welche bei Bedarf abgeschottet werden konnten. Eine weitere wichtige Überlegung bestand darin, die mögliche Rückkehr der kapitalistisch orientierten Regionen Taiwan, Hong Kong und Macao ins Mutterland zu erleichtern.[42]

Die chinesische Regierung hat bis heute neben den SWZ noch offene Küstenstädte/Städte, offene Wirtschaftszonen, Nationale Entwicklungszentren für Hochtechnologie und neue Technologie sowie wirtschaftliche und technologische Entwicklungszonen (WTEZ) geschaffen. Auf diese Modelle soll hier aber nicht näher eingegangen werden, da sie alle dasselbe Ziel haben, die Schaffung von Anreizen zum Ansiedeln ausländischer Unternehmen und Investoren.

Es gibt also mittlerweile viele unterschiedliche Standortmöglichkeiten in der VR China. Vor allem haben aber die in den Küstenregionen im Osten des Landes gelegenen Sonderwirtschaftsgebiete profitiert, da sich rund 90% der ausländischen Investoren dort niedergelassen haben.

Als Standort für Vertretungsbüros wird oft Peking genutzt, aufgrund der Nähe zu den offiziellen Stellen der Regierung und Behörden. Das produzierende Gewerbe hat sich hauptsächlich in den Regionen Shanghai, Shenzhen, Guangzhou und Xiamen niedergelassen.

Für ein internationales Unternehmen bietet die Ansiedlung in einer der SWZ zahlreiche Vorteile, von denen einige allgemein gültige im Folgenden genannt werden sollen:

- Zahlreiche finanzielle und steuerliche Vorteile (z.B. 15% Steuerlast – bis zu 70% in anderen Landesteilen)
- Eine schnelle Abwicklung von Gründungsmodalitäten
- Eine Versorgung mit wichtigen Infrastruktur
- Sonderkonditionen bei Krediten
- Befreiung von bestimmten Zöllen
- Gute Infrastruktur, meist mit Containerhäfen und nationalen sowie internationalen Flughäfen (vor allem an der Ostküste)[43]

Neben den Erfolgen der Sonderwirtschaftsgebiete, die zusätzlich zu den ökonomischen eine Reihe von politischen, kulturellen, technologischen und Bildungsaufgaben erfüllt haben, gibt es auch negative Aspekte.

Die Schaffung der SWZ vornehmlich im Osten, hat ein starkes Ost-West-Gefälle in der Entwicklung Chinas entstehen lassen. Getreu nach dem Motto Deng Xiaopings: „Einige dürfen zuerst reich werden“, die anderen eben etwas später.

Dieser Entwicklung versucht die chinesische Regierung nun entgegenzuwirken indem sie verstärkt auf die Modernisierung und Industrialisierung der zentralen und westlichen Provinzen setzt, denen in bestimmten Gebieten ähnliche Privilegien wie den SWZ eingeräumt werden. Zwischen manchen armen und reichen Regionen besteht teilweise bereits ein sieben- bis achtfaches Wirtschaftsgefälle.[44]

Diese neu geschaffenen Sonderwirtschaftsgebiete werden meist an den neu entstehenden Verkehrsadern eingerichtet. Seit 1997 wird eine Infrastrukturoffensive der Regierung gefahren, die den Westen mit dem Osten besser vernetzen soll, um so den Westen vermehrt am Wirtschaftsboom teilhaben zulassen. Der Ausbau der Infrastruktur ist hierbei von zentraler Bedeutung, da die Unternehmen sich nur in den zentralen und westlichen Provinzen niederlassen werden, wenn die Infrastruktur ein gutes Wirtschaften zulässt. So wird bspw. sowohl eine Autobahn, als auch eine Bahnlinie zwischen der tibetischen Hauptstadt Lhasa und Peking gebaut.[45]

Diese Anstrengungen werden unternommen, um den Wohlstand gleichmäßiger zu verteilen und somit das starke Ost-West-Gefälle abzuschwächen und nicht zuletzt auch deshalb, weil die Regierung die zunehmenden Spannungen innerhalb der Gesellschaft fürchtet.[46] Die Unzufriedenheit wächst unter den rund 800 Millionen Landbewohnern in den rückständigen Regionen. Nur solange jeder am Wohlstand gebührend teilhat, steht auch die Landbevölkerung hinter dem Aufschwung.[47]

Trotz den Bemühungen ziehen die SWZ der Küstenregionen noch den größten Teil der Auslandsinvestitionen an, entfalten aber entgegen den früheren Annahmen nur eine mäßige „Spin-off“-Wirkung auf die umliegenden Regionen.

Aus der Sicht der ausländischen Investoren und Exporteure haben auch die Rahmenbedingungen in den SWZ im Osten in vielerlei Hinsicht an Glanz verloren. Gerade in den Küstengebieten steigen die Lohn-, Lebenshaltungskosten und die Konkurrenzdichte stark an.[48] Diese Regionen verlegen sich immer mehr auf hochwertige Montage- und Fertigungsprozesse sowie auf Forschung und Entwicklung. Für die Billigproduktion sind Boomzentren wie Peking, Shanghai, Kanton oder Shenzhen schon zu teuer. Deshalb investieren die Unternehmen allmählich vermehrt im Hinterland, wo Löhne und Immobilienpreise noch niedriger sind, bei zusätzlichen Vergünstigungen der neu geschaffenen Sonderwirtschaftsgebiete. So verdient ein Fabrikarbeiter im verarbeitenden Gewerbe in Shanghai 2.667US$ im Jahr, in Peking 2.131US$, wohingegen seine Leistung in der zentralchinesischen Provinz Hubei für nur 1.075US$ im Jahr zu haben ist. Die Unternehmen müssen daher individuell entscheiden, ob der Lohnvorteil im Hinterland den Zeitverlust durch den Transport an die Küste, sowie die mögliche schlechtere Qualität und Zuverlässigkeit, aufgrund der Unerfahrenheit der Lieferanten, aufwiegt.[49]

Diese Entwicklungen lassen aber darauf hoffen, dass in den nächsten Jahren auch die zentralen und westlichen Provinzen Chinas vermehrt am Aufschwung teilhaben werden und so das Ost-West-Gefälle etwas abgebaut wird.

3. Chinas WTO-Beitritt und das Auslaufen des Agreement on Textiles and Clothing (ATC)

Die WTO ist wohl die bedeutendste Organisation für den weltweiten Handel (146 Staaten). Sie wurde am 01.Jan.1995 mit Sitz in Genf gegründet und verfolgt die Idee der Liberalisierung des Handels und des Abbaus von tarifären (z.B. Zölle) und nichttarifären Handelshemmnissen (z.B. Importlizenzen, Industrie- und Sicherheitsstandards, Verpackung). Die WTO entstand, nachdem in der Uruguay-Runde (1986-94) die Mitglieder der GATT-Abkommen (General Agreement on Tariffs and Trade) sich auf deren Errichtung geeinigt hatten. Sie stellt gewissermaßen die Institutionalisierung der GATT-Abkommen dar.[50]

Mit dem Beitritt Chinas zur WTO am 11.Dez.2001 und dem Auslaufen des Agreement on Textiles and Clothing (ATC, Welttextilabkommen) am 31.Dez.2004, unterliegt der internationale Textil- und Bekleidungshandel nun weitgehend den allgemeinen Regeln der WTO (Handelsliberalisierung, Meistbegünstigung und Reziprozität[51]). Zuvor regulierten Importquoten den Handel, die anhand bilateraler Abkommen für die unterschiedlichen Produktkategorien festgelegt wurden. 1995 ging das ATC letztendlich aus dem mehrmals verlängerten Multi Fibre Agreement (MFA, Multifaserabkommen) von 1974 hervor. In diesem wurden die Quoten und Zölle auf mehrere verschiedene textile Produktkategorien ausgedehnt, nachdem bis dahin nur eine Reglementierung von Baumwollprodukten vorgenommen wurde (Long Term Agreement on Cotton Textiles von 1962). Das primäre Ziel dieser Ausnahmeregelungen war der Schutz des heimischen Textil- und Bekleidungsgewerbes der Industrieländer vor Billigimporten aus dem Ausland.

Das ATC legte erstmals einen Plan für eine schrittweise Liberalisierung des internationalen Handels fest, welche in vier Stufen (1995, 1998, 2002 und 2005) vorgenommen werden sollte. Die größte Liberalisierungsstufe trat am 01.Jan.2005 ein, weil die Abnehmerländer bis zu diesem Zeitpunkt nur Produkte in den freien Handel gebracht hatten, die kaum von Quotenregelungen betroffen waren. In sensiblen Produktgruppen wie Hemden, Hosen, T-Shirts und Unterwäsche hielten die Länder die Quoten bis zum Ende des ATC aufrecht. So waren Ende 2004 noch 167 der 218 EU-Importquoten für elf WTO-Mitgliedsstaaten[52] (darunter auch China) gültig.

Dies war ein Grund, warum der Aufschrei mancher Länder groß war, als die Quoten am 01.Jan.2005 fielen und China innerhalb kürzester Zeit den europäischen Markt mit importierten Textilien überschwemmte.

Auf Intervention von z.B. Italien, Frankreich, Portugal und Griechenland wurde zwischen China und der EU beschlossen, die Quotenregeln erst 2008 auszusetzen. Vor allem in Südeuropa (z.B. Italien) wurde versäumt, auf größere Produktionseinheiten zu setzen und dies obwohl die Textil- und Bekleidungsindustrien sich 10 Jahre auf den Quotenfall vorbereiten konnten. Deutschland steht im internationalen Vergleich besser da, weil die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie schon Anfang der Siebziger begonnen hat, ihre Produktionsstätten ins Ausland zu verlegen. Mittlerweile werden 90% im Ausland produziert. In Deutschland verbleibt nur noch die Musterfertigung, Design, Vertrieb und Verwaltung. Der technologie- und kapitalintensive Teil der Textilindustrie konzentriert sich auf qualitativ hochwertige Nischenprodukte. Zeichen dafür ist, dass sie mittlerweile 40% ihres Umsatzes mit technischen Textilien macht.[53]

Die Einführung des sog. Quotenregimes beschleunigte die Globalisierung der Textil- und Bekleidungsproduktion, denn aufgrund der hohen Arbeitskosten in Deutschland und der Importbeschränkungen mussten die Unternehmen ihren Einkauf internationalisieren und zunehmend ihre Produktion ins billigere Ausland verlegen. Damit wurde das Ziel der Quoten, die heimischen Arbeitsplätze in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu sichern, weitgehend verfehlt. Die Umstrukturierung wurde einfach nur hinausgezögert.

Als weitere Folge der Quoten haben sich andere Entwicklungsländer wie Bangladesch, Vietnam oder Burma, durch ihre künstlich verbesserte Wettbewerbsposition als Standorte für die Bekleidungsproduktion hervorgetan. In diesen Ländern gab es zwar meist keine Quoten, wenn doch, waren sie selten ausgeschöpft. Die Hersteller waren jedoch oft auf Importe von Vorleistungen (z.B. Stoffe oder Zutaten wie Knöpfe) angewiesen. Das beinhaltet ein zusätzliches Währungsrisiko für die Unternehmen. Die Importquoten hatten damit eine ineffiziente Allokation von Ressourcen zur Folge. Daraus resultierten Wohlfahrtsverluste sowohl für die Entwicklungsländer als auch für die Konsumenten der Industrieländer. Nach Schätzungen des International Monetary Fund und der Weltbank lagen die Einbußen für die Entwicklungsländer bei jährlich über 20 Mrd. US$. Für die Konsumenten in den Abnehmerländern führten die Zölle und Quoten zu bis zu 20% erhöhten Verkaufspreisen. Grund dafür war, dass die Quoten in manchen beliebten Produktgruppen (z.B. T-Shirts, Hemden, Hosen, BH`s) versteigert wurden und diese Kosten oft höher als die Herstellungskosten des Produktes waren.[54] Für Hosen bspw. waren die Quotakosten mitunter doppelt so hoch wie die Kosten der Herstellung. Kurz nach dem Fall der Quoten im Januar 2005 kosteten die Hosen in der Herstellung nur noch 61 Cent, ein Jahr zuvor waren es noch 2,70 Euro. Für Strick-Artikel sanken die Preise von 6,80 Euro auf 4,03 Euro.[55]

Damit gehören nach dem Wegfall der Quoten, neben den Verbrauchern in Deutschland und Europa, die Chinesen (auch Indien) selbst zu den Gewinnern, da sie aus dem Stand ihre Produktion und damit die Exporte erheblich erhöhen konnten.

Andere Entwicklungsländer die durch die Quoten einen Standortvorteil gegenüber China hatten, gehören hingegen zu den Verlierern. Ihre Wirtschaft ist zumeist stark von den Bekleidungsexporten, die in nur wenige Abnehmerländer bzw. -regionen (meist USA und die EU) gehen und von Zulieferungen textiler Vorprodukte, abhängig. So machen bspw. die Bekleidungsausfuhren in Bangladesch etwa drei Viertel der Exporte aus.[56] Nach Schätzungen des Washingtoner National Council of Textile Organizations werden 30 Mio. Textilarbeiter außerhalb Chinas ihre Jobs verlieren.[57]

Seit dem 11.Dez.2001 ist China nun offizielles Mitglied der WTO. Nach fast fünfzehnjährigen Verhandlungen wurde die Aufnahme in Doha, Quatar beschlossen. Der Beitritt Chinas bringt weitreichende wirtschaftliche Erleichterungen und Veränderungen mit sich, sowohl für die Mitglieder der WTO als auch für China selbst. Daraus eröffnen sich große Chancen für beide Seiten. Allerdings wird die Anpassung an die internationalen Rahmenbedingungen ein langer und mühsamer Prozess werden.

Eine Auswahl der wesentlichen Erleichterungen die für Unternehmen von Bedeutung sind, sollen im Folgenden aufgeführt werden. Wegen der großen Menge an laufenden Änderungen kann diese Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit und letzter Aktualität erheben.

- Insgesamt mehr Rechte und verbesserter Marktzugang im Handel

Im Zuge des chinesischen WTO-Beitritts und dem Fall des ATC am 01.Jan.2005 haben Produktionsunternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung nun die Möglichkeit, ihren Unternehmensgegenstand auf Einzelhandel, Großhandel und Handelsvertretung in China auszuweiten (konkret seit dem 01.Jul.2004, geregelt in den „Maßnahmen zur Verwaltung ausländischer Investitionen im Handelssektor“). Dies gilt für Joint Ventures und Wholly Foreign Owned Enterprises (WFOE) seit 11.Dez.2004.

- Gründung von Handelsunternehmen

Das Gründen von Einzel- als auch Großhandelsunternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung hat sich deutlich erleichtert. Nun sind Joint Ventures (seit 01.Jun.2004) und WFOE (seit 11.Dez.2004) mit ausländischer Mehrheitsbeteiligung zulässig. Zuvor waren nur Minderheitsbeteiligungen im Handel möglich.

Die Anforderungen an das Stammkapital sind drastisch gesenkt worden. Bei Einzelhandelsunternehmen reichen als Einlage nun 300.000 RMB (rund 36.000US$), bei Großhandelsunternehmen 500.000 RMB (rund 60.000US$) aus.

Die Genehmigungen sind allerdings auf eine maximale Laufzeit von 30 Jahren begrenzt, die bei einem Unternehmenssitz in Zentral- oder Westchina auf 40 Jahre ausgedehnt werden können.

- Unternehmensgegenstand

Zulässiger Unternehmensgegenstand von Einzelhandelsunternehmen ist, neben dem Einzelhandel auch der Import, Export, der Einkauf sowie Nebenleistungen.

Seit dem 11.Dez.2004 gibt es für die Gründung eines Unternehmens keine geografischen Beschränkungen mehr.

Für den Großhandel ist der Großhandel, Import, Export, Einkauf und Handelsvertretung als Unternehmensgegenstand erlaubt. Auch hier gibt es keine geografischen Beschränkungen mehr (seit 01.Jun. 2004).

Noch sind nicht alle Branchen freigegeben. Ausnahmen und Beschränkungen gibt es z.B. noch bei Büchern und Zeitschriften, Salz oder Tabak.[58]

- Erleichterte Güterbeschaffung

Eine grundlegende Neuerung im Zuge des chinesischen WTO-Beitritts ist die Abschaffung der Verpflichtung für Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung, Rohstoffe ebenso wie andere Güter und Leistungen vornehmlich auf dem chinesischen Markt zu beschaffen. Es steht ihnen nun frei, woher sie die Waren und Leistungen beziehen.

- Keine Notwendigkeit mehr zu einer ausgeglichenen Devisenbilanz

Abgeschafft wurde auch die verpflichtende Vorlage einer ausgeglichenen Devisenbilanz bei den Behörden. Vor dem WTO-Beitritt waren die Foreign Invested Enterprises dazu angehalten, die Einnahmen und Ausgaben in ausländischer Währung im Gleichgewicht zu halten.

- WFOE

Die Zulassungsvoraussetzungen für WFOE sind deutlich herabgesetzt worden. Nach altem Recht mussten sie mindestens 50% der Jahresproduktion exportieren und fortschrittlicher Technologie (z.B. Einsatz fortschrittlicher Maschinen, Entwicklung neuer Produkte oder die Produktion von Substituten für Importware) verpflichtet sein. All dies wurde abgeschafft.

- Geistiges Eigentum

Mit Chinas WTO-Beitritt gilt auch das TRIPS-Abkommen (Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) in China, was einen Fortschritt für die Unternehmen darstellt. Dies verpflichtet China zur Einhaltung von Mindeststandards für alle geistigen Eigentumsarten. Im Besonderen Patente, Urheberrechte, Warenzeichen/Handels- und Dienstleistungsmarken und geografische Herkunftsangaben. Der fehlende Schutz des geistigen Eigentums hat marktzugangsverhindernde und innovationshemmende Wirkung (z.B. bei Lizenz- bzw. Franchiseabkommen) Ohne effektiven langfristigen Schutz, lohnen sich die Ausgaben der Unternehmen für Forschung und Entwicklung häufig nicht.[59] Der Schutz des geistigen Eigentums wurde bzw. wird immer noch von ausländischen Unternehmen als eines der gravierendsten Probleme bei Investitionen in der VR China angesehen, denn bis jetzt mangelt es noch an der Implementierung der Standards und Durchsetzung der Ansprüche.[60]

4. Motive für Investitionen in der VR China

Motive und Gründe für ein wirtschaftliches Engagement in der VR China sind vielfältig und lassen sich nicht immer exakt voneinander trennen. Sie folgen aus der Unternehmensstrategie und sind dadurch individuell verschieden. Meist sind es mehrere Motive gleichzeitig, die Unternehmen zu Investitionen in China veranlassen. Es gibt aber einige Hauptargumente, die in der Literatur besonders häufig genannt werden und anhand verschiedener Studien belegt sind. Dabei gilt allgemein, dass je größer das Marktpotential des Ziellandes ist, desto höher ist die Bereitschaft der ausländischen Unternehmen, in diesem Land Investitionen vorzunehmen.[61]

Die Bestimmungsgründe für ein China-Engagement lassen sich grundsätzlich zu zwei größeren Motivbündeln zusammenfassen und zwar in markt- bzw. absatzorientierte sowie kostenorientierte Motive. Diese Motivbündel bestehen wiederum aus verschiedenen Einzelmotiven, die im Folgenden gesondert behandelt werden.[62]

4.1. Absatz- und marktorientierte Motive für Investitionen

Mit absatzorientierten Investitionen sollen neue Märkte erschlossen und vorhandenen Absatzpotentiale gesichert bzw. ausgebaut werden.[63] Dabei bedingen Größe und Wachstum des zu erschließenden Marktes wesentlich die Art und Umfang der Investitionen.[64]

- Erschließung des chinesischen Absatzmarktes

Die Erschließung des chinesischen Absatzmarktes gilt als das wichtigste Motiv für ausländische Investitionen in der VR China. Das Ziel ist es, den chinesischen Markt zu erschließen und Marktanteile zu gewinnen. Die VR China ist mit 1,3 Milliarden potentiellen Käufern der weltweit größte Absatzmarkt. Nach den Jahren des Mangels hat sich ein Nachfrageüberhang gegenüber westlichen Industrie- und Konsumartikeln aufgestaut. Das stetig steigende BIP und Pro-Kopf-Einkommen, ausgehend von einem niedrigen Niveau, sollten nicht über die großen regionalen Entwicklungs- und Einkommensunterschiede hinwegtäuschen (Ost-West und Stadt-Land-Gefälle). Das hat, neben einer Fragmentierung des Marktes, auch eine Relativierung der potentiellen Käuferzahlen zur Folge, denn nicht alle Produkte können an allen Standorten gleich gut abgesetzt werden. Deshalb sind die Absatzchancen der Produkte im Vorfeld der Investition genau zu überprüfen.[65]

Aufgrund der zukünftig zu erwartenden anhaltend positiven Wirtschaftsentwicklung und Stabilisierung der politischen Verhältnisse, stellt es für international agierende Unternehmen geradezu eine Notwendigkeit dar, im „emerging market“ Chinas präsent zu sein.[66]

Außerdem kann mit dem Markteintritt in China eine Risikodiversifikation erreicht werden, um die Abhängigkeit von einem einzelnen Markt zu verringern und Wachstumsprobleme in den angestammten Märkten abzumildern.[67]

Das Unternehmen, welches zuerst investiert, hat Pioniervorteile, unter anderem, anfänglich höhere Renditen, durch geringere Konkurrenz. Ein damit einhergehender Wettbewerbsvorsprung gegenüber den Mitbewerbern (z.B. bessere Marktkenntnisse, bereits optimierte Vertriebsstrukturen, Markenbekanntheit u.a.), kann dazu genutzt werden, die eigene Stellung im Markt zu festigen und auszubauen.[68] Damit erhöhen sich die Markteintrittsbarrieren für nachfolgende Unternehmen (z.B. erhöhte Marketingausgaben).[69]

Es bieten sich viel versprechende Absatzchancen für den Textil- und Bekleidungshandel in China. Die Textil- und Bekleidungsbranche sind Branchen, die vom Wirtschaftswachstum in China besonders profitieren können. Gründe dafür sind u.a. die Bevölkerungszahl, durch das Wirtschaftswachstum steigende Realeinkommen, Nachholbedarf an funktionsgerechter Kleidung und steigendes Modebewusstsein.

So werden durch kontinuierlich steigende Realeinkommen und Einzelhandelsumsätzen (durchschnittlich +10% pro Jahr)[70] auch die zukünftigen Absatzchancen für den stationären Bekleidungshandel steigen (vor allem in den Städten der Ostküste).

- Nähe zu den Abnehmern

Ein weiteres wichtiges Motiv für absatzorientierte Investitionen resultiert aus der Notwendigkeit im chinesischen Markt räumlich präsent zu sein. Aus der Nähe zu den Abnehmern werden bessere Markt- und Kundenkenntnisse erlangt. Hierdurch wird das Unternehmen in die Lage versetzt, auf sich verändernde lokale Marktgegebenheiten und Kundenwünsche schneller reagieren zu können.[71]

Dies ist gleichermaßen wichtig für die eigene Produktion vor Ort (im B2B-Geschäft)[72], als auch für den stationären Einzelhandel (im B2C-Geschäft)[73] der Textil- und Bekleidungsbranche.

Auf die Produzenten von technischen Textilien, üben große Unternehmen, die seit längerer Zeit in China investiert sind wie z.B. Shanghai Volkswagen, einen „Pulleffekt“ aus. Z.B. bei Zulieferbetrieben für die Herstellung von technischen Textilien wie Sitzbezüge, Stoffe für Fahrzeughimmel. Die räumliche Anbindung der Zulieferbetriebe ermöglicht dem Abnehmerunternehmen Qualitätsnormen leichter durchzusetzen und zu überwachen, hat aber auch für den Zulieferer den Vorteil der schnellen Wege und größeren Absatzmöglichkeiten. Die Empfehlung eines größeren Abnehmers auch im Ausland zu investieren („Kielwasserinvestitionen“), stellt insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen häufig den entscheidenden Anstoß für Investitionen im Ausland dar[74] („Follow-the-leader“ -Strategie).[75]

Für den Bekleidungshandel ist das Kennen des Marktes und der Wünsche der Konsumenten von essentieller Bedeutung für ihren Erfolg. Daher ist die Nähe zu den Endverbrauchern, bspw. mit eigenen Markenshops, enorm wichtig. Die international agierenden Unternehmen müssen den chinesischen Geschmack mit seinen Besonderheiten und den regionalen Unterschieden kennen und sich darauf einstellen (z.B. bezüglich Farben, Größen). Auf diese Unterschiede muss ein international tätiges Unternehmen adäquat reagieren („act global, think local“)[76]. Dabei ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, möglichst nah am chinesischen Konsumenten zu sein (bspw. anhand eigener Markenshops).

- Erschließung des südostasiatischen Marktes von China aus

Unternehmen für die das „Sprungbrett“-Argument eine wichtige Rolle spielt, also die Erschließung des südostasiatischen Wirtschaftraums von China aus, sind vorrangig Unternehmen (meist aus dem Mittelstand) die noch vergleichsweise wenig Investitionen in dieser Region getätigt haben.

Deutsche Großunternehmen der Branche dagegen (z.B. Otto oder KarstadtQuelle), unterhalten in vielen größeren Märkten Südostasiens eigene Repräsentanzen und Einkaufbüros. Sie bearbeiten diese Märkte lokal, sei es zur Beschaffung oder zum Absatz von Bekleidung. Die Märkte weisen regionale Unterschiede auf und sind somit nur bedingt miteinander vergleichbar. Demzufolge sind auch aus Standardisierungsmaßnahmen resultierende Einspareffekte nur begrenzt möglich.[77] Der KarstadtQuelle Konzern unterhält deshalb weltweit 26 Einkaufbüros, um eine lokale Marktbearbeitung zu erreichen.[78]

Trotzdem kann eine Steuerung des Asiengeschäfts von China aus einen spezifischen Standortvorteil bieten. Zum einen tätigt China rund 80% des Außenhandels mit den Nachbarn aus dem Süden und Osten (ASEAN)[79] und zum anderen ist China, aufgrund der hohen Zahl an Auslandschinesen, ethnisch mit vielen der südostasiatischen Staaten verbunden.[80]

- Wettbewerbsdruck

Der weltweit steigende Wettbewerbsdruck, bei gesättigten angestammten Märkten, führt dazu, dass immer neue Märkte erschlossen werden müssen. Da China der größte potentielle Absatzmarkt weltweit ist, kann es sich kein international agierendes Unternehmen leisten, in diesem Markt nicht aktiv zu werden.

Das Ziel vieler Unternehmen ist es, möglichst vor den Wettbewerbern im chinesischen Markt zu sein, um so einen Wettbewerbsvorsprung („firstmover“-advantage) zu erlangen. Kleine und mittlere Unternehmen orientieren sich an den Marktführern ihrer Branche.[81]

4.2. Kostenorientierte Investitionsmotive

- Nutzung von günstigen Faktorkosten

Kostenorientierte Motive spielen bei jeder Investitionsentscheidung eine mehr oder weniger große Rolle.

Unter rein kostenorientierten Beweggründen steht die Nutzung von vergleichsweise günstigen Arbeits-[82] und Produktionskosten im Vordergrund. Lohn- und Lohnnebenkostenvorteile spielen dabei vorrangig für arbeits- und humankapitalintensive Branchen, wie die Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie, eine zentrale Rolle. Hierfür werden die arbeitsintensiven Wertschöpfungsprozesse (z.B. die Konfektionierung) nach China ausgelagert,[83] um die hohen Arbeitskosten in Deutschland zu umgehen und Kostenvorteile zu erlangen.

Allerdings steigen auch die Löhne in China schnell an, je nach Branche und Region verschieden. Das Lohnkostenniveau der Textil- und Bekleidungsindustrie liegt hierbei noch auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau.[84] Vor allem in den Ballungszentren der Ostküste steigen die Löhne überproportional und die qualifizierten Arbeitkräfte werden knapp. Deshalb verlagern sich lohnkostensensible Produktionsstätten immer weiter ins Hinterland, wo ein Fabrikarbeiter des verarbeitenden Gewerbes rund 1.075 US$ im Jahr (in der zentralchinesischen Provinz Hubei) erhält, während sein Kollege in Shanghai oder Peking bereits 2.667 US$ bzw. 2.131 US$ verdient.[85]

Einerseits verlieren angesichts dieser Entwicklungen die Küstenregionen als Produktions- und Beschaffungsstandort für Bekleidung an Attraktivität, andererseits bieten sie aber auch die am besten qualifizierten Arbeitskräfte und andere Vorzüge (z.B. bessere Infrastruktur).[86] Das investierende Unternehmen muss abwägen, ob der Lohnkostenvorteil im Hinterland den Zeitverlust, die höheren Kosten für den Transport an die Küste sowie die meist noch geringere Qualität und Zuverlässigkeit aufwiegt.[87] Die alleinige Betrachtung der Arbeitskosten reicht demnach nicht aus um eine Standortentscheidung und damit eine Investitionsentscheidung zu treffen.

Bei Investitionen in den stationären Handel spielen weniger die Arbeitskosten, sondern eher die Qualität des Personals eine Rolle.

- Beschaffungsmotive

Die Bedeutung Chinas als Beschaffungsmarkt hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen.[88] Dies gilt insbesondere für den Textil- und Bekleidungsmarkt.

Der chinesische Beschaffungsmarkt kann sowohl als globaler Sourcingmarkt zur Realisierung von Preis- und Kostenvorteilen als auch zur Ausweitung der Lieferantenzahl gesehen werden. Dabei reicht die heute angebotene Palette der Güter von preisgünstiger Massenware bis hin zu hochwertigen Gütern.[89]

Die herausragende Stellung Chinas als globales Sourcingland wird in einer Studie des Beratungsunternehmens Kurt Salmon Associates (KSA) deutlich gemacht. KSA kommt zu dem Ergebnis, dass bei Einbeziehung aller politischen, ökonomischen und finanziellen Rahmenbedingungen, die VR China weltweit an erster Stelle der Produktionsländer steht. Näheres dazu unter Punkt 5.2.2.2.

Für den KarstadtQuelle-Konzern ist China schon heute das wichtigste Liefer- und Beschaffungsland. Bereits 60% der importierten Textilien und Bekleidung kommen aus China. So wurden 2003 Waren im Wert von mehr als 183 Mio. Euro aus China bezogen. Hinzu kommen rund 300 Mio. Euro über Lieferanten aus Hong Kong, die zumeist im chinesischen Hinterland fertigen lassen. KarstadtQuelle arbeitet dabei mit ungefähr 300 Produzenten zusammen, die über knapp 700 Produktionsstätten verfügen.[90] Durch die Bündelung von Aufträgen in China, KarstadtQuelle hat im Jahr 2003 in Fernost immerhin rund 100.000 Einzelaufträge vergeben,[91] können zusätzlich Mengenrabatte (economies of scale) genutzt werden.[92]

China ist so riesig, dass jeder die passende Produktionsstätte findet, ob groß oder klein, preiswert oder hochwertig.[93]

Der lokale Beschaffungsmarkt könnte aber mit der weiteren Öffnung des Handelsstandorts an Bedeutung gewinnen, da mit zunehmendem Absatz auf dem chinesischen Markt, die Frage einer eigenen Produktion in den Vordergrund rücken wird. Die Hugo Boss AG bspw., überlegt in den nächsten fünf Jahren eine eigene Produktionsstätte in China zu eröffnen.

- Investitionshilfen

Ein weiteres Investitionsmotiv könnten Subventionen des chinesischen Staates sein. Dieses Motiv ist aber für ein Engagement in der VR China i.d.R. nicht ausschlaggebend, sondern eher ein angenehmer Nebeneffekt. Dabei erhält das investierende Unternehmen staatliche Förderungen in Form von Steuererleichterungen oder geringeren Auflagen z.B. Umweltauflagen.[94]

Zusammenfassend ist zu sagen, dass speziell für die Textil- und Bekleidungsindustrie die kostenorientierten Investitionsmotive und hierunter die Arbeitskosten und Beschaffungsvorteile im Vordergrund stehen.

Mit der Öffnung des chinesischen Handels werden die absatzorientierten Motive zunehmend an Bedeutung gewinnen. Bei diesen steht die Erschließung des riesigen Absatzmarktes an erster Stelle, wobei gleichzeitig die Nähe zu den Abnehmern, für eine erfolgreiche Markterschließung, immer wichtiger wird.[95] Deshalb ist es für den internationalen Bekleidungshandel bedeutend, in das globale Vertriebsnetz zu investieren um möglichst nah am Kunden zu sein. Im Handel spielen, im Gegensatz zur Produktion, die Kosten als Motiv für ein Auslandsengagement, eine untergeordnete Rolle.[96]

5. Investitionsstandort VR China

5.1 China als Absatz- und Handelsstandort für Bekleidung

5.1.1 Chinas Einzelhandel und der Absatzmarkt für Bekleidung

Der chinesische Absatzmarkt bzw. Einzelhandelsmarkt entwickelt sich mit enormen Wachstumsraten, weshalb dieser zunehmend in den Fokus westlicher Bekleidungshändler rückt, die den riesigen Inlandsmarkt erschließen möchten. Zwischen 1978 und 2000 ist der Einzelhandelssektor jährlich um durchschnittlich 13,5% gewachsen. Bis heute ist dieser Sektor starken Veränderungen ausgesetzt. Es gewinnen verstärkt neue Handelskonzepte wie Franchising, Einzelhandelsketten oder Shopping Centres an Bedeutung.[97]

Die Lust am Konsum ist groß in der VR China. Lt. staatlichem Statistikamt setzte der chinesische Einzelhandel im Jahr 2004 5,4 Bill. RMB um (rd. 652 Mrd. US$), real 10,2% mehr als 2003 (Zuwachs 2002/03: 9,1%). Auf absehbare Zeit dürfte sich an diesem positiven Trend wenig ändern.[98] Denn auch im ersten Halbjahr 2005 hält die starke Entwicklung des Einzelhandels an. Nach vorläufigen Angaben sind die Umsätze um nominal 13,2% auf 2.961 Mrd. RMB (rd. 358 Mrd. US$) in den ersten sechs Monaten angestiegen. Auch hier zeigt sich wieder die unterschiedliche Dynamik von Stadt und Land. So konnten die Städte ein Wachstum von 14,2% auf 1.988 Mrd. RMB (240 Mrd. US$) verzeichnen, die ländlichen Gebiete hingegen „nur“ eines von 11,2% auf 973 Mrd. RMB (118 Mrd. US$).[99]

Insgesamt ist zu beobachten, dass von dem starken Konsum besonders moderne Vertriebsformen profitieren. Die Zahl der kleinen „Tante-Emma-Läden“ ist deutlich rückläufig. Im Gegenzug legten die Umsätze der 30 größten Einzelhandelsketten im 1. Halbjahr 2004 um 38% zu. Sie wuchsen damit noch dynamischer als der Einzelhandelsumsatz insgesamt. Dieser verzeichnete einen Anstieg von „nur“ knapp 13% im selben Zeitraum.[100]

Der chinesische Absatzmarkt für Bekleidung

Im folgenden Abschnitt soll eine Bild des Handels mit Bekleidung gezeichnet werden. Es soll deutlich werden, wo sich westliche Marken positionieren können und auf welche besonderen lokalen Marktbegebenheiten dabei geachtet werden sollte, um auf dem chinesischen Markt erfolgreich zu sein.

Analog zum Einkommensanstieg der Bevölkerung und zur Entwicklung des gesamten Einzelhandelssektors wächst auch der chinesische Absatzmarkt für Bekleidung seit Beginn der 90er Jahre rapide an. Knapp 10% der Konsumausgaben städtischer Haushalte werden für Bekleidung aufgewendet. Auf dem Land hingegen sind es nur rd. 5,7%, was wiederum charakteristisch für den Entwicklungsunterschied von Stadt zu Land ist. Der unterschiedliche Entwicklungs- und Einkommensstand führt dazu, dass bisher nur der Absatzmarkt in den Städten für ausländische Bekleidungsanbieter interessant ist. Die Zielgruppe der Stadtbevölkerung soll deshalb in den folgenden Ausführungen im Vordergrund stehen.

Innerhalb der Städte, liegt bei den Ausgaben für Bekleidung die Landeshauptstadt seit Jahren an Nummer eins. Den Einwohnern Pekings war ein neues Outfit durchschnittlich 600 RMB (rd. 72 US$) wert. In Guangzhou waren es 469 RMB (rd. 57 US$) und in Shanghai nur 431 RMB (rd. 52 US$). Dies ergab eine Untersuchung des Shanghaier Statistikamtes.[101]

Im Jahr 2003 wurde von der städtischen Bevölkerung pro Kopf rund 638 RMB (rund 77 US$) für Bekleidung ausgegeben. Ein Anstieg von 8% gegenüber 2002. Pro städtischen Haushalt wurden 2003 im Schnitt 3,6 Stück Damenoberbekleidung (DOB) (zum Vergleich 1999: 3,0 Stück), 2,6 Stück Herren- und Knabenkonfektion (HAKA) (1999: 2,2 Stück) und 1,0 Stück für Kinderkonfektion (KIKO) angeschafft. Bei Verbrauchern mit Höchsteinkommen sind es schon 6,1 Stück für DOB, 4,3 für HAKA und 1,4 Stück für KIKO.[102]

Der Bedarf an Bekleidung wird in den nächsten Jahren auch weiter ansteigen, allein schon aufgrund des Bevölkerungsanstiegs und der damit verbundenen höheren Zahl der Nachfrager. Mit höherem Einkommen werden zwar die Ausgaben für Kleidung relativ abnehmen, absolut gesehen steigen sie jedoch an.[103]

Somit dürfte auch die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und modischen Textilien steigen, denn nun können die Konsumenten es sich leisten modischen Trends zu folgen. . Diese Aussichten rufen immer mehr ausländische Markenhersteller auf den Plan, für die China einen imposant wachsenden Absatzmarkt darstellt. Unterstützt wird die Prognose auch durch eine Untersuchung des Hong Kong Trade and Development Councils (HKTDC), laut der der Bekleidungsumsatz ausländischer Hersteller von rd. 6% (2003) auf 15% am Gesamtumsatz im Jahr 2006 ansteigen wird. Einheimische Marken hingegen fallen von 88% (2002/03) auf 79%. Der Anteil der chinesischen Marken ist noch sehr hoch. Mit zunehmendem Wohlstand wird sich der positive Trend für ausländische Markenhersteller jedoch weiter fortsetzen.[104] Gute Aussichten also für westliche Markenhersteller.

Der chinesische Bekleidungsmarkt ist gekennzeichnet durch ein großes Segment an Massenware aus chinesischer Fabrikation mit eher einfachem Design, mäßiger Verarbeitung und zu niedrigen Preisen. Mittlerweile drängen aber zunehmend chinesische Labels „nach oben“ die die Defizite in Qualität und Design überwunden haben und mit immer schickeren Modellen ins mittlere und obere Preissegment vorstoßen. Ihre Zielgruppe ist eine Kundenschicht, die sich noch keine ausländischen „Edelmarken“ leisten können, wie z.B. modebewusste junge Leute oder besserverdienende Angestellte.

Einige erfolgreiche chinesische Bekleidungsfirmen sind z.B. „White Collar“ (Peking, DOB), „Youngor“ (Ningbo, (HAKA)[105], „Firs“ (Ningbo)[106], „Sunshine“ (Wuxi) sowie „Ports“ (Xiamen). Ihnen reicht die Auftragsfertigung nicht mehr aus und kreieren deshalb eigene Marken, um von dem wachsenden Absatzmarkt in ihrem Land zu profitieren. Der Herren- und Damenausstatter „Ports“ bspw. wirbt gezielt im Umfeld von westlichen Luxuslabels und wird daher von den chinesischen Konsumenten gar nicht als ein lokales Unternehmen wahrgenommen. Diese Positionierung eröffnet gute Handelsspannen, weil sie, relativ zu westlichen Marken, billiger produzieren können.[107] Trotz dieser Beispiele besteht bei chinesischer Produktion im hochwertigen Bereich im Bezug auf Passform und Qualität noch Nachholbedarf.[108]

Das Trading-up der chinesischen Hersteller bedeutet aber auch, dass ausländische Markenhersteller zunehmend Konkurrenz bekommen, denn Absatzchancen für ausländische Marken bestehen bislang vorwiegend im hochpreisigen Marktsegment. Die untere Preisschiene wird von einheimischen Bekleidungsunternehmen weitgehend abgedeckt.[109]

In der hochwertigen HAKA sind neben dem deutschen Label „Hugo Boss“ Designer aus Italien beliebt. Hier sind Namen wie „Armani“, „Cerutti“ und „Ermenegildo Zegna“ zu nennen. Im Geschäftsbereich sollte Mode vor allem klassisch elegant und diskret sein, also eher konservativ orientiert. Speziell im Herrenmodebereich dominieren, wie in der europäischen Geschäftswelt, nach wie vor gedeckte Farben wie Anthrazit, Schwarz oder Marine.

In der DOB für junge Frauen steht die Mode aus Japan ganz hoch im Kurs, wozu sicherlich auch die örtliche Nähe Japans beiträgt. Zudem lassen japanische Textilhersteller fast ausnahmslos in der VR China fertigen und so findet ab und an so manches „left over“ Stück den Weg über die Ladentheke. Dieses Segment bedient eher die junge modische Karrierefrau mit Spaß am Luxus. Für die Damenwelt im etwas höheren Alter rücken unauffälligere Designer aus Italien und Frankreich in den Vordergrund. Im Gegensatz zu der Herrenmode, hat es in der Damenmode noch keine deutsche Marke geschafft, auf dem chinesischen Markt wirklich Fuß zu fassen.

Das Modebewusstsein der Chinesinnen gilt allgemein als wesentlich stärker entwickelt als das der Männer.[110] Trotzdem wird dem Mann in der Familie das höhere Bekleidungsbudget zugesprochen, da er der Repräsentant nach außen ist und geschäftliche Kontakte zu pflegen hat.[111] Laut einem Bericht von Morgan Stanley vollzieht sich hier jedoch ein Wandel. Anfang der 90er Jahre wurden noch 90% der Luxuswarenkäufe von Herren getätigt, mittlerweile ist die Quote auf etwas über 60% gesunken.[112]

Im Young Fashion Segment sollte die Mode und die Marke nicht konservativ und zurückhaltend sein. Die junge Zielgruppe, vor allem aus den Städten der Ostküste, springt schnell auf modische Trends auf und neigt zu Impulskäufen, ganz im Gegensatz zu den älteren Kunden. Sie geben relativ hohe Summen für Mode aus, nicht zuletzt deshalb, weil in den Städten das Pro-Kopf-Einkommen hoch genug ist.[113] Im Young Fashion Bereich werden Modetrends verstärkt aufgegriffen, sowohl was die Schnitte als auch die Farben angeht.

Im Segment der Kinderkleidung gilt China als Wachstumsmarkt, da die Familien immer mehr Geld für Markenbekleidung der „kleinen Kaiser“ und „Prinzessinnen“ ausgeben. Bislang führte dieses Segment eher ein Schattendasein, was auch daran zu erkennen ist, dass nur 1,0 Bekleidungsstücke für Kinder im Jahr gekauft wurden.[114]

5.1.2 Erfolgsfaktoren im Absatzmarkt für Bekleidung

Trotz der positiven Möglichkeiten und Entwicklungen gilt China als ein schwieriger Markt. Um erfolgreich zu sein, ist es unausweichlich den chinesischen Bekleidungsmarkt und die Konsumenten mit ihren Konsumgewohnheiten und Vorlieben genau zu kennen. Nur dann besteht die Chance den Markt optimal zu bearbeiten und das Potential auszuschöpfen.

- Marke ist ein „must“ bzw. Kleidung ist Statussymbol

Um im chinesischen Markt bestehen zu können, ist die Etablierung und Positionierung der eigenen Marke oberstes Gebot. Es muss eine Markenidentität aufgebaut werden.

Die Marke und das dazugehörige Image spielen in China eine große Rolle, denn Kleidung gilt als Statussymbol. Teure Importware sollte neben dem modischen Aussehen also auch Prestige verschaffen. Sie dient der Profilierung in der Gesellschaft und sollte deshalb schnell als „gute“ Kleidung erkannt werden, z.B. durch ein gut sichtbares Logo. Die Zielgruppe die sich diese westlichen Labels leisten kann, ist noch relativ klein, steigt aber ständig an.[115]

- Weltniveau wird gefordert

Allgemein ist es im gehobenen Segment des chinesischen Bekleidungsmarktes von großer Bedeutung, den Kunden das Gefühl zu geben, dass sie „up to date“ sind und diese Kleidungsstücke zum selben Zeitpunkt auch in Tokio, Paris, Mailand oder London kaufen und tragen könnten. Internationalität muss vermittelt werden. Chinesische Geschäftsleute beobachten auf ihren Auslandsreisen sehr genau, welche Business-Kleidung weltweit angesagt ist. In diesem Zusammenhang sind auch die „Flagship-Stores“ in den internationalen Metropolen als Aushängeschild der Marken nicht zu unterschätzen. Die Geschäftsleute importieren diese Trends. Auch die im Ausland ausgebildeten Chinesen bringen ihre Konsumgewohnheiten mit zurück und tragen damit zur Meinungsbildung bei.

Anhand dessen werden diese Gruppen gleichzeitig zu wichtigen Zielpersonen für die Werbung, da ihnen eine Mittlerposition zukommt. Unter diesen Aspekten macht es dann auch wenig Sinn, eine speziell designte China-Kollektion zu entwerfen. Sicherlich sollte es kleine Unterschiede innerhalb der Kollektion geben, weil nicht alle Teile für den lokalen Markt geeignet sind, aber entscheidend ist, dass die Authentizität des westlichen Produkts erhalten bleibt.[116]

- Mono-Brand-Geschäfte

Um die Aussage und den Reiz einer Marke zu verdeutlichen, ist eine beliebte Strategie von Modeherstellern, das Führen von Mono-Brand-Stores.[117] Große bekannte Marken der Bekleidungsbranche wie Giorgio Armani oder Louis Vuitton eröffnen neue, eindrucksvolle Filialen. Die von Louis Vuitton in Shanghai, ist sogar die größte im asiatisch-pazifischen Raum.[118]

Diese Strategie erlaubt es, die Marketingaktivitäten auf bestimmte, Erfolg versprechende Standorte zu konzentrieren und ein einheitliches Bild und Image nach Außen zu vermitteln. Zudem kann das Angebot maßgeschneidert auf regionale Unterschiede erstellt werden.

Viele chinesische Verbraucher (insbesondere die etwas Älteren) zeigen noch große Unsicherheiten in ästhetischen Fragen und fühlen sich von modernen Trends und deren Einschätzung oft überfordert. Dies ist ein Grund, warum allgemein ein so großes Bedürfnis nach Orientierung besteht, welche das Tragen einer bekannten und gleichermaßen anerkannten Marke vermitteln kann. Die gefühlte Unsicherheit lässt sich darüber hinaus daran erkennen, dass chinesische Kunden sich gerne „von Kopf bis Fuß“ bei einem Ausstatter einkleiden, um geschmackliche „Fehltritte“ zu vermeiden. Diese Verhaltensweisen sollten ausländische Marken bei ihrem Marktauftritt mit beachten. Der Optimalfall wäre also die Präsentation eines kompletten Angebots z.B. vom Schuh über den Anzug bis hin zur Krawatte.[119]

- Qualität

Die Mode muss insgesamt qualitativ hochwertig sein. In einer Umfrage gaben 92% der Befragten an, einen Markenartikel zu wählen, weil sie der guten Qualität vertrauen könnten. Damit ist den chinesischen Konsumenten die Qualität wichtiger als der Preis, denn nur 73% gaben den Preis als wichtigstes Kriterium bei der Wahl einer Marke an.[120] Gerade bei Produkten ausländischer Herkunft bzw. mit westlichem Markennamen, entwickeln die chinesischen Konsumenten höchste Qualitätsansprüche. Diese Einstellung kommt den Markenherstellern zu gute, die meist noch einen Vorsprung in Verarbeitung und Qualität besitzen. Besonderes Augenmerk sollte deshalb bei der Produktpolitik auf den geforderten Qualitätsstandard gelegt werden, da umfeldbedingte Schwierigkeiten bei der lokalen Produktion häufig nicht abgewendet werden können.[121]

- Positionierung deutscher Labels

Speziell Waren und Marken deutscher Unternehmen genießen in China einen hervorragenden Ruf. Mit dem Label „Made in Germany“ assoziieren die chinesischen Konsumenten zwar teure, aber qualitativ hochwertige und zuverlässige Waren. Mit diesem Image werden insbesondere Maschinen und Autos verbunden, kaum jedoch kurzlebige Konsumgüter. Im Modebewusstsein liegen amerikanische, französische und italienische Marken noch an erster Stelle.[122] Dennoch werden deutsche Anbieter der Textil- und Bekleidungsbranche aufgrund ihres Qualitätsimages fast automatisch ins Premiumsegment eingestuft.[123] Dies kann als Chance begriffen und verstärkt genutzt werden. Damit würde sich die deutsche Wettbewerbsposition im Modemarkt Chinas stärken.

Neben Adidas im Sportsegment, hat es im Premiumsegment bisher nur die Hugo Boss AG geschafft, sich erfolgreich zu positionieren und zu etablieren. Andere Anbieter wie die Tom Tailor AG und s.Oliver GmbH versuchen erst seit Beginn des Jahres 2000 auf dem chinesischen Mark Fuß zu fassen.

- Anpassung der Kollektion

China ist ein großes Land. Diese banale Aussage hat aber weitreichende Konsequenzen für die Konsumgüterwelt im Allgemeinen und damit auch für die Bekleidung.

Ausländische Marken müssen sich nämlich darauf einstellen, ihr Produkt nicht nur auf „den“ chinesischen Konsumenten zuzuschneiden, sondern regionalspezifische Besonderheiten mit einfließen zu lassen.

In Geschmacksfragen der Mode gibt es ein merkliches Nord-Süd-Gefälle. Im Norden sind eher konservative Schnitte und gedeckte Farben gefragt, während die Chinesen im Süden von Strömungen aus Hong Kong beeinflusst sind und sich daher wesentlich „westlicher“ kleiden. Hinzu kommen starke klimatische Unterschiede, die in den Kollektionen berücksichtigt werden müssen.

Des Weiteren gibt es Differenzen in den Konfektionsgrößen. Im Norden des Landes sind die Damen etwas kräftiger gebaut, woraus sich ein Schwerpunkt bei den Größen 38 und 40 ergibt. In Südchina hingegen überwiegt die Damenmode in den Konfektionsgrößen zwischen 34 und 36. Im Herrenbereich zeichnet sich ein ähnliches Bild. Im Süden sind die Männer schlanker und kleiner. In den nördlichen Landesteilen hingegen, können die Männer ohne weiteres europäische Größen tragen.

Junge Leute werden wie in Europa immer größer. Sie überragen ihre Eltern schon heute meist erheblich. Daraus wird deutlich, dass es mit einer „Einheitskollektion“ nicht getan ist, sondern eine individuelle Anpassung an die lokalen Begebenheiten nötig ist. Dies bedeutet einen Mehraufwand für die Bekleidungsunternehmen, den sie in ihre Chinaplanungen mit einbeziehen und berücksichtigen müssen.[124]

- Einbeziehung hoher Markteintrittskosten

Der Markteinstieg in den Absatzmarkt für Bekleidung der VR China erfordert ein hohes Maß an Kapitalbindung. Dieser Umstand ergibt sich nicht allein aus der Größe des Landes, sondern auch durch speziell chinesische Marktbegebenheiten.

[...]


[1] Vgl. Friemel, K. Chinesischer Forschergeist, in: Financial Times Deutschland, 03.12.2004, S. 29.

[2] Lösch, Textilkonjunktur, 1969, s. 133, zit. nach: Helmes, M., Produktionsverlagerungen, 1996, S. 4.

[3] Vgl. Tücking, E., Die deutsche Bekleidungsindustrie im Zeitalter der Globalisierung, 1999, S.12.

[4] Vgl. Breitenacher, M., Textilindustrie im Wandel, 1989, S. 13ff, zit. nach: Tücking, E., Die deutsche Bekleidungsindustrie im Zeitalter der Globalisierung, S.12.

[5] Vgl. Tücking, E. Die deutsche Bekleidungsindustrie im Zeitalter der Globalisierung, S.12.

[6] Vgl. Grömling, M.; Matthes, J., Strukturwandel S. 6.

[7] Eine ausführliche Darstellung der Fertigprodukte der Textil- und Bekleidungsindustrie ist in der Anlage 2 zu finden.

[8] Vgl. Tücking, E., Die deutsche Bekleidungsindustrie im Zeitalter der Globalisierung, S.14.

[9] Vgl. Breitenacher, M., Textilindustrie im Wandel, 1989, S. 16, 17, zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, S. 95, 96.

[10] Vgl. TVI, Wissen kleidet, 1991, S. 6; Breitenacher, M., Textilindustrie im Wandel, 1989, S. 16 zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, S. 95.

[11] Vgl. Breitenacher, M., Textilindustrie im Wandel, 1989, S. 16, 17, zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, S. 95, 96.

[12] Vgl. BMWi, Pressemitteilung, 2000, zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, S. 96.

[13] Vgl. Wang, Z., Deutsche Direktinvestitionen, 1996, S. 1.

[14] Vgl. Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 1.

[15] Vgl. Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 22.

[16] Vgl. Deng, X., Die Reform der Revolution, 1988, zit. nach: Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 14.

[17] Vgl. Gebhardt, C., Option China?, 2000), S. 41-42.

[18] Vgl. Wang, Z.Q., Foreign Investment, 1995, S. 33. und Blejer et al., Economic Reform, 1991, S. 9, zit. nach: Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 14.

[19] Vgl. Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 16, 17.

[20] Vgl. Ortmanns, B., Ausländische Direktinvestitionen, 1992, S. 103-104.

[21] Vgl. Wang, Z.Q., Foreign Investment, 1995, S.33, zit. nach: Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 17-18.

[22] Vgl. Siemsen, H.; Geissbauer, R., Direktinvestitionen in China, 1996, S. 34.

[23] Vgl. Almanac of China`s Foreign Economic Relations and Trade, 1993, S. 720, zit. nach: Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 19.

[24] Vgl. Lu, H., Industrial FFEs in China, in: China Economic News, No.26, 14.07.97, S.5-6, zit. nach: Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 19.

[25] Vgl. Dong, J., Market Shares, 1997, S. 6f.; Jia, M., Policy Governing Foreign Banks, 1997, S. 2f; Sieren, F., Abschied vom Sozialismus, 1997, S. 37ff. und Liang, Z., China to further Open, 1997, S. 8, zit. nach: Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 20.

[26] bfai (Hrsg.), VR Chinas Wirtschaft weiter unter Volldampf, 22.07.2005.

[27] Vgl. Deutsche Botschaft Peking, Wirtschaftsdaten kompakt, Stand: 27.Apr.2005, S. 1.

[28] Vgl. Follath, E. et al, Der Sprung des Drachen, in: Der Spiegel, Nr.42, 11.10.2004, S. 120.

[29] Vgl. o.V., Harte Arbeit, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 30.09.2004, S. 28.

[30] Vgl. bfai (Hrsg.), VR Chinas Wirtschaft weiter unter Volldampf, 22.07.2005.

[31] Vgl. Auswärtiges Amt, Länderinfo China, Wirtschaft, Stand: März 2005.

[32] Vgl. Deutsche Botschaft Peking, Wirtschaftsdaten kompakt, Stand: 27.Apr.2005.

[33] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Kaufkraftentwicklung, 20.06.2005, S. 2.

[34] Vgl. Yong, L.; Baocheng, L., China’s Consumer Market, in: Yong, L.; Reuvid, J. (Hrsg.): Doing Business with China, 2003, S. 40.

[35] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Kaufkraftentwicklung, 20.06.2005, S. 2.

[36] 119,80 US$ (992RMB) – 783,33 US$ (6.486RMB) bei 1US$-8,28RMB

[37] Vgl. Yong, L.; Baocheng, L., China’s Consumer Market, in: Yong, L.; Reuvid, J. (Hrsg.): Doing Business with China, 2003, S. 38.

[38] Quelle: National Bureau of Statistics (NBS), 2003 Statistical Bulletin on National Economy, zit. nach: Deutsche Botschaft Peking, Wirtschaftsdaten kompakt, Stand: 27.Apr.2005, S. 1.

[39] Vgl. o.V., Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 30.09.2004, S. 86- 88.

[40] Vgl. Yong, L.; Baocheng, L., China’s Consumer Market, in: Yong, L.; Reuvid, J. (Hrsg.): Doing Business with China, 2003, S. 42-44. Eine Darstellung der Einkommensverwendung befindet sich in der Anlage 3.

[41] Eine Aufstellung der Sonderwirtschaftsgebiete ist in der Anlage 4 zu finden.

[42] Vgl. Gebhardt, C., Option China?, 2000, S. 56-58.

[43] Vgl. Krokowski, W., Internationale Beschaffungslogistik, 2001, in: Dietz K (Hrsg): Marktstrategien, 2001, S. 178, 179 und Gebhardt, C., Option China?, 2000, S. 57.

[44] Vgl. Gebhardt, C., Option China?, 2000, S. 58-60.

[45] Vgl. o.V. Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 30.09.2004, S. 86-88.

[46] Vgl. Gebhardt, C., Option China?, 2000, S. 59, 60.

[47] Vgl. o.V. Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 30.09.2004, S. 87.

[48] Vgl. Gebhardt, C., Option China?, 2000, S. 58, 59.

[49] Vgl. o.V. Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 30.09.2004, S. 84-88.

[50] Vgl. Hoeffner, E., Einführungen zur WTO, 22.08.2005.

[51] Meistbegünstigung innerhalb der WTO bedeutet, dass alle einem Mitgliedstaat gewährten Vorteile bezüglich Waren oder Dienstleistungen, auch allen anderen Mitgliedern gewährt werden müssen.

Reziprozität bedeutet, dass die zwischen zwei Mitgliedsstaaten gemachten handelspolitischen Zugeständnisse gegenseitig gelten. Zit. nach: Hoeffner, E., Meistbegünstigung und Inländerbehandlung, 22.08.2005.

[52] Diese Länder heißen: China, Indien, Indonesien, Taiwan, Argentinien, Hong Kong, Malaysia, Peru, Philippinen, Südkorea und Thailand.

[53] Vgl. Schäfer, D. Nächste Ausfahrt China, 2005, S. 11.

[54] Vgl. Heymann, E., Schneiderei der Welt, 2005, S. 1-4.

[55] Vgl. Reinhold, K., Alles aus Asien?, in: Textil Wirtschaft, Nr.10, 10.03.2005, S. 23.

[56] Vgl. Heymann, E., Schneiderei der Welt, 2005, S. 7, 8.

[57] Vgl. o.V. Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 30.09.2004, S. 85.

[58] Vgl. o.V. Viel einfacher, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 30.09.2004, S. 102, 103.

[59] Vgl. Hoeffner, E., TRIPS, 22.08.2005.

[60] Vgl. Hoeffner, E., Geistiges Eigentum, 22.08.2005.

[61] Vgl. Hemmer, H-R., transnationale Unternehmen, 1987, S. 21, zit. nach: Belew, D., Markteintrittsstrategien, 2000, S. 223.

[62] Vgl. Kebschull, D., Internationalisierungsmotive, 1989, Sp. 974; Hilpert, G., Integration, 1992, S. 113; Henneberg, F.; Graf, S., Arbeitsplatzeffekte, 1996[!], S. 10, zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, 2004, S. 63.

[63] Vgl. Broll, U., Internationaler Handel, 1997, S. 96; Deutsche Bundesbank, Monatsbericht August, 1997, S. 66, zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, 2004, S. 64.

[64] Vgl. Deitmers, J., Beschäftigung, 1982, S. 43, zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, 2004, S. 64.

[65] Vgl. Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 126-128, ebenso Gebhardt, C., Option China, 2000, S. 88, 89.

[66] Vgl. Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 127, ebenso van den Bulcke, D. et al., Direct Investment in China, 2003, S. 94, 95.

[67] Vgl. Hamilton, G., Adjubei, Y., Analysing, 1991, S. 89, zit. nach: Helmes, M., Produktionsverlagerungen, 1996, S. 58, 59.

[68] Verschiedene empirische Studien belegen den signifikanten Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt bzw. der Reihenfolge des Markteintritts und dem jeweiligen Erfolgskriterium. In den meisten Fällen konnten Pioniere auch eine Position als Marktführer erreichen. Vgl. Simon, H., Zeit, 1989, S. 26, zit. nach: Helmes, M., Produktionsverlagerungen, 1996, S. 60.

[69] Vgl. Dichtl,E., Marktnähe, 1993, S. 385f., zit. nach: Helmes, M., Produktionsverlagerungen, 1996, S. 60.

[70] Vgl. o.V. Großartige Zukunft, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 01/2004, 30.09.2004, S. 73.

[71] Vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht August, 1997, S. 66; Oppenländer, K. H.; Gerstenberger, W., Internalisierung der Märkte, 1992, S. 4, zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, 2004, S. 65.

[72] Business-to-Business: Geschäfte zwischen Unternehmen.

[73] Business-to-Customer: Geschäfte zwischen einem Unternehmen und einem Endverbraucher.

[74] Vgl. Borrmann et al., Unternehmen in Asien, 1996, S. 71, zit. nach: Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 129, 130.

[75] Gemäß der oligopolistischen Reaktionshypothese agieren multinationale Unternehmen vorwiegend auf oligopolistischen Märkten. Bei einer Störung des Marktgleichgewichts durch eine Aktion eines Oligopolisten (z.B. einer Direktinvestition in China), werden sofort Folgereaktionen der Konkurrenten ausgelöst. Die Wettbewerber sehen sich also gezwungen, auch in diesen Markt zu investieren (Follow-the-leader-Strategie) um keine Marktanteile zu verlieren. Theorie nach Knickerbocker, 1973, zit. nach: Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 129. Eine Befragung unter 741 europäischen Unternehmen aus allen Branchen ergab, dass 31% die „follow-the-leader“ Strategie für ihre Investitionsentscheidung im chinesischen Markt als entscheidend ansahen. Vgl. van den Bulcke et al., Direct Investment in China, 2003, S. 83, 95.

[76] Vgl. van den Bulcke et al., Direct Investment in China, 2003, S. 95.

[77] Vgl. Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 128, 129.

[78] Vgl. o.V., Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 1/2004, 30.09.2004, S. 82.

[79] Association of South East Asian Nations (Wirtschaftsgemeinschaft südostasiatischer Länder).

[80] Vgl. Gebhardt, C., Option China, 2000, S. 88, 89.

[81] Vgl. Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 129.

[82] Arbeitskosten = Lohnkosten + Lohnnebenkosten

[83] Vgl. Broll, U., Internationaler Handel, 1997, S. 96; Deutsche Bundesbank, Monatsbericht August, 1997, S. 68, zit. nach: Schneider, A., Internationalisierungsstrategien, 2004, S. 66.

[84] Vgl. Gebhardt, C., Option China, 2000, S. 89.

[85] Vgl. o.V., Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 1/2004, 30.09.2004, S. 84.

[86] Vgl. Gebhardt, C., Option China, 2000, S. 89.

[87] Vgl. o.V., Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 1/2004, 30.09.2004, S. 83, 84.

[88] Vgl. Vinck, B.R.C., Tendenzen bei der Beschaffung, 2001, in: Dietz K.(Hrsg.), Marktstrategien, 2001, S. 184.

[89] Vgl. Krokowski, W., Internationale Beschaffungslogistik, 2001, in: Dietz K.(Hrsg.), Marktstrategien, 2001, S. 180.

[90] Vgl. Reinhold, K., Alles aus Asien?, in: Textil Wirtschaft, Nr.10, 10.03.2005, S. 24 und o.V. Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 1/2004, 30.09.2004, S. 82-84.

[91] Vgl. o.V., Kein Limit nach oben, in: Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 1/2004, 30.09.2004, S. 84.

[92] Vgl. Saam, C., Exportoffensive, 2002, S. 28f., zit. nach: Grömling, M.; Matthes, J., Strukturwandel, 2003, S. 69.

[93] Vgl. Reinhold, K., Die Nähstube der Welt, in: Textil Wirtschaft, Nr. 49, 2.12.2004, S. 29.

[94] Vgl. Bühler, K., Investitionsstandort, 2000, S. 131, 132.

[95] Vgl. BBI, 1998, zit. nach: Grömling, M.; Matthes, J., Globalisierung, 2003, S. 79

[96] Vgl. iwd, Nr. 32 vom 07.08.2003.

[97] Vgl. Yong, L.; Congcong, C., Retailing, in: Yong, L.; Reuvid, J. (Hrsg.): Doing Business with China, S. 364.

[98] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Absatzmarkt für Konsumgüter, 20.06.2005, S. 1.

[99] Vgl. bfai (Hrsg.), VR Chinas Wirtschaft weiter unter Volldampf, 22.07.2005.

[100] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Das chinesische Einzelhandelssystem, 20.06.2005, S. 1-3.

[101] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Deutschlands Image und Rolle als Konsumgüterlieferant, 20.06.2005, S. 4.

[102] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1. Eine nähere Darstellung der Ausgaben für Bekleidung befindet sich in der Anlage 5.

[103] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Bekleidungsmarkt der VR China bleibt interessant, 24.03.2003, S. 1.

[104] Vgl. bfai (Hrsg.), Bekleidung bleibt in der VR China gefragt, 03.03.2004, S. 3.

[105] Youngor wird in über 2000 eigenen Läden und 200 Flagshipstores verkauft. Der Exportumsatz beträgt 520 Mio.Euro mit 20000 Mitarbeitern. Vgl. Reinhold, K. Die Nähstube der Welt, in: Textil Wirtschaft, Nr. 49, 2.12.2004, S. 28.

[106] Firs wird in 3700 Stores (mehrere verschiedene Marken) verkauft. Umsatz 600 Mio. Euro mit 21000 Mitarbeitern. Vgl. Reinhold, K. Die Nähstube der Welt, in: Textil Wirtschaft, Nr. 49, 2.12.2004, S. 29.

[107] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1, 2.

[108] Vgl. Reinhold, K. Alles aus Asien?, in: Textil Wirtschaft, Nr.10, 10.03.2005, S. 24.

[109] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1, 2.

[110] Dies kann anhand eigener Erfahrungen bei einem halbjährigen Praktikumsaufenthalt in Hong Kong bestätigt werden.

[111] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1-4.

[112] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Absatzmarkt für Konsumgüter, 20.06.2005, S. 2.

[113] Vgl. bfai )Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Absatzmarkt für Konsumgüter, 20.06.2005, S. 2.

[114] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1-4.

[115] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1, 2.

[116] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1, 2.

[117] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1, 2.

[118] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Absatzmarkt für Konsumgüter, 20.06.2005, S. 2.

[119] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Bekleidung und Schuhe, 20.06.2005, S. 1-3.

[120] Dies ergab eine Umfrage, durchgeführt von der US-Beratungsgesellschaft Kurt Salmon Associates unter 600 Bewohnern in Peking, Shanghai, Chengdu und Shenyang mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 300 bis 1.200 US$. Vgl. Wirtschaftswoche, Sonderheft China, 01/2004 vom 30.09.2004, S. 75. ebenso bfai, VR China, Konsumgütermärkte: Absatzmarkt für Konsumgüter, 20.06.2005, S. 4.

[121] Vgl. Zomer, M.-O., Markterschließungskonzepte für die VR China, 1998, S. 151.

[122] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Absatzmarkt für Konsumgüter, 20.06.2005, S. 2.

[123] Vgl. Reinhold, K. Konsumrevolution im Kommunismus, in: Textil Wirtschaft, Nr. 40, 30.09.2004, S. 42, 43.

[124] Vgl. bfai (Hrsg.), VR China, Konsumgütermärkte: Deutschlands Image und Rolle als Konsumgüterlieferant, 20.06.2005

Details

Seiten
141
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638602716
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69423
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,0
Schlagworte
Zukunftsmarkt China Internationalisierungsstrategien Textil- Bekleidungsindustrie

Autor

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Titel: Zukunftsmarkt China. Internationalisierungsstrategien der Textil- und Bekleidungsindustrie