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Joseph Goebbels und der Sport

Rezension / Literaturbericht 2006 20 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literatur

1. Einleitung

2. Boxkämpfe von Max Schmeling
2.1. Schmeling privat

3. Olympische Spiele 1936
3.1. Sommerspiele in Berlin
3.2. Winterspiele in Garmisch

4. Fazit

Anhang

Literatur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Nahezu die Hälfte seines Lebens hat Joseph Goebbels in Tagebüchern festgehalten. Die Eintragungen zwischen 1923 und 1945 umfassen seine gesamte politische Karriere in der NSDAP vom Gauleiter in Berlin (1926) und Reichstagsabgeordneten (1928) zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda (1933) und schließlich General-bevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz (1944). Welche Bedeutung die Tage-bücher für Goebbels hatten, belegen nicht nur Zeitspanne und Umfang der Ein-tragungen, welche der Nationalsozialist bis zum Angriff gegen Russland 1941 hand-schriftlich verfasst und anschließend bis April 1945 diktiert hatte, sondern auch, dass der Reichsminister sämtliche Eintragungen auf Glasplatten sichern ließ, damit diese über das Kriegsende hinaus erhalten bleiben.

Entdeckt wurden diese Kopien erst 1992 im früheren Sonderarchiv in Moskau, das Institut für Zeitgeschichte in München veröffentlichte die Goebbels-Tagebücher. Die bisher 27-bändige Edition ist Grundlage dieser Analyse, welche Goebbels persönliche Sicht auf den Sport und dessen propagandistische Nutzung untersuchen soll. Es werden nur die Tagebuch-Eintragungen zwischen Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 und dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 berücksichtigt, weil im Krieg die sportlichen Wettbewerbe zunehmend ausgesetzt wurden und Goebbels dem Sport aufgrund des Kriegsgeschehens und seiner eigentlichen Betätigungsfelder Kunst und Medien vermutlich kaum größere Beachtung geschenkt haben dürfte.

In der Friedensphase des Nationalsozialismus sind jedoch die olympischen Spiele in Garmisch und Berlin sowie zahlreiche Boxkämpfe von Max Schmeling angesiedelt. Die Analyse beschränkt sich auf diese beiden Themen, Olympia und Max Schmeling, um die Anzahl der Eintragungen zu begrenzen. In Goebbels Tagebücher finden sich zwar zahlreiche Nennungen von Wettkämpfen und Sportlern, denen aber nur ein bis zwei Zeilen gewidmet sind, welche selten über eine faktische Darstellung mit Ort, Sportart und Ergebnis hinausgehen und somit wenig aussagekräftig sind.

Olympia und die Boxkämpfe von Max Schmeling sind somit die einzigen Sport-ereignisse, die von Goebbels in seinen Tagebüchern über einen längeren Zeitraum erwähnt werden und insgesamt umfangreicher ausfallen. Nicht zuletzt ist die Wahl auf Olympia und Max Schmeling gefallen, weil die sportlichen Wettkämpfe durch den Nationalsozialismus politisch vereinnahmt und Goebbels Ministerium instrumentalisiert wurden. Wie sich die propagandistische Nutzung des Sports in den Tagebuch-Eintragungen des Reichsministers widerspiegelt soll ebenfalls Teil dieser Analyse sein.

2. Boxkämpfe von Max Schmeling

Schon vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten war der deutsche Profiboxer Max Schmeling Meister aller Klassen und gewann Kämpfe in den USA. Obwohl der erste Boxkampf von Schmeling nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 8. Juni 1933 in New York stattfand, erwähnt Goebbels den Boxer als Sportler[1] erstmals fast zwei Jahre später am 12. März 1935 in seinen Tagebüchern. Schmeling siegte gegen Steve Hamas durch technischen K.o., während er zuvor in New York gegen Max Baer und in Philadelphia gegen Steve Hamas eine Niederlage hinnehmen musste und der Kampf am 13. Juni 1934 gegen Paolino Uzcudun mit einem Unentschieden endete.

Dass Goebbels diese Ereignisse nicht in seinen Tagebüchern vermerkt, könnte zwei Gründe haben: Einerseits finden die Kämpfe im Ausland statt und andererseits sind nur sportliche Erfolge propagandistisch nutzbar. Auch den K.o.-Sieg von Schmeling über Walter Neusel am 26. August 1934 in Hamburg lässt der Goebbels unerwähnt, denn wegen des deutschen Gegners scheint eine propagandistische Verwertung ebenfalls nicht möglich.

Auf diese Weise ließe sich begründen, dass Goebbels erst den gewonnen Kampf gegen den US-Amerikaner Steve Hamas, der in Hamburg stattfand, und alle folgende Box-kämpfe[2] bis zum Kriegsbeginn in seinen Tagebüchern vermerkt.

Nahezu allen knappen Beschreibungen der Kämpfe von Max Schmeling ist die nationalsozialistische Rasseideologie anzumerken, vor allem beim berühmten Sieg von Schmeling über den als unschlagbar geltenden US-Amerikaner Joe Louis am 19. Juni 1936 in New York. Mit der Bezeichnung als „Neger“[3] und der Aussage „Der Weiße über den Schwarzen, und der Weiße war ein Deutscher.“[4] stellt Goebbels den Gegner ausschließlich über seine Hautfarbe und Rasse dar. Ebenfalls deutlich werden die unterschiedlichen Stufen innerhalb der nationalsozialistischen Rassevorstellungen, der Schwarze wird als Wesen unterhalb der weißen Rasse angesiedelt und der Deutsche unter den Weißen besonders hervorgehoben. Als Goebbels einen Film von jenem Boxkampf sieht, verwendet er die rassisch-unterscheidenen Begriffe erneut: „Er knockt den Neger richtig aus. Ein männlicher Kampf.“[5]

Auch unabhängig von der Hautfarbe stellt Goebbels die zumeist US-amerikanischen Gegner von Max Schmeling eindeutig negativ dar: „So einem frechen und groß-schnäuzigen Amerikaner das Maul gestopft“[6] Als „Schwein“, das sich „aus Feigheit“ nicht stellt und damit „echt amerikanisch“[7] ist beschreibt Goebbels den amtierenden Box-Weltmeister James Braddock, nach dessen Entscheidung nicht gegen Max Schmeling anzutreten. Sogar Hitler soll „das schofle Verhalten Amerikas Schmelings gegenüber“ zum Anlass genommen haben, um gegen die USA zu wettern[8]. Um seine Ansichten über das Land zu unterstreichen, vermerkt Goebbels auch, das Max Schmeling nach dem Kampf gegen Joe Louis „viel von den unmöglichen Verhältnissen in Amerika [erzählt].“[9]

Besonders wichtig für Goebbels ist, dass Schmeling „eine fabelhafte in- und ausländische Presse“[10] hat. Denn aus seiner Sicht sind die persönlichen Siege von Schmeling gleichbedeutend mit deutschen Erfolgen, denn die verallgemeinernden Kommentare von Goebbels lauten „Dieser Sieg ist für Deutschland erfochten.“[11], „Schmeling hat für Deutschland gefochten und gesiegt“ und „Guter Prestigeerfolg für Deutschland“[12]. Die Leistungen eines einzelnen Sportlers werden in seinen Tagebücher für den gesamten Staat vereinnahmt, um dessen Überlegenheit zu demonstrieren.

Um sportliche Wettkämpfe für propagandistische Zwecke nutzen zu können, mussten im Wesentlichen zwei Bedingungen erfüllt sein: der Sieg eines Deutschen über einen nicht-deutschen Gegner. Dementsprechend scheint Goebbels die Boxkämpfe von Max Schmeling in seine Tagebücher aufgenommen zu haben. Die räumliche Entfernung zu den Kämpfen, die zum Teil im Ausland stattfanden, konnte durch den Rundfunk wettgemacht werden. So geht aus seinen Tagebüchern hervor, dass Goebbels mindestens fünf der sieben vermerkten Kämpfe am Radio verfolgt hat. Insofern hatte der Ort des Ereignisses wohl keine Bedeutung für die Eintragungen in Goebbels Tagebücher.

[...]


[1] Private Begegnungen zwischen Schmeling und Schmeling sind bereits vor März 1935 vermerkt.

[2] siehe Anhang

[3] Band 3/II, 20. Juni 1936, S. 112 und 28. Juni 1936, S. 119

[4] Band 3/II, 20. Juni11936, S. 112

[5] Band 3/II, 28. Juni 1936, S. 119

[6] Band 5, 15. Dezember 1937, S. 53

[7] Band 4, 5. Juni 1937, S. 169

[8] Band 5, 2. Februar 1938, S. 131

[9] Band 3/II, 28. Juni 1936, S. 119

[10] Band 3/II, 21. Juni 1936, S. 113

[11] Band 3/II, 21. Juni 1936, S. 112

[12] Band 3/I, 12. März 1935, S. 198

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638620086
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69527
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,7
Schlagworte
Joseph Goebbels Sport Experiment

Autor

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Titel: Joseph Goebbels und der Sport