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Minderheiten und Minderheitenpolitik in der Tschechischen Republik im 20. Jahrhundert

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 14 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Tschechische Republik
2.1 Die heutige Tschechische Republik
2.2 Historische Entstehung der Tschechischen Republik
2.3 Bevölkerungszusammensetzung

3. Deutsche in der Tschechischen Republik
3.1 Aktuelle Situation
3.2 Die Sudetendeutschen

4. Roma als nationale Minderheit
4.1 Begriffsklärung und Unterscheidung von Sinti und Roma
4.2 Roma in der heutigen Tschechischen Republik
4.3 Die Mauer von Usti
4.4 Der Betritt zu Europäischen Union und dessen Auswirkung auf die Situation der Roma

5. Fazit – Schlusswort

6. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Im „Herzen Europas“ liegt die Tschechische Republik, die Heimat von Smetana und dem Pilsner Bier. Erst seit 1993 ist sie ein eigenständiger und unabhängiger Staat, doch die Wurzeln dieses Landes gehen weit in das 9. Jahrhundert zurück mit der Entstehung des Großmährischen Reiches. Meine Ausführungen sollen sich jedoch auf die Neuzeit beschränken mit den Anfängen im 20. Jahrhundert.

Im Zuge vieler Reformen, Kriege und Revolutionen wurde das Bild dieses Landes ständig verändert, was sich nicht nur an ständig wechselnden Bezeichnungen und Namen ausmachen lässt – auch die Striche auf der Landkarte und die Zusammensetzung der Bevölkerungsstruktur waren durch fortlaufende Veränderungen geprägt. So kam dieses Land eigentlich bis 1993 nicht zur Ruhe und erfährt erst seitdem eine eigenständige und unabhängige Entwicklung.

Gerade die heutige Zusammensetzung der Einwohner Tschechiens mit ihren mittlerweile politisch anerkannten Minderheiten, wie z.B. Roma und Deutsche, zeigt wie verschieden doch die Bewohner dieses Landes sind.

Ich möchte versuchen zu hinterleuchten, wie das Land mit diesen Minderheiten im Laufe der Jahre umgegangen ist und welche Entwicklung sie im Zuge der Veränderungen erfuhren. Speziell möchte ich mein Augenmerk dabei auf die sogenannten Sudetendeutschen und der Gruppe der Roma, welche der Gruppe der Zigeuner angehören, richten und durchaus auch kritisch hinterfragen. Zwar haben diese Bevölkerungsgruppen mittlerweile den Status von staatlich, anerkannten Minderheiten; innerhalb der Bevölkerung jedoch werden sie noch meist kritisch beäugt, kritisiert und diskriminiert.

Die Minderheitenpolitik der tschechischen Regierung war auch ein zentrales Argument zur Aufnahme der Republik in die Europäische Union (EU).

Die Arbeit soll sowohl historische, soziologische und auch politische Aspekte darstellen und beleuchten. Wie schon oben erwähnt soll dabei nur die Neuzeit untersucht werden, um sie übersichtlicher und einfacher zu gestalten.

2. Die Tschechische Republik

2.1 Die heutige Tschechische Republik

Die Tschechische Republik in ihrer heutigen Form gibt es seit dem 1.Januar 1993 und geht aus der ehemaligen Tschechoslowakei (CSFR) hervor. Sie umschließt die historischen Regionen Böhmen, Mähren und einen Teil Schlesiens und erstreckt sich über eine Fläche von 78 866 km² mit momentan 10,28 Millionen Einwohnern. Die Hauptstadt ist Prag mit 1,3 Millionen Einwohnern und die Landessprache ist Tschechisch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das heutige Tschechien

Die Regierungsform ist eine parlamentarische Demokratie mit einem Zwei-Kammern-Parlament, was sich aus dem Abgeordnetenhaus mit 200 Sitzen und dem Senat mit 81 Sitzen zusammensetzt. Das Amt des Staatspräsidenten wird seit dem 28.Februar 2003 von dem Wirtschaftswissenschaftler Václav Klaus begleitet. Klaus gilt als einer der wichtigsten Reformer der freien Marktwirtschaft in Tschechien. Das Amt des Ministerpräsidenten wird seit August 2004 von Dr. Stanislav Gross ausgeübt, welcher der sozialdemokratischen Partei CSSD angehört, die damit auch als Regierungspartei dem Kabinett angehört. Seit dem 1. Mai 2004 gehört die Tschechische Republik auch der Europäischen Union (EU) an. Sie grenzt an die Nachbarstaaten Deutschland, Polen, Österreich und die Slowakei.

2.2 Historische Entstehung der Tschechischen Republik

Die Wurzeln der Tschechischen Republik der Neuzeit liegen in den Anfängen des 20.Jahrhunders, einhergehend mit dem Ende des 1.Weltkrieges und der Doppelmonarchie Österreich-Ungarns. Am 28. Oktober 1918 wurde in Prag die Tschechoslowakische Republik (ĈSR) gegründet und Tomáŝ Garrigue Masaryk zu ihrem ersten Staatspräsidenten gewählt. Sie wurde auch die Erste Tschechoslowakische Republik genannt.

Die Wurzeln der Tschechischen Republik der Neuzeit liegen in den Anfängen des 20.Jahrhunders, einhergehend mit dem Ende des 1.Weltkrieges und der Doppelmonarchie Österreich-Ungarns. Am 28. Oktober 1918 wurde in Prag die Tschechoslowakische Republik (ĈSR) gegründet und Tomáŝ Garrigue Masaryk zu ihrem ersten Staatspräsidenten gewählt. Sie wurde auch die Erste Tschechoslowakische Republik genannt.

Der neue Staat setzte sich aus den vorher zu Österreich gehörenden Gebieten Böhmen und Mähren, sowie aus den zu Ungarn gehörenden Gebieten Slowakei und Karpatenrussland.

Die Bevölkerung bestand zum Grossteil aus Tschechen und Slowaken, jedoch auch aus mehr als 3 Millionen Deutschen ,750 000 Ungarn, 460 000 Ukrainer, 180 000 Juden,

70 000 Polen und 20 000 Bewohner anderer Volkzugehörigkeit, was eine Gesamtbevölkerung von 13,36 Mio. Menschen ergab.

Das Verhältnis der Volksgruppen zueinander war konfliktbeladen, auch wenn einige Minderheiten an der Regierungsarbeit beteiligt waren. Den Slowaken zum Beispiel wurde die Autonomie versagt. Auch die Vielzahl der sogenannten Sudetendeutschen stellte Probleme innerhalb des Staates dar, weil auch sie Ihrer Eigenständigkeit und Autonomie forderten (dazu mehr in den folgenden Abschnitten).

Nach der Machtergreifung Hitlers und den Nationalsozialisten kam es dann am Ende November 1938 zum “ Münchner Abkommen“. Dieses Abkommen bewirkte, unter Einwilligung Großbritanniens und Frankreichs und in Abwesenheit von der ĈSR, dass das gesamte Grenzgebiet Tschechiens (Sudetenland) Deutschland angeschlossen wurde.

Auch die Slowaken drängten auf die Verselbstständigung ihres Landes und wurden am

19. November 1938 zum autonomen Teilstaat der » Tschechoslowakei « erklärt.[1]

Rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung hatte die Tschechoslowakei mit den Gebietsabtretungen verloren und war nicht mehr in der Lage als selbstständiger und unabhängiger Staat zu existieren.[2]

Unter dem Druck Hitlers kam der restliche Teil Tschechiens unter deutsches Diktat und hieß fortan Protektorat Böhmen und Mähren.

Im Mai 1945 nach Kriegsende nahm die Regierung unter dem Namen der Tschechow-Slowakische Republik ihre Arbeit auf. Im Jahre 1948 gewannen dann die Kommunisten entgültig politisches Übergewicht und eine neue Verfassung vom 9. Mai gab der ĈSR den Status einer einheitlichen, volksdemokratischen Politik. Offiziell wurde 1960 die ĈSR mit einer neuen Verfassung zur Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (ĈSSR).

Einen weiteren Einschnitt in ihre Geschichte erfuhr die ĈSSR im Jahre 1989 mit der “Samtenen Revolution“. Infolge dieser verhältnismäßig friedlichen und gewaltlosen Erhebung des Volkes wurde das Regime der Kommunistischen Partei beendet. Mit dem neuen Präsidenten Vâclav Havel an der Spitze beschloss das Parlament die neue Staats-Bezeichnung Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ĈSFR).

Der letzte Akt wurde mit der einvernehmlichen Trennung der beiden Bundesstaaten Tschechien und Slowakei zum 1. Januar 1993 vollzogen. Die ĈSFR wurde aufgelöst und es entstanden die unabhängigen Staaten Slowakei und die Tschechische Republik (ČR).

[...]


[1] Vgl: Gorys, Erhard: Tschechische Republik: Kultur, Landschaft und Geschichte in Böhmen und Mähren, Köln, 1994, Seite 33

[2] Vgl: Mauritz, Markus: Tschechien, Regensburg, 2002, Seite 121

Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638622714
ISBN (Buch)
9783638807043
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69869
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Pädagogik
Note
2,3
Schlagworte
Minderheiten Minderheitenpolitik Tschechischen Republik Jahrhundert Diskurs

Autor

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