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The North-South-divide in Great Britain

Seminararbeit 2004 26 Seiten

Anglistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. VORWORT

2. Hintergrund des Nord – Süd – Gefälles
2.1 Die Industrielle Revolution und ihre damaligen Folgen
2.2 Staatliche Wirtschaftsförderung in und seit der Zwischenkriegszeit
2.3 Auswirkungen der Politik unter Margaret Thatcher
2.4 Die Dominanz des Südens Großbritanniens

3. Problematik des Nord - Süd – Gefälles
3.1 Regional differierende Arbeitslosigkeit
3.2 Demographische Unterschiede und soziale Versorgung
3.3 Grenzen des Südens (am Beispiel von Milton Keynes)

4. Perspektiven des Nord – Süd – Gefälle
4.1 Egalisierungsmaßnahmen der Regierungen
4.2 Zukünftige Entwicklungstrends

5. Schlusswort

ANHANG 1

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 1: Nutzungsgebiete Großbritanniens: Industrieräume

Abb. 2: Industrielle Arbeitskräftemigration in Wirtschaftsförderungsgebiete

Abb. 3: Gross weekly earnings by government office region

Abb. 4: England Area and Population, by Region, 1999

Abb. 5: Sub-national labour market summary (survey march to may 2004).

Abb. 6: Household income per head

Abb. 7: Milton Keynes – New Town

1. VORWORT

“When you go into the industrial North, you are entering a strange country. This is partly because of certain real differences which do exist, but still more because of the North – South antithesis which has been rubbed into us for such a long time past.”[1] Auch wenn diese Aussage George Orwells bereits über 65 Jahre alt ist, so ist sie noch heute Spiegelbild der Situation, in der sich Großbritannien befindet. Schon lange ist die britische Insel sowohl wirtschaftlich, als auch politisch und gesellschaftlich in zwei Teile gespalten. Der florierende Süden, hier besonders der Südosten Englands steht dem düsteren, durch vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit geprägten Norden gegenüber.

Zu dieser Thematik existiert bereits eine Reihe von Aufsätzen, die sich bei genauerer Betrachtung jedoch oft in der jeweiligen regionalen Perspektive der zumeist britischen Verfasser unterscheiden. Dementsprechend soll diese Seminar-arbeit dazu dienen, einen objektiv neutralen Blick über das Nord – Süd – Gefälle zu verschaffen, ohne dass eigene regionale Erfahrungen des Autors mit einfließen.

Es soll untersucht werden, was die Hintergründe dieser Teilung sind, wobei auf die Folgen der Industriellen Revolution eingegangen und die Wirtschafts-förderung in und seit der Zwischenkriegszeit dargestellt wird. Hierbei bedarf es auch einer Erläuterung der Auswirkung der Staatspolitik unter Margaret Thatcher und der Entwicklung hin zur Dominanz des Südens in Zeiten der Deindustrialisierung. Des Weiteren sollen grundlegende Probleme des Nord – Süd- Gefälles diskutiert werden. Vor allem die Problematik der regional sehr unterschiedlichen Erwerbstätigkeitsquote, die damit verbundenen demo-graphischen und sozialen Differenzen und schließlich die räumliche Gefahr der Hyperurbanisierung in den südlichen Regionen Großbritanniens sind diesbezüglich zu nennen. Gegen Ende der Studienarbeit wird auf die Perspektiven des „North – South – divide“ eingegangen, die sich unter anderem in den Versuchen der Regierung, der regionalen Spaltung entgegenzuwirken und den zukünftigen Entwicklungstrends hinsichtlich des Gefälles darstellen lassen.

2. Hintergrund des Nord – Süd – Gefälles

2.1 Die Industrielle Revolution und ihre damaligen Folgen

Als Anfang und Mitte des 18. Jahrhunderts erste Erfindungen wie beispielsweise die Dampfmaschine (1712) oder die weltberühmte „Spinning-Jenny“ (1764) auf den Markt kamen, leitete England die industrielle Revolution ein. Die Eisen- und ganz besonders die Baumwollindustrie galten als entscheidende Triebkräfte für das Wachstum der britischen Wirtschaft. Zahlreiche Weiterentwicklungen und Verbesserungen der Erfindungen führten dazu, dass England schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum technischen und wirtschaftlichen Vorbild für die Welt heranwuchs. So war es ab1769 mit Arkwrights „water – frame“ möglich, mit Wasser- und später mit Dampfantrieb sehr große Mengen an fester leinenfreier Baumwolle herzustellen, was die Wertschöpfung um ein Vielfaches beschleunigte.[2] Ziemlich schnell entwickelten sich auf Grundlage sehr großer Ressourcenbestände, vornehmlich Eisenerz und Kohlelager, die ersten Ballungsgebiete von Bevölkerung, Schiffsbau, Schwer- und Textilindustrie.

Abb.1: Nutzungsgebiete Großbritanniens: Industrieräume

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: „Großbritannien und Nordirland“, in : Die große Coron Enzyklopädie

(Stuttgart: Coron Verlagsgesellschaft MBH, 1998), S.147.

Diese durch relativ hohe Bevölkerungsdichte gekennzeichneten Agglomerationen waren besonders in Mittel- und Nordostengland, der mittel-schottischen Senke und in Südwales vorzufinden. Die starke Konzentrationsbildung in den industriellen Regionen führte dazu, dass wirtschaftlich wie auch finanziell im 18. Jahrhundert ganz klar die in Abb. 1 gekennzeichneten Gebiete die führenden Gebiete in Großbritannien waren. Kapital wurde in die Industriegebiete investiert, weitere Fabriken wurden errichtet, neue Arbeitsplätze geschaffen und es schien, als sei Wohlstand nur in diesen Regionen erreichbar, wobei zur damaligen Zeit niemand ahnte, wie sich die Wirtschaft in den folgenden Jahren entwickeln sollte.

2.2 Staatliche Wirtschaftsförderung in und seit der Zwischenkriegszeit

Wirtschaftliche Probleme in Großbritannien zeichneten sich bereits zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg ab, als insbesondere die altindustriellen Gebiete aus Zeiten der Industriellen Revolution „von einer stark rückläufigen Wirtschaftsentwicklung ihrer paläotechnischen, dabei stark exportorientierten Produktionszweige, und zwar vor allem der Eisen- und Stahlindustrie, Textilindustrie, des Schiffbaus und Kohlebergbaus, betroffen waren.“[3] Die Situation der auch heute noch sehr strukturschwachen Regionen wie beispielsweise Merseyside bei Liverpool oder Tyneside im Nordosten Englands wurde in der Zwischenkriegszeit durch Konzentrationsbildung neuer Wachstums-industrien wie der Automobilindustrie in Mittel- und Südostengland noch verschärft. Das staatliche Wirtschaftsförderungsprogramm unterschied demzufolge zwischen Wachstumsräumen (congested areas) einerseits und eher schwachen Regionen (backward areas) andererseits. Dies hatte zur Folge, dass Anfang der 30er Jahre durch den „Special Areas Act“ billige Kredite für Firmen-neugründungen an jene Gebiete vergeben wurden, die besonders stark von der Depression betroffen waren. So entstanden neben den schon existierenden Gewerbeparks weitere rein vom Staat getragene Industriegebiete (industrial estates) wie beispielsweise das Team Valley Industrial Estate südlich von Newcastle, wodurch neue Arbeitsplätze in den durch hohe Erwerbslosigkeit geprägten Regionen entstanden.

Neben den günstigen Finanzierungs-möglichkeiten und dem dadurch hohen Attraktivitätsgrad der neuen Gewerbegebiete führten weitere staatliche Maßnahmen wie Industrie-standortkontrollen bei Firmengründungen ab etwa 1958 dazu, dass es zu Standort-verlagerungen aus Südost- und Mittelengland vor allem in die Wirtschafts-förderungsgebiete des Nordostens, Merseyside und Südwales kam. Hierbei handelte es sich nicht nur um Schaffung neuer Unternehmen, sondern oft auch um den Aufbau von Zweit- oder Drittbetrieben in den oben erwähnten Regionen, was starke industrielle Arbeitskräftewanderungen mit sich brachte, die in folgender Graphik veranschaulicht werden.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Auswirkungen der Politik unter Margaret Thatcher

Als Margaret Thatcher im Jahre 1979 die Regierung übernahm, befand sich die britische Wirtschaft so gut wie am Boden. Einst noch als Vorzeigeökonomie in der ganzen Welt anerkannt, war die Wirtschaftslage nun gekennzeichnet durch sehr hohe Inflation, eine dadurch implizierte Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und insbesondere durch den wachsenden Druck der Gewerkschaften auf die Regierung.

[...]


[1] George Orwell, “The Road to Wigan Pier”, in: David Smith, Britain’s growing divide. North and South, (London: Penguin Books, 1989), S.30.

[2] Vgl. Phyllis Deane „Die Baumwollindustrie“, in: Rudolf Braun, Industrielle Revolution – Wirtschaftliche Aspekte (Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1972), S.345.

[3] Heinz Heineberg, Großbritannien: Raumstrukturen, Entwicklungsprozesse, Raumplanung (Gotha: Justus Perthes Verlag, 1997). S.150.

[4] Vgl. ebd., S. 154.

Details

Seiten
26
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638622097
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v69924
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
North-South-divide Great Britain Geographische Dimension Raumentwicklung

Autor

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Titel: The North-South-divide in Great Britain