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Utopische Gemeinschaften - Sozialistische und religiöse Gesellschaftsexperimente

von Reza Mir Heidari (Autor)

Skript 2002 38 Seiten

Amerikanistik - Sonstiges

Leseprobe

Utopische Gemeinschaften - Sozialistische und religiöse Gesellschaftsexperimente

Utopischer Sozialismus, ein von Karl Marx und Friedrich Engels im Manifest der Kommunistischen Partei 1848 eingeführter Begriff für den so genannten Frühsozialismus, der u. a. auf Ideen von Henry de Saint-Simon (1760-1825), Charles Fourier (1772-1837) und Robert Owen (1771-1858) zurückgeht.

Seit den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts ist der Begriff Sozialismus, in der Fortführung der Ziele der Französischen Revolution, zur Ablehnung des Liberalismus und Konservativismus verbreitet, wobei bis heute als kommunistisch bezeichnete Vorstellungen in das Begriffsverständnis einfließen. Sozialismus wurde im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts zu einem Sammelbegriff verschiedenster Modelle des politischen Lebens, denen die Annahme gemeinsam ist, dass sich die Probleme der menschlichen Existenz nur dann lösen lassen, wenn man die Beziehung der Menschen zueinander, vor allem auf ökonomischem Sektor, auf der Grundlage einer als Ganzheit gedachten Gesellschaft organisiert. Eine gute Charakterisierung der gemeinsamen Merkmale der sozialistischen Ideen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zu Karl Marx gibt Leszek Kolakowski: „Der gemeinsame Aspekt der sozialistischen Idee, die unter dem gekoppelten Einfluss der Französischen Revolution und der industriellen Revolution entstanden ist, besteht in der Überzeugung, dass die unkontrollierte Konzentration der Reichtümer und die Konkurrenz unweigerlich zu steigender Armut und zu Krisen führen, und dass dieses System durch ein anderes ersetzt werden muss, in dem die Organisation von Produktion und Austausch Elend und Ausbeutung beseitigt und zu einer neuen Güterverteilung führt, die mit den Grundsätzen der Gleichheit übereinstimmt: Sei es zu einem völligen Ausgleich des Eigentums, sei es zu einer Güterverteilung nach dem Prinzip ,jedem nach seiner Arbeit’ oder in weiserer Perspektive ,jedem nach seinen Bedürfnissen’” (Leszek Kolakowski, Die Hauptströmungen des Marxismus, Band 1, 1976, S. 209). Marx und Engels kritisierten die so genannten Frühsozialisten weit weniger wegen des Inhalts als wegen der nicht erkannten Bedingungen der Realisierung. Sie waren vor allem davon überzeugt, den Verlauf der Gesamtgeschichte auf ökonomischer Basis erkannt zu haben. Die Freiheit und die allseitige Entfaltung aller menschlichen Fähigkeiten sei die Folge der Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln (Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, 1882). Der Sozialismus sei kein Ideal, sondern die notwendige Gestalt der nächsten Zukunft, die Epochen vor dem Sozialismus seien nur die Vorgeschichte der Menschheit.

In der Umgangssprache hat sich für den Begriff Utopie die Bedeutung von unrealistisch oder undurchführbar eingebürgert. Thomas Morus (1478-1535) hat als erster die Negation des Privateigentums und die damit verbundenen Organisationsprinzipien einer gesellschaftlichen Ordnung beschrieben und nannte den Ort Utopia, eine Insel, in der dies verwirklicht sei. Utopia heißt in striktem Wortsinn des Begriffserfinders „Nicht-Ort”. Der Begriff hat aber oft auch die Konnotation von zukunftsbestimmenden Ideen. Die Überwindung der als entfremdet erfahrenen Gegenwart und der als elend empfundenen Welt gehört zu diesen Vorstellungen. Die Hoffnung auf eine zukünftige und bessere Gesellschaft schwingt, unabhängig von der Chance der Verwirklichung, in den meisten Bedeutungen des Begriffs Utopie mit. Ernst Bloch erweiterte den „Geist der Utopie” mit dem Prinzip Hoffnung und zieht neben dem Erbe von Hegel und Marx gnostische, apokalyptische und christologische Dimensionen in den Bedeutungsgehalt von „Utopie” hinein (Geist der Utopie, 1918 und Das Prinzip Hoffnung, 3 Bde. 1954/57). Zum Inhalt der zahlreichen Utopien gehört, dass die Vorstellung einer besseren oder perfekten Gesellschaft meist mit der Aufhebung des Privateigentums verbunden ist.

Frühe Reale Utopien

- viele literarische Utopien in Europa während des 18. Jahrhunderts
- Utopische Gemeinschaften als Korrektiv der alten Ordnung gedacht oder auch als radikaler Neuanfang
- Seit Beginn des 19. Jhdt. Häufen sich Neugründungen in den USA, da die "leeren" Gebiete besonders geeignet scheinen
- Über 100 communities mit über 100.000 Mitgliedern im 19. Jhdt. In den USA
- Johann Gottfried Schnabel - Insel Felsenburg in den USA
- 1732 Conrad Beisel - Ephrata
- Männer und Frauen im gleichen Stil gekleidet
- 2 Orden: Zölibat oder Monogamie
- 1819-1898 Josef Bäumeler - Zoar
- Zu Beginn Eheverbot um Kinderzahl und somit Armut zu senken
- Zölibat als Möglichkeit egoistische Interessen zu unterdrücken
- Später jedoch Abschaffung des Zölibats: Bäumeler verliebte sich
- 1805 Georg Rapp - Harmony Society; Rappisten
- wollte sich nicht mit der Kluft zwischen der gesellschaftlichen Verhältnisse und der im Neuen Testament beschriebenen Ordnung zufrieden geben
- ging 1803 nach Amerika und gründete mit 600 Bauern und Handwerkern in Pennsylvania die Harmony Society
- Geld in eine Gemeinschaftskasse, betrieben Landwirtschaft als Kommune
- Wirtschaftliche Not: 1808 wurde das Zölibat eingeführt um die Zahl unproduktiver Mitglieder zu senken (Schwangere, Kinder); Schnapshandel mit Indianern
- Theorie zum Zölibat nach dessen Einführung: Adam als Hermaphrodit der bei Betrachtung von kopulierenden Tieren den Wunsch verspürte mehr Tier als Gott zu sein. Jesus perfekt, da ohne Geschlechtsorgane geboren. Enthaltsamkeit als Weg zur Seligkeit für die Menschen
- Frauen und Männer durften aber wie Geschwister miteinander leben; anscheinend gab es trotzdem keine Nachwuchssorgen
- Religiös: Erwarteten die baldige Wiederkehr Christi
- sie siedelten nach Indiana; 1824 kaufte Robert Owen ihr Gebiet ab (und gründete New Harmony), sie kehrten wieder nach Pennsylvania zurück
- Rapp starb 1847
- 1875 gab es noch etwa 100 Sektenmitglieder

Ann Lee und die Shakers (ca. 1774-1970) (Believers in Christ´s Second Appearing)

Die Ursprünge der Shakers lagen bei den englischen Quäkern und den französischen Kamisarden. Die Kamisarden waren für ihre ekstatischen Zeremonien bekannt, dabei prophezeiten sie das Ende der bestehenden sozialen und religiösen Ordnung. Einige wanderten nach England aus wo sie aber nur eine kleine Zahl von Anhängern hatten. Die Quäker waren eine zweite Glaubensquelle für die späteren Shaker. Auch sie waren für ihre ekstatischen Zeremonien bekannt und wurden von den Behörden anerkannt. Mitte des 18. Jahrhunderts spaltete sich eine kleine Gruppe unter Führung von James Wardley von den Quäkern ab, die später die Basis der Shakers werden sollten. Die Nähe zu den Quäkern wird auch in den Ähnlichkeiten der Bibelinterpretationen klar.

Den wichtigsten Einfluß bildete aber Ann Lee, die eigentliche Gründerfigur. Sie schloß sich 1758 der kleinen Gruppe der ehemaligen Quäker an. Sie hatte vier Kinder die aber entweder während der Geburt und im Kindesalter starben. Ihre Haltung gegenüber und Sexualität orientierte sich an diesen Erfahrungen, den Tod ihrer Kinder betrachtete sie als göttliche Strafe ihrer Fleischeslust. Nach einigen Visionen kam sie bis Mitte der 1770er zu der festen Überzeugung, dass die Fleischeslust die Ursache für alles Übel auf der Welt war. Dazu sah sie die Rollenverteilung der Geschlechter als ungerechtfertigt an. Nach und nach übernahm sie die Führung der Gruppe die Shaking Quakers genannt wurde. Ann Lee wurde von der Gruppe nur noch als "Mother" angesprochen. Ihre Überzeugung vom Zölibat unterschied sie von der gängigen Überzeugungen der Revivals. Sie glaubte das weibliche Gegenstück zu Jesu zu sein. Ihrer Überzeugung nach war Gott männlich und weiblich in einem, er konnte sich, wie das Auftreten Christi bewiesen hatte, ohne Geschlechtsverkehr fortpflanzen.

In England hatte die Gruppe ca. 30 Anhänger, lebte in Armut und wurde vom Gesetz verfolgt. Die Armut in einer industrialisierten Gesellschaft, war für sie ein weiterer Beweis für die Richtigkeit ihrer Theorien. Mit der Auswanderung in die USA hoffte sie mehr Anhänger zu finden als im anglikanischen Manchester.

1774 kam sie schließlich in den USA an und trennte sich bald von ihrem Ehemann. Die kleine Gemeinschaft siedelte bald nach Albany, NY um wo sie mehr schlecht als recht über die Runden kamen. Ihren ersten Boom erlebten die Shakers 1780 als sich der Führer eines Revivals, Joseph Meacham, mit seinen Anhängern den Shakers anschloß.

Der Erfolg der Shakers hing in den Anfangsjahren direkt mit der Person Ann Lee zusammen. Sie wurde von ihren Anhängern verehrt und als weibliches Pendant zu Jesus angesehen. Außerdem waren ihre ekstatischen, visionären Zeremonien mit Tanz, Arme rudern, auf dem Boden wälzen als eine Manifestation Gottes Wirken auf der Erde. Das streng reglementierte Gemeinschaftsleben in Zeiten der Unsicherheit und fehlenden gesellschaftlichen Ordnung mag auch auf viele anziehend gewirkt haben. Die Shaker bildeten also einen Gegenpol zur Rastlosigkeit und zur übertriebenen Individualität des Daseins. Ein wichtiger Bestandteil des Gemeinschaftslebens war die Beichte der eigenen Sünden gegenüber Gemeindeführern. Die Beichte wurde auch von neuen Mitgliedern verlangt, dessen Charakter so offenbart wurde. Die Beichte war ein wichtiger Bestandteil für die Mitglieder selbst, da sie von den Ältesten Ratschläge zur Lebensführung erhielten. Auf diese Weise hatten die Führer der Shakers großen Einfluß auf die Gestaltung der Gemeinde.

Im Rahmen des Unabhängigkeitskrieges wurden sie von den Behörden wegen angeblich mangelnder Loyalität verfolgt, obwohl einige Shaker im Krieg mitkämpften. Grundsätzlich waren sie aber strenge Pazifisten. Ein weiterer Stein des Anstoßes war das Zölibat. Ann Lee ist mindestens einmal entführt und mißhandelt worden. Ihre Entführer wollten sich persönlich überzeugen, ob sie eine Frau war. Gegner der Shaker haben Ann Lee als Heuchlerin, Hexe und Hure hingestellt. Das Zölibat wurde auch als direkter Angriff auf die Institutionen der Ehe und Familie angesehen, da sie enge Familienbindungen ablehnten. Ehepaare und Familien mit Kindern die den Shaker beitraten wurden voneinander getrennt, um absolute Loyalität zur Gruppe zu erreichen. Ein weiterer Angriffspunkt war auch die Tatsache, dass die Shakers von einer Frau, die wie eine heilige verehrt wurde, angeführt wurden. Auch innerhalb der Gruppe führte dies zu Spannungen. Ihre extremen Ansichten gepaart mit ihren ekstatischen Zeremonien wirkten auf Außenstehende oft befremdend. Die Ekstase diente auch zur Lösung innerer Spannungen und wurde auch als ein Mittel zur Unterdrückung des Sexualtriebs angesehen.

Aufgrund der Verfolgung und Entbehrung starb Ann Lee 1784 und die wichtigsten anderen Führungspersönlichkeiten die auch aus England stammten, kurz danach. Die Organisation der Shaker zu einer funktionierenden Gemeinde erfolgte zum größten Teil erst unter der Führung von Joseph Meacham. Laut Meacham, sei der Weg zur Vollkommenheit eine Reise nach innen; dort sitze der böse Feind, dort sei er zu bekämpfen. Die Sexualität des Menschen, verstanden als tierische Leidenschaft, sei der Ausdruck des Bösen. Nur der Keusche könne so rein werden wie Jesus. Die Shaker waren also auch Anhänger des "Perfektionismus". Der Wechsel der Führung von britischen zu amerikanischen Shakern wurde auch bei der Wahl des Gemeindezentrum deutlich. Anstatt die erste Shakersiedlung in Watervliet weiterzuführen, entschied sich Meacham die Zentrale nach New Lebanon zu verlegen. Dabei war eines der Ideale der Shaker eine Art christlichen Kommunismus, der den gemeinschaftlichen Besitz vorsah. In der Gemeinschaft waren die Frauen den Männern gleichgestellt. Wobei diese aber strikt getrennt blieben (eigene Spähren). Die Führung der Gemeinschaft wurde in der Folge nicht von Meacham alleine, sondern auch von einer Frau, Lucy Wright, übernommen (die praktisch das Oberhaupt der Frauen war). Frauen sollten sich auch aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Doch die Umsetzung davon dauerte beinahe 10 Jahre.

Bis zum Tod Meachams 1796 hatten sich die Organisationsstruktur gefestigt. Das Führungsgremium bestehend aus 2 Männern und 2 Frauen befand sich in New Lebanon. Die Gemeinden bestanden aus ca. 30-150 Personen die als "Familie" bezeichnet wurden. Sie lebten alle unter einem Dach, wobei auf strikte Geschlechtertrennung geachtet wurde. Daraus entwickelten sich auch interne Spannungen. Jede Familie war für sich eigenständig mit einem von New Lebanon bestellten Führungsgremium. Die Organisation war also streng hierarchisch angelegt. Wirtschaftlich gesehen war die Gemeinde kommunistisch organisiert. Zwischen 1787 und 1796 etablierte Meacham weitere Shakergemeinden in New England und New York. Das Zölibat, dass die Unterordnung von Einzelnen zum Wohl der Gemeinde war auch ein Erfolgsfaktor für kommunistische Wirtschaftsorganisation der Gemeinde. Land wurde mit dem gemeinschaftlichen Vermögen gekauft und auf harte Arbeit wurde Wert gelegt. Privateigentum wurde mit dem Eintritt in die Gemeinde aufgegeben.

Die Shaker waren sowohl in der Landwirtschaft als auch im Handwerk aktiv. Ihr Streben nach Dauerhaftigkeit hat dazu geführt, dass die Möbel der Sekte zu wertvollen Kulturprodukten der USA zählen. Jede Einzelheit des Zusammenlebens, des Wirtschaftens und des Verhaltens war festgeschrieben. Die Arbeit wurde minutiös geplant und jedes Mitglied mußte seine Aufgaben erledigen. Die detailgetreue Planung der Arbeit und Arbeitsschritte kann sogar als Vorläufer der späteren industriellen Massenfertigung betrachtet werden. Obwohl die Geschlechter gleichberechtigt waren, wurde bezüglich der Arbeit an bestehende Muster angeknüpft. Männer erledigten die Farmarbeit und Handwerkliche Tätigkeiten, während Frauen z.B. für die Küchenarbeit und Weberei verantwortlich waren. Eine Aufhebung der Geschlechtertrennung dzblg. Sahen sie als unnötig an, da sie keine Tätigkeit höher stellten als eine andere. Die 1821 veröffentlichten "Millenial Laws" fassten die Ordensregeln zusammen. Zum Alltag der Shakers gehörten Gottesdienste, Gebete und Arbeit. Wobei die Mitglieder verschiedene Handwerke lernten, also nicht auf eine Tätigkeit festgelegt waren. Die meiste Zeit wurde aber auf die Landwirtschaft verwendet. Gottesdienste fanden am Abend statt oft gefolgt von Tanz und Musik. Die Kinder wurden auch nach Geschlechtern getrennt aufgezogen. Die Schule legte hauptsächlich auf Charakterbildung und das erlernen von Handwerken Wert. Körperliche Züchtigung war untersagt, deshalb erfolgten Belehrungen in Form von Predigten und ähnlichem. Doch ein Großteil der Kinder verließ die Gemeinde später.

Zu Beginn des 19. Jhdt. War die Organisationsform etabliert und die Gemeinden arbeiteten erfolgreich. Interne Spannungen bestanden kaum. Die Sekte fand während es zweiten Great Awakenings ab 1790 großen Zulauf und expandierte in dieser Phase weiter in Gebiete die auch vom sog. "Kentucky Revival" betroffen waren. Zwischen 1805 und 1820 entstanden in Ohio, Indiana und Kentucky 7 neue Gemeinden. 1822 gab es insgesamt ca. 4000 Shaker. Da sich nun die Shakers immer weiter verbreiteten und einzelne Gemeinden immer weiter von New Lebanon entfernt waren, wurde die Kommunikation durch verschiedenen Pubklikationen immer wichtiger. Die wichtigsten Werke waren "Kentucky Revival" (1807), "Manifesto" (1818) und "A Summary View of the Millennial Church" (1823). Sie verdeutlichten und bestärkten die Glaubensgrundsätze der Shakers.

Viele Anhänger der Shakers waren auch Jugendlich die keine deutliche Richtung in ihrem Leben sahen und deshalb von der Ordnung und der Organisation der Shakers angezogen wurden. Doch viele verließen die Gemeinden wieder. Mit dem Verlust des Privatlebens und der eigenen Unabhängigkeit und der Trennung von den eigenen Kindern kamen viele nicht zurecht. Nach dem Verlassen der Gemeinde war es Eltern oft kaum möglich ihre Kinder aus der Gemeinde mitzunehmen. Privateigentum hatten sie ebenfalls nicht mehr. Nur ca. 10% der Shakers blieben bis zu ihrem Tod in der Gemeinschaft (in New Lebanon). Die Mitgliederzahlen in New Lebanon wuchsen zwischen 1790 und 1830, danach deutete sich schon der langsame Niedergang der Shakers der bis 1896 dauerte, an.

Bemerkenswert ist auch, dass die ekstatischen Phänomene mit Visionen gepaart vor allem in Zeiten innerer Spannungen und Krisen auftraten. Sie dienten anscheinend der Wiederherstellung der inneren Ordnung, sozusagen als "reinigendes Gewitter". In den Jahren 1837 bis 1847 erlebten die Shakers eine Zeit der "spiritual manifestations". Diese äußerte sich in einem vermehrten Auftreten von Ekstasen verbunden mit verschiedenen Visionen. Sie ereigneten sich in einer Phase der äußeren und inneren Spannungen. Die Panik von 1837 läutete Jahre der wirtschaftlichen Depression ein und innerhalb der Gemeinde wurden die Spannungen zwischen alten und jungen Mitgliedern immer größer. Die Shakers waren zuerst nicht isolationistisch veranlagt: ihre Gemeinden lagen nah zusammen, sie hatten Besucher und trieben Handel mit der Außenwelt. Aber ab 1842 versuchten die Führer jedoch die Mitglieder von der Außenwelt abzuschotten und so negative Einflüsse von ihnen fernzuhalten, um die Gemeinschaft von innen heraus neu zu ordnen. 1845 wurden die "Millenial Laws" veröffentlicht die wieder Disziplin herstellen und die spiritualistische Welle beendete. Denn diese bedeutete nicht nur Gutes für die Shakers. Waren diese zu extrem konnten sich auch zu einer Abspaltung der Mitglieder führen (extreme Ideen bzgl. des Glaubens). Die Visionen enthielten entweder persönliche Botschaften für die jeweiligen Mitglieder oder Botschaften die an die gesamte Gemeinschaft gerichtet waren. Zwei neue Formen der Gottesverehrung entwickelten sich: das sog. "Midnight Cry" und die "Mountain Meetings". Beide stellten neue Formen des Gottesdienstes dar, die im freien ausgeübt wurden und Visionen als Bestandteil hatten. Doch die spirituellen Erleuchtungen nahmen auch absurde Formen an: so erschienen immer mehr Mitgliedern Personen wie Napoleon, Indianer und Queen Elizabeth.

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Details

Seiten
38
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638144124
ISBN (Buch)
9783640688906
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6997
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Amerika Institut
Note
Schlagworte
Utopische Gemeinschaften Sozialistische Gesellschaftsexperimente

Autor

  • Reza Mir Heidari (Autor)

    2 Titel veröffentlicht

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Titel: Utopische Gemeinschaften - Sozialistische und religiöse Gesellschaftsexperimente