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Das Friedrich-Fragment Heinrich Manns und sein Essay

Magisterarbeit 1999 110 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. "Das letzte ganz große Unternehmen" Heinrich Manns
2.1. Der Friedrich-Stoff
2.2. Zur Entstehungsgeschichte von Essay und Fragment
2.3. Die zeitgenössische Rezeption

3. Der Essay "Der König von Preußen"
3.1. Der Essay als eine geschichtsphilosophische Abhandlung Heinrich Manns
3.2. Die "Überspannung der Kräfte"
3.3. "Ruhmbegehren"
3.4. "Frédéric, le roi de Prusse"

4. Das Fragment "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen"
4.1. Die strukturelle Komposition
4.2. Der szenisch-dialogische Aufbau
4.3. Das Handlungsgeschehen
4.3.1. Der Kronprinz
4.3.2. Der König
4.4. Analyse des Friedrich-Bildes Heinrich Manns - dargestellt an sechs ausgewählten Aspekten
4.4.1. Erziehung und Persönlichkeitsstruktur
4.4.2. Friedrich und die Frauen
4.4.3. Der Herrscher und sein Volk
4.4.4. Der "französelnde" König
4.4.5. Der "Schauspieler"
4.4.6. "Geist und Macht"

5. Exkurs: Thomas Mann und sein Essay "Friedrich und die Große Koalition"

6. Schlußbetrachtung
6.1. Heinrich Mann als Tiefenpsychologe "avant la lettre"
6.2. Das "Friedrich"-Fragment als "Lehrbuch einer modernen psychologischen Analyse"
6.3. Heinrich Manns psychologisches Friedrich-Bild als Beispiel für die Negativentwicklung eines Herrschers

Literaturverzeichnis
Primärquellen
Sekundärquellen
Nachschlagewerke
Rezensionen anläßlich des Erscheinens von Heinrich Manns Essay und Fragment im Claassen Verlag, Hamburg 1962
Veröffentlichungen anläßlich der Aufführung von Heinrich Manns Fragment im Schloßtheater, Potsdam 1998

"Mag ein Professor, der den Kleinkram liebt, es mir verübeln, daß ich nirgends angebe, aus welchem Stoffe der Rock Albrecht Achills gewesen oder welchen Schnitt der Kragen Johann Ciceros gehabt hat... Für solche Leute schreibe ich nicht. Überhaupt bin und bleibe ich der Meinung, daß eine Sache nur so weit die Niederschrift lohnt, wie sie wert ist, behalten zu werden."

Friedrich der Große[1]

1. Einleitung

Mit der Person Friedrichs des Großen werden zunächst historische denn literarische Abhandlungen verbunden. Auch Heinrich Manns Texte "Der König von Preußen" und "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen", die die vorliegende Arbeit zum Thema hat, sind wenig bekannt.

Das folgende Kapitel beschreibt die Entstehungsgeschichte von Heinrich Manns Essay und Fragment und deren zeitgenössische Rezeption, eingeleitet durch die Betrachtung der Genese des Friedrich-Stoffes. Dem Essay "Der König von Preußen" widmet sich dann auch das dritte, dem Fragment "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen" das vierte Kapitel. Anhand dieses Fragmenttextes werden hier zunächst die verschiedenen Lebensphasen des Preußenkönigs dargestellt. Da es sich bei Friedrich II. um eine historische Person handelt, läßt sich ein geschichtlicher Bezug nicht ignorieren, der zum Verständnis von Heinrich Manns literarischem Friedrich-Bild beiträgt. Im folgenden wird dieses Bild an sechs ausgewählten Schwerpunkten analysiert. Der Exkurs des fünften Kapitels behandelt Thomas Manns 1914 entstandenen Essay "Friedrich und die Große Koalition. Ein Abriß für den Tag und die Stunde" und stellt einen Vergleich zwischen der Bewertung und Einschätzung Friedrichs durch die beiden Brüder Mann an. Im sechsten Kapitel werden abschließend die bedeutende psychologische Komponente im Werk des Schriftstellers Heinrich Mann und insbesondere sein "Friedrich"-Fragment als Beispiel für die Negativentwicklung eines Herrschers beleuchtet.

2. "Das letzte ganz große Unternehmen" Heinrich Manns

2.1. Der Friedrich-Stoff

Friedrich der Große ist ein Politiker, dessen Denken und Handeln um Großmachtpolitik kreist, dessen außenpolitische Linie auf Aggression abzielt, der die Ideologie des Präventivschlags in die Geschichte einbringt und ohne das zu seiner Zeit aufkommende Nationalgefühl den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte mit dem preußisch-österreichischen Dualismus belastet. Er gilt als begabter Feldherr und Krieger, der, dem Beispiel seines Vaters Friedrich Wilhelm I. folgend, sein Land als Feldlager nutzt und ihm im Interesse seiner Expansionspolitik ungeheure Opfer abverlangt. Er ist ein intelligenter, vielseitig und musisch begabter Herrscher, der die Etikette ignoriert, brillant zu unterhalten versteht und, wenn er will, die ganze Welt durch Bescheidenheit erst bezaubert und dann täuscht. Als Menschenverächter hält er mit zunehmendem Alter immer weniger von der menschlichen "Rasse" im allgemeinen und von seinem Volk im besonderen. Er empfängt zwar Impulse des neuen Zeitalters und reagiert auf sie, errichtet aber gleichzeitig Barrieren gegen die bürgerliche Gesellschaft und schützt die Privilegien des Adels. Er ist ein "aufgeklärter Konservativer", der, als er stirbt, ein Land hinterläßt, das sich trotz erstarkender Wirtschaft und geordneter Verwaltung in einer Systemkrise befindet und nach Überwindung der feudalen und ständischen Strukturen verlangt.[2]

Wie immer sich die Persönlichkeit Friedrichs des Großen auch aus dem komplexen Zusammenwirken von Herkunft, Anlage, Umwelt, Begabung, Ausbildung und geschichtlicher Chance erklären lassen mag, sie ist in jedem Fall faszinierend und sichert ihm eine prägende Rolle in der Geschichte seines Staates. In der zweiten Hälfte seiner langen Regierungszeit wird er gar zu einer Art Touristenattraktion - Reisende besuchen Berlin in der Hoffnung, ihn sehen oder ansprechen zu können - und bald nach seinem Tod zur Legende. Zwar ist der praktische Beitrag, den er zur "Karriere" seiner Dynastie leistet, geringer als der des Großen Kurfürsten, und auch um den Aufschwung preußischer Institutionen macht er sich nicht so verdient wie sein Vater. Doch als Symbol und Personifizierung seines Staates ist er der Bedeutendste von allen. Seine Heldentaten und deren historische Aufbereitung geben den Preußen ein Gefühl für Sinn und Richtung. In seiner Gestalt erblicken sie sowohl den Beweis als auch die Verheißung ihrer eigenen Größe.[3]

Die "Riesenarbeit der Idealisierung", die Friedrich Schiller an Friedrich dem Großen nicht vollziehen will, bleibt also nicht ohne Wirkung, und er wird zum Protagonisten preußischer Geschichte schlechthin. Der Vatergestalt des gerechten, das Volk schützenden, gegen eine Welt von Feinden kämpfenden und Opfer bringenden Helden begegnet man bis heute. So tief verwurzelt ist sein Andenken, daß sich selbst die Demagogie der Nationalsozialisten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, kurz vor der vernichtenden Niederlage des faschistischen Deutschland, als Nutznießer dieser Legende auf die Durchhaltestrategie eines Friedrich beruft.[4]

Friedrich II. ist mit Sicherheit ein selbstbewußter und vielseitig agierender Herrscher. Sein Ruhm gründet sich auf seine Expansionspolitik und militärischen Erfolge, zu denen neben einigen legendären Siegen auf dem Schlachtfeld auch seine Selbstbehauptung in verzweifelten Situationen während des Siebenjährigen Krieges zählt. Außerdem steht er in dem Ruf, stark von den französischen Enzyklopädisten, insbesondere von Voltaire, beeinflußt zu sein und als "aufgeklärter Monarch" gewirkt zu haben. So zeigt ihn das traditionell-positive Bild gleichzeitig als begabten Feldherrn und als Intellektuellen mit künstlerischen Neigungen. Darüber hinaus ist seine Volkstümlichkeit, die ihm den Namen "Alter Fritz" einbringt, ebenso bekannt wie seine Schrulligkeit und Unberechenbarkeit.

Durch Friedrich wird der Nationalstaatsgedanke eingeleitet: Die Genese des "deutschen Nationalstaats" als geschlossenes Territorium und einheitlicher Sprachraum beginnt, und die kleindeutsche setzt sich gegenüber der großdeutschen Lösung durch. Habsburg muß abtreten, damit Preußen die Führungsrolle in Deutschland übernehmen kann.

"Die kleindeutsche Bewegung entdeckte nun Friedrich als Propheten ihres Nationalstaates. Sie vergaß den Franzosenfreund und harten Absolutisten zugunsten des Gegners Österreichs und Gründers des Fürstenbundes. War er nicht Vorkämpfer und Vorläufer preußischer Hegemonie in Deutschland?"[5]

Das Vermächtnis, das Friedrich der Große hinterläßt und das die weitere Geschichte nachhaltig prägt, ist demnach facettenreich und zwiespältig.[6] Er wird zu jeder Zeit verschieden beurteilt und zu nationaler Heldenverehrung ebenso wie zu affektgeladener Anklage gegen Deutschland herangezogen. So reichen die Urteile über ihn noch heute von höchster Bewunderung bis zu völliger Ablehnung.[7] Überwiegend ist der Friedrich-Stoff wohl konservativ besetzt. Aufgrund ihrer Widersprüchlichkeit und Gebrochenheit ist Friedrich aber durchaus gleichermaßen für die linksliberalen Autoren der Weimarer Republik - und damit auch für Heinrich Mann - von Interesse.

2.2. Zur Entstehungsgeschichte von Essay und Fragment

"Das letzte ganz große Unternehmen" nennt Thomas Mann das Friedrich-Projekt seines Bruders. Als vielgestaltiger, monströser Torso ist es schließlich "liegengeblieben über meinen anderen Sorgen", wie Heinrich Mann 1947, noch immer im kalifornischen Exil, bekennt.[8]

Seit 1940 beschäftigt er sich, wie aus seinen Tagebuchnotizen hervorgeht, intensiv mit der Gestalt Friedrichs des Großen, unter anderem mit Friedrichs "Histoire de mon temps", mit dessen Korrespondenz mit Voltaire, mit den Memoiren seiner Schwester Wilhelmine von Bayreuth, mit den Aufzeichnungen des Schweizers Henri Alexandre de Catt aus dem Siebenjährigen Krieg und mit Werner Hegemanns "Fridericus"-Biographie.[9] Aus dieser sehr akribischen Arbeit mit Dokumenten, Briefen und anderen (zeitgenössischen) Quellen entsteht sein Versuch, das Leben Friedrichs in Form eines Dialogromans mit kurzen, dramatischen Einzelszenen wiederzugeben - wie stets als Historiker und Gestalter in einer Person. Alle geschilderten Einzelheiten, so zum Beispiel die Strafaktionen des Vaters Friedrich Wilhelm, sind auch von der heutigen Geschichtsforschung belegt und bestätigt.[10]

Das "ganz große Unternehmen" besteht aus Texten, die äußerst vielgestaltig und fast über ein Jahrzehnt gestreut, letztlich jedoch spärlich sind: Notizen, niedergeschrieben vielleicht sogar schon vor 1940, Bemerkungen im großen Memoirenwerk "Ein Zeitalter wird besichtigt" von 1943, einigen brieflichen Äußerungen, einem vollständigen Handlungsschema, der "Outline", aber nur ungefähr einem Fünftel der beabsichtigten "historischen Szenenfolge", das die Jugendzeit Friedrichs bis zum Besuch am Hof Augusts des Starken in Dresden umfaßt, und schließlich dem umfänglichen Essay "Der König von Preußen" von 1948. Nur dieser Text wird noch zu Lebzeiten in der Zeitschrift "Die Neue Rundschau" (Heft 14, Frühjahr 1949) des Frankfurter S. Fischer Verlages veröffentlicht.[11]

Heinrich Mann kann seine Absicht nicht zu Ende führen. Sein Tod verhindert die Vollendung seines Vorhabens, an dem er bis zum Jahre 1948 arbeitet. "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen" wird schließlich in seinem Nachlaß in Los Angeles entdeckt und erscheint 1960 als Sonderdruck der Deutschen Akademie der Künste in Ostberlin. Die Publikationen des Claassen Verlages (Hamburg 1962 und Düsseldorf 1986) sind Nachdrucke von Ausgaben des Aufbau-Verlages (Ostberlin 1960 und 1974) und wurden von Claassen mit Zustimmung des S. Fischer Verlages um den Essay "Der König von Preußen" erweitert, der thematisch zur "Traurigen Geschichte von Friedrich dem Großen" gehört und gleichsam Heinrich Manns letztes Wort zu diesem Thema darstellt.

Dem Fragmenttext angefügt ist die "Outline", der Plan zur Weiterführung des Werkes, die zum Teil in englischer Sprache und überwiegend im nachhinein geschrieben ist.[12] Mit Orientierung an den "Henri-Quatre"-Romanen wird die Stoffülle in dieser "Gesamtschau" in die zwei Abschnitte "Der Kronprinz" und "Der König" gegliedert.[13] Auch wenn die in inhaltlicher und formaler Hinsicht rahmenschaffende "Outline" als Interpretationshilfe bezeichnet werden kann, sollte sich eine Analyse des Fragmenttextes doch vorrangig auf einzelne Figuren und Szenen der "Traurigen Geschichte von Friedrich dem Großen" stützen. Die "Outline" läßt durch ihren überwiegend konzeptionell orientierten Charakter kaum Schlüsse auf deren Farbigkeit, Phantastik und Konzentration zu. Dennoch unterstreicht sie die Gestaltungs- und Wirkungsabsichten des Autors und steckt die Dimensionen eines möglichen "Friedrich"-Romans ab.[14]

Als Alternative zur "gewohnten verkümmerten Natur", zur Selbstentfremdung konzipiert Heinrich Mann schon früh "das Ideal von wirklichen Helden, also generöse, helle und menschenliebende Menschen". Er findet und gestaltet es schließlich in den dreißiger Jahren im französischen Exil im "menschlichen Reichtum" des "guten Königs" Henri Quatre. Häufig entfaltet Heinrich Mann sein idealistisch-aufklärerisches Menschenbild in personalen Konstellationen, so zum Beispiel auch im Kontrast von Friedrich dem Großen und Henri Quatre, die sich wechselseitig provozieren und profilieren: hier eine "traurige", dort eine tröstliche, zu Aufklärung und "grande revolution" führende Geschichte. "Das wäre das Gegenstück", schreibt er 1947. Heinrich Mann wählt also sein altes deutsch-französisches Kontrastmodell historischer und geschichtsphilosophischer Art, "um die Könige zu vergleichen", die am Beginn der jeweiligen Nationalstaatsbildung stehen.

Außerdem schreibt Heinrich Mann über Friedrich als Ausdruck seines distanzierten Verhältnisses zur Macht, zur deutschen Geschichte und zu Hitler. Er äußert sein Entsetzens darüber, was aus Deutschland geworden ist.[15] Sein Friedrich-Projekt ist ein genuines Werk der deutschen Exilliteratur und des Antifaschismus zugleich. Einerseits geht sein Blick zurück, wenn er betroffen nach der Genese der deutschen Misere forscht und fragt, wieso "es" 1933 passieren konnte, andererseits zielt er auf Gegenwartsanalyse, Warnung und die Mobilisierung von Gegenkräften. Indem Heinrich Mann die volkstümlich-heroische Legende vom "Alten Fritz" decouvriert, geht es ihm bei der Anwendung seines historisch-sozialpsychologischen "Gleichnis"-Verfahrens vor allem um die Zerstörung des "Führer"-Mythos. Der zivilcouragierte Voltaire und das englische Parlament sind unübersehbar beschworene - ausländische - Gegenmächte der "Vernunft" gegen den deutschen Despotismus, eine schließlich erfüllte, in der Niederringung des Nationalsozialismus bestätigte Hoffnung Heinrich Manns für seine Zeit. Er vertraut der Übertragungsfähigkeit des deutschen Lesers: "Späte Folgen für Deutschland, Europa und die Welt können vorausgesehen werden", heißt es in der "Outline".

Das Friedrich-Thema ist also für den Autor des "Untertan" keineswegs eine "überraschende Stoffwahl", wie Thomas Mann 1946 glaubt. Ganz im Gegenteil: Die Gestalt Friedrichs des Großen gehört in ihrer Umstrittenheit in das Spektrum, das für beide Brüder interessant ist. Historisch, gesellschafts- und sozialpsychologisch ist Heinrich Manns Friedrich-Projekt das nachgelieferte Fundament für die Problematik der Diederich-Heßling- und Professor-Unrat-Typologie im Wilhelminismus mit Spätfolgen im nationalsozialistischen Deutschland. Zugleich ist es das konzeptionelle Parallel- und Gegenstück zum Henri-Quatre-Modell, auf dessen historischer Folie sich der deutsche Friedrich-Komplex abhebt, mit "seinen im eigentümlichen Emailleglanz historischen Kolorits leuchtenden, episch-dramatischen Szenen", wie Thomas Mann, einigermaßen fasziniert, bemerkt. Das "Friedrich"-Fragment ist als thematisches Zwischenstück und konzeptionelles Bindeglied zwischen den Hauptwerken "Der Untertan" und den "Henri-Quatre"-Romanen zu betrachten. Insofern verknüpft es zentrale Intentionen und Werk-Phasen Heinrich Manns.

Durchaus mit Selbstbewußtsein jedenfalls äußert dieser 1947 brieflich, als er das "Friedrich"-Fragment "liegenläßt über seinen anderen Sorgen": "Nun, Fragmente sind auch etwas. An ein Ende gelangt man doch nie, so wenig mit den eigenen Bemühungen wie mit der Betrachtung der Welt."[16]

2.3. Die zeitgenössische Rezeption

Die zeitgenössische Rezeption wird in den zahlreichen Rezensionen anläßlich der westdeutschen Publikation von Fragment und Essay im Hamburger Claassen Verlag im Jahre 1962 deutlich.[18] So läßt nach Rolf Traube allein die Tatsache, daß Heinrich Mann sein Fragment eine "traurige Geschichte" nennt, dem tragischen Element im Leben Friedrichs Gerechtigkeit widerfahren:[17]

"Da verkümmert auf dem Sandboden der Mark Brandenburg ein musisch begabter Jüngling unter der Tyrannenfuchtel seines königlichen Vaters, eines rauhbeinigen Soldaten, zu einem macht- und ruhmlüsternen, menschenverachtenden und skrupellosen Autokraten. In den von Heinrich Mann vollendeten Szenen des dramatischen Fragments geistert besonders der Vater Friedrichs, der ewig räsonierende, trinkende und prügelnde Monarch vom geistigen Format eines Korporals herum, aber auch das ganze Kaleidoskop serviler Höflinge, aalglatter Diplomaten, geistreichelnder Philosophen und bramarbasierender Militärs blendet verheißungsvoll auf und würde gewiß ein pralles Zeitgemälde versprochen haben, wenn man nicht wüßte, daß es Heinrich Mann versagt blieb, das groß konzipierte Werk zu vollenden."[19]

Werner Helwig betont die großartigen Ansätze, die Heinrich Mann etwa auf der Höhe seiner besten Frühwerke zeigen:

"Die alten Parteigänger, die den Ruhm der Brüder anders verteilt wünschen, werden auch hier jene Blitzlichter einer ganz und gar poetischen Imagination finden, wie man sie im Œuvre Thomas Manns vergeblich sucht, eben jenes Unreflektierte, Direkte, das zu den gepriesenen Eigenschaften Heinrichs gehört. Aber im ganzen ist das, mit allen Anhängen, Werkplänen, einschließlich der historisierenden Fridericus-Betrachtung aus dem Jahre 1949, darin die Urteilsfähigkeit des Autors so klar wie wünschbar hervortritt und das Szenenfragment erläutern hilft, - im ganzen ist das alles eben doch nicht mehr als eine Schmähschrift, deren Schlüsse denn auch werbekräftig in der Ostzone zu Gehör gebracht wurden."[20]

W. E. Süskind dagegen ist überzeugt, daß auch bei Vollendung des Fragments kein spielbares Stück entstanden wäre, sondern:

"[...] immer nur ein szenischer Bilderbogen von offensichtlich epischem Ehrgeiz, woran auch der sehr sentenziös zugespitzte, echt Heinrich Mannsche Dialog nichts geändert hätte. [...]

Und der beigefügte, 1948 geschriebenen Essay über den 'König von Preußen' erweckt in seinem Mißverhältnis zwischen allzu sentenziös gehämmerter Sprache und allzu unbestimmten Gedankengang erst recht nicht die Erwartung, daß das vollendete Werk die Kraft und Frische des Bruchstücks bewahrt hätte."[21]

Friedrich Sieburg bemängelt ein dem Werk fehlendes Gleichgewicht, das dem Leser ein Gefühl von Unbehagen vermittelt:

"Das Werk steht, dem Plan nach, auf verschiedenen Säulen. Der Geschichte des Kronprinzen und dessen Konflikt mit dem Vater sollte die Geschichte des Königs, seiner Kriege und seines einsamen Alters entsprechen. Da diese Entsprechung fehlt, verbreitet das Fragment das Unbehagen, das stets von einer statischen Störung und von nicht erreichtem Gleichgewicht ausgeht. [...]

Grübelnd und hadernd zeichnet hier ein Alter, der mit Deutschland niemals froh geworden, aber auch nie müde geworden ist, sich über seine Abgründe zu beugen, in blassen Schriftzügen die letzten Spuren seines Konfliktes auf, der ein Konflikt mit seinem eigenen Geiste oder zum mindesten mit seiner eigenen Seele ist. Dies Fragment ist kein Triumph der dichterischen Gestaltung über die eigene Zerrissenheit, es ist der unvollkommene und undeutliche Nachklang eines Leidens, das auf immer auch unser Teil sein wird."[22]

Willy Haas bedauert und kritisiert den fragmentarischen Charakter dieses späten Werkes Heinrich Manns:

"Es ist Fragment geblieben in einem absoluteren als in dem gewöhnlichen Sinn: der Dichter hat den Stoff noch nicht einmal so recht in die Hand genommen.

Die Figur Friedrichs des Großen ist nicht nur zwiespältig, dualistisch (das war sie in Wirklichkeit wohl, und doch eine fest umrissene Figur), sie ist bei Heinrich Mann tatsächlich ein wenig schlottrig und unzusammenhängend: der weiche, musische Jüngling, den sein brutaler Prügelpapa haßt und sogar töten möchte durch ein Kriegsgerichtsurteil, weil er ihn nicht für einen geeigneten Nachfolger hält, wird übergangslos und sogar zwischendurch der macht- und landhungrige Soldatenkönig. [...]

Nun kann man nicht behaupten, daß diese 'Blitzschläge' der äußerst pittoresken und problematischen Bildphantasie hier ganz fehlen: der unglaublich burleske Besuch des Zaren Peter des Großen am preußischen Hof ist eine solche Szene, die nur ein Heinrich Mann schreiben konnte; eine andere Szene ist diejenige, da der jähzornige König Friedrich Wilhelm I. die Prinzessin Wilhelmine (die spätere feinsinnige Markgräfin von Bayreuth), ein erwachsenes heiratsfähiges Mädchen, an ihren Haaren über den Boden schleift und mit seinem Stock prügelt. [...]

Doch ist dieses skizzenhafte Gebilde nicht in erster Linie ein politisches Drama. Es ist ein Drama gegen Friedrich den Großen, das zeigt vor allem auch der Essay am Schluß des Bandes, das wertvollste Stück des ganzen, etwas brüchigen Werkes. Sehr viel Material muß Heinrich Mann wohl dem scharf polemischen Werk Werner Hegemanns[23] gegen Friedrich entnommen haben, das in den zwanziger Jahren Aufsehen erregte."[24]

Wolfgang Paulsen vertritt eine ähnliche Auffassung, wenn er einen Mangel bereits in der Grundkonzeption des Fragments erkennt und hervorhebt:

"Wieder einmal hat der Polemiker und politische Satirist Heinrich Mann zur Feder gegriffen und Episoden aus einer groß angelegten Karikatur zu Papier gebracht, die ihren Sinn nicht in der Gestaltung, sondern in ihrer inneren und äußeren Beziehung zur historischen Wirklichkeit gewinnt. Es liegt keineswegs nur am skizzenhaften Charakter des Bruchstücks, wie der Herausgeber meint, nicht nur an der Hast, die sich mit Dialogen begnügt und den Raum nur andeutungsweise entworfen und ausgestaltet hat, daß diese Menschen nicht lebendig werden, sondern Marionetten bleiben, gespenstische und beklemmende Marionetten freilich, die in Zukunft (vielleicht) jedem literarischen Erneuerungsversuch der alten Fridericus-Legende im Wege stehen dürften – es liegt an der Grundkonzeption des Romans selbst, der niemals ein gültiges Roman-Kunstwerk geworden wäre. Heinrich Manns 'Traurige Geschichte von Friedrich dem Großen' ist ein Pamphlet und gehört als solches in die entsprechenden literarischen Kategorien, und zwar um ein Beträchtliches unterhalb der ähnlich intentionierten, in ihrer Art um vieles großartigeren Schriften aus Heinrich Manns Frühzeit."[25]

Letztendlich bleibt ein lauter Jubelschrei seitens der Literaturkritik aus - wenn auch die Stärken des Autors Heinrich Mann immer wieder betont werden. Ein negativer Tenor überwiegt.

3. Der Essay "Der König von Preußen"

3.1. Der Essay als eine geschichtsphilosophische Abhandlung Heinrich Manns

"Der König von Preußen" ist eine der spätesten Arbeiten Heinrich Manns im amerikanischen Exil. Daher ist es kaum verwunderlich, daß die Altersproblematik, die ohnehin die gelassene Diktion bestimmt, auch eine zentrale Stellung innerhalb dieses Textes einnimmt.[26] Heinrich Mann geht mit dem historisch verbürgten Material relativ frei um. Die hauptsächlichen Akzente des "Königs von Preußen" betreffen scheinbar weniger den essayistischen Gegenstand als vielmehr Themen, die den Autor selbst bewegen: Frankreich, preußisch-deutsche und europäische Geschichtszusammenhänge, das "Problem der Sprache" und Voltaire. Die Kompositionsstruktur des Essays beruht auf der Darstellung zweier Grundantriebe – Ruhmsucht und Liebe zu Frankreich.[27]

Heinrich Mann konzentriert sich darauf zu beschreiben, wie Friedrich seinen eigenen Ruhm generiert: Er ist ruhmsüchtig und ehrgeizig und gründet seinen Ruhm auf Schlachten. Auch sein Ziel, eine aufgeklärte Weltordnung zu schaffen, ist nur Mittel zum Zweck, persönlichen Ruhm zu erlangen. Indem Voltaire zum Propagandisten Friedrichs wird, entwickelt sich eine absurde Spirale der Propaganda:

"Die Art, wie Friedrich nach der Schlacht die französischen Gefangenen 'cajolieren' ließ, würde ihn menschlich erscheinen lassen, wenn es nicht leider auf Kosten der deutschen Gefangenen geschehen wäre, die annehmbare Quartiere an die Franzosen abgeben mußten. Voltaire, den Friedrich unermüdlich zur Friedensarbeit antrieb, erhielt Nachricht von dieser Bevorzugung der Franzosen und gab sie weiter."[28]

Der Essay "Der König von Preußen" kann als wissenschaftliches Experiment oder geschichtsphilosophische Abhandlung interpretiert werden. Heinrich Mann beleuchtet unterschiedliche Faktoren wie erbliche Konstitution, Intelligenz, Anpassungsfähigkeit, Familienbeziehungen, Erziehung, Sprache, Literatur, Erotik oder Traumata, die die Entwicklung des Individuums prägen und es in seiner Haltung beeinflussen. Er zeichnet das thesenhafte Psychogramm eines bestimmten intellektuellen Typus mit der ihm eigenen Konstellation psychischer Eigenschaften und Erscheinungsformen. Zunächst geht es ihm lediglich um ein wertneutrales Verstehen unter Heranziehung von historischem Wissen und Erkenntnissen aus Ethik, Ästhetik und Politik. Auf diese Weise entsteht ein Wechselspiel von historischen Fakten und Hypothesen, die die Entstehung dieser historischen Entwicklungen zu erklären versuchen.

Darüber hinaus sind - wie immer, wenn Heinrich Mann psychologisch argumentiert - sehr rationale und politische Bezüge vorhanden.[29] Indem er sich der Person Friedrichs des Großen annimmt, verfolgt er kein ausschließlich retrospektives, sondern auch ein Interesse an der Gegenwart: Die mögliche Verbindung zum Nationalsozialismus besteht als eine unausgesprochene Voraussetzung, insbesondere wird die Parallele zwischen Friedrich und Hitler - im übrigen auch von Hitler selbst - gezogen.

Heinrich Mann versteht Friedrich als groteske Gestalt und verzerrtes Individuum mit schrillen, bizarren Zügen. Überspanntheit, Größenwahn und eine gewisse Monströsität werden indirekt vom Text transportiert. Auch Friedrichs "Größe" ist fragwürdig: Militärische Expansionspolitik und Schlachtenruhm können nicht als Indiz oder Maßstab für Erfolg geltend gemacht werden. Auf friedlichem Wege, durch eine Konzentration auf die Innenpolitik, hätte der Preußenkönig für sein Volk segensreichere Siege erringen können. Markant ist die Aussage, die auf die immensen Kriegskosten anspielt. Nach Auffassung Heinrich Manns wären die zum Kriegführen benötigten finanziellen Mittel besser für eine Land- und Bevölkerungsreform verwendet worden. Friedrich wird als Deutschland-Hasser und "Totengräber" der allgemeinen Reichsidee dargestellt, der egoistische Interessen dem Reichsinteresse überordnet. Eigentümlich ist, daß durch die Trennung von Preußen und der Person Friedrichs der Eindruck erweckt wird, Preußen sei eine Art Kollektivpersönlichkeit.

Im Jahre 1914, in dem Thomas Manns Essay "Friedrich und die Große Koalition. Ein Abriß für den Tag und die Stunde" erscheint[30], hätte Heinrich Mann seine Kritik an Friedrich wahrscheinlich noch viel stärker zugespitzt. 1940 jedoch verspürt er wohl Mitgefühl für ihn. Obwohl er ihn einerseits zwar verächtlich findet, sieht er andererseits auch, daß der Preußenkönig nicht allein die Schuld an seinem Schicksal trägt. Denn Heinrich Mann erhebt seinen Vorwurf auch gegenüber dem preußischen Volk, das nicht protestiert, obwohl es von seinem König mißbraucht wird. Es hat dem stark ausgeprägten Selbstwertgefühl seines Herrschers nur das mangelnde Selbstwertgefühl einer ohnmächtigen Nation entgegenzusetzen, die durch gewaltige Anstrengungen groß werden möchte.

3.2. Die "Überspannung der Kräfte"

Friedrich ist das "vorweggenommene Preußen-Deutschland". Unter seiner Herrschaft kommt es zur "herausgeforderten Entzweiung des einzelnen Landes [Preußen] mit der europäischen Ordnung" und zu einer bis dahin undenkbaren Machtverschiebung in Europa. Er ist die "Überspannung der Kräfte". Frankreich und England benutzen ihn insbesondere im Verlauf des Siebenjährigen Krieges abwechselnd, um ihr eigentliches Ziel der kolonialen Vormachtstellung zu erreichen. Friedrich täuscht sie aber nicht weniger als sie ihn.[31]

"List und Verstellung ist Friedrich besonders wichtig: List nutzt im Kriege oft mehr als Kraft, sagt er. Man darf sie nur nicht zu häufig anwenden, sonst verliert sie an Wert.

Und er führt die Lebensregel an, die die Normannen ihren Kindern mitgeben: 'Sei mißtrauisch! Gegen wen? - gegen jedermann!'"[32]

In dem "Militärgefängnis", das er regiert, herrscht verbissene Askese. Preußen wird zu einem "Land mit nichts als Soldaten, mit dem Krieg als einzigem Geschäft" - einem Geschäft, das sich aber letztendlich nicht auszahlt. Friedrich ist "Herr über Leben und Eigentum jedes Preußen".

Um den Siebenjährigen Krieg zu entfachen, benötigt er einen Vorwand. Preußische Armeen verwüsten Sachsen, das "blühendste" deutsche Land, doch bleibt Dresden die einzige Hauptstadt, die von ihm erobert wird. Seine Strategie erschöpft sich nach Meinung seines Bruders Heinrich darin, "Schlachten herauszufordern". Aber er verliert ebenso viele wie er gewinnt und "beendet keinen seiner Feldzüge anders als durch Vergleich".

"Die Preußen haben, trotz ihres seltsam überlegenen, neuen Exercitiums, unter Friedrich II. etwa ebenso viele Schlachten verloren, als sie gewannen; es ist eine alte und meist eingehaltene Übereinkunft, daß bei Schlachten immer einer der beiden Gegner gewinnt; der wird dann Sieger genannt. Gerade bei Friedrich II. ist es schmerzhaft, wie er verschiedentlich das Schlachtfeld verließ, um sich in Sicherheit zu bringen und um erst nachträglich zu erfahren, daß er die Schlacht 'gewonnen' habe."[33]

Trotz allem wagt er im Grunde nichts, denn "kein Staat seines Jahrhunderts ist von den Stärkeren nach unglücklichen Kriegen aufgelöst worden", und auch sein Volk würde ihm niemals zu einer so ernsthaften Gefahr werden wie das französische im Zuge der Revolution wenige Jahre später seinem König.

"Oder, um Bismarcks Worte zu wiederholen: 'Diejenigen Könige gelten als die volkstümlichsten und beliebtesten, welche ihrem Lande die blutigsten Lorbeeren gewonnen, zuweilen auch wieder verscherzt haben.'"[34]

Am Ende des Siebenjährigen Krieges liegen Preußen und seine Armee am Boden, und auch die "niemals ganz, dafür seit dem ersten Tag eroberte Provinz" Schlesien entschädigt kaum für "ein Leben in Feindschaft", wie Friedrich es bis zu seinem Tode führt.

3.3. "Ruhmbegehren"

Beziehungsreich charakterisiert Heinrich Mann den Ruhm Friedrichs durch das in seinem Werk ebenso bedeutungsvolle wie vielschichtige Schauspieler-Motiv. Die Feststellung, daß Friedrich der Große "seinen Ruhm wie ein Schauspieler" trägt, kennzeichnet diesen Ruhm als eine vorgestellte, gespielte Identität, die zur Lebenshilfe wird. Noch als vereinsamter alter König spielt Friedrich Komödie, "um seinen Ruhm glaubwürdig vorzuführen". In Krisensituationen verschwendet er dann auch unüberhörbar "Gedanken an Thronentsagung und Selbstmord".

"In der Tat, nichts könnte fesselnder sein, als zu verfolgen, wie Voltaire sich mit den unablässigen Selbstmorddrohungen seines Schülers und mit Friedrichs Drängen auf Friedensvermittlung abfand. Voltaire war ein überlegener Beobachter, der Geist, der Witz im Sinne Goethes besaß. [...] Voltaire kannte den großen König zu genau - hatte er ihn doch selbst 'den Großen' getauft - als daß er hätte ernst bleiben können beim Lesen der heroischen Jeremiaden Friedrichs II."[35]

Der im Grunde maskenhafte Ruhm wird später durch den Vergleich mit der "Totenmaske" Friedrichs ironisiert. Diese Maske wiederum ist ein starres Abbild, das aber "die relative Wahrheit spricht". Die mit dem Schauspieler-Motiv angedeutete Ambivalenz des Ruhms ist zugleich eine Spiegelung der zuvor formulierten Charakteristik des Königs von Preußen als eines Menschen, der neben seinem egoistischen Ruhmbedürfnis eben auch "Gefühle" hat - und eine Brust, die "tief innen schwärmt".[36] Diese Fragwürdigkeit ist es, die ihn rettet.

Friedrich II. wird von seinen Untertanen scheu bestaunt, "groß" und "Alter Fritz" genannt, aber nicht geliebt. Er zwingt die Welt, sich mit ihm zu befassen und "macht sie zu der seinen". Schlachten betrachtet er als "die anschaulichste Leistung eines Feldherrn", auch "eine geräuschvolle Niederlage tut mehr als leise Erfolge vermöchten" für seinen Ruhm.

Nach eben diesem Ruhm begehrt Friedrich ausdauernd und "mit einer persönlichen Hingabe bis nahe dem Märtyrertum". Ohne seine Lieblingsschwester Wilhelmine wäre er für ihn undenkbar, schon "früh haben die Geschwister den Ruhm des Bruders mit vereinten Herzen geträumt". Es ist ein "sensationeller" und persönlicher Ruhm, nicht der Ruhm Preußens: "Er [Friedrich] - groß vorne". Friedrich weiß, daß der "Einsatz" bei seinen ewigen Intrigen "all sein Besitz" - also all sein Ruhm - ist, und um den "zittert" er heftiger als um seine Krone. Auch die Frage seiner Nachfolge auf dem preußischen Thron beschäftigt ihn nicht, denn "Preußen, weggedacht ihn selbst, bekümmert ihn wenig."

Heinrich Mann betont demnach an der Figur Friedrichs des Großen die egoistische Ausnutzung der Macht. Diese Macht beruht nicht auf den Grundsätzen des Rechts und wird nicht im Sinne der Humanität eingesetzt. Der Preußenkönig benutzt seine ererbte und maßlos erweiterte Macht einzig als ein Mittel, sein Ruhmbedürfnis zu stillen.[37] Am Ende des Siebenjährigen Krieges ist Preußen verwüstet, aber sein König errichtet "lieber Schlösser für seinen Ruhm", als die von den Wirren des Krieges zerstörten Städte wieder aufzubauen.

"Oder soll man annehmen, daß die Errichtung des 'Neuen Palais' irgendwie größere Bedeutung für die Entwicklung der Kunst in Europa oder in der preußischen nation hatte, als zum Beispiel die Leidenschaft Friedrichs II. für 'eine allzu reiche Besetzung mit Brillanten', dank welcher er 300 'mit großen Steinen übersäte Tabacksdosen' und ähnliche 'mit Brillanten besetzte Sachen' im Werte von 1 750 000 Talern hinterließ. Der Fürst von Ligne, der sich bemühte, über Friedrich Höfliches zu sagen, der aber die großen Höfe kannte, verfällt ins Spotten, wenn er erzählt, 'wie der König manchmal den König spielte und wie er sich sehr großartig vorkam, wenn er einen Stock und eine Dose mit häßlichen Diamanten in die Hand nahm'. Ein häufiges, echt friderizianisches Schauspiel berichtet der wahrheitseifernde, friedrichbegeisterte Nicolai: 'Wenn der König nach Berlin zum Karneval reiste, wo er nach dem Siebenjährigen Kriege ... den größten Teil seiner Zeit in seinen Zimmern zubrachte, nahm Er eine ziemliche Anzahl dieser Dosen in zwey Kasten mit, welche gewöhnlich ein arabisches Kamel oder Dromedar nach Berlin trug.' Friedrichs diamantenbesetztes Schnupftabaksdosen tragendes Trampeltier - eine stolze Erinnerung an die Tage der Freundschaft mit dem großen Zar Peter III. - das ist ein unvergängliches Sinnbild höchster preußischer Königswürde!"[38]

Sucht nach Ruhm und Mangel an Liebesfähigkeit ergeben schließlich einen Menschen, der "ein Leben in Feindschaft" führt und als "Empörer gegen Europa" einem weitgehend negativen Urteil unterliegt.[39] Friedrich der Große "schreibt sich selbst seine persönliche Tragödie", in der er weiterlebt: "Sein zerrissenes Königreich - vergangen. Übrig - der König von Preußen." Er lebt unverstanden, aber als Überlebender seines Preußens ist er unsterblich.

3.4. "Frédéric, le roi de Prusse"

In ihrer Beziehung zu Frankreich ist eine innere Verwandtschaft zwischen Heinrich Mann und Friedrich dem Großen unverkennbar. Sie ist die Grundlage von Heinrich Manns künstlerischer Bearbeitung des Friedrich-Stoffes. Die parallelen Neigungen liegen ohnehin auf der Hand: Der deutsche Schriftsteller und der preußische König verehren beide Monsieur de Voltaire, bewegen sich leicht und gern in der französischen Sprache und unterschreiben mit französischem Namen. Der Ausspruch Friedrichs "De langue et de cœur, je suis Français"[40] bringt den immensen Zwiespalt auf den Punkt, in dem der geborene preußische Thronfolger und König sein Leben verbringt. Diese Problematik ist ganz und gar nicht unwesentlich für Heinrich Mann selbst und wird zum Kern seines Essays. Mit dem Hintergrund eigener Erfahrung versucht der Autor, den widersprüchlichen Charakter Friedrichs aus dessen innerer Zerrissenheit heraus darzustellen.[41]

Die Umstände seiner Geburt haben für Friedrich tragische Auswirkungen, da sie seiner echten Selbstverwirklichung, die seine gefühlte Zugehörigkeit zu Frankreich in sein Leben integrieren müßte, entscheidend im Wege stehen. Weder "König von Frankreich" noch "französischer Vasall" kann er sein.[42] Vor Frankreich tritt Friedrich als der "vereinzelte, aber berühmte Fürst eines unbekannten Landes" auf. Er versteht sich als "Schüler" Frankreichs und hegt den Herzenswusch, "so viele Tage der sorglosen Gesittung, als ihnen in Versailles Jahre hingehen", zu verleben. Friedrich ist bedingungslos "für Frankreich". Seine Bewunderung geht so weit, daß er die Franzosen als natürliche Verbündete ansieht:

"Während die Deutschen Friedrich als Retter von den Franzosen feierten, hatte der große König keinen sehnlicheren Wunsch, als in das französische Bündnis zurückkehren zu dürfen [Schlacht von Roßbach]."[43]

Madame de Châteauroux bleibt er ewig ergeben, weil sie den französischen König vor der Schlacht von Fontenoy dazu bewogen hat, Seite an Seite mit ihm zu kämpfen. Die Marquise de Pompadour dagegen, die er für die Dreistigkeit der Franzosen verantwortlich macht, bei der Schlacht von Roßbach dann ohne Preußen als Bundesgenossen auskommen zu wollen[44], verachtet er:

"Mir scheint, Friedrichs II. Unfähigkeit, Höherstehende zu würdigen und ihre Beweggründe zu beurteilen, hat sich niemals lächerlicher offenbart als in seinem Verhalten gegenüber der Herzogin von Pompadour. Erst verfolgte er sie mit seinen Schmähgedichten [...], und glaubte dann, als er sie brauchte, er könne sie bestechen. [...] Dagegen hatte Frau von Pompadour ihn fallen lassen, ihn, der sich immer wieder gerühmt hatte, der treueste und der unentbehrlichste Bundesgenosse Frankreichs gegen Deutschland zu sein. Sie hatte ihn gezwungen, gegen Frankreich zu kämpfen, ihn, der noch nach der Schlacht von Roßbach versicherte, er könne sich nicht daran gewöhnen, die Franzosen als seine Feinde ansehen zu müssen. Angesichts solcher Unbill, die ihm Frau von Pompadour zugefügt, entdeckte Friedrich mit Genugtuung und Unwillen ihre bürgerliche Abkunft; er hätte ihr verzeihen können, daß sie eine 'Hure' war, aber daß sie sich versündigt hatte gegen das alte Vorrecht der adeligen Gesellschaft des französischen Königs, ihrem Herrscher die Geliebte aus ihrem eigenen Kreise zu liefern, daß konnte ihr Friedrich II. um so weniger verzeihen, als er doch – trotz seines teutonischen Vaters – so überzeugende Ansprüche gemacht hatte, in der französischen Gefolgschaft mitgerechnet zu werden. [...] 'Je ne la connais pas' sagte er und wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben."[45]

Auf diese Weise schwächt Friedrich das Reich und "tut damit französische Arbeit noch mehr als seine eigene". "Voraussicht ist ihm nicht gegeben", denn er vertraut bis zuletzt auf den Bestand der französischen Monarchie und ahnt das Zeitalter Napoleons nicht voraus. Er wäre wohl sogar dessen Bewunderer gewesen. Gewiß ist, daß er Deutschland und Europa für den "Eroberer" vorbereitet wie kein anderer.

Die Russen nennt Friedrich "barbarisch" und Frankreich "die Vormacht der Zivilisation", "jeden vilain französischer Herkunft zieht er deutschem Adel" vor. So liegt er "auf Knien vor der Zivilisation", sieht sie als "strahlende Herrscherin" an und "bewirbt sich um ihren Abglanz".

"Zwar hat er mit dem Land, das er regiert und zur Großmacht steigert, eines gemeinsam, nämlich 'die Überspannung der Kräfte' und 'die herausfordernde Entzweiung des einzelnen Landes mit der europäischen Ordnung'. Diese 'Entzweiung' ist nach Heinrich Mann um so tragischer, als Friedrich seiner ganzen Substanz nach danach strebt, sich dieser Ordnung, die Heinrich Mann in dem Franzosenkönig verkörpert sieht, zu unterwerfen und sich als einen Teil von ihr zu betrachten. Er und seine Umgebung sprechen französisch, 'er glaubt, mit aller Barbarei seines Preußentums, dennoch auf der Höhe der französischen Kultur zu sein'. In den Szenen aus der Kronprinzenzeit bedient Heinrich Mann sich des Französischsprechens als eines Charakterisierungsmittels; der junge Königssohn flüchtet in die Sprache der Zivilisation, um die Wirklichkeit zu verleugnen, in die er hineingeboren ist. Der Barbar in ihm wird doch das Sprachmedium in Schach halten. [...]

Er, der einzige große Herrscher, den Preußen je gehabt hat, kennt nur einen Gegenstand der Verehrung, die Zivilisation, von der Frankreich der Inbegriff ist, und doch ist er dazu verurteilt, in seinen politischen und kriegerischen Taten gegen diese Zivilisation zu verstoßen."[46]

Dieses Gefühl bleibt in ihm unwandelbar, trotz des Erkennens der oft nicht dem "Prinzip der Zivilisation" gehorchenden Zustände in Frankreich. Friedrich ist kein Träumer. Aber er verachtet seine Preußen und "ist es müde, über Sklaven zu herrschen".

"Gewiß, es [zweimal täglich fünf Stunden lange enzyklopädische Unterhaltungen an der königlichen Tafel] war grauenhaft! Friedrich gichtbrüchig, sich oft überessend, 'erhaben geschwätzig' und besessen von der Leidenschaft, sich despotisch in alle Angelegenheiten seines Volkes zu mischen, mit dem er kaum irgendwelche geistige Verbindung hatte. Sein: 'Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen' klingt wie der Ausspruch des weißen Gouverneurs eines Negerstaates, dessen verachtete Sprache zu beherrschen er nie der Mühe wert hielt."[47]

Das "Problem der Sprache" begleitet ihn während seines ganzen Lebens. Er bezeichnet das Französische als "energisch" und "bevorzugt diese Sprache als das Zeugnis von Taten, die er sich selbst wünscht". Obwohl er große Fortschritte des Deutschen erlebt, mag er die deutsche Sprache nicht und ist schließlich oft "um den deutschen Ausdruck verlegen". Die "gute Gesellschaft" spricht seiner Meinung nach französisch, er "gibt Frankreich den Vorrang" und mißachtet Weimar. Der lateinischen Sprache nicht mächtig, verspottet er sie, möchte er sie doch eigentlich auch schreiben und sprechen können.

In Sanssouci versammelt Friedrich französische, in ihrem Land verfolgte Philosophen um sich. Er regiert zwar nur mit "kurzen, obwohl entschlossenen Anweisungen", führt bei Tisch jedoch lange Gespräche mit diesen französischen Denkern. Er ist ein Anhänger Voltaires, dem "Eroberer der Zivilisation", und fühlt selbst, "daß der Andere ihm vorgehe".

"Bei Friedrichs II. geistigem 'Vasallen'-Verhältnis zu Voltaire, wenn ich mich nochmals des Goetheschen Ausdrucks bedienen darf, ist besonders lächerlich die Tatsache, daß Friedrich seinen großen Oberherrn allzu oft nur halb verstand und deshalb beim Wiederholen des Gehörten oder Gelesenen gemeingefährliche Torheiten vorbrachte."[48]

In seiner unmittelbaren Nähe gefällt Voltaire ihm allerdings ebensowenig wie dem König von Frankreich, und bei einem längeren Aufenthalt Voltaires in Sanssouci kommt es sogar zum Zerwürfnis. Als einem "Feind der Kirche" aber wird Voltaire Friedrichs volle Zustimmung zuteil.

4. Das Fragment "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen"

"Dennoch, der Aufstieg des jungen Königtums Preußen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts exerziert uns 'die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen' als ein groteskes Paradebeispiel für das Spiel um die Macht und ihre Günstlinge vor. [...]

Herausgekommen ist dabei die unglaublich wahre, grausig komische Farce von der militärischen Abrichtung des preußischen Thronfolgers zum eroberungswütigen Herrscher mit schöngeistigen Neigungen. Der Figuren-Reigen dieses höfischen Familienpanoptikums wird dabei unermüdlich von Intrigen bewegt und von Welteroberungsträumen angetrieben. Kurz vor seinem Tod im Jahre 1740 soll Friedrich Wilhelm dem zukünftigen König das folgende mit auf den Weg gegeben haben: 'Fritz, wenn Du Herr bist, wirst Du sie betrügen, denn Du kannst nicht anders. Du bist von Natur falsch und betrügerisch. Darum betrüge sie beim ersten Mal gründlich!'"[49]

4.1. Die strukturelle Komposition

Ein hinreichender Überblick über die strukturelle Komposition ist aufgrund des Fragment-Charakters nicht möglich. Die "ästhetische" Konstruktion des Textes ist - im Gegensatz zu den "Henri-Quatre"-Romanen - nur in Teilen erkennbar.

Heinrich Mann arbeitet an einer Entzauberung der Friedrich-Legende.[50] Seine erklärte Absicht ist es, diesen König fragwürdig werden zu lassen, weil die deutsche Neigung zur Überbewertung der eigenen Kultur und Nationalität seiner Ansicht nach 1933 in die Katastrophe geführt hat. Nur ein Erziehungsprozeß, der die Korrektur der Sicht auf große Vorbilder einschließt, kann für Heinrich Mann einen Neuanfang bedeuten. Während jedoch die Figur des "guten Königs" Henri so von ihm konzipiert ist, daß sie als ein Beispiel für humanes Denken und Handeln erscheint, ermöglicht seine Darstellung Friedrichs diese Wirkung nicht. Der Impuls zu humanem Verhalten wird hier erst über das Herstellen einer Antiposition realisiert. Durch die satirisch-groteske Zeichnung entsteht ein abschreckendes Bild, das Gegenkräfte gegen die Bedrohung menschlicher Werte und Würde mobilisiert.[51]

Kriege und abstrakte Formen der Aufklärung, wie das kodifizierte, theoretische, aber nicht praktizierte Recht, also die Disparität innerhalb des Wirkens Friedrichs II. und die Gespaltenheit seiner Persönlichkeit, stehen im Vordergrund. Heinrich Mann konstatiert und bemängelt hier ein Mißverhältnis. Aber obwohl Äußerungen zum Beispiel über den "Antimachiavell" und die durchgeführten Reformen, also über die positiv zu beurteilenden Taten von Friedrich II. fehlen, ist es dennoch vergleichsweise unwahrscheinlich, daß Heinrich Mann ihn eindeutig negativ beurteilt. Eher sieht er ihn durchaus ambivalent und hat in der Emphase, sich vom konservativ-positiven Friedrich-Bild zu lösen, positive Züge lediglich zurückgestellt.

4.2. Der szenisch-dialogische Aufbau

Relativ abseitig ist eine Bezeichnung des "Friedrich"-Fragments als "Filmskript", treffender die als "szenischer, dialogisch aufgebauter Roman" ähnlich der "Kleinen Stadt". Das metaphernartige Thema dieses frühen Werkes Heinrich Manns ist "Die Entstehung der Demokratie aus dem Geist der italienischen Oper".

Aufgrund des Fragment-Charakters läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob es auch in der "Traurigen Geschichte von Friedrich dem Großen" einen übergreifenden Gesamtbezug gibt beziehungsweise wie dieser gegebenenfalls aussehen würde. Spekulationen sind aber naheliegend und führen wahrscheinlich zu Themen wie "Die Entstehung des Militarismus und des Untertanenstaates aus dem Geist der gescheiterten Intellektualität in Deutschland" oder "Die mißglückte Adaption aufklärerischer Philosophie in Deutschland, die Spannungsverhältnisse, eine Überbetonung des Militärischen und Trennung von Herrscher und Untertanen nach sich zieht". Unübersehbar deutlich jedenfalls ist Heinrich Manns Kritik am deutschen Untertanengeist.

"Die literarischen und politischen Essays dieses Autors dienten nur dem einen Ziel, die Deutschen politisch reif zu machen, sie von der dumpfen Anbetung der Großen, ihrem verhängnisvollen Heroenkult zu befreien. [...] Für Heinrich Mann wurde das Scheitern der Demokratie in Deutschland dadurch verursacht, daß ihr politischer Repräsentant, der Bürger, sich nie als Stand empfunden hat, daß er seine eigene Sache nie in die Hand zu nehmen wagte, sondern das Regieren lieber einer kleinen Gruppe 'Auserwählter' überließ, Menschen höherer Art, wie er glaubte, zu denen er gerne empor sah und um deren Gunst er nachdrücklich sich bemühte. Der deutsche Bürger übernahm nur allzu gerne die Rolle des Befehlsempfängers, des Lakaien. [...]

Es sind die Grundsätze der bürgerlichen Demokratie, die der Dichter vertritt; auch hierin - nicht allein in der Literatur - ist Frankreich sein Vorbild. Sein Kampf gegen den Obrigkeitsstaat, gegen die Ideologie von den großen Männern, die Geschichte machen, war ein Kampf vor allem gegen die Untertanen-Mentalität seiner Landsleute, die keineswegs mit der Wilhelminischen Ära verschwand. Gerade nach 1918 hatte für Heinrich Mann die politische Publizistik den Vorrang."[52]

Heinrich Mann hat durchaus eine Vorstellung von der prägenden Kraft eines Vorbildes, das über Jahrhunderte Bestand hat. Die geschichtlich-gesellschaftliche Nachwirkung Friedrichs II. ist seiner Meinung nach verhängnisvoll.

4.3. Das Handlungsgeschehen

In seinem Fragment gestaltet Heinrich Mann den Teil "Der Kronprinz" fast vollständig szenisch aus. Nicht ausgeführt hat er lediglich die vier letzten in der "Outline" skizzierten Abschnitte. Er beginnt allerdings nicht, obwohl er sonst stark der Biographie Friedrichs folgt, mit der Geburt und Kindheit des Kronprinzen, sondern erst mit dessen Jünglingsalter.

Der Teil "Der König" dagegen ist ausschließlich Inhalt der "Outline". Eine Ausnahme bildet nur die von Heinrich Mann noch ausgearbeitete Sterbeszene Friedrich Wilhelms, in der der Autor unter anderem die Machtübergabe an Friedrich schildert.

Bei der folgenden Darstellung der Biographie des Kronprinzen und auch der des späteren Königs Friedrich des Großen anhand des Fragmenttextes werden zusätzlich Friedrich-Interpretationen anderer Autoren herangezogen, da sich Heinrich Mann - wie schon im ersten Kapitel dieser Arbeit erläutert - selbst auch auf diese Quellen stützt. Die historische Orientierung ist Grundlage für die Vermittlung seines Friedrich-Bildes.

4.3.1. Der Kronprinz

Friedrich der Große wird am 24. Januar 1712 im Berliner Schloß geboren. Er ist ein zartes, gesundheitlich keineswegs robustes Kind von zierlicher Gestalt, eben noch nachdenklich, fast traurig, dann wieder glühend vor Eifer und "Schelmerei".[53]

"In den ersten Lebensjahren, wie auch noch mannigfach in späterer Zeit, bis kriegerische Beschäftigungen den Körper abgehärtet hatten, war die Gesundheit des Kronprinzen schwankend, und die traurigen Erfahrungen, die man bereits an zwei frühverstorbenen Prinzen gemacht hatte, ließen auch für ihn gegründete Besorgnisse entstehen. Zudem hatte dieser körperliche Zustand, vielleicht aber auch eine Gemütsanlage, welche die äußeren Eindrücke früh mit Lebhaftigkeit aufzufassen und nachdenklich zu verarbeiten nötigte, ein eigen schweigsames, fast schwermütiges Wesen zur Folge, welches jene Besorgnisse noch mehr zu rechtfertigen schien. Um so emsiger indes war man auf die körperliche Ausbildung des jungen Prinzen bedacht."[54]

Friedrich lernt nicht alles, sondern nur, was ihm gefällt, ist also von Anfang an wählerisch und in seinem Auftreten distinguiert, schon bald schilt sein Vater auf den "air de marquis". Es ist aber nicht nur die höfische Glätte, die der König haßt, sondern eine seelische Feinfühligkeit, die er nicht versteht.[55] Nach allem, was man über das Naturell Friedrich Wilhelms und seinen persönlichen Stil weiß, ist es nicht verwunderlich, daß er ein außerordentlich problematischer Vater ist. Kaum steht fest, daß sein ungeduldig erwarteter Sohn und Stammhalter wohlbehalten dem Säuglingsalter entwachsen wird, will er auch schon damit beginnen, das Kind zu einem Abbild seiner selbst zu erziehen.

"Er [Friedrich Wilhelm I.] wußte, woran es damals in Deutschland fehlte, und welcher Mangel hundert Mal ängstlicher und dringender war, als etwa der Mangel an Bildung und gesellschaftlicher Form, - sein Wiederwille gegen den jungen Friedrich kam aus der Angst eines tiefen Instinktes. Männer fehlten; und er argwöhnte zu seinem bittersten Verdrusse, daß sein eigner Sohn nicht Manns genug sei. Darin betrog er sich: aber wer hätte an seiner Stelle sich nicht betrogen? Er sah seinem Sohn den Atheismus, dem esprit, der genüßlichen Leichtlebigkeit geistreicher Franzosen verfallen: - er sah im Hintergrunde die große Blutsaugerin, die Spinne Skepsis, er argwöhnte das unheilbare Elend eines Herzens, das zum Bösen wie zum Guten nicht mehr hart genug ist, eines zerbrochenen Willens, der nicht mehr befiehlt, nicht mehr befehlen kann. Aber inzwischen wuchs in seinem Sohne jene gefährlichere und härtere neue Art und Skepsis empor - wer weiß, wie sehr gerade durch den Haß des Vaters und durch die eisige Melancholie eines einsam gemachten Willens begünstigt? - Die Skepsis der verwegenen Männlichkeit, welche vom Genie zum Kriege und zur Eroberung nächst verwandt ist und in der Gestalt des großen Friedrichs ihren ersten Einzug in Deutschland hielt."[56]

Doch wächst der junge Friedrich anfangs unter der Obhut seiner Mutter Sophie Dorothea[57] auf, ohne unter seinem charakterlich unausgeglichenen, zu Jähzorn und Gewalt neigenden Vater allzusehr zu leiden.[58]

"In den ersten Jugendjahren seines Sohnes, des nunmehrigen Kronprinzen Friedrich, konnte es jedoch noch nicht in Frage kommen, wie weit dieser mit der Richtung und Gesinnung des Vaters übereinstimmen würde. Die erste Pflege des Knaben mußte den Händen der Frauen anvertraut bleiben. Seine Mutter, die Königin Sophie Dorothee, eine Tochter des Kurfürsten von Hannover und nochmaligen Königs von England, Georgs I., war durch eine natürliche Herzensgüte und Neigung zum Wohlthun ausgezeichnet; auch war sie der edleren Wissenschaft nicht so abhold wie ihr Gemahl. Diese Neigungen suchte sie auf ihre Kinder fortzupflanzen. Leider jedoch besaß sie nicht diejenige hingebende Liebe, welche, im Einklang mit dem Willen ihres Gemahls, zum Segen des Hauses hätte wirken können."[59]

1716 erhält Friedrich seinen ersten Erzieher, den Hugenotten Jacques Egide Duhan de Jandun. Dieser französische Pädagoge führt ihn "auf den Olymp". Der Kronprinz liest antike und französische Klassiker in französischer Sprache. Er ist ein unersättlicher, heimlicher, nächtlicher Leser. Stehlen muß er sich seine Bildung - um so teurer wird sie ihm. Nach solchen Nächten ergreifender Spannung verträgt sein Körper das vom herkulischen Vater befohlene frühe Aufstehen nicht mehr. Dieser empört sich über den Schwächling; den Sohn packt die Angst vor der Zucht, er stockt und bockt, bald auch mit bitterer Absicht. Die Persönlichkeit erwacht und haßt die tyrannische Roheit. Der unvermeidliche Konflikt bricht aus. Die Kritik am Vater vergiftet den Respekt, eben noch lächelt der Spötter, doch schon schürzen sich seine schmalen Lippen zu Verachtung.

Die Freude am Anderssein hat Grazie, die Unart ist artig; wird er auch dem Vater und dessen Tabakskollegen ein Greuel, so entzückt dafür seine vielversprechende Eleganz die Damen. Die Mutter und die Lieblingsschwester und Leidensgenossin Wilhelmine hegen und pflegen in ihm den Gegner des Gatten und Vaters.[60] Doch mit Beginn des siebten Lebensjahres endet die weibliche Erziehung des Kronprinzen.

"Der König. Das kommt nicht wieder vor. Ich schwöre: alles soll anders werden, und der Kronprinz ein Mann. Aus mit der Weiberwirtschaft: ich trenne ihn von Euch und Eurer Tochter. Fort mit den Büchern und mit dem verdammten Franzosen, der sie ihm zusteckt.

Die Königin. Ihr seid selbst französisch erzogen.

Der König. Bis ich die Bücher hinwarf und nur die Landkarten und Gebete las. Wer berufen ist, die Krone zu tragen, schuldet alle seine Zeit den Militärwissenschaften, und was übrig bleibt, der Erkenntnis Gottes.

Die Königin. Sire, Ihr plant Veränderungen?

Der König. Sind schon beschlossen. Noch heute bekommt der Kronprinz zwei Gouverneurs: preußische Offiziere; die machen aus dem Weichling einen Mann.

Die Königin. Der Kronprinz ist nicht von Eurer Art.

Der König. Dann hol' ihn der Teufel."[61]

Der König gibt den beiden Hofmeistern, Generalleutnant Graf von Finkenstein und Oberst von Kalkstein, eine ausführliche Instruktion, nach der sie die Erziehung des Kronprinzen zu leiten haben. Als Hauptpunkt wird darin die reine christliche Frömmigkeit vorangestellt, zu welcher der Zögling hinzuführen sei. Überall wird in der Instruktion auf strenge Sittlichkeit gedrungen. Stolz und Hochmut ebenso wie den Einflüsterungen der Schmeichelei soll entschieden entgegengearbeitet werden. Dafür soll der Prinz von früh an zu Leutseligkeit und Demut, zu Mäßigkeit, Sparsamkeit, Ordnung und zu geregeltem Fleiße angehalten werden.[62]

"Der König. [...] Eure Hauptaufgabe aber bleibt: die wahre Liebe zum Soldatenstande in ihm zu erwecken. Nichts auf der Welt kann einem Prinzen Ruhm und Ehre geben als der Degen. [...] Stracks zum Gottesdienst! [...] Vor einem absoluten Fürsten - merkt es, ihr Prinzenerzieher! - nutzt nur die eine einzige Beschränkung und Zucht, als da ist die Furcht Gottes. Hätte er die nicht, müßt er entarten zum Ungeheuer. [...] Moralische Sentenzien will ich, daß er lernt, und die Kriegswissenschaften: das gibt ein Ganzes."[63]

Was die wissenschaftliche Bildung anbetrifft, so berührt die Instruktion nur die praktisch brauchbaren Kenntnisse:

"Der König wollte seinen Nachfolger vor allem in Rechnen, in biblischer Geschichte und in der Geschichte der letzten 100 Jahre unterrichtet wissen. Latein lehnte er aus persönlichen Gründen ab. Weil er selbst auch unter unsagbaren Mühen nicht in die Anfangsgründe dieser Sprache hatte eindringen können, strich er sie aus dem Lehrplan seines Sohnes. Ganz auf die praktische Tätigkeit eines künftigen Monarchen ließ er auch später den Unterricht des Kronprinzen abstimmen. Wirtschaft und Völkerrecht, 'eine elegante und kurze Schreibart' im Deutschen und Französischen, Mathematik mit dem Ziel ihrer Anwendbarkeit im Militärwesen - das waren nach Friedrich Wilhelms Ansicht die Kenntnisse, die ein künftiger Monarch brauchte. Vor allem zum Soldaten wollte er den jungen Friedrich erziehen, weshalb er befahl, ihm 'die wahre Liebe zum Soldatenstande' einzuprägen."[64]

Doch ausgerechnet bei diesem so wichtigen Vorhaben, der Erziehung seines Sohnes und Thronfolgers zu einem guten Christen, Soldaten und Verwalter[65], schafft Friedrich Wilhelm es nicht, seinen königlichen Willen durchzusetzen. Friedrich ist von anderem Charakter als sein Vater:

"Friedrich war zwölf Jahre alt, als sich dieser Gegensatz erstmals öffentlich entlud. Während einer Tauffeier bei General Friedrich Wilhelm von Grumbkow [...] kam es zu einer oft beschriebenen Szene. Der erzürnte König erklärte in Gegenwart aller: 'Ich möchte wohl wissen, was in diesem kleinen Kopfe vorgeht. Ich weiß, daß er nicht so denkt wie ich; es gibt Leute, die ihm andere Gesinnung beibringen und ihn veranlassen, alles zu tadeln.'[66] Bei diesen Worten schlug er seinen Sohn. Er tat das in der Folgezeit noch öfter und traf damit das empfindliche Ehrgefühl des Heranwachsenden."[67]

Friedrich ist intellektuell hochbegabt, einer verfeinerten Lebensart aufgeschlossen und den Ideen der Aufklärung zugetan. Er verabscheut die Gewohnheiten des Vaters, dessen militärische Übungen und Jagden und das Tabakskollegium, zeigt sich religiös uninteressiert und übt sich statt dessen in höfischen Manieren und elegantem Auftreten. Körperlich ist er noch immer empfindlich, geistig anspruchsvoll und hegt eine ausgeprägte Vorliebe für die französische Literatur.

"Vielleicht hat nichts so sehr zu der grenzenlosen Verachtung Friedrichs II. für deutsches Wesen beigetragen als die widerliche Gemütlichkeit des Tabakskollegiums, dem beizuwohnen sein Vater ihn oft zwang."[68]

Alle seine Steckenpferde und Manierismen scheinen einzig darauf ausgerichtet zu sein, dem Vater vor den Kopf zu stoßen, widersprechen sie doch völlig dessen Vorstellungen vom angemessenen Auftreten eines künftigen Hohenzollern-Königs.

"Aber noch in tausend anderen Dingen, in bedeutenden und unbedeutenden zeigte sich bald eine gänzliche Verschiedenheit des Charakters zwischen Sohn und Vater. Die militärischen Liebhabereien des Königs, das unaufhörliche, bis ins kleinliche gehende Exercitium der Soldaten, die oft grausame Behandlung der letzteren machten dem Kronprinzen wenig Freude. Die rohen Jagdvergnügungen, der einfache Landaufenthalt auf dem königlichen Jagdschlosse zu Wusterhausen waren nicht nach seinem Geschmack; ebensowenig das Tabakrauchen, die derben Späße im Tabakskollegium, die Kunststücke der Seiltänzer, die Musikaufführungen, an denen der Vater sich erfreute. Die Männer, die dieser in seine Nähe berief, zogen den Prinzen nicht immer an, und er suchte sich Umgang nach seinem Gefallen. Er war ernst, wenn der Vater lachte, ließ aber auch manch spöttelndes Wort über Dinge und Personen fallen, die dem Vater wert waren; dafür tadelte der Vater an ihm einen stolzen, hoffärtigen Sinn. [...]; ihm gewährte die Übung auf der Flöte hohen Genuß, deren sanfter Ton wiederum dem Vater wenig zusagte. Mehr noch hing er litterarischen Beschäftigungen nach; der Glanz der französischen Poesie, besonders das blitzende mutwillige Spiel, mit welchem die jugendlichen Geister Frankreichs gerade zu jener Zeit den Kampf gegen verjährte Institutionen begonnen hatten, zog ihn, der gleichen Sinn und gleiche Kraft in sich fühlte, mächtig an. Aber solche Interessen waren gar wenig nach dem Sinne des Vaters. Dann liebte er es auch, wenn der letztere fern war, den engen Soldatenrock abzuwerfen, bequeme, französisch moderne Kleider anzuziehen, sein schönes Haar, das er aus den Händen jenes Chirurgen gerettet hatte, aufzuflechten und in zierliche Locken zu kräuseln. Dies allein war schon hinreichend, wenn der Vater davon Kunde erhielt, seinen Zorn zu erwecken. So ward manch eine böse Stunde herbeigerufen; der König gedachte mit Strenge durchzugreifen, aber er machte sich dadurch das Herz des Sohnes nur immer mehr abwendig. 'Fritz ist ein Querpfeifer und Poet,' so rief der König oft im Unmut aus; 'er macht sich nichts aus den Soldaten und wird mir meine ganze Arbeit verderben.'"[69]

Immer wieder warnt der "Soldatenkönig" seinen Sohn vor den "lasziven, weiblichen Occupationes", die für einen Mann höchst unanständig seien.[70] Er hält ihn für untüchtig und glaubt, die ihm unverständlichen Neigungen des Prinzen durch Härte bekämpfen zu müssen.

"Friedrich litt unter seinem gewalttätigen Vater. Jahrzehnte später, schon König und in seinem Verhältnis zu anderen Staaten nicht minder gewalttätig, verfolgte ihn der prügelnde und gebietende Vater bis in seine Träume. [...]

Der Kronprinz antwortete auf die Grausamkeit seines Vaters mit Widersetzlichkeit, Spott und Ironie. Zuweilen brachte er ihn zusammen mit seiner Schwester Wilhelmine bewußt in einen Zustand blinder Wut, um sich dann im Zimmer der Mutter vor dem Tobenden in Sicherheit zu bringen. Zur Unverträglichkeit der Charaktere kamen allmählich geistige Gegensätze."[71]

Ihre äußerste Zuspitzung erfahren die Gegensätze zwischen Vater und Sohn durch den von der Mutter verfolgten Plan einer englischen Doppelheirat.

"Der König allein. Da wär ich nun dans un jolie pétrin[72] ; im Mist, kann man sagen. Und wer ist mir vor den Wagen gefahren? Wieder der verdammte Flegel von Kronprinz. Ein Schwächling, liest Bücher, ist nach Weibern verrückt und wagt es mit keiner. Hundert Dukaten dem ersten, der mir meldet, daß er verreckt ist und aufgehört hat, meinem Preußen zu schaden. Wüßt' ich nur, was er in England gegen mich angezettelt hat! Könnt' ich in den Hof von Saint-James mit eigenen Augen hineinsehen! Umsonst. Den Knaben Friedrich seh' ich; kann ihn schlagen, aber begreifen werd ich nie, was in dem kleinen Kopf vorgeht."[73]

Friedrich soll die englische Prinzessin Amalie, seine Schwester Wilhelmine den Prinzen von Wales heiraten. Sophie Dorothea stammt ihrerseits aus dem Hause Hannover und ihr Vater ist seit dem Jahre 1714 gleichzeitig englischer König. 1727 folgt ihm ihr Bruder Georg II. Unzufrieden mit dem Leben in Berlin und ihrer wenig glanzvollen Rolle und ohne große geistige Interessen und Fähigkeiten beginnt sie, am preußischen Königshof eine eigene "Partei" zu schaffen und ihre beiden älteren Kinder Friedrich und Wilhelmine einzubeziehen. Streitpunkt wird die außenpolitische Orientierung der preußischen Monarchie.

"Diese Mißstimmung war um so trauriger und sie machte um so verderblichere Fortschritte, als es an einer Mittelsperson fehlte, die zugleich das Vertrauen des Vaters und des Sohnes gehabt und nach beiden Seiten hin begütigend und abmahnend gewirkt hätte. Die Mutter hätte in solcher Stellung für den Frieden des königlichen Hauses äußerst wohlthätig sein können; leider jedoch war alles, was sie that, nur geeignet, das Mißverhältnis immer weiter zu fördern. Die angeborene Güte ihres Herzens war nicht so stark, daß sie es über sich vermocht hätte, sich, mit Aufopferung ihrer eigenen Wünsche, dem Willen des Königs unterzuordnen. Schon in früheren Jahren, wenn sie zu bemerken glaubte, daß die Kinder dem Vater größere Liebe bewiesen, als ihr, fand sich hierdurch ihr mütterliches Gefühl gekränkt, und um ihre vermeintlichen Vorrechte zu behaupten, ging sie sogar so weit, den Kindern in einzelnen Fällen Ungehorsam gegen den Vater einzuprägen. Leicht mag hierdurch der erste Same zu dem unerfreulichen Verhältnis zwischen Vater und Sohn ausgestreut worden sein."[74]

Der König steht dem Vorhaben seiner Gemahlin zuerst durchaus positiv gegenüber, aber die englische Verwandtschaft erschwert die Lage durch eine gewisse Sprödigkeit, die seinen Hochmut weckt. Die politische Annäherung der beiden Häuser Hannover und Brandenburg scheint jedoch eine günstige Voraussetzung zu sein. Geschenke und Briefe werden bereits ausgetauscht. Aber der kaiserliche Gesandte Graf Seckendorf spielt dagegen: Er besticht den korrupten Minister von Grumbkow, der Friedrich Wilhelm in seinen Entscheidungen und seinem Handeln stark beeinflußt, und zieht beide so auf die österreichische Seite. Friedrich und seine Schwester hassen Graf Seckendorf von ganzem Herzen.[75]

"Er [der König] hat nur unwürdige Vertraute: seinen Minister Grumbkow, der vom kaiserlichen Gesandten Seckendorf ein Gehalt dafür bezieht, daß der die Verbindung der preußischen und englischen Königshäuser hintertreibt; [...]."[76]

Intrigen vergiften also das ohnehin eintönige Leben am preußischen Hof. Vor allem die Heranwachsenden fühlen sich zeitweilig wie in der Hölle:

"Friedrich. [...] Ihr Götter! Wieviel Falschheit muß ich noch lernen. Dieser alte Georg willigt auf einmal in die doppelte Verlobung mit Haus Brandenburg. Er folgt den Gefühlen des britischen Volkes, das schreibt er eigenhändig. In Wirklichkeit verbieten seine Minister ihm, hannoversche Politik zu treiben. Er darf seinen Sohn nicht außer Landes schicken, sein Kurfürstentum vor uns zu schützen. Um so weniger gedenkt er, meine Schwester als Schwiegertochter aufzunehmen. Mein ehrenwerter Oheim wiegt uns in Hoffnungen, damit wir nicht zum Kaiser übergehen, und gleichzeitig betrügt er sein England um das preußische Bündnis. [...] Nie, nie werd ich den Menschen so listig und boshaft begegnen können wie sie mir. Er besinnt sich. Wenn der König, mein Vater, den Brief liest, wird er alles glauben. Er durchschaut die anderen nicht, nur mir mißtraut er. Gleichviel, er soll ihn lesen. Er wird sich freuen, und für eine Weile mag ich in Sicherheit sein vor seinem Stock."[77]

Die Mutter teilt ihre Gunst je nach Gefügigkeit ihrer Kinder. Sie hetzt gegen ihren Gemahl oder liefert Sohn und Tochter dem Unwillen des Vaters aus. Friedrich Wilhelm selbst erliegt den Einflüsterungen seines Ministers von Grumbkow und wütet gegen seine Familie.[78]

"Die Königin. Schon bereut Ihr. Fehlt nur, daß Ihr Buße tut und alles Eurem geliebten Minister Grumbkow beichtet.

Der König. Der meint es gut: Ihr nicht. Euer Ehrgeiz nach den englischen Heiraten verwickelt mich in die schrecklichsten Staatsintrigen."[79]

Am Ende scheitern die englischen Heiratspläne von Königin Sophie Dorothea. Der König hegt nunmehr die feste Absicht, das Band mit den Habsburgern durch entsprechende Heiraten seiner beiden ältesten Kinder fester zu knüpfen. Er ist daher gezwungen, eine Reise nach Sachsen an den Hof des Kurfürsten August des Starken zu unternehmen. Kronprinz Friedrich begleitet ihn.

"Von Anfang an ist Friedrich Wilhelm unbehaglich zumute bei dem Gedanken an den berühmten und reichen Hof Augusts des Starken. Er muß diesem Kurfürsten einen Besuch abstatten, weil auch er selbst kürzlich Verbündeter des Kaisers in Wien geworden ist. Aus der englischen Allianz ist nichts geworden; der Prinz von Wales hat als der neue König die preußischen Verlobungen widerrufen. Friedrich gibt England leichten Herzens auf: Sachsen erobern liegt näher. Seine erste Reise 'ins Ausland' weckt sofort seine kriegerische Gier, die er später in die Tat umsetzen wird. Soweit ist jetzt bereits seine Erziehung vom wohlwollenden Philosophen zum heimtückischen Tatmenschen gediehen."[80]

In Dresden eröffnet sich für Friedrich eine neue Welt. Von der heimischen Strenge des militärischen Lebens, von unausgesetztem Fleiß, dauernder Sparsamkeit und allgegenwärtigen Sittlichkeitsgeboten ist hier keine Spur. Die Tage am sächsischen Königshof vergehen wie im Rausch, ein Fest jagt das nächste, und alle Erfindungskraft wird aufgeboten, um Sättigung und Überdruß fern zu halten. Alle Künste und alles Schöne scheinen zum puren Genuß versammelt.[81] In dieser freizügigen Umgebung macht Friedrich auch seine ersten Erfahrungen im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht.[82] Nach der Rückkehr scheint ihm ein Leben am preußischen Hof noch unmöglicher als zuvor.

1730 versucht er gemeinsam mit seinem Freund Hans Hermann von Katte, dem von ihm als unerträglich empfundenen Druck des Vaters zu entgehen.

"Friedrich. Nur den Stock nicht! Wenn er mich anrührte, ich nähme mir ein Beispiel an dem Prinzen von Wales!"[83]

Doch der Fluchtversuch mißlingt.[84] Friedrich Wilhelm reagiert als Despot. Der Kronprinz wird unter strengster Bewachung auf die Festung Küstrin gebracht und dort unter außerordentlich harten Bedingungen in Einzelhaft gehalten. Sein Mitwisser Katte wird vor seinen Augen hingerichtet. Er muß sterben, weil Friedrich Wilhelm seinen Sohn strafen will. Der Tod des Freundes ist die letzte und schrecklichste Lektion, die er sich für ihn ausgedacht hat. Nur in diesem Sinne lassen sich die Anweisung, den Hinrichtungsplatz so zu wählen, daß der Kronprinz ihn gut übersehen kann, und die Befehle, Friedrich zum Zusehen zu zwingen und den Leichnam mehrere Stunden liegenzulassen, erklären.[85]

"Es geschah auf Befehl des Königs, denn dieser wollte auch das härteste Mittel nicht unversucht lassen, das Herz des Kronprinzen zu erweichen. Unter den Augen des letzteren, so hatte es der König ausdrücklich angeordnet, sollte die Hinrichtung des Freundes stattfinden. Der Morgen des 6. Novembers war zur Hinrichtung bestimmt. Der Kronprinz wurde genötigt, an das Fenster zu treten, [...] und Katte empfing, von christlicher Tröstung gestärkt, den tödlichen Streich. Die starke Natur des Kronprinzen erlag; Ohnmachten ergriffen ihn, und die Schale, die sein Herz umschlossen hielt, war gesprungen."[86]

Seit der Exekution Kattes kommt es zu keinem offenen Widerstand Friedrichs gegen den Vater mehr. Einen Thronverzicht, den dieser ihm nahelegt, weiß er aber durch die geschickte Argumentation, er "übergebe sich der Gnade des Königs", abzuwenden.[87] Der Prinz findet sich bereit, von nun an den Befehlen des Vaters zu gehorchen, sich durch den Erwerb praktischer Verwaltungskenntnisse auf sein künftiges königliches Amt vorzubereiten und als Kriegsrat in der Kriegs- und Domänenkammer in Küstrin zu arbeiten. Tatsächlich erwacht während dieser Zeit sein politisches Interesse.[88]

Vor der Flucht hat Friedrich seinen Vater einmal gebeten, er möge den "grausamen Haß" gegen ihn aufgeben:

"Der König. Wer sagt Ihm [Friedrich], daß ich gnädig bin . Er hebt den Stock, rechtzeitig besinnt er sich. Laß Er sich ansehen. Ich will wissen, war Er eigentlich vorstellt: einen Kalbskopf oder vielmehr einen Fuchs.

Friedrich. Sire! Ich hatte Fechtstunde. Das ist alles, und so verbring' ich mein Leben in Eurem schönen Wusterhausen.

Der König. Ist Er nicht preußischer Offizier? Er hätte genug zu tun mit Drill und Dienst. Von meinen Treibjagden drückt Er sich. Was tut Er auf der Welt? Ob Er lebt oder nicht, mein Preußen ignoriert Ihn. Er wird es nicht größer machen.

Friedrich. Gerechter König! Die Väter richten die Söhne. Beide aber erwartet ein höheres Gericht.

Der König ängstlich. Vor dem Thron Gottes. Amen. Wenn es Sein Wille ist, kommst du vor mir hin.

Friedrich. Das könnte wohl geschehen. Die Versuchung naht mir, freiwillig in Gottes Arm zurückzukehren, da ich meinem König so sehr mißfalle.

Der König. Droh' Er mir!

Friedrich. Kniefällig bitte ich Euch, den grausamen Haß fallenzulassen. Außer unbewußten Vergehen hab ich mir keine vorzuwerfen."[89]

Doch der König hat geantwortet, Friedrich sei hoffärtig, recht bauernstolz, nicht populär und habe zu nichts Lust, als seinem eigenen Kopf zu folgen. Nach Kattes Hinrichtung kommt es nicht mehr zu einer solchen gegenseitigen Offenheit. Der König behält seinen Haß und Friedrich seinen Kopf. Die Jugend ist nun vorbei. Seit Kattes Tod klafft ein Bruch in Friedrich. Er hat nun begriffen, was Macht ist, und richtet sich danach, geschmeidig und zäh wie er ist. Er fügt sich der Gewalt, aber nur, um sie zu überlisten. Im Grunde seines Wesens ist er viel zu hochmütig, um an irgend etwas anderes zu glauben als an sich selbst.[90]

"Die grausame Lektion hatte Friedrich endgültig gelehrt, daß er sich unterwerfen mußte. War er bis dahin ein junger Mann, der seine Individualität gegenüber dem autoritären Vater offen verteidigte, so begann er jetzt zu heucheln. Gehorsam mimend, versuchte er, den König zu hintergehen, mit List und Falschheit gegen ihn anzukommen. Das schreckliche Erlebnis seiner Jugend deformierte ihn und brachte Charaktereigenschaften zur Entfaltung, die später jedermann auffielen: Zynismus und Menschenverachtung."[91]

Im November 1731 geht Wilhelmine mit dem Erbprinzen von Bayreuth die Ehe ein. Sie wird hinsichtlich ihrer Vermählung ebenso unter Druck gesetzt wie wenig später der Kronprinz. Diesem hat der Vater die Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, eine Nichte der Kaiserin, ausgesucht. Der inzwischen Zwanzigjährige sträubt sich und schreibt teils verzweifelte, teils frivole Briefe an von Grumbkow. "Was die Prinzessin von Bevern betrifft", so läßt er am 26. Januar 1732 verlauten, "so kann man auf eins rechnen: wenn ich gezwungen werde, sie zu heiraten, werde ich sie verstoßen, sobald ich der Herr bin, und ich glaube, die Kaiserin wäre darüber nicht sehr erbaut. Ich will keine Gans zur Frau haben."[92] Immer noch voller Ablehnung äußert er am 11. Februar: "Lieber wäre mir die größte H... von Berlin als eine Frömmlerin, der ein halbes Dutzend Mucker an den Röcken hängen."[93] Und am 18. faßt er seine Verzweiflung in dem Satz zusammen: "Kurz, lieber will ich sterben als wider Willen heiraten."[94]

Doch es nützt ihm alles nichts. Die 1732 vom Vater erzwungene Verlobung beendet seine Festungshaft. Der Prinz erhält die Führung eines in Neuruppin stehenden Regiments, heiratet 1733 seine Verlobte und lebt von nun an mit Freunden auf Schloß Rheinsberg unweit Ruppins, wo er sich ganz seinen philosophischen, literarischen und künstlerischen Liebhabereien hingibt und einen brieflichen Gedankenaustausch mit geistigen Koryphäen der Zeit, namentlich mit Voltaire, beginnt.[95]

"Jahre des Dienstes [in Küstrin], bis der König seinem Sohn die volle Freiheit wiedergibt. Dann bezieht Friedrich sein eigenes Schloß Rheinsberg, genießt die Gesellschaft von Freunden, treibt Studien und Musik. Es ist eine glückliche Zeit."[96]

Friedrichs heitere Maske verbirgt vielleicht etwas von seiner furchtbaren Jugend. Das mag der Sinn von Rheinsberg sein: Protest gegen die Vergangenheit, Programm für die Zukunft.[97]

"Rheinsberg, jene anmutige Besitzung in der Nähe von Ruppin, mit welcher der Kronprinz nach seiner Vermählung beschenkt worden war, bildete nun den Mittelpunkt seiner Freuden. Hier wurde seine Hofhaltung fürstlich, aber ohne übertriebenen Glanz eingerichtet; hier sammelten sich um ihn die Männer, die ihm vor allen wert waren; hier widmete er die Tage, die er nicht durch Dienstgeschäfte in Anspruch genommen wurde, dem ungestörten Genusse der Wissenschaften und Künste."[98]

Friedrich fängt an, sich mit staatstheoretischen Fragen zu beschäftigen, und entwirft außenpolitische Vorschläge. 1734, während des Polnischen Thronfolgekrieges, stellt er sich schon auf die Übernahme der Regierung für seinen schwer erkrankten Vater ein.

[...]


[1] zitiert nach: Valentin, Veit: Friedrich der Große, Berlin: Erich Reiß Verlag 1927, S. 7

[2] vgl. Mittenzwei, Ingrid: Friedrich II. von Preußen. Eine Biographie, 3., überarb. Aufl., Köln: Pahl-Rugenstein Verlag 1983, S 228f.

[3] vgl. Sheehan, James J.: Der Ausklang des alten Reiches. Deutschland seit dem Ende des Siebenjährigen Krieges bis zur gescheiterten Revolution 1763 bis 1850. In: Propyläen Geschichte Deutschlands, Band 6, Berlin: Propyläen Verlag 1994, S. 57

[4] vgl. Mittenzwei, a.a.O., S. 232

[5] Valentin, a.a.O., S. 130

[6] vgl. Sheehan, a.a.O., S. 57

[7] vgl. Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bänden, Band 6, Wiesbaden: F.A. Brockhaus GmbH 1968 und Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, Band 9, Mannheim: Bibliographisches Institut 1973

[8] vgl. Haupt, Jügen: Nachwort. In: Mann, Heinrich: Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen. Ein Fragment. Der König von Preußen. Ein Essay, Düsseldorf: Claassen Verlag 1986

[9] Bei einem Besuch des Heinrich-Mann-Archivs der Stiftung Archiv der Akademie der Künste in Berlin im Sommer 1998 konnte ich feststellen, daß auch die Friedrich-Biographien von Franz Kugler und Veit Valentin ihren Platz im Bücherschrank Heinrich Manns hatten.

[10] vgl. [N.N.]: Vorwort. In: Mann, Heinrich, a.a.O.

[11] vgl. Haupt, a.a.O.

[12] vgl. [N.N.]: Vorwort. In: Mann, Heinrich, a.a.O.

[13] vgl. Konow, Marei: Heinrich Mann und Friedrich der Große. "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen", "Der König von Preußen" - Studien zur Genesis und Gestaltung des Friedrich-Stoffs bei Heinrich Mann, Heidelberg: Julius Groos Verlag 1993, S. 151

[14] vgl. Konow, a.a.O., S. 55

[15] In dieser Arbeit werden Inhalte des Seminars "Das Spätwerk Heinrich Manns: 'Friedrich'-Fragment, 'Henri-Quatre'-Romane" (Sommersemester 1998) und der Vorlesung "Heinrich und Thomas Mann" (Wintersemester 1998/99) von Prof. Dr. Frithjof Trapp an der Universität Hamburg berücksichtigt.

[16] vgl. Haupt, a.a.O.

[17] Alle in diese Arbeit einfließenden Rezensionen aus dem Jahre 1962 sind im Heinrich-Mann-Archiv der Stiftung Archiv der Akademie der Künste in Berlin zu finden.

[18] s. Kapitel 2.2. Zur Entstehungsgeschichte von Fragment und Essay

[19] Traube, Rolf: Eine sehr traurige Geschichte. Heinrich Mann wider die Fridericus-Legende, "Deutsche Volkszeitung", Düsseldorf: 2. November 1962

[20] Helwig, Werner: Tendenz auf schwachen Krücken, "Die Tat", Zürich: 22. November 1962

[21] Süskind, W. E.: Abschiedsgabe und Essays vor 33. Zu zwei Büchern von Heinrich Mann. Ein funkelndes Fragment, "Deutsche Zeitung und Wirtschaftszeitung", Stuttgart: 11. August 1962

[22] Sieburg, Friedrich: Auch ein Unpolitischer, "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Frankfurt: 11. August 1962

[23] "Hegemann will in seinen erdichteten, belustigend zugespitzten Dialogen nichts Kleineres, als der Legende um Friedrich den Großen ein für allemal ein Ende machen: Politikaster und Kriegspfuscher, Schwätzer und Faulpelz, eitler Dichterling und pervertierter Genießling, geschmackloser Fresser und pathologischer Ausbeuter, Lügner und Verräter, Verächter alles Reinen und Echten, alle Wahrhaftigen und Deutschen: so wird der König entlarvt, über den sich nach Hegemann viele Zeitgenossen völlig klar waren, während sich eine dumme Nachwelt von lakaienhafter Geschichtsschreibung beschwindeln ließ. - So klar auch Hegemann manches einzelne sieht, er irrt im ganzen gründlich, wie nur ein Fanatiker irren kann. Er hat nicht gemerkt, daß Friedrich der Große heute für einen ernsthaften Menschen nur ein Problem geschichtlicher Wissenschaft sein kann, und daß Geschichtsschreibung soviel heißt wie aus gegebenen Voraussetzungen heraus verstehen. [...] Er will uns von falschen Götzen befreien; aber kann man das, wenn man das heroische Götterbild durch eine karikierte Teufelsmaske ersetzt?"

Valentin, a.a.O., S 137f.

[24] Haas, Willy: Heinrich Mann wider Friedrich II., "Die Welt", Berlin: 5. Mai 1962

[25] Paulsen, Wolfgang: [Ohne Titel], Germanistik, 2. Jahrgang, Heft 1, Januar 1961

[26] vgl. Konow, a.a.O., S. 138

[27] vgl. Konow, a.a.O., S. 159-160

[28] Hegemann, Werner: Fridericus oder Das Königsopfer, 4., veränd., erw. Aufl., Hellerau: Jakob Hegner 1926, S. 364

[29] s. Kapitel 6.1. Heinrich Mann als Tiefenpsychologe "avant la lettre"

[30] s. Kapitel 5. Exkurs

[31] Alle nicht anders ausgewiesenen Zitate im Kapitel 3. Der Essay "Der König von Preußen" sind diesem Essay entnommen.

[32] Valentin, a.a.O., S. 86

[33] Hegemann, a.a.O., S. 342

[34] Hegemann, a.a.O., S. 656

[35] Hegemann, a.a.O., S. 453f.

[36] vgl. Konow, a.a.O., S. 130

[37] vgl. Konow, a.a.O., S. 46

[38] Hegemann, a.a.O., S. 502

[39] vgl. Konow, a.a.O., S. 131

[40] Dem Herzen und der Sprache nach bin ich Franzose.

[41] vgl. Konow, a.a.O., S. 142f.

[42] vgl. Konow, a.a.O., S. 128

[43] Hegemann, a.a.O., S. 338

[44] Hegemann, a.a.O., S. 362

[45] Hegemann, a.a.O., S. 356ff.

[46] Sieburg, a.a.O.

[47] Hegemann, a.a.O., S. 130

[48] Hegemann, a.a.O., S. 110

[49] Informationsblatt zur Aufführung von "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen" des Hans Otto Theaters, Potsdam: September 1998

[50] vgl. Konow, a.a.O., S. 150

[51] vgl. Konow, a.a.O., S. 114

[52] Schonauer, Franz: Abschiedsgabe und Essays vor 33. Zu zwei Büchern von Heinrich Mann. Die Diktatur der Vernunft, "Deutsche Zeitung und Wirtschaftszeitung", Stuttgart: 11. August 1962

[53] vgl. Valentin, a.a.O., S. 17

[54] Kugler, a.a.O., S. 28

[55] vgl. Valentin, a.a.O., S. 17

[56] Nietzsche, Friedrich: Geistiger Fridericianismus und die Zucht des Leidens. In: Jenseits von Gut und Böse, 1886. Zitiert nach: Programm zur Aufführung von "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen" des Hans Otto Theaters, Potsdam: September 1998

[57] Der Name von Friedrichs Mutter wird in den Quellen unterschiedlich - sowohl als Sophie Dorothea als auch als Sophie Dorothee - angegeben.

[58] vgl. Mittenzwei, a.a.O., S. 15

[59] Kugler, a.a.O., S. 26

[60] vgl. Valentin, a.a.O., S. 18f.

[61] Mann, Heinrich, a.a.O., 22f.

[62] vgl. Kugler, a.a.O., S. 31f.

[63] Mann, Heinrich, a.a.O., S. 32

[64] Mittenzwei, a.a.O., S. 15

[65] vgl. Brockhaus Enzyklopädie, a.a.O.

[66] Hein, Max: Friedrich der Große. Ein Bild seines Lebens und Schaffens. 2. Aufl. Berlin: 1916, S. 9. Zitiert nach: Mittenzwei, a.a.O., S. 16

[67] Mittenzwei, a.a.O., S. 16

[68] Hegemann, a.a.O., S. 305

[69] Kugler, a.a.O., S. 37f.

[70] vgl. Sheehan, a.a.O., S. 56

[71] Mittenzwei, a.a.O., S. 16f.

[72] in einer schönen Verlegenheit

[73] Mann, Heinrich, a.a.O., S. 51

[74] Kugler, a.a.O., S. 38f.

[75] Valentin, a.a.O., S. 19f.

[76] Mann, Heinrich, a.a.O., S. 125

[77] Mann, Heinrich, a.a.O., S. 73f.

[78] vgl. Mittenzwei, a.a.O., S. 19

[79] Mann, Heinrich, a.a.O., S. 41

[80] Mann, Heinrich, a.a.O., S 127 (Vom Text dieses Absatzes der ”Outline” liegt aus der Feder Heinrich Manns nur eine englischsprachige Fassung vor.)

[81] vgl. Kugler, a.a.O., S. 44

[82] s. Kapitel 4.4.2. Friedrich und die Frauen

[83] Mann, Heinrich, a.a.O., S. 68

[84] vgl. Grundmann, Herbert (Hrsg.): Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, 9., neu bearb. Aufl., Stuttgart: Union Verlag 1970, S. 314

[85] vgl. Mittenzwei, a.a.O., S. 21ff.

[86] Kugler, a.a.O., S. 72

[87] vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, a.a.O.

[88] vgl. Sheehan, a.a.O., S. 56

[89] Mann, Heinrich, a.a.O., S. 56

[90] vgl. Valentin, a.a.O., S. 26

[91] Mittenzwei, a.a.O., S. 23

[92] Hein, Max (Hrsg.): Briefe Friedrichs des Großen, deutsch von Friedrich von Oppeln-Bronikowski und Eberhard König, Bd. 1, Berlin: 1914, S. 28. Zitiert nach: Mittenzwei, a.a.O., S. 25

[93] Hein (Hrsg.), a.a.O., S. 31. Zitiert nach: Mittenzwei, a.a.O., S. 25

[94] Hein (Hrsg.), a.a.O., S. 33. Zitiert nach: Mittenzwei, a.a.O., S. 25

[95] vgl. Der große Ploetz. Auszug aus der Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. 31. aktual. Aufl., Freiburg / Würzburg: Verlag Ploetz 1991, S. 656

[96] Mann, Heinrich, a.a.O., S. 129

[97] vgl. Valentin, a.a.O., S. 38

[98] Kugler, a.a.O., S. 100

Details

Seiten
110
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638100014
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Literaturwissenschaftliches Seminar
Note
1,85
Schlagworte
Friedrich-Fragment Heinrich Manns Essay

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Titel: Das Friedrich-Fragment Heinrich Manns und sein Essay