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Der Gruppenprozess in der Klasse

von Stefan Scherer (Autor) Christian Schick (Autor) Markus Schröder (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 20 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Problemstellung:

2. Theoretischer und historischer Hintergrund
2.1. Ursprünge:
2.2. Merkmale zeitgemäßer Gruppendynamik
2.3. Gruppen in Gruppenprozessen

3. Beschreibung der Handlung in Kleingruppen
3.1. Dimensionen für die Handlungsanalyse
3.2. Handlungsmuster
3.3. Topic und Issue

4. Modelle der Gruppenentwicklung
4.1. Fünfstufenmodell aus Hovelynck / Auweele (1999)

5. Einwände zum Modell

6. Zusammenfassung und Diskussion.

1. Einleitung und Problemstellung:

Die vorliegende Hausarbeit zum Thema „Der Gruppenprozess in der Klasse“ ist in dem Seminar „Psychologische Aspekte des Schulsports“ dem dritten Themenblock Sport aus Lehrersicht zuzuordnen und ist innerhalb dieses Blocks das zweite Thema nach der Darstellung der „Sozialen Interaktion und Kommunikation im Sportunterricht“. Ziel dieser Hausarbeit ist es nun die theoretischen Grundlagen von Gruppendynamik und deren Forschung aufzuzeigen und anschließend anhand von zwei Modellen den Bezug zur Praxis für den Sportlehrer herzustellen. Basisliteratur dieser Arbeit ist zunächst der Text von Hovelynck / Auweele (1999) und Middendorp, Kowarz, Burzler (2003). Zusätzlich soll im weiteren Verlauf der Arbeit auch noch auf andere vergleichende Literatur eingegangen werden.

Als Einstieg in das Thema und als roter Faden für die Hausarbeit soll nachstehende Leitfrage dienen:

Welche Entwicklungsstufen führen zu einer funktionierenden Klasse?

Die folgende Aussage von D. Lancy (1978), „A classroom is like all other classrooms! A classroom is like some other classrooms! A classroom is like no other classroom!” verdeutlicht die Komplexität von Schulklassen. Um eine Klasse optimal zu fördern / formen, sollte ein Lehrer dafür sorgen, dass sich die Gruppe körperlich und sozial weiterentwickelt. Daraus ergibt sich, dass Gruppenentwicklung integraler Bestandteil des Lehrens ist. Nach Verhaeghe (1994) bedeutet Lehren Koordination einer Klasse und umgekehrt. Jeder Lehrprozess des Lehrers führt auch zu einem Lernprozess beim Schüler, dieser Lernprozess beeinfluss umgekehrt aber auch den Lehrprozess. Gruppendynamische Prozesse lassen sich an Modellen, die auf diesem Prinzip beruhen, verdeutlichen. Unsere Modelle basieren auf vier verwandten Ebenen:

- Thema,
- Streitfrage / Ansicht,
- interne Struktur,
- Beziehung zum Gruppenführer (z.B. Lehrer).

Diese Ebenen werden später noch genauer erläutert.

2. Theoretischer und historischer Hintergrund

In diesem Kapitel soll nun zum einen der Begriff Gruppendynamik definiert, zum anderen die Forschungsursprünge, die Merkmale zeitgemäßer Gruppendynamik und Gruppen in Gruppenprozessen dargestellt werden.

Hovelynck / Auweele (1999) definieren Gruppendynamik auf Seite 407 als „die Untersuchung über menschliches Verhalten in kleinen Gruppen.“

Wie die Auswahl der beiden nun folgenden Definitionen zeigt, kann gesagt werden, dass der Begriff der Gruppendynamik sehr unterschiedlich definiert werden kann. Somit bezeichnet Thomas (1995, S. 250) „die dynamischen Vorgänge bei der Entwicklung und Veränderung von Gruppen und die damit zusammenhängenden Einstellungsänderungen des einzelnen zur Gruppe“ als Gruppendynamik. Dagegen spricht Ulich (1971) nicht direkt von einer klaren Definition, sondern nennt mehrere Grundbegriffe, die für die Gruppendynamik notwendig sind, weil es „Probleme bei der Verwendung exakter Begriffe gibt (S. 25).“ Am Beginn der Gruppenbildung steht das Handeln (wenn sich zwei Personen zunächst getrennt und dann nebeneinander mit ihrer Umwelt auseinander setzen). Bezieht sich das Handeln aufeinander (= Interaktion), so ist der erste Schritt zur Gruppenbildung getan. Daraus können dann soziale Beziehungen entstehen. Aus diesen sogenanntren Zuständen entwickeln sich nach Verfestigung von Beziehungsstrukturen und durch gemeinsame Normen letztendlich Gebilde (=Gruppen).

2.1. Ursprünge:

Federführend in der Begründung und Entwicklung von Gruppenuntersuchungen und ihren Prozessen waren die beiden Wissenschaftler Kurt Lewin und Wilfred Ruprecht Bion.

Kurt LEWIN (1890 – 1947) war deutsch- amerikanischer Psychologe. Er studierte an den Universitäten Freiburg i. Breisgau, München und Berlin. Ab 1921 erhielt er einen Lehrstuhl an der Berliner Universität und leistete einen wichtigen Beitrag zur Gestaltpsychologie. 1933 emigrierte er in die USA und wurde 1944 Direktor des Research Centre for Group Dynamics am Massachusetts Institute of Technology. Dort war er führend in der Untersuchung von Gruppenprozessen.

Sein Grundgedanke war der Versuch einen sozialen Wandel herbeizuführen, indem er die Resozialisierung von kriegsgeschädigten Menschen vorantrieb. Anhand seiner Forschung mit diesen „War- torn populations“ (Hovelynck / Auweele 1999, S. 407) vermutete er, dass sich Gruppenverhalten auf Individualverhalten auswirkt.

Wilfred Ruprecht BION (1897 – 1979) war ein britischer Psycho-Analytiker. Er wurde in Indien geboren und absolvierte seine Ausbildung in Großbritannien. Er studierte am Queen’s College in Oxford Geschichte und an der Universität London Medizin. Zusätzlich entwickelte er großes Interesse an der Psychoanalyse, woraufhin er später in der Psychiatrie und Rehabilitation arbeitete. Er vertrat die Ansicht, dass gesellschaftliche Probleme auf Beziehungsunfähigkeit beruhen. Deshalb arbeitete er mit seinen Patienten in interaktiven Gruppen.

Die Zusammenarbeit von BION und LEWIN war somit der Ursprung der gruppendynamischen Untersuchungen.

2.2. Merkmale zeitgemäßer Gruppendynamik

Kennzeichnend für die Untersuchungen von gruppendynamischen Prozessen war und ist, dass sie immer praxisorientierten Bezug hatten. Schon seit den Anfängen der Gruppenuntersuchungen unterscheidet man zwischen einer Aufgabenebene und einer sozialen Ebene. Hierbei steht auf der Aufgabenebene die (Aus-) Bildung im Vordergrund, d.h. die Arbeit mit Gruppen geschieht um der Erziehung Willen. Ein Teilziel ist hierbei die soziale Entwicklung.

2.3. Gruppen in Gruppenprozessen

Grundlage für diesen Abschnitt ist die Unterscheidung zwischen einer Gruppe und einer Mannschaft (Synonym: Team), sowie die Zuordnung einer Schulklasse in diese Kategorien.

Die Basis für eine Gruppe nach LEWIN ist:

- gegenseitige Abhängigkeit und das Bewusstsein der Gruppenmitglieder darüber.

Andere Definitionen besagen, dass:

- Eine Gruppe nur bei einem gemeinsamen Ziel existiert.
- Bei anderen Autoren ein gemeinsames Ziel keine hinreichende Voraussetzung für eine Gruppe ist.

Als Konsequenz daraus wird die Basis eines Teams wie folgt charakterisiert:

„The basis for a team is interdependence and a common goal.“ (aus: Hovelynck / Auweele. S. 409) Die gegenseitige Abhängigkeit resultiert dabei daraus, individuelle Ziele zu erreichen. Z. B. hat in jeder Mannschaft jeder Spieler auch eigene Ziele, die er durch die Mannschaft erreichen will. Das gemeinsame Ziel definiert jedoch den Unterschied zwischen einem Team und einer Gruppe.

Normalerweise beschäftigen sich Gruppenprozesse mit Kleingruppen, die auf Grund der Gruppengröße einen sogenannten „face- to- face contact“ (Hovelynck / Auweele. S. 409) ermöglichen. D.h., die Gruppenmitglieder müssen untereinander jeder mit jedem Kontakt haben können. Schulklassen werden hiernach trotz steigender Schülerzahlen als Kleingruppen angesehen, weil der „face- to- face contact“ und auch die gegenseitige Abhängigkeit gegeben ist.

Als Hauptziel der Gruppenuntersuchungen soll mit den Unterscheidungen zwischen Team und Gruppe auch die persönlichen und die Beziehungsaspekte der Handlungen besser verständlich gemacht werden.

3. Beschreibung der Handlung in Kleingruppen

Hier soll nun versucht werden die Handlungsweisen von Gruppen zu erfassen.

3.1. Dimensionen für die Handlungsanalyse

Es gibt nach Hovelynck / Auweele (1999) fünf verschiedene Dimensionen, die helfen sollen die Position der Gruppenmitglieder untereinander in der Gruppe darzustellen. Im Seminar sollten die Seminarteilnehmer versuchen die Dimensionen zeichnerisch zu illustrieren. Die Skizzen werden zu den jeweiligen Definitionen der Dimensionen hinzugefügt:

- In - Out Dimension: hierbei geht es um die Frage, ob eine Person Teil der Gruppe oder Außenseiter ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Große Kreis symbolisiert die Gruppe mit den dazugehörigen Mitgliedern. Der kleine Kreis außerhalb symbolisiert den Außenseiter.

- Up – Down Dimension: beschreibt den Einfluss der Mitglieder innerhalb der Gruppe (ist jemand Leader oder „nur“ Mitläufer).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Innerhalb der Gruppe sind bestimmte Hierarchien zu erkennen, die anhand der Treppe dargestellt sind. Der Kreis auf der obersten Stufe ist der Leader, die anderen Mitglieder haben weniger Einfluss, sind somit nur Mitläufer. Theoretisch können auch auf einer Stufe mehrere Mitglieder stehen.

- Close – Far Dimension: zeigt die Verbindung der Mitglieder zueinander, d.h. wer mit wem kommuniziert und wie eng die Beziehung zwischen zwei Mitgliedern ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die beiden linken Kreise zeigen eine enge Beziehung zwischen den Gruppenmitgliedern. Der rechte Kreis steht in einer entfernteren Beziehung zu den Anderen. Die Nähe zwischen zwei Mitgliedern sagt nichts über die Qualität der Beziehung aus, eine enge Beziehung kann genauso auch destruktiv sein.

- With – Against Dimension: wird oft mit der Close – Far Dimension verwechselt. Sie beschriebt jedoch nur die Qualität der Beziehung zwischen zwei Mitgliedern (unterstützend, übereinstimmend, Spaß, aber auch Kritik, Ärger, oder Sarkasmus).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser Abbindung wird nur die Qualität der Beziehung der Mitglieder untereinander dargestellt. Die Entfernung der Kreise sagt nichts über die enge der Beziehung aus. Positive Beziehungen werden durch ein „+“, negative durch ein „-“ dargestellt.

- Forward – Backward Dimension: gibt Auskunft darüber, wer welchen Beitrag zur Entwicklung der Gruppe leistet. Die Mitglieder können eine Gruppe bremsen (durch destruktives Verhalten), oder voranbringen (durch Einsatz).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die beiden oberen Mitglieder bringen durch ihr Verhalten die Gruppe nach vorne (Pfeil in Richtung „+“), während das untere Mitglied durch sein Verhalten die Entwicklung der Gruppe bremst (Pfeil in Richtung „-“).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638624008
ISBN (Buch)
9783638768948
Dateigröße
874 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70062
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Fachbereich Sport
Note
1,3
Schlagworte
Gruppenprozess Klasse Hauptseminar Sportpsychologie Aspekte Schulsports“

Autoren

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Titel: Der Gruppenprozess in der Klasse