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Der Gaullismus

Seminararbeit 2005 13 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

i.) Einleitung

ii.) Dimensionen des Gaullismus
ii.a. Philosophie des Gaullismus
ii.b. politische Doktrin des Gaullismus

iii.) Perioden des Gaullismus

iv.) historischer Gaullismus (1940-1946)
iv.a.) Legitimitätsfrage

v.) Gaullismus in der Opposition (1946-1958)

vi.) Gaullismus an der Macht (1958-1968)
vi.a. Die Verfassung von 1958
vi.b. Algerienpolitik
vi.c. Die Krise von 1962 und die Wahlrechtsreform
vi.d. Wirtschaftspolitik
vi.e. Außenpolitik
vi.f. Die Präsidentschaftswahlen von 1965
vi.g. Die Krise von Mai 1968 und das Ende der gaullistischen Republik

vii.) Gaullismus nach de Gaulle (1969-

viii.) CONCLUSIO

xix.) BIBLIOGRAPHIE

POUR LA FRANCE [1]
POUR LA REPUBLIQUE
J'EN APPELLE A VOUS
FRANÇAISES, FRANÇAIS !

La route de la France longe l'abîme. Mais ses guides chancellent à chaque pas. C'est assez ! Pour conduire la nation, il faut un Etat juste et fort

(…)

J'en appelle à vous tous, Français, Françaises ! Aujourd'hui devant la menace, comme hier dans le drame de la guerre, il faut pour le salut de la France, le RASSEMBLEMENT DU PEUPLE FRANÇAIS !

Charles de GAULLE

i.) Einleitung

De Gaulle ist Frankreich und stark mit der französischen Identität und dem französischen Kollektivgedächtnis verbunden. Vieles erinnert an ihn und an die Tatsache, dass de Gaulle bereits zu Lebzeiten über ein sehr großes politisches und soziales Prestige verfügte- Denkmäler; Straßen, der größte Flughafen von Paris, Kriegsschiffe werden nach ihm benannt; heute identifizieren sich nicht wenige Politiker Frankreichs mit dem General de Gaulle und bekennen sich zum Gaullismus.

De Gaulle als Befreier Frankreichs ist vielen ein Begriff, de Gaulle als Politiker ebenfalls. Heute hat man das Gefühl, wenn man in Frankreich ist, einen wahrhaftigen Boom um die Persönlichkeit des Generals de Gaulle zu erleben.

Doch was bedeutet „Gaullismus“? Ist es eine Philosophie, eine historische oder politische Dimension? Wofür tritt er ein und kann es einen Gaullismus ohne de Gaulle geben?

Zweck dieser Arbeit wird es nun sein, diesen Fragen nachzugehen sowie nicht zuletzt zu versuchen, diesen weitläufigen Begriff mit Substanz zu füllen und ihm eine Gestalt, ein nachvollziehbares Antlitz, zu geben, auch wenn es im Rahmen dieser Arbeit nur zu einer schematischen Skizzierung dieses umfangreichen Begriffes kommen wird.

Die Periodeneinteilung des Gaullismus berücksichtigend, werde ich hierbei jeweils eine kurze Erläuterung geben, um mich dann aber vor allem auf die Zeit der Präsidentschaft des Generals de Gaulle zu konzentrieren, weil ich einerseits der Meinung bin, dass diese Periode am besten als Beispiel für die Erläuterung der Werte, für die der Gaullismus eintritt, dient, und andererseits eine umfassendere Behandlung des Themas den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

ii.) Dimensionen des Gaullismus

Was versteht man unter Gaullismus? Der Gaullismus ist eine politische Bewegung, deren zentraler Angelpunkt die Persönlichkeit des Generals de Gaulle, mit ihrem politischen und sozialen Prestige, darstellt[2].

Dabei weist der Gaullismus eine historische, politische und philosophische Dimension auf.[3]

ii.a. Philosophie des Gaullismus

Als Philosophie tritt der Gaullismus für solche Werte, wie für den Voluntarismus, für die Aktion und für die Wahrung der höheren Legitimität gegenüber der Legalität, ein.[4]

Hierzu stellt sich für den Gaullismus die Schlüsselfrage: Was ist legitim und was ist es nicht?

André Malraux oder etwa Maurice Druon haben diese Werte der gaullistischen Philosophie vertreten.

ii.b. politische Doktrin des Gaullismus

Man könnte einige politische Prinzipien eruieren, deren Durchsetzung ein großes Anliegen der gaullistischen Politik waren: innenpolitisch ist einerseits das Bestreben beispielgebend, die Institutionen der V. Republik zu stärken, um somit einen starken Staat zu bilden (z.B.: das Parlament /Asemblée Nationale im Vergleich zum Senat zu stärken), andererseits das Projekt der Zentralisierung (>> macro- participation).

Der Gaullismus ist des weiteren bestrebt, die Position und politische Macht des Staatsoberhauptes im Vergleich zu der des Parlaments zu stärken; darüber hinaus wird den politischen Parteien eine geringere Rolle als politische Mitspieler zuerkannt und in diesem Zusammenhang vor allem auf den direkten Dialog Staatsoberhaupt-Volk mittels Volksabstimmungen, d.h. auf die direkte Demokratie nach dem Modell der Schweiz, gesetzt.

Was die Vorstellungen der Wirtschafts- und Sozialpolitik des Gaullismus betrifft, so wurde hier als Gangart ein so genannter dritter Weg (>> troisi è me voie) eingeschlagen, d.h. weder Kapitalismus, noch Marxismus, sondern Ausbau des Dialogs bzw. der Partnerschaft zwischen den Investoren und den Gewerkschaften (Arbeitnehmern). Weiters spielt der Staat eine regulierende Rolle in der Wirtschaft und wichtige Sektoren- etwa der der Industrie- bleiben unter staatlicher Kontrolle. Hierzu wäre die Erwähnung des Begriffs sozialer und wirtschaftlicher Pragmatismus von Bedeutung, in dessen Rahmen die nationale Wirtschaft nicht an eine fremde Währung (etwa den Dollar) gekoppelt werden sollte und nicht völlig der freien Marktwirtschaft unterworfen werden sollte, sondern bis zu einem Grad auch vom Staat mitgelenkt werden sollte.[5]

Außenpolitisch sind im gaullistischen Vokabular solche Begriffe wie „ republikanischer und europäischer Nationalismus“ (>> nationalisme républicain et européen) oder „ dritter Weg in der Außenpolitik“ (>> toisième voie internationale) anzutreffen. Ähnlich wie in der Wirtschafts- oder Sozialpolitik sucht der Gaullismus einen dritten internationalen Weg, d.h. vertritt der Gaullismus die Idee eines starken Frankreichs, das sich weder unter den Einfluss der U.S.A., noch dem der Sowjetunion begibt, sondern eine dritte Macht zwischen diesen Blöcken bildet. Der Gaullismus ist bemüht, auch in der Außenpolitik, ein Gleichgewicht der Mächteverlagerung herzustellen, etwa in der Bestrebung, eine Konföderation der europäischen Staaten ins Leben zu rufen (>> Europe des patries), die unabhängig von den Mächten U.S.A. und UdSSR agieren sollte. Als beispielhafter Schritt in diese Richtung ist die unter dem General de Gaulle vollzogene Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich zu sehen.

Außerdem tritt der Gaullismus außenpolitisch für die Dekolonisation ein.[6]

iii.) Perioden des Gaullismus

Man könnte diachronisch den Gaullismus in vier Perioden einteilen:[7]

1. 1940-1946: historischer Gaullismus (>> Gaullisme historique oder Gaullisme de guerre)
2. 1946-1958: Gaullismus in der Opposition (>> traversée du desert)
3. 1958-1969: Gaullismus an der Macht (>> Gaullisme au pouvoir)
4. nach 1969: Gaullismus nach de Gaulle (>> Gaullisme sans de Gaulle)

iv.) historischer Gaullismus (1940-1946)

In dieser Periode spielt der Gaullismus weniger die Rolle einer politischen Bewegung, sondern mehr jene einer nationalen Befreiungsbewegung gegen den Faschismus (>> Résistance). Der größte Verdienst des Gaullismus und speziell des Generals de Gaulle zu dieser Zeit ist die Bildung einer politischen Vertretung Frankreichs im Ausland, die von den Alliierten als kämpfende Kraft gegen Hitler-Deutschland anerkannt wurde. Nach der Bildung der „Bewegung für ein freies Frankreich“ (>> Comité français de Libération nationale /CFLN), aus dem 1944 die provisorische Regierung der Republik Frankreich (>> Gouvernement provisoire de la République française) hervorgehen wird, hat der General de Gaulle es erreicht, dass Frankreich am 8. Mai 1945 auf Seiten der Sieger stand.[8]

[...]


[1] Auszug aus einem Wahlkampfplakat der R.P.F. (Rassemblement du Peuple Francais), der politischen Bewegung de Gaulles, 1951

[2] Vgl. Polin, C. L`évolution des idées du XVIIIe au XXe siècle [ Cours de Civilisation Française de la Sorbonne, Semestre de Printemps 2003]

[3] Vgl. Lacouture, J.: De Gaulle 1-3, Ed. du Seuil, Paris 1984-86

[4] Vgl. Roussel, E.: De Gaulle, Gallimard 2002

[5] Vgl. dazu auch Yergin, D. et al. Staat oder Markt, Frankfurt/ Main, 1999

[6] Vgl. dazu Lacouture, J.: De Gaulle 1-3, Ed. du Seuil, Paris 1984-86

[7] Vgl. Polin, C. L`évolution des idées du XVIIIe au XXe siècle [ Cours de Civilisation Française de la Sorbonne, Semestre de Printemps 2003]

bzw. Aussage von Loewe, S. im Rahmen des Seminars La Ve République, Wien im WS 2004

[8] Vgl. Bracher, K. F. Zusammenbrunch des Versailler Systems und Zweiter Weltkrieg, S. 125f in: Propyläen-Weltgeschichte, Berlin 1999

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638627726
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70299
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Gaullismus

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