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Erich Kästner als Literat der Zwischenkriegszeit

Hausarbeit 2002 16 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Epochenüberblick - Erich Kästner als Autor der „Neuen Sachlichkeit“

3. Erich Kästner vor dem ersten Weltkrieg

4. Erich Kästner als Literat der Zwischenkriegszeit
4.1 Erich Kästner als Kinderbuchautor
4.2 Gesellschaftskritik anhand von Themenkomplexen

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es Erich Kästners Leben in Bezug zu einem historischen Zeitraum relativ umfassend wiederzugeben. Dieser Zeitraum soll die sog. „Zwischenkriegszeit“ sein, bzw. nach Beendigung des ersten Weltkrieges bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten. Ein historischer Zeitraum kann nicht separat betrachtet werden, weil er aus vorhergegangener Zeit resultiert. Es liegt also der Zeitraum vor, der zwischen zwei Weltkriegen steht. Die Bevölkerung erlebt von 1918 bis 1933 viele Umbrüche auf verschiedenen Ebenen. Eben diesen Umbrüchen wird sich diese Arbeit, immer mit besonderem Augenmerk auf Erich Kästner, widmen.

Bevor die Menschen der Weimarer Republik einander gegenübergestellt werden, ist es nützlich einen ausgewählten literarischen Epochenüberblick voranzustellen, der diejenigen Aspekte, die Erich Kästner direkt betreffen, heraushebt.

Der zweite Teil gibt einen kurzen Überblick über jene Einflüsse, die den jungen Erich Kästner prägen; im Zusammenhang dazu ist es interessant zu untersuchen, inwiefern und welche Moralvorstellungen ihm vorgelebt werden. Seine Mutter spielt in Kästners gesamten Leben eine dominante Rolle, auf diese Mutter/Sohn Beziehung muss also auch Rücksicht genommen werden. Einleitend wird also konstruiert, wie sich Erich Kästners Moralvorstellungen in der Zeit vor und während des ersten Weltkrieges formen.

Welche Schwerpunkte er resultierend in seinem Leben setzt und wie er diese verwirklicht, soll anhand der Zeitspanne von 1918 bis 1933 erfasst werden. Der Schwerpunkt dieser Arbeit beruht also auf diesem dritten Teil.

Chronologisch werden Werke, die Kästner aus unterschiedlichen Motivationen heraus kreiert hat, zitiert und so Thesen belegt, die einen Mann beschreiben, der den ersten Weltkrieg miterlebt hat und sich nun in der Weimarer Republik zurechtfinden muss. Selbst gewählte und auferlegte Umstände zeichnen und charakterisieren Erich Kästner, der dem aufkommenden Faschismus von Anfang an kritisch gegenübersteht.

Die Ursache der negativen Strömungen sieht er in den Moralvorstellung der Menschen. Hier ist zugleich die ständige Blickrichtung seiner Appelle zu finden.

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 hört Kästners Schaffen nicht auf. Der bald verbotene Autor schreibt unter Pseudonym weiter und verlässt zu keinem Zeitpunkt das Land.

Das Ziel dieser Interpretation Erich Kästners als Literat der Zwischenkriegszeit ist es also einen relativ umfassenden Einblick in dessen Person zu der genannten Zeit zu präsentieren.

Indem der historische Kontext Epochen übergreifend, einhergehend die Selbstauffassung des Autors, sowie dessen geistiges und politisches Umfeld, berücksichtigt wird, können Kästners Moralvorstellungen wiedergeben werden.

2. Epochenüberblick - Erich Kästner als Autor der „Neuen Sachlichkeit“

Erich Kästner hat vier entscheidende Epochen der deutschen Geschichte am „eigenen Leib“ erfahren. Die Rezeption seiner Werke sollte im Zusammenhang seiner eigenen Verfassung, die im Bezug zur jeweiligen Epoche und somit seinem eigenen Alter steht, interpretiert werden.

Er gehört zu den Menschen, die schon vor dem ersten Weltkrieg, in den letzten Jahren des Kaiserreiches Eindrücke seiner Umwelt erfahren haben, auf deren Grundlage er seine Einstellungen der Weimarer Republik gegenüber formt.

Die zwanziger Jahre sind auch seine eigenen, als junger Mann erlebt er, wie 1918 die gewohnte Ordnung zusammenbricht und Deutschland unter der Machtergreifung der verschiedenen Parteien auf der einen Seite an Freiheit gewinnt, aber auch unter der Unsicherheit, die einer solchen Umwälzung implizit ist, verliert.

Kästner wird Zeuge der Weltwirtschaftskrise und schließlich der Machtergreifung Hitlers, welche den Nationalsozialismus zur Folge hat.

Erich Kästner macht es sich zur Aufgabe hinzusehen! Er beobachtet und setzt sich mit den Geschehnissen seines Landes auseinander, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

„…, hat sich auch selbst zu der Aufgabe, als Augenzeuge und Zeitgenosse seine Beobachtungen festzuhalten, bekannt und auf die Verwobenheit seiner Biographie in das politische Geschehen öffentlich hingewiesen, …“[1]

Zunächst soll ein Epochenüberblick der Literatur der Weimarer Republik gegeben werden, um auf diesem bzw. teilweise schon währenddessen auf E. Kästners Leben näher einzugehen. Erich Kästner ist als Autor der neuen Sachlichkeit ein Vorläufer seiner Zeit.

Deutschland erkennt unter Druck die Kriegsschuld an. Kolonien und verschiedene Regionen, wie Elsass-Lotringen, fallen an die Siegermächte.

Am 10.1.1920 tritt der Versailler Vertrag in Kraft, die alte Ordnung, welche eine relativ stabile Grundstimmung schuf, bricht zusammen.[2] Die erschöpfte Bevölkerung sehnt sich nach Sicherheit und schafft dem Nationalsozialismus dadurch schließlich einen Raum. Diese grob vereinfachte Darstellung lässt sicherlich Umwälzungen aus, die zum Beispiel durch den Eintritt in den Völkerbund oder die Weltwirtschaftskrise beeinflusst werden, die alle gemeinsam die Diktatur Hitlers möglich machen.

Von den extremen Unruhen wird das „Feld des geistigen Lebens“[3] beeinflusst. Den historischen Zeitraum von 1918 bis 1933 tragen überwiegend zwei literarische Strömungen. Der Expressionismus setzt den Wandel von Statik in Dynamik als erste literarische Strömung nach dem ersten Weltkrieg um. Die starren Grenzen des Kaiserreiches fallen und in der Literaturszene wird die neue Freiheit genutzt um sich vorwiegend in der Literatur Form ungebundener selbst auszudrücken. Nicht nur die Dichtung erlebt eine Erneuerung, sondern auch dessen Basis, die sich in den Lebensauffassungen zeigt. „…, getrieben vom Willen zu einer Erneuerung der Dichtung und des Lebens von Grund auf,…“[4]

Die neue Einstellung wird durch eine ebenfalls revolutionierte Sprache ausgedrückt, die sich von sprachlichen Ausdrucksnormen trennt und weitgehend unabhängig von Grammatik und Füllwörtern besteht.

„ Die Dichtung kann auf die Grammatik grundsätzlich keine Rücksicht nehmen, heißt es bei dem Dramaturgen Lothar Schreyer; teils regierte die entfesselte, an keinerlei Logik gebundene Bilderfolge, teils das geballte, aufs äußerste verdichtete Wort in einem Satzgebilde, aus dem alle Füllwörter verschwunden waren.“[5]

Diese Vereinfachung der Sprache ermöglicht auch gesellschaftlich untergeordneten Gruppen Ausdrucksmöglichkeiten. Der Mensch nimmt sich selbst reflektierender Weise war und stößt in der Szene auf positive Resonanz, die sein Selbstwertgefühl stärkt. So ähnlich drückt Albert Bettex sich aus:

„- die seelische Spannweite des modernen Dichters mächtig ausdehnte und ihm den Mut zum kühnsten, unkonventionellen eigenen Ausdruck stärkte.“[6]

[...]


[1] Doderer, Klaus: Erich Kästner. Lebensphasen-politisches Engagement-literarisches Wirken. Weinheim und München 2002, S. 41 [künftig zitiert als: Doderer]

[2] vgl.: Kinder, Hermann / Hilgemann, Werner: dtv-Atlas Weltgeschichte. Band 2 Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart. 35. Auflage, München 2002, S. 411-416

[3] Bettex, Albert. In: Klein, Wolfgang: Epoche, Stuttgart 1995, S.435 [künftig zitiert als: Bettex]

[4] Bettex, S. 437

[5] Bettex, S. 439

[6] Bettex, S. 440

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638626354
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70325
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Germanistisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Erich Kästner Literat Zwischenkriegszeit Literatur Weltkriegen Thema Erich Kästner

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Titel: Erich Kästner als Literat der Zwischenkriegszeit