Lade Inhalt...

Ursachen und den Folgen von Kommunikationsstörungen. Zielführende Gesprächsstrategien und Kommunikationsmodelle

Zwischenprüfungsarbeit 2004 30 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der menschlichen Kommunikation
2.1. Anatomie einer Nachricht
2.2. Das Organon-Modell nach Bühler
2.3. Die fünf Axiome nach Watzlawick
2.5. Die vier Seiten einer Nachricht

3. Kommunikation verbessern – aber wie?
3.1. Ansatzmöglichkeiten zur Kommunikationsverbesserung
a) am Individuum:
b) an der Art des Miteinanders:
c) an den institutionellen, gesellschaftlichen Bedingungen:
3.2. Explizite und Implizite Botschaften
3.3. Non-verbale Botschaften
3.4. Kongruenz und Inkongruenz
3.4.1 Inkongruenz - Aber warum?

4. Mit vier Ohren empfangen
4.1. Schwierigkeiten bei dem Gebrauch der vier Ohren
4.2. Metamitteilungen
4.3. Verbundenheit und Unabhängigkeit
4.4. Höflichkeit

5. Gesprächsstrategien
5.1. Reaktionen
5.2. Fragen
5.3. Vormachen – Nachahmen

6. Recherche im Internet
6.1. Welche Möglichkeiten gibt es?
6.2. Bewertung des vorhandenen Materials

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Internet

1. Einleitung

Sohn : Was heißt denn 28 durch 7, Papa? Wofür brauch‘ ich das denn?

Vater : Wofür? Wofür? Alles naslang brauchst du das! Stell dir vor, du hast 28 Äpfel, ihr seid 7 Buben und wollt die Äpfel untereinander aufteilen!

Sohn : Wir sind aber nur 4! Der Fips, der Kurt, sein Bruder und ich!

Vater : Dann nehmt ihr halt noch den Erwin, den Gerd und den Henner dazu, dann seid ihr...

Sohn : Der Henner ist blöd. Der kriegt keinen Apfel.

Vater : Na, dann musst du halt sehen, wen du sonst noch auf der Straße triffst.

Mutter : Der Junge geht mir nicht auf die Straße! Der macht jetzt seine Schul-Aufgaben! [... ] [1]

Nicht immer sind Kommunikationsprobleme so offensichtlich wie in dem Text „Die verflixte Rechenaufgabe“ von Otto Waalkes. Aber dennoch treten sie weit häufiger auf, als man vermuten würde.

Diese Arbeit versucht Antworten auf die Frage nach der Entstehung, den Ursachen und den Folgen von Kommunikationsproblemen zu geben. Als Grundlage für das Verständnis dieser Problematik sollen sprachtheoretische Modelle zum Thema Kommunikation nach Watzlawick, Schulz von Thun und Bühler mit erläuternden Beispielen vorgestellt werden.

Daran anschließend beschäftigt sich die Arbeit mit Ursachen und Eigenheiten von sprachtheoretischen Problemen und wie diese zu Kommunikationsstörungen führen können. Der darauf folgende Teil handelt von den Schwierigkeiten mit vierseitigen Nachrichten aus der Position des Empfängers. Diese Teile der Arbeit werden durch eine Vielzahl von Beispielen aus dem alltäglichen Kommunikationsleben veranschaulicht. Daraufhin soll noch kurz auf das Thema Gesprächsstrategien eingegangen werden. Hierbei soll näher beleuchtet werden, wann und zu welchem Zweck Gesprächsstrategien eingesetzt werden und zu welchen Problemen es dabei kommen kann. Abschließend beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage nach den Informations-beschaffungsmöglichkeiten zu dieser Thematik im Internet. Dazu sollen verschiedene Seiten vorgestellt und abschließend die Qualität des vorhandenen Materials bewertet werden.

2. Grundlagen der menschlichen Kommunikation

Schulz von Thun teilt die Nachricht auf vier Seiten auf und unterscheidet hierbei in Sachinhalt, Selbstoffenbarungs-, Beziehungs- und Appellaspekt. Er selbst bezeichnet diese vier Seiten einer Nachricht als die „Anatomie“[2] von Kommunikation, was beweist, wie grundlegend diese Aufteilung für ihn ist. Im folgenden Teil soll diese Anatomie der Nachricht kurz vorgestellt und eingeführt werden.

2.1. Anatomie einer Nachricht

a) Sachinhalt – Worüber informiere ich? Wie kann ich Sachverhalte klar und verständlich mitteilen?

b) Antworten auch diese Fragen bietet das Hamburger Verständlichkeitskonzept, das die Nachricht auf die folgenden vier Beurteilungskriterien hin untersucht:

- Einfachheit in der sprachlichen Formulierung
- Gliederung, Ordnung im Aufbau des Textes
- Kürze, Prägnanz – statt weitschweifiger Ausführlichkeit
- Zusätzliche Stimulanz in Form von anregenden Stilmitteln

Der Sachinhalt einer Nachricht gibt dem Empfänger Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt oder Thema und bildet demnach den Grundstock einer funktionierenden Kommunikation.

c) Beziehungsaspekt – Wie behandle ich meinen Mitmenschen durch die Art meiner Kommunikation?

Durch die Art jemanden anzusprechen bringe ich zum Ausdruck, was ich von ihm halte: Respekt, Akzeptanz, Ablehnung, Bevormundung, usw.

Auch der Beziehungsaspekt einer Nachricht darf nicht unterschätzt werden. Er reguliert wichtige zwischenmenschliche Bedürfnisse und Prozesse und ist häufig Grund für den Beginn einer Kommunikation.

d) Selbstoffenbarungsaspekt - Jede Nachricht enthält auch einen Einblick in die Persönlichkeit und beinhaltet das Thema „Echtheit – Authentizität“

Der Selbstoffenbarungsaspekt bringt den Sender selbst in die Nachricht mit ein. Dies macht ihn ebenfalls unverzichtbar für eine funktionierende, persönlichkeitsnahe Kommunikation.

e) Appellaspekt: Wenn ein Mensch etwas sagt, will er damit meist auch etwas bewirken. Dieser Aspekt beinhaltet aber auch das Problem von Einfluss und Manipulation, wie sie beispielsweise in der Werbung, Propaganda, der Erziehung und dem Unterricht stattfinden kann.[3]

Auch der Appellaspekt nimmt eine wichtige Position in der menschlichen Kommunikation ein. Er führt dazu, dass durch Gespräche Ergebnisse entstehen.

Die Nachricht ist demnach ein quadratisches Gebilde, in dessen Mitte die Nachricht selber steht. An den vier Seiten sind jedoch die eben beschriebenen Aspekte: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell angebracht. Mit dieser Vierseitigkeit erweitert Schulz von Thun des Kommunikationsmodell von Bühler, welches aus den drei Seiten Symbol, Symptom und Appell besteht, um eine weitere Seite.

2.2 Das Organon-Modell nach Bühler

Karl Bühler (1879-1963) war Mediziner, Psychologe und Philosoph. Er beschäftigte sich mit der Sprachtheorie, wobei ihn Platon stark beeinflusste. Platon fasste Sprache als Werkzeug, also als organon, auf. Auf der Basis dieser Idee entwickelte Bühler das Grundmodell der Kommunikation:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Mittelpunkt steht das Zeichen, in diesem Zusammenhang demnach das Sprachzeichen. Dieses Dreieck wird von den drei Elementen Sender, Empfänger und Gegenstände und Sachverhalte umgeben. Es gibt drei Dimensionen des sprachlichen Zeichens. In erster Linie ist das sprachliche Zeichen ein Symbol, mit dessen Hilfe Gegenstände und Sachverhalte dargestellt werden können. Das Symbol bei Bühler entspricht in etwa der Sachebene in dem Nachrichtenquadrat nach Schulz von Thun, was die enge geistige Verwandtschaft beider Sprachwissenschaftler zeigt.

Durch die Abhängigkeit vom Sender ist das Zeichen auch Symptom. Das heißt, dass Bühler den Ausdruck einer Nachricht nach der Ausdrucksmethode des Senders bewertet. Dies ist eine deutliche Parallele zwischen Bühler und Schulz von Thun, der ebenfalls davon ausgeht, dass sich der Sender durch eine Nachricht selbst offenbart. Er widmet diesem Teil ebenfalls eine komplette Seite in seinem Nachrichten-Quadrat.

Durch die Appellfunktion ist das Zeichen nach Bühler aber auch ein Signal. Ähnlich wie bei Schulz von Thun geht Bühler davon aus, dass der Sender mittels seiner Nachricht den Empfänger in irgendeiner Form zu beeinflussen versucht. Schulz von Thun nennt dies die Appellebene einer Nachricht und widmet dieser ebenfalls eine Seite in seinem Kommunikations-Quadrat.

Man kann also davon sprechen, dass Schulz von Thun dem Organonmodell nach Bühler die Beziehungsebene hinzugefügt hat, die bei Bühler zwar ebenfalls berücksichtigt wird, aber im Modellvergleich keinen gleichwertigen Stellenwert einnimmt.[4]

Das „Modellstück der zwischenmenschlichen Kommunikation“, wie Schulz von Thun die vier Seiten der Nachricht selber bezeichnet, kombiniert die Sichtweise von Bühler und Watzlawick.[5]

2.3. Die fünf Axiome nach Watzlawick

Der Entwickler des Kommunikationsmodells mit dem Titel „Axiome der Kommunikation“ heißt Paul Watzlawick und ist 1921 in Villach geboren.

In seinem ersten Axiom geht es um die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren. Zunächst teilt er den Begriff Kommunikation in zwei Arten ein. Unter der ersten Bedeutung ist eine uneingegrenzte Verhaltenseinheit zu verstehen.

Für die zweite Bedeutung, die allgemeine pragmatische Sachverhalte betrifft, soll der Begriff der Kommunikation beibehalten werden. Hier unterscheidet Watzlawick zusätzlich zwischen einer einzelnen Kommunikation, die als Mitteilung bezeichnet wird, und einer wechselseitigen Kommunikation, die Interaktion heißt. Weiterhin erklärt der Autor, dass Kommunikation nach seinem Verständnis gleichzusetzen mit Verhalten ist. Der Kommunizierende nutzt demnach für den Ausdruck nicht nur Worte, sondern u. a. auch seine Gestik, Mimik und Tonierung. Schweigen oder Nichthandeln besitzen also ebenfalls einen Mitteilungscharakter, was bei Schulz von Thun ebenfalls in dem Abschnitt über die non-verbale Kommunikation erläutert wird. Der Mitteilungscharakter hängt nicht davon ab, ob die Kommunikation absichtlich oder unbewusst betrieben wird.[6]

In Watzlawicks zweitem Axiom geht es um die Trennung der Kommunikation in die Inhalts- und Bezugebene. Jede Kommunikation hat also einen informativen Inhaltsaspekt und einen persönlichen Beziehungsaspekt, der die Beziehung zwischen Sender und Empfänger definiert. Auch hier sind deutlich die Parallelen zwischen den Theorien von Schulz von Thun und Watzlawick zu sehen. Denn beide sehen verschiede Ebenen in der Nachricht, wobei Schulz von Thun die beiden Seiten Sach- und Beziehungsaspekt noch um den Selbstoffenbarungs- und Appellaspekt erweitert.

Nach Watzlawick sind die beiden Seiten der Beziehungs- und der Sachebene ebenfalls untrennbar miteinander verbunden.

Das dritte Axiom macht eine Aussage über „die Interpunktion von Ereignisfolgen.“[7] Unter dem Begriff Interpunktion versteht Watzlawick die „grundlegende Eigenschaft der Kommunikation“ und demnach die Besonderheiten jeder Interaktion von Kommunikationsteilnehmern.[8] Menschen, denen die Fähigkeit fehlt, über persönliche Definitionen der Beziehung zu sprechen, geraten häufig in metakommunikative Konflikte. In solchen Situationen betrachten die Kommunikationspartner das Verhalten ihres Gegenübers als Angriff und nicht als Ursache für ihr eigenes Verhalten. Von einer ähnlichen Problematik geht auch Schulz von Thun aus, wenn er von mangelndem vierseitigem Hören berichtet. Von dieser Problematik wird zu einem späteren Zeitpunkt dieser Arbeit noch die Rede sein.

Das vierte Axiom handelt von der „digitalen“ und „anlogen“ Kommunikation.[9] Wenn ein Objekt, beispielsweise ein Foto, zum Gegenstand einer Interaktion wird, so handelt es sich um eine Analogie. Wird es unter einer üblichen arialen Bezeichnung Teil der Kommunikation, so bezeichnet man dies als eine digitale Kommunikation. Die digitale Kommunikation ist ein gültiger, aber austauschbarer Code für den Wechsel von Informationen und erfüllt so die Aufgabe der Vermittlung der beschriebenen Inhaltsebene. Die analoge Kommunikation hat, bedingt durch ihre Dinghaftigkeit, eine allgemeine, nicht austauschbare Gültigkeit in allen Kulturen. Sie erfüllt durch ihre Möglichkeiten in der Gestik und Mimik vor allem den Beziehungsaspekt einer Interaktion. Beide Arten sind ebenfalls untrennbar miteinander verbunden. Die digitale Kommunikation bietet die Möglichkeit abstrakte und schwierige Sachverhalte erklärbar zu machen, während die analoge Kommunikation wesentlich globaler ist.[10]

Im fünften Axiom spricht der Autor von „symmetrischen und komplementären Interaktionen.“[11] Als symmetrisch werden solche Interaktionen bezeichnet, die auf Gleichheit basieren. Die Partner einer Interaktion sind sich in diesem Fall absolut ebenbürtig, was sowohl ihre Stärken als auch Schwächen bei der Kommunikation betrifft. Koplementär hingegen sind solche Interaktionen, die darauf beruhen, dass die Kommunikationspartner unterschiedlich sind und sich ergänzen wollen. In derartigen Beziehungen gibt es eine natürliche Aufteilung der primären und sekundären Stellung. Das liegt daran, dass Kommunikationspartner auf einem bestimmten Gebiet eine größere Kompetenz besitzt.[12]

Das vierte und das fünfte Axiom nach Watzlawick zeigen eher wenige Parallelen zu der Kommunikationstheorie von Schulz von Thun. Zwar spricht er auch von übereinstimmender Kommunikation, aber eher im Zusammenhang mit einer kongruenten Kommunikation, in der der Empfänger auch wirklich das versteht, was der Sender sagen wollte.

2.5. Die vier Seiten einer Nachricht

Das von Schulz von Thun entwickelte Modell zu den vier Seiten einer Nachricht basiert also demnach auch auf den erläuterten Theorien von Bühler und Watzlawick und sieht wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schulz von Thun sagt über die Funktionsweise des Kommunikationsquadrat folgendes aus:

„Es eignet sich sowohl zur Analyse konkreter Mitteilungen und zur Aufdeckung einer Vielzahl von Kommunikationsstörungen als auch zur Gliederung des gesamten Problemfeldes.“[13]

Das von ihm entwickelte Modell lässt sich an zahlreichen Beispielen veranschaulichen. Ein Beispiel des Sprachwissenschaftler ist folgendes:

[...]


[1] Otto Waalkes, „Die verflixte Rechenaufgabe“ , Unterwegs Lesebuch, Klasse 5, Ernst Klett Verlag GmbH, 2. Auflage, Stuttgart 1992

[2] Schulz von Thun, 2001, Miteinander reden 1, S.25

[3] Vgl. Schulz von Thun, 2001, Miteinander reden 1, S.25 ff.

[4] vgl. Bühler, 1965, Sprachtheorie

[5] Vgl. Schulz von Thun, 2001, Miteinander reden 1, S.25 ff.

[6] Watzlawick, Paul, 1969, Axiome der Kommunikation

[7] Watzlawick, Paul, 1969, Axiome der Kommunikation

[8] Watzlawick, Paul, 1969, Axiome der Kommunikation

[9] Watzlawick, Paul, 1969, Axiome der Kommunikation

[10] Watzlawick, Paul, 1969, Axiome der Kommunikation

[11] Watzlawick, Paul, 1969, Axiome der Kommunikation

[12] Watzlawick, Paul, 1969, Axiome der Kommunikation

[13] Vgl. Schulz von Thun, 2001, Miteinander reden 1, S.15

Details

Seiten
30
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638627917
ISBN (Buch)
9783638674256
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70390
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Universität Essen
Note
2,0
Schlagworte
Kommunikationsmodelle Grundlagen Gesprächsstrategien Konflikte Recherche Internet Linguistik

Autor

Zurück

Titel: Ursachen und den Folgen von Kommunikationsstörungen.  Zielführende Gesprächsstrategien und Kommunikationsmodelle