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Verhaltensdispositionen älterer Arbeitnehmer im Zeichen des demografischen Wandels

Diplomarbeit 2007 101 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. THEORETISCHER TEIL
1. Einführung in den Untersuchungsgegenstand
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Demografischer Wandel in der Bundesrepublik Deutschland
2.1.1 Zur Genese der demografischen Entwicklung
2.1.1.1 Fertilität
2.1.1.2 Mortalität
2.1.1.3 Wanderungsgewinne
2.1.1.4 Ergebnis
2.1.2 Veränderung der Altersstruktur
2.1.3 Konsequenzen des demografischen Wandels
2.1.3.1 Wirtschaftsunternehmen
2.1.3.2 Erwerbspersonenpotenzial
2.1.3.3 Erwerbsgesellschaft
2.1.3.4 Arbeitsmärkte
2.1.3.5 Grafische Zusammenfassung
2.2 Älterer Arbeitnehmer
2.2.1 Globale Definition
2.2.2 Aktuelle Theorien zu älteren Arbeitnehmern
2.2.2.1 Defizitmodell
2.2.2.2 Kompetenzmodell
2.3 Verhaltensdispositionen
3. Verhaltensdispositionen älterer Arbeitnehmer in der Wirtschaft
3.1 Körperliche Leistungsfähigkeit
3.2 Psychische Leistungsfähigkeit
3.3 Verhaltensdispositionen älterer Arbeitnehmer aus der Sicht von Personalverantwortlichen
3.4 Demografieorientierte Personalpolitik?
4. Konzepte der Leistungsmotivation
4.1 Motivation
4.2 Einlösbarkeit von Motivationstheorien im berufsbezogenen Kontext
4.3 Leistung im berufsbezogenen Kontext
4.4 Definition der Leistungsmotivation
4.5 Berufsbezogene Leistungsmotivation
4.6 Leistungsmotivation älterer Erwerbspersonen
5. Schlussfolgerung

B. EMPIRISCHER TEIL
6. Fragestellung
6.1 Theoriebezug
6.2 Zielsetzung der Untersuchung
7. Beschreibung der Untersuchungsgruppen
7.1 Regierungspräsidium Darmstadt
7.2 Sonstige
8. Untersuchungsplan
8.1 Auswahl der Stichprobe
8.2 Abhängige und unabhängige Variable
8.3 Mögliche Störvariablen
8.4 Forschungshypothesen
9. Untersuchungsmaterialien
9.1 Methodisches Vorgehen
9.2 Beschreibung des LMI
9.2.1 Umfang und Dimensionsbeschreibungen
9.2.2 Psychometrische Qualität
9.2.2.1 Objektivität
9.2.2.2 Reliabilität
9.2.2.2.1 Äquivalenz
9.2.2.2.2 Retest-Reliabilität
9.2.2.3 Validität
9.2.2.3.1 Inhaltsvalidität
9.2.2.3.2 Konstruktvalidität
9.2.2.3.3 Kriterienvalidität
9.3 Vollstrukturierter Fragebogen zur Erhebung der äußeren Arbeitsbedingungen
9.3.1 Beschreibung des Verfahrens
9.3.2 Unterteilung des Instrumentes
10. Untersuchungsdurchführung & zeitlicher Ablauf
11. Auswertung
11.1 Statistische Auswertung
11.1.1 Hypothese I
11.1.2 Hypothese II
11.1.3 Hypothese III
11.1.4 Hypothese IV
12. Beschreibung der Stichprobe
12.1 Vorbemerkung
12.2 Übersicht zur Struktur der Stichprobe
12.3 Ergebnisse im Detail
13. Ergebnisse
13.1 Hypothese I
13.2 Hypothese II
13.3 Hypothese III
13.4 Hypothese IV
14. Ergebnisse zur Erhebungsmethode
14.1 Befragung der Projektverantwortlichen
14.2 Ergebnisse der Experteneinschätzung zur Relevanz des Forschungsvorhabens
15. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
15.1 Interpretation & Diskussion
15.1.1 Hypothese I
15.1.2 Hypothese II
15.1.3 Hypothese III
15.1.4 Hypothese IV
15.2 Schlussfolgerung
15.3 Kritik
15.3.1 Zur Untersuchung
15.3.2 offene Fragen
16. Ausblick

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Lebenserwartung Neugeborener seit

Abbildung 2: Altersaufbau 1950 + 2050

Abbildung 3: Altersstrukturen von Erwerbspersonen bis

Abbildung 4: Projektion des Erwerbspersonenpotenzials bis

Abbildung 5: Konsequenzen der demografischen Entwicklung

Abbildung 6: Defizitmodell des Alterns

Abbildung 7: Altersbedingte Veränderung des Kompetenzprofils nach Üpping (1997)

Abbildung 8: Verhaltensdispositionen

Abbildung 9: Eigenschaften Älterer im Vergleich zu jüngeren Beschäftigen

Abbildung 10: Einstellungsverhalten der Personalentscheider

Abbildung 11: Motivationstheorien

Abbildung 12: Instrumente zur Datenerhebung

Abbildung 13: Dimensionen berufsbezogener Leistungsmotivation nach Prochaska und Schuler

Abbildung 14: Zeitlicher Verlauf der Untersuchung

Abbildung 15: Geschlechterverteilung der Stichprobe

Abbildung 16: Altersverteilung der Stichprobe

Abbildung 17: Dauer des derzeitigen Arbeitsverhältnisses

Abbildung 18: Führungsverantwortung

IV. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Alterskorrelierte physiologische Veränderungen

Tabelle 2: Altersklassen zur statistischen Auswertung

Tabelle 3: Kolmogorov-Smirnov Test –Gesamtrohwert LMI-

Tabelle 4: Kolmogorov-Smirnov Test –Motivationsbarrieren-

Tabelle 5: Kolmogorov-Smirnov Test –Sicht der LF-, Selbsteinsch. der <50jähr.-

Tabelle 6: Geschlechterverteilung der Teilstichprobe

Tabelle 7: Altersverteilung der befragten Personen

Tabelle 8: Dauer des derzeitigen Arbeitsverhältnisses

Tabelle 9: Führungsverantwortung

Tabelle 10: Ergebnistabelle Hypothese I

Tabelle 11: Ergebnistabelle Hypothese II

Tabelle 12: Ergebnistabelle Hypothese IV 76

A. Theoretischer Teil

1. Einführung in den Untersuchungsgegenstand

Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die berufsbezogenen Verhaltensdispositionen älterer Mitarbeiter in Wirtschaftsbetrieben und Behörden darzustellen. Ein besonderer Akzent wird hierbei auf das Konstrukt „Leistungsmotivation“ gelegt, das durch eine statistische Erhebung per Fragebogen in Behörden und Wirtschaftsbetrieben gemessen wurde. Ferner werden die Auswirkungen des demografischen Wandels aufgezeigt und verdeutlicht, warum es geboten erscheint, künftig die Belange älterer Arbeitnehmer verstärkt zu berücksichtigen.

Die Veränderung der Altersstruktur in unserer Gesellschaft, hervorgerufen durch den demografischen Wandel, ist historisch gesehen bislang einmalig und bedingt ein flexibles Umdenken in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.

Wirtschaftsunternehmen sind im besonderen Maße von der Veränderung der Altersstruktur ihrer Belegschaft betroffen. So bedingen aktuelle Prognosen über eine stark überproportional wachsende Anzahl älterer Arbeitnehmer die Notwendigkeit der Entwicklung von Integrationsmaßnahmen für die Betriebe. Bedauerlicherweise verhindern negative Stereotype bezüglich der Leistungsbereitschaft und Leitungsmotivation älterer Mitarbeiter in vielen Wirtschaftsunternehmen bis heute den optimalen Einsatz dieser Population.

Die Erhebung erfolgt durch zwei Fragebögen. Zur Aufklärung der Rahmenbedingungen von Leistungsmotivation bzw. -orientierung kommt ein voll strukturierter Fragebogen zum Einsatz. Dieser stützt sich auf ein Messinstrument von Christian Scholz, der damit im Jahr 2002 die Situation älterer Mitarbeiter in deutschen und amerikanischen Unternehmen erhoben hat. Daraus ergeben sich Informationen über die „äußeren Arbeitsbedingungen“ des Arbeitnehmers. Unter äußeren Arbeitsbedingungen sind all die Rahmenbedingungen für Leistung zu verstehen, die sich aus individueller Leistungsmotivation, Arbeitssituation und kulturellen Bedingungen zusammensetzen. Eine Ergänzung des Fragebogens erfolgt über Items, die von Ralf Brinkmann und Kurt H. Stapf als „Rahmenbedingungen zur inneren Kündigung von Mitarbeitern“ bezeichnet werden.

Zur Erfassung der Leistungsmotivation, unter besonderer Berücksichtigung berufsrelevanter Aspekte, dient das „Leistungsmotivationsinventar“ (LMI). Hieraus ergibt sich ein individuelles Profil des Einzelnen über seine „inneren Arbeitsbedingungen.“ Die Einstellungen der älteren Arbeitnehmer zur berufsbezogenen Leistungsmotivation werden mit denen jüngerer Arbeitnehmer verglichen, um so die Unterschiede erkennen und interpretieren zu können.

Hierbei wird aus unterschiedlichen Blickrichtungen der Kernfrage nachgegangen, ob es Unterschiede gibt zwischen der Leistungsmotivation jüngerer und älterer Arbeitnehmer. Gibt es einen Unterschied bei der Leistungsmotivation von älteren Arbeitnehmern mit und ohne Führungsverantwortung? Beeinträchtigt es das Eigenbild und die Leistungsmotivation älterer Mitarbeiter, wenn ihnen von Dritter Seite fehlende Leistungsfähigkeit unterstellt wird? Nehmen ältere Mitarbeiter Motivationsbarrieren stärker wahr als jüngere?

Die erhobenen Daten schaffen somit die Basis für eine offene Diskussion. Ferner können die Ergebnisse als Ausgangspunkt für die Entwicklung, Implementierung und Erprobung strategischer Konzepte zur Personalführung gesehen werden.

2. Begriffsbestimmungen

2.1 Demografischer Wandel in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland gerät die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung immer stärker in den Fokus öffentlicher Betrachtung. Ursache hierfür ist die demografische Entwicklung. Aufgrund aktueller Schätzungen ist von einem weiterhin rasanten Anstieg des Anteils älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung auszugehen (10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung; ebenso Deller & Waszak, 2003, Seite 3).

Der demografische Wandel wird von drei wesentlichen Einflussfaktoren bestimmt, die sowohl biologisch als auch verhaltensbedingt sind. Diese werden nachstehend dargestellt.

Nach Ergebnissen der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder liegen die Ursachen dieser Entwicklung in der Fertilität, Mortalität sowie in Wanderungsgewinnen der Bevölkerung (Statistisches Bundesamt, [STB] 2003).

2.1.1 Zur Genese der demografischen Entwicklung
2.1.1.1 Fertilität

Die Fertilität ergibt sich aus der errechneten durchschnittlichen Kinderzahl, die eine Frau im Laufe ihres Lebens hätte. Für die Bundesrepublik Deutschland errechnet sich eine Geburtenrate von 1,375 Kindern pro Frau. Die Reproduktionsfähigkeit der deutschen Bevölkerung hingegen quantifiziert sich in der so genannten „zusammengefassten Geburtenziffer“. Diese Kennzahl repräsentiert, über die absoluten Zahlen hinaus, die durchschnittliche Anzahl der Kinder, die 1.000 Frauen im Laufe ihres Lebens gebären. Um eine zuverlässige Aussage über die Bevölkerungsentwicklung ableiten zu können, wurde bei der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung von einem konstanten Geburtenentwicklung in Deutschland ausgegangen.

Ferner ergibt sich aus der Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, dass die zusammengefasste Geburtenziffer von 1.400 Kindern pro 1.000 Frauen nicht ausreicht, um eine langfristige Reproduktion der Bevölkerungszahl zu sichern (STB, 2000). Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass im Schnitt 1.000 Frauen 2.100 Kinder gebären müssten um die gegenwärtige Bevölkerungszahl zu sichern.

Aus dem „World Fertility Report 2003“ der Vereinten Nationen geht eine im Vergleich zu anderen Staaten niedrigere Geburtenziffer in der Bundesrepublik Deutschland hervor. Im europäischen Vergleich weisen nur Polen (1.300), Italien (1.200), Spanien (1.200) und Russland (1.100) noch niedrigere zusammengefasste Geburtenziffern als Deutschland auf (Deutsches Institut für Altersvorsorge, 2006).

Ursächlich hierfür ist unter anderem ein gegenüber den vorhergehenden Generationen geändertes Wertebewusstsein der Menschen in Deutschland. Neue gesellschaftliche Werte wie Unabhängigkeit, beruflicher Erfolg und Ehe ohne Kinder finden immer mehr Zustimmung im Bewusstsein der Menschen (Wikipedia Foundation, 2006, Demografische Entwicklung).

Gewerkschaften und Sozialverbände stellen gemeinsam fest, dass Kinder in der Bundesrepublik Deutschland das Armutsrisiko Nummer eins darstellen und im Empfinden vieler junger Familien einer persönlichen Zukunftsperspektive entgegenstehen (Zetsche, 2006).

Die allgemeine Darstellung von Politik und Presse, die demografische Entwicklung in Deutschland sei unveränderbar, wird von Gerd Bosbach widersprochen. Seine Kritik untermauert er mit dem Beispiel Frankreich, wo mit familien- und kinderfreundlicher Politik die Anzahl der Kinder pro Frau für den Zeitraum von 1993 bis 2000 um 14% gesteigert werden konnte (Bosbach, 2004, Seite 4).

2.1.1.2 Mortalität

Ergänzend zur niedrigen Geburtenrate ist in den vergangenen Jahrzehnten die durchschnittliche Sterbewahrscheinlichkeit deutlich gesunken (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) d.h. die durchschnittliche Lebenserwartung ist angestiegen. Nach der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung hat die Abnahme des Sterblichkeitsniveaus der Menschen in Deutschland verschiedene Ursachen (STB, Seite 13).

Der Bericht führt die sinkende Säuglings- und Kindersterblichkeit als wichtige Einflussgröße für eine sich weiter positiv entwickelnde Lebenserwartung der Menschen an. Fortschritte bei der medizinischen Grundversorgung, Ernährung, Hygiene, Arbeitsbedingungen sowie der gestiegene materielle Wohlstand der Bevölkerung führten dazu, dass sich die Lebenserwartung der Menschen in der Bundesrepublik positiv entwickelt hat (STB, ebenda, Seite 14). So nahm die Lebenserwartung eines Neugeborenen als Maß für die Lebensdauer der Menschen seit Ende des 19. Jahrhunderts kontinuierlich zu.

Auch die „durchschnittliche, fernere Lebenserwartung“ ist erkennbar angestiegen. Diese Kennziffer steht bei Personen, die bereits eine bestimmte Altersklasse erreicht haben, für die Darstellung der noch verbleibenden Lebensjahre (STB, ebenda, Seite 14). So kann beispielsweise eine heute 60 Jahre alte Frau mit einer durchschnittlich ferneren Lebenserwartung von 23 Jahren rechnen. Im Jahr 1900 betrug für Frauen die restliche verbleibende Lebenszeit in diesem Alter hingegen bloß 14 Jahre. Auch bei Männern ergaben sich beim Quotienten der verbleibenden Lebensjahre signifikante Zunahmen (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, [BfFSFJ] 2001, Seite 14).

Der dritte Altenbericht stellt einen erheblichen Anstieg Hochbetagter in unserer Gesellschaft fest. So stieg der prozentuale Anteil der Menschen mit einem Alter ab 80 Jahren von 0,5% um 1900 auf über 4% in 2001 (BfFSFJ, ebenda, Seite 14). Diese Entwicklung wird sich bis zum Jahre 2050 mutmaßlich weiter verstetigen, wie von der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung dargestellt.

Ergänzend hierzu verdeutlicht Abbildung 2 die Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung eines neugeborenen Kindes im Längsschnitt, differenziert nach Jungen und Mädchen. Deutlich zeichnet sich in der Abbildung ein Anstieg der Lebenserwartung beider Geschlechter ab: Hatte beispielsweise in den Jahren 1901-1910 ein männlicher Neugeborener eine Lebenserwartung von 44,8 Lebensjahren, so ergab sich in den Jahren 1960-1962 bereits eine Erwartung von 66,9 Lebensjahren. Für den Zeitraum von 1998-2000 hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung auf 74,8 Jahre weiter erhöht. Besonders markant stellt sich die Entwicklung der Lebenserwartung Neugeborener in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar. Die unten aufgeführte Abbildung lässt bei neugeborenen Mädchen die gleiche Entwicklung erkennen.

Abbildung 1

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten](Quelle: Statistisches Bundesamt, 2003, 10. Bevölkerungsvorausberechnung)

Im direkten Vergleich stellt sich heraus, dass die Bevölkerung anderer Staaten eine deutlich höhere Lebensdauer erwarten können als in der Bundesrepublik Deutschland. Danach weisen Jungen beispielsweise in Island, Schweden und der Schweiz sowie Mädchen in Japan, Frankreich, Spanien und Italien eine durchschnittlich höhere Lebenserwartung auf als ihre deutschen Geschlechtsgenossen (STB, 2003, Seite 14).

Zusammengefasst kommt die 10. Bevölkerungsvorausberechnung zu dem Ergebnis, dass die weiter voranschreitende Verbesserung der medizinischen Grundversorgung, eine immer gesündere Ernährungsweise sowie effiziente Sozialsysteme auch in der Zukunft einen weiteren Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung erwarten lassen (STB, 2003, Seite 14).

Den Betrachtungen der 10. Bevölkerungsvorausberechnung werden bezüglich der Entwicklung der künftigen Lebenserwartung unterschiedliche Szenarien zu Grunde gelegt. Unabhängig voneinander kommen alle Szenarios zu dem Ergebnis, dass die jeweils beeinflussenden Determinanten einen weiteren Anstieg der Lebenserwartung erwarten lassen.

Folgende Annahmen werden getroffen:

a) Die in den Nachbarländern Deutschlands bereits erreichte, statistisch höchste Lebenserwartung wird ebenfalls in Deutschland erzielt;
b) Ein leichter Anstieg der bereits erreichten Lebenserwartung ist auch in Deutschland zu erwarten;
c) Die allgemeine Lebenserwartung steigt in der Bundesrepublik Deutschland wie auch dem europäischen Ausland unvermindert weiter an.

2.1.1.3 Wanderungsgewinne

Wanderungsgewinne für die Bevölkerung in Deutschland ergeben sich aus einem positiven Saldo zwischen Zu- und Fortzügen von Ausländern und Deutschen. Diese Kennziffer ist äußerst volatil und entgegen der Geburtenhäufigkeit und der Lebenserwartung aus keinem bisherigen Trend ableitbar.

Der Saldo zwischen Zu- und Fortzügen ergibt sich aus verschiedenen Bestimmungsfaktoren. Zum einen hängt er von der gegenwärtigen Migrationspolitik der Bundesregierung ab, zum anderen von der demografischen, wirtschaftlichen und ökologischen Entwicklung der Herkunftsländer der Migranten. Außerdem haben soziale sowie wirtschaftliche Faktoren der Bundesrepublik Deutschland Einfluss auf den Wanderungssaldo (STB, ebenda, Seite 20).

Der Wanderungsverlauf der vergangenen 50 Jahre fasst sich wie folgt zusammen:

Der Saldo der Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland war mit durchschnittlich knapp 200.000 Zuzügen pro Jahr überwiegend positiv. Die Höhe dieses Saldos wird maßgeblich durch den Zuzug von Menschen ohne deutschen Pass bzw. ohne deutsche Vorfahren bestimmt. Die nach Deutschland ziehenden Emigranten sind im Durchschnitt jünger als die Fortziehenden, wodurch das Durchschnittsalter der gesamtdeutschen Bevölkerung sinkt (STB, ebenda, Seite 24).

Demografische und ökonomische Disparitäten zwischen den Herkunftsländern und der Bundesrepublik Deutschland sind auch bei der künftigen Entwicklung des Wanderungssaldos entscheidende Determinanten. Zudem wird ein künftiger Arbeits- bzw. Fachkräftemangel, verursacht durch den demografischen Wandel, ein erhöhtes Wanderungspotenzial bewirken (STB, ebenda, Seite 24).

Ferner verursachen Kriege und Bürgerkriege sowie andere politische Krisen oder ethnische Verfolgungen in den Herkunftsländern verstärkt Flüchtlings- und Asylbewerberwellen. Die von der europäischen Union für das Jahr 2011 beschlossene EU-Erweiterung wird in diversen Krisenregionen und Herkunftsländern zusätzliche Wanderungsimpulse auslösen (STB, 2003, ebenda, Seite 24).

Die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2050 ein Nullniveau bei der Zuwanderung von deutschen Aussiedlern entsteht. Dem ausgeglichenen Saldo von Ein- und Auswanderungen deutscher Aussiedler stehen in unterschiedlichen Modellberechnungen des statistischen Bundesamtes Wanderungsgewinne ausländischer Personen von 5,7 bis zu 14,5 Millionen gegenüber (STB, 2003, ebenda, Seite 24).

2.1.1.4 Ergebnis

Zusammengefasst zeigt sich, dass die demografische Entwicklung ein tief greifender Prozess ist, bei dem sich kein Lebensbereich von den möglichen Auswirkungen ausschließen lässt.

Aus den Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes wird deutlich, dass bei einer Überalterung der Gesellschaft die Gefahr entsteht, nachhaltige Umbrüche in den sozialen Sicherungssystemen auszulösen. Gegen Langzeitprognosen, die bis zu fünfzig Jahre in die Zukunft weisen, lässt sich jedoch einwenden, dass hierin lediglich aktuelle Bedingungen fortgeschrieben werden können, weshalb sie eher geringe Vorhersagequalität besitzen.

Die Alterung der Erwerbsgesellschaft ist für die Personalpolitik von Wirtschaftsunternehmen besonders bedeutsam. Einerseits ist die gewinnbringende Integration dieser Populationsschicht als große Herausforderung für die betriebliche Personalentwicklung zu bewerten, andererseits auch eine Chance dem drohenden regionalen Arbeitskräftemangel wirksam zu begegnen. Die meisten Unternehmen bevorzugen es jedoch, im Sinne einer primären Befriedigung von Residualeinkommen, die vorzeitige Ausgliederung älterer Arbeitnehmer. Eine „jugendzentrierte“ Personalplanung erscheint der Wirtschaft gegenwärtig rationaler, als eine Investition in ältere Arbeitnehmer mit unbekannter Input-Output Relation (Deller & Waszak, 2003, Seite 5).

Unternehmen, die sich gegenwärtig mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auseinandersetzen und Maßnahmen entwickeln, genießen einen „first-move-advantage“ (Deller & Waszak, 2003, Seite 5).

2.1.2 Veränderung der Altersstrukturen

Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind vielfältig. Die nachfolgenden Grafiken in Abbildung 2 stellen die mutmaßliche Veränderung der Altersstruktur der Population in Deutschland von 1950 bis 2050 grafisch dar. Als Quelle dient die Prognose der 10. Bevölkerungsvorausberechnung.

Abbildung 2: Altersaufbau 1950 + 2050

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Statistisches Bundesamt, 2003, 10. Bevölkerungsvorausberechnung)

Deutlich zeigt sich eine Verschiebung der Altersstruktur. In 1960 hat die Grafik noch nahezu die Form einer Pyramide d.h. Menschen mit einem Lebensalter bis 50 Jahre waren überproportional stark vertreten. Der Anteil der Menschen mit einem Lebensalter zwischen 60 und 90 Jahren nahm dagegen kontinuierlich ab. Diese Jahrgangs-Verteilung betraf Männer und Frauen gleichermaßen.

Die Grafik 2 prognostiziert für das Jahr 2050 hingegen einen signifikant anderen Altersaufbau der deutschen Bevölkerung. Eine pyramidale Verteilung der Jahrgänge ist nicht mehr feststellbar. Stattdessen wird der Anteil der Menschen mit einem Lebensalter über 50 Jahren stark zugenommen haben. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre werden die mit Abstand größten Alterskohorten. Die sich daran anschließenden Geburtenjahrgänge fallen umso schwächer aus, je jünger sie sind.

Die Langlebigkeit hat stark zugenommen. Waren in 1950 nur insgesamt 14,6 der Bevölkerung 60 Jahre und älter und sogar nur 1% über 80 Jahre alt, wird für das Jahr 2050 eine Quote von insgesamt 36,7% der 60-jährigen und älter erwartet. Sogar 12,1% der Bevölkerung soll dann 80 Jahre und älter sein (10. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, S. 31). Dem gegenüber wird sich der Anteil der Bevölkerung unter 60 Jahre von 85,4% im Jahr 1950 (30,4% unter 20 Jahre und 55% zwischen 20 und 59 Jahren) auf 63,3% im Jahr 2050 reduzieren (16,1% / 47,2%) (10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, 2003, S. 31).

Diese Tendenz wird in Zukunft zu einem rasanten Anstieg des Altersquotienten führen. Die Lösung der Probleme für das deutsche Gemeinwesen, welche aus der zunehmenden Vergreisung der Bevölkerung resultieren, stellt eine anspruchsvolle Herausforderung für alle Teile der Gesellschaft dar, vor allem aber für Politik und Wirtschaft.

2.1.3 Konsequenzen des demografischen Wandels

Vorbemerkung

Wirtschaft und Staat sind gleichermaßen von den Veränderungen der Altersstrukturen betroffen. Die bevorstehende Alterung der Gesellschaft hat beispielsweise für Unternehmen zur Folge, dass sich mittelfristig das Arbeitsmarktpotential verändern wird. Immer weniger junge Fachkräfte werden auf dem freien Arbeitsmarkt verfügbar sein. Der seit den 1980er Jahren in der Personalauswahl praktizierte Jugendwahn wird für Unternehmen und Behörden zugleich nicht mehr durchführbar sein. Darüber hinaus werden immer mehr Fach- und Führungskräfte aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden und bspw. attraktive Vorruhestandsregelungen in Anspruch nehmen. Der so entstandene Mangel an Fach- und Führungskräften wird sich, aufgrund der restriktiven Einwanderungspolitik der Bundesrepublik kaum durch ausländische Mitarbeiter ausgleichen lassen (Goworr, 2004, Seite 2).

2.1.3.1 Wirtschaftsunternehmen

Die oben dargestellte zunehmende Alterung der deutschen Bevölkerung hat einen nachhaltigen Einfluss auf Wirtschaftsunternehmen, die hierauf unter anderem im Rahmen ihrer Personalpolitik reagieren müssen.

Die Tendenz der alternden Gesellschaft hat zur Folge, dass nach 2010 ein deutlicher Anstieg der über 50-jährigen und eine leichte Abnahme der 20- bis 30-jährigen Erwerbspersonen zu verzeichnen sein wird. Buck bewertet diese strukturelle Veränderung der Erwerbsbevölkerung für Wirtschaft wie Behörden als Dilemma und Herausforderung zugleich (Buck, 2002, Seite 5-6).

Abbildung 3 veranschaulicht die Verschiebung der Altersstrukturen von Erwerbspersonen bis 2040.

Abbildung 3: Altersstrukturen von Erwerbspersonen bis 2040

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Brinkmann, R., 2001, unveröffentlichte Vorlesungsvorlage)

Waren in 1996 nur insgesamt 23,0% der Erwerbspersonen 50 Jahre und älter, wird für das Jahr 2040 eine Quote von insgesamt 30,0% für diese Populationsschicht erwartet. Dem gegenüber wird sich der Anteil der Erwerbspersonen unter 29 Jahre von 25,0% im Jahr 1996 auf 22,0% im Jahr 2040 reduzieren. Der Anteil der 30- bis 49-jährigen wird sich von 52,0% in 1996 auf 48,0% im Jahr 2040 reduzieren.

Die möglichen negativen Auswirkungen der Verschiebung der Altersstruktur auf einzelne Wirtschaftsunternehmen sind vielfältig und lassen sich nur in Abhängigkeit verschiedener Kenngrößen kontrastieren.

Unternehmen, die in den 1990er Jahren vorrangig von jugendzentrierter Personalpolitik profitierten, werden künftig ein überproportional steigendes Durchschnittsalter ihrer Belegschaft verzeichnen. Deller und Waszak kommen zu dem Ergebnis, dass ältere Arbeitnehmer, die zukünftig den größten Teil der Population in Wirtschaftsunternehmen und Behörden stellen, in besonderem Maße gewinnbringend integriert werden müssen (Deller & Waszak, 2003, Seite 4). Um einen Verlust an Innovationskraft und Leistungsfähigkeit ausschließen zu können, müssen in den Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nachhaltige Konzepte im Umgang mit alternden Belegschaften vorliegen (Buck, 2002, ebenda, Seite 9). Hinsichtlich des künftigen Arbeitskräftemangels sehen sie im Angebotsüberhang an älteren Arbeitnehmern jedoch auch eine wertvolle Ressource für den Arbeitsmarkt.

Die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung bedingt auch die Neuausrichtung von Personaleinsatz und Personalentwicklung. Betriebsgröße sowie Besonderheiten regionaler Wirtschafts- und Arbeitsmarktstrukturen dienen als bestimmende Kenngrößen bei der Ermittlung monetärer wie personalpolitischer Auswirkungen für Wirtschaftsunternehmen. Buck sieht die größten personalpolitischen Herausforderungen in der Schaffung heterogener Altersstrukturen, einer altersgerechten Arbeitsgestaltung, der betrieblichen Gesundheitsprävention, die ständige Aktualisierung der Wissensbasis durch lebenslanges Lernen im Unternehmen, der systematischen Förderung von Kompetenzentwicklung und Flexibilität durch Tätigkeits- und Anforderungswechsel, der Förderung des Transfers von Erfahrungswissen zwischen den betrieblichen Altersgruppen sowie der systematischen Einbeziehung älterer Arbeitnehmer in Innovationsprozesse (Buck, 2002, ebenda, Seite 9).

Als Folge der alternden Arbeitnehmerschaft ergibt sich bereits jetzt ein Mangel an jungen Fachkräften. Dieser Trend wird sich mit erheblichen Auswirkungen für Wirtschaft und Arbeitsmarktpolitik in den nächsten Jahren weiter fortsetzen und ab dem Jahr 2010 noch weiter zuspitzen. Buck beschreibt in diesem Zusammenhang, dass Unternehmen die Auswirkungen des demografischen Wandels weniger im Altern des Arbeitskräfteangebots insgesamt sehen, als vielmehr im beschriebenen Fachkräftemangel (Buck, 2002, ebenda, Seite 10).

Ergänzend hierzu bewirkt der demografische Wandel unterschiedliche gesellschaftliche Konstellationen. Beispielhaft hebt Buck hierzu die aktuelle und zukünftige Situation am ostdeutschen Ausbildungsmarkt hervor. Dieser Teilarbeitsmarkt zeichnet sich gegenwärtig durch einen hohen Bewerberüberschuss aus. Der prägnante Geburtenrückgang Anfang der 1990er Jahre wird jedoch innerhalb der nächsten Jahre eine Halbierung der Bewerberzahlen bewirken (Buck, 2002, Seite 8).

Buck kommt zu dem Ergebnis, dass so genannte „Mismatches“ d.h. eine verstärkte Nichtübereinstimmung von Arbeitskräfteangebot und –nachfrage, und regionale und auf die Qualifikation bezogene Unterschiede innerhalb der nächsten Jahre zunehmen werden (Buck, 2002, ebenda, Seite 9).

[...]

Details

Seiten
101
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638616324
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70493
Institution / Hochschule
Fachhochschule Heidelberg
Note
1,8
Schlagworte
Verhaltensdispositionen Arbeitnehmer Zeichen Wandels

Autor

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Titel: Verhaltensdispositionen älterer Arbeitnehmer im Zeichen des demografischen Wandels