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Interkulturelle Kommunikation als Qualifikation zur Zusammenarbeit mit Chinesen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 25 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg

3. Traditionen und Denkweisen der chinesischen Kultur
3.1 Gesellschaft und Hierarchie
3.1.1 Konfuzius und der Konfuzianismus
3.1.2 Hierarchie
3.1.3 Harmonie
3.1.4 Beziehungsnetze
3.1.5 Ordnung
3.1.6 Rechtsverhältnisse
3.1.7 Höflichkeit
3.1.8 Das Gesicht wahren
3.1.9 Verhaltensrituale
3.1.10 Kommunikation / kommunizieren
3.1.11 Lerntradition
3.1.12 Verhandlungen

4. Was im chinesischen Alltag zu beachten ist
4.1 Gastgeschenke
4.2 Zuhören
4.3 Zeitplanung
4.4 Geschäftsessen

5. Eigene Erfahrungen in China

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

China als Absatzmarkt und Produktionsstandort wird derzeit in den Medien und in zahlreichen Unternehmen kontrovers diskutiert. Mit circa 1,3 Milliarden Einwohnern 1 ist es das Land mit der größten Bevölkerung der Welt. Nachhaltige Wachstumsraten des Bruttoinlandprodukts von 8 bis 9 % jährlich und der Wandel von einer sozialistischen Planwirtschaft hin zu einer freien Marktwirtschaft bedeuten außergewöhnliche Chancen für westliche Unternehmen.2 Nachdem viele deutsche Großunternehmen, z.B. Volkswagen und BMW, erkannt haben, dass China nicht nur als Billiglohnland interessant ist, sondern auch ein wichtiger Absatzmarkt in der Zukunft sein wird, zeigen nun immer mehr Unternehmen Interesse an China.3 China gehört - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) - mittlerweile zu den zehn größten Wirtschaftsnationen der Welt. Das BIP beträgt 62 % der Größe der deutschen Wirtschaft. Nach aktuellen Hochrechnungen von Economist Intelligence Unit soll der stark expansive Kurs anhalten und China bereits im Jahr 2008 weltweit den 4. Platz einnehmen. Dies ist beachtlich, da China dadurch sowohl Frankreich (derzeit auf Platz 5) und England (derzeit Platz 4) überholen würde (Abbildungen 1 und 2).4

Diese rasante Entwicklung verspricht hervorragende Möglichkeiten für deutsche Unternehmen. Dennoch warnen aktuelle Studien: Die Engagements westlicher Unternehmen scheitern oft an Missverständnissen zwischenmenschlicher Art.5 Kulturelle Unterschiede haben einen viel größeren Einfluss auf Geschäftsergebnisse als allgemein angenommen. Alles im Geschäftsleben ist kulturell bestimmt: Führung, die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, Motivation, Organisation, Produktgestaltung, Marketing und Kommunikation mit Kunden und Lieferanten.6 Deshalb ist es unerlässlich, sich interkulturelle Kompetenz als Schlüssel- Qualifikation zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Chinesen anzueignen.7 Aufgrund dieser Tatsachen sollten Unternehmen sich fundierte Kenntnisse über das Geschäftsverhalten und die Gewohnheiten der Chinesen erarbeiten und dadurch lernen, ihre Geschäfte im Reich der Mitte reibungsloser abzuwickeln.8

2. Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg

Oftmals stürzen sich europäische Unternehmer zwar euphorisch, aber unvorbereitet ins ChinaAbenteuer. Erfolg oder Scheitern der Unternehmung wird gerade vom Verlauf der Gründungsphase entscheidend mitbestimmt. Eine durchdachte und sorgfältige Konzeption ist deshalb außerordentlich wichtig, ansonsten kann sich ein solches Engagement schnell als kurzes und kostspieliges Ereignis erweisen.9

Selbstverständlich haben sich beide Kulturen, die deutsche und die chinesische, aufgrund der Globalisierung einander auch angenähert; durch Misch-Ehen und mehrjährige Auslandsaufenthalte. Durch die immer enger werdende wirtschaftliche Vernetzung und die Nutzung der modernen Medien wird es wohl immer mehr zu einer Verschmelzung der Kulturen kommen. Nach wie vor aber lassen Kenntnisse über bestehende kulturelle Unterschiede und Besonderheiten - weit über den Wettbewerbsvorteil hinaus - auch den Respekt deutlich werden, den man seinen Geschäftspartnern entgegenbringt. 10

Diese Hausarbeit soll einen kleinen Überblick über die Traditionen und Denkweisen der chinesischen Kultur liefern.

3. Traditionen und Denkweisen der chinesischen Kultur

3.1 Gesellschaft und Hierarchie

In der chinesischen Tradition steht die Gemeinschaft immer über dem Individuum, bedingt durch die hohe Bewertung der Familie im gesellschaftlichen Kontext. Jeder weiß von jedem, wie er sich emotional fühlt, jeder denkt für den anderen mit, das Geborgenheitsgefühl, welches in unserer Gesellschaft oft nicht vorhanden ist, und durch „Sozialstaat“ ausgeglichen werden muss, ist in China sehr ausgeprägt. „In der sozialen Gruppe (Familie) erfährt jeder eine „naturgegebene“ Hierarchie, aber auch liebende Sorge von Vater und Mutter. Daraus erwachsen dann nach konfuzianischen Vorstellungen für das Kind Verpflichtungen gegenüber den Eltern und der Gesellschaft. Gesellschaft ist eine Ausdehnung der familiären Struktur: Gehorsam, Respekt, Loyalität stehen hierbei besonders im Vordergrund.“.11

3.1.1 Konfuzius und der Konfuzianismus

Wenn man über die chinesische traditionelle Kultur redet, muss man unbedingt einen Namen erwähnen: Konfuzius (Abbildung 1, Abbildung 2). Konfuzius war ein bedeutender chinesischer Philosoph und Begründer des Konfuzianismus. Er lebte vermutlich von 551 bis 479 v. Chr. und wurde in der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu (in der heutigen Provinz Shandong) geboren. 12

Die Lehre von Konfuzius wird Konfuzianismus genannt und umfasst sämtliche philosophisch und politischen Vorstellungen in China, die in der Tradition des Denkens von Konfuzius und seinen Schülern stehen. Konfuzianismus ist keine Religion sondern eine philosophische Ethik. 13

In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat ein amerikanischer Gelehrter eine Reihung der 100 einflussreichsten historischen Persönlichkeiten der menschlichen Geschichte aufgestellt und reihte dabei Konfuzius an fünfter Stelle. Jeder Chinese ist mehr oder weniger durch Konfuzius beeinflusst. In den vergangenen zwei Jahrtausenden wurde die Philosophie von Konfuzius in der ganzen Welt, insbesondere in den Ländern Asiens verbreitet und hat dort ihren Einfluss ausgeübt. Seine Bedeutung im Rahmen der Geschichte und der Gesellschaft Chinas drückt sich nicht nur im politischen und kulturellen Bereich aus, sondern ist auch in den Handlungen und der Denkweisen jedes Chinesen bemerkbar. 14

Im Laufe der Jahrzehnte gingen rund 3.000 junge Männer durch die Schule des Konfuzius und verbreiteten so dessen Ruhm. Einige seiner Schüler wurden später ebenfalls große Gelehrte und haben die Lehre Konfuzius weitergeführt, entwickelt und im Land verbreitet. 15

Die Lehre des Konfuzius beschwört die Ordnung in der Welt, die zu Zeiten Konfuzius durcheinander gekommen war. Seiner Lehre liegt eine strenge Hierarchie, auf welche später noch weiter eingegangen wird, der Gesellschaft zu Grunde. Diese Hierarchie ist wie folgt aufgebaut:

- Der Untertan ehrt seinen Herrscher.
- Der Jüngere achtet den Älteren.
- Die Frau gehorcht ihrem Mann.
- Die Kinder achten und gehorchen ihren Eltern.

Konfuzius rezitierte hauptsächlich vom Gewöhnlichen und Normalen. Er sprach von dem, was man durch Handeln und aus eigener Kraft erzielen kann, von gesellschaftlicher Ordnung und nicht von anarchistischen Zuständen und Intrigen. Er lehrte, die in den Schriften der Alten enthaltenen Grundsätze zu verstehen, und gemäß derselben zu handeln. Konfuzius intensivierte die Tugend des Herzens und die Treue zu den ethischen Grundsätzen.16

„Die Lehre von Konfuzius wurde nicht von Anfang an zur philosophischen Hauptströmung, sondern fand erst im 2. Jahrhundert n. Chr. Anerkennung durch den damaligen Herrscher, der die Lehre von Konfuzius als gute Grundlage betrachtete, die Stabilität der feudalen Gesellschaft zu bewahren. Erst später wurde der Konfuzianismus zur wichtigsten philosophischen Strömung in der chinesischen Gesellschaft und übte großen Einfluss auf die chinesische Nation aus.“17 Die Ideen von Konfuzius wurden in Form von Dialogen zwischen Konfuzius und seinen Schülern erfasst und in dem Buch "Lunyu" ("Gespräche") herausgegeben. Das Buch bezieht sich ebenfalls auf verschiedenste Bereiche von Bildung, Musik bis hin zu Reisen und Freundschaft. 18

3.1.2 Hierarchie

Der Begriff „Hierarchie“ ist in China positiv besetzt. Das chinesische Staatssystem übt immer noch sehr viel Druck aus und fordert Disziplin und Bescheidenheit. In der Familie sind die Menschen frei, sie fühlen sich geborgen und ungezwungen. Diese Kontraste werden in Deutschland nicht verstanden. Bei uns herrscht allgemein der Glaube, dass sich Chinesen unterdrückt fühlen. Dem ist definitiv nicht so. So viele Menschen können nicht ohne Disziplin zusammen leben und das wissen auch die Menschen. Die Autorität wird demgemäß auch nicht angezweifelt. Individualismus bedeutet für einen Chinesen etwas ganz anderes als für einen Deutschen, nämlich „Selbstvergessenheit“ anstelle von „Selbstverwirklichung“. Die Chinesen wissen aus den Erfahrungen der jahrtausendelangen Kämpfe der chinesischen Provinzen untereinander, dass Selbstverwirklichung bei 1,5 Mrd. Menschen nur Mord und Totschlag gäbe.19

„ Freiheit ist nicht, tun zu können was man will, sondern nicht tun zu müssen, was man nicht will! “ (Jean Jacques Rousseau)

„Die hierarchische Struktur der chinesischen Geschäftspartner lässt sich schon beim Betreten des Konferenzraumes erkennen. Zuerst betritt der Ranghöchste den Raum und begrüßt die Delegation. Die jeweilige Delegation sollte nach ihren Positionen geordnet stehen, um Missverständnisse zu vermeiden. Im Laufe einer Verhandlung kann es sein, dass sich die ranghöchste Person bewusst zurückhält, um neutral eingreifen zu können, wenn die Verhandlung zu misslingen droht.“ Es kommt vereinzelt vor, dass die eigentlichen Verantwortlichen der chinesischen Dellegation nicht an den Meetings teilnehmen, damit keine Entscheidungen von der chinesischen Seite erzwungen werden kann.20

3.1.3 Harmonie

In China existiert keine Streitkultur, sondern eine ausgeprägte Konsenskultur. Rechthaberei gilt neben Selbstsucht als Hauptübel und findet in der Gesellschaft große Ablehnung. Nicht der Sieg des Einen über den Anderen ist das Ziel der Konsenskultur, sondern der Ausgleich zwischen uneinigen Parteien. Es geht nicht darum „Recht“ zu haben, sondern um miteinander auszukommen, denn wer „Recht“ haben will, der setzt automatisch seinen Gegenüber ins „Unrecht“. Aus diesem Grunde wird in China sehr lange miteinander diskutiert, bis beide Parteien emotional glücklich (Glück = frei sein von seelischem Schmerz) sind, und dann erst gehen sie ihrer Wege. Hierbei wird nach einem bestimmten, logischen Grundsatz gehandelt: Jeder Mensch hat seine eigene Weltanschauung, seine eigenen Erfahrungen und Werte. Wenn also in einer Diskussion Argumente und Prämissen bzw. Handlungsmotive des anderen bekannt sind, so herrscht Einigkeit.21

„ Wenn wir uns uneinig sind, gibt es wenig, was wir können. Wenn wir uns einig sind, gibt es wenig, was wir nicht können. “ (John F. Kennedy)

Konfliktlösungsmethoden sind elementare Grundlagen zum Zusammenleben in allen Kulturen.

3.1.4 Beziehungsnetze

Die Familie und die Beziehungsnetze stehen in der chinesischen Gesellschaft im Vordergrund, da diese über Jahrhunderte die einzige von Willkür freie Konstante waren. Dies hat zur Konsequenz, dass chinesische Geschäftspartner und Mitarbeiter, jede Handlung im Hinblick auf ihren Einfluss auf die Beziehungsnetze beurteilen wird. Diejenigen, die über Beziehungsnetze verfügen, genießen im Hinblick ausgeprägter Gemeinschaftsbezogenheit eine größere Bedeutung.

„Bsp.: Gegenüber unserem „anonymen“ Sozialstaat ist hier ein Arbeitsloser Chinese gegenüber seiner Familie in Rechtfertigungszwang, was schnell dafür sorgt, daß dieser Mensch wieder in die Arbeitsprozesse eingegliedert wird. Bei uns lässt man Arbeitslose geistig versumpfen, sodass diese nach ein paar Jahren nicht mehr in der Lage sind, einfach zu „funktionieren“, weil sie empathisch geworden sind, also rein emotional denken, nicht mehr strikt logisch. So fragen sie sich jeden Morgen beim Aufstehen, ob sie Lust zum Arbeiten haben, oder nicht.“ 22

Beobachter stimmen darin überein, dass das schlimmste für Chinesen soziale Ausgrenzung darstellt. R. Solomon schreibt, das Streben nach Autonomie gelte als „Selbstsucht“.23 „Wenn ein Mensch so markant auf seine Gruppe orientiert ist, braucht dieser großes Geschick, um die menschlichen Beziehungen zu manipulieren. „Beziehungen“ im Sinn partikularer Bindungen (guanxi) benennt ein zentrales Konzept zum Verständnis chinesischen Sozialverhaltens. Dieses verlangt, dass man die Beziehung zu verschiedenen Personen nach unterschiedlichen Maßstäben des sozialen Austausches gestaltet. Kwang-kuo Hwang hat die spezifisch chinesische Verbindung von „Beziehungen“ mit „Gunst“, „Wahrung des Gesichts“ und „Gegenseitigkeit“ herausgearbeitet“.24

Anfälligkeit gegenüber Streß und Gruppenbezug stehen in einem engen inhaltlichen Zusammenhang. Wer sich in der Gruppe aufgehoben fühlt, ist eher bereit, stärkeren Stress zu erdulden. Die soziale Gruppe hat eine Tröstungsfunktion. Die Normen die eine Gruppe vorgibt, gelten als richtig. Anpassung ist der logische Weg.25

[...]


1 http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China / 21.11.2006

2 ebenda

3 vgl. Deloitte Touche Tohmatsu - Going China - Chancen für den deutschen Mittelstand in China S. 7

4 ebenda, S. 9

5 www.chinaforum.at/broschure_IKCN.pdf S. 2 / 22.11.2006

6 ebenda

7 ebenda

8 www.chinaforum.at/broschure_IKCN.pdf S. 2 / 22.11.2006

9 www.chinaforum.de/broschure_CNTG.pdf S. 2 / 22.11.2006

10 vgl. Ein Businessknigge für China, Kerstin Berkemeier 2005 S.3

11 vgl. Guido Stepken „Was wir von Chinesen lernen können“ Oktober 2006

12 http://german.cri.cn/chinaabc/chapter17/chapter170204.htm / 22.11.2006

13 ebenda

14 ebenda

15 ebenda

16 http://german.cri.cn/chinaabc/chapter17/chapter170204.htm / 22.11.2006

17 ebenda

18 ebenda

19 vgl. Guido Stepken „Was wir von Chinesen lernen können“ Oktober 2006

20 vgl. Ein Businessknigge für China, Kerstin Berkemeier 2005 S.7

21 vgl. Guido Stepken „Was wir von Chinesen lernen können“ Oktober 2006

22 vgl. Guido Stepken „Was wir von Chinesen lernen können“ Oktober 2006

23 vgl. R. Solomon: Mao´s Revolution and the Chinese Political Culture. Berkeley 1971, S. 69

24 vgl. M. H. Bond and K. K. Hwang: The Social Psychology of Chinese People, in: M. H. Bond (ed.), a a O., S. 213- 266, hier S. 223

25 http://www.inwent.org/E+Z/1997-2002/ez797-3.htm / 25.11.2006

Details

Seiten
25
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638630344
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70586
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Interkulturelle Kommunikation Qualifikation Zusammenarbeit Chinesen China

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