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Simultaneous Engineering

Referat (Ausarbeitung) 2004 9 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffliche Klärung

3. Gefahren traditioneller Linienarbeit und Ziele simultaner Projektarbeit

4. Grundelemente des Simultaneous Engineering

5. Fazit

6. Quellen

7. Anhang - Bewertung der Quellen

1. Einleitung

Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Dominanz unternehmerischer Wettbewerbsvorteile von Volumenvorteilen über Standortvorteile zu Zeitvorteilen gewandelt. Die zunehmende Komplexität der Produkte und die abnehmende Produkt-Lebenszeit erfordern rasches und innovatives Agieren. Diese Aspekte machen die schnelle Entwicklung und Vermarktung von Produkten dringend erforderlich. Um diese Zeitvorteile zu realisieren, mussten die Unternehmen die Fähigkeit entwickeln, marktgerechte Produkte schnell entwickeln und herstellen zu können (vgl. [GERNOT] S.1). Neben den produktionsbezogenen Durchlaufzeiten ist die Produktentwicklungszeit die entscheidende Determinate für den Markteintrittszeitpunkt eines neuen Produktes (Produktentstehungszeit). „Die Reduzierung der Entwicklungszeiten ist durch die parallele Entwicklung von Produkten und Produktionsmitteln möglich.“ (Zitat: [DIXIUS] S.1)

Diese Zeitproblematik wirkt nicht nur nachteilig auf die Gewinne, sondern kann sogar unternehmerische Existenzen in Frage stellen (vgl.[DIXIUS] S. 3 ff.).

2. Begriffliche Klärung

Simultaneous Engineering (SE) beinhaltet die Parallelisierung von Prozessen, auch bekannt als simultaner Ablauf. Der Ursprung liegt im lateinischen „Simultan“, was so viel bedeutet wie gemeinsam, gleichzeitig (vgl. [BULL] S.1). Um den Produktentwicklungsprozess zu beschleunigen, parallelisiert das Simultaneous Engineering die Vorgänge des Entwicklungsprojekts. Das SE versucht unabhängige Vorgänge gleichzeitig durchzuführen und voneinander abhängige so weit als möglich überlappen zu lassen, im Gegensatz zur Abarbeitung der einzelnen Entwicklungsschritte. Dieses umfassende technisch-organisatorische Integrationskonzept zur Beschleunigung der Markteinführung neuer Produkte ist zweifelslos eines der innovativsten Konzepte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit produzierender Unternehmen.

Zusammenfassend ist Simultaneous Engineering die integrierte und zeitparallele Produkt-, Prozess- und Projektgestaltung (vgl. [LAUF] S.6).

3. Gefahren traditioneller Linienarbeit - Ziele simultaner Projektarbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.:Gefahren traditioneller Linienarbeit - Ziele simultaner Projektarbeit (vgl. [DIXIUS] S.9)

4. Grundelemente des Simultaneous Engineering

Simultaneous Engineering basiert im Grundsatz auf den drei methodischen Lösungsansätzen: Der Integration, der Parallelisierung und der Kompetenzzusammenführung, auf welche im Laufe der Ausarbeitung noch genauer eingegangen wird (vgl. [LAUF] S.14). In der wirtschaftlichen Realität ist die Umsetzung von SE auf operative Unternehmensebenen mit großen Herausforderungen verbunden. Simultane Abläufe sind im Gegensatz zu konventionell durchgeführten Entwicklungsprojekten mit einer erhöhten Dynamik verbunden, wodurch Probleme bzw. Störungen auftreten können, die teamorientiert zu koordinieren sind. Durch die vielen zeitgleich eingebundenen Mitarbeiter ist der Projekterfolg stark abhängig von den gruppendynamischen Problemlösungsprozessen. Die Folgen bei der Planung und der Durchführung von SE Projekten werden dadurch verschärft. Entsprechend entscheidend ist das kooperative Verhalten der Mitarbeiter für den Erfolg des Projekts. Diese Verhaltensweise setzt neue Denkstrukturen der Projektmitglieder voraus, wie analytisches, interdisziplinäres und mehrdimensionales Denken in größeren Wirkungsbeziehungen (vgl. [GERNOT] S.6 ff.).

Bei SE Projekten unterscheidet man wie folgt in 3 Ebenen der Projektgestaltung: Vorbereitung, Planung und Durchführung. Die Vorbereitung umfasst u.a. das Überwinden von Organisationsgrenzen, eine wichtige Voraussetzung für simultane Arbeitsweisen, sowie die Integration unterschiedlicher Sichtweisen und die Fokussierung auf definierte Ziele. Die Fokussierung beinhaltet zugleich die zielgerichtete Gestaltung der Geschäftsprozesse, um ein definiertes Ergebnis erzielen zu können.Für effektive und gleichzeitig effiziente simultane Arbeitsweisen sind hierzu die Teilziele der Produktentstehung ergebnisorientiert zu definieren. Die Planung sollte im SE Team erfolgen, SE Projekte sind aus der spezifischen Situation zu planen und durchzuführen, was eine eng synchronisierte Planung und Durchführung hervorruft (vgl. [KURTH] S.7 f.). Bei SE Projekten werden alle Aspekte vom systematischen Ansatz erfasst, von der Konzeption bis zur Entsorgung, wobei gleichzeitig das Produkt, die dazugehörigen Produktionsprozesse und alle benötigten Leistungsprozesse, wie Instandhaltung geplant werden. Zu den Leistungsprozessen zählt u.a. die Gestaltung des SE Projekts, somit wird die Definition um den Aspekt der Projektgestaltung erweitert. Die Projektgestaltung ist für den erfolgreichen Abschluss des SE Projekts und den Markterfolg zukünftiger Produkte von besonderer Bedeutung.

Beim Simultaneous Engineering werden die Ingenieurtätigkeiten schon begonnen, bevor traditionell vorangegangene Tätigkeiten beendet wurden, dabei steht das präventive Arbeiten mit nicht vollständigen bzw. freigegebenen Unterlagen im Vordergrund (vgl. [GERNOT] S.3).

Diese Art der Parallelisierung, zeitoptimierte Strukturierung von Entwicklungsschritten, methodische Planung und Gestaltung neuer Produkte beschleunigt alle Aktivitäten um ein Hohes (vgl. [LAUF] S.17). Das SE ist deswegen insbesondere da sinnvoll, wo zur Entwicklung und Herstellung ein hohes Maß an Know-how und an aufwändiger fachübergreifender Zusammenarbeit vorausgesetzt werden muss (vgl. [BULL] S.7), insbesondere auf operativen Ebenen. Als Beispiel für die operative Ebene sind zu nennen, die Grundsäulen des SE: Integration, Parallelisierung und Kompetenzzusammenführung (vgl. [LAUF) S. 14). Integrative Ansätze resultieren aus Anforderungen an die Produktentstehung, dabei wird in 3 Problembereiche unterschieden: Zerlegung sämtlicher Arbeitsgänge in kleinste Schritte, Trennung vor- und nachgelagerter Bereiche und Trennung der dispositiven Managmentaufgaben von operativen Sachaufgaben.

Ausgangspunkt der integrierten Produkt- und Prozessgestaltung ist der direkte bzw. anonyme Kundenwunsch (vgl. [KURTH] S.3). Kernaspekt ist dabei die Aufgabenintegration, die auf einer ganzheitlichen Kundenorientierung in der Produktentstehung basiert. Somit setzt sich die Integration zum einen aus der Aufgabenintegration und zum Zweiten aus der Funktionsintegration zusammen. Die Notwendigkeit der Funktionsintegration, d.h. die Überwindung von Grenzen und Schnittstellen einzelner Funktionsbereiche, ergibt sich durch die Erkenntnis, das die trennende Arbeitsteiligkeit für viele Mißstände in der Produktentstehung verantwortlich ist. Nicht nur bei der Planung und Konzeption, sondern innerhalb des gesamten Produktentstehungsprozesses werden daher von der Integration Vorteile erwartet. Diese soll innerhalb von funktionsintegrierenden und kooperativen Organisationen bzw. durch projekt- und gruppenorientierte Zusammenarbeit realisiert werden. Wichtig dabei ist das integrative technologische und ablauforientierte Wissen der beteiligten Mitarbeiter, das unternehmensintern, aber auch unternehmensextern mit Zulieferern genutzt werden soll (vgl. [LAUF] S.14).

Ein weiterer Ansatz des SE ist die Parallelisierung, welche sich unterscheidet in objektorientierte-, synchrone- und asynchrone Parallelität. Parallel zu bearbeitende Aufgaben sind im Vorfeld zu planen und hinsichtlich ihrer Ergebnisse und der auszutauschenden Informationen im Verlaufe des Projektes zu kontrollieren. Für die zu entwickelnde Methodik bedeutet dies die Forderung nach der Kombination von parallelisierten, statischen Ablaufstrukturen und einer dynamischen Projektgestaltung auf unterschiedlichen Ebenen. „Ein maximales zeitliches Parallelisierungspotential ergibt sich bei einer fachbereichsübergreifenden Zusammenarbeit, in deren Verlauf mehrere Module oder Baugruppen eines Produktes parallel bearbeitet werden.“ (Zitat: [KURTH] S.11) Wenn Mitarbeiter gleicher Qualifikation gleichartige Aufgaben bearbeiten, die über gemeinsame Schnittstellen koordiniert werden können, spricht man von objektorientierter Parallelität. Bei der synchronen Parallelität werden mehrere Prozesse über einen gemeinsamen Kontrollfluss synchronisiert. Bei der asynchronen Parallelität wird die zu lösende Aufgabe in Teilaufgaben zerlegt, die in Form von Prozessen auf eine Gruppe selbstständiger, unabhängig arbeitender Prozessoren verteilt werden, wobei die Synchronisation bei Bedarf über den Austausch von Daten erfolgt, d.h. sie sind über Kommunikationsprozesse synchronisierbar. Dabei sind zeitlich parallel zu bearbeitende Aufgaben an unterschiedlichen Produktkomponenten aufeinander abzustimmen (vgl. [LAUF] S.17 ff.). Als dritter methodischer Lösungsansatz gilt die Kompetenzzusammenführung, welche überwiegend in projektbegleitenden, interdisziplinären Teams erfolgt.

Durch den Teameinsatz wird die Kommunikation der beteiligten Mitarbeiter und damit auch die Qualität von Entscheidungsprozessen verbessert (vgl. [KURTH] S.60 ff.).

Abschließend ist zu sagen, dass diese Kernlösungsansätze des SE, die Integration, Parallelisierung und Kompetenzzusammenführung in ihrer Umsetzung eine Vorverlagerung von Erkenntnisprozessen und qualitative Verbesserung der Ergebnisse bewirken.

5. Fazit

„Die drei wichtigsten Anforderungen, die heute an Montageanlagen gestellt werden sind neben der hohen Prozesssicherheit kurze Lieferzeit und ein niedriger Preis. Hinzu kommt die Notwendigkeit von Simultaneous Engineering [...].“ (Zitat: [PROD] S.2)

Die Arbeitsergebnisse von SE-Projekten haben höhere Qualität, die Entscheidungsfindung erfolgt schneller und das Projekt ist kostengünstiger. Aus diesem Grund werden über 80% aller Produktinnovationen im Rahmen von Projekten durchgeführt (vgl. [MM] S.7). Dabei zeigten aber Untersuchungen auf, das im Gegensatz zu konventionell durchgeführten Projekten, die Wahrscheinlichkeit eines Markterfolges in SE Projekten bis zu fünf Mal so hoch ist. Dabei spielen die Vorteile der erheblich zeitlichen Beschleunigung, der erforderlich verstärkten Kommuniktion und die Standardisierung und Integration von Prozessen eine große Rolle. Die Standardisierung zielt dabei auf kontinuierliche Verbesserung des Prozessablaufs durch Aufnahme von Erfahrungswerten ab und die Integration dient der Vereinfachung von Schnittstellen zwischen einzelnen Vorgängen, sowie dem intensiveren Informationsaustausch.

In der Literatur wird SE als Konzept unterschiedlicher Methoden, Modelle, Hilfsmittel und Vorgehensweisen mit dem Ziel der verkürzten Produktentstehungszeit, reduzierten Herstellkosten und verbesserten Qualität beschrieben. Die Bedeutung findet sich im industriellen Bereich in zahlreichen Branchen. Beispielsweise legte Intel den Grundstein ihres Geschäftserfolgs durch die Entwicklung der Mikroprozessorenbaureihe 80*86 und durch die rasche Markteinführung und permanente Weiterentwicklung, dominieren diese Prozessoren den PC-Markt heute noch. Ähnliches gilt für die Firma Microsoft, mit dem Produkt Windows. Gleiches gilt im Freizeit- und Spielebereich, beim Gameboy der Firma Nintendo, im Nahrungs- und Genussmitelbereich, im Haushaltswarenbereich, in der Fotoindustrie und in vielen anderen Branchen (vgl. [KURTH] S.1 f.). Die Wettbewerbsfähigkeit eines Maschinen- oder Anlagenbauers hängt nicht zuletzt davon ab, ob es ihm gelingt, bessere Qualität bei niedrigeren Kosten zu erreichen. Eins haben die Unternehmen der einzelnen Produktbereich gemeinsam: sie waren zuerst auf dem Markt. Widerrum wird der Verlust an Marktanteilen in der deutschen Indutrie teilweise auf zu lange Entwicklungszeiten zurückgeführt, mit der Ursache, dass durch lange Durchlaufzeiten nur sehr träge auf sich ändernde Marktbedingungen reagiert werden kann. Deswegen findet man eine hohe Einsatzintensität von Simultaneous Engineering in der Fahrzeugindustrie (77%) (vgl. [KUPFER] S.36 f.). Die Qualitätssteigerung und Durchlaufzeitverkürzung wird zudem stark durch die erforderte Kommunikation beeinflusst, da SE aus fachübergreifenden Arbeitsgruppen besteht, ergibt sich somit für alle Fragestellungen eine fachorientierte Antwort. Damit zeigen sich gleichzeitig die Kernprobleme als mangelnde Koordination und Kommunikation auf. Für den effizienten Einsatz des SE benötigt man deshalb das Projektmanagement und die leistungsfähige Teamorganisation. Als weiteren wichtigen Aspekt ergibt sich natürlich das verändert positive Arbeitsverhalten der Mitarbeiter. Um abschliessend die Bedeutung des Simultaneous Engineering hervorzuheben, wird diese in Form eines Zitates wiederspiegelt: „Wer mit einem neuen Produkt zuerst am Markt ist, demonstriert damit seinen technologischen Vorsprung und hat viele Freiheiten zur Gestaltung des Marktpreises!“ (Zitat: [KURTH] S. 1).

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638630528
Dateigröße
352 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v70922
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Simultaneous Engineering Fallstudie Integration Technik Wirtschaft

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Titel: Simultaneous Engineering