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Internationale Verhandlungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt

Seminararbeit 1999 31 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Biologische Vielfalt
2.1 Artenvielfalt
2.2 Genetische Vielfalt
2.3 Vielfalt der Ökosysteme
2.4 Das Artensterben

3 Der ökonomische Nutzen der biologischen Vielfalt

4 Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt
4.1 Artenschutzabkommen – Ein historischer Überblick
4.2 Entstehung der Biodiversitätskonvention
4.3 Biodiversitätskonvention – Die eigentliche Verhandlung sowie der Nord/Süd-Konflikt
4.3.1 Genetische Ressourcen
4.3.2 Technologietransfer / -zugang
4.3.3 Finanzierung
4.4 Ergebnisse

5 Schlußfolgerungen

6 Literatur

1 Einleitung

Die Ökologie der Erde ist auf das Vielfältigste Miteinander verflochten. Millionen von Arten leben in Koexistenz und gegenseitiger Abhängigkeit und bilden somit ein funktionsfähiges Ganzes. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch ein Prozeß in Gang gekommen, der diese Funktionsfähigkeit ernsthaft gefährdet: eine rapide Dezimierung der biologischen Vielfalt mit Auswirkungen auf alle Ökosysteme und Spezies, einschließlich der des Menschen. Ein Problem, daß aufgrund gegenseitiger Verflechtungen nicht mehr nur national bzw. sektoral gesehen werden kann, wie es noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts Usus war, sondern globale Aufmerksamkeit verlangt.[1]

Nun ist in den letzten Jahren eine zunehmende Hinwendung zu diesem Thema zu beobachten. Zwar gab es schon zu Beginn dieses Jahrhunderts erste internationale Verhandlungen, doch setzte wohl vor allem das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt[2] ein entscheidendes Zeichen.

Der vorliegende Aufsatz befaßt sich mit diesen internationalen Verhandlungen. Dabei wird er einen chronologischen Überblick geben. Im Vordergrund steht dabei die bereits erwähnte Biodiversitätskonvention, da ihr die größte Bedeutung zukommt.

Gegliedert ist die Arbeit in fünf Kapitel. Nach einer Einleitung und einem Definitionsteil werden die ökonomischen Aspekte der biologischen Vielfalt untersucht. Dabei steht insbesondere die Frage nach der Bewertung der Biodiversität im Vordergrund sowie deren Nutzen, in Vergleich gesetzt zum Aufwand, der zu ihrem Erhalt notwendig ist.

Das vierte Kapitel gibt einen Überblick über bisher getroffene Maßnahmen früherer internationaler Verträge. Dies ist für das Verständnis der Entwicklungen, die zur Biodiversitätskonvention führten, notwendig. Anhand des Nord/Süd-Konflikts werden anschließend die unterschiedlichen Interessenlagen betrachtet. Schließlich werden die Ergebnisse der Verhandlungen zusammengetragen. Die Arbeit endet mit einer Schlußfolgerung.

2 Biologische Vielfalt

Wie diese Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt zeigen wird, gab es bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert erste zaghafte Versuche, vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Stärker im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht das Problem des Artenschwundes jedoch erst in den letzten zwei Jahrzehnten. Als Initiator kann eine Tagung angesehen werden, die im September 1986 unter der Leitung von Edward O. Wilson stattfand: der National Forum on Biodiversity der Smithsonian Institution und der National Academy of Sciences in Washington. Drei Tage lang hielten Wissenschaftler Vorträge über die Bedeutung der biologischen Vielfalt (Biodiversity), ein Begriff der hier durch Wilson geprägt wurde.[3]

Nach Wilson (1992) ist Biologische Vielfalt definiert als Gesamtheit aller Arten von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen auf der Erde. Dabei werden drei Kategorien unterschieden:[4]

- Artenvielfalt
- Genetische Vielfalt
- Vielfalt der Ökosystem

Eine weitere Definition findet sich in Artikel 2 (Begriffsbestimmungen) des Rahmen-Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt:[5]

Im Sinne dieses Übereinkommens bedeutet biologische Vielfalt die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören; dies umfaßt die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die Vielfalt der Ökosysteme.“

2.1 Artenvielfalt

Der Begriff Artenvielfalt wird definiert als „eine Population oder eine Reihe von Populationen, in denen unter natürlichen Bedingungen ein freier Genaustausch erfolgt. Dies bedeutet, daß alle physiologisch normal funktionsfähigen Individuen zu gegebener Zeit im Prinzip mit jedem andersgeschlechtlichen Vertreter derselben Art Nachkommen erzeugen“ können.[6]

Zur Anzahl der verschiedenen Arten der Erde gibt es unterschiedliche Schätzungen. Unter Ausschluß der Wirbellosen Tiere, Pilze, Algen und Mikroorganismen sind bisher 1,4 Mio. Arten registriert[7]. Nach Schätzungen liegt die tatsächliche Anzahl jedoch bei 5 – 30 Mio. Arten.[8]

Die folgende Abbildung über die Zahl der bekannten Arten von Mikroorganismen verdeutlicht das Dilemma zwischen bekannten Spezies und der geschätzten Anzahl. Besonders auffällig ist dieses Mißverhältnis bei den Viren. So zeigt die Übersicht, daß ca. 5.000 Arten bekannt sind. Man vermutet jedoch, daß es weltweit ca. 130.000 Arten von Viren gibt. Es sind also nur ca. 4 % überhaupt bekannt.

Tabelle 1: Zahl der bekannten Arten von Mikroorganismen und geschätzte weltweite Gesamtzahlen[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Genetische Vielfalt

Nach Jessica Suplie (1995) bezeichnet der Begriff genetische Vielfalt „die Vielzahl möglicher Kombinationen von Genen, die in den verschiedenen Arten und innerhalb einer Art vorkommen“.[10]

Die jeweiligen Individuen einer Art haben gemeinsame Eigenschaften, jedes Individuum ist hinsichtlich seiner Gene jedoch verschieden. Je größer der genetische Unterschied der Individuen einer Art ist, desto widerstandsfähiger ist diese Art und umgekehrt. D. h., die Anzahl von Populationen einer Art ist für deren Überleben von großer Bedeutung. Sollte eine Population aufgrund äußerer Einflüsse, beispielsweise klimatischer Veränderungen, zerstört werden, kann eine andere Population dieser Art, die über andere Gene verfügt, gegenüber diesen äußeren Einflüssen resistent sein und somit das Überleben dieser Art sichern.[11]

Bedrohlich ist in diesem Zusammenhang, daß die genetische Vielfalt rapide abnimmt, ein Umstand, der insbesondere in der modernen Nutztierhaltung und Landwirtschaft bedenklich ist. So werden solche Eigenschaften einer Art durch gezielte Züchtung optimiert, die sie besonders ertragreich macht, zu Lasten der genetischen Vielfalt. Die jeweilige Art ist dann auf die spezifischen Umweltbedingungen (z.B. Klima) angewiesen und hinsichtlich Veränderungen dieser Bedingungen äußerst anfällig.[12] So existieren etwa 6000 Apfelsorten, die auf dem nordamerikanischen Kontinent wuchsen, nicht mehr. Von ca. 30.000 Reissorten existieren nur noch zehn.[13]

Sobald eine Pflanze ausstirbt, ist ihr genetisches Potential für alle Zeiten verloren und somit nicht mehr für die Landwirtschaft oder Forschung zu nutzen. Dies gefährdet die Ernährungsgrundlage der Weltbevölkerung maßgeblich. Nicht auszudenken, wenn eine oder mehrere dieser zentralen Sorten von einer Seuche befallen werden, die dann die Ernte in ganzen Regionen zerstört. Die Folge könnten Hungerkatastrophen von ungeahntem Ausmaß sein.

2.3 Vielfalt der Ökosysteme

Als Ökosysteme werden solche Regionen bezeichnet, in denen bestimmte Organismen voneinander abhängig existieren. Das Gabler-Wirtschaftslexikon (1997) definiert: Ein Ökosystem ist ein „komplexes Wirkungsgefüge verschiedener Lebewesen und deren anorganischer Umwelt.“ [14] Synonym wird auch der Begriff Habitat verwendet.

Bis zu einem gewissen Grad kann sich ein Ökosystem selbst regulieren, wobei die Stabilität eines Ökosystems abhängt von der ihm eigenen Artenvielfalt.[15]

Besonders artenreiche Habitate sind die tropischen Regenwälder, Savannen, Feuchtgebiete, Korallenriffe, Mongrovenwälder und die Tiefsee. Auch Inseln sind aufgrund ihrer Abgeschlossenheit von besonderer Bedeutung.[16] Erinnert sei hier an die Galapagosinseln mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna.

2.4 Das Artensterben

Bereits in 2.1 wurde auf das Dilemma hingewiesen, das nur ein kleiner Teil der Arten auch tatsächlich bekannt und registriert ist. Somit lassen sich auch keine genauen Angaben über die Anzahl der vom Aussterben bedrohten Arten machen. Viele werden bereits ausgestorben sein, bevor sie überhaupt bekannt geworden sind. Nach einer Schätzung von E.O. Wilson von 1989 ist jedoch davon auszugehen, daß jährlich etwa 4.000 bis 6.000 Arten aussterben.[17] Eine Studie von UNO-Experten spricht dagegen von 50 bis 150 Arten pro Tag, also jährlich 18.000 bis 55.000 Arten[18].

Nun gab es schon immer ein natürliches Artensterben. Wäre dem nicht so, gäbe es heute weit mehr Arten, als tatsächlich existieren. Allerdings ist die heutige Schnelligkeit des Artensterbens nicht durch die Evolutionstheorie in Zusammenhang mit der Ausbreitung der Spezies Mensch zu verstehen, sondern vielmehr durch deren rücksichtslosen Umgang mit der Natur und deren Ressourcen.

Auffällig ist, das insbesondere solche vom Aussterben bedrohten Arten im Blickpunkt des öffentlichen Interesses stehen, die gezielt vom Menschen ausgerottet werden, wie beispielsweise bestimmte Walarten oder Elefanten. In diesem Zusammenhang spricht man von einer Übernutzung von Ressourcen. So wurden Elefanten aufgrund der Bedeutung des Elfenbeins für den Menschen rigoros gejagt, bis sie kurz vor der Ausrottung standen. Die Bestände dieser Art wurden schneller dezimiert, als sie sich regenerieren konnten. Daraus folgt, daß die „Ressource Elefant“ übernutzt wurde.

Auch weckt das Töten von Robben oder Delphinen starke Emotionen in der Öffentlichkeit. Das jeden Tag zahlreiche Arten aufhören zu existieren wird dagegen kaum wahrgenommen. Dabei sind es gerade die unauffälligen Organismen, von denen der Erhalt der biologischen Vielfalt abhängt.[19]

Als Ursachen für die Zerstörung bzw. Veränderung von Habitaten und somit der biologischen Vielfalt unterscheidet Jessica Suplie (1995) direkte und indirekte Ursachen. Direkt auf die Ökosysteme wirken Urbanisierung, Landwirtschaft, Industrialisierung und Infrastrukturentwicklung, indirekt wirken die Übernutzung der natürlichen Ressourcen, Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden, der globale Klimawandel und die Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht ein.[20]

[...]


[1] Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 1 ff.

[2] Im folgenden auch Biodiversitätskonvention genannt.

[3] Vgl. Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 2 f.

[4] Vgl. auch Simonis, Udo E., Weltumweltpolitik: Grundriss und Bausteine eines neuen Politikfeldes, Berlin, 1996, S. 121 ff.

[5] siehe Anhang

[6] zitiert nach Wilson, E.O. (Hrsg.), Ende der biologischen Vielfalt?, Heidelberg, Berlin, New York, 1992, S. 22

[7] Vgl. Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 18f.

[8] Vgl. auch Wilson, E.O. (Hrsg.), Ende der biologischen Vielfalt?, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, New York, 1992, S. 19 ff.

[9] nach Castri/Younes, 1990 in Solbrig, O.T., Biodiversität: Wissenschaftliche Fragen und Vorschläge für die internationale Forschung, Oxon, U.K., 1994, S. 19

[10] Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 18

[11] ebenda

[12] vgl. Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 18 f.

[13] ebenda, S. 2

[14] Gabler Wirtschaftslexikon, 14. Auflage, 1997, S. 2.848

[15] Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 19

[16] vgl. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, „Welt im Wandel: Grundstruktur globaler Mensch-Umwelt-Beziehungen“, Jahregutachten 1993, S. 102

[17] Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 19

[18] Vgl. United Nations Environment Programme: Global Biodiversity. Nairobi: UNEP/GEMS Environment Library No.11. In: Suplie, Jessica, „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 1

[19] Suplie, Jessica „Streit auf Noahs Arche“: Zur Genese der Biodiversitäts-Konvention, Berlin, 1995, S. 20

[20] ebenda, S. 20 f.

Details

Seiten
31
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638144612
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7105
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsgeschichte
Note
2,0
Schlagworte
ökologische Ökonomie biologische Vielfalt internationale Verhandlungen Nachhaltigkeit Biodiversität Nord-Süd-Konflikt

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