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Le Misanthrope - Alceste und sein Konflikt mit der höfischen Gesellschaft

Seminararbeit 2007 20 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Le Misanthrope ou l´Atrabilaire amoureux
2.1 Zusammenfassung des Inhalts
2.2 Rückzug aus der Gesellschaft in der Romantik
2.3 Bewertung von Le Misanthrope in der heutigen Zeit

3. Alceste und sein Konflikt mit der Gesellschaft
3.1 Alceste
3.1.1 Sozialhistorische Zuordnung Alcestes
3.2 Alceste und Philinte
3.2.1 L´honnête homme
3.3 Alceste und Célimène
3.4 Autobiographische Aspekte

4. Zusammenfassung

Anhang:

Bibliographie

1. Einleitung

Le Misanthrope ist Molières brillante Komödie in fünf Akten. Die Uraufführung fand am 4. Juni 1666 in Paris im Palais-Royal statt. Le Misanthrope stellt in Molières Schaffensperiode einen großen Einschnitt dar. Die Art der Konflikte, zwischen der Hauptfigur Alceste und anderen Personen, besitzen eine ganz eigene Qualität. Alcestes Hass richtet sich gegen die Konventionen und niemand schafft es, ihn dazu zu bringen, diese anzuerkennen.

Die Hoffnungen, die der Autor in dieses Werk setzte, wurden jedoch enttäuscht, denn das damalige Publikum seinem Werk nichts abgewinnen konnte.

Zunächst möchte ich kurz den Inhalt zusammenfassen, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich einen Überblick über das Geschehen zu verschaffen; dann gehe ich weiter ins Detail. Anschließend gebe ich eine Darstellung des Charakters von Alceste, und dann möchte ich zu seinem Konflikt mit der Gesellschaft übergehen. Hierbei möchte ich differenzieren zwischen seinem Konflikt mit Philinte und seinem Konflikt mit Célimène. Zum Schluss werde ich dann meine Untersuchungsergebnisse zusammenfassen und bewerten.

2. Le Misanthrope ou l´Atrabilaire amoureux

Bereits der Titel, Der Menschenfeind oder der Verliebte Melancholiker, weist auf die fundamentale charakterliche Spaltung des Protagonisten hin, der, wie bei vielen Stücken von Molière, vom Autor selbst gespielt wurde.

2.1 Zusammenfassung des Inhalts

Die Hauptfigur ist Alceste, welcher ständig die höfische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts in Frankreich anklagt.

Im ersten Akt, in der Exposition, werden dem Leser der junge Adelige Alceste und sein Freund Philinte vorgestellt. Die befinden sich mitten in einem heftigen Streitgespräch.

Zum ersten Mal kann der Leser Alcestes Menschenhass erkennen, in dem er den Menschen ihre Schwächen, Fehler und Laster wie zum Beispiel gekünsteltes Benehmen vorwirft. Für Alceste sind die Konventionen und die Etikette nur pure Heuchelei. Sein Hass richtet sich nicht nur gegen Einzelne, sondern gegen alle Menschen.

Philinte dagegen verfügt über eine Toleranz mit den menschlichen Schwächen und nimmt die Menschen so, wie sie sind. In diesem Streit versucht er auch Alceste von seiner Meinung zu überzeugen, stößt aber nur auf taube Ohren. Auch als Philinte auf den Prozess zu sprechen kommt, welcher gegen Alceste geführt wird, und ihm rät, die Richter zu bestechen, um sich freizusprechen, will Alceste davon nichts hören. Im Falle einer Verurteilung wäre aber gerade dies der Beweis für die Ungerechtigkeit dieser Gesellschaft.

Die Exposition wird abgeschlossen, als Philinte das Gespräch auf Alcestes Liebesprobleme mit seiner Geliebten Célimène lenkt.

Schließlich tritt Oronte auf, welcher Alceste seine Freundschaft anbietet und sich dabei ein lobendes Urteil über sein Sonett erhofft, das er verfasst hat. Für Alceste ist dies eine Herausforderung, offen und ehrlich gegenüber jedem zu sein, und stellt Oronte eine starke Kritik entgegen. Damit macht er sich natürlich Oronte zum Feind.

Im zweiten Akt tritt Célimène zum ersten Mal auf. Sie ist die Geliebte von Alceste und zugleich seine größte Schwachstelle. In der ersten Szene beklagt sich Alceste bei Célimène über ihre zahlreichen Verehrer. Célimène gesteht Alceste daraufhin zwar ihre Liebe, ist aber nicht bereit, auf die Besuche ihrer Verehrer zu verzichten.

In der zweiten Szene versucht sie, ihm zu erklären, dass man nicht lassen kann, was man will, wenn man in der Gesellschaft integriert ist, sondern sich den gesellschaftlichen Umgangsformen unterwerfen muss. Alceste verlangt eine Entscheidung, aber ihr Gespräch wird durch den Auftritt der einflussreichen Marquis Acaste und Clitandre unterbrochen. Schließlich kommen noch Celimènes Cousine Éliante und Philinte hinzu.

In der vierten Szene entfaltet sich Célimènes Charakter und die schlechten Eigenschaften, die Alceste anprangert. Der ist darüber empört, wird aber von Célimène auf seine Inkonsequenz aufmerksam gemacht. Alcestes Ärger wird dann noch gesteigert, als er bei einem Gespräch zwischen Clitandre und Célimène dabei ist.

In der ersten Szene des dritten Aktes unterhalten sich Acaste und Clitandre darüber, wer von den beiden höher in der Gunst Célimènes steht.

In der vierten Szene tritt Célimènes Freundin Arsinoé auf, heuchelt ihr Freundschaft vor und weist sie darauf hin, dass vor einige Tagen in einem Salon schlecht über sie geredet wurde. Daraufhin schlägt Célimène ein freies Wetteifern um Alceste vor, worauf Arsioné Alceste ihre Liebe gesteht, wird allerdings zurückgewiesen. Aus Rache will Arsioné nun Célimènes Untreue beweisen, was ihr auch mit einem Brief gelingt, welchen Célimène Oronte geschrieben hat. Nachdem Alceste diesen Brief gelesen hat, will jetzt er sich dadurch rächen, indem er sich um die Gunst Éliantes bemüht.

In einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Alceste und Célimène kommt es schließlich zur Versöhnung: Alceste erklärt seine Liebe, macht Célimène aber gleichzeitig Vorwürfe und äußert den Wunsch, sie solle sich aus der höfischen Gesellschaft zurückziehen. Doch sie lehnt ab, und er beschließt, die ihm verhasste Welt zu verlassen. Der Ausgang der Geschichte bleibt offen.

2.2 Rückzug aus der Gesellschaft in der Romantik

In der Epoche der Romantik wurde ein Rückzug aus der Gesellschaft positiv bewertet. Der Romanheld flüchtet aus der Maskerade und Rollenhaftigkeit der Gesellschaft und findet im außergesellschaftlichen Raum zu seinem „authentischen Ich“ zurück.

Alceste hingegen würde im freiwilligen Exil nicht glücklich werden, denn er kann ohne die „verdorbene Gesellschaft“ nicht leben. Besonders deutlich zeigt sich dies, als er sich entgegen Philintes Rat weigert, gegen das Urteil in seinem Prozess Klage zu erheben, um so eine immense summe Geld zu sparen.

Denn nur so kann er sich selbst beweisen, wie ungerecht er wieder einmal von der schlechten Gesellschaft behandelt wurde. (Akt V, Szene 1, V. 1541-1550)

2.3 Bewertung von Le Misanthrope in der heutigen Zeit

„Je genauer ich meinen Molière studiere, desto mehr Echos stellen sich ein. Auf Schritt und Tritt begegneten mir, in München, Hamburg, Düsseldorf, Reaktionen, Mechanismen, Verkehrsformen, die denen der Komödie bis ins Detail glichen. Ich entdeckte, dass die Party, die am Abend des Juni 1666 auf der Bühne des Theaters vom Palais-Royal begann, immer noch andauert.“[1]

Hans Magnus Enzensberger stellt fest, dass die so genannte „middle class“ sich in den letzten dreihundert Jahren kaum verändert hat. Klatsch, Prestigebedürfnis, Intrige, Snobismus, Missgunst, Aufsteigertum, Verweigerung und Kalkül sind in dieser Schicht heutzutage genauso wiederzufinden, wie zu Molières Zeit. Enzensberger sieht Molière als prophetischen Autor, der die Zukunft der Bourgeoisie ungewöhnlich scharfsinnig erkannte und beschrieb. Ungeachtet aller Umwälzungen, die die „middle class“ verursacht hat, hat sie sich in Wirklichkeit kaum voranbewegt.

[...]


[1] Enzensberger, Der Menschenfeind, S. 107.

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638629331
ISBN (Buch)
9783638793964
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71069
Institution / Hochschule
Universität Konstanz – Universität Konstanz
Note
2,0
Schlagworte
Misanthrope Alceste Konflikt Gesellschaft Molières

Autor

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Titel: Le Misanthrope - Alceste und sein Konflikt mit der höfischen Gesellschaft