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Cargo-Kulte auf Melanesien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 17 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Neuen Hebriden
2.1 Historisch relevante Bewegungen auf den Neuen Hebriden

3. Die John Frum Bewegung
3.1 Die Vorstufe im Jahr 1940
3.2 Das erste Auftreten John Frums
3.3 Neuer Aufschwung des Kults
3.4 Die Jugendbewegung
3.5 Neuere Entwicklungen bis heute

4. Der Marching (Masinga) Rule auf den Salomonen
4.1 Die Salomonen
4.2 Die Entstehung der „Chair and Rule-“ Bewegung
4.3 Der Beginn des „Marching Rule“
4.4 Vorstellung der drei wichtigsten Führer
4.5 Die Entwicklung der ersten „Native Councils“
4.6 Warten auf Cargo
4.7 Vom Marching Rule zum Malaita- Rat

5. Ausblick

6. Literaturangabe

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich einen kurzen Einblick in das Phänomen der so genannten „Cargo- Kulte“ geben, welche vornehmlich in vielen Teilen Melanesiens seit Ende des 19. Jahrhunderts, größtenteils aber nach dem zweiten Weltkrieg, stattfanden. Die Kulte entstanden hauptsächlich durch die Konfrontation der einheimischen Bevölkerung mit zivilisatorischen Werten und Handelsgütern („Cargo“) der Kolonisatoren bzw. der Besatzungsmächte.

Es gab niemals einen ausdrücklich als solchen bezeichneten Cargo- Kult. Daher ist diese Bezeichnung eigentlich irreführend, da niemand, der sich am Cargo- Kult beteiligte, sich dessen auch bewusst war. Der Begriff „Cargo- Kult“ wurde lange als typisch melanesisches Phänomen betrachtet. Neueren Forschungen zufolge kamen die Kulte jedoch schon früher und auch außerhalb von Melanesien, wie beispielsweise in Afrika und Japan vor.

Als Beispiel werde ich die „John Frum- Bewegung“ vorstellen, die auf den Neuen Hebriden, genauer gesagt auf Tanna, stattfand. Als zweites Beispiel wird der „Marching Rule“, der auf den Salomon Inseln vorkam, dargestellt. Diese Form des Cargo –Kults ist besonders interessant, da aus ihr eine nationalistische, vom ganzen Volk getragene Verbindung geworden ist. Für „Marching Rule“ gibt es in der Literatur diverse Namen, wie Masinga Lo etc., die jeweils verschieden interpretiert werden. Ich werde jedoch bei der erstgenannten Bezeichnung bleiben, um Verwechslungen zu vermeiden.

2. Die Neuen Hebriden

Die Neuen Hebriden liegen im südwestlichen Pazifik, westlich von Fidschi. Sie erstrecken sich als zwei Inselketten von 20 Haupt- und 70 Nebeninseln über rund 800 km in nordwest- südöstlicher Richtung. Dazu gehören die Banks- und Torresinseln im Nordwesten; die größte Insel ist Espiritu Santo, deren höchste Erhebung Vanuatu (ca. 1879 m über dem Meeresspiegel) ist. Die meisten Inseln sind vulkanischen Ursprungs und Tanna, der Ort des ersten vorgestellten Cargo- Kultes, verfügt sogar noch über aktive Vulkane (Brockhaus 2006, Band 19:519).

Um in etwa verständlich zu machen, wie ein derartiger Kult um die Figur des John Frum entstehen konnte, hilft ein kurzer Überblick über die geschichtlichen Bewegungen auf den Neuen Hebriden.

2.1 Historisch relevante Entwicklungen auf den Neuen Hebriden

Die Neuen Hebriden wurden 1606 vom portugiesischen Seefahrer Pedro Fernández de Quirós entdeckt und erhielten im Jahre 1774 den Namen „Neue Hebriden“.

Die Inselgruppe der Hebriden sowie die Salomoninseln hatten während des 19. Jahrhunderts schwer zu leiden unter dem so genannten „blackbirding“, dem Versklaven oder Rekrutieren von Arbeitskräften, welches oftmals unter Gewalt oder der Vortäuschung falscher Tatsachen geschah. Die unzähligen Arbeitskräfte wurden nach den Plantagen von Queensland oder Fidschi eingeschifft und kamen häufig nicht zurück. Die Umstände auf den Transportschiffen waren oft miserabel und brachten aufgrund dessen eine hohe Seuchen- und Sterblichkeitsrate mit sich. Diese Tatsachen wiederum führten zu einem hohen Bevölkerungsrückgang auf beiden Inseln. (Worsley, 1973:205).

Des Weiteren kamen mit Ankunft der Sklavenhändler verständlicherweise auch Feuerwaffen, Krankheiten und Alkohol auf die Inseln. Großbritannien und Frankreich schlossen sich 1906 zum Kondominium zusammen und verfügten nur über einen kleinen Beamtenstab sowie über geringe finanzielle Mittel (Brockhaus 2006, Band 23:723). In diesem Machtvakuum hatten die Missionen einen immer größer werden Einfluss, obwohl die ersten Missionare schon um 1848 auf der Insel eintrafen (Worsley, 1973:207).

3. Die John Frum Bewegung

3.1 Die Vorstufe im Jahr 1940

Das „Eigenartige“ an dieser Bewegung auf Tanna ist, dass sie sich zentral um eine Person dreht, die offiziell nie existiert hat.

Tanna ist eine relativ kleine, nur 50km lange, fruchtbare und gut bewässerte Insel südlich der Neuen Hebriden. Obwohl auch dieses Eiland unter der Tätigkeit der „Blackbirders“ gelitten hatte, gab es in den 1940er Jahren Anzeichen für eine Bevölkerungszunahme.

1912 kamen die Bewohner unter administrative Kontrolle und hatten seit 1916 einen britischen Verwaltungsbeamten. Die Insel war wirtschaftlich schlecht entwickelt, Haupteinnahmequelle war der Verkauf von Kopra (Worsley, 1973:214). Zudem wurde das Land in erzieherischer Hinsicht wenig gefördert (Steinbauer 1971:345).

Auf Tanna gab es zu der Zeit drei Missionsstationen, eine presbyterianische, eine adventistische und eine katholische. „Die Presbyterianische Mission...die als erste eintrafschuf sich eine entscheidende Position, über die sie eifersüchtig wachte“ (Worsley, 1973:214). Des Weiteren konnten sich die Missionare nur in Pidgin- Englisch mit den Eingeborenen unterhalten und hatten es durch die eingeschränkte Verständigungsmöglichkeit schwer, mit ihnen persönlicheren Kontakt aufzubauen, wodurch natürlich auch kein enges Vertrauen hergestellt werden konnte. Die meisten Menschen waren zwar christianisiert, aber ihre Erwartungen gingen größtenteils über ein christlich geregeltes Leben hinaus (Steinbauer 1971:345).

Die Unzufriedenheit der Eingeborenen mit den Missionen wuchs stetig, zumal sie nicht den praktischen Sinn sahen im „beten, beten, beten und singen, singen, singen, die ganze Zeit“ (ebd.:215).

3.2 Das erste Auftreten John Frums

Im Frühjahr 1940 wurden erste Zeichen eines Aufruhrs sichtbar, welcher sicherlich durch das Fallen der Koprapreise verstärkt wurde. Es wurden Versammlungen abgehalten, an denen weder Weiße noch Frauen teilnehmen durften. An diese Zusammenkünfte richtete sich die Botschaft eines gewissen John Frum[1], der beschrieben wurde als ein „mysteriöser kleiner Mann mit weißem Haar und Fistelstimme“(Worsley, 1973:215). Sein Auftritt hinterließ großes Aufsehen, zumal er „im schwachen Lichtschein eines Feuers vor Männern unter der Einwirkung von Kava erschien“ (ebd.:216). Die Menschen, die dieser „Erscheinung“ des neuen Propheten beiwohnten, wurden fortan als die „Boten Frums“ oder als seine Schnüre bzw. Seile (engl. „ropes“) bezeichnet. Ihnen wird auch die Verbreitung des Kults zugeschrieben (Worsley 1973:217). Es war übrigens das einzige Mal, dass er sich vor einer Zuschauermenge sehen ließ.

John Frum erließ friedliche moralische Vorschriften, befürwortete Tanz und Kava trinken, welches unter den Missionen verboten worden war. Das Kava trinken z.B. wurde nun jede Samstagnacht zu offiziellen Zeremonien ausgebaut. Da seine Ankunft für einen Freitag angekündigt wurde, galt der Freitag fortan als Feiertag. Auch seine Prophezeiungen waren eher traditionell ausgerichtet (ebd.:216).

[...]


[1] Es wird angenommen, dass der Name John Frum eine Zusammenstellung aus „to broom“ = der Besen, mit dem die Weißen von der Insel gefegt werden sollen und John könnte eine Ableitung sein von der John the Baptist Mission (Worsley, 1973:215).

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638619424
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71387
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,3
Schlagworte
Cargo-Kulte Melanesien

Autor

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