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Die Feder als Waffe - Deutsche und britische Propaganda im Ersten Weltkrieg

Hausarbeit 2007 19 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichte der Propaganda

3. Organisation der Propaganda
3.1 Deutschland
3.1.1 Zentralstelle für Auslandsdienst (ZfA)
3.1.2 Abteilung IIIb
3.1.3 Kriegspresseamt (KPrA) und Oberzensurstelle (OZ)
3.2 Großbritannien
3.2.1 War Propaganda Bureau/Amt für Kriegspropaganda (WPB)
3.2.2 Parliamentary Recruiting Commitee/Parlamentarisches Rekrutierungskomitee (PRC)
3.2.3 Press Bureau/Presseamt
3.2.4 Department of Enemy Propaganda/Ministerium für Feindpropaganda
3.2.5 National War Aims Committee/Kriegzielkomitee

4. Methoden der Propaganda

5. Vergleich zwischen deutscher und britischer Propaganda

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Erste Weltkrieg war in mehrfacher Hinsicht nicht mit den voran gegangenen Kriegen zu vergleichen. Er wurde durch die auf dem Globus verstreut liegenden kriegsführenden Nationen und Schlachtfelder zum Ersten Weltkrieg.

Der Erste Weltkrieg gilt heute gemeinhin als der erste totale Krieg der Geschichte. Geprägt wurde der Begriff von französischen Politikern im Jahre 1917 (la guerre intégrale) und meint, dass eine Mobilisierung sämtlicher Ressourcen für die Kriegsführung erforderlich ist[1]. Der Krieg ist nun nicht mehr nur auf die Soldaten und die Front beschränkt, er stellt gleichzeitig eine Verbindung in die Heimat dar, für die sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft an der Heimatfront kämpfen[2].

Durch diesen Umstand blieben allerdings auch die eigentlichen Kampfhandlungen nicht mehr auf die Front beschränkt, neben den Krieg mit Waffen kam es nun auch zu einem Krieg um die Köpfe, die auf das Senken der gegnerischen (militärisch und zivil) und Anheben der eigenen Moral abzielte[3].

Obwohl sich die Entwicklung hin zu einem totalen, industrialisierten Krieg schon im 19. Jahrhundert abzeichnete, war das industrialisierte Sterben an der Front eine neue Erfahrung. Neue Waffen und Strategien, wie Panzer, der massive Einsatz von Maschinenwaffen und selbst Giftgas, waren für die Beteiligten sicherlich neue und auch erschreckende Erfahrungen. Doch neben diesen technisch neuen Waffen kam im Ersten Weltkrieg eine weitere Waffe auf: Die (Schreib-)Feder oder das Wort als Waffe, als Kampfgebiet die Köpfe der Menschen. Da die Front nun auch quer durch die Heimat verlief, wurde fortan auch hier gekämpft. Parallel zum Fortschritt der Waffentechnik entwickelten sich auch die vermeintlich zivilen Techniken weiter: Neue Kommunikationsmittel wie Telegramme oder Fernsprecher ließen die Front und die Heimatfront noch näher zusammenrücken. Auch die von Gutenberg ausgelöste Informationsflut trug ihren Teil zum Kampf um die Köpfe bei. Seit dem 19. Jahrhundert erfuhren die Massenmedien, allen voran die Zeitungen, ein rasantes Wachstum und damit einhergehend eine zunehmende Wichtigkeit.

Der Erste Weltkrieg veränderte die Definition des Begriffs Propaganda vollkommen, geradezu so, als ob es eine Zeit/Definition vorher und eine neue, andere nachher geben würde[4].

Während in dieser Arbeit zunächst auf die allgemeine Entwicklung der Propaganda eingegangen wird, beschäftigt sich das anschließende Kapitel mit dem Aufbau und der Organisation der deutschen und britischen Propaganda, bevor im dritten Kapitel noch verschiedene Mittel und Methoden der angewendeten Propaganda vorgestellt werden. Bei der Betrachtung der unterschiedlichen Propagandamittel stellt sich die Frage nach der Effizienz selbiger, welche durchaus widersprüchlich beantwortet werden kann.

2. Geschichte der Propaganda

Propaganda heißt die systematische Verbreitung von politischen, weltanschaulichen oder ähnlichen Ideen und Meinungen mit massiven (publizistischen) Mitteln, mit dem Ziel, das eigene (politische) Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen[5]. Das lateinische Wort propagare bedeutet wörtlich soviel wie fortpflanzen, erweitern oder ausdehnen und wurde erstmals von der katholischen Kirche im Zuge der Gegenreformationen erstmals im heutigen Sinne der politischen Beeinflussung benutzt (Congregatio de propaganda fide)[6].

Die Verwendung von Propaganda ist dabei allerdings keineswegs ein Produkt des 20. Jahrhunderts, bereits Gustav Adolf II. war, dank erfolgreicher Flugblattpropaganda, eine Art Medien-Star im Dreißigjährigen Krieg[7] und Julius Cäsars De bello gallico gilt einigen noch heute als effektivste je verbreitete Propaganda. Informationen als Kampfmittel sind der Menschheit bereits lange Zeit vertraut und dienen dabei unter anderem der Verbindung zwischen der Front und der Heimat, so zum Beispiel der Läufer von Marathon, der die Bevölkerung in der Heimat über den errungenen Sieg informierte[8]. Das Neue an der Propaganda des Ersten Weltkrieges war die professionelle Verwendung selbiger, sie wurde nun auch erstmals wissenschaftlich fundiert[9]. So war die Definition des Begriffes Propaganda in der Encyclopedia Britannica des Jahres 1911 noch lediglich auf den religiösen Aspekt bezogen. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges definierte der deutsche Schriftsteller Edgar Stern-Rubarth Propaganda dann im heutigen Sinne, als politische Aktivität von Staaten (im Kriegszustand)[10].

Auch Carl von Clausewitz war sich in seinem grundlegenden Werk über das Militärwesen („ Vom Kriege “, 1832) über die zentrale Rolle der Informationen bewusst: „Ein großer Teil der Nachrichten, die man im Krieg bekommt, ist widersprechend, ein noch größerer falsch und bei weitem der größte einer ziemlichen Ungewissheit unterworfen.“[11]

Das Spannungsverhältnis von Krieg, Kriegsberichterstattung und Zensur besteht bereits, seit es Kriege gibt, aber die Verdichtung der Kommunikationsmittel, insbesondere die Verbreitung von Massenmedien/Tageszeitungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hat die Information und Kriegsberichterstattung zu einer Waffe gemacht. Ein weiterer Grund für die Bedeutungszunahme der Informationen war der, dass Kriege zunehmend nicht mehr von Söldnergruppen/Berufsheeren geführt wurden, sondern verstärkt zu Volkskriegen wurden[12]. Auch die ökonomische Konkurrenz um Auflagen und Anzeigen der Zeitungen sorgte für einen Ausbau der Kriegsberichterstattung. Jede Zeitung versuchte mit einem Scoop, einer Erstmeldung oder Knüller, ihre Auflage und den Profit in die Höhe zu treiben[13]. Der bedeutendste Vertreter und heute als Urvater der Kriegsberichterstattung geltende Engländer Howard Russel berichtete 1854 für die Londoner Times vom Krimkrieg. Da er über zu viele militärische Details wie Truppenstärke/-bewegungen berichtete, führte das britische Militär bald die Zensur ein[14]. Von diesem Augenblick an waren Presse und Militär unmittelbar aufeinander angewiesen[15].

Im amerikanischen Sezessionskrieg waren bereits weit über 500 Kriegsberichterstatter im Einsatz und Wilbur F. Story, der Chef der Chicago Times, gab seinem Korrespondenten den Auftrag „telegraphieren Sie alle Nachrichten, die Sie bekommen können, vollständig durch, und wenn es keine neuen Nachrichten gibt, dann schicken Sie Gerüchte.“[16]

1928 veröffentlichte Harold Dwight Lasswell, einer der Begründer der modernen Kommunikationswissenschaft, eine auch noch heute gültige Theorie der Kriegspropaganda[17]. Die zentralen Aspekte der Propaganda sind:

- die Erzeugung von Hass gegenüber dem Feind
- die Freundschaft zwischen den Alliierten ausbauen
- die Freundschaft der Neutralen zu bewahren und nach Möglichkeit bis zur Kooperation zu steigern
- den Feind zu demoralisieren.

Das Erzeugen von Hass kommt bei der Propaganda ein sehr wichtiger Stellenwert zu und fand im Ersten Weltkrieg seinen Höhepunkt in der auf beiden Seiten angewendeten Gräuel-Propaganda[18].

Grundsätzlich lässt sich Propaganda in drei unterschiedliche Bereiche aufteilen: Die Frontpropaganda, welche die Kampfmoral eigener Truppen stärken und die der gegnerischen Truppen senken soll, die Inlandspropaganda, welche nach innen, also auf die eigene Bevölkerung zielt und die Auslandspropaganda, welche der Inlandspropaganda des Gegners entgegenwirkt[19].

Darüber hinaus lässt sich Propaganda noch in drei weitere Kategorien aufteilen:

- Weiße Propaganda ist vollkommen offen und funktioniert ohne Verschleierung. Sowohl die Verwendung als auch die angestrebten Ziele sind bekannt[20].
- Schwarze Propaganda lässt die Rezipienten sowohl hinsichtlich des Urhebers, als auch der angestrebten Ziele, im Unklaren. Wegen der Geheimhaltung ist der Einsatz von schwarzer Propaganda deutlich schwieriger und aufwendiger als der von weißer Propaganda[21].

[...]


[1] Niels Weise: Der „lustige“ Krieg. Propaganda in deutschen Witzblättern 1914 – 1918. Leidorf 2004. S. 38.

[2] Roger Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg. München 2002. S. 82

[3] Weise S. 35

[4] Nicholas John Cull et al: Propaganda and Mass Persuasion. A Historical Encyclopedia, 1500 to the Present. Santa Barbara 2003. S. 317 f.

[5] Matthias Wermke (Hrsg.): Duden – Das Fremdwörterbuch. Mannheim 2001. 7., neu bearbeite Auflage. S. 813.

[6] Weise S. 33

[7] Jens Baumgarten, Jens Jäger und Martin Knauer: Einleitung. Krieg als inszenierte Wahrheit. In: Der Krieg im Bild – Bilder vom Krieg. Frankfurt am Main 2003. S. 7 – 21, S. 12.

[8] Gunther Schrader: Zensur und Desinformation in Kriegen. In: Ulrich Albrecht/Jörg Becker (Hrsg.): Medien zwischen Krieg und Frieden. Baden-Baden 2002, S. 45 – 54, S. 45.

[9] Mira Beham: Kriegstrommeln. Medien, Krieg und Politik. München 1996. S. 27.

[10] Cull et al. S. 437 f.

[11] zitiert nach: Jörg Becker: Medien im Krieg. In: Jörg Becker/Ulrich Albrecht (Hrsg.): Medien zwischen Krieg und Frieden. Baden-Baden 2002, S. 13 – 26, S. 24.

[12] Schrader S. 45 f.

[13] Beham S. 11 f.

[14] Beham S. 12 f.

[15] Beham S. 15.

[16] zitiert nach Schrader, S. 46.

[17] Weise S. 40 f.

[18] Beham S. 27 ff.

[19] Stefan Kestler: Die deutsche Auslandsaufklärung und das Bild der Ententemächte im Spiegel zeitgenössischer Propagandaveröffentlichungen während des Ersten Weltkrieges. Frankfurt am Main 1994. S. 19 f.

[20] Cull S. 426.

[21] Cull S. 41 f.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638683562
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v71631
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Feder Waffe Deutsche Propaganda Ersten Weltkrieg

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