Lade Inhalt...

Zwischen gesellschaftlicher Integrität und Individualisierung

Soziale Jugendgruppenarbeit als Unterstützung zur Bewältigung der Entwicklungsaufgaben und zur Förderung sozialer Kompetenzen

Diplomarbeit 2006 79 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

A. Situation Jugendlicher in der Gegenwartsgesellschaft
1. Allgemeine gesellschaftliche Anforderungen an Jugendliche
1.1 Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase
1.2 Soziale Kompetenz
2. Gesellschaftlicher Wandel
2.1 Demographische Entwicklung
2.2. Individualisierung
3. Auswirkungen der Individualisierung auf die Jugendphase
3.1 Strukturwandel der Jugendphase Ausbildung einer Identität
3.2 Probleme Jugendlicher in der Gegenwartsgesellschaft
4. Schlussfolgerungen für die Soziale Arbeit Lebensweltorientierung

B. Soziale Jugendgruppenarbeit
5. Jugendarbeit
5.1 Rechtliche Grundlagen
5.2 Aufgaben und Ziele der Jugendarbeit
5.3 Differenzierung von Handlungsfeldern der Jugendarbeit
5.3.1 Jugendberatungsarbeit
5.3.2 Mobile Jugendarbeit
5.3.3 Jugendbegegnungsarbeit
5.3.4 Jugendbildungsarbeit
5.3.5 Jugendfreizeitarbeit
5.3.6 Jugendgruppenarbeit
6. Jugendgruppenarbeit
6.1 Merkmale von Jugendgruppen
6.1.1 Überschaubarkeit
6.1.2 Dauerhaftigkeit
6.1.3 Offenheit
6.1.4 Verbindlichkeit
6.1.5 Ortsbezogenheit
6.1.6 Zielorientiertheit
6.1.7 Vielseitigkeit
6.1.8 Bedürfnisorientierung
6.1.9 Selbstorganisation und Mitbestimmung
6.1.10 Wertorientiertheit
6.1.11 Würdigung der Strukturmerkmale
7. Was leistet soziale Jugendgruppenarbeit für Jugendliche?
7.1 Erweiterung des Erlebnis- und Erfahrungsraumes
7.1.1 Ermöglichung eigener Erfahrungen und Erlebnisse
7.1.2 Akzeptanz der Gegenwartsorientiertheit und Eröffnung realer Bewährungsfelder
7.1.3 Sensibilisierung für eine sinnvolle Freizeitgestaltung
7.2 Entwicklungspsychologische Hilfen
7.2.1 Stärkung des Selbstvertrauens durch konstante Beziehungen
7.2.2 Hilfen zum Umgang mit der eigenen Sexualität
7.2.3 Unterstützung bei der Ablösung vom Elternhaus
7.2.4 Hilfen für die Identitätsfindung
7.3 Ausweitung der sozialen und kulturellen Kompetenz
7.3.1 Einübungsfeld für soziale Verhaltensweisen
7.3.2 Anregung zur Auseinandersetzung mit Werten und Normen
7.4 Zusammenfassung

C. Konzeptionierung einer modernen Jugendgruppenarbeit
8. Jugendgruppenarbeit heute
9. Schlussfolgerungen für eine Konzeptionierung moderner Jugendgruppenarbeit
10. Schlussbemerkungen
11. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Jugend stellt seit jeher aufgrund vielfältiger Unsicherheiten und Desorientierungen eine krisenhafte Phase im Lebenslauf des Menschen dar. Aber derzeit wird die junge Generation vielfach als vergnügungs- und konsumsüchtig, medienfixiert, unverbindlich und konfliktunfähig beschrieben.[1] Man hört und liest von steigender Jugendarbeitslosigkeit, gewaltbereiten und rassistischen Jugendlichen.

PISA, als internationaler Leistungsvergleich, war in aller Munde und hat die Nation „wachgerüttelt“. Zwar richtete sich die PISA-Studie in erster Linie auf die Untersuchung schulischer Leistungen, aber darüber hinaus sind ihre Ergebnisse auch für die Soziale Arbeit von hoher Relevanz, was sich darin zeigt, dass in kaum einem aktuellen Aufsatz über Jugendarbeit auf den Verweis auf PISA verzichtet wird.[2] Denn das vergleichsmäßig schlechte Abschneiden deutscher Schüler war weniger beunruhigend als der Befund, dass die erbrachten Leistungen stark von der sozialen Herkunft der Eltern abhängig sind.[3] Die Ergebnisse der PISA-Studie haben erneut gezeigt, dass die soziale Herkunft das entscheidende Kriterium für die Zuteilung von Bildungs- und Berufschancen und damit von Lebenschancen ist.[4] Die Gründe dafür sieht Rauschenbach in dem schon früh stark gestuftem Schulsystem, das Ungleichheiten eher hervorbringt, als diese auszugleichen.[5]

Aktuell liefern sozialwissenschaftliche Gegenwartsanalysen zum gesellschaftlichen Wandel und dessen Folgen den dringenden Ausbau der Jugendarbeit über den schulischen Rahmen hinaus. Gewandelte Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen sowie veränderte Sozialisationsbedingungen verdeutlichen einerseits einen stark angestiegenen Bedarf nach sozialerzieherischer Betreuung als Teil der Bildungs- und Erziehungsversorgung, andererseits den Bedarf nach sozialen Kontakten und sozialer Integration.

Wenn derzeit von der jungen Generation und ihren Lebensumständen gesprochen wird, dann geht es primär um die Bildungsfrage mit der aktuellen Tendenz hin zur Ganztagsschule, die als Lösung der durch demographische, wirtschaftliche, rechtliche, politische und soziale Entwicklungen beeinflussten Lebenssituation und Lebensführung junger Menschen diskutiert wird.[6] Demgegenüber ist von einem anderen pädagogischen Bereich, der Jugendarbeit, kaum die Rede, und wenn, dann eher mit resignativen Schlagzeilen.[7]

Dieses kurz skizzierte Bild verdeutlicht die kritische Lage, in der sich sowohl Jugendliche selbst, aber auch alle, die mit Jugend zu tun haben (Politik, Schule, Jugendarbeit) befinden und es lässt sich ein erster Eindruck davon gewinnen, wie öffentlich mit der Problematik umgegangen wird und dies veranlasste mich zur Auseinandersetzung mit der Thematik. Ausgehend von der Annahme, dass sich Jugendliche heute in einem Spannungsfeld gesellschaftlicher Anforderungen befinden – nämlich zwischen gesellschaftlicher Integrität[8] und Individualisierung -, stellt sich mir die Frage, ob die derzeitigen Debatten um Ganztagsschule tatsächlich die alleinige Lösung des Problems darstellen. Grundlegend für die Beantwortung dieser Frage ist meines Erachtens die Klärung der Situation Jugendlicher in der Gegenwartsgesellschaft. Dabei sollen folgende Fragen beantwortet werden:

- Was bedeutet Jugend heutzutage und wo stehen Jugendliche heute?
- Was erwartet die Gesellschaft von Jugendlichen?
- Welchen Problemen sind sie heutzutage ausgesetzt?

Wie können Jugendliche den Anforderungen gerecht werden, sowohl im „Strom“ der Individualisierung mit zu schwimmen, wie auch sich in die Gesellschaft integrieren zu können? Mir erscheint es äußerst schwierig, beidem gerecht zu werden, zumal es keine direkte institutionelle Unterstützung gibt, um Jugendliche auf die gesellschaftliche Situation vorzubereiten, der sie nach Schule und Ausbildung „ausgesetzt“ sind.

Im Gegensatz zu den derzeitigen öffentlichen Debatten um die Ganztagsschule sehe ich die Chancen zur Lösung des Problems eher bei der Jugendgruppenarbeit, davon ausgehend, dass sie Jugendliche bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben unterstützen kann und soziale Kompetenzen fördert. Dabei soll den folgenden Fragen nachgegangen werden:

- Wie ist Jugendarbeit rechtlich/gesetzlich geregelt?
- Welche Aufgaben und Ziele hat Jugendarbeit?
- Was kann soziale Jugendgruppenarbeit für Jugendliche leisten?

Wenn Jugendgruppenarbeit das leisten kann, was Jugendliche benötigen, nämlich die Unterstützung bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben und die Förderung sozialer Kompetenzen, stellt sich die Frage, warum diese Unterstützung nicht genutzt wird. Und wie müsste Jugendgruppenarbeit konzipiert sein, damit sie genutzt werden würde?

Diese Arbeit ist in drei Abschnitte gegliedert, wobei sich der erste mit der Situation Jugendlicher in der Gegenwartsgesellschaft befasst. Zunächst werden die grundlegenden gesellschaftlichen Anforderungen an Jugendliche (Entwicklungsaufgaben und Ausbildung sozialer Kompetenzen) beschrieben. Anschließend gehe ich auf die Gegenwartsgesellschaft mit deren Veränderungen durch die Individualisierung ein. Daran anknüpfend werden die Auswirkungen der Individualisierung auf die Jugendphase behandelt und die sich daraus ergebenden Probleme Jugendlicher in der Gegenwartsgesellschaft herausgearbeitet. Der erste Abschnitt schließt mit den Schlussfolgerungen für die Soziale Arbeit.

Der zweite Abschnitt befasst sich mit sozialer Jugendgruppenarbeit, wobei zunächst Jugendarbeit allgemein mit ihren rechtlichen Grundlagen, Aufgaben und Zielen beschrieben wird, um sie dann in verschiedene Handlungsfelder zu differenzieren, und somit Jugendgruppenarbeit in ihr verorten zu können. Mithilfe der Merkmale von Jugendgruppen soll Jugendgruppenarbeit charakterisiert werden. Es folgt die Bearbeitung der im Mittelpunkt dieser Arbeit stehenden Frage, was Jugendgruppenarbeit für Jugendliche leisten kann, woraus sich der Auftrag sozialer Jugendgruppenarbeit ergibt.

Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Konzeptionierung einer modernen Jugendgruppenarbeit, wobei zunächst auf die heutige Situation der Jugendarbeit eingegangen werden soll. Anhand der Ergebnisse dieser Arbeit sollen Herausforderungen an die Jugendgruppenarbeit dargestellt werden und Thesen und Ideen zusammengetragen werden, was sie beachten muss, um in Zukunft eine bedeutende Funktion für Heranwachsende in öffentlicher Verantwortung übernehmen zu können.

A. Situation Jugendlicher in der Gegenwartsgesellschaft

Der Begriff Jugend scheint im heutigen Sprachgebrauch in Wissenschaft und Praxis selbstverständlich zu sein, allerdings handelte es sich bei der Jugendphase in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch um eine relativ kurze Zeitspanne von etwa 4-5 Jahren, zwischen dem Eintreten der Geschlechtsreife und dem damals noch frühen Austritt aus dem allgemeinen beruflichen Bildungssystem.[9]

Im Zuge der Industrialisierung zogen sich die Tätigkeits- und Handlungsbereiche von Kindern und Erwachsenen immer weiter auseinander und die Arbeit wurde immer mehr aus dem Familienverbund ausgelagert und von öffentlichen Institutionen und Einrichtungen übernommen.[10]

Sowohl die gesellschaftliche Funktion als auch die lebensbiographische Bedeutung der Jugendphase haben sich grundlegend verändert: Das herkömmliche sozialwissenschaftliche Verständnis von Jugend schrieb dieser Lebensphase eine Standardabfolge von Übergangsereignissen (z.B. das Durchlaufen und die Beendigung der Schul- und Ausbildungszeit, Eintritt in die Erwerbstätigkeit usw.) und auf sozialpsychologischer Ebene die Konfrontation mit bestimmten Entwicklungsaufgaben[11] zu. Heute muss von zunehmend individuell verlaufenden Übergangsprozessen und von veränderten Abfolgen der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben gesprochen werden.[12]

Es ist notwendig, die Lebenssituation Jugendlicher in der Gegenwartsgesellschaft zu beschreiben, um Erscheinungsformen und das Verhalten Jugendlicher angemessen verstehen sowie Ziele, Inhalte und Methoden der Jugendarbeit daran ausrichten zu können. In diesem ersten Abschnitt soll ein Verständnis von Jugend gewonnen werden, an dem sich Jugend(gruppen)arbeit orientieren kann. Die Ausführungen der folgenden Kapitel sollen für ein differenziertes Bild der gegenwärtigen Lebenssituation Jugendlicher Bausteine liefern, indem die allgemeinen Entwicklungsaufgaben Jugendlicher beschrieben werden, die gegenwärtige gesellschaftliche Situation analysiert wird, in der junge Menschen heranwachsen sowie die daraus resultierenden Probleme für Jugendliche erläutert werden. Es soll so ein Bild der Lebenswelt Jugendlicher entstehen, an dem sich Jugendarbeit orientieren kann.

Jugend ist nicht nur eine biographische Lebensphase oder ein Lebensgefühl, sondern auch ein theoretisches Konzept und gesellschaftliches Muster mit bestimmten Erwartungen und Entwicklungsaufgaben, die Jugendliche bewältigen müssen. Wenn in den vergangenen Jahren von einer Veränderung sozialer Lebenswelten und einem Strukturwandel der Jugendphase die Rede war, dann ist damit der Wandel dieses Musters gemeint. Die Bedingungen des Aufwachsens und Hineinwachsens in die Gesellschaft haben sich zum Teil entscheidend verändert; sie schaffen neue Rahmenbedingungen für die Jugend und stellen Jugendarbeit vor neue Herausforderungen.

Am Anfang dieser Arbeit steht der Versuch, die veränderten Muster und theoretischen Konzepte von Jugend nachzuzeichnen und aktuelle Anforderungen, mit denen Jugendliche heute konfrontiert sind, zu skizzieren. Dabei wird deutlich, dass Jugend zunehmend von gesellschaftlichen Konstellationen abhängig wird und so genannte Jugendthemen sich zu gesellschaftlichen Gegenwarts- und Zukunftsthemen ausweiten.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass es „die Jugend“ nicht gibt, sondern dass diese Lebensphase in sozial ungleiche Jugenden differenziert ist, die sich nach folgenden Aspekten unterscheiden lassen:

- nach den materiellen Lebensbedingungen und den Ressourcen (Geld, Bildung, soziale Beziehungen etc.), über die Heranwachsende als Angehörige sozialer Klassen und Milieus verfügen,
- nach den ihnen im Schulsystem zugewiesenen Positionen,
- nach den innerhalb des jeweiligen soziokulturellen Milieus tradierten, intern geschlechtsspezifisch ausgeprägten Lebensstilen und Lebensentwürfen,
- nach den jugendkulturellen Milieus und Szenen, denen sich Jugendliche zurechnen sowie
- nach den differenzierten Entwicklungsaufgaben, die Jugendlichen jeweils gestellt werden.

Hinzu kommen weitere Differenzierungen, die sich etwa aus städtischen oder ländlichen Lebensbedingungen, regionalen Traditionen und aus ethnisch-kulturellen Zuordnungen ergeben.[13]

1. Allgemeine gesellschaftliche Anforderungen an Jugendliche

Unabhängig von den durch den gegenwärtigen Sozialen Wandel erhöhten Anforderungen stellt die Jugendphase wegen vielfältiger Unsicherheiten, Desorientierungen sowie Rollen- und Statusproblemen eine krisenhafte Phase im Lebenslauf eines Menschen dar. Die allgemeinen Anforderungen an Jugendliche sollen in diesem ersten Kapitel beschrieben werden, bevor auf den gesellschaftlichen Wandel und dessen Auswirkungen eingegangen wird Jugendlicheugendliche eingegangen werden soll..

1.1 Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase

In dem zuerst von Havighurst (1972) formulierten und in der neueren Literatur zur Jugendforschung vielfach weiterentwickelten Konzept der Entwicklungsaufgaben werden gesellschaftliche Normen und Erwartungen dargestellt, in denen festgeschrieben ist, was jeweils vorherrschende Vorstellungen über eine angemessene Entwicklung Jugendlicher sind. Die von Jugendlichen zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben werden als soziale Zwänge und Erwartungen beschrieben, denen sich Jugendliche gegenübersehen und mit denen sie in unterschiedlicher Weise umgehen. Jugendliche werden im Konzept der Entwicklungsaufgaben als aktiv handelnde Subjekte ihrer Lebenspraxis betrachtet, die sich sozialen Anforderungen gegenübersehen, deren Bewältigungsmodus Wissenschaftlern und Pädagogen zum Kriterium für Antworten auf die Frage erklären, ob es sich um eine gelungene Lebensbewältigung handelt.

Hurrelmann benennt folgende Entwicklungsaufgaben, die er in vier große Entwicklungsbereiche einteilt:

1. Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, um selbstverantwortlich schulischen und anschließend beruflichen Qualifikationen nachzukommen, mit dem Ziel, eine berufliche Erwerbsarbeit aufzunehmen und dadurch die eigene, ökonomische und materielle Basis für die selbständige Existenz zu sichern.[14]
2. Entwicklung der eigenen Geschlechtsrolle und des sozialen Bindungsverhaltens zu Gleichaltrigen des eigenen oder des anderen Geschlechts, Aufbau einer heterosexuellen Partnerbeziehung, die langfristig die Basis für eine Familiengründung und die Geburt und Erziehung eigener Kinder bilden kann.[15]
3. Entwicklung eigener Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwarenmarktes und des Freizeitmarktes einschließlich der Medien mit dem Ziel, einen eigenen Lebensstil zu entwickeln und zu einem gesteuerten und bedürfnisorientierten Umgang mit den entsprechenden Angeboten zu kommen.[16]
4. Entwicklung eines eigenen Werte- und Normsystems und eines ethischen und politischen Bewusstseins, das mit dem eigenen Verhalten und Handeln in Übereinstimmung steht, so dass die verantwortliche Übernahme von gesellschaftlichen Partizipationsrollen im kulturellen und politischen Raum möglich ist.[17]

In der Jugendphase setzt der Prozess der selbständigen und bewussten Individuation, der Entwicklung einer besonderen und unverwechselbaren Persönlichkeitsstruktur, ein, durch die das Individuum in die Lage versetzt wird, sich durch selbständiges, autonomes Verhalten in seinem sozialen Umfeld zu behaupten.[18]

Erst mit dem Erreichen des Jugendalters ist in entwicklungspsychologischer Sicht mit dem nötigen Grad an Bewusstheit und Reflektiertheit zu rechnen, um die eigene Person als „mit sich selbst identisch“ zu erleben, also eine Identität ausbilden zu können. Individuation und Identität können nur dann gelingen, wenn alle oben genannten Entwicklungsaufgaben des Jugendalters gelöst werden, und zwar nicht isoliert voneinander, sondern in einem aufeinander bezogenen Gefüge.[19]

1.2 Soziale Kompetenz

Seit geraumer Zeit wird Soziale Kompetenz als Schlüsselqualifikation verstärkt neben fachlichem Können und theoretischem Wissen gefordert. Dabei weichen die Aussagen darüber, was Soziale Kompetenz beinhaltet stark voneinander ab, was damit zusammenzuhängen scheint, dass sozial kompetentes Verhalten abhängig von der jeweiligen Situation und des Umfeldes variiert.

Dennoch besteht Konsens darüber, dass Soziale Kompetenz als Zusammenspiel eines Bündels von Fähigkeiten und Verhaltensweisen gesehen werden kann, die situationsangemessen eingesetzt werden, um positiv und konstruktiv Einfluss nehmen zu können. Wobei bestimmtes Verhalten in der einen Situation als sozial kompetent gelten kann, während es in einem anderen Kontext als Versagen dargestellt wird.[20]

Langmaack definiert Soziale Kompetenz folgendermaßen: „Soziale Kompetenz ist ein Bündel von Fähigkeiten, um in sozialen Situationen auf der zwischenmenschlichen Ebene zu kommunizieren und zu kooperieren. Mit fachlichem und methodischem Können zusammen bildet soziale Kompetenz den Dreiklang, aus dem Handlungsfähigkeit entsteht. Alle drei zusammen werden eingesetzt, um eine erwünschte oder geforderte Wirkung unter Einbeziehung persönlicher und kollektiver Werte zu erzielen.“[21]

An Definitionen und an Trainingsprogrammen[22] Sozialer Kompetenzen mangelt es in der Fachliteratur nicht, allerdings ist nur schwerlich eine konkrete Auflistung der einzelnen Fähigkeiten, die Soziale Kompetenz ausmachen, zu finden. Im Zusammenhang dieser Arbeit sollen unter Sozialer Kompetenz folgende grundlegenden Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale verstanden werden:

- Empathie/ Einfühlungsvermögen
- Kritikfähigkeit
- Toleranz
- Teamfähigkeit
- Integrationsfähigkeit
- Motivation
- Kontaktfähigkeit
- Kooperation
- Konfliktfähigkeit
- Kommunikationsfähigkeit[23]

Soziale Kompetenzen beziehen sich sowohl auf die innere Haltung wie auch auf das äußere Verhalten und sind für die erfolgreiche gesellschaftliche Integration erforderlich. Dabei hängt es von der Situationsangemessenheit ab, ob die jeweiligen Verhaltensweisen als sozial kompetent bezeichnet werden können, da in der Interaktion unterschiedliche Verhaltensweisen eine Rolle spielen.[24]

Bei der Sozialen Kompetenz handelt es sich um ein psychologisches Konzept orientiert am Entwicklungsverlauf und den daraus resultierenden Entwicklungsaufgaben. Soziale Kompetenz bezieht sich auf alle Fertigkeiten, die für ein zufrieden stellendes Zusammenleben erforderlich sind. Die sozialen Fertigkeiten orientieren sich an den Anforderungen einer Situation, den Ressourcen und den persönlichen Bedürfnissen der Beteiligten, aber auch an gesellschaftlichen Normen. Soziale Fertigkeiten dienen dazu, den Betroffenen einen akzeptablen Kompromiss zwischen sozialer Anpassung und persönlichen Bedürfnissen zu ermöglichen. Unter sozialen Kompetenzen sind in erster Linie Handlungsvoraussetzungen zu verstehen, die zur Bewältigung definierter (und oftmals situationsabhängiger) Kommunikations- und Kooperationsanforderungen notwendig sind, um an gesellschaftlicher Interaktion teilnehmen zu können.[25]

Soziale Kompetenz beeinflusst den Schulerfolg und fördert die berufliche Karriere. Sozial kompetente Partner sind nicht nur sozial akzeptierter, sondern weisen auch vielfältige Schutzfaktoren auf, die vor psychosozialen Krisen oder psychischen Krankheiten schützen. In Anlehnung an Bloomquist kann soziale Kompetenz als Fähigkeit, umweltbezogene und persönliche Ressourcen gezielt so einzusetzen, dass eine optimale Entwicklung möglich wird, definiert werden.[26]

Die traditionellen Lern- und Erfahrungsorte wie Elternhaus und Schule können nicht mehr als alleinige Institutionen für soziales Lernen angesehen werden. Die Forderung nach Sozialen Kompetenzen hängt meines Erachtens damit zusammen, dass diese nicht mehr selbstverständlich vorzufinden sind.

2. Gesellschaftlicher Wandel

Die gegenwärtige gesellschaftliche Lage ist in allen Industrienationen durch eine Fülle von Umbrüchen gekennzeichnet. Auch die Bundesrepublik macht seit Jahren einen sozialen Wandel durch, „der die gesellschaftlichen Verhältnisse und bisher anerkannten Werte grundlegender verändert, als dies in solcher Komplexität jemals zuvor zu beobachten war.“[27]

Moderne Gesellschaften werden in den Sozialwissenschaften ganz grundsätzlich als komplexe, dynamische und widersprüchliche Formen der Vergesellschaftung beschrieben, welche die Fähigkeit der Individuen, sich als selbstbestimmungsfähige Einzelne zu begreifen und als solche zu handeln, ebenso hervorbringen und voraussetzen, wie sie die Individuen in ihrer Selbstbewusstseins- und Selbstbestimmungsfähigkeit zugleich begrenzen und die Einzelnen in ihrem Erleben und Handeln disziplinieren.[28]

Gegen die Vorstellung, dass moderne Gesellschaften freie und gleiche Bürger hervorbringen, haben sozialwissenschaftliche Untersuchungen und Theorien immer wieder argumentiert, dass die Einzelnen nicht nur tatsächlich höchst ungleichen Lebensbedingungen unterliegen, sondern dass auch die Entfaltung der individuellen Subjektivität, des Selbstbewusstseins und des Selbstgefühls, der Normen, Wertvorstellungen, Lebensziele und auch der ästhetischen Vorlieben von den sozial ungleichen Lebensbedingungen, Erfahrungen und der Kultur der sozialen Gruppe, in die man hineingeboren wird, strukturiert ist.[29]

Von der Soziologie werden diese Wandlungsprozesse unter dem Begriff der Individualisierung beschrieben, in dessen Zentrum die Behauptung steht, wir lebten in einer Gesellschaft jenseits von Stand und Klasse, einer Gesellschaft von Einzelnen, die ihr Leben eigenständig entwerfen, ohne sich noch an klassenspezifischen Vorgaben zu orientieren.[30]

Bevor im zweiten Teil dieses Kapitels auf das Individualisierungstheorem eingegangen wird, soll zunächst die demographische Entwicklung in Deutschland skizziert werden, um das Verhältnis Jugendlicher zur Gesamtbevölkerung darzustellen.

2.1 Demographische Entwicklung

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung nach Altersgruppen in allen Industrienationen spürbar zu Ungunsten der jungen Jahrgänge gewandelt. Noch zur Wende ins 20. Jahrhundert wies die Bevölkerungspyramide in Deutschland eine große Basis von Kindern und Jugendlichen auf und verkleinerte sich in höheren Altergruppen schrittweise[31] (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bevölkerungspyramide Deutschland 1910

(Quelle: Grafik-Datenbank: Deutschland[32])

Eine solche Bevölkerungspyramide in Form eines Dreiecks hängt vor allem von den Motivationen und Belohnungen für den Kinderwunsch ab. Im 19. Jahrhundert galten Kinder vor allem im ländlichen Bereich noch als Reichtum, weil sie die Alterssicherung garantierten. Es galt als selbstverständlich, Kinder zu haben und wurde nicht wie heute von komplizierten Entscheidungsprozessen abhängig gemacht, weil Kinder keine besonderen Umstände für die Betreuung verursachten.[33]

Heute hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung weit von der Form eines Dreiecks entfernt, wofür die abnehmende Kinderzahl und der damit einhergehenden geringen Besetzung der jungen Jahrgänge verantwortlich ist (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bevölkerungspyramide Deutschland 1999

(Quelle: Grafik-Datenbank: Deutschland[34])

Dass die jungen Jahrgänge heute nicht mehr das zahlenmäßig größte Gewicht wie noch zur Jahrhundertwende aufweisen, ist wesentlich auf die völlig veränderten Motive für den Kinderwunsch zurückzuführen. Kinder sind heute eine luxuriöse Investition und bieten nicht mehr wie früher finanzielle Vorteile noch Unterstützung bei der Gestaltung praktischer Lebensvollzüge, anders gesagt: „Die Motive für den Kinderwunsch liegen heute nicht mehr bei den handfesten ökonomischen und pragmatischen Vorteilen, sondern im Bereich der emotionalen Lebenswünsche und meist auch bewussten Abwägungen.“[35]

2.2. Individualisierung

Die Grundthese der soziologischen Klassik besagt, dass die Gesellschaft im Laufe ihrer historischen Entwicklung komplexer wird, und dass dies in zunehmender Differenzierung seinen Ausdruck findet. Im Übergang von Hochmittelalter zur Neuzeit löst sich die ökonomische Produktion allmählich aus dem familialen Zusammenhang heraus. Politische Steuerung und ökonomische Kapitalbildung werden getrennt und auch das Erziehungssystem wird aus religiösen Legitimationszusammenhängen befreit. Diese Ausdifferenzierung von Teilsystemen wird durch Steigerung der Rollendifferenzierung begleitet, die die Individuen vor neuartige Anforderungen stellt: Identität wird nun nicht mehr qua Geburtsstand zugewiesen, sondern durch die horizontale wie biographische Kombination von Rollenübernahmen selbsttätig erworben und weiterentwickelt.[36]

Im Gegensatz zu diesem weiten historischen Zeithorizont, der durch diesen „ersten“ Individualisierungsschub umfasst wird, zielen die Ausführungen von Ulrich Beck (1986) auf eine wesentlich kürzere Periode: Es geht um „sekundäre“ Individualisierungsschübe seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts vor allem in der Bundesrepublik Deutschland. Die Individualisierung, die er im Auge hat, setzt gewissermaßen die „erste“ Individualisierung, also die Freisetzung der Gesellschaftsmitglieder aus vormodernen Bindungen und Zwängen voraus. Sie verlängert und modifiziert diese Entwicklung allerdings in einigen wesentlichen Hinsichten.[37]

Drei sozialstrukturelle Entwicklungen sind für Beck die Motoren der „sekundären“ Individualisierung:

- Erstens verbesserten sich die materiellen Bedingungen gravierend. Beck spricht vom „Fahrstuhleffekt“, da sich die Reallöhne vervielfachten, die Lebensarbeitszeit verkürzte und ein Umbruch im Verhältnis von Arbeit und Freizeit stattfand. Die hohen Lebensstandards eröffnen den Menschen neuartige Bewegungsspielräume und Chancen, aus Klassenmilieus herauszukommen und individuelle Lebensentwürfe zu gestalten.[38]
- An zweiter Stelle nennt Beck die gestiegene soziale und geographische Mobilität der Bevölkerung. Ökonomische Modernisierung und wohlfahrtsstaatliche Expansion führen zu weit reichenden Wandlungen in der Berufsstruktur, zu Expansion des Dienstleistungssektors sowie zur Umstrukturierung sozialräumlicher Lebensverhältnisse (von der Urbanisierung bis zur Entleerung ländlicher Räume) sowie schließlich zu einer wachsenden Partizipation von Frauen am Arbeitsmarkt. Die hiermit verbundene Mobilität der Bevölkerung löst die Individuen ebenfalls aus traditionellen Lebenswelten und Lebenszusammenhängen heraus, mischt die klassen- und schichtspezifisch getrennten sozialen Kreise und wirbelt eingefahrene Lebenswege und biographische Planungen durcheinander. In diesem Zusammenhang sorgt vor allem die wachsende Frauenerwerbstätigkeit dafür, dass die gesellschaftlichen Individualisierungsschübe auch in die Familien hineingetragen werden.[39]
- Drittens tragen die Auswirkungen der enormen Bildungsexpansion zur Veränderung sozialer Milieus und zur Pluralisierung von Lebensstilen bei. Die soziale Ungleichheit wird damit nicht abgeschafft, sondern besteht in individualisierter Form weiter. Nicht mehr die Klassenzugehörigkeit wird für soziale Ungerechtigkeiten, Arbeitslosigkeit oder Armut verantwortlich gemacht, sondern der Einzelne selbst. Die Verlierer im Konkurrenzkampf der Leistungsgesellschaft werden öffentlich daher kaum mehr wahrgenommen und müssen ihr randständiges Dasein als persönliches Schicksal erfahren.[40]

Das Zusammenwirken der genannten Komponenten – mehr arbeitsfreie Zeit, mehr Geld, Mobilität und Bildung - entwickelt seine Struktur verändernde Intensität und bricht die Lebenszusammenhänge von Klasse und Familie auf. Familiäre und soziale Milieus sind nicht mehr wie früher in der Lage, den gesellschaftlichen Zugriff auf das Individuum abzufangen.[41] Der Einzelne allein wird „zur lebensweltlichen Reproduktionseinheit des Sozialen. Oder anders formuliert: die Individuen werden innerhalb und außerhalb der Familie zu Akteuren ihrer marktvermittelten Existenzsicherung und der darauf bezogenen Biographieplanung und –organisation.“[42] Traditionale Muster herzustellen und sich zu integrieren wird zur unausweichlichen Aufgabe des einzelnen Menschen.[43]

[...]


[1] Vgl. Rose, L. 2005, In: deutsche jugend, 53.Jg. 2005. H.12, S. 511

[2] Z.B. Hafeneger, B. 2005, In: deutsche jugend, 53.Jg. 2005. H.1, S. 11-18

[3] Vgl. Rauschenbach, T. 2003, S. 49 ff. In: Rauschenbach, T./Düx, W./Sass, E. 2003

[4] Vgl. Hafeneger, B. 2005, In: deutsche jugend, 53.Jg. 2005. H.1, S. 16

[5] Vgl. Rauschenbach, T. 2003, S. 50 In: Rauschenbach, T./Düx, W./Sass, E. 2003

[6] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) 2005, S. 28 f.

[7] Vgl. Hafeneger, B. 2005, In: deutsche jugend, 53.Jg. 2005. H.1, S.

[8] Gesellschaftliche Integrität meint hier, in die Gesellschaft integriert zu sein bzw. sich in die Gesellschaft integrieren zu können

[9] Vgl. Klawe, W. 2000, S. 26; Vgl. HURRELMANN, K. 1999, S. 26

[10] Vgl. dazu ausführlicher HURRELMANN, K. 1999, S. 27 ff.

[11] Siehe Kapitel „Entwicklungsaufgaben im Jugendalter“

[12] Vgl. HEITMEYER, W./ OLK, T. (Hrsg.) 1990, S. 22

[13] Vgl. SCHERR, A. 1997, S. 91

[14] Vgl. HURRELMANN, K. 2005, S. 27

[15] Vgl. HURRELMANN, K. 2005, S. 27 f.

[16] Vgl. HURRELMANN, K. 2005, S. 28

[17] Vgl. HURRELMANN, K. 2005, S. 28

[18] Vgl. HURRELMANN, K. 1999, S. 36

[19] Vgl. HURRELMANN, K. 1999, S. 37

[20] Vgl. Langmaack, B. 2004, S. 21 f.

[21] Langmaack, B. 2004, S. 23

[22] Z.B. bei Hinsch, R./ Pfingsten, U. 2002; Petermann, F./Petermann, U. 2003

[23] Vgl. Huck-Schade, M.J. 2003, S. 15

[24] Vgl. Huck-Schade, M.J. 2003, S. 15

[25] Vgl. Jugert, G. u.a. 2006, S. 9 ff.

[26] Vgl. Bloomquist, M.L., 1996 In: Jugert, G. u.a. 2006, S. 10

[27] NAGL, E. 2000, S. 33

[28] Vgl. Wagner, 1995 In: SCHERR, A., 1997, S. 28

[29] Vgl. SCHERR, A. 1997, S. 117

[30] Vgl. SCHERR, A. 1997, S. 118

[31] Vgl. HURRELMANN, K. 2005, S. 13 f.

[32] Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: http://www.berlin-institut.org/pages/buehne/buehne_bilddatei_deutschland.html# (16.06.2006)

[33] Vgl. HURRELMANN, K. 2005, S. 14 f.

[34] Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: http://www.berlin-institut.org/pages/buehne/buehne_bilddatei_deutschland.html# (16.06.2006)

[35] HURRELMANN, K. 1999, S. 17

[36] Vgl. HEITMEYER, W./ OLK, T. (Hrsg.) 1990, S. 13

[37] Vgl. HEITMEYER, W. / OLK, T. (Hrsg.) 1990, S. 13 f.

[38] Vgl. BECK, U. 1986, S. 122 ff.

[39] Vgl. BECK, U. 1986, S. 125 ff

[40] Vgl. BECK, U. 1986, S. 127 ff.

[41] Vgl. NAGL, E. 2000, S. 35

[42] BECK, U. 1986, S. 119

[43] Vgl. NAGL, E. 2000, S. 35

Details

Seiten
79
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638617970
ISBN (Buch)
9783638717373
Dateigröße
748 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72003
Institution / Hochschule
Hochschule Hannover
Note
2,3
Schlagworte
Zwischen Integrität Individualisierung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Zwischen gesellschaftlicher Integrität und Individualisierung