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Karl VI. - Ein Kaiser und Mensch im Zeremoniell des Wiener Hofes

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 20 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Das kaiserliche Hofzeremoniell
1.1 Die Hofgesellschaft
1.2 Der Zugang zum Kaiser
1.3 Die Kleiderordnung

C. Versailles und Wien – Zwei Herrscher, zwei Welten
2.1 Die kaiserlichen Solennitäten und Divertissements im Vergleich
2.2 Karl VI. als Mensch
2.3 Ludwig XIV. als Mensch
2.4 Der Sinn und Zweck des Hofzeremoniells

D. Resumée

Literaturnachweis
Quellen:
Internet:
Sekundarliteratur:

Bildnachweis:

A. Einleitung

„ Große Herren sind zwar sterbliche Menschen, wie andere Menschen; Weil sie aber Gott selbst über andere in dieser Zeitlichkeit erhoben, und zu seinen Stadthaltern auf Erden gemacht, also daß sie von der Heil. Schrifft in solchem Verstande gar Götter genennet werden, so haben sie freylich Ursache, sich durch allerhand euserliche Marquen vor anderen Menschen zu distinguieren, um sich dadurch bey ihren Unterthanen in desto grössern Respect und Ansehn zu setzen. Denn die meisten Menschen, vornehmlich aber der Pöbel, sind von solcher Beschaffenheit, daß bey ihnen die sinnliche Empfind und Einbildung mehr, als Witz und Verstand vermögen, und sie daher durch solche Dinge, welche die Sinne kützeln und die Augen fallen, mehr, als durch die bündig und deutlichsten Motiven commoviret werden.“[1]

Hatte Lünig mit seiner 1719 aufgestellten These Recht? Begriff die Bevölkerung die existenten Standesunterschiede wirklich nur durch die visuelle Wahrnehmung eines Zeremoniells? Diente das kaiserliche Hofzeremoniell ebenfalls nur der optischen Regle-mentierung und der Einhaltung der Rangfolge? Wie sah das Hofzeremoniell konkret aus und welche Rolle spielte der Kaiser darin? Wie ging der französische König Ludwig XIV. mit dem Zeremoniell am französischen Hof um? Dies sind die Fragen, die mich bei diesem Thema beschäftigen.

Im Verlauf dieser Arbeit werde ich zunächst einige Aspekte des kaiserlichen Hofzeremoniells zwischen 1711 und 1740 beleuchten und anschließend sowohl die jeweiligen Festkalender, als auch die Menschen Karl VI. und Ludwig XIV. vergleichen. All dies soll den Rezipienten auf den wichtigsten Teil der Arbeit vorbereiten: den Sinn und Zweck eines Hofzeremoniells im Allgemeinen. Abschließend möchte ich in meinem Resumée noch auf das ursprüngliche Seminarthema eingehen und meine Bewertung des Kaisers auf Grund der dargelegten zeremoniellen Sichtweise rechtfertigen.

Somit stellen sich mir in dieser Arbeit zwei essentielle Fragen: 1. Was war die Intention des Hofzeremoniells? Und 2. in wie fern kann man Karl VI. auf Grund des Zeremoniells entweder als Friedens- oder als Kriegskaiser kategorisieren?

B. Das kaiserliche Hofzeremoniell

1.1 Die Hofgesellschaft

Um die Mitglieder der Hofgesellschaft festzulegen bedarf es zuerst einer Definition des Begriffes selbst. Wer gehörte überhaupt zur ständigen Hofgesellschaft und wer nicht? Ein vollwertiges Mitglied der Hofgesellschaft hatte Zugang zum Kaiser, sei es eingeschränkt oder uneingeschränkt. Man war berechtigt an den Festlichkeiten des Hofes teilzunehmen, bekleidete meistens ein Hofehrenamt, wie zum Beispiel das Amt des Kämmerers oder der Hofdame und gehörte dem höheren Adel an.[2] Somit ergibt sich die Schlussfolgerung, dass Bedienstete des kaiserlichen Hofes, wie Köche, Stallburschen und Mägde, nicht zur Hofgesellschaft gezählt werden können. Sie waren nicht zur Teilnahme an Solennitäten und Lustbarkeiten berechtigt, sondern lediglich für deren reibungslosen Ablauf verantwortlich.

Der kaiserliche Hof stach aus der Reihe der Fürstenhöfe durch seine übergeordnete Position, seine Einzigartigkeit und selbstverständlich durch die Anwesenheit des Kaisers selbst heraus. Der Großteil der Hofgesellschaft entstammte dem Hochadel. Pečar stellte anhand der „Ordnung der kayserlichen Cammerherren“ aus dem Jahr 1717 fest, dass ca. 82% aller Kämmerer einen Fürsten- oder Grafentitel aufweisen konnten.[3] Diese Vorherrschaft des Hochadels zog sich auch durch andere Hofehrenämter, wie den Geheimen Rat oder die Ritter des Ordens des Goldenen Vlies. Die größte Gruppe des Hofadels entstammte wiederum den österreichischen Erblanden. Doch auch der europäische Adel war vertreten. Durch seine kurzzeitige Regentschaft in Spanien, hatte der Kaiser Berater und Vertraute des spanischen Hofadels mit nach Wien gebracht; und auch andere Botschafter und Gesandte der europäischen Fürstenhäuser verweilten am Wiener Hof und waren ein fester Bestandteil der dortigen Gesellschaft.[4]

Es drängt sich nun jedoch die Frage auf, warum keine gemischtere oder ausgeglichenere Verteilung von Adelsrängen am Hof zu finden war. Bei der Beantwortung dieser Frage stoßen wir nun zum ersten Mal auf Aspekte des Hofzeremoniells. Zählte man zur Hofgesellschaft, war es Privileg und Verpflichtung zugleich bei Festivitäten des Kaisers, wie zum Beispiel einem Maskenball, anwesend zu sein. Dies bot dem Adel die Möglichkeit seinen jeweiligen Rang angemessen zur Schau zu stellen. Da ein standesgemäßes Leben und Auftreten bei Hofe jedoch enorm kostspielig war, verfügte nur eine kleine Gruppe des Adels über die entsprechenden finanziellen Mittel; der Hochadel. Bedienstete, Kleidung, Schmuck und Pferde verschlangen Unsummen an Kapital. War man jedoch erst einmal in eines der Ehrenämter berufen worden, so hatte man uneingeschränkten Zugang zum Kaiser und somit auch die Möglichkeit ihm seine Belange und Bedürfnisse vorzulegen.[5] Dies dürfte der Hauptgrund sein, warum so viele Adelige diese Kosten auf sich nahmen und trotzdem ein Leben am Kaiserhof anstrebten.

1.2 Der Zugang zum Kaiser

Wie bereits kurz erwähnt, war der Zugang zum Kaiser nicht für jeden ohne weiteres möglich. Wer wann und wie weit zu Karl VI. vordringen durfte, war wie vieles andere am Wiener Hof streng reglementiert und dem kaiserlichen Zeremoniell unterworfen. Mit einer Gesellschaftspyramide, bei der die niedrigsten Adelsränge der Hofgesellschaft den Sockel und der Kaiser die Spitze der Pyramide bilden, lässt sich am ehesten visualisieren, welche Ränge dem Kaiser am nächsten standen. Dieses Pyramidenmodell drückte sich auch in der Architektur der Hofburg, das heißt in der Lage der Staatsappartements aus.

1715 beauftragte Karl VI. die Hofkonferenz mit der Neuabfassung der Kammerordnung. Man beschloss eine überarbeitete Fassung der Kammerordnung Kaiser Josephs I., die der Kaiser im darauf folgenden Jahr in Kraft setzte.

[...]


[1] Lünig, J. C.; Theatrum Ceremoniale Historico-Politicum oder Historisch und Politischer Schauplatz aller Ceremonien […]; Bd. 1;Leipzig 1719; S.5.

[2] Pečar, A.; Die Ökonomie der Ehre, Der höfische Adel am Kaiserhof Karls VI. (1711-1740); in: Althoff, G. u.a. (Hg.); Symbolische Kommunikation in der Vormoderne, Studien zu Geschichte, Literatur und Kunst; Darmstadt 2003; S. 22 ff.

[3] ders.; Die Ökonomie der Ehre, Der höfische Adel am Kaiserhof Karls VI. (1711-1740); in: Althoff, G. u.a. (Hg.); Symbolische Kommunikation in der Vormoderne, Studien zu Geschichte, Literatur und Kunst; Darmstadt 2003; S. 32-34.

[4] Aretin, K. O. v.; Das Alte Reich 1648 – 1806; Bd. 2; Kaisertradition und österreichische Großmachtpolitik (1684 – 1745); Stuttgart 1997; S. 300 ff.

[5] Bauer, V.; Die höfische Gesellschaft in Deutschland von der Mitte des 17. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts; in: Berns, J. u.a. (Hg.); Frühe Neuzeit, Studien und Dokumente zur deutschen Literatur und Kultur im europäischen Kontext; Bd. 12; Tübingen 1995; S 63-66.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638633963
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72040
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit
Note
1,3
Schlagworte
Karl Kaiser Mensch Zeremoniell Wiener Hofes Hauptseminar Niedergang Friedenszeit Reiches

Autor

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Titel: Karl VI. - Ein Kaiser und Mensch im Zeremoniell des Wiener Hofes