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Supervision in der Altenpflege - Möglichkeiten und Grenzen

Hausarbeit 2004 21 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Was ist Supervision? Begriffliche Klärung
1.1 Wem dient die Supervision?

2. Arbeitsfeld Altenpflege
2.1 Definition der Pflege
2.2 Altenpflege als Beruf
2.3 Steigender Pflegebedarf
2.4 Tätigkeitsfeld Altenheim
2.5 Altenpflege als Beziehungs- und Gefühlsarbeit

3. Supervision in der Altenpflege
3.1 Möglichkeiten
3.2 Grenzen der Supervision in der Altenpflege
3.2.1 Mangelnde Feldkompetenz
3.2.2 Supervision ohne Einbeziehung der Leitung
3.2.3 Ablehnung in der Supervision

4. Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

Die Altenpflege steht schon seit einigen Jahren im Mittelpunkt des Interesses der deutschen Medien. Dabei wird über das Altern der Gesellschaft berichtet, die ständig steigenden Kosten öffentlicher Pflege und die leeren Pflegekassen, über die skandalösen Lebensbedingungen in manchen Altenheimen und die unzumutbaren Arbeitsbedingungen für dort arbeitende Pflegekräfte, über Gewalt in der Pflege und steigenden Personalmangel in den Alteneinrichtungen. Wenn man die öffentliche Debatte über den „Pflegenotstand“ (Dunkel 1994: 11) in Deutschland verfolgt, kommt man fälschlicherweise zum Schluss, dass gerade zu dem Arbeitsfeld Altenpflege, das mit solchen vielfältigen Problemen und Konflikten und mit viel Leiden belastet ist, ein riesiges sowie praktisches als auch wissenschaftliches Interesse seitens der Supervisionsforschung in Deutschland bestehen sollte. Mit Erstaunen musste ich aber nach meinen Literaturrecherchen, gerade das Gegenteil feststellen. In den letzten 20 Jahren, seit dem Jahre 1982, sind in der Fachzeitschrift „Supervision“ nur drei sich mit Supervision in der Altenpflege beschäftigende Artikel (Cordes 1998; Bartsch-Backes 1996; Petzold 1996) publiziert worden. Nur in der Zeitschrift „Organisationsberatung, Supervision, Coaching“ sah es mit dem Interesse zum supervisorischen Tun in der Altenpflege besser aus, dort wurde seit 1994 bis heute ein ganzes Heft (Heft3/1999) dem Thema Supervision in der Altenhilfe gewidmet. Den Literaturberichten war es also zu entnehmen, dass die Supervision in die Altenpflege und in die weiteren Bereiche der Altenarbeit insgesamt also, trotz großem Nachfragepotenzial, nur ganz langsam Eingang findet. Diese Tatsache hat mich überrascht und angetrieben das „Stiefkind der Supervision“ (Junkers 1999: 377) Altenpflege genauer unter die Lupe zu nehmen und den Fragen nachzugehen, wofür Supervision in der Altenpflege gebraucht werden kann, welche Bedingungen sie in diesem Feld vorfindet und welche Grenzen ihr dort gesetzt sind.

Im Mittelpunkt der Betrachtung der vorliegenden Arbeit steht somit die Supervision in dem Arbeitsfeld Altenpflege. Dabei sollen erstens anhand der Literaturbeiträge zur Altenpflege die spezifischen Besonderheiten des Feldes Altenpflege dargestellt werden, um von daher die typischen Probleme und Konflikte dieses Feldes, die Gegenstand der Supervision sein können zu beleuchten. In diesem Zusammenhang ist es von besonderem Interesse zu erforschen, wie die gesellschaftliche Entwicklung von Altenpflege als Beruf in Deutschland verlaufen ist, welche spezifischen Lebensbedingungen die Institution Altenheim für seine Bewohner und welche spezifischen Arbeitsbedingungen für die MitarbeiterIinnen bereithält. Es soll außerdem geklärt werden, welche Paradoxien die Altenpflege als eine Beziehungs- und Gefühlsarbeit aufweist. Zweitens soll erforscht werden, wozu die Supervision im Feld Altenpflege nachgefragt werden kann und welche Möglichkeiten sie in diesem Arbeitsfeld hat. Unter anderem ist es zu diskutieren welche möglichen Gründe es für ein Scheitern der Supervision in der Altenpflege gibt.

1. Was ist Supervision? Begriffliche Klärung.

Supervision ist ein sich aus dem Lateinischen Wort „supervidere“ (Duden 1989:1501) herleitender Begriff, der ganz allgemein „Über-Etwas-Sehen“ bedeutet, von weiterem besser, anders auf etwas draufschauen bzw. auch etwas aus einer anderen, höheren Perspektive betrachten.

Im amerikanischen Sprachraum wird unter dem Begriff Supervision eine „... allgemeine Leitungs-, Kontroll- und Vorgesetztenfunktion im industriellen und administrativen Bereich...“ (Belardi 1994:339) verstanden.

Obwohl der Supervisionsbegriff seine Wurzeln in den USA hat, verkörpert er im deutschsprachigen Raum ganz was anderes und hat mit dem „amerikanischen“ Verständnis von Supervision als einer kontrollierenden, überwachenden und leitenden Institution nichts gemein.

In der deutschsprachigen Fachliteratur wird heute Supervision[1] meist im beruflichen Kontext konzeptualisiert und als eine qualifizierte „... Beratung beruflichen Handelns...“ (Deutsche Gesellschaft für Supervision 2003:3) definiert, die zur Sicherung und Verbesserung der Qualität beruflicher Arbeit und zur „... Reflexion beruflichen interaktionellen Handelns...“ (Deutsche Gesellschaft für Supervision 2003:3) dient.

Belardi (1994: 338) definiert Supervision als „berufsbezogene Beratung und Weiterbildung“. Die Weiterbildungssupervision bietet Hilfe bei den konkreten fachlichen Problemen und Fragestellungen des Berufsalltags und erweitert damit die persönlichen fachlichen Kompetenzen der SupervisandIinnen.

Petzold (1996: 102) geht in ihrer Definition weiter und grenzt Supervision definitiv von der Therapie[2] ab: „...Supervision ist keine therapeutische Aktivität. Sie dient nicht der Regression des Supervisanden oder der Bewusstwerdung und Durcharbeitung biographischer Probleme, sondern sie hat sich zur Aufgabe gemacht, Hilfen für die Handhabung schwieriger Situationen in der Praxis zu geben...“

Zusammenfassend bedeutet das, dass es im Falle der Supervision um die Betrachtung der Situationen aus dem beruflichen Alltag aus einem gewissen Abstand, aus einer höheren Perspektive geht, mit dem Ziel beruflicher Handel zu optimieren, zu verbessern und weiterzuentwickeln und schließlich ein anderes, tieferes Verstehen der Berufssituation bei den Beteiligten zu erreichen. In Krisensituationen kann Supervision dazu beitragen die ins Stocken geratene Arbeit wieder in Gang zu bringen.

1.1 Wem dient die Supervision?

Anders gefragt: Für wen ist Supervision da? In welchen Bereichen der Arbeitswelt wird sie heute nachgefragt?

Supervision entstand in den USA Ende des 19. Jh. als eine Form von Unterstützung und Anleitung für ehrenamtlich in der Wohlfahrt tätige Helferinnen (meist Frauen aus bürgerlichen Kreisen), also im Rahmen der sozialen Arbeit (vgl. Buer 1999:70). Im Laufe der Zeit hat sich die Supervision gewandelt (vor allem methodologisch) und neue Arbeitsfelder außerhalb des Sozialbereiches für sich entdeckt. Inzwischen ist die Supervision in ihren traditionellen Feldern des Sozialsektors immer noch tätig, hat sich aber für neue Bereiche geöffnet, wie: den pädagogischen und therapeutischen Bereich, den Pastoral- und Justizbereich und zunehmend den Wirtschaftsbereich (vgl. Buer 1999:71). Man kann behaupten (vielleicht ein bisschen vereinfacht ausgedrückt), dass praktisch überall, wo Menschen mit Menschen arbeiten heute Supervision angefragt wird. Besonders aber in denjenigen Bereichen, „... in denen der Erfolg der Arbeit in hohem Maße von gelungenen Kooperationsbeziehungen zwischen Mitarbeitern/innen, zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern/innen oder zwischen Fachkräften und ihren Klienten, bzw. Kunden (abhängig ist)..“ (Deutsche Gesellschaft für Supervision 2003: 8).

2. Arbeitsfeld Altenpflege

2.1 Definition der Pflege

Es gibt verschiedene Begriffe von Pflege: Selbstpflege (die Sorge für sein eigenes Wohl), Laienpflege (rein auf Erfahrungen beruhende Betreuung anderer Menschen, die meist auf feiwilliger Basis geleistet wird) und professionelle Pflege. In dieser Arbeit steht die professionelle, d.h., berufsmäßig ausgeübte Pflege, im Mittelpunkt der Betrachtung.

Bei Petzold (1996) findet man folgende ausführliche Definition der professionellen Pflege: „...professionelle Pflege ist im Auftrag sozialstaatlicher Fürsorgerpflicht durchgeführte, qualifizierte Betreuung eines erkrankten, kranken, leidenden, behinderten, geschwächten oder in irgendeiner anderen Form in seinen Möglichkeiten der gesunden und selbstversorgenden Lebensführung eingeschränkten Mensch als Ganzem in lebenserhaltender, Krankheit und Sterben begleitender, heilender, lindernder Absicht, aber auch mit stützender, identitätssichernder, Lebensqualität und Entwicklung fördernder Zielsetzung. Professionelle Pflege bedient sich dabei medizinischer, pflege- und sozialwissenschaftlicher, psychologischer und pädagogischer Erkenntnisse und Methoden im jeweiligen institutionellen Kontext (z.B. Krankenhaus, Pflegeheim)...“ (Petzold 1996: 109)

Unter Altenpflege ist im Folgenden die professionelle Pflege älterer und nicht mehr arbeitsfähiger Menschen zu verstehen.

Wie schon angedeutet, ist heutzutage Supervision in unterschiedlichsten Arbeitsfeldern anzutreffen. In diesem Kapitel möchte ich anhand der verschiedenen Literaturquellen einen Überblick über das Supervisionsfeld Altenpflege geben, das trotz oft herrschender Meinung, ein traditionelles Feld der Supervision zu sein, relativ resistent gegenüber der Supervision geblieben ist. Dabei werde ich versuchen das Feld Altenpflege ausführlich zu beschreiben, um aus den Besonderheiten dieses Feldes die typischen Probleme und Konflikte, die Gegenstand der Supervision sein können, zu erfassen.

2.2 Altenpflege als Beruf

Die Altenpflege ist eine relativ junge Form der Erwerbsarbeit. Erst in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich Altenpflege als eigenständiger Beruf in Westdeutschland und in den neuen Ländern[3] erst nach der Wende, in den 90er Jahren, herausgebildet. Lange Zeit galt die Pflege alter Menschen entweder als Teil der Krankenpflege oder als religiös motiviertes Engagement der Ordensschwestern. Der Rückgang der Orden, die geringe Anziehungskraft, welche die Pflege der alten Menschen für die Krankenpflegekräfte hatte, und die ständig wachsende Anzahl der Pflegebedürftigen machten die Entwicklung und Etablierung der Altenpflege als eigenständiger Beruf in den alten Bundesländern notwendig (vgl. Belardi 1999a: 199). Mittlerweile besteht in Deutschland neben dem dreijährigen Ausbildungsgang (zwei Jahre theoretische Ausbildung und ein praktisches Anerkennungsjahr) mit dem Abschluss „Altenpfleger/in“ noch ein einjähriger Ausbildungsgang mit dem Abschluss „Altenpflegerhelfer/in“ (vgl. Dunkel 1994: 28). Die Zugangsvoraussetzung für diese beiden Ausbildungsgänge ist ein Hauptschulabschluss.

Der Statistik zu Folge bilden mittlerweile AltenPflegerInnen eine zahlenmäßig starke Berufsgruppe da. Um die Jahrhundertwende arbeiteten in Deutschland etwa 400000 Menschen in der Altenhilfe und die Hälfte davon allein in der Pflege (vgl. Belardi 1999a: 196). 88% aller in dem Bereich der Altenpflege Beschäftigten, sind Frauen. Männer sind in diesem Bereich eher Ausnahmen.

Dunkel (1994: 23) zu Folge ist Altenpflege außer einem typischen Frauenberuf noch ein Zweitausbildungsberuf. Der Anteil der Frauen, die die Qualifikation „Altenpflegerin“ im Zuge ihrer Zweitausbildung erworben haben, liegt etwa bei 40%, die Hälfte davon hat den Einstieg in ihren ersten Beruf nach der sog. Familienphase nicht geschafft und sich für eine Zweitausbildung zur Altenpflegerin entschieden. Demnach „... sind viele Altenpflegerinnen bildungsmäßig und sozial benachteiligte Frauen...“ (Belardi 1999b:200).

[...]


[1] In der vorliegenden Arbeit steht die professionelle Supervision im Mittelpunk der Betrachtung, die in der Regel durch dafür speziell ausgebildete Fachleute, den SupervisorInnen durchgeführt wird.

[2] Die Verwechslung von Supervision mit therapeutischer Arbeit liegt wahrscheinlich deshalb oft vor, weil das psychoanalytische Verfahren, das seine Wurzel in der Psychotherapie hat, zu den methodischen Grundlagen der Supervision gehört. Mit dieser Methode werden in der Supervision wiederum ausschließlich praxisbezogene Themen beraten.

[3] In der DDR wurden die altenpflegerischen Tätigkeiten meist von ausgebildeten Krankenschwestern ausgeführt (vgl. Belardi 1999b:200).

Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638628730
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72054
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Pädagogisches Seminar
Note
gut (2,0)
Schlagworte
Supervision Altenpflege Möglichkeiten Grenzen Professionelle Theoretische Ansätze Konzepte Vergleich

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