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Die Fußball-WM 2006 in Deutschland und ihre volkswirtschaftlichen Effekte

Seminararbeit 2001 22 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Direkte wirtschaftliche Effekte der WM 2006
2.1 Tourismus
2.2 Bausektor
2.3 Betriebskosten und Stadioneinnahmen
2.4 Staat
2.5 Medien
2.6 Weitere WM-induzierte Effekte

3. Externe Effekte der WM 2006
3.1 Ökologische Effekte
3.2 Soziale Effekte
3.3 Image-Effekte
3.4 Weitere Auswirkungen

4. Kritische Reflexion der Ergebnisse
4.1 Ergebnisdarstellung
4.2 Positive Anmerkungen
4.3 Negative Anmerkungen

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 6. Juli 2000 hat das Exekutivkomitee des Fussball-Weltverbandes FIFA in Zürich die Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland vergeben. Infolge dieser Entscheidung begannen immense Vorbereitungsmassnahmen für die WM in Bund, Ländern, Kommunen und anderen Bereichen. Diese Massnahmen haben aufgrund ihrer Verflechtung mit verschiedenen Wirtschaftssektoren weitreichende Implikationen für die gesamte deutsche Volkswirtschaft. Auch die Tatsache, dass neben der Bundesregierung zahlreiche deutsche Firmen und Konzerne diese WM-Austragung öffentlich unterstützen, verdeutlicht, dass sich Ausstrahlungseffekte nicht nur im sportlichen, sozialen, ökologischen sowie politischen Bereich erwarten lassen, sondern insbesondere im ökonomischen Bereich. Da sich die Vermarktungschancen einer WM in den letzten Jahren durch wachsendes Zuschauer- und Medieninteresse weiter verbessert haben, kann eine Fussball-WM der Wirtschaft u.a. als lukrative globale Werbeplattform dienen.

Es können jedoch nicht alle relevanten ökonomischen Einflussgrössen einer WM-Ausrichtung exakt quantifiziert werden. Aufgrund des massgeblichen Einflusses solcher monetären und nicht-monetären externen Effekte auf die volkswirtschaftliche Effizienz der WM-Austragung und damit auf die Bewerbungsentscheidung müssen aber auch diese genauer untersucht werden.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob und inwiefern die Ausrichtung der WM 2006 für die deutsche Volkswirtschaft ökonomisch sinnvoll ist. Dazu werden im folgenden Abschnitt auf Basis einer Kosten-Nutzen-Analyse zunächst die direkten wirtschaftlichen Konsequenzen der Fussball-WM für verschiedene Sektoren untersucht.

Anschliessend folgt im dritten Abschnitt eine Betrachtung von möglichen externen Effekten der WM 2006 und deren Einflussmöglichkeiten auf die deutsche Volkswirtschaft. Im vierten Abschnitt werden dann erste Ergebnisse bewertet und kritisch reflektiert. Abschliessend erfolgen im fünften Teil dieser Arbeit neben einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse auch Vorschläge zur Verbesserung der ökonomischen Effizienz der WM 2006.

2. Direkte wirtschaftliche Effekte der WM als Sportgroßveranstaltung

Aufgrund der engen Wechselbeziehungen zwischen Fussball, Medien und Wirtschaft kann auch der privatwirtschaftliche Bereich sowie der Staat von den Ausstrahlungseffekten durch die Austragung einer Fussball-Weltmeisterschaft profitieren. Um einen Überblick über diese direkten wirtschaftlichen Effekte zu ermöglichen, werden nachfolgend die zu erwartenden Auswirkungen auf bestimmte Branchen und Sektoren erläutert.

2.1 Tourismus

Im Gegensatz zu regelmässig stattfindenden kleineren Sportveranstaltungen führen Fussball-Weltmeisterschaften nicht nur regionale und interregionale Besucherströme, sondern auch internationales Publikum in das austragende Land bzw. in die jeweilige Region. Dabei fällt auf, dass ein Teil dieser Besucherzahlen über das sportspezifische Programm hinaus auch Interesse an weiterführenden kulturellen oder anderweitigen Erholungsangeboten hat (Klein, 1996). Diese Präferenz erhöht die Anzahl derjeniger Wirtschaftssubjekte, die von den zusätzlichen Tourismusausgaben profitieren können (also z.B. auch nicht unmittelbar sport- oder WM-spezifische Branchen). Hierauf reagiert das Lokale Organisationskomittee des DFB (LOK) beispielsweise, indem es einen „Kultursommer 2006“ in Deutschland plant und der FIFA Vorschläge für ein kulturelles und soziales Rahmenprogramm vorlegen wird (DFB, 13.11.2000).

Abgesehen von den positiven Auswirkungen auf das Tourismusgewerbe durch die Mannschaften und deren zugehörigen Stäbe sowie den ca. 20.000 erwarteten Medienvertretern geben aufgrund ihrer Anzahl insbesondere die „regulären“ Zuschauer spürbare wirtschaftliche Impulse im Tourismusbereich. Bei diesen Tourismusausgaben ist gemäß Rahmann (1997) zwischen inländischen und ausländischen Besuchern zu unterscheiden.

Bei der WM 2006 werden bei einer erfahrungsgemäßen Stadionauslastung von 75 - 90 Prozent[1] rund 2,6 bis 3,1 Millionen Besucher erwartet. Hinsichtlich der inländischen Touristen wären für diese Analyse allerdings nur die tatsächlich eventinduzierten Ausgabenveränderungen relevant. Da jedoch eine exakte Quantifizierung dieses WM-spezifischen Ausgabenanteils an den Gesamtausgaben der inländischen WM-Besucher kaum möglich ist, bleibt die Veränderung des Konsums in dieser Arbeit unberücksichtigt. (Aufgrund von Plausibilitätsüberlegungen könnte eine Konsumsteigerung erwartet werden, die sich positiv auf das Bruttosozialprodukt auswirken würde.)

Um die Tourismusausgaben der ausländischen Besucher zu schätzen, wird zunächst deren geschätzte Anzahl anhand der prognostizierten Kartenverkäufe ermittelt. Geht man von einer durchschnittlichen Auslastung von 85% in 10 WM-Stadien aus, so werden 2,93 Millionen Tickets verkauft. Nach Erfahrungen von WM-Organisationen werden davon ca. 33% im Ausland abgesetzt, was auf eine geschätzte Zahl ausländischer WM-Besucher von ca. 1 Million schliessen lässt.

Diese in- und ausländischen Touristen werden ihre Ausgaben nicht nur in Form von Eintrittsgeldern und im Gastronomie- und Hotelgewerbe leisten (gemäß Baumann (1973) kommt es allein in der Gastronomiebranche einer Stadt durch ein Sportgrossereignis zu Umsatzsteigerungen von bis zu 30 %). Ebenso ist mit einem eventinduzierten Anstieg bei der Nutzung der deutschen Kommunikationsnetze, der Nah- und Fernverkehrsbereiche sowie der Tankstellen und Taxiunternehmen zu rechnen (Klein, 1996).

Rahmann (1997, S. 60 ff.) geht in einer Untersuchung davon aus, dass die Tourismusausgaben von folgenden besucherspezifischen Faktoren beeinflusst

werden:

- Verfügbares Einkommen
- Reisekosten (in Abhängigkeit der Reisestrecke)
- Anzahl der besuchten WM-Spiele
- Verweildauer im WM-Land

In Übereinstimmung mit Erfahrungswerten vergangener Fussballturniere[2] besucht ein durchschnittlicher WM-Tourist innerhalb seiner 10 Aufenthaltstage drei Spiele und hat dabei Gesamtausgaben inkl. Reisekosten von 3.600 DM, also 1.200 DM pro besuchtem Spiel (pro „ausländischem Ticket“) .

Bei rund 1 Mio. ausländischer Touristen ergibt sich somit für die WM 2006 ein geschätzter Wert für

- Tourismusausgaben = ca . 1,2 Milliarden DM.

Festzuhalten bleibt zudem, dass durch die Austragung einer WM im Tourismussektor nicht nur mit eventinduzierten kurzfristigen Impulsen zu rechnen ist, sondern durch Attraktivitätssteigerungen in den besuchten Regionen auch mittelfristig touristische Impulse gegeben werden können, sofern es zum beschleunigten Ausbau einer touristischen und freizeitorientierten Infrastruktur kommt (Steiner/Thöni, 1995, S. 151). Somit kann bei einer dementsprechend gut organisierten Ausführung einer Fussball-WM ein touristischer und somit wirtschaftlicher Impuls gegeben werden, der auch noch Jahre später erhöhte Tourismuseinnahmen erwarten lässt.

Über Multiplikatorwirkungen kann der wirtschaftliche Impuls noch verstärkt werden. Eine dementsprechende Multiplikatorwirkung im Tourismusbereich stellt sich ein, wenn die verstärkten volkswirtschaftlichen Einnahmen aus dem WM-Tourismus (zusätzlicher Konsumzuwachs) die Einkommen der betroffenen Branchenmitarbeiter erhöhen und diese daraufhin ihre eigene Konsumgüter-nachfrage erhöhen. Dies führt wiederum zu steigenden Einkommen in den betroffenen (Konsum-)Branchen etc. Dieser kumulative Prozess kann insgesamt eine in der Summe höhere Einkommenssteigerung implizieren, als es der exogene Anstoss (die ausländischen WM-Tourismusausgaben) für sich allein gesehen bewirkt.

Multiplikatorwirkungen lassen sich auch bei anderen durch die WM-Massnahmen betroffenen Sektoren und Branchen erwarten, beispielsweise in der nachfolgend analysierten Baubranche, die von WM-Investitionen profitieren kann. Für die WM 2006 hat Rahmann (1997, S.64 f.) mit Bezug auf Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) für die Tourismusausgaben einen Multiplikator von bis zu 2,45 und für die Investitionsausgaben im Bausektor von bis zu 1,1 genannt.

2.2 Bausektor

Eine Fussballgrossveranstaltung wie die WM 2006 erfordert umfangreiche infrastrukturelle Vorleistungen. Zum einen hat die FIFA in ihrem Pflichtenheft feste Kriterien formuliert, die alle Stadien erfüllen müssen, um als Austragungsort von WM-Spielen zu fungieren, zum anderen sehen viele Regionen eine WM auch als Chance zur Beschleunigung von Stadtentwicklungsprozessen. Dies äußert sich i.d.R. in umfangreichen Bau- oder Modernisierungsmaßnahmen von Stadien und Medienstätten, im Wohnungsbau und in der Verkehrsinfrastruktur (Klein, 1996). Somit könnten bereits im Vorfeld der eigentlichen Veranstaltung in der Baubranche positive Einkommens- und Beschäftigungswirkungen entstehen.

Solche Investitionen stellen ökonomisch betrachtet zunächst steigende Aufträge für die Bauwirtschaft und für technische Ausrüstungsunternehmen dar (Rahmann, 1997). Die wirtschaftliche Verflechtung der betroffenen Sektoren und Branchen zeigt sich auch hier, wenn die steigende Nachfrage nach Baumassnahmen und entsprechenden Investitionsgütern gesamtwirtschaftliche Multiplikatorwirkungen in Form einer Erhöhung des Volkseinkommens und somit weiterer Konsumgüternachfragesteigerungen induziert. (Dies kann wiederum zu steigender Beschäftigung und steigenden Lohn- und Umsatzsteuereinnahmen für den Staat führen etc.)

Konkret für die WM 2006 haben die Stadieneigentümer als Grössenordnung der zu tätigenden Investitionen in Stadien bereits notwendige Grundrenovierungen bzw. Umbauten mit einem Volumen von bis zu 500 Millionen Mark signalisiert (DFB, 13.11.2000).

Gemäß Rahmann (1997, S.56 ff.) kann ein Intervall von benötigten Bau-Investitionen zwischen 80 - 300 Milllionen DM angesetzt werden, sofern effizient bei der Planung und Ausführung vorgegangen wird[3].

[...]


[1] Dieser Schätzwert ergibt sich aus Erfahrungswerten z.B. der EM 1988, EM 1996 und der WM 1998. Vgl Rahmann (1997, S.58)

[2] Vgl. UEFA, 1996, S.55

[3] Die Problematik, welche Investitionskosten tatsächlich WM-induziert sind und welche auch ohne WM-Austragung entstehen würden (z.B. durch ohnehin notwendige Modernisierungsmassnahmen in Stadien), wird unter Gliederungspunkt 4.3 behandelt.

Details

Seiten
22
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638145404
ISBN (Buch)
9783638717014
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7216
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Außenhandel und Wirtschaftsintegration, Arbeitsbereich Wirtschaftspolitik
Note
2,3
Schlagworte
Fußball-WM Deutschland Effekte Seminar Sportökonomie

Autor

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Titel: Die Fußball-WM 2006 in Deutschland und ihre  volkswirtschaftlichen Effekte