Lade Inhalt...

Die Bedeutung des psychologischen Trainings auf das persönliche Empfinden - am Beispiel einer Volleyballmannschaft

Examensarbeit 2006 76 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Die Sportpsychologie
2.1 Die Sportpsychologie im Bereich des Spitzensports
2.2 Der Breitensport im Bereich der Sportpsychologie
2.3 Die Bedeutung der Psyche bei sportlichen Leistungen
2.4 Die Dreiteilung der psychischen Funktionsebene
2.5 Beispiele aus den drei Teilbereichen der Psyche im Sport
2.5.1 Die Aufmerksamkeit
2.5.2 Die Motivation
2.5.2.1 Die Leistungsmotivation
2.5.2.2 Das Rubikonmodell
2.5.3 Die Angst als psychischer Einflussfaktor
2.5.3.1 Formen des Stressempfinden
2.5.3.2 Angstauslösende Faktoren
2.5.3.3 Angst wird zu Ärger
2.6 Das Psychologische Training
2.6.1 Optimierung der Aufmerksamkeit
2.6.2 Beeinflussung der Motivation
2.6.3 Stress entgegenwirken und dadurch Angst vermeiden

3 Sportbezogener Teil
3.1 Der Bereich der Psychophysiologie
3.1.1 Wie die Körperchemie gesteuert wird
3.1.2 Die Aufgabe des limbischen Systems
3.2 Sportliche Auswirkungen bei psychischer Fehlbelastung
3.2.1 Psychische Ermüdung
3.2.2 Psychische Sättigung
3.2.3 Psychischer Stress
3.3 Differenzierung des Mannschaftssports vom Individualsport
3.4 Mögliche Leistungseinteilung in Sportspielmannschaften
3.5 Die Bedeutung der Mannschaft und des Mannschaftsgeistes
3.6 Mögliche Vorteile einer Mannschaft für das Individuum
3.6.1 Prinzipien der Kohäsion

4 Zum aktuellen Forschungsstand

5 Empirische Untersuchung
5.1 Erstellung des Fragebogens
5.1.1 Die Funktion des Fragebogens
5.2 Die Versuchsgruppe
5.3 Das Ergebnis der ersten Umfrage
5.3.1 Ergebnis der ersten Frage,: „Vor, beziehungsweise während eines Spiels...“
5.3.2 Ergebnis der zweiten Frage: „Du wirst aus dem Spiel genommen, obwohl du das Gefühl hast nicht schlecht gespielt zu haben, was machst du?“
5.3.3 Ausgewählte Trainingsformen und deren Wirkung
5.3.4 Ablauf der Trainingsdurchführung
5.4 Ergebnis und Bewertung der zweiten Umfrage
5.4.1 Ergebnis der ersten Frage. „Vor, beziehungsweise während eines Spiels...“
5.4.2 Ergebnis der zweiten Frage: „Du wirst aus dem Spiel genommen, obwohl du das Gefühl hast nicht schlecht gespielt zu haben, was machst du?“

6 Diskussion

7 Zusammenfassung

8 Ausblick

9 Literaturverzeichnis

Bücher

Zeitschriften

Internetseiten

ANHANG

Vorwort

Schon zu Beginn meiner Ausbildung zur staatlich geprüften Sport- und Gymnastiklehrerin mit Zusatzqualifikation Sporttherapie stand fest, dass ich im 5. Semester eine Zulassungsarbeit abzugeben habe, Thema frei wählbar. Da stellte sich natürlich die Frage, wie finde ich das richtige Thema, mit dem ich mich interessiert und motiviert über lange Zeit beschäftigen möchte?

Mehrere Überlegungen und Recherchen führten mich schließlich zu diesem Thema. Da ich selbst aktiv Volleyball spiele und am eigenen Leib die eine oder andere unnötige Niederlage erleben musste, stand für mich relativ schnell fest, DAS muss das Thema sein, welches ich für die Zulassungsarbeit, mich selbst und weitere interessierte Leser ausarbeiten und untersuchen möchte.

Damit diese Arbeit entstehen konnte, war es nötig, eine geeignete Mannschaft zu finden, die sich für einen Versuch bereit erklärte. Danke, dass mir dies letzten Endes ohne Widersprüche mit großem Interesse in meiner aktuellen Mannschaft angeboten wurde.

Danke besonders an die Trainer und an die Spielerinnen, die sich schnell und gerne auf dieses Experiment eingelassen haben.

Ein weiterer Dank geht an die, die mir sowohl seelisch wie auch fachlich immer mit Rat und Tat zur Seite standen.

1 Einleitung

Montags die Spielergebnisse in der Zeitung lesen und sich über das eine oder andere Ergebnis wundern? Wer kennt dies nicht? Vor dem Saisonbeginn bekommt man aktuelle Fitnessdaten der Mannschaften präsentiert, wonach jede Mannschaft auf Platz eins gelangen soll, da man sich intensiv auf die bevorstehende körperliche Arbeit konzentriert hat. Taktische Veränderungen wurden vorgenommen und der eine oder andere Neuzugang, athletisch ein Wunderkind, ist zu verzeichnen. Betrachtet man den Tabellenstand am Ende der Saison tut sich vielleicht bei dem einen oder anderen Favoriten ein großes Fragezeichen auf. Wie konnte man das entscheidende Spiel am letzten Spieltag gegen den Tabellenletzten verlieren und dadurch die Meisterschaft aus der Hand geben?

Wer kennt diese Situation in der heutigen Welt des Sports nicht? Dieses Phänomen ist nicht nur eine Krankheit der höheren Spielklassen, nein, auch in niederen Klassen ist dies zu finden. Aber woran liegt das?

Was hat es mit dem psychologischen Training auf sich? Eine mögliche Lösung?

Wer bereit ist sich auf gewisse Veränderungen im Trainingsverhalten einzulassen und den Bereich des Psychischen nicht unterschätzt, liegt in der folgenden Saison vielleicht den meisten anderen Mannschaften um eine Naselänge voraus. Doch ist es wirklich einfacher als die meisten denken? Was und wie hilft psychologisches Training?

Man könnte weitere Fragen, die sich auf dieses Thema beziehen, in den Raum stellen. Jeder hat andere offene Fragen. Diese Arbeit soll Neugierigen, Leuten, die bereit sind sich auf etwas Neues einzulassen und aufgeschlossenen Trainern und Athleten helfen, einen Einblick in dieses Thema zu bekommen. Sie sollen erkennen, was es bedeutet „psychisch schwach“ zu sein und welche markanten Auswirkungen es auf die körperlichen Fähigkeiten haben kann um am Ende eine Antwort auf die Frage „Kann psychologisches Training die Psyche positiv beeinflussen und Veränderungen herbeiführen?“ zu bekommen.

Theoretische Grundvoraussetzungen werden in den ersten zwei Teilen der Arbeit gegeben. Es soll genau herausgearbeitet werden, was es mit der Aufmerksamkeit, der Motivation und der Angst im Sport auf sich hat. Wenn dies im ersten Teil der Arbeit verstanden wurde, geht es im zweiten Teil darum, die Verbindung zu motorischen Vorgängen und zu körperlichen Reaktionen herzustellen. Doch dabei bleibt es nicht. Ein abschließender empirischer Teil soll Aufschluss über die Bedeutung des psychologischen Trainings im Sport geben. Die Psyche, unantastbar oder doch beeinflussbar? Dies gilt es herauszufinden.

1.1 Ziel der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit ist, sowohl diejenigen, die sich bereits mit dem Thema der Psyche bei sportlicher Tätigkeit beschäftigt haben, wie auch Unerfahrene und mit Glück sogar Skeptiker zu überzeugen, dass der Komplex des psychologischen Trainings nicht zu unterschätzen oder zu vernachlässigen ist. Ob und in welcher Form psychologisches Training die Spieler beeinflusst, soll mit Hilfe der Theorie erklärt und die Wirkung in der Praxis anhand eines empirischen Teils überprüft werden. Des Weiteren soll ein Überblick gegeben werden, wie Theorie und Praxis in Verbindung stehen. Ein Erfolg wäre es sicher, den einen oder anderen zu animieren, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen.

Wie die praktische Untersuchung mit den Probanden ausfallen wird, kann im Voraus nicht beurteilt werden. Die Betrachtung des Ergebnisses ist vielleicht ein guter Weg, weiteren Sportlern Mut zu machen, sich auf ein psychologisches Training einzulassen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Wesentlichen gilt zu sagen, dass es sich bei dieser Arbeit um eine empirische handelt, die auf Grund dessen wie folgt eingeteilt ist. Zu Beginn wird ein allgemeiner theoretischer Einblick in die Welt der Sportpsychologie gegeben, in welchen Bereichen sie vertreten und wie ihre Funktionsebene unterteilt ist. Im weiteren Verlauf werden gezielt Punkte wie Aufmerksamkeit, Motivation und Angst sowohl in ihrer Entstehung, wie auch in der Auswirkung auf die sportliche Handlung näher betrachtet.

Im sportbezogenen Teil werden einzelne psychophysiologische Vorgänge des Körpers vorgestellt und mit den psychischen Aspekten in Bezug gestellt. Ebenso soll hier die Bedeutung der Mannschaft behandelt werden, da es sich im empirischen Teil bei der Untersuchung um eine Sportspielmannschaft handelt.

Der dritte, größere Teil der Arbeit bezieht sich auf die Versuchsdurchführung mit Fragebogen, psychologischen Trainingseinheiten, ausgerichtet auf das Ergebnis, und danach einer weiteren Befragung, um mögliche Veränderungen am Schluss der Arbeit zu kommentieren. Eine abschließende Diskussion nimmt den Versuch noch einmal unter die Lupe. Die Zusammenfassung und der Ausblick der Arbeit sollen ein aussagekräftiges und hilfreiches Ende bieten.

2 Die Sportpsychologie

Der große Komplex der Sportpsychologie ist den meisten Athleten zwar ein Begriff, doch weiß keiner genau wo, wie, wann und warum er angewandt wird. Die meisten Athleten beschäftigten sich erst nach einer langen Phase ohne Erfolg im Wettkampf mit diesem Bereich. (Alfermann/Stoll, 2005, p.11)

Eine von vielen Definitionen lautet:

Die Sportpsychologie versucht menschliches Verhalten, Handeln und
Erleben von Personen im Praxisfeld Sport zu erfassen sowie den künftigen
Verlauf vorherzusagen und in ethisch vertretbarer Weise zu beeinflussen.
(Wikipedia, vom 26 Mai 2006)

In der Sportpsychologie wird das Auftreten des Sportlers, in Verbindung von sportlicher Betätigung, als Hauptaufgabe erarbeitet und beobachtet. Es werden psychische Vorgänge in der Bewegung untersucht (Alfermann/Stoll, 2005, 11ff).

Durch gezielte Studien und Untersuchungen werden Fragen auf Ebene der Sportpsychologie erforscht, sodass sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf praktischer Ebene Antworten gefunden und interpretiert werden können (Alfermann/Stoll, 2005, 17).

Welchen Bereichen die Sportpsychologie zuzuschreiben ist, kann nicht gezielt beantwortet werden. Es entsteht ein sogenannter „triadischer Bezug“ (Nitsch, 2000, 25), sodass Bereiche aus der Sportwissenschaft, der Praxis und der Psychologie miteinbezogen werden (Alfermann/Stoll, 2005, 22).

Die spezifischen Aufgaben lassen sich in vier Bereiche gliedern:

(1) Bedingungen sportlicher Aktivität
(2) Beteiligte Personen und Personengruppen
(3) Zielrichtung sportmotorischer Betätigung
(4) Psychische Grundlagen und Wirkungen des Sports
(Thomas, 1978, 41)

Bei auftretenden Problemen müssen alle vier Teilbereiche mit einbezogen werden, damit die Lösung erarbeitet werden kann.

Um die Bereiche zu unterscheiden, die unter die Sportpsychologie fallen, findet man meist eine allgemeine Vierteilung, mit den Bereichen

- Freizeit- und Breitensport
- Leistungssport
- Sport in der Rehabilitation und Prävention
- Sport im Schulunterricht.

Diese Arbeit bezieht sich auf den „Leistungssport“ in niedereren Leistungsstaffeln, da sonst meist Untersuchungen aus höheren Ebenen wie Landes- und Bundesebene zu finden sind (Kunath & Schellenberger, 1991, 6).

2.1 Die Sportpsychologie im Bereich des Spitzensports

Im Spitzensport ist ein Spieler meist dann mit sich selbst zufrieden, wenn er im Wettkampf ein gutes Resultat erzielt. Wichtig ist hierbei die Selbstbestätigung, wobei diese immer durch Niederlagen gefährdet werden kann. In solchen Situationen ist es von besonderer Bedeutung, den Sportler nicht nur körperlich, sondern auch psychisch fit zu halten oder wieder fit zu machen. Genau diesen Bereich nimmt sich die Sportpsychologie im Falle des Leistungssports zur Aufgabe (Kunath & Schellenberger, 1991, 6 ff).

Da es sich bei der zu testenden Mannschaft, wie schon erwähnt, um eine niedere Leistungsstaffel handelt, ist sie sowohl im Spitzensport wie auch im Bereich des Breitensports anzusiedeln. Deshalb wird im Folgenden nun ebenfalls auf den Bereich des Breitensports eingegangen.

2.2 Der Breitensport im Bereich der Sportpsychologie

Der Breitensport bietet ein umfangreiches Angebot für die Sportpsychologie. Grund dafür sind die weit gefächerten Interessen der Sportler in diesem Bereich. Deshalb muss man ihn auch als gesonderten Bereich gegenüber dem Leistungssport betrachten. Im Vordergrund stehen hier meist die Freude am Sport, die Herausforderung für sich selbst und nicht zuletzt der Grund, Menschen mit den gleichen Interessen zu treffen. Zu beachten sind hier deshalb auch unterschiedliche Wünsche, Differenzen zwischen Mann und Frau, die Altersklasse sowie die geographische Lage. Auf themenrelevante Bereiche wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch eingegangen.

Psychologische Ansätze sind hier des Öfteren in Form von Sozialpsychologie notwendig, da in heterogenen Gruppen häufig Probleme auftauchen. Grund dafür können in vielen Fällen unterschiedliche Ziele und große Leistungsschwankungen unter den Spielerinnen sein (Kunath & Schellenberger, 1991, 9ff).

2.3 Die Bedeutung der Psyche bei sportlichen Leistungen

„Es ist unglaublich wie viel Kraft die Seele dem Körper zu leihen vermag“

(Wilhelm Freiherr von Humboldt).

Diese Worte geben einen entsprechenden Vorgeschmack auf das interessante Thema: „Der Einfluss der Psyche auf Sportliche Leistungen“. Das Zitat selbst bezieht sich nicht unmittelbar auf den Sport, doch ist die Aussage klar und auf viele Bereiche zu übertragen.

In den meisten Sportarten, vor allem in niedrigeren Leistungsklassen konzentriert sich das Training meist auf die Bewegung selbst, also den motorischen Ablauf einer Bewegung. Gezieltes Techniktraining soll jeden Sportler optimal auf den Wettkampf vorbereiten, doch dabei wird meist die psychische Verfassung einzelner Athleten nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt oder gar missachtet. Betrachten wir einmal, aus was sich die Leistung im Allgemeinen zusammensetzt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier kommt jedem Teil die gleiche Bedeutung zu, so dass gut zu erkennen ist, welche Bedeutung die psychologische Vorbereitung hat. Denn nur wenn alle drei Bereiche ausreichend trainiert werden besteht die Möglichkeit, die optimale Leistung im Moment der Entscheidung abrufen zu können. Mit dem Bereich der Psyche beschäftigt sich die Sportpsychologie intensiv (Terry, 1990, 10 ff).

2.4 Die Dreiteilung der psychischen Funktionsebene

Im Sport wird die Psyche in drei große Teilbereiche unterteilt:

1. Kognition
2. Emotion
3. Motivation

Jedem dieser drei Teile fallen individuelle Aufgaben im Bereich des Psychischen zu. Um sie richtig verstehen und anwenden zu können ist es wichtig ihre Definition und die daraus folgenden Informationen genauer zu beleuchten.

Kognition:

Gesamtheit aller psychischen Prozesse, mit deren Hilfe Objekte aus verschiedenen Realitätsbereichen sowie Verlauf und Ergebnis der Tätigkeit erkannt werden.

(Kunath & Schellenberger, 1991, 55)

Im Wesentlichen werden hier Verläufe der Wahrnehmung vom Eintritt bis zur Sicherung bestimmter Abläufe behandelt und näher betrachtet (Alfermann & Stoll, 2005, 29).

Man kann sagen dass keine sportliche Aktivität ohne Kognition ablaufen kann, da eine bestimmte Situation wahrgenommen, durchdacht, erkannt und mit bereits bekannten Bildern abgeglichen werden muss, bevor eine Aktion folgen kann. Als Formen der Kognition gelten die Konzentration und die Aufmerksamkeit, wobei auf letztere im weiteren Verlauf noch näher eingegangen wird (Alfermann & Stoll, 2005, 29 ff).

Emotion:

Gesamtheit der psychischen Prozesse, die der Bewertung der aufgenommenen, verarbeiteten oder gespeicherten Informationen über bestimmte Objekte dienen.

(Kunath & Schellenberger, 1991, 55)

Je nach Grad und Form der Emotion kann sie sich leistungsfördernd oder leistungsmindernd auf den Athleten auswirken. Der Sportler selbst bewertet dabei bestimmte Situationen für sich selbst, zum Beispiel das Erreichen selbst gesteckter Ziele. Je nach Verlauf beim Umsetzen dieses Vorhabens wird er das Erlebnis einer positiven oder negativen Emotion erfahren: Eine positive Emotion immer dann, wenn er in der Lage ist, dieses Ziel aus eigener Kraft zu erreichen, negative Emotion dann, wenn ihm das Ziel zu entgleiten droht und eine Niederlage die Folge sein kann.

Dieser Verlauf kann sich wiederum auf die Kognition auswirken und ist deshalb während der Entwicklung eines Athleten von großer Bedeutung.

In Verbindung mit kognitiven Prozessen kann aus Emotionen auch Stress entstehen, was es später noch zu behandeln gilt (Alfermann & Stoll, 2005, 65 ff).

Motivation:

Gesamtheit jener Prozesse, die dazu führen, dass erkannte und bewertete Objekte solche Bedeutsamkeit für das Subjekt gewinnen, dass die Handlungen ausgelöst oder abgelehnt werden.

(Kunath & Schellenberger, 1991, 56)

Die Voraussetzung der Motivation ist ein bestimmtes Motiv, welches sich der Sportler selbst auswählt.

Motive sind überdauernde Personenmerkmale, die sich darauf beziehen, dass bestimmte Situationsklassen als besonders wichtig und attraktiv bewertet werden.

(Alfermann & Stoll, 2005, 103)

Ein Motiv ist nicht unbedingt erkennbar, für den Athleten selbst jedoch elementar wichtig um seine optimale Motivation über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten zu können. Der Grad der Motivation ist an der Intensität zu erkennen, mit der ein Sportler versucht, sein Ziel zu erreichen. Bei geringer Motivation können kleine Hürden schon zum Sturz führen, bei hoher stören bestimmte negative Emotionen nur in geringem Maße.

Ein zweiter wichtiger Punkt neben der Motivation ist der persönliche Wille, ein sich gesetztes Ziel erreichen zu wollen.

(Alfermann & Stoll, 2005, 101 ff)

2.5 Beispiele aus den drei Teilbereichen der Psyche im Sport

Im Folgenden werden mit der Aufmerksamkeit, der Motivation und der Angst drei konkrete Beispiele aus den bereits vorgestellten drei Bereichen der Psyche näher erläutert.

2.5.1 Die Aufmerksamkeit

Unter Aufmerksamkeit versteht man die bewusste Informationsaufnahme und Verarbeitung, in sich momentan abspielenden Vorgängen, wie zum Beispiel während eines Spielzuges. Sie wird dem Bereich der Kognition zugeordnet. An dieser Stelle darf die Wahrnehmung ebenfalls genannt werden. Der Unterschied liegt darin, dass sich bei der Aufmerksamkeit die Prozesse im Wesentlichen aktiv abspielen, während die Wahrnehmung an sich, passiv erfolgt, sodass Reize nicht selektiert werden, sondern willkürlich einfließen. Die Aufmerksamkeit funktioniert nur dann, wenn Situationen wahrgenommen, im Kopf abgeglichen und situationsangepasst, also aktiv, gelöst werden.

Man kann sagen, dass der Status der Konzentration die Intensität der auf eine bestimmte Sache gerichteten Aufmerksamkeit beschreibt, die meist durch einen bestimmten Willen verstärkt wird. Hierbei ist es wichtig, dass man sich in bestimmten Situationen gegenüber unwichtigen Einflüssen abschirmen kann.

Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Formen: Das eigentliche „Konzentrieren“ und das „Distribuieren“. Sie unterscheiden sich dadurch, dass man unter erst Genanntem die Aufmerksamkeit auf einen engen Radius versteht und unter zweit Genanntem das gesamte Umfeld (zum Beispiel die Mannschaft) aufmerksam wahrnimmt.

In den meisten Sportarten, ganz besonders in Mannschaftssportarten, ist das schnelle Umschalten von der engen Konzentration auf die weite Distribution wichtig, um die aktuelle Spielsituation primär erkennen und deuten zu können.

Des Weiteren lassen sich vier Unterformen der Konzentration nach Nideffer unterscheiden:

- Weit – External

Wird benötigt um das gesamte Umfeld erfassen und erkunden zu können, wobei Details nicht sichtbar werden, man erlangt hier lediglich ein Gesamtbild.

- Eng – External

Hier wird die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche beschränkt, das in einer bestimmten Situation besonders bedeutsam ist.

- Weit – Internal

Dieser Zustand lässt uns den persönlichen Zustand erkennen, meist wird hier grob zwischen Wohlbefinden und Missempfinden unterschieden. Genauere Ursachen kommen durch diese Perspektive noch nicht zum Vorschein.

- Eng – Internal

Wer diesen Zustand erreicht ist in einem optimalen Zustand, um eigene physische und psychische Besonderheiten klar zu fühlen. In dieser Situation konzentriert man sich rein auf sein inneres Empfinden.

Wichtig ist, dass man sich in extremen Situationen nicht auf Dinge aus der Vergangenheit oder der Zukunft konzentriert, sondern dass primär das hier und jetzt die volle Aufmerksamkeit bekommt.

Im Wettkampfsport kann die „Sinnfrage“ häufig zum Gegner der Konzentration werden. Wenn in bestimmten Situationen dieses Problem auftreten sollte, dann muss im darauffolgenden Training diese Sinnfrage konkret gestellt und gelöst werden, um diesen Störfaktor für die Zukunft auszuschalten.

(www.uni-kiel.de am 26. 05. 06; Eberspächer, 1990, 39 ff)

2.5.2 Die Motivation

Ohne Motivation kann ein Wettkampf nicht gewonnen werden, aber wodurch gewinnt die Motivation eine solche Bedeutung?

Hierzu eine kurze Definition: „Motivation bezieht sich generell auf das Ingangsetzen, Steuern und Aufrechterhalten von körperlichen und psychischen Aktivitäten.“ (Zimbardo, 1995, 407).

Das Wort selbst stammt ursprünglich aus dem lateinischen Wort movere, was übersetzt soviel heißt wie „bewegen“. Ohne Motivation findet keine motorische Aktivität statt. Ausschlaggebend hierfür können bestimmte Faktoren wie ein Bedürfnis, ein Wunsch, ein Ziel, eine Intention oder ein bestimmter Zweck sein.

Man spricht auch von so genannten „Motiven“, die primär angeborene Triebe und sekundär erlernte Dispositionen sind. Hier findet man auch die Antworten auf die Frage, wozu wir bestimmte Ziele verfolgen oder wie wir letztendlich handeln, um das Ziel zu erreichen.

Der Unterschied zwischen primären und sekundären Motiven liegt darin, dass Triebe von Grund auf vorhanden sind, während sekundäre Motive meist im Laufe des Lebens erlernt werden und nicht von Beginn an zugänglich sind.

Neben dieser Unterteilung wird im Allgemeinen auch zwischen bewussten und unbewussten Motiven unterschieden, wobei man sie nicht direkt beobachten oder messen kann, sodass es schwierig ist zu beurteilen, in welchem Ausmaß diese vorhanden sind.

Drei Dimensionen der Motivation verdeutlichen die Vielfalt in diesem Bereich.

Selektivität: die Tendenz, einer bestimmten Tätigkeit lieber nachzugehen
als jeder anderen.
Beharrlichkeit: die Tendenz, mit einer Tätigkeit fortzufahren, bis ein
bestimmtes Ziel erreicht ist.
Intensität: die Energiemenge, mit der man sich der Tätigkeit widmet.
(Terry, 1990, 29)

Ausschlaggebend für die Selektivität, die Beharrlichkeit und die Intensität bei der Ausführung einer bestimmten Tätigkeit sind sowohl das Streben nach Wirksamkeit als auch der Einfluss des Ziel-Engagement oder die Ziel-Distanzierung. Wechseln diese Einstellungen, so kann es sein, dass zu Beginn einer sportlichen Aktivität noch das Streben nach Wirksamkeit hoch ist, somit das Ziel als wichtig hervorgehoben wird (Ziel-Engagement), im weiteren Verlauf dieses Ziel vielleicht durch schlechte Leistung aus den Augen verloren wird und das Ziel als unwichtig und Alternativen als wichtiger empfunden werden.

Eine bestimmte „Hierarchie der Motivgruppen“ nach Maslow (www.uni-kiel.de am 26. Mai 2006) soll die Wertigkeit bestimmter Bedürfnisse bezogen auf die Persönlichkeitsentwicklung verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Terry, 1990, 28 ff; Zimbardo, 1995, 407ff; www.uni-kiel.de am 26. Mai 2006)

2.5.2.1 Die Leistungsmotivation

Man kann in Bezug auf Sport auch einen neuen Begriff der Motivation einführen, die so genannte Leistungsmotivation.

Hier werden die intrinsische und die extrinsische Motivation unterschieden:

Die Motivation sich einer Tätigkeit um ihrer selbst willen zu widmen, wird intrinsische Motivation genannt. Extrinsische Motivation dagegen ist die

Motivation, sich einer Tätigkeit der Konsequenzen wegen und weniger um

ihrer selbst willen zu widmen.

(Zimbardo, 1995, 439)

Bei jungen Athleten wird die Motivation oft von der eigenen Persönlichkeit behindert. Hier unterscheidet man zwei Eigenschaften, die man in der Wettkampfsituation besonders deutlich erkennt.

Man nennt sie „Hoffnung auf Erfolg“ und „Furcht vor Misserfolg“. Ein Sportler der Furcht vor Misserfolg aufweist hat es in entscheidenden Situationen schwer, sich positiv zu motivieren. Dagegen weist ein Athlet mit „Hoffnung auf Erfolg“ einen starken Wettkampfcharakter auf, der das Risiko liebt und sich auch nach einem Misserfolg nicht aufgibt, dies zeichnet einen Topathleten aus.

Beide Bereiche sind nicht aufeinander angewiesen oder abhängig voneinander, was zum Ausdruck bringen soll, dass in jedem Menschen eine gewisse „Hoffnung auf Erfolg“ aber auch die „Furcht vor Misserfolg“ vorliegt, in welchem Verhältnis oder in welchem Ausmaß ist jedoch individuell verschieden.

Ist die „Hoffnung auf Erfolg“ hoch, die „Furcht vor Misserfolg“ jedoch genauso, dann kann dies bei einer Niederlage negative Auswirkungen haben, was häufig durch unfaires Verhalten, Selbstzweifel oder Wut zum Ausdruck kommt.

Anhand einer Skala kann das Verhältnis selbst eingeschätzt werden, was sich wiederum fördernd auf die eigene Motivation auswirken kann, da man sich auf diesem Wege selbst erkundet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: „Skala des Hoffnungsgrades“

(Peter Terry, 1990, 32)

Die Furcht vor Misserfolg hat meistens die Angst als Auslöser. Die James-Lange- Theorie soll die Entstehung verdeutlichen, näheres zum Thema „Angst“ ist im späteren Verlauf der Arbeit zu finden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Terry, 28ff; www.uni-kiel.de am 26. Mai 2006)

2.5.2.2 Das Rubikonmodell

Die Theorie des Rubikonmodell zeigt wie der „Motivationsprozess in verschiedene Phasen eingeteilt“ wird (Alfermann/Stoll, 2005, 109). Je nachdem, wie intensiv ein Wunsch etwas tun zu wollen vorhanden ist, zieht sich der Athlet nach abwägen der Notwendigkeit zurück, oder es kommt zur Absichtsbildung. Hier beginnt die Planung und die Handlung in die vorgesehene Richtung, was auch als Volition bezeichnet wird. Am Ende des Rubikonmodells steht die Bewertung des Ergebnis, was sich wiederum auf die Motivation erneut auswirkt (Alfermann/Stoll, 2005, 109; www.uni-kiel.de am 26. Mai 2006).

Das folgende Schaubild soll die Phasen noch einmal veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: „Das Rubikonmodell“ (www.uni-kiel.de am 26. Mai 2006)

2.5.3 Die Angst als psychischer Einflussfaktor

Das Motiv der Angst zeigt sich durch viele verschiedene Gesichter, so empfindet der eine die Anspannung in einer Wettkampfsituation und ein anderer vielleicht die Furcht vor einer Niederlage als beängstigend. Für die meisten Athleten entpuppt sich die Angst als stärkster Feind und erklärt somit die Notwendigkeit für Lösungsmöglichkeiten. Viele Athleten werden auf unterschiedliche Art und Weise unter Druck gesetzt. Dieser Druck sollte jedoch so gelenkt sein, dass er sich durch persönliche Entwicklung überwiegend positiv auswirkt, wird der Stress zu groß, kann daraus eine Situation entstehen, in der Angst empfunden wird.

Grundlegende Ursache für Angst: Die Wahrnehmung, d.h. die innere
Empfindung über die Anforderung einer Aufgabe überwiegt den Glauben
an die eigene Fähigkeit.
(Terry, 1990, 100)

Die Angst als solches ist eine bestimmte Form der Emotionen und somit ein Zustand der nicht immer im gleichen Maße auftritt.

Das ausgeführte Zitat von Peter Terry ist so zu verstehen:

Wenn sich die Anforderungen einer Aufgabe mit dem Glauben an die eigene Fähigkeit auf einer Ebene befinden, dann wäre das eine optimale Wettkampfsituation. Häufiger findet man jedoch die Situation vor, in der die Anforderungen zu hoch angesetzt sind und der Glaube an die eigene Fähigkeit zu wenig vorhanden ist, wodurch der Athlet Selbstzweifel hat und der Situation ängstlich entgegen tritt. In dieser Situation glaubt der Athlet nicht an seine Fähigkeit, weil er eine solche Situation in der Vergangenheit mit Misserfolgen abschließen musste, wodurch sein Glaube an sich selbst gesunken ist.

Zusammengefasst kann man sagen, Stress entsteht, wenn die Relation zwischen Anforderungen bzw. Erfordernissen das Wissen und Können der betreffenden Person überschreiten (Terry, 1990, 99 ff.; www.uni-kiel vom 26. Mai 2006).

Ein praktisches Beispiel aus dem Volleyball wäre, wenn der Zuspieler nach einem schlecht zugespielten Ball bei der nächsten Aktion ein komisches Gefühl hat, wiederholt sich seine schlechte Erfahrung im Spiel weiter, dann kann es sein, dass er eine gewisse Angst gegenüber ähnlich gespielten Bällen entwickelt und sich die Fehler häufen, was zur Folge haben würde, dass der Glaube an seine Fähigkeit nach und nach schwindet und die Waage ins Ungleichgewicht gerät.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: „Das ideale Gleichgewicht“ (Terry, 1990, 100)

2.5.3.1 Formen des Stressempfinden

Im Sport steht man oft vor gewissen Herausforderungen, die sich durch Stress und Ungewissheit auszeichnen, doch werden sie individuell verschieden wahrgenommen. Man unterscheidet meist zwei Formen, den Distress und den Eustress (www.uni-kiel.de vom 26. Mai 2006).

Wenn ein Sportler, der sich in einem technisch guten Zustand befindet und in seiner Materie viel Vorerfahrung hat, eine Stresssituation als motivierend ansehen kann, wenn er sie sozusagen als positiven Stress sieht, dann spricht man von dem sogenannten Eustress. Für einen weniger starken und weniger erfahrenen Spieler wird sich hieraus das Gefühl des Unwohlseins, ein Gefühl der Unsicherheit und letzten Endes Angst entwickeln. Er wird die Situation als bedrohend wahrnehmen, hier spricht man vom Distress. Sich aus dieser Situation zu befreien ist nicht immer einfach, da meist nicht weiter rational gedacht werden kann, sodass schnell negative Gedanken aufkommen und diese die Kontrolle über die Handlung übernehmen.

2.5.3.2 Angstauslösende Faktoren

- Angst zu Versagen
- Angst sich zu verletzen
- Angst sich unter Wert zu verkaufen oder gar zu blamieren
- Angst vor möglichen Folgen nach versagter Leistung

(www.uni-kiel.de am 26. Mai 2006; Terry, 1990, 101 ff)

[...]

Details

Seiten
76
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638626484
Dateigröße
988 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72399
Institution / Hochschule
Berufskolleg Waldenburg gemeinnütziger e. V.
Note
1,0
Schlagworte
Bedeutung Trainings Empfinden Beispiel Volleyballmannschaft

Autor

Zurück

Titel: Die Bedeutung des psychologischen Trainings auf das persönliche Empfinden - am Beispiel einer Volleyballmannschaft