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Leistungsbeurteilung in der Grundschule: Bezugsnormorientierung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 18 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Gliederung

1. Motivation

2. Leistungsmotivation

3. Basismodell leistungsmotivierten Handelns

4. Selbstbewertungsmodell nach Heckhausen

5. Bezugsnormen
5.1 Soziale Bezugsnorm
5.2 Individuelle Bezugsnorm
5.3 Sachliche Bezugsnorm

6. Motivtraining und Bezugsnormen von Lehrern

7. Unterrichtsreihe – Die Veränderung von Einstellung, Mitarbeit und Lernleistung im Verlauf einer bezugsnormspezifischen Motivationsintervention

8. Literaturverzeichnis

1. Motivation

Motivation im weiteren Sinne ist ein Oberbegriff für jene Vorgänge oder Zustände, die man als Antrieb, Streben, Wollen, Begehren, Wünschen, Hoffen, als Neigung, Sehnsucht, Affekt, Trieb, Sucht, Drang, Wille und Interesse bezeichnet.

Motivation im engeren Sinne ist das stimulierende Phänomen des Willens. Somit ist dieser Motivationsbegriff an das Zustandekommen einer Willensentscheidung gebunden. Motive sind demnach das Bestimmungsprinzip des Wollens. Sie sind „Beweggründe“ und damit jene Voraussetzungen, die den Willen bestimmen und zum Handeln anregen.

„Motivation ist so etwas wie eine milde Form von Besessenheit“ (DeCharms, 1979, S. 55).[1]

Dies ist eine recht treffende Definition des alltagssprachlichen Verständnisses von Motivation. Der Motivationsbegriff bezieht sich auf eine Größe, die in ihrer Stärke variieren kann, d.h. man kann hoch oder wenig motiviert sein. Es geht darum, dass jemand erstens ein Ziel hat, zweitens sich anstrengt und drittens ablenkungsfrei bei der Sache bleibt. Mit Motivation bezeichnen wir die aktivierende Ausrichtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen positiven Zielzustand.[2] Aufgabe der wissenschaftlichen Motivationspsychologie ist es, verschiedene Komponenten und Teilprozesse in ihrem Zusammenspiel zu beschreiben und zu erfassen, ihre Abhängigkeiten und Beeinflussbarkeiten zu bestimmen und ihre Auswirkungen im Erleben und nachfolgenden Verhalten näher aufzuklären.[3]

Für sie ist es charakteristisch, dass sie Verhalten weder allein aus Merkmalen der Person noch allein aus Merkmalen der Situation zu verstehen versucht. Stattdessen wird Verhalten als Resultat der Wechselbeziehung zwischen einer Person und einer bestimmten Situation verstanden. Darauf gehen wir im nächsten Kapitel ein.

Aber wie motiviert man eine Person? Es gibt eine Fülle von Strategien von Maßnahmen:

- Perspektiven aufzeigen;
- Auf Interesse und Bedürfnisse eingehen;
- Sinn der Aufgabe verdeutlichen;
- Belohnung in Aussicht stellen;
- Anerkennung zeigen;
- Viel Lob;
- Unmissverständlich klarmachen, dass es nicht so weitergeht;
- Neuen Mut geben;
- Angst nehmen;
- Persönliche Anteilnahme durch echtes Verständnis zeigen;
- Vertrauensvolles Gespräch über persönliche Probleme führen;
- An Ehrgeiz und Selbstachtung appellieren;
- Mit eigenem Schwung die anderen mitreißen;
- Spannende Aufgaben stellen;
- Fortschritte registrieren und Bestätigung geben;
- Die Schüler dürfen bei der Themenwahl mitbestimmen;
- Spannenden Unterricht halten

und vieles mehr. Trotz dieser großen Vielfalt von Kenntnissen wird oft über Motivationsprobleme geklagt.

2. Leistungsmotivation

Unter Leistungsmotivation versteht man „das Bedürfnis, sich bei er Bewältigung von Aufgaben an einem subjektiv bedeutsamen Gütemaßstab zu orientieren, um die Arbeit möglichst gut zu erledigen.“ (Wellhöfer, S. 202)[4]. Als leistungsmotiviert gilt ein verhalten nur dann, wenn die Selbstbewertung eigener Tüchtigkeit der ausschlaggebende Anreiz einer engagierten Zielverfolgung ist. Selbstbewertung meint die basalen Erlebnisse, die sich als Stolz auf das eigene Können umschreiben lässt. Leistungsmotiviertes Handeln ist demzufolge eine engagierte Zielverfolgung, die von Selbstbewertung der eigenen Tüchtigkeit angeregt ist.[5] Heckhausen (1965) definiert Leistungsmotivation als „Bestreben, die eigene Tüchtigkeit in all jenen Tätigkeiten zu steigern oder möglichst hoch zu halten, in denen man einen Gütemaßstab für verbindlich hält, und deren Ausführungen deshalb gelingen oder misslingen kann“.

3. Basismodell leistungsmotivierten Handelns

Lewin, Begründer der Gruppenpsychologie, war der Ansicht, dass Verhalten stets eine Funktion der Situation und der Person ist (Lewin, 1936). Unter Situation versteht man den Anforderungscharakter und die Aufgabenschwierigkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der Abbildung kann man erkennen, dass mit steigender Aufgabenschwierigkeit die Erfolgswahrscheinlichkeit sinkt. Im mittelschweren (realistischen) Aufgabenbereich ist die Motivation am höchsten. Hier ist im Vornhinein nicht sicher, ob der Schüler es wirklich schafft oder nicht, und man erfährt hier am genauesten, was einem schon gelingt und was noch nicht. D.h., der Schüler sieht, wie sich die eigenen Kompetenzen entwickeln. Mit wachsender Kompetenz verschiebt sich der mittelschwere Bereich nach oben. Aufgaben, die zu leistungsmotivierten Handeln anregen, dürfen weder eine selbstverständliche Routine sein, noch unlösbar schwer. Bei extrem leichten Aufgaben ist zwar Misserfolg ausgeschlossen, positive Selbstbewertung erfährt der Schüler jedoch nicht.

Unter Person versteht man den Personenunterschied. In Anforderungssituationen tendieren einige Personen zu erfolgssuchenden, anderen zu misserfolgsmeidenden Sichtweisen. Erfolgssuchende bevorzugen mittelschwere Aufgaben und streben mit hohem Einsatz einen Erfolg an. Daher erfahren sie eine Rückmeldung. Bei leichten oder sehr schweren Aufgaben reagieren sie mit Unlust und ohne Anstrengung. Der Misserfolgsängstliche vermeidet den mittelschweren Aufgabenbereich, denn dieser kann bei Versagen Rückschlüsse auf ihn und seine Tüchtigkeit geben.

4. Selbstbewertungsmodell von Heckhausen (1972, 1975)

Heckhausen zerlegte das homogen gedachte Netzwerk in drei Prozessvariablen. Die erste Variable ist die Ziel- und Anspruchsniveausetzung. Hierfür übernahm er die schon bekannten individuellen Unterschiede als Ausgangspunkt. Das heißt, Erfolgszuversichtliche bevorzugen mittelschwere bzw. realistische Ziele und Misserfolgsängstliche setzen sich häufig zu leichte oder zu schwere Ziele. Die zweite Variable ist die Kausalattribution. Darunter versteht man die subjektiv wahrgenommenen Ursachen eines Handlungsresultats. Der Erfolgssuchende erklärt seinen Erfolg mit Anstrengung und Kompetenzzuwachs. Seinen Misserfolg erklärt er mit mangelnder Anstrengung oder eventuell Pech. Der Misserfolgsmeidende dagegen begründet seinen Erfolg mit Glück oder mit einer leichten Aufgabe; seinen Misserfolg mit mangelnder Fähigkeit. Die dritte Prozessvariable ist die Selbstbewertung/Affekt. Beim Erfolgszuversichtlichen ist der Ärger nach Misserfolg nicht stärker als die Freude durch Erfolg. Dies ist eine ausgeglichene bis positive Selbstbewertung. Beim Misserfolgsmeidenden sind die negativen Affekte stärker als die positiven nach Erfolg. Erfolge, die dem Glück oder einer leichten Aufgabe zuzuschreiben sind, führen kaum zu Stolz auf die eigene Tüchtigkeit. Misserfolge, die der Misserfolgsängstliche mangelnder Fähigkeit zuschreibt, führen zu stark negativen Affekten und nehmen ihm die Hoffnung auf Verbesserung.

[...]


[1] Rheinberg, F. und Krug, S.: Motivationsförderung im Schulalltag. Göttingen 1993, S. 3

[2] Rheinberg, F.: Motivation. Stuttgart; Berlin; Köln 1995, S. 13

[3] Rheinberg, F.: Motivation. Stuttgart; Berlin; Köln 1995, S. 13

[4] Wellhöfer, P. R.: Grundstudium Allgemeine Psychologie. Stuttgart 1990, S. 220

[5] Rheinberg, F. und Krug, S.: Motivationsförderung im Schulalltag. Göttingen 1999, S. 25

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638145619
Dateigröße
747 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7244
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl Pädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Leistungsbeurteilung Grundschule Bezugsnormorientierung Leistung

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Titel: Leistungsbeurteilung in der Grundschule: Bezugsnormorientierung