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Auswahl und Interpretation eines lutherischen Gemeindeliedes: "Vom Himmel hoch da komm ich her"

Seminararbeit 2006 10 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Begriffsklärung „geistliches Lied“/“Kirchenlied“

Bezug der geistlichen Lieder zur Epoche und zu Martin Luther

Das Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her“

Literaturverzeichnis

Bibliographie

Anhang: Text des Liedes "Vom Himmel hoch da komm ich her"

Einleitung

Für die Interpretation eines lutherischen Gemeindliedes habe ich mir das Kirchenjahrslied „Vom Himmel hoch da komm ich her“ ausgewählt, da mir dieses bereits als Weihnachtslied bekannt war. Zu finden ist es sowohl im „Evangelischen Gesangbuch“ (EG 24), als auch im katholischen Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ (GL 163). Dieses Lied Luthers ist mit der weihnachtlichen Tradition der evangelischen Kirche untrennbar verbunden und, aufgrund zahlreicher Übersetzungen, auch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.

Die Thematik der Weihnachtsgeschichte, die in diesem Lied wiedergegeben wird, ist mir insbesondere wichtig, weil ich es schade finde, dass viele Menschen daraus einen individualistische und konsumorientierten Feiertag machen und eigentlich gar nicht wissen, warum Weihnachten überhaupt gefeiert wird.

Zunächst werde ich aber die Begriffe „geistliches Lied“ und „Kirchenlied“ erklären und dann auf den deren Bezug zur Epoche und speziell zu Martin Luther eingehen, bevor ich zu der Interpretation des Liedes „Vom Himmel hoch da komm ich her“ komme.

Begriffsklärung „geistliches Lied“/“Kirchenlied“

Ein geistliches Lied ist ein Lied, dessen Text einen christlich-religiösen Inhalt hat. Es wird als Kirchenlied bezeichnet, wenn es in kirchlichen Gesangsbüchern aufgenommen bzw. von einer christlichen Gemeinde im Gottesdienst regelmäßig gesungen wird. Als durch die Gemeinde gesungenes Kirchenlied ist das geistliche Lied in den meisten christlichen Konfessionen ein fester Bestandteil des Gottesdienstes. Das gemeinsame Singen ist in vielen Liturgien die Antwort der Gemeinde auf die Predigt oder das Gebet, kann selbst Gebet und Dank sein, dient aber vor allem der Verinnerlichung der Glaubensinhalte.

Bezug der geistlichen Lieder zur Epoche und zu Martin Luther

Im späten Mittelalter entwickelten sich erste geistliche Lieder in Volkssprachen. Zuvor war der gottesdienstliche Gesang offiziell dem Chor und den Geistlichen vorbehalten. Im Sinne einer Stärkung der Gemeindebeteiligung im Gottesdienst nahmen Reformatoren den zunächst unbegleiteten Gemeindegesang in ihre Gottesdienst-ordnungen auf. Unter den Reformatoren maß vor allem Martin Luther dem volkssprachlichen Kirchenlied eine hohe Bedeutung zu. Nachdem die Reformation bereits zur Tatsache geworden war – am 31. Oktober 1517 erschienen die 95 Thesen (gegen das „Ablaßunwesen“ gerichtet), und 1522 hatte er von der Wartburg aus das Neue Testament übersetzt – dichtete er über dreißig deutsche Kirchenlieder, welche zunächst durch Flugblätter und bald auch durch kleine Gesangsbücher eine hohe Verbreitung erreichten und noch heute zum Kern des protestantischen Kirchenliedgutes gehören.[1]

Die dichterische Begabung oder das persönliche Erlebnis des Dichters sind bei der Gattung der Kirchenlieder nicht das Primäre, denn nicht die literarisch-ästhetische Seite, sondern die Inhaltsseite und seine Zweckgebundenheit sind das wichtigste beim Kirchenlied. Das Charakteristische dieser Gattung ist, dass die Lieder in einem ganz bestimmten Zusammenhang und mit einer bestimmten Absicht gesungen werden (sie bezwecken zum Beispiel die Verkündung, Belehrung oder das Gotteslob wie in dem Lied Luthers „Vom Himmel hoch da komm ich her“). Katechetisch[2] konnten Kirchenlieder spezielle theologische Themen, wie Glaubensbekenntnis und Sakramente, behandeln und als missionarische Wirkung die Ausbreitung biblischer Inhalte und reformatorischer Ideen fördern. Formuliert als ein Kirchenlied (also als volkssprachig gereimtes Strophenlied für den Gottesdienst), das, auch unterstützt durch eine einprägsame Melodie, leicht auswendig gelernt werden konnte, ließ sich der Inhalt der neuen Lehre bzw. der „frohen Botschaft“ Luthers leichter einprägen. Für Luther spielte die Musik eine wichtige Rolle. Einerseits sah er die sie als Medium an, das die Freude des Gläubigen über das Evangelium auszudrücken vermochte, andererseits war sie auch geeignet, Freude zu erwecken.[3] Deswegen sollten aus seiner Sicht Musik und Sprache eine Einheit bilden: „Das Singen und Sagen (…) Es ist ein Klang-Geschehen, das zwei Dimensionen hat: die Dimension des Wortes und die Dimension der Musik. Während des Erklingens können beide nicht voneinander getrennt werden“[4]. Die Formulierung „davon ich sing’n und sagen will“[5] findet sich auch in dem Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her“ wieder. Hauptsächlich hat das Kirchenlied also einen Funktionswert mit dem Ziel, die Menschen für das Wort Gottes empfänglich zu machen, sie zum Glauben zu bewegen oder sie darin zu stärken. Das Ästhetische und Poetische nimmt dabei sozusagen eine dienende Stellung ein.

Luthers Gemeindelieder stellen zwar nur einen kleinen Bruchteil seines Gesamtschaffens dar, sind aber heute noch weit verbreitet und bekannt, da sie noch immer im Gottesdienst gesungen werden.

[...]


[1] Vgl. Klippgen 1912, S.2.

[2] katechetisch: die kirchliche Unterrichtung in der Christenlehre betreffend

[3] Vgl. ‚ Vom Himmel hoch da komm ich her ’ (4. Strophe):

Davon ich allzeit fröhlich sei, zu springen, singen immer frei das rechte Susaninne schön, mit Herzenslust den süßen Tön.

[4] Reich 1997, S. 13.

[5] aus: ‚Vom Himmel hoch da komm ich her’ (1. Strophe, 4. Vers)

Details

Seiten
10
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638880770
ISBN (Buch)
9783638939591
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72498
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Auswahl Interpretation Himmel Einführung Literatur Sprache Umfeld Humanismus Reformation Luther Gemeindelied

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Titel: Auswahl und Interpretation eines lutherischen Gemeindeliedes: "Vom Himmel hoch da komm ich her"