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Telefoninterviews - Vor- und Nachteile und ein Vergleich zu anderen Methoden der Sozialforschung

Seminararbeit 2007 15 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

0 VORWORT

1 EINFÜHRUNG

2 TELFONUMFRAGEN
2.1. Telefonieren als besondere Form der Kommunikation
2.2. Telefoninterviews und ihre Bedingungen

3 DURCHFÜHRUNG VON TELEFONUMFRAGEN
3.1. Stichproben
3.2. Methodische und praktische Probleme
3.3. Computergestützte Verfahren (CATI)
3.4. Der Fragebogen als Instrument
3.5. Richtlinien für telefonische Befragungen

4 AUSBLICK

5 LITERATURVERZEICHNIS

0 VORWORT

Die Geschichte systematischer Sozialforschung geht auf über 100 Jahre zurück. Während sie damals, außer den Sozialwissenschaften (Soziologie, Sozialpsychologie, Politologie und Psychologie) selbst, anderen Wissenschaften vorbehalten blieb, wird sie heute auch in den benachbarten Disziplinen wie Pädagogik, Ethnologie, Geschichte, Wirtschaftswissenschaften, Volkswirtschaft und Marketing eingesetzt.

Dabei hat die Umfrageforschung mittels Telefon immer mehr an Bedeutung zugenommen. Während in der amerikanischen Sozialforschung die Telefonumfrage zu der nunmehr führenden Methode geworden und der Begriff Umfrageforschung schon fast synonym mit dem der Telefonbefragung ist, wird sie in Europa zwar schon verstärkt, aber trotzdem noch die persönliche Befragung bevorzugt eingesetzt. In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder Kritik an der unzureichenden Repräsentativität der Stichprobe, die zu einer erheblichen Verzerrung der Ergebnisse geführt hätte.

Telefonumfragen bringen durch den Einsatz von computerunterstützten Verfahren im Vergleich zur postalischen und persönlichen Befragung nicht nur Vorteile in der Kostenersparnis, sondern bieten vor allem die Chance, intensivere und präzisere Gespräche zu führen, da die Befragten am Telefon meist offener antworten. Darüber hinaus ermöglichen Interviews per Telefon verstärkte Kontrollen des Interviewerstabes als auch des Auswahlverfahrens, was den problematischen Bereich von Messfehlern in der Sozialforschung deutlich reduzieren lässt. (vgl. Frey, 1990, S.23 ff)

Da ich selbst seit einiger Zeit im Rahmen meines Praktikums am Institut für Grundlagenforschung und bei der Salzburger Nachrichten-Marktforschung Telefoninterviews durchführe, habe ich in diese Arbeit auch meine eigenen Erfahrungen mit einbauen können. Diese Arbeit soll einen kleinen Einblick in die Welt der Telefoninterviews geben und vor allen Dingen die Vor- und Nachteile aufzeigen, die es im Vergleich zu anderen Methoden der empirischen Sozialforschung gibt.

1 EINFÜHRUNG

Zweifelsohne würden Telefonumfragen ohne Telefon gar nicht erst möglich sein. Durch die Erfindung und Entwicklung des Telefons wurde vor allem eine Form der Kommunikation geboren, die allein durch die menschliche Stimme und der Sprache ihren eigenen Regeln folgt. Diese soziale Beschränkung ist gekennzeichnet durch eine Struktur, die sich die Sozialforschung anhand von Interviews zu Nutze gezogen hat.

Während Eingeborenenstämme noch Rauchzeichen und Trommelsignale für Mitteilungen verwendeten, gab es in den Kulturstaaten trotz Telegrafie den Wunsch, Nachrichten schneller zu übermitteln. Dieser soziale Druck war vermutlich auch der Grund dafür, weshalb damals Alexander G.Bell und Elisha Gray 1876 fast zeitgleich die Patente für die ersten praktisch brauchbaren Telefonapparate einreichten. Der erste Mann allerdings, der das Prinzip des Telefons schon 1854 in einem Aufsatz erwähnte, war Charles Bourseul. Phillip Reis erfand dann 1861 das von ihm so benannte „Telephon“, das zum einen aus einer Schweinsblase als Membran als Geber diente und zum andren aus einer Spule mit Stricknadel und einem aus Tannenholz angefertigten Membran als Empfänger bestand. Diese Erfindung wurde auf der ganzen Welt verschickt, vor allem dem Adel und anderen Persönlichkeiten. Nach Bell und Gray entwickelte D.E.Hughes 1891 das Kohlemikrophon, das letztendlich auch die Übertragung über größerer Entfernungen ermöglichte.

Durch die immer weiteren Verbesserungen des Telefons wurde die Übermittlung der menschlichen Stimme über Draht und später auch drahtlos, zu einem Teil der Lebenswelt und einer wichtigen Kommunikationsform für einen Großteil der Industriegesellschaft. Für die Soziologie ist das Telefon deshalb von Bedeutung, weil es mit der sozialen Entwicklung menschlicher Existenz eng verbunden ist. Wenn man sich vor Augen hält, dass 1910 schon alle Länder der Erde mit 10 Millionen Fernsprechern telefonisch angeschlossen waren, macht es deutlich, wie stark der Drang nach Erweiterung einer neuen Form der Kommunikation war. (vgl. Frey, 1990, S.11 ff)

2 TELEFONUMFRAGEN

Keine Methode in der Datenerhebung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so schnell verbreitet wie das telefonische Interview. In der Schweiz finden heute knapp 2/3 aller Meinungsumfragen von Instituten am Telefon statt. Auch in Deutschland und Österreich ist ein Trend durchaus erkennbar. Die Netzdichte hat in relativ kurzer Zeit so enorm zugenommen, dass die Stichprobenziehung im Wesentlichen vereinfacht wurde, da nahezu alle Privatanschlüsse – sowohl der Festnetzanschluss oder das Mobiltelefon, im Telefonverzeichnis (sei es im Telefonbuch oder auf CD-Rom) vorliegen. Aufgrund dessen können heute allgemeine Bevölkerungsumfragen problemlos und mit einer hohen Datenqualität durchgeführt werden. (vgl. Diekmann, 2003, S.429)

2.1. Telefonieren als besondere Form der Kommunikation

Vergleicht man eine „normale“ Kommunikation mit der einer telefonischen, sind die Einflüsse auf Form und Inhalt eines Gespräches viel größer, als man zu allererst erkennen mag. Kommuniziert man von Angesicht zu Angesicht, werden Informationen und Eindrücke ausgetauscht und wahrgenommen und nicht nur die Gesprächspartner selbst, sondern auch andere Personen aus der unmittelbaren Umgebung können mit eingeschlossen werden. Bei einem persönlichen Gespräch unter vier Augen vermitteln nicht nur Worte Informationen, sondern auch Gesten, Mimiken, die Art des Auftretens und das Erscheinungsbild werden als non-verbale Information aufgenommen. Diese Art von Kommunikation wird durch ein soziales Gleichgewicht aufrechterhalten.

Bei einem Telefongespräch hingegen fehlt bis auf den sprachlichen Austausch das meiste einer „normalen" sozialen Beziehung. Die Kommunikation beschränkt sich rein auf den Telefonhörer, wodurch sich eine Konzentration auf den Informationsaustausch ergibt, mit einer vermutlich geringeren Gefahr einer Ablenkung, wie sie verstärkt bei einer normalen Interaktion vorkommen kann (sei es durch andere Personen, Lärm oder Langeweile). Ein kritischer Punkt hierbei ist die Aufrechterhaltung der sozialen Beziehung, nachdem der Name am Telefon genannt wurde. Im Gegensatz zu Bekannten oder Freunden besteht bei Telefonbefragungen durch einen unbekannten Interviewer weder Vertrauen, noch das intensive Bedürfnis, das Gespräch weiter zu führen. Diese Tatsache wird noch dazu dadurch verstärkt, indem der Interviewer dem Unbekannten am Telefon anfangs vermittelt, dass er auf jeden Fall ein Fremder bleiben wird und ihm indirekt sagt, dass ihn persönliche Beziehungen nicht weiter interessieren. Was sollte also unter solchen Umständen einen Gesprächspartner dazu bewegen, die Kommunikation aufrecht zu erhalten, und worin liegt das Geheimnis, dass Fremde Fremden Antworten und somit Informationen über sich selbst preisgeben? (vgl. Frey, 1990, S.20 f)

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638730594
ISBN (Buch)
9783640343676
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72728
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Institut für Gesellschaftswissenschaften
Note
1
Schlagworte
Telefoninterviews Vor- Nachteile Vergleich Methoden Sozialforschung

Autor

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Titel: Telefoninterviews - Vor- und Nachteile und ein Vergleich zu anderen Methoden der Sozialforschung