Lade Inhalt...

Die Künstlerfigur in James Joyce "Ein Portrait des Künstlers als junger Mann"

Hausarbeit 2007 12 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Epiphanien als Stilmittel

III. Die Entwicklung zum Künstler
a. I. Kapitel
b. V. Kapitel

IV. Fazit

V. Bibliographie

I. Einleitung

James Joyce literarisches Schaffen umfasst nur wenige Werke und aber dennoch beeinflusste er damit maßgeblich die Literatur des 20. Jahrhunderts. „Das Portrait des Künstlers als junger Mann“ zeichnet sich durch Joyce avantgardistischen Erzählstil und seine Vielschichtigkeit aus. Der Titel impliziert den Künstlerdiskurs, der die Jugendzeit des Protagonisten Stephen Dedalus thematisiert und seine Entwicklung zum Künstler beschreibt.

In dieser Ausarbeitung soll vorrangig Stephens Selbstfindung auf dem Weg zum Künstler beschrieben werden. Die Komplexität dieses Romans erlaubt in diesem begrenzten Rahmen nur eine kleine Analyse. Grundlage für diese Untersuchung sind das erste und das letzte Kapitel, in denen der Künstlerdiskurs sowie die Entwicklungsstadien des Protagonisten erarbeitet werden sollen. In Joyce Roman wird die Selbstfindung und Berufung zu einem Schriftsteller ans Ende gesetzt. Besonders die gegensätzliche Struktur und der wechselnde Sprachstil dieser Kapitel soll hierbei fokussiert und analysiert werden.

James Joyce „Epiphanien“ werden zu Beginn dieser Hausarbeit definiert und in den Kontext des Romans einbettet. Darauf folgt ein Vergleich der oben genannten Kapitel, indem explizite Textpassagen unter dem Aspekt der Sprachtheorie auf Symbolik und Thematik untersucht werden

II. Epiphanien als Stilmittel

In „Ein Portrait des Künstlers als junger Mann“ ist die Epiphanie ein zentrales und stilistisches Element. Für Joyce war eine Epiphanie keine Offenbarung der göttlichen Macht und ihrer ewigen Wahrheit sondern die plötzliche „Offenbarung der Washeit eines Dinges“[1] und ein Augenblick, in dem „die Seele des gewöhnlichsten Gegenstandes … zu erstrahlen scheint“.[2] Er entlehnte den Begriff der Epiphanie dem Christentum und verlieh ihm weltliche Bedeutung. Seiner Ansicht nach waren solche Epiphanien dem Künstler vertraut, und dieser müsse nach ihnen Ausschau halten unter den Menschen. Sie offenbaren sich in zufälligen, belanglosen und unauffälligen oder unangenehmen Augenblicken. „Er glaubte, daß es die Aufgabe des Schriftstellers sei, die Epiphanie mit äußerster Sorgfalt aufzuzeichnen, da sie selbst die zerbrechlichsten und flüchtigsten aller Momente seien.“[3] Kennzeichnend für dieses Stilmittel bei Joyce ist, dass der Künstler diesen Augenblick und die Empfindung der Epiphanie registriert und sogleich durch seine Einbildungskraft das ästhetische Bild zu entwerfen beginnt.[4]

Die Epiphanien im „Portrait“ von Joyce lassen sich schwer an expliziten Textstellen aufzeigen. Vielmehr gleicht dieser Roman eine Epiphanien – Sammlung. Jedes der fünf Kapitel endet mit einer Epiphanie, also einem Gedanken der Erleuchtung. Jedoch wird dieser Augenblick der Erkenntnis und das Gefühl des inneren Gleichgewichts durch das darauf folgende Kapitel abgewertet, indem sich die Welt für den Protagonisten vergrößert und ihn vor neue Herausforderungen stellt. Der Protagonist triumphiert am Ende eines jeden Kapitels über eine niedere Autorität, die im nächsten wieder zerstört wird.

Viele der Epiphanien in Joyce „Portrait“ haben einen epischen Charakter und können vereinzelt auch als Poesie innerhalb des Romans gelesen werden. Die Dialog – Epiphanien sind gekennzeichnet durch ihre Authentizität einer realen Begebenheit. Im Gegensatz dazu schaffen die Traum - Epiphanien Bilder und Szenen, „[…] die zu ihrer Wirkung der Anbindung an eine authentische Realität kaum bedürfen.“[5]

III. Die Entwicklung zum Künstler

Das „Portrait“ thematisiert die Entwicklung des künstlerischen Bewusstseins des Stephen Dedalus, welche vorrangig auf der sprachlichen Ebene dargestellt wird. Dieser Roman, der einen stark - autobiographischen Charakter hat, beschreibt das Heranwachsen eines sensiblen und ängstlichen Knaben zu einem selbstbewussten jungen Mann. Der Schwerpunkt dieses Buches basiert auf den emotionalen und intellektuellen Abenteuern des Protagonisten.

In „Ein Portrait des Künstlers als junger Mann“ verknüpft James Joyce den Entwicklungsroman mit dem Künstlerroman um Methoden der Bewusstseinsdarstellung herleiten zu können. In systematischer Weise wird im Roman gezeigt, wie Stephen Dedalus Sprache als Klang, Rhythmus und Bedeutungsträger erlebt und wie er in stilistische und semantische Phänomene eindringt aus denen heraus er eigene Wort – und Sprachkreationen entwickelt.

a) I. Kapitel

Der Roman beginnt mit den frühsten Kindheitserinnerungen von Stephen. Besonders auffällig ist der einfach – strukturierte Sprachstil, denn Joyce vermittelt durch seinen Schreibstil die Perspektive eines kleinen Jungen. Die Formulierung des Titels „als junger Mann“ und die Er - Form lassen darauf schließen, dass der Autor auf eine abgeschlossene Phase seines Lebens zurückblickt. Dennoch gelingt es ihm durch die Verwendung von einfachen und kurzen Hauptsätzen, die auf einen kindlichen Sprachstil und dessen Denkweise schließen lassen, sich in dieses frühe Entwicklungsstadium zurückzuversetzen. Der Protagonist entdeckt mit der Auseinandersetzung der äußeren und inneren Wirklichkeit die verschiedenen Formen und Funktionen der Sprache.

Einleitend wird eine Geschichte erzählt, an die sich Stephen aus frühsten Kindertagen erinnert. „Es war einmal vor langer Zeit und das war eine sehr gute Zeit […]“[6] ist sowohl der Anfang des Romans als auch der Beginn eines Märchens, dass Simon Dedalus seinem Sohn Stephen erzählt. In dieser Geschichte wird Stephen von seinem Vater „Tuckuck – Baby“ genannt und aktiv in die Erzählung integriert. Hierbei sind besonders die unterschiedlichen Sinneseindrücke hervorzuheben, die in dieser kurzen Anekdote aufgezählt werden. Nacheinander werden alle fünf Sinne durch bestimmte Assoziationen angesprochen. Das Erzählen der Geschichte von der „Muhkuh“ symbolisiert das Hören. Das Sehen wird durch „sein Vater sah ihn an durch ein Glas“ verdeutlicht. Die „Zitronenzöpfe“ stehen für das Schmecken, das Fühlen und das Riechen werden mit dem Öltuch in Verbindung gebracht. Stephen erschließt sich durch diese Geschichte die Welt der Sprache und des Rhythmus.

Mit seiner Mutter assoziiert Stephen neben dem Geruch auch das Klavierspielen. Diese musikalische Darbietung wendet sich an sein Rhythmusgefühl, dass durch sprachliche Eindrücke in seinem Bewusstsein weiterlebt. In dem Dialog zwischen seiner Mutter und Dante bemerkt Stephen in seiner kindlichen Naivität, dass seine Freundin Eileen, die er als später heiraten will, aus einer protestantischen Familie stammt. Der katholische Glauben seiner Familie unterbindet diese Freundschaft. Sich seiner Schuld bewusst, versteckt er sich unter dem Tisch und aus dem Gespräch der Erwachsenen entsteht sein erstes Gedicht.

Aus „Oh die wilde Rose blühet“, das aus einem Volkslied stammt, formt Stephen seine eigene sprachliche Version „Oh die grüne Lose blütet“.

So lässt sich aus dem Anfang des Romans erschließen, dass Stephen die Sprache als logische und rhythmische Ordnung wahrnimmt und sich mittels der Sprache eine eigene imaginative Wirklichkeit konstruiert.[7]

[...]


[1] Richard Ellmann: James Joyce. Biographie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1994, S. 142

[2] Ebd.

[3] Zit. n. James Joyce in: Umberto Eco: Die Quellen des Begriffs der Epiphanie. in: Materialien zu James Joyce „Ein Portrait des Künstlers als junger Mann“, (Hg.) Reichert, Klaus/Senn, Fritz. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1974, S. 279

[4] Vgl. Umberto Eco: Die Quellen des Begriffs der Epiphanie, S. 281

[5] Klaus Peter Müller: Epiphanie. Begriff und Gestaltungsprinzip im Frühwerk von James Joyce, Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 1984, S. 23

[6] James Joyce: Portrait, S. 7

[7] Vgl. Willi Erzgräber: James Joyce. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spiegel experimenteller Erzählkunst, Gunter Narr Verlag, Tübingen 1998, S. 67ff

Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638730648
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72740
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Künstlerfigur James Joyce Portrait Künstlers Mann Künstler Mensch

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Künstlerfigur in James Joyce "Ein Portrait des Künstlers als junger Mann"