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Nachfrage und Einsatzmöglichkeiten der Kaufleute für Tourismus und Freizeit - Empirische Untersuchung in der Oldenburger Region

Examensarbeit 2006 96 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Branchenentwicklung in Tourismus und Freizeit
2.1 Definition von Tourismus und Freizeit
2.2 Entwicklung der Freizeit und des Tourismus
2.3 Tourismus und Freizeit heute
2.4 Die Bedeutung des Tourismus für Europa
2.5 Die Entwicklung auf dem deutschen Reisemarkt
2.6 Besondere Tourismusformen
2.6.1 Eventorientierung
2.6.2 Sporttourismus
2.6.3 Kulturtourismus
2.6.4 Kurorte und Heilbäder
2.6.5 Camping- und Freizeiteinrichtungen
2.6.6 Städtetourismus
2.7 Erwartungen für den Tourismus- und Freizeitbereich
2.8 Wirtschaftsfaktor Tourismus und Freizeit
2.9 Die Bedeutung der Oldenburger Region
2.10 Entwicklung des Berufsbildes der Kaufleute für Tourismus und Freizeit
2.10.1 Methodisches Vorgehen
2.10.2 Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse
2.11 Der Ausbildungsberuf der Kaufleute für Tourismus und Freizeit
2.11.1 Arbeitsgebiete der Kaufleute für Tourismus und Freizeit
2.11.2 Berufsfeld
2.11.3 Verdienstmöglichkeiten
2.12 Entwicklung der Hypothesen

3 Empirische Untersuchung
3.1 Operationalisierung
3.1.1 Erhebungsvorbereitung
3.1.2 Untersuchungsart
3.1.3 Datengewinnung
3.2 Datenaufbereitung
3.3 Datenauswertung

4 Ergebnisteil
4.1 Ausbildende Betriebe
4.1.1 Branchenzugehörigkeit und Unternehmensstruktur
4.1.2 Bedeutsame Aufgaben im Tourismus
4.1.3 Ausbildungssituation der Kaufleute für Tourismus und Freizeit
4.1.4 Fachkräftebedarf im Tourismus
4.2 Nicht ausbildende Betriebe
4.2.1 Branchenzugehörigkeit und Unternehmensstruktur
4.2.2 Bedeutsame Aufgaben im Tourismus
4.2.3 Ausbildungsbereitschaft für den neuen Beruf
4.2.4 Fachkräftebedarf im Tourismus
4.3 Gesamtbetrachtung aller befragten Unternehmen
4.3.1 Branchenzugehörigkeit und Unternehmensstruktur
4.3.2 Allgemeine Ausbildungssituation
4.3.3 Bedeutsame Aufgaben im Tourismus
4.3.4 Kennzeichen des Berufsbildes der Kaufleute für Tourismus und Freizeit
4.3.5 Fachkräftebedarf im Tourismus

5 Fazit

6 Abbildungsverzeichnis

7 Literaturverzeichnis

8 Anlage: Fragebogen

1 Einleitung

„Von den abenteuerlichen Reisen eines Marco Polo bis zum modernen Tourismus unserer Tage war es ein weiter Weg“ (Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit 2003, Stand 23.02.2006).

Doch schon immer spielte der wirtschaftliche Aspekt beim Reisen eine wichtige Rolle. Der Unterschied besteht darin, dass das Reisen selbst heutzutage zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor avanciert, während damals eher Handelswege gesucht wurden. Aber die Globetrotter, mit dem Ziel, die Welt entdecken zu wollen, gab es schon damals und gibt es heute. Die modernen Transportmittel machen es uns im 21. Jahrhundert möglich, das Frühstück zu Hause einzunehmen und am selben Tag viele Meilen entfernt davon zu Abend zu essen. Unser alltägliches Leben schließt den Tourismus soweit mit ein, dass nicht nur ein gelungener Urlaub selbst positive Kräfte freisetzt, sondern allein die Vorfreude schon ausreicht.

Diese Einbindung des Tourismus in unser Leben scheint also eine ideale Lücke zu sein, die durch einen neuen Ausbildungsbereich sinnvoll geschlossen werden kann. In der vorliegenden Arbeit wurde daher neben der Nachfrage, auch die Einsatzmöglichkeit der Kaufleute für Tourismus und Freizeit in der Oldenburger Region untersucht. Diese empirische Untersuchung ist bisher einzigartig in der Region Oldenburg, aber auch auf Bundesebene. Zu diesem neuen Beruf, den es seit dem 1. August 2005 gibt, wurden bisher noch keine Untersuchungen in dieser Art gemacht. Vom Bundesinstitut für Berufsbildung gibt es lediglich eine Vorstudie im Tourismusbereich. Diese Vorstudie zur Qualifikationsentwicklung im Tourismus wurde von Trappmann-Webers durchgeführt, die die Entstehung des neuen Berufsbildes nach sich gezogen hat (vgl. Trappmann-Webers 2005).

Der erste Teil der Arbeit behandelt das Thema der Branchenentwicklung in Tourismus und Freizeit. Nach der Begriffsabgrenzung beschreibe ich die historische Entwicklung des Tourismus und der Freizeit. Im Anschluss daran wird die aktuelle Bedeutung in der Gesellschaft deutlich gemacht. Vor dem Hintergrund des internationalen und nationalen Tourismus- und Freizeitmarktes werden die für die Branche spezifischen Kennziffern vorgestellt und betrachtet.

Die speziellen Tourismusformen und deren Bedeutung werden in Kapitel 2.6 betrachtet. Diese Formen können durch ihre Vielfältigkeit für die zukünftige Entwicklung und für mögliche Einsatzgebiete der Kaufleute für Tourismus und Freizeit eine wichtige Rolle spielen.

Für die Allgemeinheit wird die Freizeitgestaltung eine immer wichtigere Bedeutung erlangen. Wie diese Erwartungen für die Entwicklung im Tourismus- und Freizeitbereich aussehen, dies wird im Kapitel 2.7 bearbeitet.

Im Anschluss daran gehe ich darauf ein, wie stark die Wirtschaftskraft des Tourismus und der Freizeit sich auf die Beschäftigtenzahlen und die Umsätze auswirkt. Welche Rolle diese Kraft in der Oldenburger Region spielt und wie die Region mit den bisher genannten Punkten zusammenhängt, wird in Kapitel 2.9 behandelt.

Eine Studie auf Bundesebene hat den Tourismus- und Freizeitmarkt vor der Einführung des Ausbildungsberufs des/der Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit untersucht. Diese Ergebnisse stelle ich kurz dar, weil sie Grundlage für die Schaffung des neuen Berufbildes und für meine empirische Untersuchung sind.

Im nächsten Kapitel wird der Beruf des Kaufmann/ der Kauffrau für Tourismus und Freizeit dargestellt. Die Arbeits- und Einsatzfelder dieser Kaufleute werden aufgezeigt, um so eine Grundlage zu schaffen, mit deren Hilfe mögliche Arbeitsstellen gefunden werden können.

Aus den bisher genannten Bereichen habe ich meine Hypothesen für die Oldenburger Region entwickelt. Wie sie sich im Einzelnen zusammensetzen und auf welcher Grundlage sie basieren, wird in dem Kapitel 2.12 beschrieben.

Die im Zusammenhang mit dieser Arbeit durchgeführte empirische Untersuchung bezieht sich auf die Nachfrage und Einsatzmöglichkeiten der Kaufleute für Tourismus und Freizeit in der Oldenburger Region. Die Grundlage für diese Untersuchung waren genannte Hypothesen. Der Teil der Untersuchung besteht aus der Operationalisierung der Untersuchung, der Datenaufbereitung und der Datenauswertung und ist in Kapitel 3 beschrieben.

Im vierten Kapitel präsentiere ich die Auswertung und Ergebnisse der Untersuchung in der Oldenburger Region.

Es werden die jeweiligen Inhalte der einzelnen Punkte und die Untersuchung zusammengefasst. Die Ergebnisse zur Nachfrage und Einsatzmöglichkeit der Kaufleute für Tourismus und Freizeit in der Oldenburger Region werden kritisch betrachtet. Daraus lässt sich schließen, in welcher Ausprägung die Nachfrage an Kaufleuten in diesem Bereich besteht.

2 Branchenentwicklung in Tourismus und Freizeit

2.1 Definition von Tourismus und Freizeit

Tourismus und Freizeit sind Begriffe, die in der Gegenwart für den größten Teil der Bevölkerung zu einem wesentlichen Lebensinhalt geworden sind.

Die Welttourismusorganisation (WTO) definiert Tourismus als „die Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten“ (World Travel Organization 1993). Der Reisezweck kann der Erholung, der Freizeit, dem Urlaub oder den Ferien dienen. Er kann aber auch zum Besuch bei Bekannten, Verwandten oder Freunden genutzt werden. Weitere Gründe können geschäftlicher, beruflicher, gesundheitlicher oder religiös Art sein. Somit umfasst der Tourismus Dienst- und Geschäftsreisen, sowie private Reisen. Weitere Bestandteile des Tourismus sind nach der WTO eine räumliche Veränderung des Aufenthaltsortes einer Person und der damit verbundene Ortswechsel. Dabei gilt für den Aufenthaltsort, dass er nicht ständiger Wohn- oder Arbeitsort ist. Dazu gehören noch die Übernachtungen und Aktivitäten am Urlaubsort, sowie das Angebot und die Nachfrage nach touristischen Leistungen. Diese Reisenden sind die Touristen. Die Definition erfasst nicht die Aktivitäten außerhalb der täglichen Wegstrecke und Tagesbesuche, weil mindestens eine Übernachtung erforderlich ist. Diese Reisenden werden als Tagesbesucher bezeichnet. (Vgl. Opaschowski 1996, S. 20)

Die WTO teilt die Besucher zusätzlich in internationale und nationale Besucher ein. Internationale Besucher verlassen ihre gewohnte Umgebung nicht länger als zwölf Monate und reisen nicht in das Land, in dem sie ihren gewöhnlichen Wohnsitz haben. Ihr hauptsächlicher Reisezweck ist ein anderer, als eine ständige Arbeitsaufnahme in dem besuchten Land.

„Inländische Besucher“ bezeichnen „jede Person, die in dem gegebenen Land ihren Wohnsitz hat und für die Dauer von nicht mehr als zwölf Monaten ihre gewohnte Umgebung verlässt, um an einen anderen Ort innerhalb dieses Landes zu reisen, und deren hauptsächlicher Reisezweck ein anderer ist als die Ausübung einer Tätigkeit, die von dem besuchten Ort entgolten wird“ (Opaschowski 1995, S. 15).

Durch diese Unterscheidung entstehen in einem Land drei verschiedene Reiseströme. Der Binnenreiseverkehr bezieht sich auf innerhalb des Landes Reisende. Der Einreiseverkehr bezieht sich auf Reisen von Angehörigen aus anderen Staaten in das gegebene Land und der Ausreiseverkehr von Inländern, die in das Ausland reisen. Durch diese Arten der Reiseströme werden drei Grundformen des Tourismus unterschieden: Der Inlandstourismus bildet sich aus dem Einreiseverkehr aus dem Ausland und dem Aufenthalt von Inländern im Inland, dem so genannten Binnenreiseverkehr. Der nationale Tourismus besteht aus dem Ausreiseverkehr und dem Binnenreiseverkehr, während der internationale Tourismus aus Ein- und Ausreiseverkehr besteht. Der Einreiseverkehr wir auch Incoming Tourismus und der Ausreiseverkehr auch Outgoing Tourismus genannt. (Vgl. Breidenbach 2002, S. 27 f.) In meiner Arbeit beziehe ich mich ausschließlich auf den Inlandstourismus (Incoming-Tourismus und Binnentourismus). Den Auslandstourismus (Outgoing-Tourismus) betrachte ich nicht, weil er für die Kaufleute für Tourismus und Freizeit eher nicht als Betätigungsfeld in Frage kommt.

Unter Freizeit wird das verstanden, was die Mehrheit der Bevölkerung als Freizeit empfindet. Das kann durch die gesamte aber auch durch einzelne Bevölkerungsgruppen geschehen. Es entstehen unterschiedliche Freizeitprofile. „So vertreten

70 Prozent der Bevölkerung die Auffassung, dass Freizeit in erster Linie eine Zeit ist, in der man tun und lassen kann, was einem Spaß und Freude macht“ (Opaschowski 2006, S. 35).

Zur Freizeit gehören Aktivitäten außerhalb des Berufs und des Haushalts. Dazu zählen die Mediennutzung, Gespräche und Geselligkeit, Spiel und Sport, sowie Musik und Kultur. Diese Aktivitäten können in Art, Umfang, Zeit und Lage selbst bestimmt werden. Die freie Zeit dient zum Abschalten, zur Ruhe und zur Erholung von der Arbeit. Durch lange Anfahrtswege zur Arbeit und Überstunden aufgrund hohen Arbeitsanfalls ist sie sehr beschränkt. Freizeitwünsche bleiben deshalb häufig nur Wünsche. Der Umfang der Freizeit beträgt durchschnittlich täglich mehrere Stunden. Er ist abhängig von der Lebenssituation des Einzelnen. (Vgl. Opaschowski 2006, S. 26 f.)

Diese freie Zeit bedeutet nicht, dass ihre Gestaltung frei ist. Die Freizeitaktivitäten zeigen, dass man nach der Arbeitszeit noch Zwängen, Abhängigkeiten und Verpflichtungen unterliegt. Dazu zählen Arbeiten wie Haushalt, Einkaufen, Gartenpflege usw. Für eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten müssen erhebliche Geldmittel aufgebracht werden. Nur durch Mehrarbeit im Beruf ist es möglich das Freizeitvergnügen, das teure Hobby und den Wunschurlaub zu finanzieren. So wird die persönliche Freizeit weiter eingeschränkt. Freizeit ist ein Rahmenbegriff, der unterschiedliche Bedeutung haben kann. Es ist immer das, was der Einzelne oder die gesellschaftliche Öffentlichkeit empfindet.

Das Freizeitverhalten konnte bisher ebenfalls nicht schlüssig erklärt werden. Konkrete Freizeitstile, Verhaltensformen und Trends in Tourismus und Freizeit lassen sich nur schwer erfassen und erklären. (Vgl. Breidenbach 2002, S. 1 ff.)

2.2 Entwicklung der Freizeit und des Tourismus

Die gesellschaftlichen Phänomene, die durch Tourismus und Freizeit entstanden sind, reichen weit in der Geschichte der Menschheit zurück. Im Altertum sind die ersten Phänomene, wie der Wallfahrtstourismus nach Jerusalem und Delphi, der Heiltourismus mit Bäderreisen der Römer, der Bildungstourismus (Herodot, 480-421 v. Chr.) oder der Sporttourismus zur Olympiade 770 v. Chr. zu nennen. Im Mittelalter haben Pilgerreisen erneut zugenommen. Nur wenige Menschen der Gesellschaft konnten die Freizeit selbst gestalten. Sie gehörten der oberen Gesellschaftsschicht an und bei ihnen stand hauptsächlich die Muße im Vordergrund. (Vgl. Kasper 1998, S. 21) Erst in der Neuzeit um 1600 kam eine neue Welle aus Großbritannien über Europa. Literaten und Aristokraten suchten die Zerstreuung und Weiterbildung in den Kurorten der Mittelgebirge. Darauf folgte die Regeneration und Erholung in den Seebädern. Die sportliche Nutzung der Alpen durch das Bezwingen und Skifahren kamen ebenfalls hinzu. Danach setzte der Massentourismus im In- und Ausland ein. Durch die gesellschaftliche Entwicklung war immer größeren Bevölkerungsschichten die Möglichkeit gegeben, die immer größer werdende Freizeit zu nutzen. (Vgl. Jurczek 2004, S. 25)

Im 13. Jahrhundert wurde 12 Stunden pro Werktag gearbeitet und für die meisten Berufe war Nacht- und Sonntagsarbeit verboten. Handwerker hatten 141 Ruhetage und dreißig Tage Ferien. Ab dem 15. Jahrhundert verringerten sich die Ruhetage stetig.

Die tägliche Arbeitszeit nahm durch die Maschinisierung der Arbeit zum Ende des 18. Jahrhundert drastisch zu. Bei 16 Stunden pro Werktag und Sonntagsarbeit war kaum noch Freizeit vorhanden. Die ganze Familie war zum Arbeiten gezwungen, weil sich die Löhne durch das hohe Angebot an Arbeitskräften auf einem sehr niedrigen Niveau befanden. Ein Grund dafür ist der verstärkte Zuzug der Menschen in die Städte. (Vgl. Opaschowski 2006, S. 28 ff)

Bis 1930 wurde in Deutschland durch den Druck der Gewerkschaften die wöchentliche Arbeitszeit von 90 auf 45 Stunden reduziert. Die Freizeit wurde durch die Einführung des Urlaubsanspruchs deutlich erweitert.

Dadurch erkannte das Bürgertum vermehrt die Möglichkeit, sich dem Reisen zu widmen. Bevorzugte Reiseziele waren die Schweizer Alpen, das romantische Rheinland mit seiner Kulisse aus Burgen und Schlossruinen, das Mittelgebirge und die Küsten des Mittelmeeres. Hinzu kam der technische Fortschritt. Durch die Entwicklung der Eisenbahn und der Dampfschiffe wurden Fernreisen wie z. B. in den Orient ermöglicht. So wurde das Reisen zu einer Volksbewegung.

Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte der Tourismus eine explosionsartige Entwicklung. Das Wirtschaftswunder hob den Tourismus zum Massentourismus an. Durch die stetige Senkung der Arbeitszeit stieg gleichzeitig die Freizeit an. Die Lebensqualität wuchs durch die freie Zeiteinteilung, was die Gelegenheit für spontanes Handeln immer mehr förderte. Die Zahl der Urlaubstage der Deutschen hat sich von 1961 mit 16 Tagen Urlaub bis heute auf 32 Tage im Jahr verdoppelt. Der Trend geht von einer Reise pro Jahr hin zu mehreren Kurzurlauben bzw. zur Zweit- oder Dritt-Urlaubsreise.

Um 1959 dominierte eindeutig die Arbeitszeit gegenüber der Freizeit. Das Leben war durch sechs Arbeitstage und eine 48-Stunden-Woche geprägt. Die Arbeitsgesellschaft nutzte die freie Zeit zum Erholen und in den 15 Tagen Urlaub pro Jahr wurden Verwandte besucht oder man blieb zu Hause.

Die Reisziele der Deutschen befanden sich 1954 lediglich zu 15 Prozent im Ausland. Heute liegt der Anteil der Reiseziele im Ausland bei 71 Prozent. Neben Österreich und Italien sind weitere Zielländer am Mittelmeer hinzugekommen. Die Erreichbarkeit von Fernreisezielen wie Ägypten, Thailand, USA, Australien und die Karibik, förderten die Zunahme des Flugverkehrs und der verbilligten Charterflüge. (vgl. Kreisel, 2004)

Bis 1970 hat die Arbeitszeit auf die 5-Tage-Woche mit 42 Stunden pro Woche abgenommen. Die Arbeit war immer noch das bestimmende Strukturmerkmal der bis dahin immer noch geltenden Arbeitsgesellschaft. Wer Wohlstandsgüter konsumieren wollte, musste auch dafür arbeiten.

Die Freizeit holte weiter auf, bis sie schließlich 1990 die Arbeitszeit eingeholt hatte. In der Gesellschaft fand ein Struktur- und Wertewandel statt. Erste Anzeichen für eine Freizeit-Arbeitsgesellschaft entwickelten sich. Neben der Arbeit und dem Geldverdienen waren Freunde und Freizeit sehr wichtig. Die Arbeit sollte Spaß machen, so dass sie mit Ansprüchen aus der Freizeit verknüpft wurde. Die 5-Tage-Woche mit 48 Stunden pro Woche war nur noch eine Richtgröße, die oft unterschritten wurde. Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit war die Zeit der freien Verfügung größer als die zum Lebenserwerb aufgewendete Zeit.

Im ständigen Kampf um den Kunden ist das Angebot der zahlreichen Anbieter sehr differenziert. Um den Kunden zu gewinnen, reicht es nicht mehr aus, wie in den 1950er und 1960er Jahren, lediglich Fußball und Turnen anzubieten. Die Nachfrage nach unterschiedlichsten Sportarten wie Golf, Tennis, Canyoning Eisklettern, Freeclimbing usw. ist ständig im Umbruch und muss durch neue Konzepte befriedigt werden. Das Freizeitangebot der Reiseveranstalter reicht von Kultur-, Bildungs-, Sport-, Abenteuer- und Unterhaltungsangeboten bis hin zu Naturangeboten.

Die Konsumenten stellen höchste Anforderungen an die touristischen Leistungsträger. Ohne einen Zusatznutzen, wie eine individuell zugeschnittene Reise mit großer Flexibilität im Aktivitätsangebot bei wachsender Preisstabilität, bucht kaum noch ein Kunde eine Reise.

In den 1980er Jahren rückten die schädigenden Auswirkungen des Massentourismus auf die Umwelt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Nachhaltige Tourismuskonzepte, die sozialverträglich und umweltschonend sind, werden seitdem in den Angeboten berücksichtigt. Der Umweltschutz ist zu einer Verkaufsstrategie geworden, um Marktvorteile zu erlangen. Der so genannte Ökotourismus oder auch „sanfter Tourismus“ wird allerdings nur in einem kleinen Maßstab umgesetzt. Er gehört eher zu den Nischenprodukten im Tourismus. (Vgl. Opaschowski 2006, S. 28-36 )

2.3 Tourismus und Freizeit heute

Der Wandel der Wirtschafts- und Sozialstruktur hat die Tourismus- und Freizeitwirtschaft stark beeinflusst. Die Funktionen von Arbeit sind heute die Existenzsicherung, Selbstverwirklichung, Selbstentfaltung und der Dienst für die Gemeinschaft. Die klassischen Arbeitstugenden, wie Selbstdisziplin, Fleiß und Pflichtbewusstsein wurden durch team- und kundenorientierte Anforderungen ergänzt. Die Definition des Einzelnen über seinen Beruf ist nicht mehr gegeben. Bei gleichbleibendem Leistungsprinzip wächst die Befriedigung von individuellen Bedürfnissen.

Diese Veränderungen lassen sich auf ökonomische und gesellschaftliche Entwicklungen zurückführen. Dazu gehören die Verkürzung der Lebensarbeitszeit, eine Auflösung von starren Arbeitsmodellen, eine zunehmende Automatisierung, sowie Technisierung und Spezialisierung und eine geringere Identifikation mit der beruflichen Tätigkeit durch kürzere Verweildauer im Beruf. Eine weitere Entwicklung ist die Wohlfahrtszunahme mit zunehmender Bedeutung immaterieller Bedürfnisse und Interessen neben zunehmenden neuen Beschäftigungsformen. Das Bildungsniveau in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Der wachsende Anteil der Bevölkerung mit qualifizierten Abschlüssen wirkt sich positiv auf den freizeittouristischen Bereich aus. Durch die steigende Anzahl an Beschäftigten in höher qualifizierten Tätigkeiten, steigt die Bereitschaft zu reisen. Die Reisetätigkeit steigt also mit zunehmendem Bildungsniveau. Die Art der Reisen verändert sich dadurch ebenfalls. Es ist eine zunehmende Nachfrage an Studien-, Bildungs- und Kulturreisen zu verzeichnen. Durch flexible Arbeitszeitmodelle wird der traditionelle Jahresurlaub aufgeteilt und das Bedürfnis nach Kurzzeiturlauben wächst an. (Vgl. Breidenbach 2002, S. 99 ff.)

Die heutige Freizeit unterscheidet sich im Gegensatz zur vorindustriellen Freizeit im Wesentlichen in der Art der Verteilung dieser freien Zeit über das ganze Jahr. Die individuelle Verteilung von frei verfügbarer Zeit, wie z. B. ein langes Wochenende oder die zeitliche Verteilung des Urlaubs über das Jahr gesehen, hat eine ganz andere Qualität, die sich von früheren Formen unterscheidet. Der heutige Freizeit- und Tourismusmarkt, mit seiner sehr hohen Nachfrage, gliedert sich in viele verschiedene Marktsegmente auf. Die Merkmale sind unterschiedlich und hängen von vielen Faktoren ab. Klassische Kriterien zur Differenzierung sind Einkommen, Bildungsstand, Alter und Lebenszyklus. Spezielle Kriterien sind unterschiedlichen Teilgruppen mit eigenen Wertemuster zuzuordnen. Typen von Reisestilen sind z. B. der weltoffene Aktive, der weltoffene Freizeitorientierte, der Natururlauber, der häuslich Gesellige, der wunschlos Untätige oder der genießerisch Bequeme. Eine direkte Zuordnung von Personengruppen zu bestimmten Nachfragesegmenten ist in der Regel nicht möglich, weil die Interessen und Neigungen der Urlauber ständig im Wandel sind. Sie machen eine Woche Trekking-Urlaub, fahren eine Woche zum Shoppen nach London oder machen 14 Tage Cluburlaub. Das Angebot und die Nachfrage fächern sich entsprechend der Kundenwünsche immer weiter auf. Durch die Basis von Pauschal- und Massentourismus ist es aber fast jedem in der westlichen Gesellschaft möglich, die Angebote wahrzunehmen. (Vgl. Opaschowski 2006, S. 28-36 )

2.4 Die Bedeutung des Tourismus für Europa

Die Europäische Union (EU) hat im weltweiten Tourismus eine führende Rolle. Die europäischen Länder sind Hauptreiseziel und Hauptausgangspunkt für internationale Tourismusströme. 1998 war die EU am Weltmarkt mit 42 Prozent der Einnahmen und mit 44 Prozent der Ausgaben beteiligt. Der Anteil der Übernachtungen von internationalen Touristen belief sich auf 40 Prozent. Die EU stellt weltweit

12 Mio. Hotelbetten zur Verfügung. Das sind 41 Prozent von weltweit 29 Mio. Betten. Allein drei Viertel davon sind in der EU. (Vgl. Breidenbach 2002, S. 59 ff.)

Fünf der zehn weltweit beliebtesten Reiseziele befinden sich in der EU. Anführend ist Frankreich mit 75,1 Mio. Besuchern. Danach folgen Spanien mit

53.6 Mio. Besuchern, die USA mit 46,1 Mio. Besuchern, China mit 41,8 Mio. Besuchern, Italien mit 37,1 Mio. Besuchern, Großbritannien mit 27,8 Mio. Besuchern, Hong Kong mit 21,8 Mio. Besuchern, Mexico mit 20,6 Mio. Besuchern, Deutschland mit 20,1 Mio. Besuchern und schließlich Österreich mit 19,4 Mio. Besuchern. Insgesamt ist weltweit eine Steigerung der internationalen touristischen Ankünfte von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Die durchschnittliche Wachstumsrate lag 2005 europaweit bei + 4,3 Prozent. Weltweit nahm der Tourismus um 5,5 Prozent zu. In Deutschland wuchs der Tourismus allerdings mit einer Zunahme von + 5,8 Prozent der internationalen Ankünfte viel schneller als der Welt- und Europatourismus. Beim Vergleich der westeuropäischen Länder hat Deutschland ebenfalls den stärksten Zuwachs verzeichnet.

(Vgl. Deutsche Zentrale für Tourismus, 2006)

2.5 Die Entwicklung auf dem deutschen Reisemarkt

Der Reisemarkt mit dem Incoming-Tourismus und dem Binnenreiseverkehr hat in Deutschland ein hohes Potenzial, welches im Folgenden ausführlich dargestellt wird.

Seit 1997 steigen laut Deutschen Reiseverbandes (DRV) die Zahlen der Inlandsreisen in Deutschland, ab einer Dauer von fünf Tagen, im Gegensatz zu den Auslandsreisen stetig an. Bis 2004 sind sie von 32 Prozent auf 37 Prozent angestiegen, während die Auslandsreisen von 68 Prozent auf 63 Prozent gefallen sind.

Im Jahr 2004 haben die Deutschen 35,2 Mio. Kurzreisen bis zu vier Tagen Dauer und 29,2 Mio. längere Reisen ab fünf Tagen Dauer gemacht. Insgesamt sind das 64,4 Mio. Inlandsreisen. Im Gegensatz dazu beträgt die Anzahl der Auslandsreisen nur 61,7 Mio. Diese wiederum teilen sich in 11 Mio. Kurzreisen und

50,7 Mio. lange Reisen auf. Die kleine Anzahl an kurzen Reisen kommt dadurch zustande, das es für wenige Tage zu aufwendig ist, sich ins Ausland zu begeben. Zum Inlandstourismus gehören neben den 64,4 Mio. Inlandsreisen auch noch 20,13 Mio. Touristen aus dem Ausland, die in Deutschland Urlaub machen.

Das ergibt für das Jahr zusammen 84,52 Mio. Touristen in Deutschland. (Vgl. DRV 2005)

Im Gegensatz dazu macht der Outgoing-Tourismus, wie bereits angesprochen, 61,7 Mio. Touristen aus und ist deswegen ein abnehmender Markt. 2004 sind für den Outgoing-Tourismus 13.753 Reisebüros zuständig gewesen. Sie haben einen Umsatz von 20,6 Mrd. Euro erzielt. Insgesamt haben die Deutschen aber 71 Mrd. Euro für Reisen ausgegeben. (Vgl. DRV 2006) Es stellt sich nun die Frage, wo die nicht unerheblich hohe Differenz umgesetzt wurde.

Es gibt bisher aber keine Erhebung, die festgestellt hat, wie viele Unternehmen am Inlandstourismus beteiligt sind.

2004 waren in Deutschland 338,8 Mio. Übernachtungen bei Reisen ab einer Über-nachtung in Unterkünften mit mindestens acht Betten zu verzeichnen. Davon waren 87 Prozent Übernachtungen aus dem Innland und 23 Prozent Übernachtungen aus dem Ausland. In den Vorjahren hat es sich ähnlich verhalten. 2005 ist die Anzahl der Übernachtungen von Deutschen und ausländischen Besuchern deutlich angestiegen. Sie stiegen im Vergleich zu 2004 um jeweils 3 Mio. Übernachtungen. (Vgl. DRV 2006)

Für den Tourismus wird laut der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) durchschnittlich deutschlandweit ein dreiprozentiges Wachstum prognostiziert. Als Basis dieser Hochrechnung wurde die durchschnittliche Wachstumsrate von 1994 bis 2004 genommen, die jährlich 3,2 Prozent betrug. (Vgl. DZT 2005b)

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Deutschen selbst den größten Teil der Touristen in Deutschland ausmachen.

Die meisten Übernachtungen von ausländischen Besuchern in Deutschland wurden 2004 von den Niederländern mit 8 Mio., gefolgt von den Amerikanern mit 3,7 Mio. und den Schweizern mit 3,8 Mio. getätigt. Darauf folgen mit unter 3 Mio. Übernachtungen die Italiener, Franzosen und Österreicher. Dadurch wird deutlich, dass die meisten Übernachtungen von Besuchern aus Europa gemacht werden. (Vgl. DRV, 2005)

2.6 Besondere Tourismusformen

Das Angebot auf dem Reisemarkt hat sich gerade in den letzten Jahren stark verändert. Die wichtigsten Entwicklungen sind im Event- und Erlebnisbereich, im Städte- und Sporttourismus, sowie im Bereich der gesundheitsbetonten Reisen. Im inländischen Reiseverkehr nehmen Kurzzeitreisen, die mehrmals im Jahr gemacht werden, immer mehr zu. Die Vielfältigkeit der Tourismusformen wird im Folgenden dargestellt.

2.6.1 Eventorientierung

Die Reiseveranstalter, Tourismuszentralen und Destinationen[1] bieten zusätzlich zu ihren touristischen Angeboten herausragende Veranstaltungen an. Nur so können sie sich von der Konkurrenz abheben und sich am Markt profilieren. Die Vielfalt der angebotenen Events reicht von kleinen, exklusiven Veranstaltungen bis zu Großveranstaltungen, wie beispielsweise Volksfeste. Diese sind bis ins kleinste Detail professionell vorbereitet. Zu den Eigenschaften dieser Veranstaltungen gehören die Erlebnissuche, der Happeningcharakter und Herausforderungen an den Touristen, welcher auf den Veranstaltungen bereit ist, mehr Geld auszugeben, als er es sonst machen würde. Die Bedeutung der Volksfeste für den Event-, Städte- und Kurzreisetourismus werden durch diese Umsätze in Milliardenhöhe deutlich. Sie ziehen mehr Besucher an als Kulturbetriebe, wie Theater, Museen, Bibliotheken usw. In Deutschland werden ca. 14.000 Volksfeste von 170 Millionen Besuchern pro Jahr besucht und die Weihnachtsmärkte ziehen zusätzlich noch

50 Mio. an. Dadurch kommt ein jährlicher Umsatz von 3,9 Mrd. Euro zusammen. (Vgl. Opaschowski 2001, S.76 f.) Erfolgsfaktoren für solche Events sind die perfekte Inszenierung der virtuellen Wirklichkeit, überraschende und unvorhersehbare Aktionen, sowie ein reibungsloser Ablauf. Zu den Eventtouristen gehört jeder fünfte Bundesbürger. Der Besuch von solchen Veranstaltungen ist bei rund 22 Prozent der Bevölkerung als privater Reisegrund gegeben. Diese Touristen gehören zu der jüngeren und besserverdienenden Generation. (Vgl. Opaschowski 2001, S. 86)

2.6.2 Sporttourismus

Der Sporttourismus unterscheidet vier Formen der Nachfrage und Nachfragetypen. Als erstes gibt es die Aktivurlauber. Sie wollen im Urlaub Sport machen, sich aber nicht auf eine Sportart festlegen. Sie nutzen den Urlaub zur aktiven Erholung und Rehabilitation durch Fitness, Spaß, Geselligkeit und Erlebnisdrang. Die sportlichen Aktivitäten reichen von Golf und Tennisspielen bis hin zu Wandern und Extremsportarten.

Der Sporturlauber ist der zweite Typ. Er richtet seine Reise auf die Ausübung einer bestimmten Sportart, wie Skifahren, Langlauf oder Wassersport aus. Für ihn steht das Sporttreiben, Spaß und Freude und der Wunsch nach Anerkennung, sowie die persönliche Entfaltung oder das Erlernen einer neuen Sportart im Fordergrund.

Die dritte Gruppe umfasst die Wettkampf- und Trainingsreisenden, die ins Trainingslager oder zum Wettkampf fahren. Die Motivationslage ist die Leistungsverbesserung, sowie der Wunsch nach Anerkennung und Erfolg. Es können aber auch finanzielle Motive dahinter stecken.

Solche Sportreisen haben in den letzten Jahren 20 Prozent der Bundesbürger unternommen.

Im Gegensatz zu den aktiven Sporttouristen gibt es als vierte Gruppe noch die passiven Sporttouristen, die lediglich zum Besuch von Sportveranstaltungen anreisen. Sie haben den Wunsch nach Abwechselung und Geselligkeit. Bevorzugte Reiseziele sind prestigeträchtige Veranstaltungen. (Vgl. Breidenbach 2002, S. 77-80)

Die Teilnahme an Sportreisen ist stark einkommensabhängig. 31 Prozent der Reisenden haben ein Haushaltseinkommen von mehr als 2.560 Euro monatlich. Die Sportreisen dauern in 47 Prozent aller Fälle ca. fünf bis 13 Tage. Das Hauptziel der Sportreisen ist der Wintersport, gefolgt vom Wassersport. Danach kommen Outdoor-Sportarten wie Wandern, Bergsteigen oder Radfahren. (Vgl. Opaschowski 2001, S. 94 f.)

Auf dem Markt der sporttouristischen Reiseveranstalter ist nur eine geringe Zahl großer Anbieter zu finden, die sportliche Pauschalreisen anbieten. Durch die Heterogenität des Marktes treten viele kleine Spezialisten auf, die sich in Bezug auf bestimmte Sportarten am Markt profilieren konnten. Hierzu zählen hauptsächlich Sportverbände und Sportvereine, aber auch einige Reisebüros mit entsprechendem Angebot, sowie der Bereich der Hochschulen.

Nach Breidenbach ist die Zurückhaltung der großen Anbieter durch das kleine Marktsegment der pauschalreisenden Sporttouristen zu erklären (vgl. Breidenbach 2001, S. 80).

2.6.3 Kulturtourismus

Ähnlich wie beim Sporttourismus kann auch im Bereich des Kulturtourismus in unterschiedliche Typen unterschieden werden. Reiseangebote mit Kulturelementen werden in drei Gästesegmente des Kulturtourismus unterteilt. Die erste Gruppe sind Kulturinteressierte, die offen für kulturelle Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten sind, aber das Reiseziel nicht danach aussuchen.

Die zweite Gruppe entscheidet sich ganz klar nach dem spezifischen Kulturangebot und nicht nach dem Ort für ihr Reiseziel.

Die letzte Gruppe der Kulturreisenden sind die Event-Touristen. Ihnen ist ein kulturell herausragendes Reiseziel das wichtigste Kriterium, wodurch es in der Regel bei einem einmaligen Besuch bleibt.

Die Reisedauer im Kulturtourismus liegt bei rund zwei bis vier Tagen. Am attraktivsten für Kulturreisende sind Musicals mit 28 Prozent und Open-Air-Konzerte mit 20 Prozent. Die sportlichen Großveranstaltungen werden im Gegensatz dazu von 14 Prozent und die Stadt- bzw. Volksfeste mit 12 Prozent besucht. Aufgrund der hohen Nachfrage werden Kulturreisen weiterhin einen hohen Stellenwert genießen. (Vgl. Opaschowski 2001, S. 97-100)

2.6.4 Kurorte und Heilbäder

Kurorte und Heilbäder sind Kompetenzzentren für Rehabilitation und Prävention. Sie werden über die Krankenkassen oder privat finanziert und behandeln ihre Kunden stationär und ambulant.

Die deutschen Kurorte und Heilbäder zählten 2004 rund zwölf Mio. Aufenthalte. Das war eine Steigerung von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Übernachtungen sank um 4,7 Prozent auf 66, 2 Mio. Übernachtungen. Die Verweildauer der Gäste betrug allerdings 5,5 Tage, im Gegensatz zum gesamtdeutschen Durchschnitt, der bei 2,9 Tagen liegt.

Die Gründe für diese Entwicklung sind der Wandel, die allgemeine Wirtschaftslage und die Veränderung der Gästestruktur. Der Anteil der Selbstzahler ist bisher auf 70 Prozent der Gäste angestiegen und weist eine Tendenz nach oben auf. Die Kurorte und Heilbäder haben sich auf diese Zielgruppe durch ein professionelles Marketing, bedarfsgerechte Angebote und eine gut ausgebauten Infrastruktur eingestellt. Diese stehen aber im Wettbewerb mit einer starken ausländischen Konkurrenz. Diese offerieren preisgünstigere Angebote. Bei ausländischen Gästen verzeichnen die Heilbäder ebenfalls einen Zuwachs von acht Prozent, bei Ankünften und bei Übernachtungen einen Zuwachs von fünf Prozent. (Vgl. DZT 2005a, S. 13 f.)

2.6.5 Camping- und Freizeiteinrichtungen

Die Campingeinrichtungen sind in der Regel private Unternehmen. Sie werden häufig als ein „Familienbetrieb“ geführt und haben neben den Familienmitgliedern wenig zusätzliches Personal. Jede dritte Einrichtung wird vollständig oder teilweise von einer Kommune betrieben. Neben der Grundausstattung wie Stellplätze, Rezeption, Sanitäreinrichtungen und Grünanlagen, gehören auch Ladengeschäfte, Hallen- oder Freizeitbäder, eine Gokartbahn oder gastronomische Einrichtungen dazu. Verwaltungsaufgaben und kaufmännische Entscheidungen werden häufig zentral übernommen. Dazu kommt ein großes Freizeit- und Sportangebot gerade in Regionen, die durch Seen oder eine Anbindung ans Meer verfügen. Größere Einrichtungen bieten zusätzlich Ferienwohnungen, Zoos, Veranstaltungsräume usw. Hinzu kommen zielgruppenorientierte Angebote im Seminar- und Wellnessbereich, sowie für Unternehmen und die Kirche. Die Entwicklung der Campingbranche hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Der Campingtourismus konzentriert sich in Deutschland auf drei Bundesländer, zu denen Niedersachsen neben Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gehört. Dahinter kommen erst Bayern und Baden-Württemberg.

Zu den Freizeiteinrichtungen gehören Freizeit- und Spaßbäder, Wildparks, Reiterhöfe, Kartbahnen, Indoorspieleinrichtungen, usw. Die größten Arbeitgeber in diesem Bereich sind die großen Freizeitparks, die sehr stark von dem anwachsenden Inlandstourismus profitieren. (Vgl. Trappmann-Webers 2004, S. 29 ff.)

2.6.6 Städtetourismus

Die wohl wichtigste Tourismusform ist der Städtetourismus in Deutschland geworden. 2004 verzeichnete er 2,2 Milliarden Aufenthaltstage, wovon 1,51 Milliarden Tagesausflügler waren. Diese sorgten für Umsätze in Höhe von 38,6 Milliarden Euro, wodurch 1,6 Millionen Personen eine Beschäftigung haben. Von 1994 bis 2004 war bei den Aufenthaltstagen ein Anstieg von 73 Prozent und beim Umsatz von 122 Prozent zu verzeichnen. An diesen Zuwächsen sind hauptsächlich die Tagesausflügler und die Tagesgeschäftsreisenden beteiligt. (vgl. DTV 2006)

Durch die positive Tourismusentwicklung in Deutschland hat der Städtetourismus überdurchschnittlich profitiert. In attraktiven Metropolen und Städten mit über 100.000 Einwohnern zeichnen sich die größten Zuwächse ab. Die wichtigsten inländischen Städte werden von mehreren Millionen Besuchern bereist. Die Städte der Reihenfolge nach mit Besuchern sind: Berlin (6,5 Mio.), München (4,1 Mio.), Hamburg (3,5 Mio.), Frankfurt a.M. (2,7 Mio.) und Köln mit (2,3 Mio.).

Diese Zahlen sind von 2004 auf 2005 um fast 10 Prozent gestiegen. (vgl. DRV 2006, S. 5) Diese Reiseform ist, im Gegensatz zu den anderen, sehr kostspielig. Bei 63 Prozent der Städtereisenden liegt das Haushaltsnettoeinkommen über 2.000.- Euro und 24, 2 Prozent verfügen über mehr als 3.000,- Euro. Durchschnittlich haben Städtereisende ein Einkommen von 1.700,- Euro pro Monat zu Verfügung. Die Verweildauer bei Städtereisen liegt in rund 51 Prozent der Fälle bei 2 bis 4 Tagen. Die Personengruppe der Städtereisenden gehört zu den höher Gebildeten. Der überwiegende Teil ist zwischen 20 und 29 Jahren und zwischen 50 und 59 Jahren. (Vgl. Breidenbach, 2002, S. 81 f.)

Weitere Eigenschaften dieser Zielgruppe sind, dass die Reisenden häufig Singles sind oder zu zweit reisen, dabei aber nicht als Paar gelten. Ebenfalls dazu gehört noch die finanziell sehr gut gestellte Gruppe der Paare, die keine Kinder und ein doppeltes Einkommen haben.

Die Städte bieten eine große Zahl an verschiedenen Erlebnismöglichkeiten und Erlebniskontrasten. Sie müssen ihre Angebote den Kundenwünschen ständig anpassen. Die Städtereisenden wollen Wohlbefinden, Bildung, Kultur und Erlebnis. Sie sind lernbereit, wissbegierig und haben einen qualitativ hohen Anspruch an die Gastronomie und Hotellerie. Um ihren Bedürfnissen nachzukommen, haben viele Städte versucht, ihr Image zu verbessern. Sie haben Einkaufspassagen geschaffen und bieten bauliche Voraussetzungen für Großveranstaltungen. Besondere Kulturereignisse sollen einen Imageschub bewirken, damit eine qualitative Profilierung zwischen Lifestyle und Sightseeing stattfindet. Dadurch wird eine Stadt auch für daheim Gebliebene sehr attraktiv. (Vgl. Obier/Baake 2000, S 119 f.)

2.7 Erwartungen für den Tourismus- und Freizeitbereich

Die Erwartungen im Tourismus- und Freizeitbereich werden von dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) saisonal erhoben. Die Saisonumfrage für den Winter 2005/2006 hat ergeben, dass kaum Preiserhöhungen geplant sind. Die Geschäftslage soll gleich bleiben oder günstiger werden. Die Branche zeichnet sich durch zunehmende Professionalisierung und Spezialisierung aus. Sie passt sich dem demographischen Wandel an und setzt immer mehr auf die Zielgruppen der Singles und „Best Ager“[2]. Bei älteren Kunden und Alleinstehenden wird eine Zunahme im Gegensatz zu den Familien erwartet. Die wirtschaftliche Bedeutung der Familien soll nur im Campingbereich anwachsen. (Vgl. DIHK 2005)

Der Tourismus wird weltweit als einer der wichtigsten und am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige betrachtet. Die Deutsche Zentrale für Tourismus prognostiziert bis 2015 eine durchschnittliche Wachstumsrate von 3,2 Prozent pro Jahr. (Vgl. DZT, 2005a, S. 6 f.)

Der Outgoing-Tourismus der Deutschen wächst seit 1982 kontinuierlich an. Es ist damit zurechnen, dass gerade durch Mehrfachreisen die Urlaubsreisen von 49 Mio. (1994) auf 122 Mio. bis 2010 anwachsen werden. Damit wird Deutschland zu den größten Entsendeländern der Welt gehören. (Vgl. Breidenbach 2002)

Die Arbeits- und Freizeit wird immer mehr miteinander verwachsen. Die Grenze zwischen Nicht-Freizeit und Freizeit wird ineinander übergehen. Die Freizeitgestaltung wird in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Das bedeutet für die Freizeitwissenschaft, dass sie im 21. Jahrhundert eine Zukunfts- und Zeitwissenschaft sein wird, die nachhaltig für künftige Generationen zu betreiben ist. Ihre Aufgabe wird darin liegen, Antworten auf die Frage zu geben, was der Mensch will. (Vgl. Opaschowski 2006, S 325 ff)

[...]


[1] Destinationen sind touristische Gebiete, die räumlich und inhaltlich so definiert sind, dass sie die Ansprüche und Bedürfnisse der Zielgruppen oder der Nachfrage abdecken. Diese Wettbewerbseinheiten oder Produktbündel sind für den Aufenthalt des Gastes bestimmend. (Vgl. Pechlaner, 2003, S. 1 f.)

[2] Sie befinden sich in der letzten Phase des Erwerbslebens, Konsumwünsche sind zeitlich und finanziell erfüllbar. Ca. 40-60 Jahre. (Vgl. Denzel 2006, Stand: 05.05.2006)

Details

Seiten
96
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638630290
ISBN (Buch)
9783638675567
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v72974
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,5
Schlagworte
Nachfrage Einsatzmöglichkeiten Kaufleute Tourismus Freizeit Empirische Untersuchung Oldenburger Region

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Titel: Nachfrage und Einsatzmöglichkeiten der Kaufleute für Tourismus und Freizeit - Empirische Untersuchung in der Oldenburger Region