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Sexualität und Erotik im Mittelalter mit Verweisen zu Hartmann von Aues Iwein

Seminararbeit 2001 18 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was bedeutet Erotik? Eine Begriffsdefinition

2. Bedeutung der Sexualität und Erotik im Mittelalter
2.1 Über den Umgang mit der Sexualität in verschiedenen Gesellschaftsschichten
2.2 Die Rolle der Frau im Mittelalter
2.3 Liebesdefinitionen

3. Liebe, Erotik und Sexualität in Hartmann von Aues „Iwein“

4. Schluß

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Gegenstand des Proseminars war Hartmann von Aues Iwein.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den sexuellen und erotischen Aspekten im Iwein, wobei einführend die Sexualität und die Erotik im Mittelalter vorgestellt werden. Es sollen zunächst allgemeine und grundlegende Fragen beantwortet werden, wie etwa die nach der Bedeutung der Erotik oder dem Umgang mit der Sexualität zur Zeit des Mittelalters.

Der Leser soll einen kleinen Einblick in die Welt des Mittelalters bekommen, welchen Stellenwert zum Beispiel die Frau in sexueller Hinsicht einnahm oder in welcher Beziehung die Sexualität zur Liebe stand etc.

Gegen Ende dieser Arbeit wird dann- unter Verweis auf konkrete Texstellen- auf den Iwein selbst Bezug genommen, erotische sowie sexuelle Momente sollen aufgezeigt werden.

1. Was bedeutet Erotik? Eine Begriffsdefinition

Der Begriff Erotik entstammt dem Griechischen und bedeutet Liebes -Kunst, benannt nach dem Liebesgott Eros (lateinisch Amor).

In der ‘Brockhaus Enzyklopädie’ ist zu lesen, dass man unter Erotik „im umfassenden Sinn alle Erscheinungsformen der Liebe“ versteht, „wie sie im Verhalten der Geschlechter zueinander, auch allgemein im mitmenschlichen Bereich zum Ausdruck kommen“.[1]

Desweiteren wird heute unter Erotik meist die „geistig-seelische Entfaltung der Geschlechtlichkeit und das Spiel mit deren Reizen, ebenso die Auswirkungen in Geselligkeit, Mode, Kunst und Werbung (Erotisierung, Erotismus der Gesellschaft und der Person), verstanden. Die Erotik überschreitet damit die Grenzen unmittelbarer Sexualität“.[2]

„Die Erotik ist eine elementare Ausdrucksform menschlicher Kommunikation und tritt in den verschiedensten Bereichen in Erscheinung. Jede Zeitepoche hat der Erotik ihren bestimmten Stellenwert zugewiesen. Erhöhtes Ausmaß gewinnt die Erotik , wenn einerseits die unmittelbare sexuelle Befriedigung durch gesellschaftliche Formen eingeschränkt wird oder andererseits bereits verfeinerte gesellschaftliche Formen ihr einen breiten Spielraum gewähren.

Das Christentum, im besonderen noch der Puritanismus, der Gefühlskult des 18. Jahrhunderts, und romantische Strömungen des 19. Jahrhunderts, engten den Begriff Erotik ein auf die >höhere< vergeistigte Form der Liebe. In der Mystik fand die Erotik Eingang in die religiöse Vorstellungswelt. Während L. Klages Eros und Sexus als wesensverschiedene Formen menschlichen Erlebens beschrieb, sah S. Freud im Eros (Libido) einen Grundantrieb des Menschen, dem der Todestrieb gegenübersteht“.[3]

2. Bedeutung der Sexualität und Erotik im Mittelalter

„Keine Auffassung über die öffentliche Sittlichkeit des Mittelalters ist irriger, als die, sich unsere biederen Altvorderen züchtig und in Ehren in dem Sinne vorzustellen, der uns bei diesen Worten vorschwebt. Im Gegenteil, je derber und ungeschlachter wir uns das mittelalterliche Leben vorstellen, umso näher kommen wir der Wahrheit“.[4] Mit dieser aus der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Auffassung über den Umgang unserer Ahnen mit Sexualität und Sittlichkeit richtet sich der Verfasser dieser Zeilen „sowohl gegen das romantisch verklärte Bild des Mittelalters als einer Blütezeit christlich-ritterlicher Kultur und sublimierter Erotik im Zeichen des entsagungsvollen Minnedienstes, als auch gegen die Prüderie und heuchlerische Lüge der eigenen Zeit im Umgang mit den kulturgeschichtlichen Zeugnissen insbesondere der Erotik“.[5] Die Beweise dafür, dass im Mittelalter „die Erotik häufig zur viehischen Ausschweifung, der Witz zur Obszönität und zur Zote“ wurde, „häufen sich überall zu Berge, sobald man sich die Mühe macht, bis zu den Quellen vorzudringen. Wir finden überreiche Belege in der Sprache, in der Kleidung, im privaten und gesellschaftlichen Leben, in den Ergötzungen des Tages, in der Religion, in den Rechtsanschauungen und nicht weniger reiche und drastische in der Kunst und Literatur. Durch alles pulsiert die Derbheit als der echte Atem der Zeit, und es ist dabei nicht allzu viel des Unterschiedes zwischen den Höhen und Tiefen der Gesellschaft, zwischen heiligen und profanen Orten“.[6] Diese pauschale Vorstellung vom Mittelalter ist heute längst nicht mehr aktuell, genauso wenig wie die ebenso pauschale Vorstellung von der Allmacht der leibfeindlichen Kirche oder das Bild des allen Lebensfreuden verschlossenen Mittelalters.

Zwar galt die körperliche Liebe, wenn sie nicht dazu diente, Nachkommen zu zeugen, im Mittelalter unter dem Namen Unzucht oder Unkeuschheit zu den Sieben Todsünden. Aber allein die nicht geringe Menge an volkssprachlichen Dichtungen des 12. und 13. Jahrhunderts, in denen die Liebe und die erotischen und sexuellen Beziehungen der Geschlechter zueinander im Mittelpunkt stehen, beweisen, dass der moralische Herrschaftsanspruch der Kirche, der nicht selten mit Gewalt durchgesetzt wurde, nicht immer Allgemeingültigkeit besaß und von einigen Zeitgenossen schlicht ignoriert wurde.

Im ‛Sachwörterbuch des Mediävistik’[7] steht, dass im Frühmittelalter zwar die meisten sexuellen Praktiken bekannt, der Umgang mit Sexualität jedoch nicht an Emotionen gebunden war und es auch keine Liebesdichtung gab. Sexuelle Bedürfnisse waren –so scheint es- für den Mann im gesamten Mittelalter durch Ehe, Mägde und Prostitution relativ unproblematisch zu befriedigen gewesen zu sein, wenn er nicht bedingungslos den sehr strengen Auflagen der Kirche folgte, die die Sexualität auch in der Ehe ausschließlich zur Kinderzeugung duldete und zwar nur an bestimmten Terminen des Kirchenjahres.[8] Der Beischlaf wurde allerdings als gesundheitsfördernd angesehen, auch wenn von kirchlicher Seite her jegliches Lustempfinden bei der ‛fleischlichen’ Liebe auch in der Ehe als Laster verrucht war.[9]

Erst das 12. Jahrhundert brachte schließlich einige Neuerungen mit sich: Die Liebe fand nun Eingang in den bisher unreflektierten, gewohnheitsmäßigen Umgang mit der Sexualität, die in den neu entstehenden Liebesdichtungen im höfischen Bereich von emotionellen Werten überformt wurde: Es kommt –im Zuge der Entdeckung von Subjektivität- zur ‛Entdeckung der Liebe’. „Als weit über erotische Anziehung und sexuelle Praxis hinausgehendes Gefühl, als wechselseitige Zuneigung mit ethischen Implikationen und Konsequenzen, als leidenschaftliche, seelische Erfahrung“.[10]

Auch die Erotik erhielt jetzt Einzug in diesem Bereich, was sich einerseits in der Troubadourlyrik zeigte, andererseits im konkreten Verhalten -es wird zum ersten Mal Petting (das bisher anscheinend unbekannt war) empfohlen und praktiziert- sichtbar wurde.

2.1 Über den Umgang mit der Sexualität in verschiedenen Gesellschaftsschichten

Zwischen den Menschen gab es seit jeher soziale Unterschiede, die sich auch im alltäglichen Leben des Mittelalters widerspiegelten: Während sich die einen in Palästen wohnend in Dekadenz und im Übermaß suhlten, bewohnten die anderen einfache Hütten und waren die meiste Zeit ihres Lebens damit beschäftigt, ihre Äcker zu bestellen, um sich selbst und ihre Familien zu versorgen.

[...]


[1] Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 5 Wiesbaden, 1968, S. 687.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Gabriele Bartz, Alfred Karnein, Claudio Lange: Liebesfreuden im Mittelalter. Kulturgeschichte der Erotik und Sexualität in Bildern und Dokumenten, Stuttgart 1994, S. 48.

[5] Ebd., S. 49.

[6] Ebd., S. 50.

[7] Peter Dinzelbacher (Hg.): Sachwörterbuch der Mediävistik. Stuttgart 1992, S. 755.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Waltraud Fritsch-Rößler: Finis Amoris. Ende, Gefährdung und Wandel von Liebe im hochmittelalterlichen deutschen Roman, Tübingen 1999, S. 37.

Details

Seiten
18
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638695381
ISBN (Buch)
9783638769693
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73055
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Literaturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Sexualität Erotik Mittelalter Verweisen Hartmann Aues Iwein

Autor

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Titel: Sexualität und Erotik im Mittelalter mit Verweisen zu Hartmann von Aues Iwein