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Wesen und Bedeutung der Kapitalflussrechnung - kurzer Vergleich zwischen Kapitalflussrechnung nach HGB und US-GAAP

Praktikumsbericht / -arbeit 2005 36 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Wesen der Kapitalflussrechnung
2.1 rechtliche Grundlagen
2.2 Definition der Kapitalflussrechnung
2.3 Formen, Zweck und Aufgabe der Kapitalflussrechnung
2.4 Gestaltungsregeln der Kapitalflussrechnung
2.5 Adressaten der Kapitalflussrechnung
2.6 Anwendungsbereich
2.7 Arten der Ermittlung und der Darstellung
2.7.1 Originäres und derivates Ermittlungsverfahren
2.7.2 Direkte und indirekte Darstellungsmethode
2.8 Finanzmittelfonds als Ausgangspunkt und seine Komponente
2.9 Ausgestaltung der Kapitalflussrechnung
2.9.1 Herkunftsrechnung
2.9.1.1 Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit
2.9.1.2 Cash Flow aus Investitionstätigkeit
2.9.1.3 Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit
2.9.2 Fondsveränderungsrechnung

3. Bedeutung der Kapitalflussrechnung
3.1 Beurteilung der Kapitalflussrechnung
3.2 Grundlage zur Kennzahlenbildung
3.2.1 Beurteilung der Innenfinanzierungskraft
3.2.2 Beurteilung der Investitions- und Finanzierungstätigkeit
3.3 Aussagekraft der Kapitalflussrechnung

4. Vergleich Kapitalflussrechnung nach HGB und nach US-GAAP
4.1 Bilanzierungswelt der USA allgemein
4.2 Kapitalflussrechnung nach US-GAAP mit den Unterscheidungen zum HGB

5. Schlussbetratung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Mindestgliederungsschema zur direkten Darstellung des Cashflows aus laufender Geschäftstätigkeit (DRS 2.26)

Abb. 2: Mindestgliederungsschema zur indirekten Darstellung des Cashflows aus laufender Geschäftstätigkeit (DRS 2.27)

Abb. 3: Mindestgliederungsschema zur Darstellung des Cashflows aus der Investitions- tätigkeit (DRS 2.32)

Abb. 4: Mindestgliederungsschema zur Darstellung des Cashflows aus der Finanzierungs- tätigkeit (DRS 2.35)

Abb. 5: Mindestgliederungsschema zur Ermittlung des Endbestandes des Finanzmittelfonds (DRS 2 Anlage)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Rechnungslegung eines Unternehmens bzw. Konzerns gehört zur Unternehmens- publizität, in deren Rahmen die Daten der Rechnungslegung offengelegt bzw. veröffentlicht werden. Bei den Rechnungslegungsdaten handelt es sich um die an externe Adressaten bzw. Gläubiger gerichteten Informationen über die vergangene, gegenwärtige und künftige Entwicklung des Unternehmens wie z.B. Bilanz, GuV, Anhang und Lagebericht. Die ersten drei stellen einen Teil des Jahresabschlusses dar, deswegen steht dieser im Mittelpunkt der Unternehmensrechnungslegung.[1]

Zur Erfüllung seiner Informationsfunktion muss sich der Unternehmensabschluss auf die An- forderungen der Generalform i.S. des – aus dem Angelsächsischen übernommenen – Grundsatz ,true & fair view’ stützen. In der deutschen Rechnungslegung ist sie jeweils für den Jahresabschluss der Kapitalgesellschaften und für den Konzernabschluss im HGB formuliert: Jahresabschlüsse haben ,,...unter Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage... zu vermitteln’’ (§§ 264 Abs. 2 S.1 und 297 Abs. 2 S.2).[2]

Während die Bilanz Informationen zur Vermögenslage des Unternehmens liefert und bei der GuV die Ertragssituation im Vordergrund steht, gilt die Kapitalflussrechnung als geeignetes Mittel zur Darstellung der Unternehmensfinanzlage, indem sie durch die Offenlegung von Zahlungsflüssen in Verbindung mit den anderen Daten des Abschlusses einen verbesserten Einblick in die Liquiditätssituation des Unternehmens gewährt.

Angesichts der wichtigen Rolle der Kapitalflussrechnung in der nationalen und internationalen Rechnungslegung versucht diese Arbeit, das Wesen und die Bedeutung der Kapitalflussrechnung zu erläutern und soll einen kurzen Vergleich zwischen der Kapital- flussrechnung nach HGB und nach US-GAAP zeigen.

Dazu betrachte ich die wesentlichen Aspekte des Inhalts, Aufbaus und der Verwendung. Zur Darstellung – insbesondere des Wesens der Kapitalflussrechnung – wird das Regelwerk IAS/IFRS[3] in Verbindung mit den Rechnungslegungsgrundsätzen des HGB bzw. DRS[4] herangezogen, wobei letztere lediglich als Vergleichmaßstab dem Standardregelwerk IAS/IFRS dienen.

Für bestimmte Fragen zur Aufstellung und Gestaltung sowie der Bedeutung der Kapitalflussrechnung habe ich auch andere Literatur genutzt.

Bei der Erfüllung der Zielsetzung erläutere ich nur die Fragen, die die Kapitalflussrechnung des Einzelunternehmens bzw. Konzerns in gleichem Maße betreffen. Die Arbeit ist in vier Abschnitte unterteilt:

Abschnitt I beschäftigt sich mit dem Wesen der Kapitalflussrechnung. Er gibt in erster Linie einen Überblick über die grundlegenden Fragen zur Kapitalflussrechnung wie Definition, Formen, Zweck und Aufgabe, Gestaltungsregeln, Adressaten sowie den Anwendungs- bereich, die Arten der Ermittlung und Darstellungsmöglichkeiten von Zahlungsflüssen und den Finanzmittelfonds als Ausgangspunkt. Ferner stellt er den grundlegenden Aufbau der Kapitalflussrechnung – gegliedert in die Herkunfts- und Fondsveränderungsrechnung – dar, mit dem Ausweis von Cashflows aus drei Aktivitätsbereichen.

Abschnitt II befasst sich mit der Bedeutung der Kapitalflussrechnung, die überwiegend in ihrer Rolle zur Abbildung der Finanzlage liegt. Hierbei gehe ich auch auf die Bedeutung der Daten der Kapitalflussrechnung für die Bildung bestimmter Kennzahlen zur Beurteilung der Finanzlage ein.

Abschnitt III geht auf die Kapitalflussrechnung nach US-GAAP und den Unterschiede zu Kapitalflussrechnung nach HGB

Abschnitt IV fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen.

2. Wesen der Kapitalflussrechnung

2.1 rechtliche Grundlagen

Die IAS wurden vom International Accounting Standards Committee (IASC) – dem privaten Gremium mit Sitz in London – entwickelt und stellen internationale Rechnungslegungs- grundsätze dar, die v.a. in der europäischen Rechnungslegung heutzutage eine bedeutende Rolle spielen. Im Jahre 2001 löste das International Accounting Standards Board (IASB) das IASC ab und übernahm dabei IAS. Die eigenen Standards vom IASB werden als Inter-national Financial Reporting Standards (IFRS) bezeichnet.[5] Für die Erläuterung des Themas dieser Arbeit ist die Stellungnahme IAS 7 ,,Cash Flow Statements’’ maßgeblich, in der die wichtigsten Aspekte der Kapitalflussrechnung geregelt sind.

Die Vergleichsbasis HGB enthält keine Regelung zur Gestaltung der Kapitalflussrechnung. Dies übernimmt in der deutschen Rechnungslegungspraxis das Deutsche Rechnungs- legungs Standards Committee (DRSC). Es ist eine privatrechtlich organisierte Einrichtung, die 1998 aufgrund des § 342 Abs. 1 HGB durch das Bundesministerium der Justiz (BMJ) staatlich anerkannt wurde. Ihr 1999 verabschiedeter und veröffentlichter Deutscher Rechnungslegungsstandard Nr. 2 ,KFR’ (DRS 2) enthält Vorschriften zum Inhalt und Aufbau der Kapitalflussrechnung für kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen. Gemäß § 342 Abs. 2 HGB gelten sie als Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) für die Konzern- rechnungslegung. Im Folgenden wird auf die beiden Standards IAS 7 und DRS 2 unmittel- bar Bezug genommen.

Dieser Abschnitt geht v.a. auf die Fragen ausführlicher ein, die das Wesen der Kapitalfluss- rechnung im Allgemeinen erläutern. Im Einzelnen werden Definition, Formen, Zweck, Auf- gabe, Gestaltungsregeln, Adressaten, Anwendungsbereich der Kapitalflussrechnung und Möglichkeiten der Ermittlung und der Darstellung von Zahlungsströmen näher betrachtet sowie die Zusammensetzung des Finanzmittelfonds als Ausgangspunkte der Kapitalfluss- rechnung geschildert.

2.2 Definition Kapitalflussrechnung

Der Begriff ,Kapitalflussrechnung’ wird in der zahlreichen betriebwirtschaftlichen Literatur unterschiedlich definiert. Einerseits ,,...umfasst der Begriff der Kapitalflussrechnung alle Rechnungen (wie z.B. die Veränderungs- und die Bewegungsbilanz, I.K.), die Bewegungen von Finanzmitteln innerhalb einer Periode aufzeigen’’[6] (= Kapitalflussrechnung i.w.S.). Anderseits beschränkt sich die Definition der Kapitalflussrechnung auf eine Fondsrechnung, d.h. eine Rechnung mit einem ausgegliederten Fonds (= Kapitalflussrechnung i.e.S.)[7]. Die Abgrenzung des Fonds hängt von der spezifischen Zielsetzung der Rechnung ab. Im aktuellen Schrifttum versteht man unter der Kapitalflussrechnung i.d.R. eine Stromgrößen- rechnung, die zahlungswirksame Vorgänge bzw. Zahlungsflüsse innerhalb einer Berichts- periode abbildet[8] und versucht ,,...bei gleichzeitiger Ausgliederung eines Finanzmittelfonds ... die Ursachen und Wirkung dieser Vorgänge aufzuzeigen.[9]

2.3 Formen, Zweck und Aufgabe der Kapitalflussrechnung

In der Literatur werden mehrere Begriffe neben der Kapitalflussrechnung verwendet. Vor allem die Finanzflussrechung, Zeitraumrechnung und Fondsrechnung. Diese Begriffe stehen aber auch teilweise für Unterformen der Kapitalflussrechnung, unter welcher man eine Viel- zahl von verschiedenen Rechnungen versteht, welche eine wertmäßige Veränderung von Beständen in einem Unternehmen zeigen.

Zweck von Kapitalflussrechnungen ist es, Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung als zu- sätzliches Instrument zu unterstützen, um die Finanzlage eines Unternehmens besser darstellen zu können.

Dadurch können wichtige finanzwirtschaftliche Fragestellungen wie die:

- Ermittlung der Periodenliquidität
- Bestimmung der Ursachen der Liquiditätsentwicklung und
- Aufzeichnung der Kapitalherkunft und –verwendung für bestimmte Bereiche der

Unternehmung

beurteilt werden.10

Die Hauptaufgabe liegt in der Offenlegung der Informationen über Zahlungsströme. Diese Offenlegung soll als Hilfsmittel dienen, um über die unmittelbare Liquiditätssituation eines Unternehmens Auskunft zu geben. Dadurch können vor allem Ursachen und Wirkungen von Liquiditätsverschiebungen gezeigt werden. Außerdem kann sich der Betrachter ein Bild der Qualität des Finanzmanagements machen. Die drei wichtigsten Funktionen der Kapitalflussrechnung sind die Steuerungsfunktion, die Publizitätsfunktion und die Analysefunktion.

Die offengelegten Zahlungsströme sollen einen verbesserten Einblick in die Fähigkeit des Unternehmens gewähren (DRS 2.1):

- in Zukunft finanzielle Überschüsse zu erwirtschaften,
- seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kreditoren zu erfüllen sowie
- Ausschüttungen an die Anteilsbesitzer zu leisten.

[...]


[1] Vgl. B. Kropff: Publizität, in K. Chmielewicz/M. Schweitzer: Handwörterbuch des Rechnungswesen, 3. Aufl., Stuttgart 1993, S. 1669, vgl. auch B. Pellens: Internationale Rechnungslegung, 4. Aufl., Stuttgart 2001, S. 1 f.

[2] Vgl. J. Baetge/H.-J. Kirsch/S. Thiele: Konzernbilanzen, 6 Aufl., Düsseldorf 2002, S.46 (im Folgenden zitiert als: Baetge u.a., Konzernbilanzen, S. ..)

[3] IAS = International Accounting Standards IFRS = International Financial Reporting Standards

[4] DRS = Deutsche Rechnungslegungsstandards

[5] Vgl. IASB (Hrsg.): International Accounting Standards 2002 (Deutsche Ausgabe), Stuttgart 2002, S. V

[6] A.G. Coenenberg: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse: Betriebswirtschaftliche, handelsrechtliche, steuerrechtliche u. internationale Grundsätze – HGB, IAS/IFRS, US-GAAP, DRS, 19. Aufl. Stuttgart 2003, S. 705; vgl. auch L. Perridon/M. Steiner: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 11. Aufl., München 2002, S. 594

[7] Vgl. C. Schrader: Die Kapitalflussrechnung als Rechnung zur Finanzlage, Frankfurt am Main 1999, S. 9

[8] Vgl. A. Coenenberg/M. Meyer: Kapitalflussrechnung als Objekt der Bilanzpolitik, in: P. Wollmert/N. Schönbrunn/U. Jung/H. Siebert/M. Henke (Hrsg.): Wirtschaftsprüfung und Unternehmensüberwachung, Düsseldorf 2003, S. 337

[9] A. Egger: Kapitalflussrechnung, Einzelabschluss, Prüfung der, in: A.Coenenberg/K. Wysocki (Hrsg.) Handwörterbuch der Revision, 2. Aufl., Mannheim 2002, S. 1044

Details

Seiten
36
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638735957
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73169
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
2,0
Schlagworte
Wesen Bedeutung Kapitalflussrechnung Vergleich US-GAAP

Autor

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