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Steuerung der Belastungsintensität im Ausdauertraining bei Männern auf dem Laufband

Diplomarbeit 2006 104 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Gliederung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Steuerung der Belastungsintensität im Ausdauertraining
2.1 Laktat
2.2 Herzfrequenz
2.3 Subjektives Belastungsempfinden
2.4 Weitere Parameter zur Steuerung der Belastungsintensität
2.5 Zusammenfassung

3. Fragestellung
3.1 Allgemeine Fragestellung
3.2 Spezielle Fragestellungen

4. Methodik der Untersuchung
4.1 Untersuchungsgut
4.2 Untersuchungsverlauf
4.3 Standardisierung des Kontrollverfahrens
4.4 Apparatur
4.5 Auswertung

5. Darstellung der Ergebnisse
5.1 Bestimmung der HFmax
5.2 Zeitverlauf der Parameter Laktat, Geschwindigkeit und subjektives Belastungsempfinden bei den einzelnen Steuerungsvorgaben
5.3 Individuelle Unterschiede (Häufigkeitsverteilung und Streubreite) bezüglich der Parameter Laktat, Geschwindigkeit und subjektives Belastungsempfinden bei den einzelnen Steuerungsvorgaben
5.4 Vergleich der Ergebnisse des Ausbelastungstests mit den Dauerbelastungstestergebnissen

6. Interpretation der Ergebnisse und Beantwortung der Fragestellungen
6.1 Wo liegt die individuelle HFmax der Probanden und welche unterschiedlichen Vorgaben der Herzfrequenz ergeben sich daraus bei 80%, 85% und 90% HFmax?
6.2 Wie entwickeln sich die Parameter Laktat, Geschwindigkeit und subjektives Belastungsempfinden bei 80%, 85% und 90% HFmax?
6.3 Welche Unterschiede ergeben sich zwischen den jeweiligen Belastungsstufen bezüglich Laktat, Geschwindigkeit und subjektivem Belastungsempfinden?
6.4 Gibt es Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen des Ausbelastungstest mit denen der Dauerbelastungstestergebnisse?
6.5 Was bedeuten die Ergebnisse für die Trainingssteuerung?

7. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Laktatkurve mit aerober (AeS) und individueller anaerober Schwelle (IAS); Quelle: KINDERMANN (2004)

Abbildung 2: Mader-Schwelle; Quelle: HECK & ROSSKOPF (1994)

Abbildung 3: Simon-Schwelle; Quelle: DE MARÉES (2002)

Abbildung 4: Geiger-Hille-Modell; Quelle: GIMBEL (2005)

Abbildung 5: Keul-Schwelle; Quelle: HECK & ROSSKOPF (2004)

Abb. 6: Bunc-Schwelle; Quelle: HECK et al. (1985).

Abb. 7: IAS nach STEGMANN & KINDERMANN (1980)

Abbildung 8: Abhängigkeit der Herzfrequenz von der Belastungsintensität; Quelle: JANSSEN (2003)

Abb. 9 + 10: Blutabnahme am Ohr zur Bestimmung des Laktatwertes (Abbildung 9), mit anschließender Auswertung durch das Gerät BIOSEN (Abbildung 10).

Abbildung 11:Prozentuale Abstufungen der HFmax aller Probanden und HFmax

Abbildung 12: Durchschnittlicher Laktatverlauf auf den Belastungsstufen 80%, 85% und 90% HFmax

Abbildung 13: Durchschnittlicher Geschwindigkeitsverlauf auf den Belastungsstufen 80%,85% und 90% HFmax

Abbildung 14: Durchschnittlicher RPE-Verlauf auf den Belastungsstufen 80%, 85% und 90% HFmax

Abbildung 15: Laktatdurchschnitt der Probanden bei 80% HFmax

Abbildung 16: Laktatdurchschnitt der Probanden bei 85% HFmax

Abbildung 17: Laktatdurchschnitt der Probanden bei 90% HFmax

Abbildung 18: Laktatdurchschnitt der Probanden bei 80%, 85% und 90% HFmax

Abbildung 19: Geschwindigkeitsdurchschnitt der Probanden bei 80% HFmax

Abbildung 20: Geschwindigkeitsdurchschnitt der Probanden bei 85% HFmax

Abbildung 21: Geschwindigkeitsdurchschnitt der Probanden bei 90& HFmax

Abbildung 22: Geschwindigkeitsdurchschnitt der Probanden bei 80%, 85% und 90% HFmax

Abbildung 23: Durchschnittliche RPE-Werte der Probanden bei 80% HFmax

Abbildung 24: Durchschnittliche RPE-Werte der Probanden bei 85% HFmax

Abbildung 25: Durchschnittliche RPE-Werte der Probanden bei 90% HFmax

Abbildung 26: Durchschnittliche RPE-Werte der Probanden bei 80%, 85% und 90% HFmax

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Intensitätsstufen prozentualer HFmax-Werte eingeteilt nach Trainingszielen; in Anlehnung an HOTTENROTT & ZÜLCH (2004)

Tab. 2: Borg-Skala; in Anlehnung an LÖLLGEN (2004)

Tab.3: Wanner-Skala; in Anlehnung an WANNER (1985)

Tab. 4: Skala nach Buskies & Boeckh-Behrens; in Anlehnung an BUSKIES & BOECKH-BEHRENS (2000)

Tabelle 5: Anthropometrische Daten der Probanden inklusive BMI und durchschnittlichen Sportstunden/Woche

Tab. 6: HFmax, 90%, 85% und 80% der HFmax jeder Probandin mit Mittelwert (MW), Standardabweichung (SD) und Minimum (Min) und Maximum (Max).

Tabelle 7: Durchschnittlicher Laktatverlauf auf den Belastungsstufen 80%, 85% und 90% HFmax mit Standardabweichung und Mittelwert

Tabelle 8: Durchschnittlicher Geschwindigkeitsverlauf auf den Belastungsstufen 80%,85% und 90% HFmax mit Standardabweichung und Mittelwert

Tabelle 9: Durchschnittlicher RPE-Verlauf auf den Belastungsstufen 80%, 85% und 90% HFmax mit Standardabweichung und Mittelwert

Tabelle 10: Vergleich Ausbelastungstest - Dauerbelastungstest: Laktatdurchschnitt mit Standardabweichung

Tabelle 11: Vergleich Ausbelastungstest – Dauerbelastungstest: Geschwindigkeitsdurchschnitt mit Standardabweichung

Tabelle 12: Vergleich Ausbelastungstest – Dauerbelastungstest: RPE- und Hertfrequenzdurchschnitt mit Standardabweichung

Tabelle 13: Vergleich Ausbelastungstest – Dauerbelastungstest: Korrelationsprüfung der ermittelten Parameter mit RPE

Tabelle 14: Gesamtübersicht der Vergleiche Ausbelastungstest – Dauerbelastungstest

Tabelle 15: Vergleich Ausbelastungstest – Dauerbelastungstest: RPE-, Herzfrequenzdurchschnitt mit Standardabweichung und prozentuale Abstufungen zur HFmax

Tabelle 16: Trainingsvorgaben anhand prozentualer Abstufungen zur HFmax und RPE-Vorgaben

1. Einleitung

Ausdauertraining gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des gesundheitsorientierten Sporttreibens. Keine andere motorische Beanspruchungsform ist in den letzten Jahren als trainingswissenschaftliches und medizinisches Phänomen so intensiv beleuchtet worden (BÖS & BANZER, 1998). Speziell für die Zielgruppe dieser Arbeit, den Freizeit- und Gesundheitssport, hat die allgemeine aerobe Ausdauer eine zentrale Bedeutung. Diese beruht vor Allem auf der Tatsache, dass durch ein richtig dosiertes Ausdauertraining Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weiteren Zivilisationskrankheiten entgegengewirkt werden kann. Dies gilt nicht nur für bereits vorgeschädigte und ältere Menschen, sondern insbesondere auch für gesunde Personen, welche genannte Erkrankungen bereits von Anfang an vermeiden könnten. Zu den nachweisbaren Veränderungen eines regelmäßigen Ausdauertrainings gehören neben der Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Herz, Lunge und Gefäßsystem auch die Reduzierung von Übergewicht, die Kräftigung der beanspruchten Muskulatur und die Unterstützung der psychischen Entspannungsfähigkeit.

Natürlich ist die Wirkung des Ausdauertrainings von dessen Umfang, Häufigkeit und Intensität abhängig. Vor Allem im Bereich der Intensitätssteuerung treten in diesem Zusammenhang die meisten Probleme auf.

Im Leistungssport kommt es im Bereich der Belastungsdosierung eher seltener zu Schwierigkeiten. Hier werden die Sportler regelmäßigen Leistungstests unterzogen, um das Training gezielt zu steuern. Dabei werden Parameter wie die Laktat- und Ammoniakkonzentration, Hämoglobin- und Hämatokritwerte, die maximale Sauerstoffaufnahme etc., untersucht und ausgewertet um auf die jeweilige Leistungsfähigkeit zu schließen.

Dem Breiten- und Freizeitsport hingegen bleiben solche Methoden meist vorenthalten, weil sie zu aufwendig und vor allem auch sehr kostspielig sind. Einzig und allein die Herzfrequenzmessung hat aufgrund ihrer mittlerweile einfachen und kostengünstigen Erfassung in diesem Bereich Einzug gehalten. Jedoch ist die alleinige Erfassung und Kontrolle der Herzfrequenz unzureichend. Eine Trainingssteuerung ist dadurch noch nicht möglich. Um den richtigen Trainingsbereich zu ermitteln, bedarf es noch weiterer Informationen.

In der einschlägigen Literatur findet man dazu meist nur pauschalisierende Formeln, die in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht den jeweiligen Maximal- und Trainingspuls ermitteln. Problematisch hierbei ist, dass die ermittelten Werte nur für den Durchschnitt gelten. Es kann also sehr wohl vorkommen, dass man durch die ermittelten Trainingsvorgaben über- oder unterbelastet wird. Um dieses zu umgehen soll das so genannte subjektive Belastungsempfinden Abhilfe schaffen. Dieses soll zusätzlich zur Erfassung der Herzfrequenz ein Training im richtigen Bereich ermöglichen.

Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, anhand der durchgeführten Studie, die individuelle Beanspruchung bei den jeweiligen Steuerungsvorgaben von 80%, 85% und 90% der maximalen Herzfrequenz (HFmax) zu überprüfen. Das subjektive Belastungsempfinden der Probanden wird hierbei besonders in Augenschein genommen, um eventuelle Anwendungsmöglichkeiten für die Steuerung der Belastungsintensität, speziell für den Breiten- und Gesundheitssport, aber durchaus auch für den Leistungssport, herauszustellen.

Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen zur Steuerung der Belastungsintensität im Ausdauertraining. Hierbei werden die gängigsten Steuerungsmethoden näher erläutert.

Im Anschluss daran folgt die Formulierung der allgemeinen und speziellen Fragestellungen.

Die durchgeführte Studie sowie deren Methodik und Standardisierung, wird im nachfolgendem Teil dargestellt, dem sich die Auswertung der Daten anschließt.

Danach werden die Ergebnisse dargestellt und im Anschluss diskutiert.

Abschließend wird die Arbeit noch einmal zusammengefasst und es wird ein Ausblick auf weitere Untersuchungen gegeben.

2. Steuerung der Belastungsintensität im Ausdauertraining

Neben Trainingshäufigkeit, Belastungsumfang, Belastungsdauer und Häufigkeit der Reizsetzung kommt im Breiten- und Gesundheitssport vor allem der Wahl der richtigen Belastungsintensität eine besondere Bedeutung zu (BUSKIES, 2001). Die Belastungsintensität gibt die Stärke des Belastungsreizes wieder, mit dem eine Übung ausgeführt wird (MARTIN, 1985). Pauschalangaben wie: „moderate intensity“ (MELZER et al., 2004) oder „exercise need not to be strenuous…“ (AMISOLA/JACOBSON, 2003) findet man diesbezüglich häufig in der einschlägigen Literatur. Solche Aussagen gehen weder auf individuelle Zielsetzungen, noch auf das vorhandene Leistungsniveau ein und nicht selten entsteht aus solchen Ratschlägen dann der Grundsatz „viel hilft viel“ in der Umsetzung. Für das gesundheitsorientierte Ausdauertraining sind solche Einstellungen natürlich unangebracht. Ausdauertraining soll Spaß machen. Zu hohe Belastungen stellen deshalb nicht nur ein Risiko für die Gesundheit dar und sollten vor allem in diesem Bereich vermieden werden (BERG, 1993), sie erschweren auch das Aufkommen von Wohlbefinden. Wenn beim Training das „Sich-quälen-müssen“ überwiegt, dann fällt die Überwindung zur nächsten Übungseinheit sehr schwer. Aber nicht nur die Über- sondern auch die Unterforderung stellt ein Problem dar. Sollen positive Anpassungserscheinungen des Organismus erzielt werden, muss ein bestimmtes Mindestmaß an Belastung erfüllt werden. Eine Belastungsanforderung ruft im Organismus bestimmte Reize hervor, die sich dann individuell als Beanspruchung auswirken. Je nachdem, wie unterschiedlich sich diese für den Einzelnen auswirkt, verläuft die Anpassungsreaktion (MARTIN et al., 2000, 90 f). Aus genannten Gründen treten bei der Kontrolle der geeigneten Belastungsintensität die meisten Probleme auf (AIGNER & LEDL-KURKOWSKI, 2002).

Im folgenden Teil soll nun näher auf die gängigsten Methoden der Steuerung der Belastungsintensität im Ausdauertraining eingegangen werden. Neben den Steuerungsparametern Laktat und Herzfrequenz wird auch noch das subjektive Belastungsempfinden, auf dem ein Schwerpunkt dieser Arbeit liegt, genauer unter die Lupe genommen. Abschließend wird noch kurz auf andere Möglichkeiten der Belastungssteuerung, sowie auf weitere biologische Messgrößen eingegangen.

2.1 Laktat

Die Laktatmessung zählt seit über 40 Jahren zu den Standard-Methoden der Leistungsdiagnostik und hat eine zentrale Stellung bei der Trainingssteuerung (NEUMANN et al., 1999). Durch sie soll die optimale Trainingsintensität bestimmbar gemacht werden.

2.1.1 Laktatentstehung

Laktat, das Salz der Milchsäure, ist nicht nur ein Endprodukt der anaeroben Glykolyse, sondern auch ein wertvoller Kohlenhydrat-Metabolit (BROOKS, 1986). Es wird also als Zwischenprodukt zur oxidativen Energiegewinnung herangezogen (MAGNUSSON & SHULMAN, 1991). Der wichtigste Laktatproduzent, sowohl in Ruhe aber vor allem unter Belastung, ist der Skelettmuskel (WEICKER, 1994). Jedoch sollte die Laktatbildung und –abgabe anderer Organe, wie z.B. der Leber, nicht unterschätzt werden, da diese ebenfalls die Höhe des Laktatspiegels beeinflussen können (WEICKER, 1994). Aus diesem Grund werden im Folgenden die wichtigsten Einflussfaktoren hinsichtlich der Laktatproduktion und -elimination dargestellt.

2.1.2 Einflussfaktoren

Glykogenspeicher/Vorbelastung

Die Laktatproduktion ist in hohem Maße von der Füllung der Glykogenspeicher abhängig. Schon bei erhöhter Kohlenhydratzufuhr kann der Laktatspiegel im Blut um 2-4 mmol ansteigen, da die Glukose in der Zelle in Laktat umgewandelt und wieder abgegeben wird (BROOKS, 1986). Umgekehrt kann es sich bei einem leeren Glykogenspeicher bzw. einer Glykogenverarmung aufgrund einer intensiven Vorbelastung oder Ermüdung (LEHNERTZ & MARTIN, 1988) verhalten.

Muskelmasse/Muskelfaserzusammensetzung

Des Weiteren hat sowohl die Muskelmasse (BURESH et al., 2004) als auch die Muskelfaserzusammensetzung Einfluss auf die Laktatkinetik (DE MARÉES, 2002). Je größer die eingesetzte Muskelmasse, desto mehr Laktat wird auch gebildet (BURESH et al., 2004)

Die Muskelfaserzusammensetzung ist von genetischen Faktoren abhängig. So haben beispielsweise Ausdauerathleten einen relativ großen Anteil an ST-Fasern (slow-twitch bzw. langsam-zuckend) und Sprinter an FT-Fasern (fast-twitch bzw. schnell-zuckend). Durch gezieltes Training lässt sich der Anteil der ST-Fasern erhöhen, nicht hingegen der Anteil der FT-Fasern. (JANNSEN, 2003) Je höher nun der Anteil der ST-Fasern ist, desto niedriger ist auch die Laktatproduktion. Das bedeutet, dass ein schnellkräftiger Athlet immer einen höheren Laktatspiegel als ein Ausdauersportler aufweist (DE MARÉES, 2002).

BENEKE & DUVILLARD (1996) konnten diesbezüglich auch eine sportartabhängige Rekrutierung der eingesetzten Muskelfasern feststellen. So ergaben sich beim Skaten Steady-State-Werte von 6,6 mmol/l +/- 0,9, beim Radfahren von 5,4mmol/l +/- 1,0 und beim Rudern von 3,1 mmol/l +/- 0,5.

Trainingszustand

Auch trainingsbedingte Adaptionsprozesse beeinflussen die Höhe des Laktatwerts. So wird durch Ausdauertraining sowohl die Laktattransportkapazität (JUEL, 1997), als auch die Laktatrückbildungsfähigkeit (LAMPERT et al., 1996) erhöht. Das hat zur Folge, dass der Laktatspiegel erst bei einer höheren Arbeitsleistung ansteigt und sich die Laktat-Leistungs-Kurve (LLK) (vgl. Kapitel 2.1.3) nach rechts verschiebt.

Temperatur

Eine hohe Umgebungstemperatur führt in Folge eines vermehrten Durchblutungsbedarfs der Haut nicht nur zu einer Steigerung der Herzfrequenz, sondern auch zu einem bis zu 40% früheren Anstieg des Blutlaktats bei Belastungssteigerung (WYNDHAM et al., 1962).

Belastungsprotokoll

Abschließend hängt der Laktatkurvenverlauf vom ausgewählten Belastungsprotokoll ab. Je höher die Abstufung der Belastung von Stufe zu Stufe ist, desto länger muss auch die Stufendauer sein, um zu gewährleisten, dass sich die zu untersuchenden Parameter annähernd eingependelt haben. Zudem führten Untersuchungen mit unterschiedlicher Stufendauer bei gleicher Abstufung zu unterschiedlichen Laktatverläufen. (HECK & ROSSKOPF, 1994)

2.1.3 Laktat in der Leistungsdiagnostik

In der Leistungsdiagnostik werden meist anhand eines stufenförmigen Belastungstests die jeweiligen Laktatwerte (pro Stufe) in einer Laktat-Leistungs-Kurve (LLK) dargestellt. Anhand dieser sollen anschließend Rückschlüsse auf die jeweilige Ausdauerleistungsfähigkeit möglich sein. Aus der Höhe der Laktatkonzentration soll dementsprechend gefolgert werden, ob die Stoffwechselbelastung aerob, aerob-anaerob oder überwiegend anaerob war (NEUMANN et al., 1999). Ausgehend davon, ist der aerob-anaerobe Übergang von besonderer Bedeutung (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Laktatkurve mit aerober (AeS) und individueller anaerober Schwelle (IAS); Quelle: KINDERMANN (2004)

Dieser beginnt mit dem ersten Laktatanstieg, der auch als aerobe Schwelle (AeS) bezeichnet wird und endet mit der anaeroben Schwelle (DICKHUTH et al., 1999).

Die aerobe Schwelle kennzeichnet den Bereich, in dem die Energiebereitstellung vom rein aeroben zum partiell anaeroben Stoffwechsel übergeht und liegt etwa im Bereich von 1,5-2mmol/l (KINDERMANN et al., 1979). Über dieser Schwelle kommt es zu einem Laktatanstieg. Innerhalb des Bereichs des aerob-anaeroben Übergangs (zwischen 2-4mmol/l, individuell auch noch höher) halten sich Laktatproduktion und –elimination die Waage, was auch als Laktat-Steady-State bezeichnet wird (BENEKE et al, 2000).

Die anaerobe Schwelle kennzeichnet den Punkt respektive Bereich, an bzw. in dem sich gerade noch ein Laktat-Steady-State zwischen Laktatproduktion und -abbau einstellt. Sie wird auch als maximales Laktat-Steady-State (maxLass) bezeichnet und liegt durchschnittlich im Bereich von 4 mmol/l (individuell auch darunter bzw. darüber). Da jede höhere Belastung eine zeit- und belastungsabhängige Anhäufung von Laktat zur Folge hat (HECK et al, 1985), wird das maxLass auch als Dauerleistungsgrenze definiert (KINDERMANN, 2004). Der Begriff Dauerleistungsgrenze lässt jedoch eine variable Deutung bezüglich der Belastungsdauer zu, denn je höher die Belastungsintensität, desto kürzer fällt die maximal mögliche Belastungsdauer aus. Aus diesem Grund müsste die Leistung an einer Dauerleistungsgrenze also immer relativ zur angestrebten Dauer der Leistung angegeben werden. (MADER, 1991).

Unter diesen Voraussetzungen hat die Bestimmung der anaeroben Schwelle für die Trainingssteuerung im Ausdauerbereich eine große Bedeutung.

In der Literatur finden sich diesbezüglich die unterschiedlichsten Konzepte, welche nachfolgend dargestellt werden.

2.1.4 Schwellenmodelle

Mader-Modell

MADER et al. (1976) bezeichnen die aerob-anaerobe Schwelle als Bereich des Übergangs zwischen der rein aeroben zur partiell anaeroben, laktazid gedeckten muskulären Energiestoffwechselleistung. Dieser Bereich eigne sich zur Charakterisierung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Die Autoren geben an, dass die aerob-anaerobe Schwelle wie alle biologischen Prozesse nicht abrupt, sondern gleitend überschritten werde. Dennoch wird als Schwellenwert eine fixe Blutlaktatkonzentration von 4 mmol/l angegeben (vgl. Abb. 2). Dieser resultiere dabei aus der Beobachtung, dass die korrespondierenden Belastungen im Mittel über längere Zeit toleriert werden könnten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Mader-Schwelle; Quelle: HECK & ROSSKOPF (1994)

Die fixe aerob-anaerobe Schwelle stellt folglich einen statistischen Mittelwert dar (HECK, 1990), der interindividuelle Unterschiede nicht berücksichtigt.

Dieser Kritikansatz führte zur Entwicklung der individuellen anaeroben Schwellen (IAS) –Modelle.

Simon-Schwelle

Ein Konzept zur Ermittlung der IAS stellt das Modell von SIMON & THIESMANN (1983) dar, welches für Schwimmer entwickelt wurde (vgl. Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Simon-Schwelle; Quelle: DE MARÉES (2002)

Bei diesem Verfahren wird die IAS durch Summation eines fixen Laktatwerts von 1,5 mmol/l auf die aerobe Schwelle bestimmt. Weil die aerobe Schwelle der Belastungsintensität beim ersten Laktatanstieg entspricht, kann diese mit dem Ruhelaktatwert gleichgesetzt werden (HECK & ROSSKOPF, 1993).

Da es sich bei dieser Methode wiederum um einen fixen Wert handelt, der zwar hier nur aufaddiert wird (auf einen individuellen Wert), lassen sich die resultierenden Ergebnisse trotzdem in Frage stellen, da weitere Einflussfaktoren der Laktatkinetik, wie z.B. die Umgebungstemperatur außer Acht gelassen werden.

Das Geiger-Hille-Modell

GEIGER & HILLE (1993) berechnen die IAS am Punkt der maximalen Kurvenkrümmung und bewerten diesen als den biologischen Umschlagpunkt im Stoffwechsel. Bei Läufern soll er einem Winkel von 35º entsprechen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Geiger-Hille-Modell; Quelle: GIMBEL (2005)

Zu diesem Ergebnis kamen die Autoren nach einer Studie an 20 Sportlern unterschiedlicher Sportarten, an denen die Auswertung von sportartspezifischen Leistungstests vorgenommen wurde. Außerdem würden zahlreiche Vergleiche mit anderen Stufentest-Ansätzen das Modell empirisch verifizieren und das Laktatverhalten durch die Modellfunktion gut beschrieben.

Nach dem gleichen Prinzip wie GEIGER & HILLE berechnen KEUL et al. (1979) et al. die IAS. Unter der Annahme, dass die fixe 4 mmol/l-Methode die anaerobe Schwelle im Mittel korrekt bestimmt, wurden an 60 Laktatkurven die Tangentenwinkel bei 4 mmol/l berechnet, was einen Tangentenwinkel von 51º ergab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Keul-Schwelle; Quelle: HECK & ROSSKOPF (2004)

Weitere Autoren, wie z.B. HECK (1990) fanden bei ihren Berechnungen wiederum andere Tangentenwinkel.

Schon allein diese Tatsache spricht nicht unbedingt für eine empirisch verifizierte Methode und korrekte Werte bei der Bestimmung der IAS.

Bunc-Schwelle

Ähnlich berechnen BUNC & HELLER (1982) die IAS. Sie definieren die individuelle anaerobe Schwelle als den Punkt, an dem die LLK ihre Neigung maximal ändert. Dabei wird die LLK als Exponentialfunktion beschrieben. Um die IAS zu bestimmen, wird jeweils eine Tangente an den Punkt der niedrigsten Belastung und bei einer Belastung von 15 mmol/l gelegt. Die Winkelhalbierende des Tangentenschnittpunktes schneidet wiederum die Exponentialfunktion und an dieser Stelle soll den Autoren zufolge die IAS liegen.

Nicht überzeugend bei dieser Methode ist die Tatsache, dass die Tangente bei einem fixen Wert von 15 mmol/l angelegt wird (vgl. Abbildung 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Bunc-Schwelle; Quelle: HECK et al. (1985).

Stegmann-Schwelle

STEGMANN & KINDERMANN (1982) kritisieren, dass bei den vorliegenden Verfahren zur Bestimmung der IAS der Einfluss des Belastungsprotokolls auf die Laktatkinetik nicht genügend berücksichtigt wurde. Zur Bestimmung der IAS sei es notwendig nach Erschöpfung noch weitere Laktatwerte zu bestimmen. In dem Punkt, an dem die Erholungs (-Laktat)-Kurve wieder dem Wert des Endbelastungswertes entspricht, wird eine Tangente an die LLK gelegt. Im Berührungspunkt soll dann die IAS liegen (vgl. Abbildung 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: IAS nach STEGMANN & KINDERMANN (1980)

Diese Methode überzeugt in der Theorie, da sie keine fixen Werte benutzt und deshalb die individuelle Laktatkinetik mit einbezieht.

Kritik an den Schwellenkonzepten

Alle vorgestellten Schwellenkonzepte haben gemeinsam, dass sie anhand eines stufenförmigen Ausbelastungstests ohne weitere Dauerbelastungstests die anaerobe Schwelle indirekt bestimmen wollen (HECK & ROSSKOPF, 1994).

Zur Validierung einiger ausgewählter Schwellenkonzepte untersuchte GIMBEL (2005) 40 freizeit- und gesundheitssportorientierte Läufer. Die Untersuchung bestand aus einem stufenförmigen Ausbelastungstest und einem Dauerbelastungstest, bei dem die Probanden die jeweils errechneten maxLass-Werte der jeweiligen Schwellenmodelle 9 Minuten beibehalten mussten. Dabei sollten die jeweiligen Schwellenwerte auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Untersucht wurden das Mader-Modell, das Geiger-Hille-Model, sowie die Simon-Schwelle und das Iftb-Modell, welches jeweils die Mittelwerte der drei anderen Modelle heranzieht und daraus die IAS berechnet. Es ergab sich, dass selbst das Beste der überprüften Modelle (Iftb-Modell) nur in jedem zweiten Fall die richtige Schwelle berechnet.

Daraus kann gefolgert werden, dass kein einziges Modell, allein auf der Basis eines einzigen Stufentests, die anaerobe Schwelle richtig berechnen kann. Nur bei Durchführung eines ergänzenden Dauerleistungstests ist es möglich das maxLass individuell zu bestimmen. Selbst in diesem Fall war es bei mehr als 20% der Probanden bei der Untersuchung von GIMBEL nicht möglich eine IAS zu bestimmen.

Deshalb schlagen einige Autoren sogar vor, darunter HECK & ROSSKOPF (1994), jede Trainingssteuerung, die an ein Schwellenkonzept angelehnt ist, aufzugeben. Lediglich bei der Beurteilung einer Leistungsveränderung sei eine Betrachtung der LLK heranzuziehen, da sich diese auf jeden Fall verschieben würde.

Auf die Anwendung einer laktatbasierenden Leistungssteuerung im Freizeit- und Gesundheitssport kann deswegen durchaus verzichtet werden. In diesem Bereich haben sich andere Steuerungsparameter bewährt, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll.

2.2 Herzfrequenz

Nicht zuletzt durch die Einführung portabler Herzfrequenzmessgeräte, ist die Belastungssteuerung über die Herzfrequenz einer der populärsten Parameter auf diesem Gebiet (BUSKIES/BOECKH-BEHRENS, 2004). Da ein linearer Bezug zwischen Herzfrequenz und Belastungsintensität besteht, (vgl Abbildung 8) ist diese ein geeignete Steuerungsgröße (JANNSEN, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Abhängigkeit der Herzfrequenz von der Belastungsintensität; Quelle: JANSSEN (2003)

Außerdem reagiert die Herzfrequenz relativ schnell auf körperliche Belastungsänderungen (HOTTENROTT, 1993), was zusätzlich für die Anwendung in der Praxis spricht. Besonders im Breiten- und Freizeitsport bedient man sich dieser Methode, da die im Handel erhältlichen Pulsuhren in den letzten Jahren immer erschwinglicher wurden und der Sportler einen konkreten Anhaltspunkt bekommt, wie er sich belasten soll.

Wie bereits erwähnt, hat die Herzfrequenz mit steigender Belastung einen linearen Verlauf. Ausgehend vom Ruhepuls steigt sie bis zur maximal möglichen Herzfrequenz.

Der Ruhepuls liegt im Durchschnitt bei 70 Schlägen/min. Bei Untrainierten kann er bis auf 100 Schläge/min steigen, bei extrem ausdauertrainierten Athleten kann dieser jedoch sogar bis auf 28 Schläge/min sinken (WILMORE & COSTILL, 1999). Somit kann man anhand des Ruhepulses sowohl auf den Grad der Trainiertheit, als auch auf den Aktivitätszustand des vegetativen Nervensystems schließen (NEUMANN et al., 2000). Ebenso lassen sich Rückschlüsse hinsichtlich des aktuellen Gesundheitszustandes ziehen. So ist die Ruheherzfrequenz, beispielsweise bei einem grippalen Infekt, deutlich erhöht (HOTTENROTT & ZÜLCH, 2004). Die Ruheherzfrequenz wird am Besten in Ruhe liegend nach dem Aufwachen (HOTTENROTT, 1993) oder nach einer 10 minütigen Ruhephase im Liegen ermittelt (BUSKIES & BOECKH-BEHRENS, 2004).

Die maximale Herzfrequenz (HFmax) ist erreicht, wenn eine Intensitätssteigerung zu keinem weiteren Anstieg der Herzfrequenz führt und entspricht dem Wert, wie oft sich das Herz innerhalb einer Minute maximal zusammenziehen kann (BURKE, 1998). Mit zunehmendem Alter nimmt die HFmax ab, was auf den Rückgang der Schnelligkeitsmotorik zurückzuführen ist (NEUMANN et al., 2001). Außerdem ist die HFmax abhängig von der ausgeübten Sportart. REIM (2001) konnte in einer Untersuchung signifikant höhere Herzfrequenzen auf dem Laufband im Vergleich zu Stepper, Fahrradergometer und Rudergerät feststellen.

Im Gegensatz zum Ruhepuls ist die HFmax jedoch unabhängig vom Ausdauertrainingszustand (MIEßNER, 2004). Es kann also davon ausgegangen werden, dass sich diese unter gleichen Testbedingungen stets reproduzieren lässt. Daher ist die HFmax zur Steuerung der Belastungsintensität besonders geeignet.

Trotzdem ist die Intensitätssteuerung anhand der Herzfrequenz nicht ganz unproblematisch (BUSKIES & BOECKH-BEHRENS, 2004) da sie von etlichen Einflussfaktoren wie z.B. Alter, Trainingszustand, Klima, Medikamenteneinnahme, etc. abhängig ist.

Die größte Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass die Herzfrequenz einer großen interindividuellen Streubreite für Personen gleichen Alters und vergleichbarer Leistungsfähigkeit unterliegt (BUSKIES, 2001). Das macht sich besonders bei der maximalen Herzfrequenz (HFmax) bemerkbar. So können zwei gleichaltrige und gleich gut ausdauertrainierte Athleten völlig unterschiedliche HFmax-Werte aufweisen. Dies führt vor allem dann zu Problemen, wenn man sich einschlägiger Formeln (in der Literatur in zahlloser Form vorhanden) zur Berechnung der HFmax bedient, die auf statistischen Mittelwerten aufbauen. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ein 20 jähriger Laufanfänger möchte mit der Formel: 220-Lebensalter, die er in einer Zeitschrift entdeckt hat, seine HFmax berechnen (=200). Tatsächlich liegt diese jedoch bei 180. Wenn er nun mit 80% der berechneten HFmax trainiert (160 Schläge) bedeutet dies eine tatsächliche Belastungsintensität von fast 90% seiner HFmax. Die Anwendung solcher Formeln ist deshalb mit Vorsicht zu genießen und kann nur als grobe Richtlinie gesehen werden. Trotzdem soll ein kurzer Überblick über die verbreitetsten Formeln gegeben werden:

Formel für HFmax-Berechnung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(KARVONEN et al 1957, S. 307, modifiziert nach BUSKIES & BOECKH-BEHRENS, 2004)

Will man sich jedoch nicht auf grobe Schätzwerte verlassen, so ist es unabdingbar die individuelle HFmax durch einen Ausbelastungstest zu ermitteln (BÄRTSCH, 2004).

Hinsichtlich der Intensitätssteuerung über die HFmax bedient sich die Literatur prozentualer Abstufungen derselben, um bestimmte Trainingsherzfrequenzen zu ermitteln. Dabei lassen sich sowohl unterschiedliche Bezeichnungen als auch differierende prozentuale Abgrenzungen der einzelnen Intensitätsbereiche finden. Meist wird jedoch versucht, den einzelnen Bereichen Trainingsziele (z.B. Regenerationstraining) und Stoffwechselvorgänge (aerob, anaerob etc) zuzuordnen. Für den fitness- und gesundheitssportlichen Bereich empfiehlt sich eine Abstufung nach Trainingszielen, wie sie beispielsweise bei HOTTENROTT & ZÜLCH (2004) zu finden ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Intensitätsstufen prozentualer HFmax-Werte eingeteilt nach Trainingszielen; in Anlehnung an HOTTENROTT & ZÜLCH (2004)

Man sollte sich jedoch nicht nur an einer starren Herzfrequenzvorgabe orientieren. Wie bereits erwähnt, ist die Herzfrequenz von mehreren Einflussfaktoren abhängig und kann dementsprechend variieren. Daher ist es ratsam die Trainigsherzfrequenz gegebenen Umständen (z.B. Tagesform, Umweltbedingungen) anzupassen. Aus diesem Grund bietet sich eine Kopplung der Herzfrequenz mit anderen Steuerungsgrößen an (BUSKIES & BOECKH-BEHRENS, 2004). Hierfür besonders geeignet ist das subjektive Belastungsempfinden, auf das im Folgenden näher eingegangen wird.

2.3 Subjektives Belastungsempfinden

Neben den schon dargestellten objektiven Parametern zur Intensitätssteuerung Laktat und Herzfrequenz, stellt das subjektive Belastungsempfinden eine zuverlässige Größe zur subjektiven Steuerung der Belastungsintensität dar (BORG, 2004). Ursprünglich vorgesehen für den Einsatz im klinischen Bereich, wurde diese Art der Belastungssteuerung anschließend auch in der Trainingssteuerung eingesetzt (WEITL, 1999).

Das subjektive Belastungsempfinden bzw. Anstrengungsempfinden wird nach LÖLLGEN (2004) definiert als „…das subjektive Empfinden einer Versuchsperson oder eines Patienten darüber, wie schwer und anstrengend eine vorgegebene Leistung ist“. Es wird durch vielfältige Faktoren beeinflusst. In der Literatur unterscheidet man dabei lokale und zentrale Auslöser, deren Signale integriert und individuell gewichtet werden. Daraus resultiert im Sinne einer Gesamtwahrnehmung die subjektiv empfundene Belastung (WANNER, 1985).

Zu den lokalen Auslösern zählen metabolische und neurophysiologische Größen, wie z.B. der Laktatgehalt im Blut, die Empfindlichkeit der Muskelspindeln und der Säure-Basen-Haushalt (REIM, 2001). Diese dürften vor allem bei der Beanspruchung kleinerer Muskelgruppen, sowie bei Kurzzeitbelastungen für die subjektiv empfundene Belastung maßgeblich sein (WANNER, 1985).

Die zentralen Faktoren sind ventilatorische Größen wie Herzfrequenz, Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe (REIM, 2001).

Je nach Art und Dauer der Belastung variiert der Einfluss der genannten Faktoren. Diese wirken nicht getrennt auf die subjektiv empfundene Anstrengung ein, sondern bedingen sich gegenseitig. So dominieren die lokalen Auslöser meist zu Beginn der Belastung (Anstieg der Laktatkonzentration). Mit zunehmender Dauer und Intensität treten dann eher die zentralen Faktoren in den Vordergrund, die durch die zunehmende Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung, die Abnahme des Glykogengehalts in der Muskulatur, sowie durch die Temperaturregulation, ausgelöst werden. (WANNER, 1985)

Weitere Einflussfaktoren des subjektiven Belastungsempfindens sind neben Trainingszustand und Umweltbedingungen (z.B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Höhe, Lärm, Schadstoffe in der Luft etc.) auch Medikamenteneinnahme und Ernährung (REIM, 2001; BORG, 2004; WEITL, 1999). Uneinigkeit besteht jedoch hinsichtlich des Einflusses von Geschlecht, Alter und Tageszeit. Auch ist der Einfluss von psychologischen und sozialen Faktoren, der jedoch angenommen wird, noch nicht ausreichend belegt (WEITL, 1999). Jedoch konnte der Einfluss hinsichtlich der Art der ausgeübten Belastung nachgewiesen werden: bei gegebenem subjektivem Belastungsempfinden kommt es bei verschiedenen Ausdauerbeanspruchungen zu differierenden objektiven Belastungen (Laktatwerte, Herzfrequenzen) (BUSKIES, 2001). Deshalb empfiehlt es sich, unterschiedliche Vorgaben bezüglich des subjektiven Belastungsempfindens für unterschiedliche Belastungsformen zu geben. So schlagen BUSKIES et al. (1997) ein subjektives Belastungsempfinden „mittel“ für ein Fahrradergometertraining und ein subjektives Belastungsempfinden „leicht bis mittel“ beim Laufen vor (BUSKIES 1998).

Um ein bestimmtes subjektives Anstrengungsempfinden messbar zu machen benötigt man Beurteilungsskalen, anhand derer die momentan gefühlte Beanspruchung eingeordnet werden kann. Den Anfang machte BORG in den 60er Jahren mit einer in 21 Klassen eingeteilten Schätzskala. Diese wurde jedoch später aufgrund fehlender linearer Beziehungen zu Leistung und Herzfrequenz von BORG selbst modifiziert. Durch die neu entstandene 15-stufige Skala (vgl. Tabelle 2) war ein linearer Bezug hergestellt. So konnte durch die Multiplizierung des jeweiligen Skalen-Wertes mit 10, näherungsweise auf die entsprechende Herzfrequenz geschlossen werden (BORG, 2004).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Borg-Skala; in Anlehnung an BORG (2004)

Die BORG-Skala, oder auch RPE („Rate of Perceived Exertion“)-Skala findet vor Allem im englischsprachigen Bereich Anwendung und gilt dort als Standardgröße zur Intensitätssteuerung in der Ergometrie (FROELICHER & MYERS, 2000; O’CONNOR & WILDER, 2001, zitiert nach LÖLLGEN & ULMER, 2004).

Im Vergleich dazu findet das subjektive Belastungsempfinden in Deutschland bisher recht wenig Beachtung (LÖLLGEN & ULMER, 2004). Den Anfang machte WANNER (1985) mit einer im Vergleich zu BORG eher groben 5-stufigen Skala (vgl. Abbildung 3). Jedoch waren auch subjektive Einstufungen zwischen den einzelnen Werten möglich, so dass am Ende die Empfindungs-Skala auf neun Werte erweitert wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.3: Wanner-Skala; in Anlehnung an WANNER (1985)

WANNER (1985) untersuchte unter anderem ob das subjektive Belastungsempfinden mit den objektiven Parametern der Intensitätssteuerung Herzfrequenz, Laktatanstieg, maximaler Sauerstoffaufnahme und Leistung korreliert, was auch nachgewiesen werden konnte.

Die WANNER-Skala konnte sich jedoch in der Praxis, vermutlich wegen ihrer eher groben fünf-stufigen Einteilung, nicht durchsetzen (REIM, 2001). Die BORG-Skala ist aufgrund ihrer 15-stufigen Unterteilung eher als unübersichtlich zu bezeichnen. Trotz ihrer validen Anwendung in der Praxis ist davon auszugehen, dass vor allem Sportneueinsteiger mit einer so detaillierten Skala überfordert werden. Auch ihr proklamierter Vorteil, auf exakte Trainingsherzfrequenzen zu schließen, lässt sich aufgrund der schon dargestellten (Kapitel 2.2) interinidviduellen Streubreite bei der Herzfrequenz, in Frage stellen.

Nicht zuletzt deshalb entwickelten BUSKIES & BOECKH-BEHRENS Ende der 90er Jahre eine 7-stufige RPE-Skala (vgl. Tabelle 4), die einerseits differenziert genug ist, unterschiedliche Trainingsbereiche anzusteuern und andererseits auch noch überschaubar bleibt (REIM, 2001). Aus diesem Grund eignet sich diese Skala vor Allem für die Anwendung im Freizeit- und Gesundheitssport, da sie auch von Sportlern mit noch wenig geschulter Körperwahrnehmung sinnvoll eingesetzt werden kann (REIM, 2001). Diese RPE-Skala fand auch in der vorliegenden Untersuchung Anwendung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 4: Skala nach Buskies & Boeckh-Behrens; in Anlehnung an BUSKIES & BOECKH-BEHRENS (2000)

Bezüglich der Dosierung der Belastungsintensität während eines Ausdauertrainings herrscht weitgehend Einigkeit. So empfiehlt BORG (2004) eine „recht leichte bis etwas anstrengende“ Belastung, WANNER (1985) schlägt eine subjektive Einschätzung von „mittel“ vor und BUSKIES & BOECKH-BEHRENS (2000) plädieren für eine „leichte bis mittlere“ Belastung.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das subjektive Belastungsempfinden nicht nur aufgrund seiner einfachen Anwendbarkeit ein valides Mittel zur Belastungssteuerung im Ausdauertraining darstellt. Es ist nicht nur zu jeder Zeit während des Trainings verfügbar, sondern kommt auch ohne Messgeräte aus, was vor Allem für die Anwendung im Breiten- und Freizeitsport spricht. Auch können Überlastungen durch Ermüdung, Krankheit und schlechte Tagesform durch die Anwendung des subjektiven Belastungsempfindens vermieden werden. Diese funktioniert umso besser, je zuverlässiger die eigene Körperwahrnehmung und reale Selbstdarstellung ist (BUSKIES & BOECKH-BEHRENS, 2004). Deshalb empfiehlt sich für die ersten Anwendungen eine Kopplung mit objektiven Steuergrößen wie z. B. der Herzfrequenz, um ein Gefühl für empfundene Belastungen zu bekommen (WEITL, 1999).

Außerdem stellt das subjektive Belastungsempfinden aufgrund seiner Einbeziehung der unterschiedlichsten Einflussfaktoren wie z.B. Gesundheits- und Trainingszustand, Umweltbedingungen und Tagesform, einen sehr sensiblen Gradmesser dar, der laut BORG (1982) immer als Ergänzung zu den physiologischen Messgrößen verwendet werden sollte.

2.4 Weitere Parameter zur Steuerung der Belastungsintensität

Der Vollständigkeit halber werden im Folgenden noch weitere Parameter zur Intensitätssteuerung aufgeführt, die jedoch in dieser Arbeit keine Anwendung finden und deshalb auch nicht näher erläutert werden.

Maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max)

Die Sauerstoffaufnahme kann mittels eines Spirometers gemessen werden und stellt ein direktes Maß für den aeroben Energieumsatz dar (DE MARÉES, 2002). Über die Messung des Sauerstoffgehaltes und der Menge der ausgeatmeten Luft kann die VO2max berechnet werden. Diese gibt an, wie viel Milliliter Sauerstoff der Körper im Zustand der Ausbelastung maximal pro Minute verwerten kann. Somit ist die VO2max geeignet, Rückschlüsse auf die Ausdauerleistungsfähigkeit zu ziehen. (WIKIPEDIA)

Atmung

Eine weitere Möglichkeit zur Steuerung der Belastungsintensität ergibt sich über die Atmung, da sie in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Herzkreislaufsystem und der VO2max, steht (ZINTL & EISENHUT, 2004).

BUSKIES (2001) empfiehlt hierbei eine Kopplung der Atmung mit dem Schrittrhythmus. So hat sich, ein 4-Schritt-Atemrhythmus für leistungsschwächere und ältere Personen und ein 3-Schritt-Atemrhythmus für trainierte und jüngere Personen, bewährt. Die Ein- bzw. Ausatmung erfolgt auf die angegebene Schrittzahl.

Auch die Nasenatmung, bei der ein Einatmen durch die Nase und das Ausatmen durch den Mund erfolgt, eignet sich insbesondere zur Belastungssteuerung im leichteren Intensitätsbereich (BUSKIES, 2001).

Merksätze

Eine sehr einfache Methode der Belastungssteuerung stellen Merksätze dar. Mottos wie: „Laufen ohne Schnaufen“, „sich wohlfühlen“ oder „sich beim Laufen jederzeit noch unterhalten können“ eignen sich laut BUSKIES & BOECKH-BEHRENS (2000) auch als gute Kriterien für eine wünschenswerte Belastungsdosierung.

Weitere metabolische Messgrößen

Folgende Parameter finden aufgrund ihrer invasiven Erfassung vor allem im Bereich der Leistungsdiagnostik Anwendung. So werden zur Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit auch noch folgende metabolische Parameter herangezogen: Serumharnstoff, Kreatinkinase, Ammoniak, Hämatokrit, Hämoglobin, Glukose und Mineralien.

2.5 Zusammenfassung

Die Steuerung der Belastungsintensität kann auf verschiedenste Art und Weise erfolgen. Eine Intensitätssteuerung anhand ermittelter Laktatkonzentrationen erweist sich höchstenfalls für die Anwendung in der leistungssportlichen Trainingsdiagnose als angemessen. Für den Fitness- und Gesundheitssport ist diese Methode nicht zuletzt aus Kostengründen und einer invasiven Notwendigkeit wenig geeignet. In diesem Bereich bietet sich zum einen eine Steuerung der Belastungsintensität über die Herzfrequenz an, da diese kostengünstig erfasst und aufgrund ihrer linearen Beziehung zur Belastung, eine Intensitätsdosierung ermöglicht. Zum anderen stellt das subjektive Belastungsempfinden (an sich und auch als Ergänzung zu anderen objektiven Steuerungsgrößen wie der Herzfrequenz) eine praktikable und valide Alternative zu den genannten Steuerungsgrößen dar, weil es jederzeit und ohne notwendige Messungen abrufbereit ist und alle körperlichen- und umweltbedingten Einflüsse mit einbezieht. Vor allem für Personen, denen wegen gesundheitlicher Probleme von einem Ausbelastungstest abgeraten wird, bietet die Anwendung des subjektiven Belastungsempfindens eine hervorragende Steuerungsmethode.

3. Fragestellung

3.1 Allgemeine Fragestellung

Ziel dieser Arbeit ist es, Trainingsempfehlungen für ein moderates, mittleres und intensives Ausdauertraining zu entwickeln. Da diese Empfehlungen hauptsächlich für den Breiten- und Gesundheitssportler gedacht sind, richtet sich der Schwerpunkt auch auf diese Steuerungsgrößen, die von genannten Personen auch unproblematisch herangezogen werden können. Eine Steuerung über die jeweiligen Laktatwerte wäre für diese Zielgruppe zu aufwändig und auch zu kostspielig. Aus diesem Grund liegt das Hauptaugenmerk auf den Steuerungen der Belastungsintensität über das subjektive Belastungsempfinden und über die Herzfrequenz, ausgehend von der maximalen Herzfrequenz. Somit ergeben sich folgende allgemeine Fragestellungen:

- Führt die Steuerung der Belastungsintensität über Prozentangaben der maximalen Herzfrequenz zu einer individuell adäquaten Trainingsintensität?
- Ist es möglich anhand des subjektiven Belastungsempfindens, den jeweiligen prozentualen Bereich der HFmax zu bestimmen?
- Können konkrete Trainingsvorgaben für ein moderates, mittleres und intensives Ausdauertraining angegeben werden?

3.2 Spezielle Fragestellungen

Da die HFmax sehr große interindividuelle Unterschiede aufweisen kann, wurde von der Ermittlung durch einschlägige Formeln Abstand genommen und die HFmax jeweils individuell ermittelt. Anschließend wurden die jeweiligen Beanspruchungen bei den Steuerungsvorgaben 80%, 85% und 90% der HFmax anhand der Parameter Laktat, Geschwindigkeit und insbesondere des subjektiven Belastungsempfindens überprüft. Daraus lassen sich folgende spezielle Fragestellungen ableiten:

[...]

Details

Seiten
104
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638678704
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73645
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Institut für Sportwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Steuerung Belastungsintensität Ausdauertraining Männern Laufband Herzfrequenz- Berücksichtigung Belastungsempfindens

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Titel: Steuerung der Belastungsintensität im Ausdauertraining bei Männern auf dem Laufband