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Die Simpsons, eine Kultserie - verständlich für Kinder?

Examensarbeit 2000 80 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Medienerziehung und Unterhaltung für Kinder
2.1 Das Medium Fernsehen

3 Die Story der Simpsons
3.1 Die Simpsons – Inhalt und Handlung
3.2 Die Charaktere
3.3 Die Sozialkritik der Serie

4 Die Unterrichtseinheit
4.1 Das Vorgehen- Methodik und Didaktik
4.2 Die Schulklasse
4.3 Der Inhalt der Vorführfolgen
4.4 Die Befragung der Schüler und Auswertung des Interviews

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Die Befragung der Schüler (Originalabschrift)

Phase I (allgemeiner Fragenteil)

Phase II (Fragen zu den Charakteren)

Phase III (Fragen zur Sozialkritik in den Vorführfolgen)

Katalogisierung der Simpsons-Folgen

Bilderverzeichnis

Bild 1: Matt Groening

Bild 2: Die frühen Jahre der Simpsons

Bild 3: Die wichtigsten Dinge im Leben des Homer Simpson
sind Donuts, ein Sixpack Duff-Bier und sein Sofa.

Bild 4: Für Homer sind die Schwestern Patty & Selma
Bouvier das grausamste, was der Welt jemals widerfahren ist.

Bild 5: Marge Simpson „die Seele und der Anker“ der Familie.

Bild 6: Lisa Simpson bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Saxophon spielen

Bild 7: Ohne Fernseher findet Maggie Simpson das Leben nicht lebenswert.

Bild 8: Bart Simpson ist zu jeder Schandtat bereit

BILD 9: ABRAHAM J. "abe" simpson in seiner Alltagskleidung

Bild 10: Die Stadt Springfield im Staat Illinois

Bild 11: Das Haus der Simpsons

1 Einleitung

In der folgenden Arbeit sollen das Leben der „Simpsons“ und die Sozialkritik in ihren Folgen vorgestellt werden. Dabei möchte ich mich nicht nur auf theoretische Angaben beschränken, sondern sie auch in der Praxis belegen. Zuerst soll das Familienbild der Simpsons und die einzelnen Charaktere vorgestellt werden. Im weiteren Verlauf werden die sozialkritischen Aspekte beschrieben und erklärt. Für den praktischen Teil in der Schule habe ich als Zielgruppe eine dritte Schulklasse ausgewählt, um herauszufinden, wie sie die Serie verstehen. Da einige Kinder Schwierigkeiten haben sich schriftlich auszudrücken, werde ich sie mit Hilfe eines Fragebogens mündlich interviewen. Ein wesentlicher Schwerpunkt soll die Analyse der Wirkung der überzeichneten Darstellung und des Zynismus in den Episoden werden. Dabei gilt es herauszufinden, ob die Schüler sich mit dem Leben der Familie identifizieren können und wollen oder ob sie überhaupt keinen Bezug zu ihnen entwickeln. Durch die Äusserungen der Kinder wird es möglich sein die Serie aus verschiedenen Perspektiven kennenzulernen. Vielleicht können wir „den Simpsons“ auch eine Funktion, ähnlich wie dem Märchen, nachweisen. Denn alle Folgen sind in sich abgeschlossen und bauen nicht aufeinander auf, doch sie besitzen alle erzieherische und belehrende Hintergedanken.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da ich die Fernsehserie selbst sehr gerne sehe und in ihren Themen immer wieder Inhalte gefunden habe, die Kinder meiner Meinung nach, noch gar nicht verstehen und nachvollziehen können. Aus diesem Grund möchte ich zum einen herausfinden unter welchem Gesichtspunkten die Kinder fernsehen, zum anderen aber auch einen Beitrag leisten, die Vorurteile gegenüber dem “Bildschirm” aufzulockern. Häufig nehmen Kinder das Gesehene mit in den Schulalltag, bekommen aber nicht die Gelegenheit, sich dort in der grossen Gruppe und mit dem Lehrkörper auszutauschen. Diese Arbeit soll keine empirische Auswertung sein, sondern helfen, dass Fernsehen und seine Sendungen als Medium in der Schule zu akzeptieren. Richtig eingesetzt, kann es meiner Meinung nach, den Schülern etwas zu vermitteln. Früher hatte der Bildschirm noch eine geringere Bedeutung, doch die Zeiten haben sich geändert und gerade im heutigen Leben ist Fernsehen alltäglich und nimmt einen wesentlichen Platz im Leben der Schüler ein. Auch die Schule kann sich davor nicht verschliessen, sondern sollte im Gegenzug den Kinder behilflich sein beim richtigen Umgang.

Die Unterrichtseinheit in der Schule soll das Fernsehen in der Praxis vorstellen und den Kindern helfen das Gesehene gemeinsam mit Erwachsenen und Mitschülern zu verarbeiten. Die Untersuchung wird zum einen belegen, dass „die Simpsons“ eine „Kultserie“ für Kinder ist und uns zum anderen das Verständnis der Kinder aufzeigen. Das brisante Thema der Sozialkritik, die der Autor hintergründig anspricht wird dabei aus der Sicht der Kinder erklärt werden, doch auch ohne das Verständnis für die Ironie des Autors, schalten viele täglich den Fernseher an.

2 Medienerziehung und Unterhaltung für Kinder

Kinder gestalten ihre Freizeit heute anders als früher. Ein wesentlicher Grund dafür ist das Fernsehen. Dieses Medium ist für sie leicht zugänglich und jederzeit nutzbar, da es in jedem Haushalt zu finden ist. Die Programme sind vielfältig und werden rund um die Uhr gesendet.

2.1 Das Medium Fernsehen

Das Fernsehen nimmt im heutigen gesellschaftlichen Leben eine ganz besondere Stellung ein und es ist nicht mehr wegzudenken. Die beiden Autoren Wolfgang Gernert und Günter Beaugrand haben sich viel mit diesem Thema beschäftigt und beschreiben das Fernsehen in ihrem Buch mit dem Titel „Fernsehen und Familie als gesellschaftliches Problem“ folgendermassen. “Hatte in den siebziger Jahren jeder Haushalt gerade mal einen Fernseher, so sind sie heute auch schon in Schlaf- und Kinderzimmern zu finden. Fernsehen stellt eine der wesentlichsten Familiengemeinsamkeiten dar. Der Fernsehkonsum findet meistens nicht geplant, sondern weitgehend ungeplant aus Mangel anderer erkannter oder vorhandener Möglichkeiten statt“ [Gernert/Beaugrand 78; S. 10-40].

Aus diesem Grund, so schreiben sie weiter, muss sich Fernsehen nicht positiven, sondern auch vielen negativen Argumenten stellen. „Fernsehen ist allgegenwärtig und stellt die Welt optisch, akustisch in willkürlichen Ausschnitten dar“[Gernert/Beaugrand 78; S. 10-40]. In diesem Zusammenhang unterstellen sie dem Zuschauer, er sei diesem allmächtigem Medium ausgesetzt und somit für jede gesellschaftliche Weiterentwicklung blockiert. Das Fernsehen herrsche wie ein Tyrann über das Bewusstsein. Kultur würde als Ware angeboten und dem Zuschauer somit der Dauerkonsum ermöglicht. Auf lange Sicht träge dieser Umstand zur allgemeinen Verdummung bei, denn der deutsche Fernsehkonsument, der wochentags 115 Minuten und am Wochenende 149 Minuten vor dem Bildschirm sässe, neige mehr und mehr dazu, sich anzupassen. Genert und Beaugrant stellen sich das Fernsehen wie eine Firma vor, die verkaufen will. Wie Waren werden Meinungen, die bei Bedarf auch manipulierbar sind, produziert und abgesetzt. Es bindet sehr stark ein, dem Zuschauer ist es nur begrenzt möglich sich anderweitig zu beschäftigen. Es hat dadurch grossen Einfluss auf die Freizeitgestaltung von mehreren Gruppen oder von Einzelnen. Der Zuschauer wird zeitlich festgelegt, denn die Programmgestalter bestimmen den Ablauf.

Genert und Beaugrant schrieben ihr Buch 1978 und seit dieser Zeit hat sich in der Erforschung der Medienpädagogik einiges getan. Anhand ihrer oben aufgeführten Fakten versuchen sie Gefahren aufzuzeigen und jeden anzuregen mit mehr Bewusstsein fernzusehen. In vielen Punkten kann ich ihre Äusserungen teilen und ihre Meinung herrscht auch heute noch in einigen Köpfen vor, doch sollte man dem Zuschauer keine Unmündigkeit bescheinigen und ihn auf einen “willenlosen Konsumenten” reduzieren. Erwachsene sind durchaus in der Lage gute Sendungen von Schlechten zu unterscheiden und dem Fernsehen eine gewisse Distanz entgegenzubringen. Bei Jugendlichen und Kindern unterstütze ich die Argumente, denn ihnen muss das selektierte Fernsehen erst noch vermittelt werden. Nicht umsonst fordern der Jugendschutz und auch viele Medienpädagogen deshalb,

- dass Eltern und auch Kinder den Umgang mit dieser „neuen“ Kommunikationsform erst erlernen und somit Gelegenheiten dafür schaffen müssen. Hilfreich können dabei Elternabende in den Schulen oder Seminare sein, die Medienpädagogik und auch Fernseherziehung behandeln.

In den Lehrplänen muss die Massenkommunikation thematisiert werden, dabei ist es egal in welcher Schulstufe damit begonnen wird.

- dass Familien sich die Zeit nehmen müssen sich über die ausführlichen Programme zu informieren. Denn gerade Kinder verarbeiten das gezeigte Programm anders als Erwachsene und so können sie Horror und Gewaltszenen, die sie nicht kennen oder einordnen können, ängstigen. Programmzeitschriften können behilflich sein, indem sie zu jeder Sendung einen Kommentar schreiben und nicht nur zum „Tip des Tages“. Auch die Tageszeitungen dürfen das Fernsehen nicht ignorieren, sondern sollen vielmehr den Fernsehanstalten behilflich sein ihre Programminformationen zu verbessern.
- dass ein hochwertiges, aber auch ein familienfreundliches Programm vor 21 Uhr ausgestrahlt werden muss, mittlerweile wird das schon von einigen Sendern berücksichtigt und sie haben Kinderkanäle ins Leben gerufen. Jedoch muss dabei auch darauf geachtet werden, dass die Anstalten nicht ausschliesslich auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, die das Programm zu einseitig gestalten könnten. Fernseh- und Rundfunkanstalten müssen ferner medienpädagogische Angebote herstellen und auch nutzen.

Bewusstes Fernsehen und ein gewissenhafter Umgang mit diesem Medium bieten dem Zuschauer sehr gute und vielleicht auch lehrreiche Erfahrungen. Denn ich sehe beim Fernsehen auch positive Seiten, gerade bei den aktuellen Nachrichten ist das festzustellen. Geschehnisse werden live übertragen und für den Zuschauer fallen somit das Ereignis, der Bericht, die Veröffentlichung und die Aufnahme zusammen. Durch das kleine Bild hat das Fernsehen zwar nicht so eine intensive Wirkung, wie das Kino, aber ist es für jeden leicht zugänglich, ohne grosse Kenntnisse zu benutzen und jederzeit verfügbar. Sendungen, wie das Schulfernsehen vermitteln in spielerischer Art und Weise viel Lehrreiches und den Kindern wird das Wissen nicht aufgezwungen. Da die meisten Sendungen zu Hause gesehen werden ist der Zuschauer gelöster. Dabei sind folgende Wirkungen des Fernsehens einzuordnen:

1. Fernsehen kann menschliches Verhalten ändern (z.B. Dauerkonsum, unkommunikatives Verhalten).
2. Die Freizeit kann umstrukturiert werden (kein Interesse an Hobbys).
3. Fernsehen kann Wissen erweitern, Einstellungen schaffen und verändern.
4. Fernsehen ruft im Gefühlsbereich sowohl positive, als auch negative Reaktionen hervor (Trauer und Komik).
5. Fernsehen kann die Gesellschaft als Ganzes beeinflussen.

Diese angesprochenen Punkte zeigen uns sicherlich, dass wir noch längst nicht alles zum Thema Fernsehen wissen, da sich die Sozialforscher erst sehr spät damit beschäftigt haben. Der Bildschirm ist zwar nur eines der vielen Medien (Hörfunk, Zeitung, Zeitschriften, Plakate, Kassettenrecorder oder Buch) aus der sich der Konsument seine meinungsbildenden Informationen zieht, doch gilt er aber immer noch als das Medium schlechthin. Viele Eltern oder auch Pädagogen versuchen aufgrund dieser Tatsache schlechte Leistungen eines Schülers häufig mit dem zu hohen Fernsehgenuss zu begründen. Diese Erklärung mag einerseits sehr plausibel sein, doch lässt sich dieses in den meisten Fällen nicht belegen. Meiner Meinung nach ist Fernsehen weder Sündenbock für soziales und pädagogisches Fehlverhalten, noch kann dieses Medium als letzte Rettung bei erzieherischen Fragen eingesetzt werden. Im Gegenteil die Medienpädagogik soll „jeden aus der passiven Konsumentenrolle herausführen und dazu ermutigen, die Inhalte und Formen, Wirkungen und Begrenzungen des Fernsehens zu entschlüsseln“ [Karl Heinz Pfeiffer 75; S. 15-20].

Für unsere Fernsehserie „Die Simpsons“ lassen sich medienpädagogische Massnahmen auf den ersten Blick nicht erkennen, denn sie ist vordergründig nur lustig, dennoch vermittelt sie dem Zuschauer Erlebnisse aus dem Leben der Familie. In diesem Zusammenhang „berieselt“ es nicht nur, sondern lässt pädagogische Merkmale erkennen. Ob nun positive oder negative, der Zuschauer gerät in die Verlegenheit die Erfahrungen der Fernsehfamilie mit seinen eigenen zu vergleichen oder noch nicht gemachte Erfahrungen kennenzulernen. Durch die Auseinandersetzung des Zusehers mit dem gezeigten Programm, wird der Bildschirm zum Medium, das etwas vermitteln kann.

3 Die Story der Simpsons

Die Simpsons, eine US - amerikanische Zeichentrickserie, sind über Nacht berühmt geworden. Aus einem anfänglichen „Pausenfüller“ in der Tracy Ullman Show entwickelte sich eine internationale Kultserie. Besonders in den USA ist ihr Bekanntheitsgrad sehr gross und ruft bei den Zuschauern starke Emotionen hervor. Ein typisches Kennzeichen für die Serie ist das Aufgreifen aktueller Themen aus Politik und Gesellschaft. Durch eine stark überzeichnete, zynische und bissige Darstellung des „American Way of Life“ denkt jeder Amerikaner beim Zuschauen schmunzelnd an sein eigenes Leben.

3.1 Die Simpsons – Inhalt und Handlung

Der Autor Matt Groening geboren am 15. Februar 1954 in Portland / OR wollte schon von Anfang an Schriftsteller oder Zeichner werden und so studierte er Journalismus, Philosophie, Film und Popkultur am Evergreen College in Olympia/Washington.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Studium beendete er vorzeitig und so kam er 1977 mit 23 Jahren ohne Abschluss nach Los Angeles. Dort brach, wie er selbst sagte, „die schwerste Zeit“ seines Lebens an. Er arbeitete als Verkaufsfahrer und Gelegenheitsarbeiter in einem Copy-Shop. In seiner Freizeit schrieb er Artikel für eine Alternativzeitschrift. Da diese aber vor der Veröffentlichung ständig zusammengekürzt wurden, konzentrierte er sich auf Cartoons. Der Erfolg blieb lange Zeit aus, doch mit der Cartoonreihe „Leben in der Hölle“ wurden die Menschen auf ihn aufmerksam. Den grossen Durchbruch brachten ihm aber „Die Simpsons“, denn er hatte die richtige Idee zur richtigen Zeit und das Glück einen Produzenten zu finden. Groening konnte plötzlich tun, wofür er in der Schule immer bestraft wurde: “Tagträumen und Figuren aufs Papier kritzeln“. Am Anfang fühlte er sich wie ein Gott, denn er erschuf Menschen, die er sagen und machen lassen konnte, was er wollte. In Anlehnung an sein eigenes Leben benannte er die Hauptfiguren nach seinen Eltern, nämlich Homer und Marjorie (genannt Marge). Auch die Tochter Maggie Simpson wurde nach seiner Mutter benannt. Nach einigen Folgen fällt dem „Simpsonfan“ sehr bald auf, dass die meisten Charaktere Linkshänder sind, denn auch Groening ist einer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die „gelben Springfieldbewohner“ waren zunächst nur als „Pausenfüller“ in der „Tracy Ullman- Show“ zu sehen. 1990 gingen sie in Serie. Heute hat Groening nur noch wenig mit der Produktion der neuesten Folgen zu tun, da er seit drei Jahren an einer neuen animierten Serie mit Namen „Futurama“ arbeitet. Im Januar 1999 wird die Serie, die im Jahre 2999 spielt, auf FOX Premiere erstmalig zu sehen sein. „Die Simpsons“ bleiben dennoch „sein Kind“, auch wenn die Episoden ab 1999 nicht mehr unter seiner Schirmherrschaft stehen, sondern von Mike Scully übernommen werden, der schon seit Jahren Executive Producer und Chefautor ist. Der Erfolg hat seit Bestehen der Serie kaum nachgelassen und so bestand für den Autor kein Anlass an dem Erfolgsrezept etwas zu ändern. „Die Simpsons“ sind ein Symbol und in jeder Folge verdeutlicht Groening aufs Neue ihre Lebenseinstellung. Sie versuchen eine glückliche Familie zu sein, müssen dabei aber immer wieder feststellen, wie schwierig jedes Familienleben ist. Sie machen sich das Leben im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle. Sie hassen und quälen sich und sind voller Neid und Gier, trotzdem lieben sie sich. Begonnen hat die Serie „The Simpsons“ als Kurzfilmreihe innerhalb der Tracey Ullman Show am 19. April 1987 in den USA. Seit dem 17. Dezember 1989 laufen die Simpsons auf Fox Network in ihrer jetzigen, halbstündigen Version zur Prime-Time um 20.00 Uhr. Laut Produzent und Regisseur David Silverman dauerte die Produktion der Simpsons-Kurzfilme für die Tracey Ullman Show etwa vier Wochen. Heute benötigt die Produktion einer Episode etwa sechs Wochen.

Im deutschen Fernsehen werden sie wie folgt übertragen:

1990: 1. und 2. Staffel der Simpsons auf Premiere

1991: 1.-3. Staffel im Vorabendprogramm auf ZDF

1994: Ausstrahlung der 1.-3. Staffel erstmals auf Pro Sieben

1995: Ausstrahlung der 4.-6. Staffel auf Pro Sieben

1996: Ausstrahlung der 7. Staffel auf Pro Sieben

1997: Ausstrahlung der 8. Staffel auf Pro Sieben

1998: Ab 6. Oktober Ausstrahlung der 9. Staffel, beginnend mit der 200. Jubiläumsfolge

Anfang der 90er veröffentlichten Steve und Cindy Vance eine Art Fan-Magazin, das sie „Simpsons Illustrated“ nannten. Ende 1993 taten sie sich mit Matt Groening und Bill Morrison zusammen und gründeten die Bingo Comics Group.

Nach der ersten Veröffentlichung namens „Simpsons Comics and Stories“ folgten weitere vier:

Simpsons Comics

Radioactive Man

Bartman

Itchy & Scratchy Comics

Ende 1994 verliessen Steve und Cindy Vance das Team, dafür stieg der Marvel-Verlag in das Projekt ein. Die Simpsons-Comics werden nach wie vor produziert. Am 6. November 1996 veröffentlichte der Dino-Verlag das erste deutschsprachige Simpson-Comic. Die Comics erscheinen in Deutschland monatlich und enthalten das Material von 1 1/2 amerikanischen Heften.

Auch musikalisch gibt es Diverses von den Simpsons:

The Simpsons sing the Blues

Mit Liedern, gesungen von: Bart, Homer, Lisa, Mr. Burns, inklusive Top Hit „Do the Bartman“

Song in the Key of Springfield

Ist ein grossartiges Soundtrack-Album und als CD erhältlich

Ende 1998 erscheint das Nachfolgealbum unter dem Namen:

Go Simpsonic with the Simpsons: A whole lot more Music from the Hit TV Show

Um sich unter dieser berühmten Familie etwas mehr vorstellen zu können, werden sie im Einzelnen vorgestellt. Sie sind „quittengelb“, haben „Glupschaugen“ und haben nur vier Finger an jeder Hand. Es ist die chaotischste Familie seit es Zeichentrick gibt. Eine Karrikatur des amerikanischen Traums. Die „Bande“ in ihrer Allerweltsstadt Springfield ist so durchschnittlich, dass man sich in ihnen problemlos wiedererkennen kann.

3.2 Die Charaktere

Vielleicht arbeitet nicht jeder wie Homer, das Familienoberhaupt, als Sicherheits-inspektor in einem Kernkraftwerk. Doch das grösste Sandwich zu verspeisen, ist für den 38-jährigen Mann sein Lebenstraum. Die für ihn wichtigsten Dinge im Leben sind Donuts, ein Sixpack Duff-Bier und sein Sofa.

Seine Position als Familienvater überfordert ihn genauso wie sein Arbeitsplatz im Kernkraftwerk. Als Sicherheitsin-spektor des Springfielder Atomkraft-werks soll er den Ablauf im Werk überwachen und Schwierigkeiten sofort melden, statt dessen begeistern ihn die vielen bunten Lichter auf seinem Kontrollpult und ihre Funktionen. Im Laufe der Jahre sind ihm nur noch drei Haare auf dem Kopf geblieben und auch sein dicker Bauch spiegelt seine Ernährung wieder. Nach einem Arbeitstag nimmt er im Kreis seiner Familie die Mahlzeiten zu sich, danach setzt er sich meistens vor den Fernseher oder er besucht seine Freunde in der Kneipe. Hauptsache er muss sich nicht geistig anstrengen. Jeden Donnerstag geht er zum Bowling. Aufgrund seiner Lebensgewohnheiten traut ihm niemand so richtig etwas zu. Mit Alltagsproblemen der Familie, die auch ihn betreffen, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]setzt er sich eher selten auseinander und wenn er es doch einmal versucht, dann ist er verärgert darüber, dass er als Ehemann und Vater immer wieder versagt. Schliesslich bemüht er sich aber mit viel Herz das Beste aus seiner Situation zu machen. Er kümmert sich so gut er kann um seine Kinder und versucht ihnen bei ihren Problemen behilflich zu sein. Gerade in solchen Momenten weiss seine Frau Marge, warum sie ihn geheiratet hat. Es ist ein [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] aussergewöhnliches Ehepaar, denn Marge sticht schon mit ihrem Aussehen aus dem Familienbild hervor. Eine Frau, die mit ihren turmartig, hochgesteckten blauen Haaren sofort auffällt. Ein Geheimnis bleibt in allen Folgen offen, wieviel Haarspray nötig ist, um ihre Frisur in Form zu bringen.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Marge ist die Seele und das Zentrum der Familie. Der Autor Matt Goroening zeigt ihre Position auch schon in ihrem Namen auf. Ihr richtiger Name lautet Majorie, was den Titel „Major = Befehlshaber“ enthält, und genauso ist es auch. Homer glaubt das Familienoberhaupt zu sein, doch eigentlich ist es seine Frau. Ob es finanzielle Probleme sind oder schwierige Situationen, mit ihren 34 Jahren behält sie die Nerven und trifft die richtigen Entscheidungen. Wie ein Anker versucht Marge die ganze Familie zusammenzuhalten, vermittelt Homer dabei aber nicht das Gefühl nutzlos zu sein. Das übernehmen ihre Schwestern Selma & Patty Bouvier, das eineiige Zwillingspärchen. Sie sind beide 40 Jahre alt, doch Patty ist zwei Minuten jünger. Sie ähneln sich sehr und sind nur an bestimmten Merkmalen zu erkennen: Patty trägt eine Halskette mit runden Perlen, Selma hat einen “Mittelscheitel” und trägt “s–förmige” Ohrringe. Beides sind leidenschaftliche “Laramie-Zigaretten-Raucherinnen” und Fans der Fernsehserie “Mac Gyver”. Sie arbeiten in der Führerscheinabteilung der Stadt Springfield. Selma & Patty sehen in Homer nur einen Verlierer und schlechten Ehemann. Sie erinnern Marge ständig daran, was aus ihr hätte werden können, wenn sie nicht ihn, sondern Artie Ziffer geheiratet hätte. Bei aller Abneigung gegenüber Homer stehen sie der Familie aber bei finanziellen Schwierigkeiten stets zur Seite.

Trotz dieser Beleidigungen ihrer Schwestern liebt Marge ihren Homer, verteidigt ihn und hebt seine guten Eigenschaften hervor. Selbst wenn er eine Entscheidung in Familienangelegenheiten trifft und Marge genau weiss, dass es die Falsche ist, lässt sie ihn gewähren und akzeptiert die Folgen. In ihrem Bild des Zusammenlebens entscheidet der Mann wie ein Problem zu beheben ist. Es hat sogar oft den Anschein, dass sie Turbulenzen nur noch ruhiger machen, auch wenn um sie herum ständig alles wie bei einem Erdbeben schwankt. Marge bleibt dabei die Ruhe selbst und schafft es trotzdem ihren Haushalt sauber und ordentlich zu halten. Sie ist ein umgänglicher und verständnisvoller Mensch, ausser Homer vergisst wieder einmal ihren Geburtstag und kauft ihr in letzter Minute noch eine Bowlingkugel zum Geschenk, auf der bereits sein Name eingraviert ist. In solchen Momenten fällt Marge auch keine Entschuldigung mehr ein, die das erklären könnte, zudem Patty & Selma auf diese Gelegenheiten nur warten, um ihr die verkorkste Ehe vorzuhalten.

Nicht nur ihre Schwestern, sondern auch die Kinder fordern Marge stets aufs Neue heraus. Ob nun die Tochter Lisa an ihren feministischen Idealen zu zweifeln beginnt oder Bart etwas angestellt hat, vertritt sie die Meinung, dass Probleme dazu da sind, um bewältigt zu werden. Selbst ihrer Tochter Lisa versucht sie eine gute Mutter zu sein, auch wenn sie ihrem Denken nicht immer folgen kann, denn sie kann Lisa mit ihren Sorgen und Nöten nur schwer verstehen. Obwohl Lisa erst acht Jahre ist, durchlebt sie die ganze Melancholie einer intellektuellen Frau des 20. Jahrhunderts. Sie verfügt über einen Wortschatz, der einem Mädchen ihres Alters nicht entspricht und erbringt in der Schule nur die besten Leistungen. Eine Tochter, wie man sie sich nur wünschen kann, doch mit ihren Ansichten passt sie nicht zu dem Rest der Simpsons. Auf das „proletarische Verhalten“ ihres Vaters schaut sie mit Mitleidigkeit. Seine Art zu Denken kann sie nicht nachvollziehen und überhaupt verhält sich niemand in dieser Familie wie sie. Ihrer Meinung nach ist es auch nicht auszuschliessen, dass sie vielleicht im Krankenhaus vertauscht wurde. Lisa verkörpert den Gegensatz, die jedem in der Familie intellektuell überlegen ist und für ihr Alter ein sehr grosses Allgemeinwissen hat. Im Gegensatz zu ihrem Bruder interessiert sie sich für Bücher und Musik. Am meisten mag sie den Blues. In Momenten, in denen sie sich unverstanden fühlt, zieht sie sich in ihr Zimmer zurück und spielt auf ihrem Saxophon, wie es vor ihr nur der bekannte Blues-Musiker Charlie Parker konnte.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Eine weitere Schwierigkeit ihres Lebens ist der Bruder Bart, der in der Schule nur durch schlechtes Verhalten und schlechte Noten glänzt. Durch ihn ist der Familienname in der Schule verrufen und ihr ist die Verwandtschaft zu ihm eigentlich nur peinlich. Seine Schulbegeisterung beschränkt sich nur darauf Streiche zu spielen oder Musterschüler vor der Klasse bloss zu stellen, alles Eigenschaften, die Lisa nicht verstehen kann. Ihr grösster Wunsch im Leben wäre ein eigenes Pony und sie findet auch, dass ihr ein solches zusteht. Obwohl sie weiss, dass sich die Familie diesen Luxus nie leisten kann, spricht sie dieses Thema trotzdem bei jeder Gelegenheit an.

Wenn es im Hause Simpson noch jemand gibt, der noch schlauer als Lisa sein könnte, dann Maggie. Aber wer weiss schon ganz genau, was in ihrem Kopf vorgeht. Denn Baby Maggie ist mit ihren ein Jahren noch nicht in der Lage überhaupt ein Wort zu Sprechen, statt dessen nuckelt sie nur an ihrem heissgeliebten Schnuller und kriecht durch die Wohnung. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Eine Simpson–Wahrheit hat aber auch Maggie schon verinnerlicht. Ohne den Fernseher ist das Leben keine Minute lebenswert. Auch wenn sie nicht verstehen kann, welche Sendung gerade läuft, so sitzt sie wie der Rest der Familie vor dem Bildschirm.

Das älteste Kind in der Familie ist Bart, der mit seinen zehn Jahren schon feste Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft hat: Sensationsdarsteller oder Verbrecher, Hauptsache „cool“. Vor Bart und seinen Streichen ist niemand sicher. Seine Lehrerin Frau Krabappel und sein Rektor Skinner, die ihn schon seit vier Jahren in der Schule begleiten, bekommen Schweissausbrüche, wenn sie ihn nur sehen. Denn Bart hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen, ist nie um eine Ausrede verlegen und zu jeder „Schandtat“ bereit. Am meisten liebt er seinen Hund Knecht Rupprecht, sein Skateboard, auf dem er viele Kunststücke aufführt, und den Fernsehclown Krusty. Manchmal, obwohl es eher selten vorkommt, kann er aber auch ein kleiner, wenngleich etwas hippeliger, Junge sein und niemand würde von Bart etwas anderes vermuten. Erzählte man diese ganz andere Seite des Bart jemandem aus Springfield, so würde es keiner glauben können. Denn dieser Junge zieht die Streiche förmlich an und ist irgendwo etwas passiert, so war er bestimmt dabei.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Als letztes Familienmitglied ist noch Abraham J. “Abe” Simpson zu nennen. Er ist der Vater von Homer und stammt aus Albany/NY. Im zweiten Weltkrieg war er der Befehlshaber der “fliegenden Höllenfische”, wovon er seinen Enkeln und dem Rest der Familie immer noch erzählt. Für Homer hat er sein Haus verkauft, das er in den fünfziger Jahren in einer Spielshow gewonnen hat, um von dem Geld ein grösseres für die Familie zu kaufen. Natürlich hat er gehofft, dass er im Gegenzug seinen Lebensabend mit den Kindern verbringen könnte, doch Homer sah das anders und brachte ihn im Springfielder Altenheim unter. Darüber ist Abe sehr verärgert und äussert das bei jeder Gelegenheit. Er verzeiht es Homer nicht, dass er ihn abgeschoben hat und traut ihm in schwierigen Momenten nur das Schlechteste zu. Gerade bei finanziellen Sorgen interpretiert er Besuche nur als Vorwand um sich wieder Geld zu leihen. Trotz seines hohen Alters ist sein einziger Trost Besuche in diversen “Nachtclubs” und die Fernsehserie “Matlock”. Die Simpsons kümmern sich nicht viel um “Grandpa”, doch wenn Homer sein Gewissen zu sehr plagt, nötigt er den alten Mann zu Besuchen in Freizeitsparks. “Abe” ist ein sehr schwieriger und launischer Mensch, der es seinen Angehörigen häufig nicht leicht macht.

3.3 Die Sozialkritik der Serie

Die Simpsons sind eine sechsköpfige Familie und werden in der Serie als Einwohner des kleinen, amerikanischen Vorstadtortes Springfield vorgestellt. Diese Stadt gibt es wirklich und sie ist seit 1837 die Hauptstadt des US Staates Illinois, einem der nördlichen Staaten des Mittleren Westens. Springfield liegt direkt am Sangamon River und es leben dort real 105 200 Einwohner.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 10: Die Stadt Springfield im Staat Illinois

Dem Autor ist es durch den realen Bezug Springfield gelungen, dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, dass diese Familie nicht nur in der Fernsehwelt existiert. Nein, alle ihre Schwierigkeiten und Sorgen könnten jedem passieren und sind nicht erfunden. Matt Groening lässt in die Alltagswelt der Figuren auch ein Stück seines eigenen Lebens einfliessen, benennt er doch Marge und die Tochter Maggie nach seiner eigenen Mutter. Darüber hinaus schreiben alle Simpsons mit der linken Hand, denn auch Groening ist Linkshänder.

In jeder Episode lässt der Autor die Simpsons viele Handlungen der Gesellschaft widerspiegeln und kritisiert so das menschliche Verhalten in vielen Bereichen des Lebens. Die sozialkritischen Aspekte dieser Serie lassen sich in acht Gruppen unterteilen: Familie, Erziehung, Schulpolitik, Gewaltverherrlichung, Staat, Gesellschaft, Spielzeugvermarktung und Umwelt. Vergleicht man in verschiedenen Lexikas die Definitionen zu den acht Kritikpunkten mit den Anspielungen des Autors in den Simpsons, so lässt sich sehr schnell feststellen, dass sich sein “Bild” auch auf die heutige Gesellschaft anwenden lässt. Jede Folge ist in-sich abgeschlossen und behandelt immer verschiedene Themen. Sie spiegeln die persönliche Sichtweise und Lebenserfahrung Matt Groenings wider und er animiert den Zuschauer, auf eigenes Verhalten und auch auf die Umwelt zukünftig sensibler zu reagieren. Im folgenden Teil werden diese Thesen anhand von Beispielen belegt und erklärt. Dabei wird zuerst auf die familiäre Situation eingegangen. Das Gesellschaftslexikon definiert die Familie als Gemeinschaft, die sich aus Eltern mit ihren unmündigen Kindern zusammensetzt. “Sie stellt als Gruppe die Grundlage des Lebens in der Gemeinschaft dar und übernimmt die wichtige Aufgabe der Erziehung der Kinder. Da sich die Kinder mit ihren Eltern identifizieren, eignen sie sich gesellschaftliches Rollenverhalten an. Den Kindern werden somit Werte und Normen der sozialen Schicht, der die Eltern angehören, vermittelt” [Drechsler/Hillingen/Neumann, S.287-288]. Darüber hinaus ist auch die räumliche Umgebung prägend.

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Details

Seiten
80
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638146609
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7379
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Medienerziehung
Note
1
Schlagworte
Fernsehen Serien Comics usw.

Autor

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Titel: Die Simpsons, eine Kultserie - verständlich für Kinder?