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Don Bosco – Pionier der Sozialarbeit

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einführung

1 Das Leben des Giovanni Bosco

2 Das Turiner Oratorium

3 Die Salesianer

4 Don Boscos Pädagogik
4.1 Erziehungsziel
4.2 Erziehungsmethode
4.3 Prävention statt Repression
4.4 Vertrauen als Grundlage der Erziehung

5 Erzieht Don Bosco „seine“ Jungen zur Unselbständigkeit?

6 Literatur

Einführung

Im Rahmen der Vorlesung „Personengeschichte der Pädagogik“ habe ich mich eingehend mit dem Heiligen Giovanni Bosco beschäftigt. Nicht nur, dass er der Patron meiner Taufkirche ist, auch gibt es wohl keinen Pädagogen, der in seinem Tun erfolgreicher war als Giovanni Bosco. Er wird nicht umsonst als „genialster Erzieher des 19. Jahrhunderts“ und ein „Meister der Erziehung und Seelenkunde“[1] bezeichnet. Doch warum war dieser Mann in seinem Schaffen so erfolgreich? Wie konnte er die verwahrlosten Jugendlichen wieder auf den rechten Weg bringen? Diesen Fragen soll in der Folgenden Arbeit nachgegangen werden.

Ein weiterer Punkt ist die Aktualität. Man bedenke nur, wie viele Jugendliche und Kinder in der heutigen Zeit ohne Wurzeln sind. Don Boscos Ziel war es „ehrenwerte Bürger und gute Christen“ heranzubilden. In der heutigen Gesellschaft, die nach Perfektion strebt, besteht die Gefahr, dass der Mensch auf der Strecke bleibt. Vor allem Jugendliche, die oft nicht die optimalen Gegebenheiten vorfinden, rücken immer mehr an den Rand unserer Gesellschaft, sei es aus sozialen oder finanziellen Gründen, oder einfach „nur“ auf Grund einer Behinderung. Ihre erbrachten Leistungen und kleinen Erfolge werden oft nicht anerkannt, obwohl sie vielleicht mehr Wert sind, als die zahlreichen guten Schulnoten eines Jugendlichen, der die optimalsten Bedingungen vorfindet.

Gerade Don Bosco hat die Hilfe für diese Jugend in den Mittelpunkt gestellt. Hilfe für Jugendliche in Not zu geben, heißt materiellen sowie seelischen Benachteiligungen entgegenzuwirken. Grundlage für dieses Engagement ist der hohe Wert des Menschen, der in der christlichen Sicht seine Wurzeln hat. So ist der Erziehungsprozess ein Weg der Begleitung, der junge Menschen hin zu einer reifen Persönlichkeit führt und so eine tragfähige Lebensperspektive entwickeln kann.

Das Leben des Giovanni Bosco

Am 16. August 1815 kam Giovanni Bosco als zweiter Sohn des Kleinbauern Francesco Bosco und dessen Frau Margherita in Becchi, einem kleinen Ort in der nähe von Turin, zur Welt. 1817 starb der Vater und Giovannis Mutter Margherita musste sich alleine um die Bewirtschaftung des Hofes und die Erziehung der drei Kinder kümmern. Mit neun Jahren hatte Giovanni Bosco ein Traumerlebnis, das ihm sein späteres Lebensziel, die erzieherische Arbeit mit Jugendlichen, vorzeichnete.

Zwei Jahre später äußerte er den Wunsch Priester zu werden. Jedoch konnte die arme Mutter die Ausbildung nicht fördern. Eine Schulpflicht gab es in Italien damals noch nicht.

Allerdings ergab sich die Gelegenheit, bei einem alten Priester Lateinstunden zu nehmen.

Im Jahr 1830, Bosco war 15 Jahre alt, übersiedelte er ins nächstgelegene Dorf Castelnuovo d'Asti zu einem Schneider und arbeitete neben den Lateinstunden als dessen Lehrling.

Im November 1831 zog er nach Chieri um, wo es ein Gymnasium und ein Priesterseminar gab. Am 30 Oktober 1835 trat Giovanni Bosco ins Priesterseminar ein und wurde 1841 zum Priester geweiht. Statt sich um eine Pfarrstelle zu bewerben, zog er nach Turin und trat ins Institut für Priesterfortbildung ein, das ihn in die Sozialarbeit schickte. So lernte er die Notquartiere der Arbeiter und die mit jugendlichen Straftätern gefüllten Gefängnisse kennen.

Bei einer Begegnung in einer Sakristei am 8. Dezember 1841 gewann er das Vertrauen eines Waisenjungen, der zum nächsten vereinbarten Treffen bereits sechs Freunde mitbrachte. Nach einem Vierteljahr waren es schon fünfzig junge Burschen, die sich Don Bosco anschlossen, kurz darauf achtzig. Er unterrichtete sie, suchte Arbeitsplätze, spielte und musizierte mit ihnen.

Die Geistlichkeit unterstützte seine Bemühungen nicht, denn er benahm sich nicht „standesgemäß“, zog mit inzwischen fünfhundert Jugendlichen herum. Des Wahnsinns verdächtig, konnte er sich nur mit Hilfe eines Tricks einer gewaltsamen Einweisung in eine Nervenheilanstalt entziehen.

Als Don Bosco mit seinen Jugendlichen immer größere Platzprobleme bekam, erhielt er ein Stück Land mit einem alten Schuppen. Schon am Ostermorgen wurde in dem Raum die erste Messe gefeiert und das Grundstück als Spielplatz eingeweiht. Dieses Anwesen war die Keimzelle für sein erträumtes „Oratorium“, ein Haus für bedürftige Jugendliche mit Schule, Kirche, Lehrwerkstätten und Spielplatz.

Don Boscos Lebenswerk wuchs immer weiter, jedoch war er auch vielen Anfeindungen ausgesetzt. Mehrere Überfälle und Mordanschläge wurden auf ihn verübt, denen er jedoch immer entkam.

1859 gründete er den Orden der Salesianer, der 1874 von Papst Pius IX. anerkannt wurde. Im Jahr 1888 starb Don Bosco in Turin und wurde am Ostersonntag des Jahres 1934 heilig gesprochen. Sein Werk, das sich schon zu seinen Lebzeiten in viele Länder ausgebreitet hatte, wuchs schnell weiter. Heute gibt es weltweit 94 Provinzen. Dort sind 18.000 Salesianer in über 1.800 Niederlassungen im Dienst an jungen Menschen tätig.[2]

Das Turiner Oratorium

Schon kurz nach seiner Priesterweihe widmete sich Giovanni Bosco der sozialen Problematik der Jugendlichen in Turin: Er kümmerte sich um die armen Arbeiterfamilien der Stadt und kam „in die feuchten Wohnungen; in niedrige, rauchgeschwärzte Dachräume, die - voll verpesteter Luft - ganzen Familien als Schlafraum, Wohnzimmer und Werkstätten dienen mussten. Kinder und Erwachsenen lebten in schmieriger Enge.“[3] Auch viele Jugendliche und Kinder aus ländlichen Gegenden traf Don Bosco an. Sie sollten sich in der Stadt einen Lebensunterhalt verdienen. Statt dessen verwahrlosten sie zusehends, bettelten und stahlen. So kam es, dass die Gefängnisse der Stadt mit verkommenen Heranwachsenden. überfüllt waren.

Dies alles bewegte Giovanni Bosco sehr. Er schrieb nieder:

"Wie war ich erstaunt, als ich wahrnehmen mußte, daß viele von ihnen das Gefängnis verließen mit dem festen Vorsatz, nunmehr ein besseres Leben zu beginnen. Aber schon bald wurden sie wieder an den Strafort zurückgebracht [...]. Ich kam zu dem Schluß: Wenn diese Burschen draußen einen Freund hätten, der sich ihrer liebevoll annähme, ihnen zur Seite stände, sie in Religion unterichtete; wer weiß, ob sie dann nicht fernzuhalten wären vom Verderben oder ob sich die Zahl der Rückfälligen nicht

vermindern ließe."[4]

Die Menschen, vor allem die Kinder, spürten, dass Don Bosco ihnen sehr wohlgesonnen war und ihnen helfen wollte. So scharten sie sich alle um ihn, sobald er die Straße betrat.

Zu dieser Zeit fand auch die Begegnung mit dem Waisenjungen in der Sakristei statt. Der Junge fasste sofort Vertrauen zu Don Bosco und dieser versprach, ihm Katechismusunterricht zu erteilen. Das "Turiner Oratorium" war gegründet![5]

Oratorien waren zu dieser Zeit in Italien nicht unbekannt: Es war eine Form der kirchlichen Jugendarbeit. Unter Oratorien verstand man Unterrichts- und Erholungsräume in der Nähe einer Kirche. In solchen „Jugendfreitzeitzentren“ wurden die Kinder religiös erzogen und es wurden ihnen Freizeiaktivitäten angeboten. Dieses Konzept griff Don Bosco mit seinem Oratorium auf.[6]

[...]


[1] März, Fritz. Personengeschichte der Pädagogik, S. 538

[2] Burg, Cäcilia, Don Bosco und seine Pädagogik, S. 11-15

[3] Salotti, Carlo, Der heilige Johannes Bosco, S. 137

[4] Ebd. S. 138

[5] Fascie, Bartolomeo, Wie Don Bosco seine Buben erzog, S. 82

[6] Giesecke, Hermann, Die pädagogische Beziehung, S.55

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638728959
ISBN (Buch)
9783638903561
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v73946
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
Bosco Pionier Sozialarbeit Vorlesung

Autor

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Titel: Don Bosco – Pionier der Sozialarbeit