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Das mittelalterliche Drama als sozial-religiöses Medium

Hausarbeit 2007 16 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Allgemeine Vorbemerkungen

III. Entwicklung und Typisierung der geistlichen „Spiele“
III.I. Die dramatischen Elemente
III.II. Typisierung
III.III. Das liturgische Drama (Typ I)
III.IV. Das „Spiel“ (Typ II)
III.V. Die „Passion“ (Typ III)
III.VI. Das Legendenspiel
III.VII. Die „Moralitäten“

IV. Das Verhältnis der Kirche zum „Spiel“

V. Die Entwicklung der Teilnahme des Publikums am „Spiel“
V.I. Die Teilnahme des Publikums an der „liturgischen Feier“ (Typ I)
V.II. Die Teilnahme des Publikums am „Spiel“ (Typ II)
V.III. Weitere Entwicklung

VI. Ort, Dauer und Ordnung der „Spiele“

VII. Ausklang

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Ein großer Teil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens des Mittelalters wurde maßgeblich von der Kirche beeinflusst, sie bildete sozusagen das „Lebenszentrum“ der damaligen Menschen. In meiner Hausarbeit mit dem Thema „ Das mittelalterliche Drama im sozial-religiösen Kontext“ werde ich einen Überblick über das mittelalterlich Drama, das ein Teil dieses kulturellen „Lebenszentrums“ darstellt, geben. Ziel meiner Arbeit ist es, die Entwicklung des Dramas von den Anfängen in der Liturgie bis zu seiner Ausdehnung zu prächtig ausgestatteten mehrtägigen Passionsspielen darzustellen (Teil III). Um den sozialen Aspekt nicht zu vernachlässigen, werde ich des Weiteren die parallel Verlaufende Entwicklung des Publikums erörtern (Teil V). Ich werde die Entwicklungsstufen mit einer Typologisierung des Dramas verbinden, in der deutlich werden soll, wie sich das Drama inhaltlich, räumlich, zeitlich und darstellerisch verändert hat. Danach werde ich ausführlicher auf die verschiedenen Formen eingehen, die sich aus der Liturgie zu selbstständigen Szenen und Spielen generierten (Teil III).

Im zweiten Teil werde ich erläutern wie die Kirche zu den „Spielen“ stand und wie die Geistlichkeit diese, trotz aller Kritik, durchaus für ihre Zwecke nutzte.

Im dritten Teil gehe ich auf die Kennzeichen ein, d. h. auf die Eigenarten der Aufführung und Darstellung wie Bühnengestaltung und sprachliche Darbietung, sowie auf die Akteure selbst in Form von Autoren, Darstellern und dem Publikum als Zielgruppe.

II. Allgemeine Vorbemerkungen

Das mittelalterliche Drama kennt im Gegensatz zum antiken Drama in Bezug auf den Inhalt keine räumlichen oder zeitlichen Grenzen: Dargestellt wird die Schöpfung der Welt, das Weltgericht, die Auferstehung und Himmelfahrt Christi, seine Wundertaten, Legenden und viele andere eschatologische Themen.

Die Handlung beschränkt sich nicht nur auf das Wichtigste, sondern zeigt auch gleichzeitig nebensächliche Situationen an verschiedenen Orten, d. h. viele Handlungen laufen parallel, an mehreren Orten und in epischer Breite ab. Wesentliches Merkmal des mittelalterlichen Dramas ist sein stark sakral geprägter Inhalt: Sein Ursprung liegt in der christlichen Liturgie und diente der „Versinnbildlichung des Heilsgeschehen“[1].

Es entwickelte sich dann in räumlicher Hinsicht aus der Kirche heraus zum öffentlichsten Ort im mittelalterlichen Leben, dem Marktplatz und in inhaltlicher Sicht nahmen weltlich-profane Themen zu.

Wenn hier aber von „Drama“ gesprochen wird, darf man keine Vergleiche zwischen dem modernen heutigen Drama ziehen wie Wolfgang Stammler bemerkte:“ Es besteht keine Verbindung zwischen dem mittelalterlichen und dem modernen Drama, und alle Versuche, eine solche gewaltsam herzustellen, sind von romantischer Unfruchtbarkeit oder historizitischer Mentalität getragen.“[2]

III. Entwicklung und Typisierung der geistlichen Spiele

III.I. Die dramatischen Elemente

Um von „Drama“ sprechen zu können benötigt man drei dramatische Elemente: beim ersten Element handelt es sich um die äußerlich sichtbare Handlung, eine Zeremonie, die ohne Frage schon im kirchlichen Ritus gegeben war. Man muss aber beachten, wie R. Guardini erläutert, dass „ in der Liturgie die Fälle ganz selten sind […], in denen Rede und Gegenrede, irgendeine Gebärde oder Handlung unmittelbar von einem Glied der liturgischen Gemeinschaft an das andere gerichtet ist.“[3]

Als zweite Komponente braucht man den Dialog, welcher sich als erster Quellenbeweis in der St. Gallener Handschrift aus dem 10. Jahrhundert findet: in ihr taucht der Dialog durch

„interrogatio“ (Frage) und „responsio“ (Antwort) gekennzeichnet, erstmals als dramatisches Element auf.[4] Es entstand auf diese Art und Weise ein Wechselgesang zwischen zwei Chören, deren Unterschied durch verschiedene Gewandung deutlich gemacht wurde.

Das dritte Element des Dramatischen ist die darzustellende Person: dieses kommt etwa im

11. Jahrhundert mit der Verkörperung Christi in Form von Kreuz und Hostie in der liturgischen Feier zur Auferstehung hinzu.

III.II. Typisierung

Man unterscheidet deshalb drei Typen, die sich nacheinander oder teilweise auch gleichzeitig entwickelt haben: Den ersten Typ und damit die erste Entwicklungsstufe stellt das liturgische Drama oder auch „Feier“ genannt, dar. Den zweiten Typ bildet das so genannte „Spiel“ und den dritten die „Passion“ (Typ III). Des Weiteren gab es noch Legenden- und Weihnachtsspiele, alttestamentliche Spiele oder die „Moralitäten“, die sich im späten Mittelalter entwickelt haben. Bei der Einteilung darf man aber keineswegs davon ausgehen, dass eine „neue“ Form die Alte verdrängt hätte, im Gegenteil. Die verschiedenen Formen des mittelalterlichen Dramas bauen aufeinander auf, ergänzen und vermischen sich.

III.III. Das liturgische Drama (Typ I)

Das liturgische Drama war integrierter Bestandteil der Liturgie und beinhaltete gesungenen lateinischen Text. In der Forschungsliteratur wird diese Form als „Feier“ bezeichnet, die nach Quellenlage ungefähr ab dem 10. Jahrhundert dokumentiert ist und bis zur Reformationszeit zelebriert wurde. Die lateinische Feier und das anfangs lateinische „Spiel“ wurden gesungen: Sie waren eine Art durchkomponierte „Oratorien oder geistliche Opern.“[5] Für die „Feier“ gilt jedoch noch, dass „die Vereinigung der Glieder untereinander nicht unmittelbar von Mensch zu Mensch geht. Sie vollzieht sich dadurch, dass alle auf das gleiche Ziel gerichtet sind und geistig in derselben Endstatt ruhe: in Gott […].“[6]

III.IV. Das „Spiel“ (Typ II)

Beim zweiten Typ des mittelalterlichen Dramas, dem „Spiel“, wurden die lateinisch gesungenen Texte erstmals in die damalige Vulgärsprache übersetzt, d. h. jeder Textteil wurde zuerst in Latein gesungen und danach wiederholt in der Übersetzung. Der erste deutsche Text ist das Osterlied „Christ ist erstanden“, welches in einer Handschrift aus St. Lambrecht zu finden ist und als vollständiger Text in einer anderen Handschrift zu einer „Feier“ des Klosters Neuburg erhalten ist. Neu daran war zudem, dass dieses Lied von der ganzen Gemeinde zusammen gesungen wurde.[7]

Es erfolgte auch eine räumliche Veränderung dahingegen, dass die Verbindung von Liturgie und Handlung gelöst und der Schauplatz des „Spiels“ unter erstmaligem Einsatz von Laien als Mitwirkende in den Kreuzgang oder vor die Kirche verlegt wurde.

Die räumliche Ausdehnung war wiederum durch die stoffliche Erweiterung bedingt und umgekehrt: besonders die „Osterspiele“ wurden durch einige Szenen erweitert, die nach und nach teilweise zu eigenständigen Spielen wurden, wie die Auferstehung und Höllenfahrt Christi, die Marienklage, die Darstellung des Weltlebens,die Bekehrung von Magdalena und die Emmausszene. Die Darstellung des Salbenkrämers diente als Ergänzung des Osterspiels, stellte also wie die anderen Szenen kein eigenes Spiel dar oder entwickelte sich dazu.

III.V. Die „Passion“ (Typ III)

Der abschließende dritte Typus ist die „Passio“ oder „Passion“ die meist groß angelegt vom 14.-16. Jahrhundert zelebriert wurde: Unterschiede zum so genannten Osterspiel gibt es sowohl in der Struktur als auch beim Inhalt. Bei der Passion stehen sich der gesungene lateinische und vulgär- sprachliche Text nicht mehr wie beim Osterspiel gleichberechtigt gegenüber. Der Gesang tritt stark in den Hintergrund, dafür dominiert hier der gesprochene Text. Es wird Text aus freier Erfindung hinzugefügt um alte Szenen, die vorher gesungen wurden, sprachlich auszugestalten oder um ganz neue Szenen zu erschaffen. Damit erfuhr der dargestellte Stoff[8] eine viel größere Breite: neu dazukommen die Szene mit Christi vor Gericht, seine Geißelung, die Gefangennahme in Gethsemane, das Abendmahl mit dem Verrat durch Judas und alle möglichen Darstellungen aus dem Leben Christi. Ein weiterer Komplex bildet der Sturz Luzifers und die Begebenheiten aus dem Paradies.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Passion ein „Sammelbecken“ für alle früher selbstständigen Spiele war. Was zur Folge hatte, dass die eigentliche Passions- und Osterhandlung zurückgedrängt und die Passion deshalb auf das Fronleichnamfest verlegt wurde. Darum werden sie in der Forschung auch häufig als „Fronleichnamsspiele“ bezeichnet.

[...]


[1] Vey, Rudolf: Christliches Theater in Mittelalter und Neuzeit. S.23

[2] Stammler, Wolfgang: Das religiöse Drama im deutschen Mittelalter. S. 7

[3] Werner, Wilfried: Studien zu den Passions- und Osterspielen des deutschen Mittelalters in ihrem Übergang vom Latein zur Volkssprache. S. 135

[4] Vey, Rudolf: Christliches Theater in Mittelalter und Neuzeit. S.15

[5] Stammler, Wolfgang: Das religiöse Drama im deutschen Mittelalter. S.6

[6] Werner, Wilfried: Studien zu den Passions- und Osterspielen des deutschen Mittelalters in ihrem Übergang vom Latein zur Volkssprache. S. 135

[7] Werner, Wilfried: Studien zu den Passions- und Osterspielen des deutschen Mittelalters in ihrem Übergang vom Latein zur Volkssprache. S.22

[8] Schuler, Ernst- August: Die Musik der Osterfeiern, Osterspiele und Passionen des Mittelalters.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638679190
ISBN (Buch)
9783640531097
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74001
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Drama Medium Sprach- Kommunikations- Mediengeschichte

Autor

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