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Kreatives Schreiben in der Schule

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 24 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Kreatives Schreiben
2.1. Der Begriff der Kreativität
2.2. Kreatives Schreiben vs. traditioneller Aufsatzunterricht
2.3. Kreatives Schreiben als Schreibprozess

3. Methodik des kreativen Schreibens
3.1. Assoziative Verfahren
3.2. Schreibspiele
3.3. Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern
3.4. Schreiben zu und nach (literarischen) Texten
3.5. Schreiben zu Stimuli
3.6. Weiterschreiben an kreativen Texten
3.7. Vorteile des Überarbeitungsprozesses

4. Bewerten von kreativen Schreibleistungen
4.1. Wo liegen die Probleme bei einer solchen Bewertung?
4.2. Wie können kreative Schreibprozesse bewertet werden?
4.3. Fazit: Bewerten von kreativen Schreibleistungen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Beginnen möchte ich diese Ausarbeitung mit einer kurzen Beschreibung meiner Motivation, eine Hausarbeit über das kreative Schreiben zu verfassen.

Es ist sicherlich kein neues Phänomen, dass ein Großteil der Schüler/innen heutzutage nur schwer zu motivieren ist, zu lesen oder gar zu schreiben. Zum einen hängt dies natürlich mit dem immer größer werdenden Konsum der neuen elektronischen Medien zusammen. Seine / ihre Freizeit verbringt der Schüler/ die Schülerin heute vor dem Fernseher oder vor dem Computer. Briefe an Freunde oder Bekannte schreibt man schon überhaupt nicht mehr – wenn es etwas mitzuteilen gibt, geschieht dies per E-Mail oder SMS. Zum anderen muss sich aber auch der Deutschunterricht den Vorwurf gefallen lassen, die Kinder nicht ausreichend zum Lesen und Schreiben zu animieren. Den Lehrkräften gelingt es offensichtlich nicht, den Schülern die Freude am Schreiben zu vermitteln. Schreiben wird von den Schülern als anstrengend und häufig auch als überflüssig empfunden.

Als ich das Referat über kreatives Schreiben in unserem Seminar hörte, entdeckte ich darin Möglichkeiten, die die Schüler/innen von heute durchaus wieder zum Schreiben animieren könnten. Diese Möglichkeiten wollte ich näher untersuchen.

In dieser Hausarbeit möchte ich demnach der Frage nachgehen, in wieweit das kreative Schreiben den Unterrichtsalltag bereichert. Schwerpunktmäßig möchte ich die verschiedenen Methoden des kreativen Schreibens erläutern und einige Beispiele für die Anwendung in der Schule nennen. Spannend finde ich auch die Frage, ob man kreatives Schreiben von Schülern bewerten soll (und wie dies möglich ist). Diesen Punkt möchte ich in Kapitel 4 näher erörtern.

2. Kreatives Schreiben

2.1. Der Begriff der Kreativität

Wenn ich an den Begriff Kreativität denke, würde ich ihn in unserer Zeit vielleicht am ehesten mit Einfallsreichtum übersetzen. Der Brockhaus beschreibt Kreativität als „schöpferisches Vermögen im Handeln und Denken, das Neuartigkeit oder Originalität mit einem Bezug zur Lösung (z.B. menschlicher, sozialpolitischer, technischer Probleme) verbindet“ (www.brockhaus.de), während der kleine Duden Kreativität mit „Schöpferkraft“ umschreibt (Der kleine Duden, Fremdwörterbuch, 1983, S. 231f.). Kruse definiert den Begriff Kreativität, der auf das lateinische Verb creare (= hervorbringen, erschaffen) zurückgeht, 1997 wie folgt:

„Kreativität ist eine universelle Eigenschaft menschlichen Handelns und Denkens. Die Fähigkeit, Neues zu schaffen und damit die Bahnen biologischer Vorbestimmung durch eine selbst geschaffene Kultur zu ersetzen, ist ein Wesensmerkmal der Menschheit “ (Kruse, 1997, zitiert nach: Böttcher, 1999, S. 10).

„Im Kern“, so zitieren Mayrhofer und Zacharias „wird unter Kreativität die Eigenschaft verstanden, neues Denken, Empfinden oder Handeln entwickeln, also Transformationen einleiten, aus Altem Neues machen zu können“ (Mayrhofer, Zacharias, 1978, zitiert nach: Brenner,1990, S. 15).

Dieser kurze Überblick verdeutlicht bereits, dass eine präzise Definition des Begriffs „Kreativität“ schwer möglich ist. In vielfältigen wissenschaftlichen Disziplinen wird der Begriff ganz unterschiedlich verwendet. Auch in unserem sprachlichen Alltag hat der Begriff einen festen Platz eingenommen, ohne dass man ihm eine genaue Bedeutung zuordnen könnte. Nachfolgende Abbildung soll eine erste Annäherung an den Begriff der Kreativität verschaffen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 (Kruse, 1997, aus: Böttcher, 1999, S. 10)

Das Schaubild verdeutlicht, dass immer ein Teil der verwandten Begriffe mitschwingt, wenn man den Begriff der Kreativität benutzt. So operieren auch viele Definitionen des kreativen Schreibens mit diesen Umschreibungsbegriffen, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Für diese Hausarbeit ist in erster Linie von Bedeutung, was Kreativität in Bezug auf das Schreiben bedeutet.

Folgende Definition halte ich in dieser Hinsicht für sinnvoll:

„Kreativität in Schreibexperimenten bedeutet [… ], dass Jugendliche sich ihnen bislang unzugängliche Möglichkeiten des Denkens, Empfindens und Formulierens erschließen“ (Brenner, 1990, S. 16).

Böttcher ergänzt hierfür noch, dass eine Handlung (also auch das Schreiben) oder ein Produkt dann als kreativ bezeichnet werden kann, wenn:

- das Produkt neuartig und wertvoll ist.
- der Weg, der zum Produkt führt, neuartig ist.
- etwas auf neuartige Weise wahrgenommen, gefühlt, erkannt oder gedacht wird.

(vgl. Böttcher, 1999, S. 11)

In diesem letzten Punkt stimmt Böttcher mit der Definition von Brenner überein.

Abschließend bleibt noch festzustellen, dass Kreativität keinesfalls eine Eigenschaft ist, die nur manchen Menschen zur Verfügung steht, andere aber ohne diese Begabung auskommen müssen.

„Kreativität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, für das bei allen Menschen die Disposition vorliegt und das folglich bei jedem Menschen gefördert werden kann“
(Pommerin, 1996, zitiert nach: Böttcher, 1999, S. 11).

2.2. Kreatives Schreiben vs. traditioneller Aufsatzunterricht

In diesem Abschnitt möchte ich auf die Aufsatzdidaktik eingehen, wie ich sie in meiner Schulzeit erlebt habe. Ferner sollen nachfolgend die Probleme aufgegriffen werden, die mit der reinen Aufsatzdidaktik einhergehen.

Bis zu Beginn der siebziger Jahre stand der sprachgestaltende Aufsatz, der wegen seiner jahrzehntelangen Vorherrschaft auch als traditioneller Aufsatzunterricht bezeichnet wird, im Mittelpunkt der Aufsatzdidaktik. Beim traditionellen Aufsatzunterricht werden die Regeln und Normen der Sprachgestaltung (z.B. Textgliederung, Textsorten, Grammatik, Orthographie etc.) vordergründig behandelt. Das Schreiben gilt als Einübung stilistischer Normen und bestimmter Aufsatzformen (Erzählung, Bericht, Beschreibung, Schilderung oder Erörterung) und hatte oftmals rein reproduktive Funktion.

Die Schüler/innen sollten befähigt werden, dem Idealtyp der jeweiligen Aufsatzform möglichst nah zu kommen. Noch heute ist der traditionelle Aufsatzunterricht in den Schulen die Regel, da er aufgrund seiner klaren Regelformulierung den Bedürfnissen des Lehrers / der Lehrerin entgegenkommt. Obwohl es sich nicht bestreiten lässt, dass viele Schüler/innen auch im traditionellen Aufsatzunterricht kreativ geschrieben haben, richtete sich in den siebziger Jahren massive Kritik gegen diesen Ansatz.

Ansatzpunkte für diese Kritik waren die fehlenden Möglichkeiten, den Schreibprozess eigenständig fantasievoll zu gestalten. Der Schüler / die Schülerin, so der Vorwurf, wird durch den traditionellen Aufsatzunterricht in seiner / ihrer Schreibfreiheit begrenzt und muss sich den Regeln der jeweiligen Aufsatzform unterwerfen. Dies hat zur Folge, dass viele Schüler/innen Schreibblockaden aufbauen.

„Schreiben diente […] nicht der Textproduktion, sondern der Festigung von Grammatik, Strukturen und Wortschatz. Die Nacherzählung leitete die Schüler zu einer eher mechanischen Rekonstruktion einer vom Lehrer vorgelesenen Geschichte an; eine phantasievolle und schülerorientierte Textgestaltung war nicht erwünscht“

(Wicke, 1993, S. 84).

Ebenfalls kritisch beurteilt wurde die Tatsache, dass im traditionellen Aufsatzunterricht das Endprodukt zu stark im Vordergrund steht. Die Schüler/innen werden mit ihrem Aufsatz alleine gelassen. Eine Überarbeitung durch den Schüler / die Schülerin selbst oder durch Mitschüler/innen, wie sie im kreativen Schreiben selbstverständlich ist, fand nicht statt. Auch wurden Texte nicht präsentiert, sondern lediglich dem Lehrer / der Lehrerin zur Korrektur und Bewertung mitgegeben.

Diese Unzufriedenheit mit dem traditionellen Aufsatzunterricht hat in den siebziger und achtziger Jahren zu neuen schreibdidaktischen Konzeptionen geführt. Eine dieser neuen Konzeptionen ist das kreative Schreiben. Mit Hilfe verschiedener Methoden, auf die ich später noch eingehen möchte, sollte die Imaginationsfähigkeit der Schüler/innen stärker gefördert werden. Das kreative Schreiben betont im Gegensatz zum starren traditionellen Aufsatzunterricht das Schöpferische und Spielerische beim Schreiben. Die Schüler/innen sollten ermutigt werden, eigene Ideen und Konzepte beim Schreibprozess zu entwickeln.

Kreatives Schreiben erreicht mittlerweile den Deutschunterricht vieler Grundschulen und findet zunehmend Eingang in die Lehrpläne. In den USA ist kreatives Schreiben schon seit Jahrzehnten reguläres Schulfach und ein eigenständiger Studiengang (creative writing) an vielen amerikanischen Universitäten.

In meinem Fazit möchte ich noch einmal auf den Vergleich zwischen den beiden beschriebenen Ansätzen eingehen. An dieser Stelle soll dann auch der Frage nachgegangen werden, ob das kreative Schreiben allein den Schreibverdruss vieler Jugendlicher stoppen kann.

2.3. Kreatives Schreiben als Schreibprozess

Wie im vorangegangenen Punkt näher beschrieben, war das Ziel des traditionellen Aufsatzunterrichts ein Endprodukt, das der geforderten Aufsatzform möglichst nah kommen sollte. Kreatives Schreiben dagegen betont nicht das Endprodukt (den fertigen Aufsatz), sondern den aus mehreren Phasen bestehenden Schreibprozess. So sollen beim kreativen Schreiben die Teilhandlungen des Schreibens stärker berücksichtigt und gefördert werden. Nicht der fertig geschriebene Text, sondern der Weg zu diesem Text ist entscheidend. Spinner beschreibt die Phasen, die der Schüler / die Schülerin beim Schreiben durchläuft, wie folgt: „Bei dieser Konzeption wird, in Anlehnung an die kognitivistische Schreibforschung, betont, dass stärker als bisher im Aufsatzunterricht die Teilhandlungen des Schreibens in den Blick kommen müssen – vom Sammeln der Ideen über den Entwurf und die erste Niederschrift bis zur Überarbeitung“ (Spinner, 1993, S. 18).

Auch Jürgen vom Scheidt beschreibt in seinem Buch „Kreatives Schreiben“, dass sich der kreative Schreibprozess in verschiedene Phasen aufteilt und damit dem traditionellen Aufsatzunterricht widerspricht. Er nennt diese Phasen die „fünf Schritte zu kreativem Schreiben“ und beschreibt diese wie folgt:

1. Schritt:

Spontaner Einfall. Die dafür erforderliche Kreativität lässt sich durch verschiedene Methoden (siehe auch Kapitel 3) fördern.

2. Schritt:

Niederschreiben des ursprünglichen Einfalls. Dafür sorgen, dass weitere Einfälle, Gedanken, Gefühle und Bilder nachfolgen (im Dialog mit Mitschülern / Mitschülerinnen).

3. Schritt:

Vorlesen der frischen Texte. Reaktionen der Zuhörer/innen sind eine wichtige Hilfe bei der (Selbst-)Erfahrung. Wichtig: vertraute Atmosphäre schaffen.

4. Schritt:

Überarbeitung der Rohfassung. Entweder alleine oder im Dialog mit den Mitschülern / Mitschülerinnen.

5. Schritt:

Veröffentlichung in gedruckter Form; die Präsentation.

(vgl. vom Scheidt, 1989, S. 218 ff.)

Die nachfolgenden Methoden berücksichtigen die Tatsache, dass kreatives Schreiben aus mehreren Phasen besteht. So werden beispielsweise Methoden beschrieben, die beim Sammeln von Ideen (assoziative Methoden) oder bei der Überarbeitung des Textes (Methode des Weiterschreibens an kreativen Texten) helfen.

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Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638679398
Dateigröße
948 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74046
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Deutsche Sprache und Literatur I
Note
1,0
Schlagworte
Kreatives Schreiben Schule Prozessorientierter Schreibunterricht

Autor

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Titel: Kreatives Schreiben in der Schule