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Über die Wortbildungsart „Komposition“

Hausarbeit 2005 23 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klärung begrifflicher Einheiten der Wortbildung

3. Die Wortbildungsart „Komposition“
3.1. Das Determinativkompositum
3.2. Das Kopulativkompositum
3.3. Das Possessivkompositum

4. Schlussbemerkung

1.Einleitung

Menschen verbringen die meiste Zeit ihres Lebens damit, sich Gedanken zu machen: Gedanken über sich selbst, über Mitmenschen, über Erlebnisse und darüber, wie sie das, was sie denken, zum Ausdruck bringen können. Sprache scheint meist das geeignetste Ausdrucksmittel, Bewusstseinsinhalte und Gefühle zu formulieren und anderen mitzuteilen. Obwohl Sprache eine so tragende Rolle im gesellschaftlichen Leben spielt, unterschätzen auch heute noch viele Menschen ihre Wichtigkeit und Macht. Die Bedeutung von Sprache bezieht sich nicht nur auf das Erlernen grammatikalischer und lexikalischer Strukturen, sondern fungiert vor allem als bedeutendes Verständigungsmittel zwischenmenschlicher Beziehungen und unterschiedlicher Kulturen. Gerade in Zeiten voranschreitender Globalisierung, wie wir sie heute erleben, ist es wichtig, sich an interkultureller Kommunikation beteiligen und Gemeintes in passende Worte kleiden zu können. Das Sprachsystem ist eine wichtige Grundvoraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft. Die deutsche Sprache ist kein statisches Gebilde und ihre Gemeinschaft kann und muss ihren Sprachwortschatz ständig an neue Ausdrucksbedürfnisse und geänderte Lebensumstände anpassen. Somit ist der Wortschatz der deutschen Sprache geprägt von einem Verschwinden und Aufkommen neuer Wörter. Im Hauptseminar „Historische Wortbildung“ haben wir einen Text von Kurt Tucholsky gelesen, welcher auch für eine Einführung in die Wortbildung geschrieben sein könnte. Tucholsky beschreibt das Tun von Birkenblättern, doch er findet kein Wort, um dies auszudrücken. Ein solches Wort existiert in unserer Sprache nicht. In unserer Gesellschaft besteht kein Bedürfnis, die Tätigkeit von Birkenblättern benennen zu können, weshalb dieses Verb im Sprachgebrauch fehlt. Jede Gesellschaft verfügt über ein eigenes Repertoire an Wörtern. So besitzen beispielsweise die Eskimos viele verschiedene Namen für Schnee, welches bei uns nicht notwendig ist, da wir mit Schnee nicht so stark konfrontiert sind. Es gibt nur Ausdrücke für Dinge, die wir kennen und brauchen. Diese linguistische Relativität (Wörter sind gesellschaftsabhängig) hat zur Folge, dass das Erlernen neuer Sprachen auch das Erlernen neuer Wörter mit sich bringt. Einerseits kommt es vor, dass Wörter aus dem Sprachgebrauch entrücken, wenn sie dem Alltagsgeschehen nicht mehr gerecht werden und andererseits wird der Wortschatz ständig erweitert, weil die Gesellschaft in der Lage sein muss, alle Neuerungen im Modernisierungsprozess sprachlich zum Ausdruck zu bringen. Neben dem Aufnehmen von Fremd- und Lehnwörtern aus anderen Sprachen, was vor allem auf die Globalisierung zurückzuführen ist, der Bedeutungsveränderung und der Urschöpfung, trägt auch der Komplex der deutschen Wortbildung zu einer immensen Erweiterung des Wortschatzes bei. Hier werden aus bereits bestehenden Morphemen und Lexemen neue Wörter konstruiert. In der deutschen Wortbildungslehre wird neben strukturellen und morphologischen Merkmalen der Wortbildungstypen zwischen den Wortbildungsarten Komposition, Derivation, Konversion und Reduktion unterschieden.[1]

Ich möchte mich in dieser Arbeit vor allem damit beschäftigen, wie mit Hilfe der Komposition Morpheme und Lexeme zu komplexeren Wörtern verknüpft werden. Das nächste Kapitel dient zunächst der Klärung begrifflicher Einheiten der Wortbildung.

2. Klärung begrifflicher Einheiten der Wortbildung

Die Wortbildung ist ein sehr umfangreicher Bereich des deutschen Sprachsystems. Um sie verstehen zu können, bedarf es einer genaueren Betrachtung der begrifflichen Einheiten. In der deutschen Sprache werden neue Wörter hauptsächlich aus bereits existierenden Wörtern, Konfixen und Affixen gebildet, wobei teilweise auch Fugenelemente beteiligt sind. Selten aber dennoch auftretend ist das Entstehen neuer Wörter durch Sätze oder Phrasen.[2]

Morpheme

Um den Komplex der Wortbildung erfassen zu können, muss zunächst der Begriff `Morphem` deutlich gemacht werden. Morpheme werden als die kleinsten Zeichen unseres Sprachsystems gesehen. Sie sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten innerhalb eines Wortes oder einer Wortbildungskonstruktion. Die Gesamtbedeutung einer Wortbildungskonstruktion ist abhängig von den jeweils minimalsten Einzelbedeutungen der Morpheme in ihr.[3] Im Deutschen gibt es verschiedene Arten von Morphemen, was vor allem auf ihre `Selbstständigkeit` zurückzuführen ist, so kommen sie gebunden oder frei vor.

Freie Morpheme

Freie Morpheme können selbstständig als Wort (Lexem) auftreten und werden auch als „Wurzel“[4] bezeichnet. Ein solches Morphem hat eine lexikalische Bedeutung und spielt in der Wortbildung eine tragende Rolle, da es als Kompositionsglieder bei Komposita und als Basis für Derivate dient. Freie Morpheme entsprechen den Grund- oder Basismorphemen der Wortbildungsprodukte, was jedoch nicht bedeutet, dass alle Grund- oder Basismorpheme wortfähig sind. Ein solches Morphem, also ein gebundenes Grund- oder Basismorphem, wird Konfix genannt.

Konfixe

Konfixe treten als Prä- oder Postkonfixe auf, selten in beiden Positionen und können mit Hilfe von Wortbildungsaffixen, welche nicht basisfähig sind, komplexere selbstständige Wörter bilden. Hierzu ein Beispiel:

Konfix ident- wird durch die Wortbildungsaffixe –isch oder –ität zu identisch oder Identität.[5]

Neben den Konfixen, welche Basen bilden können, gibt es Konfixe, die kompositionsfähig sind: „Thermojacke, Thermostat, Biotop […]“[6]

Konfixe sind vor allem Fremdelemente aus der Lehnwortbildung, es kommen jedoch auch einheimische Einheiten vor, welche gebunden und basisfähig sind (stief- und schwieger-).[7]

Gebundene Morpheme

Gebundene Morpheme erscheinen nur in Verbindung mit anderen Grundmorphemen. Sie sind nicht basisfähig und können nur mit Basen, wie Lexemen oder Konfixen selbstständige Wörter bilden. Sie werden hinsichtlich ihrer Stellung im Wortbildungsprodukt unterschieden. So können sie vor (Präfix), hinter (Suffix) oder um eine Basis herum (Zirkumfix) auftreten. Als Oberbegriff dient die Bezeichnung Affix, welches eine Wortsilbe ist, die nur zur Bildung von Worten beiträgt, aber nicht selbständig als Wort dienen kann. Sie prägt zusammen mit der Basis die Wortbildungsbedeutung der Konstruktion aus.[8] Somit werden Affixe auch als Wortbildungsmorpheme bezeichnet, welche vor allem dem Verfahren der Derivation helfen, komplexe Wörter zu erschaffen.

Eine Sonderform der gebundenen Morpheme stellt das unikale Morphem dar, da dieses nur in einer einzigen Morphemkombination vorkommen kann. Beispiele hierfür sind Wörter wie: Brombeere, Himbeere, Schornstein.[9]

Das Präfix

Der Name stammt aus dem Lateinischen ` praefigere `, was `vorn anheften` bedeutet. Präfixe treten in Nomen (Untat, Misston), Verben (begeistern, erhoffen) und Adjektiven (unklug, missverständlich) auf. Die Fähigkeit, die Wortart zu bestimmen, besitzen sie nicht,[10] können jedoch nur mit bestimmten Basen Verbindungen eingehen. Das Präfix –zer paart sich beispielsweise nur mit Verben.[11]

Das Suffix

Suffixe (lat. ` suffigere ` `hinten anheften`) erscheinen in Nomen (Schönheit, Sensibelchen), Verben (festigen, konkurrieren), Adjektiven (akzeptabel, herzlich), sowie in anderen Wortarten (talwärts). Sie legen das grammatische Merkmal des Wortbildungsprodukts fest.[12]

Das Zirkumfix

Das Zirkumfix (lat. ` circumfigere ` ` ringsum umwicklen `) findet sich in Nomen wie Gerede, Adjektive wie gefügig und Verben wie besänftigen.[13]

In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird die Zugehörigkeit des Zirkumfix nicht klar dargelegt. Es existieren Meinungen darüber, dass Zirkumfix als eine Kombination aus Präfix und Suffix anzusehen[14], sowie es als eine besonderte Affixart zu betrachten.

[...]


[1] vgl. Barz, I. u.a.: Wortbildung- praktisch und intergrativ: ein Arbeitsbuch. Frankfurt. 2003. S. 18

[2] vgl. Donalies, E.: Die Wortbildung des Deutschen: ein Überblick. Tübingen. 2002. S.19

[3] vgl. Fleischer/ Barz: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache.2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Tübingen. 1995. S.24

[4] Fleischer, W.: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. Tübingen. 1971. S. 35

[5] vgl. Donalies, E.: Die Wortbildung des Deutschen: ein Überblick. Tübingen. 2002. S.22

[6] ebd. S.22

[7] ebd. S. 23

[8] vgl. Barz, I. u.a.: Wortbildung- praktisch und intergrativ: ein Arbeitsbuch. Frankfurt. 2003. S.179

[9] vgl. Donalies, E.: Die Wortbildung des Deutschen: ein Überblick. Tübingen. 2002. S. 41

[10] vgl. ebd. S.27

[11] vgl. Altmann,H./Kemmerling, S.: Wortbildung fürs Examen. Wiesbaden. 2000. S. 24

[12] ebd. S. 31

[13] ebd. S. 33

[14] vgl. Barz, I. u.a.: Wortbildung- praktisch und intergrativ: ein Arbeitsbuch. Frankfurt. 2003. S.184

Details

Seiten
23
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638685337
ISBN (Buch)
9783638689328
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74087
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1.0
Schlagworte
Wortbildung Wortbildungsart

Autor

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Titel: Über die Wortbildungsart „Komposition“