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Die Rolle des ausländischen Kapitals bei der Transformation des Bankensystems in Polen

Diplomarbeit 2006 108 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Transformation des Bankensektors
2.1 Erfahrungen aus dem Markteintritt ausländischer Banken
2.1.1 Argumente für den Markteintritt von ausländischen Banken
2.1.2 Argumente gegen den Markteintritt von ausländischen Banken
2.1.3 Empirische Ergebnisse über den Einfluss ausländischer Banken
2.2 Ausländische Banken und die Transformation des Bankensystems
2.2.1 Die Transformation des Bankensystems
Das Bankensystem in der Planwirtschaft
Die Bedeutung und Dimension der Transformation des Bankensystems
Die operative Umsetzung der Transformation des Bankensystems
2.2.2 Das gefährliche Problem der faulen Kredite – das größte Problem der Bankentransformation
2.2.3 Die Rolle ausländischer Banken bei der Transformation des Bankensektors
Die Stabilisierung und Stärkung des heimischen Bankensystems durch ausländische Banken
Der Import von Bankwissen
Der Wettbewerbseffekt und die möglichen Folgen für die heimischen Banken
Die Mitwirkung ausländischer Banken bei der institutionellen und rechtlichen Ausgestaltung
2.2.4 Empirische Untersuchungen über den Einfluss ausländischer Banken in Mittel-Osteuropa
Das Wettbewerbsargument
Das Kreditvergabeverhalten ausländischer Banken als Folge des Wettbewerbes
Die Privatisierung einheimischer Banken mit Hilfe strategischer Investoren aus dem Ausland
2.2.5 Fazit

3. Die Rolle ausländischen Kapitals bei der Transformation und Entwicklung des polnischen Bankensektors
3.1 Die politischen Rahmenbedingungen
Der Zeitraum von 1989 bis
Der Zeitraum von 1991 bis
Der Zeitraum von 1993 bis
Der Zeitraum von 1997 bis
Die Parlamentswahlen
3.2 Das Engagement ausländischer Banken bei der Transformation des polnischen Bankensektors
3.2.1 Die Phase der Liberalisierung des polnischen Bankenmarktes von 1989 bis zur ersten Hälfte
3.2.1.1 Die rechtliche und institutionelle Entwicklung
Das Nationalbankgesetz und das neue Bankgesetz
Das Gesetz über die Änderungen der Organisation und Tätigkeit im Genossenschaftsbankensektor
Die Novellierung des Bankgesetzes
Das Assoziierungsabkommen Polens mit der Europäischen Gemeinschaft
Die Novellierung des Bankengesetzes und des Zentralbankgesetzes
3.2.1.2 Die zugedachte Rolle der ausländischen Banken zu Beginn der Transformation
Die Tätigkeit ausländischer Banken in Form von Greenfieldinvestments
Die Bedeutung der ausländischen Banken in den Privatisierungsplänen der Regierung
3.2.1.3 Das erste Zwischenfazit
3.2.2 Die Phase der eingeschränkten Lizenzerteilung für ausländische Banken von der zweiten Hälfte 1992 bis zur ersten Hälfte des Jahres
3.2.2.1 Rechtliche und institutionelle Entwicklung
Erlass der Richtlinie zur Bildung von Rückstellungen für Verluste aus dem Kreditgeschäft
Das Gesetz zur Sanierung von Banken und Unternehmen
3.2.2.2 Das Engagement des ausländischen Kapitals in der Phase der eingeschränkten Lizenzgewährung
Die restriktive Lizenzierungspolitik
Die positiven Erfahrungen des Engagements des ausländischen Kapitals bei der Privatisierung der WBK und BSK
3.2.2.3 Das zweite Zwischenfazit
3.2.3 Die Phase des bedingten Marktzutritts für ausländische Banken von Juni 1994 bis
3.2.3.1 Die rechtliche und institutionelle Entwicklung
Das Gesetz zur Einführung von Buchhaltungsgrundsätzen
Das Gesetz zur Bildung des Einlagensicherungsfonds
Die Reformation des Zentralbankgesetzes und des Bankengesetzes
3.2.3.2 Das Engagement der ausländischen Banken in der Zeit der polnischen Bankenkonsolidierung
Das Gesetz zur Sanierung der Genossenschaftsbanken
Die Erteilung von Lizenzen an ausländische Banken unter Auflagen
Der Beginn der Konsolidierung seit Mitte
3.2.3.3 Das dritte Zwischenfazit
3.2.4 Die beginnende Dominanz des polnischen Bankenmarktes durch ausländisches Kapital für die Zeit nach
3.2.4.1 Die rechtliche und institutionelle Entwicklung
Die Folgen des OECD - Beitritts Polens
Die Neufassung des Bankgesetzes
3.2.4.2 Die geänderte Einstellung gegenüber ausländischer Banken
3.2.4.3 Das Vierte Zwischenfazit
3.3. Die Wettbewerbssituation im polnischen Bankensektor
3.3.1 Empirische Untersuchungen des Wettbewerbs auf dem polnischen Bankenmarkt
3.3.2 Der Ausbau des Servicenetzes - Ursache und Folge des gestiegenen Wettbewerbs
Das Filial- und Servicestützpunktnetz
Modernes Banking in Polen zur Erhöhung der Servicequalität
3.3.3 Die Expansion im Kreditgeschäft mit Hilfe ausländischer Banken als Folge des gestiegenen Wettbewerbs
3.3.4 Die Konsolidierung des polnischen Bankensektors ab 1998 als Folge des Wettbewerbs
3.4 Fazit

4. Ausblick

Anhang

Abbildungen

Abbildung 1: Die Neuorganisation des Genossenschaftsbankensektors 1994:

Abbildung 2: Die Struktur der PeKaO S.A. nach der Fusion..

Tabellen.

Tabelle 1: Überblick über wichtige Indikatoren der Entwicklung Polens von 1991 bis 2001

Tabelle 2: Übersicht über die Regionalbanken, ihre Twinning-Partner und ihre Marktanteile

Tabelle 3: Übersicht über die Lizenzerteilung und Beginn der Geschäftstätigkeit ausländischer Banken von 1989 bis 2003

Tabelle 4: Die zehn größten Banken Polens Ende 1991 und Ende 2001.

Tabelle 5: Übersicht über die durchgeführten Maßnahmen in % der Gesamtforderungen

Tabelle 6: Die Entwicklung des Anteils der faulen Kredite nach Bankkategorie

Tabelle 7: Übersicht über die Entwicklung des Kreditportfolios der BSK..

Tabelle 8: Übersicht über die Entwicklung des polnischen Bankenmarktes von 1993 bis 2001

Tabelle 9: Übersicht über ausgewählte ausländische Aktivitäten zur Unterstützung finanziell schwacher polnischer Banken von 1994 bis 1999 zur Erlangung der Banklizenz..

Tabelle 10: Übersicht über die Konzentration des polnischen Bankensektors von 1998 bis 2001 in %

Tabelle 11: Überblick über die Entwicklung des Filialnetzes der Banken in Polen nach Eigentümerstruktur von 1993 bis 2001

Tabelle 12: Ausgaben für IT im polnischen Bankensystem und Anzahl der Geldautomaten von 1998 bis 2005..

Tabelle 13: Übersicht über die Entwicklung der Nettozinsmargen in % für den polnischen Bankensektor von 1994 bis 2001

Tabelle 14: Entwicklung der Kreditvergabe an den Privatsektor in % des BIP und der faulen Kredite in % der gesamten Kredite von 1993 bis 2000...

Tabelle 15: Das polnische Kreditgeschäft: Übersicht über die Bankenforderungen der Geschäftsbanken (Stand 31.Dezember 1999)...

Tabelle 16: Überblick über die Bedeutung der EBRD Indikatoren.

Tabelle 17: Kennzahlen des polnischen Bankensystems nach Eigentümerstruktur von 1997 bis 2001

Tabelle 18: Die Beurteilung des Transformationsfortschritts des polnischen Bankensektors

Tabelle 19: Übersicht über ausländische Direktinvestitionen in das polnische Bankensystem von 1995 bis 2001

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abstract

The diplom thesis deals with the role of foreign capital during the process of transformation of the Polish banking system. The Polish banking market is regarded as the biggest banking market in Central Eastern Europe. Foreign banks are playing an important role in the process of transformation in spite of political resistance from parties of the right wing. It is possible to divide the engagement of foreign banks in two periods – in the first period from 1989 until 1997 and in the second period from 1998 until 2001. During the first period there are only some foreign banks on the Polish banking market. At this time there is a restrictive banking licence policy with a temporary interruption in licence-granting. Foreign banks can only receive a banking licence helping a bank in financial destress or with taking over of such a bank. The privatization scheme of the nine regional banks implies a maximum foreign share of 20 % at a regional bank. An exception is the time of liberalization from 1989 to the first half of 1992, when it was easy receiving a banking licence. During the first period foreign banks mainly concentrate on serving big multinational companies and companies from their country of origin. But already at this time the Polish state uses the better banking know-know of foreign banks during the twinning-arrangements. The turning point of Polish relation towards foreign banks takes place with the adaption of equity capital rules of the European Union and the Polish membership of OECD. Also the reformation of the Polish social system creates a huge pressure looking for a foreign strategic investor generating revenues by privatization. Managers of Polish banks are looking for strategic foreign investors getting new fresh capital. From this time on Polish banking sector is more and more dominated by foreign banks. At least foreign banks help reducing the deficites of banking know-how in the Polish banking sector especially for credit business for example by implementing credit-scoring-methods, risk-management-systems and credit-monitoring-tools. Foreign banks stimulate the domnestic savings because of their good reputation, so that at least there has been, especially since 1998, an expansion in granting loans not only for big companies but also for small and medium enterprises and for households. The level of financial intermediation is still low. The competition on the Polish banking market has increased, which is obvious in falling net interest margins, in the development of the service structure of the banks, in the introduction of new modern banking products and online banking. At least there is not any empirical evidence of a negative influence of foreign banks in a middle- and long-term-view. The concerns are more populistic arguments. The Polish banking sector is still underbankend but highly concentrated. The efficiency of the Polish banking sector is comparable to western European banking markets.

1. Einleitung

Ausländisches Kapital spielt bei der Transformation des polnischen Bankensystems eine bedeutende Rolle für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Gegenstand zahlreicher Untersuchungen sind die Folgen der Liberalisierung beziehungsweise die Öffnung des Bankenmarktes in Schwellen- und Industrieländern allgemein. Hauptgegenstand dabei ist die Wirkung ausländischen Kapitals auf den Wettbewerb, auf die Effizienz des gesamten Bankensystems eines Landes und auf die Kreditvergabe.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird die Rolle ausländischer Banken beim Umwandlungsprozess des polnischen Bankensystems ausführlich untersucht. Es wird dabei differenziert nach Greenfieldbanken[1] und nach Banken, die durch ausländische Banken übernommen werden beziehungsweise es wird die Privatisierung einheimischer Banken als Ganzes betrachtet. Der Genossenschaftsbankensektor spielt in dieser Arbeit nur eine untergeordnete Rolle

Polen gilt als der größte Bankenmarkt Mittelosteuropas (Franke, 2003: S. 151). Trotz politischer Vorbehalte und Instabilitäten wird die Transformation als gelungen bezeichnet und erfüllt die europäischen Standards. Der positive Effekt ausländischer Banken bei der Transformation des polnischen Bankensektors wird aufgezeigt und bietet sich als Argumentationshilfe weiterer politischer Diskussionen an.

Die vorliegende Arbeit bestätigt die Bedeutung der Einbeziehung ausländischen Kapitals beim Umwandlungsprozess. Sie gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werden die möglichen Folgen des Markteintrittes ausländischer Banken allgemein beschrieben. Der zweite Teil setzt sich mit der Rolle ausländischer Banken bei der Transformation des Bankensystems im Allgemeinen und speziell in Polen auseinander.

2. Die Transformation des Bankensektors

2.1 Erfahrungen aus dem Markteintritt ausländischer Banken

2.1.1 Argumente für den Markteintritt von ausländischen Banken

Der Eintritt ausländischer Banken auf heimische Märkte ist verbunden mit einer Internationalisierung der angebotenen Finanzdienstleistungen (World Bank, 2001: S. 158) und Ausdruck für die Liberalisierung des Finanzsystems eines Landes, da Markteintrittsbarrieren für ausländische Banken abgebaut werden. Durch die Tätigkeit ausländischer Banken erhöht sich der Wettbewerb im heimischen Bankensektor. Die Folgen des gestiegenen Wettbewerbes sind bessere Qualität, Verfügbarkeit und Preisgestaltung der Bankprodukte und Dienstleistungen, da unter anderem die Zinsmargen sinken und die Banken zum Halten des bestehenden Kundenstammes und zur Gewinnung neuer Kunden ihr Service- und Produktangebot ausdehnen müssen (Uliboupin, 2004: S. 12). Ein Beispiel für die bessere Verfügbarkeit von Bankprodukten ist die durch das Engagement ausländischer Banken ausgeweitete Kreditvergabe sowohl an Unternehmen als auch an Haushalte. Damit kann sich die Situation der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen verbessern. Die großen ausländischen Banken konzentrieren sich zunächst auf die Großkunden. Die einheimischen Banken sind gezwungen, Marktnischen zu suchen und somit auch Kredite an kleinere und mittlere Unternehmen zu vergeben (World Bank, 2002: S. 67). Insbesondere der mit der Präsenz ausländischer Banken verbundene Wissenszuwachs (Clark et al., 2001: S. 6) und damit folgend Effizienzspillover für eine risikoadäquate Kreditvergabe wirkt positiv auf die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen, da die Kreditwürdigkeit besser eingeschätzt werden kann. Das Ansiedeln von unterstützenden Einrichtungen wie Ratingagenturen wird ebenfalls stimuliert, was die Risikobeurteilung potentieller Kreditkunden vereinfacht und gleichzeitig die Kosten der Beurteilung und Überwachung eines Kreditnehmers senkt. Ausländischen Banken können temporäre Volatilitäten in der Kreditgewährung der heimischen Banken ausgleichen, da sie nicht nur auf die stark konjunkturabhängigen heimischen Ersparnisse angewiesen sind. Sie verfügen über ein internationales Einlagenportfolio und haben Zugang zu den internationalen Finanzmärkten.

Diese stabilisierte Kreditversorgung ist besonders in Krisenzeiten wichtig. Während einer Krise sind die heimischen Banken oft mit Bilanzverbesserungsmaßnahmen[2] beschäftigt. So kann es passieren, dass sie nicht ausreichend sensibel auf Marktsignale reagieren und damit lukrative, gesamtwirtschaftlich wichtige Investments verpassen. Ausländische Banken können diese Negativeffekte ausgleichen. Die Kreditvergabe als Ganzes wird stabilisiert (Dages et al., 2000: S. 4 ff.).

Bei Liquiditäts- und Kapitalproblemen ist es wahrscheinlich, dass der Mutterkonzern als Lender of Last Resort für seine Beteiligungen an heimischen Banken und für die eigenen Filialen agiert, wenn nötig zur Wahrung der Reputation die Tochtergesellschaft rekapitalisiert (World Bank 2002: S.69). Die Zahlungsunfähigkeit einer einzelnen Bank kann sich sehr schnell über Transaktionsmechanismen und Zahlungsverkehr auf das gesamte Bankensystem ausbreiten, so dass der einsetzende Bank-Run die Liquidität des gesamten Bankensystems gefährdet (Wenzeler, 1999: S. 34). Über den Mutterkonzern im Ausland kann der heimische Bankensektor stabilisiert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es sich bei dem Investment der ausländischen Bank um ein auf Langfristigkeit ausgelegtes Investment handelt.

Der Markteintritt ausländischer Banken ist verbunden mit dem Import von Institutionen und ihrer Funktionsfähigkeit. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, die Bankenaufsicht im Herkunftsland der ausländischen Bank und auch die Reputation der Bank zu prüfen (World Bank, 2002: S. 69). Besitzt die ausländische Bank eine hohe Reputation und kommt sie aus einem hoch entwickelten Industrieland, werden Elemente aus effizienten und funktionierenden Marktwirtschaften importiert. Damit kann das heimische Vertrauen im Bankensektor erhöht und die Gefahr eines Bank-Runs mit seinen gefährlichen Folgen gesenkt werden.

Auch können die ausländischen Banken am Aufbau einer entsprechenden rechtlichen Ausgestaltung und Rahmenstruktur des Bankensektors mitwirken. Das Engagement ausländischer Banken ist mit einer verbesserten und effizienteren Finanzintermediation, also Annahme von Spareinlagen und Kreditvergabe, verbunden (Engerer/ Schrooten, 2004: S.4). Insbesondere kleine Finanzsysteme können von dieser Internationalisierung und

Liberalisierung profitieren, denn je kleiner ein Finanzsystem ist, desto anfälliger ist es für Schocks und desto weniger ist es in der Lage, sich von solchen Schocks abzuschirmen und zu schützen. Je besser das Land über Eigentümerstrukturen und internationale Portfolioverbindungen in das weltweite Finanzsystem integriert ist, desto höher ist der Schutz vor Bankenkrisen mit ihren gesamtwirtschaftlichen Folgen (World Bank, 2001: S. 159).

2.1.2 Argumente gegen den Markteintritt von ausländischen Banken

In der Literatur werden auch Argumente gegen einen Markteintritt ausländischer Banken auf heimische Märkte genannt. So wird befürchtet, dass die Kreditversorgung instabiler wird, da die Möglichkeit einer vereinfachten und schnelleren Kapitalflucht über ausländische Banken und deren Netzwerk, insbesondere in Krisensituationen besteht (Darges et al., 2000: S.5). Werden Depositen abgezogen, so fehlen den Banken die nötigen finanziellen Mittel für eine Kreditversorgung der heimischen Wirtschaft. Auch wird befürchtet, dass die Kreditversorgung zyklischer, also volatiler erfolgen kann, da die Kapitalallokation der Mutterbank auf der Basis erwarteter Renditen erfolgt. Bei schlechter wirtschaftlicher Situation oder einer Krise wird die Geschäftstätigkeit dieser Bank zugunsten der Geschäftstätigkeit der Bank in anderen Regionen verringert. Befindet sich die Wirtschaft in einer rezessiven Phase, wird die Kreditvergabe eingeschränkt. Eine Expansion in der Kreditvergabe erfolgt dementsprechend in einer konjunkturellen Hochphase. Folglich besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Konjunktur des für die Bank jeweiligen Auslandsmarktes und der dortigen Kreditvergabe, was konjunkturelle Dellen verstärkt. Es kann jedoch auch ein starker Zusammenhang zwischen der Konjunktur des Herkunftslandes der ausländischen Bank und der Kreditallokation auf dem heimischen Markt bestehen. Ein positiver Zusammenhang ergibt sich, wenn verschlechternde ökonomische Bedingungen im Herkunftsland die Banken zwingen, ihre gesamte Geschäftstätigkeit, also auch die auf den Auslandsmärkten, einzuschränken. Andrerseits können diese sich verschlechternden Wirtschaftsbedingungen dazu führen, dass die Banken nach anderen lukrativeren Geschäftsmöglichkeiten im Ausland suchen, so dass eine negative Beziehung zwischen dem Kreditgeschäft auf dem Auslandsmarkt und der Konjunktur im Herkunftsland der ausländischen Bank besteht. Insgesamt wird die Kreditversorgung volatiler (de Haas/ van Lelyveld, 2003: S. 2 f.).

Als weiteres Argument gegen den Markteintritt ausländischer Banken wird angeführt, dass sich die ausländischen Banken die lukrativsten Auslandsmärkte und Kunden

heraussuchen. Die Folge dieses so genannten Cherry-Pickings ist, dass die weniger wettbewerbsfähigen Institutionen die riskanteren Kunden bedienen. Der Kreditzugang für kleine und mittlere Unternehmen wird erschwert. Je stärker der Marktanteil ausländischer Banken ist, desto gravierender kann dieses Problem auftreten (Clark et al., 2001: S. 2 f.). Die

Folge ist, dass die einheimischen Banken durch das Abdrängen in diese Marktsegmente eine risikoreiche Kundenstruktur erhalten. Die Gefahr einer Bankenkrise durch den möglichen Bankrott einheimischer Banken in wirtschaftlich angespannten Zeiten nimmt zu (Darges et al., 2000: S.5). Im Zusammenhang mit dem Cherry-Picking-Argument wird den ausländischen Banken unterstellt, Exporte und Projekte von Firmen aus dem Herkunftsland einseitig zu bevorzugen und zu fördern und die einheimischen Unternehmen zu vernachlässigen (Uliboupin, 2004: S. 10 f.). Jedoch haben die großen Banken eher internationalen und multinationalen als einen nationalen Charakter. So kann man davon ausgehen, dass das nationale Argument bei großen internationalen Banken an Bedeutung verliert. Weiterhin ist zu bemerken, dass das Investment ausländischer Banken in den heimischen Bankensektor einen langfristigen Charakter hat und die Einlagen durch inländische Sparer erbracht werden. Die Tätigkeit der ausländischen Banken unterscheidet sich langfristig nicht substanziell von der Tätigkeit der heimischen Banken. Beide konkurrieren um dieselben Kundengruppen (Bonin et al., 1998: S.67).

Die Bankenaufsicht über ausländische Banken wird durch die oft sehr komplexe Struktur multinationaler Banken mit Gerichtsständen in den verschiedensten Ländern erschwert. Informationsasymmetrien zwischen der Bankenaufsicht im Mutterland der ausländischen Bank und der Bankenaufsicht im Eintrittsland können dieses Problem noch verstärken (Darges et al., 2000: S.5). Ist die Bankenaufsicht im Herkunftsland des ausländischen Kreditinstituts weniger streng als die Bankenaufsicht im Eintrittland, so wird zusätzliches Risiko in den heimischen Bankensektor durch den Markteintritt dieser Bank importiert. Dieses Argument gilt nicht für einheimische Banken, die unter ausländischer Kontrolle stehen. Diese Kreditinstitute unterliegen der heimischen Bankenaufsicht. Der Einfluss ausländischer Banken kann durch ein Nichterteilen von Banklizenzen an Kreditinstituten aus Ländern mit einer ungenügenden Bankenaufsicht verhindert werden (Bonin et al., 1998: S.71 f.).

Insgesamt wird deutlich, dass das Öffnen des Marktes für ausländische Banken sowohl Vorteile als auch Risiken und Gefahren mit sich bringt.

2.1.3 Empirische Ergebnisse über den Einfluss ausländischer Banken

In der Fachliteratur gibt es zahlreiche empirische Untersuchungen darüber, welche Folgen der Markteintritt ausländischer Banken für den heimischen Bankenmarkt haben kann. Claessens, Ash, Demirgüc-Kunt und Huizinga (1998) haben die Folgen des Markteintritts ausländischer Banken in einer Mehrländerstudie mit Daten aus 80 Ländern im Zeitraum von 1988 bis 1995 anhand verschiedener Regressionen untersucht. Es werden all diejenigen Banken als ausländische Banken bezeichnet, bei denen mindestens die Hälfte aller Aktien im Besitz dieser ausländischen Banken ist. Grundsätzlich wird eine Verbindung zwischen dem Markteintritt ausländischer Banken, dem gestiegenen internationalen Handel und der daraus resultierenden wachsenden Bedeutung internationaler Finanzdienstleistungen hergestellt. Durch den Markteintritt erhöht sich der Wettbewerb auf dem heimischen Bankenmarkt. Die Profitabilität und die Gemeinkosten der heimischen Banken sinken aufgrund besserer Bankmethoden der ausländischen Banken. Die nationalen Bankenmärkte werden effizienter. Die Wohlfahrt für die Bankkunden steigt. Ursache dafür sind der gestiegene Wettbewerb, verbunden mit dem Abbau vorhandener Monopolgewinne und die Ausbreitung von Bankfachwissen durch die ausländischen Banken. Ausländische Banken verfügen in der Regel über höhere Rückstellungen für Verluste aus dem Kreditgeschäft als einheimische Banken. Es wird zwischen Schwellenländern und entwickelten Industrieländern unterschieden. In den entwickelten Industrieländern sind die ausländischen Banken im Vergleich zu den inländischen Banken durch geringere Zinsmargen[3], geringere Gemeinkostenausgaben[4], geringere Einnahmen aus dem Nichtzinsgeschäft[5] und eine geringere Profitabilität gekennzeichnet. Für sich entwickelnde Länder, also Schwellenländer, wird genau das Gegenteil festgestellt. In Industrieländern sind die Nettogewinne der heimischen Banken in Relation zu ihrer Bilanzsumme höher als die der ausländischen Banken. Für die Schwellenländer ergibt sich genau das Gegenteil. Die Ursache hierfür kann in den unterschiedlichen Gründen für die Expansion von Banken und in der unterschiedlichen rechtlichen Ausgestaltung des Bankwesens im Ausland erklärt werden. Einige Banken expandieren gemeinsam mit wichtigen Kunden ins Ausland, um diesen Kunden weiterhin ihre

Dienstleistung anzubieten und sie an sich zu binden, auch wenn keine hohen Zinsmargen in den Eintrittländern erzielt werden. Der informelle Nachteil auf dem Auslandsmarkt kann durch einen eventuellen technischen Vorsprung insbesondere in den Industrieländern nicht ausgeglichen werden. In sich entwickelnden Ländern existieren häufig schwächere Restriktionen und Anforderungen für die Kreditvergabe, so dass höhere Zinsmargen generiert werden können. Besonders hohe Zinsmargen werden auf den von staatlichen Banken dominierten Märkten hervorgebracht. Die höheren Gemeinkostenausgaben in den Schwellenländern können aus Unterbeschäftigung des Personals und aus Schwierigkeiten in der Einschätzung von Kreditrisiken herrühren. Diese Ergebnisse wurden auch in Länderstudien zu Italien als ein entwickeltes Industrieland und zur Türkei als ein Schwellenland festgestellt.

Denizer (2000) stellt eine Intensivierung des Wettbewerbs, eine gesunkene Profitabilität heimischer Banken und eine gestiegene Effizienz durch gesunkene Gemeinkosten im Bankensektor durch den Markteintritt ausländischer Banken nach der Liberalisierung des türkischen Bankenmarktes 1980 anhand von Zahlen von 1980 bis 1997 fest. Die ausländischen Banken nehmen positiven Einfluss auf die finanzielle und operative Planung der Banken, auf das Ausbildungsniveau der Mitarbeiter insbesondere im Kreditwesen und im Marketingbereich. Allerdings haben die ausländischen Banken im Vergleich zu den lokalen Banken ein eher kleines Filialnetz. Das kennzeichnet ein geringes Engagement im Retailbanking. Durch die Anwesenheit ausländischer Banken in der Türkei kann ausländisches Kapital zur Finanzierung lokaler Investitionen angelockt werden. Für Italien als ein entwickeltes Land, dass 1990 den Bankenmarkt vollständig liberalisiert hat, stellen Magri, Mori und Rossi (2004) mit Daten von 1983 bis 1998 neben dem gestiegenen Wettbewerb auf dem Kreditmarkt und als Folge dessen einen von den ausländischen Banken ausgehenden Stimulus auf die Entwicklung der Finanzmärkte, eine höhere Effizienz insbesondere im Liquiditätsmanagement (Treasury) der Banken fest. Je regulierter und ineffizienter also ein Bankenmarkt ist, desto größer sind die Profitmöglichkeiten für ausländische Banken auf diesem Markt. Werden diese Regulierungen aufgehoben und die Effizienz des Bankenmarktes gesteigert, so ändern die ausländischen Banken ihr Tätigkeitsprofil hin zu innovativeren Sektoren mit einer höheren Wertschöpfung.

Weiterhin existieren empirische Untersuchungen zu den Folgen des Markteintritts ausländischer Banken für die Kreditversorgung der heimischen Firmen. In der Mehrländerstudie mit Daten aus 38 Ländern von Clark, Cull und Peria (2001) wird untersucht, ob der Markteintritt ausländischer Banken in sich entwickelnden Ländern die Kreditvergabe einschränkt. Dabei wird festgestellt, je stärker ein Markt mit ausländischen Banken durchsetzt ist, desto mehr finanzieren Unternehmen ihre wirtschaftlichen Aktivitäten über Kredite. Für die Unternehmen haben sich die Höhe der Zinsen und der Zugang zu nötigen Krediten mit steigender Präsenz ausländischer Banken verbessert. Der Wettbewerb nimmt zu. Besonders Großunternehmen profitieren davon. Aber auch die kleineren und mittleren Unternehmen finanzieren sich tendenziell stärker über Kredite auf Märkten mit einer hohen ausländischen Beteiligung. Die These, dass von dem Markteintritt ausländischer Banken nur die Großunternehmen profitieren, kann deshalb nicht gestützt werden.

Dages, Goldberg und Kinney (2000) untersuchen den Effekt des Markteintritts ausländischer Banken in Argentinien ab 1991 und Mexiko ab 1994/1995. In Argentinien haben die ausländischen Banken durch das Erwerben von Anteilen insbesondere an den größten argentinischen Kreditinstituten einen wesentlichen Teil zur Rekapitalisierung des Bankensystems beigetragen. In Mexiko als auch in Argentinien ist die Kreditversorgung durch ausländische Banken weniger volatil als die der heimischen Banken. In Argentinien können die ausländischen Banken in Krisen ein höheres und weniger volatiles Wachstum in der Kreditvergabe als die heimischen Banken vorweisen. In der Zeit nach der Bankenkrise gleichen sich die Wachstumsraten in der Kreditgewährung der heimischen und ausländischen Banken an. Gleiches wird auch in Mexiko beobachtet. Die ausländischen Banken wirken also insgesamt stabilisierend. In beiden Ländern hat sich der Wettbewerb im Bankensektor durch den Eintritt erhöht.

Entgegen vieler Befürchtungen und Auffassungen lässt sich feststellen, dass ausländische Banken einen positiven Einfluss auf das einheimische Bankensystem haben beziehungsweise Gegenargumente empirisch nicht nachweisbar sind. Für eine Vernachlässigung kleiner und mittlerer Unternehmen bei der Kreditvergabe und für eine volatilere Kreditvergabe gibt es keine empirischen Hinweise. Besonders in Krisen haben ausländische Kreditinstitute einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung des Bankensystems mit einer signifikant weniger volatilen Kreditversorgung geleistet. Gerade diese Stabilisierung ist ein Zeichen für die auf langfristig ausgelegte Expansion von Banken im Ausland. Die Argumente für eine Liberalisierung können bestätigt werden.

2.2 Ausländische Banken und die Transformation des Bankensystems

2.2.1 Die Transformation des Bankensystems

Das Bankensystem in der Planwirtschaft

In den sozialistischen Ländern existierte vor der Transformation ein Monobankensystem. Ein solches System vereinte ein Zentralbank- und Geschäftsbankensystem mit mindestens einer Sparkasse, einer Investitionsbank und einer Außenhandelsbank in sich ohne eine Bankenaufsicht. Die Geschäftsbanken waren reine Ableger der Staatsbank und an deren Weisung gebunden. Jede Geschäftsbank spezialisierte sich auf bestimmte Wirtschaftszweige beziehungsweise einzelne Funktionen und Regionen. Es existierte kein Wettbewerb zwischen den Geschäftsbanken. Die Zentralbank und die Geschäftsbanken waren nur ein Instrument der staatlichen Planung. Kredite wurden ohne Kreditwürdigkeitsprüfung nach Planung des Staates gewährt. Ähnlich wie die Banken handelten auch die Unternehmen nur nach Planvorgaben. Bestand die Gefahr einer Nichterfüllung der Planziele bekamen die staatlichen Unternehmen automatisch neue Kredite für Erweiterungsinvestitionen hinsichtlich der Planzielerfüllung. Dieser Automatismus in der Kreditgewährung führte zu weichen Budgetrestriktionen für die Unternehmen (Wenzeler, 1999: S. 12 ff.; Keilinghaus, 1998: S. 24). Die Aufgabe der staatlichen Zentralbank war nur das zur Verfügung stellen von Buch- und Bargeld nach Planvorgaben, nach westlichem Verständnis gleicht das eher einer Zentralbuchhaltung. Es war kein nach westlichem Verständnis ausgebildetes Bankpersonal erforderlich (Bauer, 1998: S. 135 f.). Hinzu kommt, dass die Bankmanager der Planwirtschaft sehr eng mit der politischen Elite verbunden waren. Sie stellten mehr den verlängerten Arm der kommunistischen Regierung dar als den eigenständigen Bankmanager mit Verantwortung für die Forderungen und Verbindlichkeiten der Bank (Blejer/ Skreb, 1999: S. 7 ff.).

Die Bedeutung und Dimension der Transformation des Bankensystems

Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaft wurde die Transformation des Bankensystems notwendig, da in der Marktwirtschaft die Steuerung des Wirtschaftsprozesses nicht über zentral vorgeschrieben Pläne, sondern über den Preis erfolgt. Ein zweistufiges Bankensystem muss aufgebaut werden. Dieses zweistufige Bankensystem besteht aus einer unabhängigen Zentralbank mit Verantwortung für die Geldpolitik und unabhängigen, miteinander im Wettbewerb stehenden, nach kommerziellen Grundsätzen arbeitenden Geschäftsbanken (Andritzky, 2002: S.5; Papi/ Revoltella, 2003: S. 157). Eine wichtige Funktion der Bank in einem marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem ist neben der Zahlungsverkehrsfunktion, verbunden mit Zahlungsströmen auf den Gütermärkten und den Finanzmärkten, die Finanzintermediation[6] der Kreditinstitute. Die Kreditinstitute können zu Beginn der Transformation die Aufgabe der Finanzintermediation nur in einem beschränkten Maße ausüben, da negative Realzinsen, ungeklärte Eigentumsverhältnisse, Mangel an Kreditsicherheiten bei den Kreditnehmern, Risiko und Unsicherheiten des Transformationsprozesses im Allgemeinen die Finanzintermediation behindern und nicht lohnend erscheinen lassen (Keilinghaus, 1998: S. 24). Die Privatisierung der Banken wird in der Regel als eine Möglichkeit gesehen, dieses leistungsfähige, marktorientierte Bankensystem zu etablieren[7].

Der Bankensektor ist als einer der Schlüsselsektoren für eine erfolgreiche Transformation zu betrachten. Ein funktionierendes Bankensystem ist sehr wichtig für ein langfristiges Wirtschaftswachstum, da die entsprechenden Finanzmittel den produktivsten Investmentmöglichkeiten zugeführt werden (Barth et al., 2000: S. 2). Im Rahmen der erforderlichen Privatisierung während der Transformation nehmen die Banken eine wichtige Funktion ein, da sie das Kapital sowohl für Neugründungen von Firmen und deren Wachstum als auch zur Umstrukturierung bestehender Firmen, zum Beispiel im Rahmen von Privatisierungsprogrammen zur Verfügung stellen. Ein leistungsfähiger Bankensektor kann das dafür notwendige Auslandskapital generieren, transferieren und die inländische Ersparnis mobilisieren Auch können Banken die Firmen bei der Investitions- und finanzwirtschaftlichen Planung unterstützen und bei der Entwicklung von Kapitalmärkten mitwirken (Keilinghaus, 1998: S. 22 f.). Wegen der zu Beginn der Transformation unterentwickelten Kapitalmärkte und dem hohen Länderrisiko ist die Eigenkapitalaufnahme über die Börse nur schwer möglich. Innenfinanzierung beziehungsweise externe Finanzierung über Bankkredite sind deshalb die Hauptfinanzierungsformen (Blejer/ Skreb, 1999: S. 7). Die Banken sollen ehemalige Staatsbetriebe über die Finanzintermediation zu Effizienz und finanzieller Disziplin für eine erfolgreiche Transformation anhalten. Damit übernehmen sie die Verantwortung für den Erhalt dieser Unternehmen und deren Arbeitsplätze. Diese wichtige und notwendige Aufgabe der Bank wird durch die immer noch existenten, alten persönlichen Beziehungen zwischen den Managern der Staatsunternehmen und der Banken und den alten Bindungen zu den Staatsbetrieben beeinflusst. Das Gewähren von notwendigen Krediten für die Restrukturierung von Unternehmen und für neu gegründete Firmen gestaltet sich sehr schwer aufgrund der fehlenden Kreditvergabekompetenz mit entsprechender Kreditwürdigkeitsprüfung und Kreditüberwachung. Fehlendes Bankwissen und fehlende Technik für die Überwachung der Kreditverwendung und die Kontrolle der entsprechenden Rückzahlung und strukturelle Probleme des Bankensektors werden deutlich, da besonders zu Beginn der Transformation das Kreditvergabevolumen sinkt und Darlehen nur mit einer kurzen Laufzeit vergeben werden. Notwendige langfristige Investitionskredite werden nur selten gewährt (Pistor, 1998: S. 119). Die Banken erfahren eine Aufgabenüberfrachtung, da ihnen die Rolle als das die Transformation gestaltende Element zufällt. Gleichzeitig sind sie selbst Element dieser Transformation. Die Banken müssen modernes Bankwissen erwerben und einen privatwirtschaftlichen Kundenstamm aufbauen. Sie tragen eine hohe Verantwortung für die Staatsunternehmen aufgrund traditioneller Beziehungen bei der Abwicklung, Sanierung und der Kontrolle des Finanzmanagements (Breidenbach, 1998: S.186 f.). Aufgrund der gängigen Kreditvergabepraxis im Sozialismus und dem bereits angesprochenen Problem des fehlenden Bankwissens stellen die faulen Kredite eines der Hauptprobleme der Transformation dar.

Die operative Umsetzung der Transformation des Bankensystems

Durch eine umfassende Privatisierung wird die Verbindung Staat - Bank aufgebrochen und damit die Gefahr eines staatlichen Bail-Outs[8] minimiert, sowie die Vetternwirtschaft bei der Kreditvergabe an staatliche Unternehmen eingeschränkt. Weitere Vorteile der Privatisierung sind die eingeschränkte Finanzierung des Staatsbudgets über die Geschäftsbanken durch den politischen Druck auf die Banken zum Kauf von Staatsanleihen und ebenso die Kontrolle der Bankmanager durch die privaten Eigentümer hinsichtlich einer gewinnorientierten Arbeitsweise. Die Restrukturierung der Banken stellt neben der Privatisierung die zweite große Herausforderung der Transformation dar. Sie ist Folge des hohen Spezialisierungsgrades der Banken auf bestimmte Regionen, Sektoren oder Funktionen. Hierbei ergeben sich einseitige Bankbilanzen ohne Risikodiversifizierung (Wenzeler, 1999: S. 18 ff.).

Die Restrukturierung der Banken besitzt drei Dimensionen – die institutionelle Restrukturierung, die operative Restrukturierung und die finanzielle Restrukturierung. Die institutionelle Restrukturierung betrifft die Umwelt, in der sie operieren. Elemente dieser Restrukturierung sind der Rechtsrahmen mit verständlichen Vorschriften und Buchhaltungsstandards sowie eine Bankenaufsicht. Die Buchhaltungsstandards betreffen sowohl Banken als auch Unternehmen. Ein klares und einheitliches Rechnungswesen mit solchen Buchhaltungsstandards ist die Basis für die Kreditwürdigkeitsprüfung und die Bewertung der Sicherheiten. Ein solider rechtlicher Rahmen stärkt auch das Vertrauen der Bevölkerung in den Bankensektor. Es ist wichtig darauf zu achten, dass die Regulierung des Bankgeschäftes an den Entwicklungsprozess angepasst wird, da man zu strenge Regeln und Gesetze schlichtweg ignorieren würde (Breidenbach, 1998: S.188). Die operative Restrukturierung verfolgt eine angemessene Unternehmensführung und -organisation. Grundsätzlich existieren zwei Formen der operativen Restrukturierung, Bankschließung und Liquidation oder aktive Restrukturierung durch eine beispielsweise Privatisierung. Die finanzielle Restrukturierung beschäftigt sich besonders mit dem Problem der faulen Kredite, in Folge dessen die Banken häufig einen negativen Nettowert zu Beginn der Transformation besitzen. Die zu Beginn der Transformation zahlreichen neu gegründeten Banken sind oft sehr klein und unterkapitalisiert. Diese Banken stellen eher eine Gefahr für das Bankensystem dar, als dass sie einen Wettbewerb hervorrufen (Blejer/ Skreb, 1999: S. 7; Klytchnikova et al., 2000: S. 12 ff.). Ein marktorientiertes Bankensystem verlangt die Einführung von wettbewerbsorientierten Organisationsstrukturen, wie zum Beispiel Marketingabteilungen, Controllingabteilungen und Investmentbanking. Der Aufbau von solchen Strukturen verlangt den Banken in den Transformationsländern große Anstrengungen ab und setzt auch ein entsprechend geschultes Bankpersonal für ein modernes Banking voraus (Wenzeler, 1999: S. 62).

2.2.2 Das gefährliche Problem der faulen Kredite – das größte Problem der Bankentransformation

Ein Merkmal von Bankenkrisen ist der hohe Anteil Not leidender Kredite in den Büchern der Banken, da sie hohe fiskalische Kosten im Falle eines Bankrottes der Bank nach sich ziehen können und die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund einer gestörten Kreditversorgung hemmen. Der Anteil Not leidender Kredite in den Bankbilanzen ist in den Transformationsländern zu Beginn grundsätzlich höher als in den entwickelten Marktwirtschaften (Buch, 1996: S.6) und in Ländern mit Bankenkrisen[9] (Klytchnikova et al., 2000: S. ff.). Der hohe Anteil solcher Darlehen hat im Großen und Ganzen zwei Ursachen. Zum ersten sind diese Kredite Erbe der gängigen Kreditvergabepraxis einer Planwirtschaft. Zum zweiten häufen die Banken viele neue faule Kredite an. Ursache hierfür sind mangelhaftes Bankwissen und fehlende Buchhaltungsstandards für die Kreditwürdigkeitsprüfung und die Darlehensgewährung aufgrund von Vetternwirtschaft. Die Folge der anwachsenden faulen Kredite in den Bankportfolios ist eine zunehmende Inflation, da der Geldmengenausdehnung nicht die entsprechenden realwirtschaftlichen Transaktionen gegenüberstehen[10]. Auf die Inflationserwartungen muss die Zentralbank bei einer restriktiven Geldpolitik mit einer Zinserhöhung reagieren. Das heißt, für alle solventen Kreditnehmer werden die Zinsen steigen und die Bedienung bereits bestehender Kreditverpflichtungen erschwert. Es kann zu einem Crowding-Out, also einem Herausdrängen von neuen Erfolg versprechenden Privatunternehmen kommen. Reagieren die Banken auf die Zinserhöhung der Zentralbank nicht mit einer Erhöhung der Kreditzinsen, um den Zinsspread anzupassen, sondern einer Senkung der Einlagezinsen, so wird das heimische Sparverhalten gehemmt. Ohne hinreichende einheimische Spareinlagen ist eine solide wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich. (Wenzeler, 1999: S. 68 ff.).

Keilinghaus (1997: S. 88 ff.) unterteilt die Sanierungsmöglichkeiten der Banken in passive marktwirtschaftliche Ansätze und in aktive interventionistische Ansätze. Marktwirtschaftliche Ansätze, die auf der Aktivseite der Bankbilanz ansetzen, sind Umschuldung, Debt- Equity- Swaps und Forderungsverkauf. Auf der Passivseite der Bilanz wirken Privatisierung und Gewinnthesaurierung[11]. Vorteil einer Privatisierung im Zusammenhang mit faulen Krediten ist, dass die Banken über den Zufluss von Eigenkapital in die Lage versetzt werden, die faulen Kredite abzuschreiben. Jedoch erscheint eine schnelle Privatisierung unrealistisch, da Informationsprobleme über das wahre Ausmaß der faulen Kredite bestehen. Risikoaverse Investoren sehen von einem solchen Investment ab. Bei der Voucherprivatisierung[12] wird im Gegensatz zum Verkauf an einen ausländischen Investor kein Fachwissen transferiert. Bei der Thesaurierung der erwirtschafteten Monopolgewinne bei einer Markabschottung kann die Bank die faulen Kredite schrittweise über das Eigenkapital abschreiben. Diese Methode erscheint hinsichtlich einer langen Zeitdauer, der wirtschaftlich nachteilig wirkenden hohen Monopolzinsen und der Marktabschottung ungeeignet. Die Umschuldung der faulen Kredite mit einer Anpassung der Kreditkonditionen ist ein sehr flexibles, wissensintensives Instrument für den Umgang mit den faulen Krediten. Die Unternehmen erhalten dadurch den nötigen Spielraum zur Umstrukturierung. Auch hier ist ausreichend Eigenkapital für Abschreibungen und Rückstellungen nötig. Marode Unternehmen werden künstlich am Leben erhalten. Bei dem Debt-Equity-Swap werden sämtliche Kreditforderungen der Bank gegenüber Unternehmen gestrichen, so dass die Unternehmen schuldenfrei sind und die Banken keine uneinbringlichen Kreditforderungen besitzen. Die Banken erhalten im Gegenzug für die Kredite an den entsprechenden Unternehmen Unternehmensanteile. Die schlechten Kredite werden gegen schlechte Beteiligungen getauscht. Bei einer möglichen Insolvenz ist die Bank dann als Miteigentümer rechtlich schlechter gestellt als ein Gläubiger, da Eigentümer bei Insolvenz im Vergleich zu Gläubigern nachrangig bedient werden. Potentielle Investoren werden durch schlechte Beteiligungen abgeschreckt. Beim Verkauf der Kreditforderungen an die Unternehmen selbst oder an Investoren werden unsichere Aktiva (Kreditforderungen) durch sichere Aktiva ersetzt. Das Problem hierbei ist, dass die Forderungen aufgrund des Risikogehaltes unter ihrem Nominalwert verkauft werden müssen. Die Differenz zwischen dem Nominalwert und dem Verkaufswert muss über das Eigenkapital abgeschrieben werden. Es muss also wiederum genügend Eigenkapital vorhanden sein. Zu Beginn der Transformation fehlen Sekundärmärkte für den Forderungsverkauf. Der Verkauf an die Unternehmen selbst setzt den Anreiz so wenig wie möglich umzustrukturieren. Je mehr das Unternehmen dann umstrukturiert wird, desto sicherer sind die Kredite und desto höher ist der Marktwert der Forderungen. Bei der Übernahme der uneinbringlichen Forderungen der Bank durch den Staat zum Nominalwert erhalten die Banken im Gegenzug verzinste Wertpapierforderungen (Restrukturierungsanleihen) gegenüber dem Staat. Positiver Effekt ist, dass die engen Beziehungen Bank- Staatsunternehmen und die weichen Budgetrestriktionen durchbrochen werden und die Banken ihr Aktivgeschäft neu ausrichten. Diese vollständige Sanierung und Konsolidierung der Banken ermöglicht den Abbau von Marktzutrittsbarrieren. Es erscheint sinnvoll und realistisch, erst die Banken zu sanieren und konsolidieren und dann den Bankenmarkt zu liberalisieren.

2.2.3 Die Rolle ausländischer Banken bei der Transformation des Bankensektors

Gründe für das Engagement ausländischer Banken in Mittel-Osteuropa sind der gestiegene Handel zwischen den west- und den mittelosteuropäischen Ländern, die Zunahme der ausländischen Direktinvestitionen in diese Regionen und die zunehmende freie Konvertibilität der osteuropäischen Währungen zu Beginn der Transformation. Jedoch engagieren sich ausländische Banken nur, wenn sie auch komparative Vorteile in Bezug auf Kosten und Produktangebot gegenüber einheimischen Banken besitzen. Ein anderer Grund für ein Investment ausländischer Banken ist das Kunden-Folger-Motiv. In dieser Hinsicht sind die Transformationsländer besonders attraktiv, da die komparativen Vorteile aufgrund der Restrukturierungs- und Managementprobleme längerfristigen Bestand haben können (Bonin et al., 1998: S.57 ff.). Eine erfolgreiche Transformation und Restrukturierung durch Rekapitalisierung und Privatisierung sind aufgrund der Dimensionen der Probleme und des hohen Kapitalbedarfs ohne ausländische Banken nur sehr schwer möglich (Kager, 2003: S.94). Die Vorort-Präsenz von ausländischen Banken regt westliche Firmen an, sich in den Transformationsländern niederzulassen. Diese Firmen finden dort Standards vor, die ihren gewohnten Heimatstandards entsprechen (Stepic, 2003: S. 84 f.). Durch die Integration in das europäische und weltweite Finanzsystem wird internationaler Handel durch internationale Außenhandelsfinanzierungen[13] und internationale Projektfinanzierungen gefördert, was nach dem Zusammenbruch der traditionellen Handelsbeziehungen innerhalb des Rates der Gegenseitigen Wirtschaftshilfe (RGW) notwendig und wichtig für den Neuaufbau von Handelskontakten ist. Die Bedeutung ausländischer Banken geht also über die bloße Teilnahme an der Privatisierung hinaus. Die Effekte einer Marktöffnung in Mittel-Osteuropa haben eine andere Dimension als die angeführten Argumente unter 2.1. Eine Systemtransformation besitzt umfassenderen Charakter bei der Umstellung von Plan- auf Marktwirtschaft als die bloße Liberalisierung eines Bankenmarktes.

Die Stabilisierung und Stärkung des heimischen Bankensystems durch ausländische Banken

Die ausländischen Banken haben einen großen Einfluss auf die makroökonomische Stabilität der Volkswirtschaft durch Stärkung der Bankensysteme in den Transformationsländern. Makroökonomische Stabilität ist, wie bereits erwähnt, sehr wichtig für eine effiziente Finanzintermediation und für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Die Wahrscheinlichkeit für das Anhäufen fauler Kredite ist bei ausländischen Banken mit eigenen Töchtern, Filialen und Beteiligungen gering, da sie über keine traditionellen Bindungen zu den Staatsunternehmen verfügen. In der Regel werden diese Banken in den Transformationsländern erst im Rahmen der Transformation aktiv. Sie verfügen über das entsprechende Bankfachwissen und die entsprechende Technik für Kreditwürdigkeitsprüfungen. Die Wahrscheinlichkeit Not leidender Kredite in den Büchern ist abhängig vom Zeitpunkt der Beteiligung an einer heimischen Bank und der Höhe der Beteiligung. Je später eine Beteiligung erfolgt, desto mehr neue faule Kredite können diese Banken anhäufen. Je größer die Beteiligung der ausländischen Bank ist, desto mehr Mitspracherechte besitzt sie und kann sie ein Banking nach planwirtschaftlichem Muster verhindern. Auch sind die ausländischen Kreditinstitute über den Mutterkonzern ausreichend finanziell ausgestattet, so dass eine staatliche Rekapitalisierung solcher Institutionen in Krisen recht unwahrscheinlich und unnötig und auch politisch nicht durchsetzbar ist. Das Staatsbudget wird weniger belastet. Die Rekapitalisierung der Töchter und Niederlassungen ausländischer Banken ist deshalb unwahrscheinlich. Dem gegenüber besitzen die nicht restrukturierten einheimischen Banken einen größeren Anteil fauler Kredite aufgrund mangelnder marktwirtschaftlicher Banking-Erfahrung, technischer Ausstattung und der traditionellen Bindung an die Staatsunternehmen in ihrem Portfolio. Neu gegründete einheimische Banken haben faule Kredite aufgrund des mangelnden Bankwissens, jedoch nicht als „sozialistisches Erbe“ in den Büchern. Das Problem ist, dass das wahre Ausmaß Not leidender Kredite im Portfolio oft erst dann sichtbar wird, wenn sie ein solches Ausmaß erreicht haben, dass die Bank ohne fremde Hilfe nicht mehr überleben kann. Ist der Staat[14] daran interessiert, die heimischen Banken nicht Bankrott gehen zu lassen, so rettet er die heimische Bank. Dabei steigt die Gefahr einer Inflationsfinanzierung dieser Rekapitalisierungsmaßnahmen in Abhängigkeit von den für die Rekapitalisierung aufzubringenden Summen heimischer Banken. Die Höhe der nötigen Rekapitalisierung korreliert laut dieser Argumentation negativ mit dem Anteil ausländischer Banken (Gros, 2002: S. 10 ff.).

Für eine Stabilisierung des heimischen Bankenmarktes trägt ebenfalls der Liquiditätspuffer des Mutterkonzerns der ausländischen Kreditinstitute bei. Bei Liquiditätsschocks können die ausländischen Banken in den Transformationsländern die Liquidität der Mutterbank in Anspruch nehmen. Insbesondere die großen multinationalen Banken verfügen über einen eigenen Intrabankenmarkt, der wie ein Interbankenmarkt der Liquiditätsversorgung dient. Vorteile sind die im Vergleich zum Interbankenmarkt geringeren Kosten bei der Liquiditätsversorgung und die einfachere und schnellere Absorption von Liquiditätsschocks. Aus diesem Grund können lokale Liquiditätsschocks einen geringeren Effekt auf das regionale Bankensystem haben als in einem System mit nur regionalen Kreditinstituten. Ein weiterer Vorteil der ausländischen Direktinvestitionen ist, dass die Kapitalströme der ausländischen Direktinvestitionen aufgrund des langfristigen Charakters weniger volatil als zum Beispiel internationale Bankkredite oder reine Portfolio-Investitionen sind (Buch et al., 2003: S. 3). Für Stepic (2003: S. 90) ist die vertrauensbildende Funktion ausländischer Banken auf dem heimischen Bankenmärkten ein wichtiges Argument für die Stabilität, durch die die heimischen Sparer, die das Vertrauen in das heimische Bankensystem verloren haben, wieder angeregt werden, volkswirtschaftlich wichtige Spareinlagen zu tätigen. Das Vertrauen stellt einen Schutz vor gefährlichen Bank-Runs dar. Durch das Engagement ausländischer Banken werden folglich die Bankensysteme gestärkt und stabilisiert.

Der Import von Bankwissen

Wie bereits dargestellt, sind rudimentäres Bankwissen und bestehende Beziehungen Bank-Staat und Bank- Staatsunternehmen zu Beginn der Transformation ein sehr großes Problem. Es liegt deshalb nahe, dass Banken auf dem Markt agieren müssen, die entsprechendes Bankfachwissen für das Kreditgeschäft und für die Finanzierung von neu gegründeten Firmen, westliche Bankphilosophie, technische Infrastruktur und zeitgemäße Bankprodukte mitbringen und gleichzeitig unbelastet von diesen alten Beziehungen und Querverbindungen sind (Stepic, 2003: S. 84). Diese Eigenschaften können nur ausländische Banken in sich vereinen. In den Transformationsländern besteht ein großes Bedürfnis und große Nachfrage nach diesen Dienstleistungen (Keren/ Ofer, 2002: S. 1). Je größer die Technologie- und Wissensunterschiede zwischen ausländischen und lokalen Kreditinstituten, je innovations- und imitationsfähiger die regionalen Banken sind, desto größer und stärker sind auch die Spillover-Effekte von Bankwissen und Banktechnologien. Man kann davon ausgehen, dass die technologischen Unterschiede zwischen den einheimischen Banken ohne ausländisches Kapital und den ausländischen Banken im Bankbereich aufgrund der Systemunterschiede zwischen Plan- und Marktwirtschaft groß genug sind, dass es zu starken Spillover-Effekten kommt. Daraus resultiert eine sektorweite Ausbreitung westlicher Banktechnologien und westlicher Bankkenntnisse (Uiboupin, 2004: S.11). Neu gegründete inländische Banken mit inländischem Kapital sind zwar unbelastet von Querverbindungen, jedoch mangelt es ihnen an Fachwissen und der nötigen finanziellen Basis.

Der Wettbewerbseffekt und die möglichen Folgen für die heimischen Banken

Durch den Marktzutritt ausländischer Banken erhöht sich die Zahl der auf dem Markt agierenden Banken. Der Wettbewerb nimmt zu und auf den Zinsspread wird durch sinkende Kreditzinsen und steigende Einlagezinsen Druck ausgeübt. Der Konkurrenzdruck fördert den Wissensspillover, weil die einheimischen Banken zur Profitabilität gezwungen werden. Sie orientieren sich deshalb an effizienten Banken. Insgesamt kann sich also durch den Wettbewerb die Effizienz des Bankensektors und der Finanzintermediation erhöhen (Bonin/ Wachtel, 1999: S. 95). Das ist eine Voraussetzung für einen dauerhaft stabilen Finanzsektor in den Transformationsländern. Die Wohlfahrt sowohl für Sparer als auch für Kreditnehmer steigt. Die Erhöhung des Wettbewerbes kann allerdings auch negative Folgen auf die Wohlfahrt für Gläubiger und Kreditnehmer heimischer Banken haben. Durch gesunkene Margen wird den heimischen Banken die Möglichkeit genommen, die Verluste aus Not leidenden Krediten durch Monopolgewinne zu kompensieren. Der Markteintritt kann deshalb die Überlebensfähigkeit der heimischen Banken ohne ausländisches Beteiligungskapital signifikant senken und wirkt somit nachteilig. Folge des Bankrottes einheimischer Banken ist der Verlust der Spareinlagen der Bevölkerung und damit auch ein Vertrauensverlust der Bevölkerung in das nationale Bankensystem. Durch Spillover-Effekte kann sich die Bankenkrise weiter ausbreiten und wichtiges Informationskapital durch den Bankrott einheimischer Banken vernichten. Auch kann die Funktionsfähigkeit des gesamten Zahlungssystems durch das Herausdrängen dieser Banken gefährdet werden (Bonin et al., 1998: S.69). Daher ist eine Rekapitalisierung der einheimischen Banken mit Beginn der Transformation vor dem Markteintritt ausländischer Banken ein sinnvoller Weg zur Verhinderung dieser Gefahr. Diese Darstellung ist der Argumentation von Keilinghaus, (1997)[15] sehr ähnlich, der eine Rekapitalisierung der einheimischen Banken vor der Privatisierung und Liberalisierung des Bankenmarktes mit ausländischem Kapital als das wahrscheinlichste Szenario sieht. Es gibt Argumente, die gegen das Herausdrängen heimischer Banken sprechen. Wenn ausländische Banken sich zunächst über Greenfieldinvestments, also über eigene Töchter und Niederlassungen in Mittelosteuropa, engagieren, konzentrieren sich diese Kreditinstitute auf das Geschäft mit internationalen Großunternehmen beziehungsweise Firmenkunden aus ihrem Herkunftsland. Bei Umfragen unter ausländischen Banken nach Gründen für den Markteintritt in den Transformationsländern in Mittelosteuropa wird das Folgen und Unterstützen heimischer Bankkunden an erster Stelle genannt (Konopielko, 1999: S. 468). Die Chance ausländischer Banken, im Depositengeschäft beträchtliche Marktanteile mit einem zunächst eher dünnen Filialnetz zu erreichen, ist sehr gering. Aus dem Einlagengeschäft können die heimischen Banken also nicht herausgedrängt werden. Wahrscheinlicher ist es dagegen, dass die ausländischen Kreditinstitute aufgrund komparativer Wissensvorteile gegenüber heimischer Banken im Kreditgeschäft Marktanteile gewinnen. Allerdings können diese komparativen Wissensvorteile ausländischer Institute durch Informationsasymmetrien in Bezug auf die weichen Informationen durch die langjährigen Kundenbeziehungen der heimischen Banken abgemildert werden. Ausländische Banken verfügen über die so genannten harten Informationen und besseren Verfahren zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit eines Kunden. Aus diesem Grund könnten sie theoretisch leichter niedrige Zinsen verlangen als ihre einheimischen Gegenspieler (Clayes/ Heinz, 2006: 3 f.). Allerdings sind besonders zu Beginn der Transformation vieler dieser Verfahren zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit nicht anwendbar, da in der Regel keine Rechnungslegungsvorschriften und -grundsätze existieren und die Verfahren auf einer Jahresabschluss- beziehungsweise einer Bilanzanalyse basieren. Insgesamt behalten die lokalen Banken ihre führende Rolle im Kreditgeschäft mit ihren alten Kunden. Die Informationsasymmetrien, wenn sie den komparativen Wissensvorteil der ausländischen Banken im Kreditgeschäft übersteigen, sprechen dagegen, dass die ausländischen Banken ex-ante die besten Kunden herausfiltern können und die riskanteren Kunden den inländischen Kreditinstituten überlassen. Somit kann das Cherry-Picking- Argument zumindest entkräftet werden. Die inländischen Banken haben in der Regel zu Beginn der Transformation einen breiteren und größeren Kundenstamm als die ausländischen Banken. Sie sind eher Nischenplayer, die in erster Linie ihren Klienten ins Ausland folgen oder sich auf Großkunden konzentrieren. Einerseits ergänzen die ausländischen Banken zunächst den Markt mit der Bedienung ihrer Kundenstruktur und mit ihren komparativen Vorteilen im Leistungsangebot, sie stellen keine wirkliche Konkurrenz für die heimischen Banken dar. Andrerseits sind die ausländischen Banken, besonders wenn ihre Einlagenbasis über den Ausbau ihrer Geschäftstätigkeit durch Beteiligungen an lokalen Banken oder ihre eigene Expansion mittelfristig von einheimischen Kunden kommt, eher der heimischen Wirtschaft verpflichtet, so dass die Geschäftstätigkeit und Kundenstruktur der ausländischen Banken sich mittel- bis langfristig der Geschäftstätigkeit der einheimischen Kreditinstitute annährt (Buch, 1996: S. 6 ff.).

Beteiligen sich die ausländischen Banken im Rahmen der Privatisierung an den heimischen Banken, kommt es unter Umständen zu einer temporären Vernachlässigung kleiner und mittlerer Unternehmen. Dabei erwerben die ausländischen Banken durch ihre Beteiligung auch das ursprüngliche Kreditportfolio, hauptsächlich bestehend aus Großkunden. Sie werden sich deshalb zunächst weniger mit der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen beschäftigen. Diese Unternehmenstypen sind besonders wichtig für das Aufnehmen entlassener Arbeitnehmer aus privatisierten oder Bankrott gegangenen Staatsbetrieben. Das örtliche Bankpersonal besitzt zu Beginn der Transformation nicht das nötige Wissen und die nötige Erfahrung, Kredite für kleinere Kunden mit überdurchschnittlichem Risiko zu bewilligen. Im Laufe der Zeit wird der Wettbewerb um die Großkunden immer stärker, so dass die von ausländischen Kreditinstituten übernommenen lokalen Banken ebenfalls Kredite an Haushalte sowie kleinere und mittlere Unternehmen vergeben (de Haas/ Naaborg, 2005: S. 2 ff.). Langfristig kann also das heimische Bankensystem von dem gestiegenen Wettbewerb profitieren. Die Befürchtungen des Herausdrängens und des Cherry-Pickings können auf längere Sicht hin zerstreut werden.

Die Mitwirkung ausländischer Banken bei der institutionellen und rechtlichen Ausgestaltung

Für das Engagement ausländischen Kapitals in den Transformationsländern sind eine entsprechende rechtliche Infrastruktur und die Sicherheit für ein Investment im Allgemeinen und entsprechende Bank- und Insolvenzgesetzte, Bankenaufsicht sowie Buchhaltungsvorschriften im Speziellen sehr wichtig, damit Chancengleichheit zwischen ausländischen und inländischen Banken besteht. Würde dieses rechtliche Rahmenwerk fehlen, hätten die einheimischen Kreditinstitute einen klaren Vorteil, denn sie könnten sich auf alte Beziehungen, Korruption und Insidernetzwerke verlassen. Das bedeutet, es liegt im Interesse der ausländischen Kreditinstitute für ein nachhaltiges Investment, dass es in den Transformationsländern eine strenge Bankenaufsicht und ein modernes Regelwerk für das Bankgewerbe unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gibt. Aus diesem Grund werden die ausländischen Banken versuchen, durch Druck auf die gesetzgebende Gewalt, die Legislative in dieser Hinsicht zu aktivieren. Es liegt im Interesse der Transformationsländer, möglichst namhafte ausländische Banken aufgrund der bereits dargestellten Vorteile anzuziehen, so dass entsprechende Maßnahmen wirklich durchgeführt werden. Inländische Banken haben dagegen keinen Anreiz in dieser Hinsicht tätig zu werden, da das eigene Missmanagement offen gelegt wird (Keren/ Ofer, 2002: S. 17 f.).

2.2.4 Empirische Untersuchungen über den Einfluss ausländischer Banken in Mittel-Osteuropa

Das Wettbewerbsargument

Clayes und Hainz (2006) untersuchen die Entwicklung der Höhe der Kreditzinsen in Zusammenhang mit dem Markteintritt ausländischer Banken in den Transformationsländern[16]. Der Untersuchungszeitraum reicht von 1995 bis 2003 und umfasst 200 Banken. In Vergleich zu Westeuropa sind die Kreditzinsen in Mittelosteuropa immer noch höher, allerdings sinken sie durchschnittlich von 22 % im Jahr 1993 auf 13 % im Jahr 2003, während im gleichen Zeitraum der Marktanteil ausländischer Banken auf durchschnittlich 64 % in den untersuchten Ländern gestiegen ist. Für den erhöhten Wettbewerb durch den Markteintritt ausländischer Banken spricht der eben genannte Effekt des Sinkens der Kreditzinsen. Greenfieldbanken generieren den größten Wettbewerbseffekt. Daraus ergibt sich, dass die besseren Methoden in der Beurteilung der Kreditwürdigkeit die weichen Informationen über die Kreditnehmer mehr als ausgleichen. Im ersten Jahr des Markteintritts der ausländischen Bank unterscheiden sich die Zinssätze für Kredite zwischen ausländischen und heimischen Banken nicht signifikant. Später allerdings senken die ausländischen Banken dann schneller die Zinssätze für Kredite als die heimischen Banken.

Uiboupin (2004) kann in seiner empirischen Untersuchung von 1995 bis 2001 für 10 Transformationsländer mit 319 verschiedenen Banken[17] ebenfalls einen gestiegenen Wettbewerb durch den Markteintritt ausländischer Banken in den Mittelosteuropäischen Ländern bestätigen. Der erhöhte Wettbewerb wird durch den signifikanten Zusammenhang zwischen dem Anteil ausländischer Banken und der Senkung der Nettozinsmargen und der Rückstellungen für zweifelhafte Kredite deutlich. Die geringeren Rückstellungen ausländischer Banken geben einen Hinweis auf besseres Wissen in der Beurteilung der Kreditwürdigkeit ihrer Kunden. Auch kann der positive Wettbewerbseffekt durch den Markteintritt ausländischer Banken bestätigt werden.

Das Kreditvergabeverhalten ausländischer Banken als Folge des Wettbewerbes

In Interviews mit Managern von neun ausländischen Banken in Transformationsländern mit einer hohen Präsenz ausländischer Banken, die 2004 der EU[18] beigetreten sind, haben de Haas und Naaborg (2005) herausgefunden, dass sich mittelfristig die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen nicht verschlechtert hat und das Argument der Vernachlässigung kleiner und mittlerer Unternehmen somit nicht haltbar ist. Allerdings spielt bis zur ersten Hälfte der neunziger Jahre das Kreditgeschäft mit den kleinen und mittleren Unternehmen für die ausländischen Banken keine große Rolle. Mit dem bereits beschriebenen zunehmenden Wettbewerb, bedingt durch den vermehrten Markteintritt ausländischer Banken, werden erste Anreize für das Bankgeschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen gesetzt. Die zweite treibende Kraft ist, dass im Rahmen der Privatisierung mit Hilfe großer ausländischer Konzerne die ehemaligen staatlichen Unternehmen durch den ausländischen Mutterkonzern finanzielle Hilfe erhalten. Andere große, noch immer staatliche Konzerne, besonders aus der Energiewirtschaft und der Telekommunikation, erhalten direkten Zugang zu den Kapitalmärkten. Aus diesem Grund sind viele Großunternehmen nicht mehr nur auf die Kreditfinanzierung angewiesen. Durch die Einführung von standardisierten Risikomanagement - Systemen, modernen Informationstechnologien und der Integration der übernommenen Bank in den ausländischen Mutterkonzern können diese Banken ihre Wissensbasis erweitern. Sie lernen das Risiko kleiner und mittlerer Unternehmen besser einzuschätzen und zu beobachten. Im Endeffekt haben die ausländischen Banken das Kreditgeschäft mit Privatkunden sowie mit kleinen und mittleren Unternehmen in den übernommenen Banken als auch in ihren Töchtern und Niederlassungen so ausgebaut, dass man nicht von einer Vernachlässigung dieser Kundengruppen sprechen kann. Das Cherry- Picking-Argument kann langfristig nicht bestätigt werden.

Ähnliches stellen auch Dubauskas, Kowalski und Vensel (2005) in ihrer Untersuchung der Bankensektoren von 2001 bis 2002 in Rumänien, Polen, Estland und Litauen fest. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es keine großen Unterschiede in den Geschäftsfeldern zwischen den ausländischen Banken und den inländischen Banken gibt, da die Strategien der ausländischen Banken in den Mittelosteuropäischen Länder langfristig angelegt sind. Interessanterweise werden als Hauptmotive neben den neuen Geschäftsmöglichkeiten auch die Unterstützung und die Entwicklung einer lokalen Kundenbasis als wichtige Argumente für den Markteintritt genannt. Besonders ist in den Interviews betont, dass bei den von ausländischen Banken übernommenen heimischen Kreditinstituten viel Wissen in den Bereichen Risikomanagement, Informationssysteme, neue Bankprodukte und Bankdienstleistungen transferiert wird. Also auch in dieser Studie wird deutlich, dass die ausländischen Banken mittel- bis langfristig kein Cherry-Picking unter den Kunden betreiben, sondern vielmehr auch die kleinen lokalen Kunden durch die Kreditvergabe unterstützen.

Den positiven Einfluss ausländischer Banken auf das Kreditgeschäft bestätigen de Haas und van Lelyveld (2003), die Daten von 321 Banken aus 10 mittelosteuropäischen Ländern[19] in den Jahren von 1993 bis 2000 untersuchen. Schwerpunkt der Untersuchung ist das Kreditvergabeverhalten von Banken während Bankenkrisen in Abhängigkeit der Eigentümerstruktur. Es soll herausgefunden werden, ob der hohe Anteil ausländischen Kapitals auf den Bankenmärkten Mittelosteuropas zu einer stabilen, weniger volatilen Kreditvergabe führt. Tendenziell refinanzieren sich die ausländischen Banken[20] in einem stärkeren Maße über die internationalen Geldmärkte als die heimischen Banken. Eine andere wichtige Refinanzierungsquelle ist der Mutterkonzern. Die Greenfieldbanken wachsen schneller als die von ausländischem Kapital übernommenen Banken und als die heimischen Banken. Das durch einen ausländischen Bankkonzern übernommene heimische Kreditinstitut kann seinen Marktanteil am Kreditmarkt erhöhen. In Krisenzeiten reduzieren sowohl die Greenfieldbanken als auch die übernommenen Kreditinstitute im Gegensatz zu den lokalen Mitbewerbern nicht die Kreditvergabe und ihre Einlagenbasis. Dieser Effekt ist bei den Greenfieldbanken sogar so stark, dass sie ihren Marktanteil auf dem Kreditmarkt in Krisensituationen schneller ausbauen können als in Nichtkrisensituationen. Allerdings reagiert die Kreditvergabe ausländischer Banken auf Veränderungen des Wirtschaftswachstums in ihrem Herkunftsland. Besonders bei einer schlechten wirtschaftlichen Entwicklung in ihrem Herkunftsland dehnen die ausländischen Banken ihre Kreditvergabe in den Transformationsländern auf der Suche nach lohnenden Investments aus. Es wird nur ein schwach positiver Zusammenhang zwischen dem Wirtschaftswachstum in den Transformationsländern und der dortigen Kreditvergabe durch ausländische Banken festgestellt. Die Kreditvergabe heimischer Kreditinstitute reagiert insgesamt sensibler auf die regionale Wirtschaftsentwicklung als die der ausländischen Banken. Insgesamt tragen die ausländischen Banken zu einer stabilen Kreditversorgung in den Transformationsländern bei. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Hanselmann (2004). Er untersucht den Bankenmarkt im Zeitraum von 1994 bis 2002 mit insgesamt 1974 Beobachtungen in 12 Transformationsländern[21]. Er stellt fest, dass Banken mit mehrheitlich ausländischem Kapital dieselben Marktsegmente in den Transformationsländern bedienen, da sowohl ausländische als auch inländische Banken mit ihrer Kreditvergabe positiv auf das Wachstum des BIP in den Transformationsländern reagieren. Ausländische Banken tendieren dazu, mehr Kredite als einheimische Banken zu vergeben bei einer weniger sensiblen Reaktion auf makroökonomische Änderungen. Diese beiden Ergebnisse geben einen Hinweis auf die langfristig ausgelegte Strategie und den stabilisierenden Einfluss auf die regionale Kreditversorgung ausländischer Banken. Es wird kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe der ausländischen Direktinvestments, des Exportwachstums, der realen Wechselkurse, des ausländischen Zinssatzes und der Kreditnachfrage der Kunden der ausländischen Banken in den Transformationsländern festgestellt. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Geschäftstätigkeit der ausländischen Banken der der einheimischen Banken sehr ähnlich ist. In Hanselmanns Untersuchung beeinflussen die makroökonomischen Bedingungen im Herkunftsland die Kreditvergabe in den Transformationsländern im Gegensatz zur Studie von de Haas und van Lelyveld (2003) nicht signifikant. Der Ausbau des Kreditgeschäfts der ausländischen Bank ist positiv abhängig von der Profitabilität ihres Mutterkonzerns.

[...]


[1] Greenfieldinvestments einer ausländischen Bank können in Form einer Filiale, Tochtergesellschaft oder Repräsentanz erfolgen. Repräsentanzen sind eine Art Vertretungsbüro mit Aufgabe der Akquisition und Betreuung von Kunden im Ausland. Es wird über die Repräsentanz kein Bankgeschäft betrieben. Auslandsfilialen sind rechtlich unselbstständige Organisationseinheiten, die selbstständig Bankgeschäfte betreiben können. Tochtergesellschaften sind rechtlich selbständige Banken, an denen das Mutterinstitut mehrheitlich beteiligt ist (von Stein, 1995: S. 190).

[2] Bilanzverbesserungsmaßnahmen sind verbunden mit der Bilanzpolitik eines Unternehmens und betreffen die unternehmenszielgerechte Gestaltung des Jahresabschlusses. Elemente sind Sachverhaltsgestaltung wie Forderungsverzicht, Sale and Lease back oder Pensionsgeschäfte (Vermögensgegenstände werden für kurze Zeit entgeltlich einem Dritten überlassen). Andere rein buchungstechnische Elemente sind das Ausnutzen von Bilanzierungswahlrechten (Verbuchung des Geschäftsvorfalls), Bewertungswahlrechten (Wahl von Wertansätzen und Bewertungsspielräumen (aus der Realität abgeleitete Schätzung von Sachverhalten)(Hüttche/ von Brandis, 2003: S. 57 ff.).

[3] Zinsmarge ist die Differenz zwischen Aktiv- und Passivzinssatz. Die Höhe der Zinsmarge bestimmt das Zinseinkommen einer Bank.

[4] Gemeinkosten sind Kosten, die nicht verursachungsgerecht einzelnen Bezugsobjekten zugeordnet werden können (Schulte, 1996: S. 280). Bei den Banken fallen Gemeinkosten für Führungsfunktionen, zentrale Unterstützungstätigkeiten und Projekte mit einem Bezug auf die gesamte Bank an (Gottstein, 1996: S. 81). In dieser empirischen Untersuchung sind als Gemeinkosten die Personal- und Nicht- Zinsausgaben berücksichtigt.

[5] Einnahmen aus dem Nichtzinsgeschäft werden vor allem durch das Investmentbanking und Brokerage- Geschäft der Banken generiert.

[6] Die Hauptaufgabe des Finanzintermediärs liegt in der Sammlung von Spareinlagen, der Vergabe von Krediten und der von den Kapitalgebern an den Finanzintermediären delegierten Überwachung der Kreditnehmer. Die Finanzintermediation beinhaltet deshalb Transformationsfunktionen wie Losgrößentransformation, Fristentransformation und Risikotransformation. Die Bank bringt bei der Losgrößentransformation die Vorstellungen von Kapitalgebern und Kapitalnehmern über die Höhe der Beträge der Finanzkontrakte (Verträge, die Ansprüche auf gegenwärtige oder zukünftige Zahlungen darstellen) in Übereinstimmung. In der Fristentransformation werden die unterschiedlichen Laufzeiten für Kapitalanlage und Kapitalaufnahme der Finanzkontrakte in Übereinstimmung gebracht. Die Risikotransformation bringt das von den Kapitalgebern gewünschte Risiko eines Finanzkontrakts mit dem von den Kapitalnehmern erwünschtem Risiko in Einklang. Die Risikotransformation wird durch Risikoreduktion durch Diversifizierung des Kreditportfolios und durch Risikoaufspaltung erreicht (Hartmann-Wendels/ Pfingsten/ Weber, 2000: S.2 ff.).

[7] In der empirischen Studie von La Porta, Lopez-de-Silanes und Shleifer (2000) wird nachgewiesen, dass staatliche Banken häufiger vorkommen in Ländern mit weniger entwickelten Finanzmärkten mit einem geringen BIP/Kopf und einem geringen Schutz von Eigentumsrechten. Es wird gezeigt, dass staatliche Banken mit einem niedrigeren Wachstum des BIP pro Kopf mit einer langsameren Entwicklung des Finanzsystems und einem niedrigerem Produktivitätswachstum verbunden sind. Staatliche Banken sind eine Antwort auf die finanzielle und institutionelle Unterentwicklung eines nationalen Bankensystems.

[8] Ein Bail - Out ist die Schuldenübernahme und Tilgung der Schulden durch Dritte.

[9] So hat der Anteil von Not leidenden Krediten an den gesamten Krediten zu Beginn der Bankenkrisen in Argentien 9,1 % und in Mexiko 10,6 % betragen. In Polen hat der Anteil Not leidender Kredite 1995 21 % und in Ungarn 20 % betragen.

[10] Siehe dazu Quantitätsgleichung des Geldes, die lautet: M * V = P * Y. M ist die Geldmenge, V die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, P das Preisniveau und Y das reale Volkseinkommen (Wienert, 2001: S. 59 ff.).

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[11] Gewinnthesaurierung ist das Einbehalten von Gewinnen zur Selbstfinanzierung. Der Gewinn wird in neues Eigenkapital umgewandelt (Corsten, 1999: S. 946).

[12] Bei der Voucherprivatisierung erhalten alle Staatsbürger Voucher, mit denen sie Anteile an den zu privatisierenden Unternehmen erwerben können. Die Voucher erhalten die Bürger umsonst oder gegen eine geringe Bearbeitungsgebühr (http://cog.kent.edu/lib/Ellerman5.htm).

[13] Außenhandelsfinanzierung ist ein Teil des Auslandsgeschäfts der Banken. In der kurzfristigen Außenhandelsfinanzierung spielen Im- und Exportkredite zur Deckung von Liqiditätslücken zwischen Zahlungszeitpunkt des Importgeschäfts und Weiterverkauf der Ware und zwischen Abschluss des Kaufvertrages für das Exportgeschäft und dem Eingang des Erlöses aus diesem Geschäft eine bedeutende Rolle. Die Exporte können mit mittel- bis langfristigen Krediten finanziert werden. Die Banken können Zahlungsgarantien geben, in denen sie mit der Zahlung eines bestimmten Geldbetrages für einen Erfolg einstehen oder die Gewähr für einen entstandenen Schaden übernehmen (Grill/ Perczynski, 1999: S. 488 ff.). Je größer das internationale Netzwerk einer Bank ist, desto besser kann sie Aufgabe der Außenhandelsfinanzierung erfüllen.

[14] Mit Staat meint Gros das Finanzministerium und die Zentralbank.

[15] Siehe dazu Abschnitt 2.2.2 dieser Arbeit.

[16] Die untersuchten Länder sind Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien und die Slowakei. Eine Bank mit mehr als 50% ausländischem Kapital gilt aus „ausländisch“.

[17] Die untersuchten Länder sind Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei und Slowenien. Eine Bank gilt mit mehr als 50% ausländischem Kapital aus „ausländisch“.

[18] Das sind die drei Baltischen Staaten, Tschechien, Ungarn und Polen.

[19] Die untersuchten Länder sind Kroatien, Tschechien, Estland, Ungarn, Litauen, Lettland, Polen, Rumänien, Slowakei und Slowenien.

[20] Als ausländische Banken werden alle Banken gewertet, bei denen mehr als die Hälfte des Grundkapitals sich in ausländischer Hand befindet.

[21] Die untersuchten Länder sind: Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakai, Slowenien und die Ukraine. Als ausländische Banken werden alle Banken gewertet, bei denen mehr als die Hälfte des Grundkapitals in ausländischer Hand ist

Details

Seiten
108
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638686372
Dateigröße
867 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74143
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
2,0
Schlagworte
Rolle Kapitals Transformation Bankensystems Polen

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Titel: Die Rolle des ausländischen Kapitals bei der Transformation des Bankensystems in Polen