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Die Herrschaftsideale von Platon und Machiavelli. Ihre Voraussetzungen, Legitimationsansprüche und Ziele

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Darlegung der Vorstellungen über den Herrscher bei Platon
2.1 Voraussetzungen an die Herrschaftsperson
2.2 Legitimation der Philosophenherrschaft
2.3 Ziele der Philosophenherrscher

3 Darlegung der Vorstellungen über den Fürsten bei Machiavelli
3.1 Voraussetzungen an den Fürsten
3.2 Legitimation des Fürsten
3.3 Ziele der Herrschaft

4 Analyse und Vergleich der Herrschaftspersonen bei Platon und Machiavelli
4.1 Analyse und Vergleich der Voraussetzungen
4.2 Analyse und Vergleich der Legitimationsansprüche
4.3 Analyse und Vergleich der Ziele

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Platon gilt als einer der einflussreichsten Denker der abendländischen Philosophie. Als Schüler Sokrates´ und Lehrer Aristoteles´ war Platon darauf ausgerichtet, eine Möglichkeit zu finden die Philosophie mit dem praktischen, politischen Leben zu verbinden. Als wichtigste Prämisse, des im antiken Griechenland lebenden Denkers, gilt dabei das System der Ideenlehre. Sein be-deutendstes, politisches Werk, welches auch mit als Grundlage dieser Arbeit fundiert, war die „Politeia“, zu Deutsch „Der Staat“. Darin beschäftigt sich Platon mit der Idee der Gerechtigkeit und wie diese in einer Staatsverfassung verwirklicht werden kann (vgl. Oberndörfer und Ro-senzweig 2000: 17). Der zweite Philosoph, der in der hier vorliegenden Arbeit behandelt wer-den soll, ist, der in Florenz geborene, Niccoló Machiavelli, einer der umstrittensten, jedoch auch wichtigsten Philosophen des Mittelalters. Seine beiden belangvollsten Werke, die „Discorsi“ sowie „Il Principe“, behandeln Ideen zur Herrschaftslehre und zum Staatsaufbau (vgl. Obern-dörfer und Rosenzweig 2000: 135). Beide Philosophen gehören damit zu den bedeutsamsten Denkern der Geschichte und sind somit ein fester Bestandteil der politischen Ideengeschichte.

Sowohl Platon als auch Machiavelli geben bei ihren Ansätzen zur Staatsverfassung bzw. zum Staatsaufbau auch eine Vorstellung ab, wie das Staatsoberhaupt, also die Herrschaftsperson, beschaffen sein sollte um letztendlich die jeweiligen Ziele der Denker verwirklichen zu können. Dabei kommt der Gedanke auf, dass aufgrund der historischen Hintergründe, in den jeweiligen Epochen völlig verschiedene Anforderungen an den Herrscher gestellt werden. Zudem ist es annehmbar, dass sich die Ansprüche an den Herrscher angesichts der vorherrschenden Men-schenbilder stark unterscheiden. In dieser Hausarbeit soll nun beschrieben, analysiert sowie ein Vergleich zwischen den Vorstellungen von Platon und Machiavelli gezogen werden, in Bezug auf drei Kriterien. Als Kriterium gelten dabei zunächst die Voraussetzungen, welche die beiden Philosophen von ihrem Herrschaftsideal verlangen. Ferner sollen die Legitimationsgründe er-örtert werden, welche die Herrschaft durch die von Platon und Machiavelli erkorenen Personen rechtfertigt. Dies geschieht unter anderem auch nach der Herrschaftssoziologie Max Webers. Außerdem hat diese Arbeit zudem das Ziel, die Absichten und Intentionen der gewünschten Herrscher zu untersuchen.

Der Aufbau der Arbeit gestaltet sich dabei wie folgt: Zu Beginn sollen die Vorstellungen von Platon, anschließend von Machiavelli, zu den drei Kriterien deskriptiv aufgezeigt werden. Im Weiteren werden diese im Einzelnen analysiert und miteinander verglichen. Zum Abschluss erfolgt nochmals eine Zusammenfassung der wesentlichsten Unterschiede und Gemeinsamkei-ten.

2 Darlegung der Vorstellungen über den Herrscher bei Platon

2.1 Voraussetzungen an die Herrschaftsperson

Bereits in der Erziehung muss laut Platon der Grundstein für den wahrhaftigen Philosophen und den damit idealen Herrscher gelegt werden. Die Erziehung erfolgt in verschiedenen Diszipli-nen, welche in einer bestimmten Reihenfolge zu absolvieren sind. Zu Beginn stehen dabei die musische sowie die gymnastische Ausbildung (vgl. Platon, Der Staat, Buch 2, 376c – 377a). Anschließend erfolgt die Erziehung in der Arithmetik, gefolgt von der Geometrie, der Astrono-mie und der Harmonielehre (vgl. Platon, Der Staat, Buch 7, 523e – 531d). Zu guter Letzt „[…] krönt die Dialektik wie ein Gesims die anderen Wissenschaften, von denen man keine mit Fug und Recht höher stellen darf, sondern sie selbst ist Ende und Vollendung aller Wissenschaften.“ (Platon, Der Staat, Buch 7, 534a – e) Neben der Erziehung spielen auch die Naturanlagen in Platons Vorstellungen eine Rolle bei der Auslesung des Herrschers. Zu den geforderten Naturanlagen zählen „Scharfe Urteilskraft für die Wissenschaften […] Leichtigkeit im Lernen […] gutes Gedächtnis, innere Festigkeit und unermüdliche Arbeits-freude […]“ (Platon, Der Staat, Buch 7, 534e – 535d) Als weitere Charaktereigenschaft müssen die Herrschenden eine „unerläßlich[e] Einsicht und Fähigkeit und dazu noch Verantwortungsgefühl für den Staat“ (Platon, Der Staat, Buch 3, 412a – d) besitzen. Darüber hinaus ist es notwendig, dass die Philosophen-herrscher sowohl theoretische als auch praktische Begabungen auszeichnen sollen (vgl. Platon, Der Staat, Buch 6, 484b – 485a). Außerdem müssen die Herrscher „[m]it ewiger Liebe […] an der Wissenschaft [hängen,] […] nach dem ganzen Sein verlangen [und] […] die Wahrheit […] lieben“ (Platon, Der Staat, Buch 6, 485a -d) Auch sollen sie „von klein auf […] gerecht […] und verträglich“ (Platon, Der Staat, Buch 6, 486a – d) sein. Abschließend fordert Platon von den Philosophenherrschern „hohen Sinnes […] [und] ein […] Freund der Wahrheit [sein, sowie] Gerechtigkeit, Tapferkeit [und] Besonnenheit“ (Platon, Der Staat, Buch 6, 486d – 487c)

2.2 Legitimation der Philosophenherrschaft

Hinsichtlich der Legitimation der Philosophenherrschaft, rechtfertigt Platon diese, indem er „[…[ kein Ende des Unglücks in den Staaten […]“ prophezeit, ehe „nicht die Philosophen in den Staaten Kö-nige werden oder die Könige […] und Herrscher echte und gute Philosophen und wenn nicht in eine Hand zusam-menfallen politische Macht und Philosophie […]“ (Platon, Der Staat, Buch 5, 473c – 474a) Zudem kann als Legitimationsgrundlage angesehen werden, dass die Philosophen nicht wie Menschen über Menschen, sondern wie Götter über die Menschen herrschen würden (vgl. Spaemann 1997: 172f.), denn „[d]er Philosophenherrscher ist die Anwesenheit der Idee der Gerechtigkeit selbst.“ (Spaemann 1997: 173)

2.3 Ziele der Philosophenherrscher

Platon legt als Ziel der Philosophenherrschaft zu Grunde, dass sie einen gerechten Staat grün-den und erhalten sollen. Dieser soll errichtet werden, indem sie zuerst den alten Staat und die Sitten der Menschen reinigen und anschließend einen neuen Staat sowie einen neuen mensch-lichen Charakter entwerfen (vgl. Platon, Der Staat, Buch 6, 500d – 501c), wobei der Philosoph „die […] geschauten Ideen in das Bürger- und Staatsleben verpflanzt“ (Spaemann 1997: 163) Der Staat müsse weiterhin „weise, tapfer, besonnen und gerecht“ (Platon, Der Staat, Buch 4, 427d – 428b) sein. Außerdem ist ein weiteres Ziel, ein möglichst enges Verhältnis zwischen Herrschern und Beherrschten herzustellen (vgl. Platon, Der Staat, Buch 5, 463a – 465d), sodass größtmögliche Einigkeit und Gleichheit zwischen den Menschen, trotz unterschiedlicher Rollen, herrsche.

3 Darlegung der Vorstellungen über den Fürsten bei Machiavelli

3.1 Voraussetzungen an den Fürsten

Der ideale Fürst nach Machiavellis Vorbild muss ebenfalls zahlreiche Eigenschaften besitzen. Zum einen soll er klug und tapfer sein (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 26). Des Weiteren soll der Fürst vorausschauend denken und Geschicklichkeit besitzen, damit er „auch auf die künftigen [Un-ruhen] achten und diese[n] mit allem Geschick vorbeugen“ (Machiavelli, Der Fürst: 25) kann. Auch Zielstre-bigkeit (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 41), Tüchtigkeit (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 44) und Ent-schlossenheit (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 50) sollen zu den Eigenschaften des Fürsten gehö-ren. Dazu ist es förderlich wenn der Fürst „die Gunst seiner Mitbürger“ (Machiavelli, Der Fürst: 54) besitze. Beherztheit müsse gleichfalls zum Charakter des Herrschers gehören (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 57). Der Fürst müsse zudem „imstande sein, schlecht zu handeln“ (Machiavelli, Der Fürst: 78) sowie einen Sinn für den „rechten […] Gebrauch [von] Grausamkeit“ (Machiavelli, Der Fürst: 53) besitzen. Weitere Eigenschaften stellen die Sparsamkeit (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 80) und die Barm-herzigkeit (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 82) dar. Neben diesen muss ein Fürst auch erbarmungs-los (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 85) sein, um „sich […] gefürchtet [zu] machen“ (Machiavelli, Der Fürst: 84), welches eine weitere Voraussetzung für den idealen Fürsten ist. Ebenfalls soll der Fürst sein Wort zu brechen wissen, wenn es im nütze (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 87). Abschließend soll der Fürst „Größe, Mut, Ernst und Stärke“ (Machiavelli, Der Fürst: 90) ausstrahlen. Bei Machiavelli gibt es im Grunde nur zwei Disziplinen, welche der Fürst an sich erlernen kann, nämlich „die Geschichte [zu] studieren“ (Machiavelli, Der Fürst: 77) sowie sich mit der Kriegskunst zu beschäftigen (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 74) Dazu soll er auch bewaffnet sein (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 38).

3.2 Legitimation des Fürsten

Die Erlangung der Herrschaft durch den Fürsten wird von Machiavelli durch verschiedene Möglichkeiten gerechtfertigt. Einerseits besteht die Möglichkeit die Herrschaft über die Erb-folge zu erlangen (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 19). Daneben kann die Herrschaft durch die Gunst seiner Mitbürger errungen werden, indem diese in zu ihrem Führer erkoren (vgl. Machi-avelli, Der Fürst: 54). Außerdem wird der Fürst legitimiert, indem er durch einen fremden Staat für ein bestimmtes Territorium ernannt bzw. eingesetzt wird (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 40). Zuletzt wird eine Person durch die Eroberung eines Gebiets als dessen Herrscher gerechtfertigt (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 19/ 36)

3.3 Ziele der Herrschaft

Ziel der Herrschaft des Fürsten soll es sein, diese nicht nur zu erringen, sondern auch über einen möglichst langen Zeitraum zu erhalten (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 19). Für Machiavelli selbst ist das große Ziel jedoch, die Befreiung Italiens durch die Barbaren (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 121) und deren „Grausamkeit und […] Übermut“ (Machiavelli, Der Fürst: 121). Zu den Zielen des Fürsten gehört jedoch auch sich „eine eigne Kriegsmacht zu schaffen, welche die Grundlage jeder Unternehmung bildet“ (Machiavelli, Der Fürst: 123) sowie die Erfindung neuer Gesetze und Einrichtungen, welche ihm Ruhm und Ehre einbringen, sowie seine Herrschaft stabilisiert (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 123).

4 Analyse und Vergleich der Herrschaftspersonen bei Platon und Machiavelli

4.1 Analyse und Vergleich der Voraussetzungen

Vergleicht man die Anforderungen und Voraussetzungen an die jeweiligen Herrschaftsideale bei Platon und Machiavelli, so lässt sich feststellen, dass es nur wenig bis gar keine Übereinst-immungen gibt. Der mit am deutlichsten erkennbare Unterschied besteht darin, dass ein großer Teil der Voraussetzungen bei Platon in einer Art Ausbildung in mehreren Fächern erworben werden kann. Bei Machiavelli hingegen ist lediglich ein geringer Anteil vorhanden, welcher erlernt werden soll, nämlich „die Geschichte studieren“ (Machiavelli, Der Fürst: 77) sowie sich mit der Kriegskunst zu beschäftigen (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 74). Hierbei ist auch zu erwähnen, dass bei Platon die Kinder in jenes Ausbildungsschema nahezu „gepresst“ werden und dieses zu absolvieren haben, um letztlich, nach einer Aussiebung der nicht geeigneten Kandidaten, den besten Herrscher zu finden. Es ist offensichtlich, dass nach einer solchen Reihe von Erzie-hungsdisziplinen, es sehr wahrscheinlich ist, dass nur ein sehr geringer Anteil übrigbleiben wird, welcher laut Platon würdig wäre die Herrschaft zu übernehmen. Für Platon ist die Herr-schaftsübernahme als eine nichtgewünschte Tätigkeit beschrieben, da die Philosophen nach Absolvierung ihrer Ausbildung zum Aufstieg gezwungen werden müssen (vgl. Platon, Der Staat, Buch 7, 540a – e). Machiavelli setzt stattdessen eher auf ein selbstständiges Interesse der Menschen um zu den von ihm beschriebenen Voraussetzungen zu erlangen, da er die Herrschaft als eine positive Aufgabe ansieht. Dies kann daraus geschlossen werden, dass Machiavelli als Ziel auch die möglichst lange Erhaltung der Herrschaft nennt. Hier kann zwar nicht grundle-gend behauptet werden, dass dabei eine größere Zahl von Herrschaftswürdigen herauskommt, aber es ist dennoch eine wesentlich geringere Hürde an Herausforderungen zu bewältigen um jene Anforderungen zu erfüllen. Dabei spielt sicherlich auch der Zeitraum eine Rolle, in der die Fähigkeiten erworben werden sollen bzw. können. So wird bei Platon das ganze Leben darauf ausgerichtet, alle Eigenschaften zu erlangen, um der ideale Staatsherrscher zu sein. Der Zeit-punkt der Herrschaft ist dabei erst bei einem Alter von über 50 Jahren zu erwarten (vgl. Platon, Der Staat: 480). Währenddessen hat es bei Machiavelli den Anschein, dass man imstande ist, die beiden zu erwerbenden Disziplinen bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit verinnerlicht zu haben. Hierdurch ist es möglich, sich schon in jungen Jahren zum Herrscher eines Staates aufzuschwingen.

Betrachtet man dagegen die Naturanlagen, welche Platon und auch Machiavelli von den Herr-schenden fordert, so fällt auch hier auf, dass es kaum Gemeinsamkeiten gibt. Bei Platon sind die Naturanlagen darauf ausgerichtet, möglichst leicht Wissen erwerben zu können und damit zielen diese auch auf die geplante Ausbildung in den verschiedenen Disziplinen ab. Sie sollen der Grundstein und damit hilfreich bei der Bewältigung der Aufgaben in den Erziehungsberei-chen sein. Des Weiteren steht vor allem das Verhältnis zur Wahrheit und Gerechtigkeit im Mit-telpunkt, welche letztlich auch in der Verwirklichung des perfekten Staates eine tragende Rolle einnehmen. Bei Machiavellis angegebenen Naturanlagen bemerkt man indessen, dass es sich vor allem um viele Anlagen handelt, welche eher dem maskulinen Geschlecht zugesprochen werden, wie Entschlossenheit, Erbarmungslosigkeit (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 50, 85) oder auch „Größe, Mut, Ernst und Stärke“ (Machiavelli, Der Fürst: 90) Dies lässt darauf schließen, dass Ma-chiavelli sich ausschließlich männliche Geschlechter für das Amt des Fürsten vorstellen kann, was sich auch mit dem vorherrschenden Frauenbild im Mittelalter decken würde. Hier waren die Frauen gesellschaftlich nicht auf einer Ebene mit den Männern, obwohl diese die gleichen Rechte und Pflichten hatten (vgl. o. V., www.audimax.de). Bei Platon hingegen spielt das Ge-schlecht keine Rolle (vgl. Platon, Der Staat, Buch 5, 454c – 456c), weswegen es durchaus denk-bar erscheint, dass auch eine Frau zur Philosophenkönigin erkoren wird. Weiterhin kann aus den Naturanlagen auf das eher schlechte Menschenbild von Machiavelli geschlossen werden. Machiavelli fordert vom idealen Fürsten unter anderem einen rechten Gebrauch von Grausam-keit (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 53) oder aber auch, dass er erbarmungslos agieren solle (vgl. Machiavelli, Der Fürst: 85), weil er der Meinung ist, dass sofort Unordnung und Verwirrung eintreten würde, wenn man den Menschen erlauben würde, zu tun und lassen was sie wollen (vgl. Discorsi, Buch 1, Kapitel 3).

Versucht man schließlich Gemeinsamkeiten bei Platons und Machiavellis Voraussetzungen an den Herrschenden zu finden, so sind diese im Grunde lediglich in der Klugheit und Tapferkeit zu finden, welche jedoch in beiden Ansichten zu verschiedenen Zwecken dienen sollen. Die Klugheit spielt dabei bei beiden Philosophen eine gewichtige Rolle. Bei Platon ist sie vor allem deswegen notwendig, um die Ausbildung hin zum Philosophenkönig meistern zu können. In Machiavellis Vorstellungen wird die Klugheit erst während der Herrschaftszeit stärker von Nö-ten sein, um Gefahren und Unheil vermeiden zu können.

4.2 Analyse und Vergleich der Legitimationsansprüche

Um die Legitimation der herrschenden Personen analysieren zu können, sollte man zunächst auf jeden Fall den epochalen Zusammenhang mitbetrachten, um sich ein Bild von den vorherr-schenden Regeln und Rechtmäßigkeiten machen zu können, und damit die Legitimationsge-danken besser verstehen zu können. Außerdem sollen die Legitimationsansprüche nach Max Webers Herrschaftssoziologie untersucht werden.

Im antiken Griechenland zu Lebzeiten Platons existierten dort verschiedene Herrschaftsformen; von der Timokratie über die Oligarchie bis hin zur Tyrannis erlebten die Athener ein „Wechselbad der Verfassungen“ (Frede 1997: 253) Schließlich manifestierte sich die demokratische Staatsform, die sogenannte attische Demokratie, welches eine „direkte Demokratie, mit einer Bürgerbeteiligung, deren Ausmaß von keiner späteren Demokratie wieder erreicht worden [war]“ (Vorländer, 2014) (vgl. Frede 1997: 253). Diese Art von Demokratie beinhaltete ein Losverfahren, welches entschied, wel-cher Bürger in ein politisches Amt gehoben werden würde. Damit wurde jegliche Bevorteilung bei der Vergabe der Ämter vermieden. Nur vereinzelte Ämter, bei denen besondere Fähigkeiten verlangt wurden, sind durch eine Wahl vergeben worden (vgl. Vorländer, 2014).

Im Gegensatz dazu, wurde die Herrschaft im Italien zu Zeiten der Renaissance rechtmäßig durch die Vererbung innerhalb der Familie weitergegeben. Der entsprechende Titel des Fürsten konnte durch Zahlungen an den Kaiser erworben werden oder aber auch durch die Heirat in ein Adelsgeschlecht. Jedoch entwickelte sich auch eine Gesellschaft mit dem Recht des stärkeren Herrschers heraus, wodurch es zu vielen Herrschaftswechseln kam. Die Staatsformen in Italien waren dabei genauso vielfältig und ständig wechselnd wie im antiken Griechenland. So gab es neben der Demokratie, hin zur Oligarchie und Monarchie auch verschiedene Zwischenformen (vgl. Antenhofer, o. J.).

Betrachtet man nun die Ansichten über die Legitimation der Herrschaftsideale von Platon und Machiavelli im Kontext des historischen Hintergrunds, so kann man sagen, dass sich der Phi-losophenherrscher nach Platons Vorstellungen nur über eine demokratische Wahl hätte legiti-mieren können. Diese hätte jedoch wohl eher unwahrscheinlich zum Erfolg geführt, da die Phi-losophen nicht besonders angesehen waren und für den Staat als unbrauchbar galten (vgl. Pla-ton, Der Staat, Buch 6, 487c – 488b). Auch die Legitimation über die Aussage, dass die Philo-sophen wie Götter herrschen würden, hätte keine Rechtfertigung gefunden, da dies zur damali-gen Zeit wohl eher zur Anklage der Asebie, zu Deutsch „Gottlosigkeit“, geführt hätte. Die Le-gitimierung des Fürsten nach Machiavelli hingegen, spiegelt die damaligen Verhältnisse wider, sodass der Fürst sich durch die drei bereits oben erwähnten Möglichkeiten, der Heirat, der Erb-folge sowie durch das Recht des Stärkeren, also durch Eroberung des Territoriums, der recht-mäßigen Herrschaft hätte bedienen können.

Neben dem epochalen Hintergrund sollen die Legitimationsansprüche der idealen Herrschafts-personen bei den beiden Philosophen nun auch noch mittels der von Max Weber aufgestellten Herrschaftssoziologie untersucht und verglichen werden. Eine wichtige Bedeutung hat hierbei die Definition von Herrschaft nach Weber. Demnach soll Herrschaft heißen „die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“ (Weber 1972: 28) Zudem ist es von Bedeutung, dass Herrschaft nicht mit Macht gleichgesetzt wird, welche dadurch definiert wird, dass sie darauf abzielt, den eigenen Willen durchzusetzen. Dies kann auch lediglich auf Zwangsmittel beruhen (vgl. Weber 1972: 28). Der zentrale Unterschied liegt nun darin, dass bei einer Herrschaft, die Unterworfenen diese aus eigenem Interesse akzeptieren, während dies bei einer Macht nicht der Fall sein muss (vgl. Ursprung 2007: 25). Weiterhin stellt Weber drei Arten von Legitimitätsansprüchen einer Herrschaft in den Raum, welche stets durch zumindest einen Teil der Beherrschten legitimiert werden muss (vgl. Anter 1995: 64). Diese drei verschie-denen Arten bestehen aus der rationalen, der traditionellen sowie der charismatischen Herr-schaft. Die rationale Herrschaft basiert auf einem Gerüst von Regeln, welches durch die herr-schenden Personen befolgt werden soll. Dazu gibt es eine klare Hierarchie, die einem Vorge-setzten und seinen Untergebenen gleicht (vgl. Weber 1972: 124ff.) Dabei ist zudem zu erwäh-nen, dass hierbei nicht der Person an der Macht Gehorsamkeit zusteht, sondern dem Regelwerk.

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Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346213457
ISBN (Buch)
9783346213464
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v742018
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Schlagworte
herrschaftsideale ihre legitimationsansprüche machiavelli platon voraussetzungen ziele

Autor

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