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Merkmale des Picaroromans in Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen"

Seminararbeit 2007 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Arbeitsbegriff
2.1. Zum Begriff „Schelmenroman“
2.2. Gattungstypische Merkmale
2.2.1. Der Erzähler
2.2.2. Die Figur
2.2.3. Die Handlung
2.3. Abgrenzung zum Bildungsroman
2.4. Zusammenfassung

3. Anwendung der Kriterien des Picaroromans auf „Das kunstseidene Mädchen“
3.1. Die Erzählerin
3.2. Die Figur Doris
3.3. Die Handlung

4. Schlussfolgerung und Ausblick

5. Literatur

6. Erklärung

1. Einleitung

Diese Arbeit entsteht in Anlehnung an das Hauptseminar „Kästner, Keun & Co“. In diesem Seminar trat die Frage auf, ob die episodenhafte Abfolge der Erlebnisse in „Das kunstseidene Mädchen“ der Struktur des Schelmenromans entsprechen. Ich möchte hiermit untersuchen, ob Irmgard Keuns Werk in der Gesamtheit als Schelmenroman gelesen werden kann. Bei der Lektüre dieses Werkes denkt man zunächst unweigerlich an den Tagebuchroman, den Entwicklungs- oder Gesellschaftsroman. Welcher dieser Romantypen letzten Endes zutreffender ist, möchte ich dabei außen vor lassen. Vielmehr interessiert es mich, inwiefern in „Das kunstseidene Mädchen“ Merkmale der viel älteren Romangattung zu finden sind. Es gibt etliche Punkte, die an den Picaroroman erinnern. So möchte ich zunächst unter Berücksichtigung des Forschungsstandes die Merkmale des Picaroromans herausstellen und einen Arbeitsbegriff formulieren. Anschließend soll eine formale Analyse des Primärtextes erfolgen um schließlich zu einem Urteil zu kommen.

2. Der Arbeitsbegriff

2.1. Zum Begriff „Schelmenroman“

1554 wird in Spanien der Roman „Lazarillo de Tormes“ anonym veröffentlicht. Diese Schrift gilt als die erste novela picaresca[1]. Es folgten eine Reihe weiterer Werke, wie Mateo Alemáns „Guzmán de Alfarache“ (1599) oder López de Úbedas „La Pícara Justina“. Diese, und viele weitere Bücher, griffen die satirisch-kritische Tendenz[2] des Pícaroromans auf. In Deutschland setzt sich diese Romangattung erst im 17. Jahrhundert durch. Der bekannteste Vertreter ist Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen mit seinem Buch „Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“ (1668).

Zunächst beschrieb man die Romane, die an das Vorbild von der iberischen Halbinsel anknüpfen, als pikareske Romane. Der Begriff Schelmenroman, so wie er heute gebraucht wird, festigte sich erst im 19. Jahrhundert. Heutzutage werden die „Bezeichnungen Pícaro- und Schelmenroman von Literaturhistorikern synonym gebraucht“[3], obwohl es streng genommen erhebliche Unterschiede zwischen beiden Bezeichnungen gibt. Um ein genaueres Bild der beiden Begriffe zu erhalten ist es somit erforderlich, sich die Wörter Schelm und pícaro genauer anzusehen. Die beiden Wörter werden wie eine Übersetzung benutzt, dabei bezeichnet der p ícaro einen „sozial auf der untersten Stufe stehenden Menschen, der keiner geregelten Arbeit nachging. [ ] Schelm bezog sich dagegen nie auf eine soziale Klasse oder Berufsbezeichnung“[4]. Vielmehr war bei jemand schalkhaftem oder neckischem die Rede vom Schelm[5]. Beide Bezeichnungen haben allerdings gemeinsam, dass die dahinter stehenden Personen „unmoralisch und ehrlos“[6] waren. Der Stand der Forschung ist sich bisher noch nicht ganz einig, ob nun eine differenzierte Betrachtung der Begrifflichkeiten von Nöten ist. Den Vorschlag nur Werke aus der Zeit zwischen 1554 und 1650, welche in Spanien geschrieben, wurden Picaroroman zu nennen, ließ sich im Sprachgebrauch nicht durchsetzten[7]. Somit wird im Allgemeinen der Gebrauch eines engeren und eines weiteren Gattungsbegriffs gemacht[8]. In einem engeren Sinn, werden unter Picaroroman nur die Werke verstanden, die einen festen Bestandteil gattungstypischer Merkmale aufweisen. Im weiteren Sinne werden auch jene Werke zum Picaroroman gezählt, die jeweils einzelne Charakteristika besitzen[9]. Da die Forschung in Hinblick auf die Unterscheidbarkeit von Schelmenroman und Picaroroman nicht eindeutig, und die Klärung dieses Konflikts an dieser Stelle nicht um zu setzten ist, werde ich von den pikaresken Merkmalen ausgehen. Darunter verstehe ich die Charakteristika moderner Romane, die das Erbe der Picaroromane antreten. In Bezug auf die Figur bleibe ich bei der ursprünglichen Bezeichnung pícaro.

[...]


[1] vgl. Bauer, Matthias: Der Schelmenroman. Stuttgart.1994. S. 1.

[2] vgl. Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. v. Müller, Jan-Dirk. Band III P-Z. Berlin. 2003. S. 371.

[3] Reallexikon. S. 371.

[4] Gebauer, Mirjam: Wendekrisen. Der Pikaro im deutschen Roman der 1990er Jahre. Trier. 2006. S. 17.

[5] vgl. Gebauer. Trier. 2006. S. 17.

[6] Gebauer. Trier. 2006. S. 17.

[7] vgl. Reallexikon. S. 371.

[8] vgl. Reallexikon. S. 372.

[9] vgl. Reallexikon. S. 372.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638712446
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74297
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Schlagworte
Merkmale Picaroromans Irmgard Keuns Mädchen

Autor

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Titel: Merkmale des Picaroromans in Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen"