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Die Untersuchung des Wesens von Don Giovanni anhand von Peter Sellars' und Joseph Loseys Operninszenierungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 24 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu meiner Vorgehensweise

3. Kurze Geschichte der Oper

4. Die Definition des Werkes

5. Szenenvergleich - Die Ouvertüre

6. Szenenvergleich – Viva la libertà

7. Szenenvergleich – Finale

8. Das Wesen von Don Giovanni

9. Der musikalische Don Giovanni

10. Resümee

11. Quellen

1. Einleitung

Don Giovanni – dieser literarischen Figur sind schon viele Schriftsteller verfallen – Tirso de Molina, Moliere, Alexander Puschkin - um nur einige davon zu nennen. Auch den italienischen Librettisten Lorenzo Da Ponte zog die Geschichte des Frauenhelden in seinen Bann. Er griff auf das Libretto von Giovanni Bertati zurück, ergänzte und veränderte dieses und schuf 1787 seine eigene literarische Vorlage für die von Amadeus Mozart komponierte Musik. Diese Oper soll mit einer Leichtigkeit, die sowohl den Verführungskünsten des Don Giovanni eigen ist als auch die Musik Mozarts auszeichnet, entstanden sein.

In dieser Hausarbeit soll es nicht darum gehen, eine präzise und detaillierte Analyse der verschiedenen Interpretationen der Musik Mozarts zweier Dirigenten anhand der Partitur wieder zu geben. Der Fokus wird vielmehr auf dem inhaltlichen Gehalt der Geschichte von Don Giovanni liegen. Anhand der Operninszenierung von Peter Sellars und der verfilmten Version von Joseph Losey soll in bestimmten Szenen genau untersucht werden, wie zwei Regisseure dieselbe Handlung dramaturgisch und szenisch umgesetzt haben. Des Weiteren soll ein Versuch unternommen werden, die möglichen Intentionen der beiden Regisseure zu erschließen.

Es werden folgende Szenen miteinander verglichen: das Geschehen auf der Bühne bzw. auf der Leinwand während der Ouvertüre, die Szene „Viva la libertà“ und das Finale. Zusätzlich werden die zwei Versionen des Titelhelden aus beiden Operninszenierungen genauer unter die Lupe genommen.

2. Zu meiner Vorgehensweise

An Anfang skizziere ich die Inhaltsangabe der Geschichte des Don Giovanni von Da Ponte. Danach folgt ein Vergleich der oben bereits erwähnten Szenen der beiden Inszenierungen. Bei der näheren Untersuchung des Charakters von Don Giovanni werden auch andere literarische Quellen z. B. „ Der steinerne Gast“ von Alexander Puschkin und „Don Juan oder der steinerne Gast“ von Moliere sowie Sören Kierkegaards Untersuchung des Charakters Don Juans in „Entweder-Oder“ zu Rate gezogen und gegenübergestellt. Angeregt durch Stefan Kunzes Lektüre „Mozarts Opern“ gehe ich dann kurz auf die Besonderheiten des Mozartschen Don Giovanni und auf den Don Giovanni, der von Peter Sellars und Joseph Losey inszeniert wurde, ein. Zum Schluss fasse ich in einem Resümee die wichtigsten Unterschiede zusammen und nehme dazu Stellung.

3. Kurze Geschichte der Oper

Die Handlung beginnt im Hause Donna Annas, wo Don Giovanni, nachdem er Donna Anna verführt hat, ihren Vater, den Komtur, in einem Zweikampf niedersticht. Noch am Sterbebett des Vaters schwören Donna Anna und ihr Verlobter Don Ottavio Rache für den Mann, der ihrem Vater das Leben genommen hat. Don Giovanni gelingt es, unerkannt zu entkommen.

Don Giovanni ist ein Lebemann. Zusammen mit seinem Diener Leporello zieht er durch die Welt, um Frauen zu verführen. Auch Donna Elvira konnte seinem Charme nicht widerstehen. So wie er sie kurz nach der Hochzeit verlassen hatte, löste er sich von vielen Frauen wieder. In ihrem Stolz gedemütigt verfolgt sie Don Giovanni, um ihn zurück zu gewinnen. Don Giovanni möchte jedoch nichts von ihr wissen. Er hat bereits ein Auge auf das Bauernmädchen Zerlina geworfen. Diese steht kurz vor der Heirat mit Masetto. Um die Hochzeit der beiden zu verhindern, setzt Don Giovanni seine Verführungskünste bei der Braut ein. Als er damit nicht die erwünschte Wirkung erzielt, bemüht er sich vorübergehend um die Gunst einer anderen Frau.

Auf dem Ball, den Don Giovanni für das künftige Brautpaar Zerlina und Masetto gibt, erscheinen drei maskierte Gestalten – Donna Anna, Donna Elvira und Don Ottavio. Sie verfolgen das Geschehen und greifen ein, als Don Giovanni Zerlina entführt und diese um Hilfe schreit. Der wirkliche Verführer weist die Schuld von sich und beschuldigt Leporello. Die Menge glaubt ihm kein Wort und bezeugt, dass der Himmel ihn bald für seine Taten bestrafen wird.

Als Don Giovanni und Leporello auf dem Friedhof die Statue des Komturs sehen, lädt der Frauenheld voller Ironie den Verstorbenen zum Abendessen ein. Dieser nimmt die Einladung an und erscheint tatsächlich. Don Giovanni trotzt den Mahnungen des Komturs, seine Taten zu bereuen, geht jedoch mit Handschlag auf dessen Gegeneinladung ein und wird von Komtur in die Hölle verbannt.

4. Die Definition des Werkes

Mozarts Oper „Don Giovanni“ lässt sich nicht eindeutig einordnen. Auf dem Titelblatt des Prager Librettos fand man die Bezeichnung dramma giocoso. Diesen Namen verwendet man allgemein für die musikalische Komödie. Mozart selbst bezeichnete seine Komposition als o pera buffa. Diese Bezeichnung wird als komische Oper übersetzt.

Schaut man auf die anderen Kompositionen von Mozart und Da Ponte, die ebenfalls den Namen opera buffa tragen wie „Cosi fan tutte“ und „Le nozze di Figaro“, so fällt auf, dass sein „Don Giovanni“ sowohl komische als auch ernsthafte und tragische Elemente in sich vereint. Die anderen zwei Opern zeichnen sich durch den überwiegend komödiantischen Charakter aus.

Die Bezeichnung opera seria – die ernsthafte Oper – trifft auf Don Giovanni auch nicht zu.

Laut Stefan Kunze hatten Mozart und Da Ponte „die feie Wahl, das Werk mit dem Höllensturz oder mit dem Komödienschluss enden zu lassen.“[1] Die Autoren entschieden sich also bewusst für ein tragisches Finale.

Wenn man beachtet, dass die Vermengung von ernsten und komischen Elementen, die Ernst Lert tragische Ironie nannte[2], längst zu den Merkmalen der opera buffa zu Mozarts Zeit gehörte, stellt man die Entscheidung der zwei Autoren nicht mehr in Frage. Man muss also den Begriff opera buffa erweitert denken.

Die Oper „Don Giovanni“ nimmt in dieser Mozart-Da-Ponte-Reihe insofern eine gesonderte Stellung ein, weil sie eine Synthese der beiden Genres darstellt. Wobei Stefan Kunze die Frage, ob der Don Giovanni „Komödie, Tragödie oder ein hybrides Genus“ sei, generell für eine falsch gestellte Frage hält[3].

Bei dem Versuch, etwas genau kategorisieren zu wollen, stößt man häufig an Grenzen. Manches muss man einfach genau so hinnehmen, wie es ist. Mozarts Oper spiegelt die Realität wieder und ist ein Sonderfall. Sehr treffend drückt es Georgi W. Tschitscherin in einem Brief an seinen Bruder aus: Wie im Leben selbst „haben sich Tragisches und Komisches gegenseitig organisch durchdrungen in einer tiefen Problematik, und unter der Oberfläche des Alltäglichen lauert die ganze Zeit über das Dämonische.“[4]

[...]


[1] Vgl. Kunze, Stefan: Mozarts Opern. Stuttgart: Reclam, 1984, S. 330

[2] Vgl. Lert, Ernst: Tragische Ironie in Mozarts „Don Giovanni“, in Csampai, Attila und Holland, Dietmar: Wolfgang Amadeus Mozart. Don Giovanni. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1981, S. 246

[3] Vgl. Kunze, Stefan: Mozarts Opern. Stuttgart: Reclam, 1984, S. 327

[4] Vgl. Tschitscherin, Georgi W: Gedanken zu Mozarts „Don Giovanni“, in Csampai, Attila und Holland, Dietmar: Wolfgang Amadeus Mozart. Don Giovanni. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1981, S. 251

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638715294
ISBN (Buch)
9783638774338
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74453
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Theaterwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Untersuchung Wesens Giovanni Peter Sellars Joseph Loseys Operninszenierungen Mozart

Autor

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Titel: Die Untersuchung des Wesens von Don Giovanni anhand von Peter Sellars' und Joseph Loseys Operninszenierungen