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„Ob wir nicht doch vielleicht Schuld sind?“ - Von der Schuldfrage in Fontanes „Effi Briest“

Hausarbeit 2007 17 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakterisierung der Eltern
2.1. Der Vater
2.2. Die Mutter

3. Die Beziehung der Eltern zu Effi
3.1. Die Beziehung der Eltern zu Innstetten
3.2. Die Reaktion der Eltern auf Effis Schritt vom Wege
3.3. Vergleich der Mutterrolle Effis und Luise Briests

4. Die Schuldfrage der Eltern
4.1. In Fontanes Roman
4.2. In der Sekundärliteratur

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ wurde wohl, wie selten ein anderer, auf viele verschiedene Gegenstände untersucht, die man allesamt in der Sekundärliteratur wieder findet. Einer dieser Schwerpunkte ist die Frage, inwieweit die Eltern Effis daran beteiligt waren, dass es zu ihrem Schritt vom Wege kam.

Diese Arbeit versucht auf der Grundlage von Fontanes Roman und der dazugehörigen Sekundärliteratur eine ansatzweise Annäherung an die Schuldfrage der Eltern.

Dazu sollen zunächst einleitend die Eltern von Effi näher charakterisiert und die Beziehung zu ihrer Tochter dargestellt werden. Wichtig für die Auseinandersetzung mit dieser Problematik ist außerdem die Beziehung der Eltern zu Effis Ehemann Innstetten, insbesondere die Beziehung zwischen Effis Mutter Luise und ihm. Daraus ableitend kann man auch die Reaktion der Eltern auf Effis Ehebruch näher darstellen und die Gründe dafür aufzeigen. Um die Charakterisierung der beteiligten Personen abzuschließen, möchte ich noch auf die Parallelen zwischen Effi und Luise in Bezug auf ihre Mutterrolle eingehen, bevor ich mich der Schuldfrage der Eltern widme.

Dabei sollen vor allem die Aspekte untersucht werden, die man in Fontanes Buch findet und was dazu in der Sekundärliteratur gesagt wird, weil die Meinungen hier sehr weit auseinander gehen, da der vorhandene Text auf vielerlei Ebenen unterschiedlich interpretiert wurde.

2. Charakterisierung der Eltern

2.1. Der Vater

In Theodor Fontanes Roman werden die Personen vor allem durch das was sie sagen, also durch ihre Gespräche, direkt und indirekt charakterisiert.

Der Ritterschaftsrat von Briest wird bei seinem erstmaligen Erscheinen im Roman als ein „wohlkonservierter Fünfziger von ausgesprochener Bonhommie“[1] beschrieben. Er ist auch nicht das, was man ein Familienoberhaupt nennt, denn die meisten Entscheidungen im Hause Briest werden ohne, dass Briest ihr widerspricht, von seiner Frau getroffen. Dies lässt sich sehr gut an der Verlobung zwischen Innstetten und Effi aufzeigen, bei der seine Frau ihn in der Gegenwart der frisch Verlobten zurechtweist und er ihr zustimmt.[2] Damit gewinnt der Leser den Eindruck der intellektuellen Dominanz von Luise gegenüber Briest. Nur einmal behält die Meinung Briests Oberhand gegenüber Luise, nämlich als es darum geht, Effi aufgrund ihrer Krankheit wieder zu Hause aufzunehmen.[3]

Nicht zuletzt an dieser Tat ist seine Verbundenheit mit Effi erkennbar. Er steht ihr auch in vielen anderen Dingen näher als die Mutter, zum Beispiel, wenn die Rede von Effis Neigung zu Frivolitäten ist, als sie sich den japanischen Bettschirm wünscht.[4] Das alles verweist auf das Vorbild des Vaters.

Briest wird außerdem nicht ein einziges Mal im Roman mit seinem Vornamen angesprochen, womit ihm der Autor eine Sonderrolle zukommen lässt. Er distanziert sich als erster von den gesellschaftlichen Konventionen, indem er Effi wieder aufnehmen will, womit er eine „autonome Innerlichkeit“[5] besitzt, die Innstetten in dieser Hinsicht fehlt.

Bei der letzten Szene des Romans, als die Eltern vor Effis Grab stehen und die Mutter nach der Schuld fragt, verweist Briest, wie so oft im Roman, auf das „zu weite Feld“[6]. Diese Aussage ist sein Haupterkennungsmerkmal im Buch und zeigt, insbesondere in der letzten Szene, dass Briest über den Dingen steht und dass er sich mit der Realität abgefunden hat.[7]

2.2. Die Mutter

Der Mutter von Effi, Luise von Briest geb. von Belling, kommt in diesem Roman ebenfalls eine besondere Rolle zu. Zum einen ist sie neben Effi diejenige, die bereits am Anfang des ersten Kapitels erwähnt wird. Dabei sind beide mit Handarbeiten beschäftigt, wobei Effi zwischendurch immer aufsteht und Turnübungen macht. Dies gibt der Mutter die Gelegenheit ihre Tochter „flüchtig und verstohlen“ zu beobachten, „weil sie nicht zeigen wollte [...], zu welcher Regung mütterlichen Stolzes sie voll berechtigt war“.[8]

Zum anderen ist sie auch die Person, die die Verlobung mit Innstetten einfädelt und Effi zu der Heirat überredet. Da Effi sehr auf ihre Mutter fixiert ist und die Mutter um ihren Einfluss Bescheid weiß, reicht es bereits, ein wenig an Effis Klugheit am Ende des zweiten Kapitels zu appellieren, damit diese zustimmt.[9]

Luises Dominanz macht sich auch weiterhin bemerkbar, indem sie alleine mit Innstetten die Hochzeit organisiert[10] und Effi darüber hinaus bei den Anschaffungen für ihr neues Haus berät, indem sie ihr das meiste ausredet.[11]

Da Effis Mutter zudem die ehemalige Geliebte von Innstetten ist, die er aufgrund seiner vergleichsweise niedrigeren Stellung zu Briest, damals nicht heiraten konnte, ist es nicht verwunderlich, dass sie sehr interessiert an Innstettens Briefen an Effi ist. In Kapitel vier fleht sie Effi nahezu an einen Brief vorzulesen, der für Effi nicht unbedingt von großem Interesse ist.[12] In diesem Kontext ist ihr Interesse nicht nur mütterlicher Natur, sie möchte auch als ehemalige Geliebte[13] wissen, wie sich Instetten seiner neuen Liebe gegenüber verhält.

Aufgrund ihrer früheren Beziehung zu Innstetten, weiß Luise, dass er ein Mann von etwas unterkühltem Charakter ist. Somit erkennt sie auch als erste die Gefahr der Langeweile für Effi, zumal Effi ihr direkt nach der Hochzeit sagt, dass sie vor allem „Zerstreuung“ und „immer was Neues“ braucht.[14] Trotz ihres Wissens beugt Luise dem nicht vor und lässt Effi damit ins offene Messer laufen. Dieses Verhalten kann man hauptsächlich damit erklären, dass Luise ebenso wie Effi sehr ehrgeizig ist und ihren nicht verwirklichten Traum von einem Leben mit Innstetten schließlich doch mit ihrer Tochter erfüllen kann.

[...]


[1] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest. 9.Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2004, S. 18

[2] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 19-20

[3] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 277

[4] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 30

[5] Vgl. Müller-Michaels, Harro: Normendiskurse in Fontanes späten Romanen. In: Deutschunterricht Berlin, Heft 2 (2000), S. 100

[6] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 295-296

[7] Vgl. Rösel, Manfred: „Das ist ein weites Feld“. Wahrheit und Weisheit einer Fontaneschen Sentenz. Frankfurt am Main, Berlin u. a.: Peter Lang 1997, S. 79

[8] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 8

[9] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 18

[10] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 22

[11] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 30

[12] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 33

[13] Vgl. Wilczek, Reinhard: Die Sehnsüchte der Luise Briest und des Barons Instetten. Über Wunschprojektionen und ihre Folgen. In: Lust am Kanon. Denkbilder in Literatur und Unterricht. Hrsg. von Susanne Knoche u. a. Frankfurt am Main: Peter Lang 2003, S. 174-175

[14] Vgl. Fontane, Theodor: Effi Briest, S. 32

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638715973
ISBN (Buch)
9783638834742
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74459
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Deutsches Seminar
Note
2,7
Schlagworte
Schuld Schuldfrage Fontanes Briest“ Theodor Gesellschaftsromane

Autor

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Titel: „Ob wir nicht doch vielleicht Schuld sind?“ - Von der Schuldfrage in Fontanes „Effi Briest“