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Veränderung des Arzt-Patienten-Verhältnisses: Die Theorie von Talcott Parsons und die Auswirkungen der Veränderung auf diese

Seminararbeit 2005 17 Seiten

Soziologie - Medizin und Gesundheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abstract

2 Einleitung

3 Das Arzt – Patienten – Verhältnis aus der Sicht von Talcott Parsons

4 Veränderung der Arzt - Patienten – Verhältnisses
4.1 Wandel des Arztes vom Halbgott zum Partner bzw. Berater
4.2 Stetig steigendes Wissen der Patienten
4.3 Steigender Wunsch nach Beteiligung am Prozess der Behandlung

5 Neuere Möglichkeiten der aktiven Teilhabe der Patienten an einer Behandlung
5.1 Patientenverfügungen
5.2 Lebendorganspende
5.3 Auswahlfreiheit des Patienten bzgl. des Arztes

6 Der Wandel als Problem innerhalb des Arzt – Patienten – Verhältnisses

7 Das System Parsons besitzt weiterhin Gültigkeit

8 Strukturveränderungen innerhalb der Medizin

9 Literaturverzeichnis

1 Abstract

The main topic, which is presented in this essay, is the relation between physicists and patients. Talcott Parsons wrote about this relation in the 1950s and defined a theory of the medical sector. But a lot has changed since that time. Nowadays, patients have many opportunities to participate in the medical process. Furthermore, doctors now are seen as partners and no longer as demigods in white. Finally, it is prooved that Parsons` ideas are still absolutely valid today.

2 Einleitung

Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziales unterstützt in diesen Tagen

Pilotprojekte in verschiedensten Bereichen der Medizin, die sich mit der partnerschaftlichen Entscheidungsfindung zwischen Ärzten und Patienten beschäftigen[1]. Damit reagiert auch die Politik auf den stetigen Wandel innerhalb des Arzt – Patienten – Verhältnisses. Es scheint kein Geheimnis mehr zu sein, dass sich diese Beziehung in den letzten Jahren grundlegend verändert hat.

Doch nicht nur die Politik, oder die Medizin selbst machen sich Gedanken über das angesprochene Verhältnis, sondern auch einflussreiche Soziologen haben sich mit dem Arzt – Patienten – Verhältnis beschäftigt. So unter anderem auch Talcott Parsons[2], ein US – amerikanischer Soziologe. Unter dem Gesichtspunkt seiner Theorie und seinen Anschauungen soll im Folgenden der Wandel innerhalb der Beziehung zwischen Ärzten und Patienten betrachtet werden.

3 Das Arzt – Patienten – Verhältnis aus der Sicht von Talcott Parsons

Parsons befasst sich unter anderem in seinem Buch „The Social System“ mit der

Rolle der Medizin innerhalb der Gesellschaft. Laut Parsons ist die Gesundheit als funktionale Notwendigkeit innerhalb der Gesellschaft zu verstehen.

So sieht er Krankheit als „dysfunktionale Erscheinung und das individuelle Kranksein als abweichendes Verhalten“[3]. Diese Dysfunktionalität kranker Gesellschaftsmitglieder führt zu einer Störung in Hinsicht auf biologische und soziale Funktionen, da deren erwarteten Rollen innerhalb einer Gesellschaft nicht mehr erfüllt und wahrgenommen werden können.

Um diese Störung zu beseitigen, und um auch wieder zur uneingeschränkten Funktionalität zu gelangen muss es nun als Pflicht jedes kranken Gesellschafts­mitgliedes, also Patienten gesehen werden, dass es sich bei Krankheit so schnell wie möglich auf den Weg zu einem Arzt macht, der es behandelt. Dieser wiederum muss durch das Wissen und die Fähigkeiten, die er sich in seiner langjährigen Ausbildung und durch seine Erfahrung angeeignet hat, versuchen, den Patienten zu heilen, also von der Krankheit zu befreien.

Somit wäre man nun beim Arzt – Patienten – Verhältnis. Welche Rechten, welche Pflichten haben Ärzte und Patienten? Welche Beziehung haben sie laut Parsons?

Dem Patienten kommen außer den gerade erwähnten Pflichten noch Weitere hinzu, die er dringend einhalten muss, soll er wieder vollständig genesen. Erstens muss er sich dem behandelnden Arzt öffnen, ihm Vertrauen entgegenbringen, was auch beinhaltet, dem Arzt seinen Körper zu zeigen, und offen über Symptome zu sprechen. Etwas drastischer formuliert, müsste man eigentlich sagen, die Patienten müssen sich dem Arzt ausliefern. Zweitens müssen die Patienten akzeptieren, dass die alleinige Entscheidungsgewalt beim Arzt liegt, denn schließlich sind die Ärzte diejenigen, die sich über einen langen Zeitraum Wissen und Erfahrungen angeeignet haben, somit über spezielles Fachwissen verfügen, wie Krankheiten behandelt werden können und müssen. Damit werden die Ärzte auch die beste Methode bzw. Behandlung bestimmen können, die dazu führen wird, dass der Patient wieder gesund wird, und somit wieder seine sozialen Rollen ausüben kann, was dazu führt, dass seine Funktionalität innerhalb der Gesellschaft wieder hergestellt wird. Drittens müssen Patienten den unbedingten Wunsch und Willen in sich tragen, wieder gesund zu werden. Schlussendlich, dies dürfte als wichtigster Punkt gelten, muss der Patient damit einverstanden sein, dass er in vielen Fällen dem Arzt die Erlaubnis, ja sogar die Bitte ausspricht, eine „kontrollierte Körperverletzung“[4] vorzunehmen, die dazu führen könnten, den Patienten wieder zu heilen. Beispiele für solche Eingriffe wären Operationen oder sogar kleinere Injektionen, bei denen man dem Körper eine Verletzung zufügt, die aber eine Heilung mit sich bringen soll.

Wie bereits angedeutet, besteht die Pflicht des Arztes darin, mit bestem Wissen und Gewissen den Patienten zu behandeln, um ihm schnellst möglich wieder zu voller Gesundheit zu verhelfen. Auch muss der Arzt den Patienten Interesse und Offenheit für dessen Angelegenheiten und Symptome entgegenbringen. Die Patienten können nämlich dem Arzt das absolute Vertrauen nur erweisen, wenn sie merken, dass sie ernst genommen werden, bzw. mit ihrem Anliegen Interesse beim Arzt wecken. Des Weiteren muss der Arzt in die Privatsphäre des jeweiligen Patienten eindringen, um eventuell wichtige Hintergründe einer Krankheit zu erfahren. Dies erfordert Fingerspitzengefühl, so dass sich ein Arzt über kurz oder lang, durch Praxiserfahrung, selbst anlernen bzw. antrainieren muss.

Schon hier dürfte deutlich werden, dass Parsons das Arzt – Patienten – Verhältnis als eine strikte Hierarchie sieht. So gibt es den Arzt, der sich durch Ausbildung und Erfahrung legitimiertes Wissen angeeignet hat, den Patienten behandelt, der keinerlei Mitspracherecht innerhalb des Prozesses der Behandlung besitzt und sich auf die Erfüllung seiner Pflichten konzentrieren muss, da es für die Gesellschaft zwingend notwendig ist, wieder zur kompletten Funktionalität zu gelangen, um eben nicht auf Kosten anderer Gesellschaftsmitglieder sein Dasein zu fristen.

[...]


[1] Vgl. DÄB, 2004.

[2] im folgenden nur noch: Parsons

[3] Menz, 1976: S.7.

[4] Ebert, 2003: S.78

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638809047
ISBN (Buch)
9783638810555
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74574
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Veränderung Arzt-Patienten-Verhältnisses Theorie Talcott Parsons Auswirkungen Veränderung

Autor

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Titel: Veränderung des Arzt-Patienten-Verhältnisses: Die Theorie von Talcott Parsons und die Auswirkungen der Veränderung auf diese