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Die Kuba-Krise: Verhalten des ExComm gegenüber Nato-Alliierten auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise

Hausarbeit 2002 16 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1) Einleitung

2) Hauptteil:
2.1. ) Das ExComm
2.2. ) Entscheidungsstrukturen und transatlantische Interessenkonflikte in der NATO
2.3. ) Haltung des ExComm gegenuber den europaischen NATO-Alliierten auf dem Hohepunkt der Kuba-Krise

3) Schlussbetrachtung

4) Literaturverzeichnis

l)Einleitung:

Niemals in der Geschichte der Menschheit stand die Welt so nahe am nuklearen Abgrund wie wahrend der Kuba-Krise, die am 15. Oktober 1962 begann und am 28. Oktober 1962 glimpflich endete. Die Sowjetunion loste diese Krise mit der heimlichen Dislozierung von nuklearen Mittelstreckenraketen auf Kuba aus, worauf die USA nach deren Entdeckung mit einer Blockade Kubas und der Vorbereitung einer Invasion reagierten. Heute weiB man, dass die sowjetischen Truppenfuhrer autorisiert waren, im Falle einer amerikanischen Invasion taktische Nuklearwaffen einzusetzen[1], was mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zu einem globalen nuklearen Schlagabtausch gefuhrt hatte. Doch auch damals war man sich in der US-Administration uber die moglichen Folgen einer Invasion, insbesondere fur die europaischen Alliierten, im klaren. Der im Jahre 1949 in Kraft getretene Nato-Vertrag sieht in Artikel 4 klare Handlungsvorschriften fur den Fall vor, dass ein Nato-Mitglied die territoriale Integritat, politische Unabhangigkeit oder Sicherheit eines anderen Nato-Staats oder seiner selbst gefahrdet sieht[2]. Die vorliegende Arbeit will anhand der Quellen der Frage nachgehen, welche Haltung das Executive Committee of the United States National Security Council (ExComm) gegenuber den europaischen Alliierten auf dem Hohepunkt der Kuba- Krise einnahm und welche Motive die US-Administration diesbezuglich leiteten. Diese Frage ist von besonderer Relevanz, da sich gleichsam die USA als auch Europa der nuklearen Ausloschung gegenuber sahen, wobei jedoch die europaischen Alliierten nahezu vollstandig vom Entscheidungsfindungsprozess durch die USA ausgeschlossen wurden.

Bei den zugrunde liegenden Quellen handelt es sich um Primarquellen: Dies sind zwei Tonbandskripte vom 27. Oktober 1962, Aufnahmebeginn um 16.00 Uhr[3] und 21:00 Uhr[4], welche Prasident John F. Kennedy mit Wissen seines Bruders, Robert Kennedy, anfertigte[5]. Die Quellen lassen sich, folgt man der klassischen Einteilung von Droysen und Bernheim, zwar als Tradition bezeichnen, da sie mutwillig und beabsichtigt angefertigt wurden, es ist aber nicht bekannt, welche Intention John F.

Kennedy mit der Erstellung verfolgte. Vermutlich wollte er die Abhorbander dazu nutzen, um spater ein Buch mit Erinnerungen zur Kuba-Krise zu schreiben[6] . Dieses hatte er dann im nachsten Wahlkampf 1964 publizieren konnen, um die Wahler an seine Leistungen zu erinnern[7] . Dennoch kann den Quellen ein hohes MaB an Authetinzitat bescheinigt werden, da offensichtlich keine Mitglieder des ExComm, auBer den Kennedy Brudern, von der Aufzeichnung der Gesprache wussten und sie sich so auch keiner Selbstzensur unterwarfen. Allein die zum Teil sehr undiplomatischen AuBerungen der ExComm-Mitglieder uber ihre Nato-Alliierten konnen belegen, dass dort niemand eine Veranlassung sah, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Des weiteren ist aber noch anzumerken, dass oft Gesprachsabschnitte nicht vollstandig rekonstruiert werden konnten, einige MeinungsauBerungen keinem speziellen Mitglied zugeordnet werden konnten und dass einige wenige Abschnitte zensiert wurden.

2) Hauptteil:

2.1. ) Das ExComm

Das ExComm, ein zentraler Akteur zur Analyse der Kuba-Krise, verstand sich selbst als Gruppe der besten und hervorragendsten Manner der USA[8] . Die fur diese Arbeit relevanten Mitglieder des ExComm sind der Vorsitzende Prasident John F. Kennedy selbst, sein jungerer Bruder und Justizminister Robert Kennedy, der Sonderberater des Prasidenten fur die nationale Sicherheit McGeorge Bundy, der Verteidigungsminister Robert McNamara, AuBenminister Dean Rusk, der Vorsitzende des Vereinigten Oberkommandos General Maxwell Taylor, CIA Direktor John McCone, der Besondere personliche Berater des Prasidenten Theodore Sorenson, Staatssekretar im AuBenministerium George Ball, Finanzminister Douglas Dillon und der Sowjet-Experte Lewellyn Thompson. Die restlichen Mitglieder des ExComm sind fur diese Arbeit nicht von weiterem Belang[9]. Diese handverlesene Gruppe hatte die Aufgabe, ihn mit

Geheimdienstinformationen zu unterstutzen, das weitere Vorgehen zu beraten, ihm mit fachlichem Rat zur Seite zu stehen und den Briefwechsel mit der Sowjetfuhrung zu editieren. Aufgrund der Vielfalt von Experten zu diversen Fachgebieten, wie nukleare Diplomatie ( D. Dillon), Sowjetunion (L. Thompson), Militar (M. Taylor) und Geheimdienstaktivitaten (R. F. Kennedy, J. McCone), konnte man von einem kompetenten Team von Beratern und Helfern sprechen. Innerhalb des ExComm konnte bereits zu Anfang der Kuba-Krise unterschieden werden zwischen den sogenannten „Tauben“ wie George Ball, welcher sich fur ein eher vorsichtiges und diplomatisches Kriesenmanagment einsetzte, und den „Falken“, wie Maxwell Taylor, die von Anfang an harte MaBnahmen gegen die sowjetischen Raketen auf Kuba favorisierten.

2.2. ) Entscheidungsstrukturen und transatlantische Interessenkonflikte in der NATO

Im Gegensatz zu Kennedys Popularitat in der europaischen Bevolkerung verschlechterten sich die Beziehungen wahrend seiner Prasidentschaft zu allen europaischen Regierungen: „The European governments were more unhappy with the Kennedy administration than with any other administration since the war“[10].

Der Grund hierfur mag vor allem gewesen sein, dass es auf den beiden Seiten des Atlantiks unterschiedliche Auffassungen daruber gab, wie Entscheidungen innerhalb des NATO-Bundnisses zustande kommen sollten. Wahrend die Europaer, allen voran Frankreich unter De Gaulle[11], auf eine starkere und engere Zusammenarbeit bereits in der Phase der Entscheidungsfindung drangten[12], beanspruchten die USA ein Monopol auf Entscheidungsfindung fur sich selbst: ...

[the allies] “must come along or stay behind. ... [W]e cannot accept a veto from any other power.”[13] Aus ihrer Sicht sollte die Konzeption der Politik der NATO in Washington stattfinden und nachdem die USA eine Position eingenommen hatten konnten die europaische Alliierten Stellung nehmen und innerhalb von Bandbreiten Veranderungen verlangen. Diese Konzeption amerikanischer NATO-Politik hat sich bis zum heutigen Tage in ihren Grundzugen erhalten[14]. Diese Auffassung musste mit den Ambitionen Frankreichs auf eine nationale und autonome atomare Abschreckung kollidieren, weil insbesondere die von McNamara konzipierte strategische Doktrin der „flexiblen Reaktion“ zentralisierte Befehlsgewalt uber das westliche Nuklearpotential voraussetzte. „We simply have to be in it.“[15]

[...]


[1] vgl. http://library.thinkquest.org/11046/ ; 16.07.2002

[2] vgl. http://www.nato.int/docu/basictxt/treaty.html ; 12.07.2002

[3] Greiner, Bernd, Kuba-Krise; 13 Tage im Oktober: Analysen, Dokumente, Zeitzeugen; Hamburg, 1988; S. 348-362, S. 366-372 ( nachfolgend als Skript 1 bezeichnet)

[4] Greiner, Bernd, Kuba-Krise; S. 386-391 ( nachfolgend als Skript 2 bezeichnet)

[5] vgl. http://millercenter.virginia.edu/pdf/mcr993/mcr993 23-24.pdf ; 08.07.02

[6] John F. Kennedy selber kam bekanntlich nicht mehr dazu, ein Buch uber die Kuba-Krise zu veroffentlichen, da er vorher einem Attentat zum Opfer fiel. Das Buch (Thirteen Days: A Memoir of the Cuban Missile Crisis ) wurde von seinem Bruder Robert Kennedy vollendet, allerdings konnte auch dieser nicht mehr die Veroffentlichung miterleben, da auch er vorher ermordet wurde.

[7] vgl. http://millercenter.virginia.edu/pdf/mcr993/mcr993 23-24.pdf ; 08.07.2002

[8] vgl. http://library.thinkquest.org/11046/people/ex-comm.html 15.07.02

[9] Bei ihnen handelt es sich um: Offizielle Mitglieder: Vize-Prasident Lyndon B. Johnson, Stellvertretender Verteidigungsminister Roswell Gilpatric. Inoffizielle Mitglieder: Stellvertretender Staatssekretar im AuBenministerium U. Alexis Johnson, vormaliger AuBenminister Dean Acheson, private Berater John McCloy und Robert Lovett, UN-Botschafter Adlai Stevenson, Stellvertretender Direktor des USIA Donald Wilson, vormaliger Botschafter in der Sowjetunion Charles Bohlen, Stellvertretender Verteidigungsminister Paul Nitze und Stellvertretender AuBenminister fur interamerikanische Angelegenheiten Edwin Martin.

[10]

[11] Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass De Gaulle auf eine ubergeordnete, tripolare Entscheidungsstruktur mit den USA, England und Frankreich in einem gemeinsamen NATO-Direktorat drangte. Es lag ihm nicht im Sinn, die Entscheidungsstrukturen der NATO zu multilaterelisieren.

[12] vgl. Costigliola, Frank, Kennedy, the European Allies, and the Failure to Consult; in: Political Science Quarterly, 110(1): S. 109

[13] ebd. S. 109

[14]ebd. S. 105

[15]ebd. S.112

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638147217
ISBN (Buch)
9783638746250
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7461
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches/anglo-amerikanisches Institut
Note
1.0
Schlagworte
Kuba-Krise; ExComm; 1962

Autor

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