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Depressionen. Formen, Ursachen und Behandlungswege

Hausarbeit 2006 39 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ZUSAMMENFASSUNG

1. ZUM BEGRIFF DER DEPRESSION

2. URSACHEN UND ENTSTEHUNG VON DEPRESSIONEN

3. ZWEI FORMEN VON PSYCHISCHEN STÖRUNGEN
3.1 Unipolare Störung – Depression
3.1.1 Formen von Depression
3.1.2 Symptome
3.1.3 Diagnose
3.1.4 Verlaufsformen
3.1.5 Folgen
3.1.5.1 Allgemeine Folgen
3.1.5.2 Schmerzen
3.1.5.3 Suizid
3.1.6 Mischformen
3.1.6.1 Trauer und Depression
3.1.6.2 Angst und Depression
3.1.7 Depression in den einzelnen Lebensphasen
3.1.7.1 Depressionen im Kindes- und
Jugendalter
3.1.7.2 Depressionen im Erwachsenenalter
3.1.7.3 Depressionen im Alter
3.2 Bipolare Störung – manisch-depressive Störung
3.2.1 Allgemein
3.2.2 Manie
3.2.3 Bipolar-I-Störungen und Bipolar-II-Störungen
3.2.4 Erklärung der Bipolaren Störung
3.2.5 Folgen

4. THERAPIEMÖGLICHKEITEN BEI DEPRESSIVEN STÖRUNGEN
4.1 Überblick
4.2 Somatische Therapie
4.2.1 Medikamente
4.2.2 Elektrokrampftherapie
4.3 Psychotherapie
4.3.1 Psychodynamische Therapie
4.3.2 Verhaltenstherapie
4.3.3 Interpersonale Psychotherapie
4.3.4 Kognitive Therapie
4.4 Weitere Therapieformen
4.4.1 Schlafentzug
4.4.2 Lichttherapie
4.4.3 Glaube

5. Umgang mit Depressionen
5.1 Betroffene
5.2 Angehörige und Freunde
5.3 Soziale Arbeit mit psychisch kranken Menschen – einige Beispiele

6. SCHLUSSBEMERKUNGEN

LITERATURVERZEICHNIS

ZUSAMMENFASSUNG

Was sind Depressionen? Welche Formen von Depressionen gibt es? Wie äußern sie sich und welche Ursachen haben sie? Was kann man gegen Depressionen tun? Und was müssen Sozialarbeiter/innen im Umgang mit Depressiven beachten? Diese und ähnliche Fragen werden in dieser Arbeit behandelt. Es wird dabei auf die vielen unterschiedlichen Aspekte der Depression eingegangen. Eine objektive Sicht auf und ein Überblick über diese Erkrankung mit wenigen subjektiven Aussagen wird Ziel dieser Arbeit sein.

1. ZUM BEGRIFF DER DEPRESSION

Der Begriff Depression kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Niedergeschlagen-heit oder traurige Stimmung.1 „Depression ist ein Zustand der Niedergeschlagenheit und Traurigkeit, in dem das Leben trostlos und seine Anforderungen unerfüllbar er-scheinen.“2 Die depressiven Störungen, die auch unipolare Störungen genannt wer-den, gehören zu den sogenannten affektiven Störungen, zu denen auch die bipolaren Störungen und die Manien gehören (obwohl diese ohne den Gegenpol der Depression sehr selten vorkommen).3

„Depressionen sind die Krankheit unserer Zeit schlechthin geworden. Immer mehr Menschen klagen über Energielosigkeit, mangelndes Selbstwertgefühl, Niedergeschla-genheit und Hoffnungslosigkeit.“4

2. URSACHEN UND ENTSTEHUNG VON DEPRESSIONEN

Es gibt verschiedene Ansichten von Wissenschaftlern, wie Depressionen entstehen können.

Zum einen können Depressionen durch Trauer ausgelöst werden, vor allem dann, wenn der Tod eines geliebten Menschen zu beklagen ist (siehe auch 3.1.6.1).5 Aber auch eine andere Art von Verlust eines Menschen kann zu Depressionen führen. Das ist z.B. dann der Fall, wenn jemand einen Menschen, in den er/sie verliebt gewesen war aufgegeben hatte wegen des Ehemannes oder wenn Kinder von ihren Eltern ge-trennt werden.6 Diese Ansichten von Erklärungen depressiver Störungen nennt man psychodynamische Ansichten.7

Eine zweite Ansicht ist die behavioristische Ansicht, die von Peter Lewinsohn stammt.8 „Er vermutet, daß bei manchen Menschen die Zahl der Belohnungen, die normalerwei-se positive Verhaltensweisen verstärken, und daß diese Menschen als Reaktion darauf immer weniger positive Verhaltensweisen zeigen und einen depressiven Erlebens- und Verhaltensstil entwickeln.“9 Damit ist gemeint, dass z.B. Menschen, die studieren durch entsprechende Prüfungsergebnisse belohnt werden oder Menschen am Arbeitsplatz für ihre Dienste und diese Belohnungen, womit positive soziale und verbale Verstär-kungen gemeint sind, nun wegfallen und dadurch zu einer Depression führen können.10

Eine weitere Ansicht, warum es zu Depressionen kommen kann, ist die kognitive An-sicht.11 „Forschungsarbeiten und klinische Beobachtungen führten Aaron Beck zu der Überzeugung, daß den depressiven Störungen weniger untergründige Konflikte oder abnehmende positive Verstärkungen zugrunde liegen als vielmehr negatives Den-ken.“12 So gehen Beck und andere Wissenschaftler davon aus, dass einige Kinder ne-gative Einstellungen lernen, wie z.B. „Wenn ich versage, werden sich andere von mir abgestoßen fühlen.“, die dann zu Schablonen und Schemata werden, anhand derer diese Kinder dann Erfahrungen und Ereignisse bewerten.13 Es kann vor allem später dann dazu kommen, dass nur kleinere Misserfolge zu einer negativen Gedankenkette führen können und mit starken Selbstvorwürfen und Minderwertigkeitsgefühlen einher-gehen.14 Es kommt dann u.a. zu Denkfehlern, willkürlichem Schlussfolgern, selektiver Abstraktion und Übergeneralisierung.15 Der depressive Mensch steigert sich in seine Gedanken hinein und zieht sich damit selber immer weiter hinunter, so dass „auf diese Weise .. die depressive Person bald in einen Teufelskreis gerät [hinzugefügt durch S.R.].“16

Mit der kognitiv-behavioristische Ansicht ist gelernte Hilflosigkeit gemeint.17 „Diese The-orie verknüpft Konzepte des behavioristischen und des kognitiven Modells miteinander und behauptet, daß Menschen depressiv werden, wenn sie glauben, daß sie 1) keine Kontrolle mehr über die Verstärkungen in ihrem Leben haben und 2) für diesen hilflo-sen Zustand selbst verantwortlich sind.“18

Eine letzte hier vorzustellende Ansicht ist die biologische.19 Neurotransmitterstörungen verursachen demnach die Depressionen, wobei davon ausgegangen wird, dass die Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin unzureichend vorhanden sind.20 Man geht auch davon aus, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen und z.B. Kinder von depressiven Müttern mehr gefährdet sind als Kinder von nichtdepressiven Müttern.21

Zur Entstehung von Depressionen hier noch ein vereinfachtes Schema, in dem auch gezeigt wird, dass Stress beiträgt zu Depressionen (z.B. Erschöpfungsdepression):22

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kindheit

Lebenserfahrung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

GEHIRN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. ZWEI FORMEN VON PSYCHISCHEN STÖRUNGEN

3.1 Unipolare Störung – Depression

3.1.1 Formen von Depression

„In der heutigen Diagnostik der Depression unterscheidet man nicht mehr scharf zwi-schen endogen und reaktiv. Fast immer sind nämlich beide Anteile zu beobachten.“23 Man unterscheidet daher heute depressive Episoden leichten bis schweren Grades (einmalig oder wiederholt), bipolare Störungen und depressive Anpassungsstörungen leichteren Grades (kurz oder lang).24

So gibt es Depressionen bei körperlichen Störungen, schwere Depressionen endoge-nen Ausmaßes, Altersdepressionen, Dysthymie, Erschöpfungsdepressionen und reak-tive Depressionen, wo bei die meisten Depressionen aus endogenen und reaktiven An-teilen entstehen.25

3.1.2 Symptome

Zum einen gibt es die emotionalen Symptome, die sich darin äußern, dass die depres-siven Menschen niedergeschlagen, traurig, am Boden sind und keinen Sinn für Humor mehr haben.26 „Manche depressiven Menschen empfinden auch Angst, Wut oder Ner-vosität.“27

Motivationale Symptome sind Symptome, bei denen die Motivation zu Aktivitäten, wie Unternehmungen oder Spontaneität nicht mehr oder nur noch sehr gering vorhanden sind.28 „Meist müssen sie sich zwingen, zur Arbeit zu gehen, sich mit Freunden zu un-terhalten, zu essen oder sexuell aktiv zu sein.“29 Depressiven Menschen wird das Le-ben gleichgültig, sie wollen tot sein oder versuchen sogar sich umzubringen.30

Weitere Symptome von Depressiven sind Verhaltenssymptome, die beschreiben, dass Menschen kaum noch aktiv sind.31 Sie wollen viel alleine sein, sie bewegen sich lang-samer, die Sprache kann monoton werden und teilweise gehen sie mit gebeugtem Rücken umher.32

Auch kognitive Symptome spielen bei depressiven Menschen eine Rolle. „Depressive Menschen haben ein ausgesprochen negatives Selbstbild. Sie halten sich für unzulänglich, nicht begehrenswert, niederwertig und sogar böse.“33 Der Glauben an die eigene Unattraktivität, starke Schuldgefühle, keine Kontrolle über die Lebensumstände und Hoffnungslosigkeit prägen das Denken und Handeln depressiver Menschen stark.34 „Menschen mit Depression klagen häufig darüber, daß sich ihre geistigen Fähigkeiten verschlechterten ... . Sie fühlen sich verwirrt, haben ein schlechtes Gedächtnis, lassen sich leicht durch äußere Geräusche ablenken und können nicht einmal kleine Probleme lösen.“35 Hinzu kommt, dass für diese Menschen die Zeit sehr langsam vergeht und sie das Gefühl haben, trotz dessen keine Leistung zu erbringen.36 Begleiterscheinungen der Depressionen sind häufig auch somatische Symptome, zu denen Kopfschmerzen, Verstopfung, Druck im Brustbereich und Be-nommenheit zählen.37 Aber auch Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit oder zuviel Schlaf, ständige Müdigkeit und Ruhelosigkeit gehören oft zu den Beschwerden von depres-siven Menschen.38

3.1.3 Diagnose

Zum einen können Menschen die Diagnose majore depressive Episode bekommen.39 Diese Diagnose wird dann gestellt, „wenn ihre Depression sie schwer beeinträchtigt, mehr als zwei Wochen andauert, von mindestens fünf Symptomen gekennzeichnet ist und nicht durch Faktoren wie Drogen/Medikamente oder eine körperliche Erkrankung bedingt ist.“40 Von dieser majoren depressiven Episode gibt es nun verschieden For-men. So gibt es die Diagnose majore depressive Episode, einzelne Episode, die darauf hinweist, dass es zuvor nie eine manische Episode gegeben hat.41 Weiterhin kann die majore depressive Episode rezidivierend sein, was aussagt, dass ein Patient eine oder mehrere depressive Episoden bereits hatte.42 Es gibt außerdem saisonal abhängige (z.B. jeden Winter wiederkehrende Depressionen), katatone (wenn entweder eine Be-wegungslosigkeit oder motorische Überaktivität vorliegt), mit Beginn postpartum (wenn sie innerhalb von vier Wochen nach einer Entbindung einsetzt) oder melancholische majore depressive Episoden (wenn Gleichgültigkeit herrscht, die Depressionen mor-gens schlimmer sind, Aufstehen schwer fällt, übermäßige Schuldgefühle vorhanden sind und motorische Störungen auftreten).43

„Menschen, deren Stimmung chronischer, aber in einem weniger behinderndem Aus-maß beeinträchtige ist, können die Diagnose dysthyme Störung (vom griechischen Wort für „Niedergeschlagenheit“) erhalten.“44 Bezeichnend dafür sind die depressive Verstimmung, nur 2-3 weitere depressive Symptome und eine Dauer von mindestens zwei Jahren, wobei einige depressionsfreie Wochen vorhanden sein können.45 Geht je-doch die dysthyme Störung in die majore depressive Störung über, so erhält der Pa-tient die Diagnose doppelte Depression.46

Nun können depressive Menschen auch die Diagnose depressive Störung, nicht näher bezeichnet erhalten, was z.B. dann der Fall ist, wenn Menschen kurze wiederkehrende depressive Störungen oder weniger als fünf depressive Symptome haben.47

3.1.4 Verlaufsformen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie eine Depression verlaufen kann. Eine schwe-re Depression verläuft z.B. folgendermaßen48:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zeit Freie Intervalle Depressive Episode

Eine Dysthymie (auch „neurotische Depression“ genannt) verläuft im Wesentlichen fol-gendermaßen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es liegt hier eine depressive Verstimmung vor, die über zwei Jahre dauert.

Bei der doppelten Depression sieht die Verlaufskurve wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.5 Folgen

3.1.5.1 Allgemeine Folgen

„Zu den nachteiligen Folgen depressiver Erkrankungen zählen das Leiden und die Be-hinderung des Betroffenen, die Konsequenzen der Erkrankung für Partner, Angehörige und soziales Umfeld, die direkten Kosten der Behandlung, der Arbeitsunfähigkeit und der häufig erfolgenden frühzeitigen Berentung sowie die daraus entstehenden indirek-ten Kosten insbesondere für das Wirtschaftssystem.“49 Depressive Menschen ziehen sich zudem schließlich auch zurück, es kommt zu Beziehungskrisen und andere Men-schen meiden die Depressiven zunehmend, so dass diese isoliert werden.50 „Länger anhaltende Depressivität setzt ... auch die Leistungsfähigkeit des Immunsystems he-rab. Ablagerungen in den Gefäßen, so genannte Plaques, werden dadurch leichter zum Opfer von Krankheitserregern wie zum Beispiel Chalmydien. Die Folge: entzündli-che Prozesse.“51

[...]


1 Vgl. Duden, Fremdwörterbuch Band 5, Depression. Herausgegeben von der Dudenredaktion. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim 2001, S. 209

2 R. J. Comer, Klinische Psychologie. Deutsche Übersetzung herausgegeben von Gudrun Sartory und Josef Metsch. Heidelberg, Berlin [u.a.] 1995, S. 281

3 Vgl. ebd.

4 S. Pfeifer, Depressionen. Verstehen und bewältigen. Riehen 2004, S. 1

5 Vgl. R. J. Comer, Klinische Psychologie, S. 294

6 Vgl. ebd., S. 295-296

7 Vgl. ebd., S. 294.

8 Vgl. ebd. S. 298

9 Ebd.

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. ebd. S. 299

12 Ebd.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. ebd., S. 300

16 Ebd., S. 301

17 Vgl. ebd. S. 302

1 8 Ebd.

19 Vgl. ebd., S. 306

20 Vgl. ebd. 308.

21 Vgl. ebd., S. 307

22 S. Pfeifer, Depression..., S. 9

23 Ebd., S. 7

24 Vgl. ebd.

25 Vgl. ebd.

26 Vgl. R. J. Comer, Klinische Psychologie, S. 286

27 Ebd.

28 Vgl. ebd., S. 287

29 Ebd.

30 Vgl. ebd., S.288

31 Vgl. ebd.

32 Vgl. ebd.

33 Ebd.

34 Vgl. ebd., S. 288-289

35 Ebd., S. 289

36 35 Vgl. ebd.

37 Vgl. ebd.

38 Vgl. ebd.

39 Vgl. ebd., S. 290

40 Ebd.

41 Vgl. ebd.

42 Vgl. ebd.

43 Vgl. ebd.

44 Ebd.

45 Vgl. ebd.

46 Vgl. ebd.

47 Vgl. ebd.

48 S. Pfeifer, Depression ... , S. 12

49 http://www.c-d-k.de/depver.htm

50 Vgl. http://www.raus-ins-leben.de/alles/default.asp?link=psychosoziale.htm

51 http://www.gesundheitpro.de/Folgen-und-Gefahren-Was-eine-Depression-mit-Depression- A050805ANOND020108.html

Details

Seiten
39
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638716154
ISBN (Buch)
9783638718561
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74661
Institution / Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München, Abt. Benediktbeuern
Note
1,0
Schlagworte
Depressionen Formen Ursachen Behandlungswege

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