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Vorurteile, Stereotype und Fremdenfeindlichkeit

Hausarbeit 2004 39 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Grundlegende Definitionen
2.1.) Fremdenfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit
2.2.) Stereotype
2.3.) Der Vorurteilsbegriff
2.4.) Rassismus

3.) Statistische Werte
3.1.) Shell Jugendstudie
3.1.1.) Einstellungen gegenüber besonderen Bevölkerungsgruppen
3.2) Rechtsextremistische Gruppen bzw. Organisationen

4.) Soziodemographische Merkmale
4.1.) Sozialstruktur der organisierten Rechtsextremisten
4.1.1. Altersstruktur
4.1.2 Berufstruktur und Bildungsniveau
4.1.3. Geschlechtsstruktur
4.2.) Rechtsextremistische Gewalt und Bedrohung

5.) Rechtsextremismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen
5.1) Einstellungen
5.2.) Ursachen

6.) Entstehung von Vorurteilen und Stereotype nach Tajfel
6.1.) Von Perzepturteilen zu sozialen Stereotypen
6.1.1.) Die Bedeutung des Übschätzens
6.1.2.) Soziale Stereotype uns soziale Gruppen
6.2.) Merkmale des Intergruppenverhaltens

7.) Fazit

Literaturverzeichnis

Internet:

1.) Einleitung

In der Vergangenheit gab es eine Reihe von Bürgerinitiativen gegen die Einrichtung von Asylbewerberheimen. Heute sind wir, wahrscheinlich nach den Gewalttaten der letzten zwei Jahrzehnte, viel sensibler gegenüber dem Thema der Ablehnung. Wir nehmen sie deutlicher als Hinweise auf Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit wahr. Aber worin bestehen genau die Vorurteile und die Ablehnung? Welche Funktion haben sie? Handelt es sich um individuelle Vorurteile oder liegt eine Form des gesellschaftlichen Rassismus vor? Durch welche Faktoren werden sie aktiviert? Diese häufigen und allgemeinen Fragen sollen den Grundstock bilden, auf deren Basis die Ausgangsfragen dieser Arbeit stehen: Aufgrund welcher psychologischer Mechanismen und Einflüsse der sozialen Umwelt entstehen Vorurteile und Rassismus, und unter welchen Bedingungen äußern Individuen Vorurteile und rassistische Einstellungen gegenüber anderen Menschen oder Gruppen?

Die vorliegende Arbeit betrachtet Ursachen der Fremdenfeindlichkeit aus der Perspektive der sozialpsychologischen Forschung. Verdeutlicht werden soll dies am Beispiel Rechtsextremismus bzw. Fremdenfeindlichkeit. Statistische Erhebungen zu dem Thema werden unter dem besonderen Fokus auf die aktuelle Situation in NRW dargestellt und bilden einen Hauptpunkt der Themendarstellung. Dies soll verdeutlichen, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Extremismus, etc. oft auf Gruppenphänomenen basieren und die Verankerung in den Einstellungen der Gesellschaft zu finden sind.

In den aktuellen Erklärungskonzepten variieren die Thesen über die wesentlichen Determinanten der Fremdenfeindlichkeit und die Hypothesen über die Ursachen. Aus diesem Grund und in Berücksichtigung auf die Länge soll hier nur das Konzept von Tajfel vorgestellt werden, um die Entstehung von Vorurteilen zu verdeutlichen. Seine Hauptthese, die sich auf den Fakt der Übschätzung befasst, lehnt sich an viele andere Theorien in Bezug auf die Fremdenfeindlichkeit an. Da Fremdenfeindlichkeit oft durch Überschätzung initiiert wird und auf dem fehlenden Gedanken der Gleichstellung basiert, bildet die Theorie von Tajfel den zweiten Schwerpunkt der Themenbehandlung. Im Zentrum der Theorie stehen folgende Fragen: Bringen die fremdenfeindlichen Straftaten weit verbreitete Vorurteile zum Ausdruck, die deshalb nicht frühzeitig erkannt wurden, weil sie moderne, subtile Vorurteile darstellen? Und was macht ein Individuum zum Träger von Vorurteilen und rassistischen Einstellungen (Zick 1997:14)?

2.) Grundlegende Definitionen

Zur Ermöglichung eines sensibilisierten Eindruckes in Bezug auf das Thema Vorurteile, Stereotype und Fremdenfeindlichkeit ist es notwendig häufig gebrauchte Begriffe genauer zu beschreiben und zu definieren.

Die Begriffsdefinitionen der folgenden Wörter dienen zum einen der Verständigung und zum anderen wird so versucht, dass breite Begriffsspektrum zu limitieren, d.h. die Begriffe erfassen nur spezifische Phänomene. Dem Begriff der Stereotypen wird eine besondere Beachtung zukommen, da er eine entscheidende Rolle in der Theorie Tajfels darstellt. Eine einheitliche anerkannte Definition ist so gut wie bei keinem Begriff zu finden. Ein besonderes Problem bildet der Begriff des Rechtsextremismus, von dem keine juristische Definition existiert, ebenso wenig eine in der soziologischen oder politologischen Diskussion anerkannte. Hinzu kommt, dass der Rechtsextremismus kein einheitliches, ideologisch geschlossenes Phänomen ist, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Strömungen, ideologischer Ausrichtungen und Organisationsformen umfasst. Zunächst einmal gibt es das allgemeinere Phänomen des Extremismus, der als »Sammelbezeichnung für unterschiedliche antidemokratische Bestrebungen« beschrieben werden kann (Pfahl-Traughber 1999). Die Verfassungsschutzbehörden fassen hierunter Bestrebungen, die sich gegen wesentliche Elemente der freiheitlichen demokratischen Grundordnung richten.

2.1.) Fremdenfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit

Sie führt dazu, dass einerseits die Eigenschaften der eigenen Volksgruppe besonders hoch bewertet werden, andererseits die Neigung besteht, fremde Volksgruppen zu benach­teiligen oder auszugrenzen.

Daneben löst der Begriff Fremdenfeindlichkeit mittler­weile den der 'Ausländerfeindlichkeit' ab. D.h., nicht nur Fremde im Sinne auslän­discher Mitbürgerinnen und Mitbürger, sondern auch das Fremde, das Unbekannte (z.B. Homosexuelle, Obdachlose, Spätaussiedler, aber auch gesellschaftliche Moderni­sierungs­prozesse) werden abgelehnt. Unter Fremdenfeindlichkeit im öffentlichen Sprachgebrauch versteht man „[...] die tätlichen Übergriffe auf Ausländer, Flüchtlinge, Asylbewerber und anderer Mitglieder ethnischer, religiöser und sozialer Minderheiten“ (Zick 1997:6). Sie beschreibt eine allgemeine Ablehnung von Ausländern und Fremden, die sich vielfältig ausdrücken kann. Eine genauere und annähernd passende Definition stammt von Tsiakalos:“ Demzufolge bezeichnet `Ausländerfeindlichkeit´ einerseits eine feindselige Haltung, die durch generalisierte Vorstellungen ( wie etwa: Ausländer seien für bestimmte angsteinflößende Zustände verantwortlich) bestimmt wird, und andererseits ein generalisiertes aggressives Handeln, das dem Wunsch, den vermuteten Urheber der angsteinflößende Zustände zu beseitigen, entstammt“ (Tsiakalos 1983:9). Diskriminierende Handlungen korrelieren demnach mit ausländer- oder fremdenfeindlichen Einstellungen, wobei die Xenophobie (Fremdenangst) eine zentrale erklärende Rolle spielt. Soziale Vorurteile beziehen sich zudem nach der Sozialforschung auch auf Sozialmerkmale, wie ethnische Herkunft, religiöse Orientierung oder kulturelle Lebensformen (Institut für Sozialforschung 1994:13).

2.2.) Stereotype

Stereotype sind kognitive Konzepte, die Generalisierungen über andere Personen und Gruppen von Menschen darstellen. Stereotypisierungen zeigen sich vor allem in Einstellungsäußerungen und Prozessen der Attributation. Attribute bilden dabei bestimmte Merkmale, Eigenschaften oder Kennzeichen, die Personen zugeschrieben werden. Eine allgemeine Definition nach Leyens, Yzerbyt & Schadron definiert den Begriff für Stereotypen wie folgt: Stereotype sind sozial geteilte Überzeugungen (beliefs) über Personenmerkmale (traits) und Verhaltensweisen (acts) einer Outgroup. Sie sind Produkte eines Stereotypisierungs-Prozesses, in dem stereotype Vorurteile (wie z.B. die Annahme, dass die Individuen einer sozialen Kategorie austauschbar sind) angewendet werden (Zick 1997:46). Vorurteile und Stereotype unterscheiden sich dadurch, dass Vorurteile durch eine negative, evaluative Dimension gekennzeichnet sind, während Stereotype auch positiv sein können. Vorurteile bilden demnach eine Auswertung von Erfahrungen durch eine oder mehrerer Personen (Brockhaus 1992:177 Bd. 5). Stereotype bilden dagegen allgemeine Wahrnehmungsurteile über Personen und Gruppen und sind zudem spontan. Sie können intra- und inter-personale oder intergruppale Phänomene darstellen.

Wesentliche Merkmale ethnischer Stereotypen nach (Schönbach, Gollwitzer, Stiepel und Wagner 1981):

1.) Die Zielgruppe oder Zielpersonen von Vorurteilen , der/denen gegenüber Personen oder Gruppen Vorurteile äußern, wird von diesen durch wenig Eigenschaften beschrieben (concentration on a few traits).
2.) Diese Eigenschaften stammen aus einem eng umrissenen Bedeutungsbereich (clustering of traits).
3.) Die charakteristischen Eigenschaften werden allen Mitgliedern der Gruppe zugesprochen. Vorurteile sind Generalisierungen negativer Stereotype auf Personen und/oder Gruppen (extension of attribution).
4.) Die Charakteristika der Outgroup sind mit stark ausgeprägten, evaluativen Konnotationen versehen (evalutive loading).
5.) Die Outgroup wird deutlich von der eigenen Bezugsgruppe (Ingroup) abgegrenzt (contrast between ingroup and outgroup).
6.) Die Outgroup wird als homogen wahrgenommen.
7.) Der Outgroup werden extreme Eigenschaften zugewiesen, die als resistente Eigenschaften wahrgenommen werden, und die mit großer Sicherheit und Änderungsresistenz zugesprochen werden.
8.) Vorurteile sind konsensuale Urteile.

Diese Merkmale zeigen, dass Vorurteile auf einer intergruppale Ebene zu definieren sind (Zick 1997:38).

2.3.) Der Vorurteilsbegriff

Allgemein versteht man unter Vorurteilen „die unkritische Übernahme von Ansichten, Meinungen und Erwartungen ohne ausreichende persönliche Urteilsbildung oder Kenntnis und Erfahrungsbasis (Brockhaus 1992:234 Bd. 19). Sie haben eine kognitive, eine effektive und eine konative Dimension, d.h. sie beruhen auf den Dimensionen der Erkenntnis, Wirkung und des psychischen Impuls. Von Vorurteilen kann nur die Rede sein, wenn die affektive Orientierung bzw. Einstellung gegenüber einer Gruppe auf einem falschen Stereotyp basiert, der resistent gegenüber Änderungen ist. Eine affektive Feindseligkeit gegenüber einer Gruppe oder Person, die nicht auf einem Stereotyp basiert, muss demnach kein Vorurteil sein. Vorurteile zeigen sich durch negative Bewertung (dislike), die z. B. durch ethnische Zugehörigkeit der Person, gegen die sich die Vorurteile richten, hervorgerufen wird und nicht durch deren persönliche Qualitäten. Sie stellen eine negative Präposition zu Reaktionen bestimmter Personen und/oder Gruppen dar. Ashmore (1970) schriebt den Vorurteilen folgende Eigenschaften zu:

1.) Vorurteile sind ein Intergruppen-Phänomen
2.) Vorurteile sind negative Orientierungen
3.) Vorurteile sind stets schlechte Einstellungen

Zu beachten ist hier, dass Vorurteile als negative Einstellungen definiert werden. Beim sozialen Vorurteil wird auf Grund äußerer Merkmale (z. B. der Hautfarbe, Sprechweise, Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, Kleidung) auf damit zusammenhängende Charaktereigenschaften geschlossen, die zusammengefasst ein Stereotyp (Klischee) bilden. Im engeren Sinne wird speziell die nicht sachlich begründete negative Einstellung gegenüber anderen Personen und Gruppen (Minderheiten) verstanden, die mit Feindseligkeit oder Aggressivität verbunden sein kann (Brockhaus 1992:234 Bd. 19).

2.4.) Rassismus

Gelegentlich wird angeregt, an Stelle von 'Fremden'- bzw. 'Ausländerfeindlichkeit' (oder auch Xenophobie) den Begriff Rassismus zu verwenden. International findet der Ausdruck breite Verwendung, in Deutschland gilt 'Rassismus' eher als ideologisches Schimpfwort denn als wissenschaftliche Kategorie. Als politischer Begriff wird Rassismus immer dann verwendet, wenn bestimmte Merkmale oder Eigenschaften von Menschen qualitativ bewertet werden. Zu unterscheiden sind danach der genetische Rassismus, wenn z.B. von der Hautfarbe oder von der Herkunft Rückschlüsse auf geistige, kriminelle o.ä. Potenzen gezogen werden, und der kulturelle Rassismus. Bei Letzterem werden beispielsweise bestimmte Lebensgewohnheiten, Sitten oder Gebräuche als negativ abweichend bewertet.

Wesentliche Elemente des Rassismus sind nach Pfahl-Traughber (1999):

- Ablehnung des Gleichheitsgrundsatzes, Einheit von Staat und Volk (Der Staat und ein ethnisch homogenes Volk als angeblich natürliche Ordnung verschmelzen zu einer Einheit),
- Antisemitismus,
- Revisionismus (Streben nach Änderung eines politischen Zustandes oder Programms),
- Übersteigerter Nationalismus bzw. Rassismus,
- Fremdenfeindlichkeit,
- Ethnopluralismus,
- Eliteprinzip und
- Autoritarismus.

Im Gegensatz zu Vorurteilen stellt Rassismus eine ideologische Differenzierung von Menschen nach „biologischen“ Kriterien dar. Diese gesellschaftliche Kategorisierung beruft sich auf Rasse-„Theorien“, die vor a llem im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden. Stereotype können anhand dieser Differenzierung die Grundlage für rassistische Einstellungen bilden. Es ist zu beachten, dass rassistische Vorurteile nicht automatisch ein rassistisches Verhalten zur Folge haben. Eine sozialpsychologische Definition von Rassismus nach Wagner & Zick (1992) hebt sie als kollektive Umgangsform hervor: „[...] mit denen eine ganze Gruppe oder Gesellschaft andere Gruppen nach ethnischen Kriterien behandelt und ausgrenzt. [...] Gesellschaften vertreten rassistische Ideologien relativ unabhängig von den Einstellungen einzelner ihrer Mitglieder [...].“

Abschließend sei eine Rechtsextremismus-Definition genannt, die alle wichitgen Elemente beinhaltet und damit den folgenden Ausführungen zu Grunde liegen soll. Rechtsextremismus ist danach „die Gesamtheit von Einstellungen, Verhaltensweisen und Aktionen, organisiert oder nicht, die von einer rassisch oder ethnisch bedingten sozialen Ungleichheit der Menschen ausgehen, nach ethnischer Homogenität von Völkern verlangen und das Gleichheitsgebot der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Menschenrechts-Deklarationen ablehnen, die den Vorrang der Gemeinschaft vor dem Individuum betonen, von der Unterordnung des Bürgers unter die Staatsräson ausgehen und die den Wertepluralismus einer liberalen Demokratie ablehnen und Demokratisierung rückgängig machen wollen“ (Jaschke 2001: 30).

(Verändert nach: www.im.nrw.de 2004:5)

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Details

Seiten
39
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638809184
ISBN (Buch)
9783638810562
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74711
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Pädagogisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Vorurteile Stereotype Fremdenfeindlichkeit

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