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Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewussten

Seminararbeit 2007 19 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Beratung? – Versuch einer Begriffsbestimmung

3. Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung
3.1 Die psychoanalytische Annahme eines dynamischen Unbewussten
3.2 Zentrale Charakteristika psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Erziehungsprobleme scheinen ein modernes Alltagsphänomen unserer Gesellschaft zu sein, denn es bedarf mehr denn je der Klärung von Fragen wie „Was kann ich tun, wenn ich mit meinem Kind nicht mehr zurecht komme?“ oder „Wie kann man die Schwierigkeiten verstehen, mit den Eltern ebenso wie ihre Kinder tagtäglich zu kämpfen haben?“. Nicht nur in der Fachwelt wird über diese Themen debattiert, auch die Medien schüren Unsicherheiten und propagieren Erziehungshilfen à la „Stille Treppe“, sodass sich Erziehende häufig überfordert fühlen (müssen).

Der Wiener Psychoanalytiker Wilfried Datler (* 1957) greift in seinem Aufsatz „Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewußten. Über zentrale Charakteristika psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung“ eben jene Erziehungsschwierigkeiten auf und hat fünf zentrale Merkmale zusammengestellt, welche für ein Verständnis von psychoanalytischer Beratung von großer Bedeutung sind. Er plädiert dafür, dass der Einfluss unbewusster Prozesse für die Erschließung von Eltern-Kind-Problemen keineswegs außer Acht gelassen werden darf bzw. Erziehungsprobleme von einem psychoanalytischen Standpunkt aus betrachtet werden sollten.

Zunächst werden in dieser Ausarbeitung Grundzüge allgemeinen Beratungshandelns dargestellt, um einen ersten Überblick bzw. Einstieg in das Thema zu ermöglichen. Im Anschluss daran werde ich konkret auf die psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung eingehen und deren historischen Wurzeln sowie rechtliche Grundlagen beleuchten. Datlers Auflistung der wichtigsten Charakteristika gibt Auskunft über die Aufgabenstellung und das Verständnis psychoanalytischer Beratung und zeigt wie wichtig die Annahme eines dynamischen Unbewussten für die Beratungspraxis ist.

2. Was ist Beratung? – Versuch einer Begriffsbestimmung

Die eigenständige Bewältigung des Alltags gestaltet sich in modernen Gesellschaften durch die Komplexität verschiedener Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten in fast allen Lebensbereichen beschwerlicher, was dazu geführt hat, dass der Bedarf an Beratung in den letzten Jahren stark zugenommen hat.[1] Anlässlich dieses so genannten „Beratungsbooms“ stellen sich die Fragen „Was ist Beratung?“ und „Was will oder kann Beratung?“. Demnach bedarf es zunächst einer Eingrenzung des Beratungsbegriffs, bevor ich mich hier in dieser Ausarbeitung vertiefend mit der psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberatung auseinandersetze.

Ausgehend von der mir vorliegenden Literatur erscheint eine konkrete Definition von „Beratung“ schwierig. Es existiert eine Vielzahl an Erklärungen für den Terminus, bei denen unterschieden werden muss, ob sie sich auf alltägliches oder aber professionelles Beratungshandeln beziehen.

Der wörtliche Ursprung des Begriffs liegt im Etymon „Rat“, dessen Bedeutung im Althochdeutschen auf vorhandene Mittel oder einen Vorrat an Lebensmitteln zurückzuführen ist.[2] Bezieht man diese Betrachtungsweise auf die Beratungssituation, so lässt sich festhalten, dass der Ratgebende[3] bzw. Berater dem Ratsuchenden sein Repertoire an Wissen, Erkenntnissen und Erfahrungen zugänglich macht und Entscheidungshilfen in problematischen Lebenssituationen offeriert.[4] Beratung ist demnach „eine zielorientierte soziale Interaktion zwischen (mindestens) zwei Personen“[5], deren Ziel darin besteht einen der Interaktionspartner zur Selbsthilfe zu befähigen und ist mittlerweile als grundlegende Einflussgröße auf die Lebensgestaltung gesellschaftlich fest verankert.[6]

Beratungssituationen, ganz gleich ob alltäglich oder professionell, enthalten mindestens einen Ratsuchenden, einen Berater sowie ein Beratungsproblem. Der ideale Ratsuchende ist in der Lage reflektiert mit seinem Problem umzugehen und erkennt, dass er sein Problem ohne Hilfe von außen nicht lösen kann. Er wendet sich an einen Berater und berichtet diesem von seinen Schwierigkeiten. Der Ratgebende wiederum hat stets ein offenes Ohr für die Probleme seiner Klienten und verfügt über hohe Kompetenzen auf seinem Beratungsgebiet: „Aufgrund seines differenzierten, wissenschaftlich gesicherten Wissens und seiner reichhaltigen Berufs- und Lebenserfahrung kann er komplexe Probleme strukturieren und differenzieren, Hintergründe aufdecken und Ratschläge für ihre Bewältigung erteilen.“[7] Den Fokus jedes Beratungshandelns bildet das Beratungsproblem. Der Berater zeigt dem Ratsuchenden neue Wege auf, um bisherige Lösungsstrategien zu überdenken und durch neue Entscheidungen oder Handlungen eine kritische Lebenssituation zu verbessern, ohne ihm jedoch vorzuschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat.[8]

Hierbei muss noch erwähnt werden, dass zu den grundlegenden Konditionen einer Beratungssituation die Freiwilligkeit der Teilnahme an erster Stelle steht.[9] Im Einzelnen bedeutet dies, dass kein Zwang zur Teilnahme besteht, eine bereits begonnene Beratung jederzeit abgebrochen werden kann und der Berater Glaubwürdigkeit repräsentieren muss; er „verfolgt nach Meinung der anderen Beratungsteilnehmer keine anderen als die von ihm angegebenen Ziele.“[10]

Entsprechend der Vielzahl problematischer Subjekt-Umwelt-Beziehungen existieren genauso viele Beratungsanlässe. Sicherlich ist jeder von uns bereits in banalen Problemsituationen als Ratgeber gefordert worden, ohne eine derartige Profession vorzuweisen. Beratung ist somit auch als ein alltägliches natürliches Phänomen zu beschreiben.

Demgegenüber steht die professionelle Beratung, welche erst dann aufgesucht wird, wenn ein schwerwiegendes Problem durch den Ratsuchenden selbst nicht mehr gelöst werden kann. Zu den bekanntesten Arten professioneller Beratung gehören die Berufsberatung, Hochschulberatung oder auch Erziehungsberatung

[...]


[1] Vgl. Dewe (2004), S. 131f.

[2] Vgl. Schwarzer/Posse (1986), S.633.

[3] Ich verwende durchgehend die männliche Schreibweise, meine aber selbstverständlich die weibliche Form ebenso.

[4] Vgl. a.a.O.

[5] a.a.O., S. 634.

[6] Vgl. a.a.O. und vgl. Dewe (2004), S. 132.

[7] Schwarzer/Posse (1986), S. 635.

[8] Vgl. a.a.O., S. 635f.

[9] Vgl. Dewe (2004), S. 133.

[10] a.a.O.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638867108
ISBN (Buch)
9783638867153
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74736
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Philosophische Fakultät
Note
Leistungsschein
Schlagworte
Erziehungsberatung Annahme Unbewussten Grundannahmen Pädagogik Beratung

Autor

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