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1618-1648: Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden - Religionskampf und europäische Machtauseinandersetzung

Ursachen und Grundlinien des Krieges sowie dessen Resultate im Westfälischen Frieden

Studienarbeit 2007 31 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

Zäsur: Dreißigjähriger Krieg

Vorbemerkungen

I. strukturgeschichtlicher Zugang

II. ereignisgeschichtlicher Verlauf

III. Endbetrachtung

IV. Literaturliste

Zäsur: Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg muss als gesamteuropäisches Ereignis gesehen werden, auch wenn man den Auslöser zum Krieg im Reich selbst zu suchen hat. Gerade als Zäsur im Bewusstsein des deutschen Volkes bis ins 20. Jahrhundert hinein hat der Dreißigjährige Krieg an seiner Aktualität nichts eingebüßt. Die als Ergebnis des Westfälischen Friedens 1648 entstandenen konfessionellen Einteilungen in protestantische und katholische Regionen sind in Deutschland bis in unsere Tage greifbar.

Zwei Blöcke (siehe Abbildung 3) traten schon im Vorfeld der Auseinandersetzung deutlich hervor: ein habsburgischer und ein antihabsburgischer. Diese doch mehr grobe Einteilung bedarf jedoch der Vertiefung.

Der Symbolwert der Daten 1618-1648 hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Mögen die genauen Kenntnisse doch rar sein, ist das Ereignis selbst gegenwärtig. Die Länge des Krieges ist von Zerstörungen von Kirchen und der enormen Dezimierung der Bevölkerung gekennzeichnet, obwohl hier regional differenziert werden muss.

Die Bedeutung der konfessionellen Komponente darf nicht unterschätzt werden, hat doch Martin Luther gerade einmal 100 Jahre früher Front gegen die katholische Kirche gemacht. Aus der Kirche, die er reformieren wollte entstand etwas Eigenes, ja Neues, das die Machtverhältnisse der Habsburger seitens neuer Mächte zu berühren begann.

Als zentraleuropäische, machtpolitische Auseinandersetzung ist der Dreißigjährige Krieg als Vorstadium zum Gedanken des europäischen Gleichgewichtes geworden, der dann das Denken der europäischen Großmächte bis in das 19. Jahrhundert hinein bestimmte.

Vorbemerkungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1[1] : Wappen der Habsburger

Habsburg und Spanien waren im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufs engste verbunden. Damit bestanden zwei habsburgische Linien, die der Kernlande und die Spaniens. Staatsheiraten waren gang und gebe. Die sog. „Spanische Sukzession“ (Thronfolge) zielte darauf ab, die Kaiserkrone des Reiches zwischen Madrid und Wien alternieren zu lassen. Der Wiener Linie lag nie daran, die spanische Linie in den Genuss der Kaiserkrone kommen zu lassen. Der Versuch scheiterte und Wien wusste 1617 im Onate-Vertrag Spanien territorial mit der Belehnung des Elsaß und in Reichsitalien zu entschädigen.

Frankreich stellte das einzige wirkliche Hindernis zur „Monarchia universalis“ Karls V. dar. Zudem gesellte sich antihabsburgischer Patriotismus in Italien zum antihabsburgischen Block. Die Schlüsselstellung Mailands in Reichsitalien erlangte Bedeutung im Krieg.

Nach diesem knappen Überblick über Europa ins Reich selbst. Der hier geschlossene Augsburger Religionsfrieden von 1555 regelte das unbefristete Nebeneinander zweier Varianten des christlichen Glaubens. Der Frieden zielte letztlich auf die Absicherung des allgemeinen Landfriedens. Jedoch gab es kein Ende der Glaubenskämpfe. Der Frieden galt nur für Katholiken und Protestanten während die Calvinisten ausgeschlossen blieben. Das Recht zur freien Bekenntniswahl war nur den Reichsständen zugedacht: „cuius regio, eius religio“ (wessen Land, dessen Religion). Die Formel verdeutlichte, dass die Untertanen der jeweiligen Region die Religion des Herrn anzunehmen hatten. Daneben ging eine Formierung reichsständischer Herrschaftssysteme zu ausgeweiteten Landesherrschaften vor sich. Dieser Prozess bedeutete eine Trennung aber auch Integration im Reich, denn am Festhalten an der Reichseinheit rüttelte man nicht.

Das politische System des Reiches (Abbildung 2) am Vorabend des Krieges war stark von der kaiserlichen Zentralgewalt bestimmt. Seit 1438 stellte das Haus Habsburg die Kaiser im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und konnte sich der Mehrheit der Kurfürstenstimmen sicher sein. Das protestantische Kursachsen, das im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 von den Habsburgern unterstützt wurde (in der Form, dass der albertinischen Linie unter Moritz von Sachsen gegen die ernestinische Linie die Kurwürde verliehen wurde), war traditionsgemäß eines der Länder, das den Kaiser des Hauses Habsburg zu unterstützen pflegte.

Im Ausbau der Landesherrschaften entstand der kaiserlichen Zentralgewalt jedoch ein politisches Gegenstück. Ständische und absolutistische Tendenzen lassen hier einen Dualismus erkennen, der aufgrund seiner komplementären Staatlichkeit, die das Reich kennzeichnete, eine Besonderheit in Europa darstellte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2[2] : Institutionen des Heiligen Römischen Reiches

Das Spannungsfeld im Reich entstand nun einerseits aus dem Verfassungsproblem und andererseits in Konfessionsfragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3[3] : Die Mächtegruppierungen in Europa 1618/19

europäische Konstellation und Lagerbildung:

A: katholisch-

habsburgisch

B: pfälzisch-protestantisch-calvinistisch

Trotz des Augsburger Religionsfriedens hatte die katholische Gegenreformation mit dem Ziel der Rekatholisierung eingesetzt.

Die Reichsverfassung war in der Krise. Kompetenzstreitigkeiten zogen die Gründung der protestantischen Union (1608) und der katholischen Liga (1609) nach sich. Erstmals hatten sich die Reichsstände in großen Bünden zusammengeschlossen.

Im Streit um die Herzogtümer Jülich und Kleve spitzte sich die durch die Konfessionsfragen angeheizte Machtfrage zu. Erstmals traten Mächte Europas in Deutschland in Erscheinung. Im Vertrag von Xanten (1614) einigten sich schließlich Pfalz-Neuburg und Brandenburg und teilten die Herzogtümer auf. Kursachsen ging leer aus. Das Vorspiel zum Krieg war noch einmal friedlich ausgegangen. Es war klar, das bei zukünftigen unvorhersehbaren Auseinandersetzungen das Reich zum Schauplatz auswärtiger Interessen werden würde.

I. strukturgeschichtlicher Zugang

Johannes Burkhardt[4], Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Augsburg, hat mit seinen Untersuchungen zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges die notwendigen Grobstrukturen herausgestellt, die für die Ereignisgeschichte von fundamentaler Bedeutung sind. Diese helfen auch, die in Abbildung 3 aufgezeigten Konstellationen zu erklären, die sich aus den dynastischen Verknüpfungen nicht unwesentlich speisten.

Das 17. Jahrhundert erscheint in der Nachbetrachtung als Jahrhundert des immerwährenden Krieges. Krieg war gleichsam der Normalzustand. Zwei säkulare Prozesse stehen im Zentrum der Betrachtung: die Herausbildung des frühmodernen Staates einerseits, die Erneuerung von Religion und Kirche andererseits.

Die klassische deutsche Einteilung sieht vier Kriege, die im Zuge des Dreißigjährigen Krieges etappenweise geführt worden sind.

Dreißigjähriger Krieg 1618-1648

- Böhmisch-Pfälzischer Krieg 1618-1623
- Dänisch-Niedersächsischer Krieg 1625-1629
- Schwedischer Krieg 1630-1635
- Französisch-Schwedischer Krieg 1635-1648

Das Gewaltmonopol lag beim Staat und dessen Handlungsträgern. Der Dreißigjährige Krieg muss deshalb auch als Krieg der werdenden Machtstaaten begriffen werden. Die Universalansprüche Habsburgs mit Spanien, Frankreichs und Schwedens verknoteten sich mit den Ereignissen im Reich. Konfessionelle und ökonomische Aggressionsdynamiken traten offen zutage und beförderten die kriegerische Auseinandersetzung, schufen gar Vorwände.

Das Heilige Römische Reich, aufgrund der Erneuerung des Kaisertums durch Karl den Großen, das im Zuge des Mittelalters an die Ottonen, Salier, Staufer und schließlich die Habsburger überging - immer noch das Nachgebilde des Römischen Reiches - war wegen dieser seiner prestigeversprechenden Stellung umworben. Die Kaiserkrone des Reiches war schon ein Prestigeobjekt, das in Europa seinesgleichen suchte. Dieses Kaisertum war mit Erlass der Goldenen Bulle im Jahre 1356 an die Kür (Wahl) von sieben Kurfürsten im Reich gebunden. Deren doch auch unterschiedliche konfessionelle Ausrichtung nach der Reformation brachte das Kaisertum des Hauses Habsburgs allerdings nie in Gefahr.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4[5] : die ursprünglich sieben Kurfürsten bei der Wahl Heinrichs VII. im Jahre 1308

In Europa ging es also um eine Universalhierarchie. Der Kampf um die A-Position dreier Großmächte mündete in den Dreißigjährigen Krieg. Die Dynastie der Habsburger trug den universalen Anspruch im Reich und auf katholischer Seite und trug traditionsgemäß die Kaiserkrone des Reiches. Frankreich hingegen sah sich in der Tradition des Franken Karl dem Großen und unterstützte, obwohl auch katholisch, die Gegner Habsburgs. Frankreichs Gottesgnadentum steigerte den Herrscher zum allerchristlichsten König. Schwedens politisch-expansive Ziele im Ostseeraum kollidierten in der Thronfolgefrage mit den Habsburgern um Polen. Ferner stieß Schweden im Kampf um die Vormacht am Ostseesund mit Dänemark zusammen. Vorbild für Schweden waren die Goten. Plante Schweden eine Art Gegenreichsbildung von Norden her, musste es sich jedoch in den 1630er Jahren damit zufrieden geben, die Nummer 1 im Norden Europas zu sein.

Neben diesen Universalansprüchen gewannen in vielen Territorien die Stände zunehmend Oberwasser. In den Niederlanden sehen wir einen ähnlichen Dualismus wie im Reich. Die Stände gebärden sich unter Moritz von Oranien geradezu absolut. Ein modernes Heerwesen entsteht, das für den Dreißigjährigen Krieg nicht unerheblich bleiben sollte. Der Freiheitskampf der Niederlande von der Mitte des 16. Jahrhunderts an erreichte 1609 ein Ziel: die nördlichen Niederlande wurden von Spanien unabhängig erklärt. In Haag bildete sich zugleich das Zentrum der antihabsburgischen Koalition heraus (Haager Allianz 1625). Die volle Etablierung des Ständestaates gelang erst 1648 im Zuge des Westfälischen Friedens.

Böhmen stellte im Gegensatz zu den Niederlanden ein gescheitertes Staatsgründungsexperiment dar. Die Stände hatten zwar die Oberhoheit über Steuern, Kirchen und darüber hinaus eine außerordentlich politisch-administrative Kompetenz entwickelt, aber wenn es um Böhmen ging, dann ging es um eine der sieben Kurwürden, die für die Kaiserwahl wichtig waren. Der habsburgische Kaiser intervenierte zusammen mit Kursachsen und Bayern gegen die Stände Böhmens. Diese hatten zwar eine „Confoederatio Bohemica“ gegründet, die sogar die österreichischen Erblande einschloss, diese Konföderation der Stände konnte jedoch im Reich keine Legitimität erzeugen, da sie gegen den Kaiser und dessen Anspruch auf die Prager Wenzelskrone gerichtet war. Im Böhmisch-Pfälzischen Krieg um die böhmische Kurwürde weitete sich der Konflikt in Böhmen zum Reichskrieg aus. Die Bezeichnung Reichsverfassungskrieg trifft die Gemengelage wohl besser. Der Kaiser war Träger der Reichsgewalt trotz des Dualismus´ zwischen Kaiser und Reich. Das Restitutionsedikt (1629) wurde im Prager Frieden (1635) aufgeschoben. Der Versuch des Kaisers, mittels einer Rekatholisierungspolitik zum „caput absolutum“ (zum absoluten Oberhaupt) zu werden, scheiterte. Im Prager Frieden zeigt sich der Kompromiss zwischen Universal- (Kaiser) und Regionalgewalt (Stände).

[...]


[1] Geschichte, Lehrbuch für Klasse 7, 1. Aufl., Volk und Wissen, Volkseigener Verlag, Berlin, 1989, S. 73.

[2] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0e/Institutionen_HRR.png

[3] Geschichte, Lehrbuch für Klasse 7, 1. Aufl., Volk und Wissen, Volkseigener Verlag, Berlin, 1989.

[4] Burkhardt, Johannes: Der Dreißigjährige Krieg, Erstausg., in: Neue Historische Bibliothek, herausgeg. von Hans-Ulrich Wehler, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. Main, 1992.

[5] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons /5/51/Balduineum_Wahl_Heinrich_VII.jpg

Details

Seiten
31
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638729369
ISBN (Buch)
9783638729628
Dateigröße
4.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74882
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Dreißigjähriger Krieg Westfälischer Frieden Religionskampf Machtauseinandersetzung Verschriftlichung Staatsexamensprüfung

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Titel: 1618-1648: Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden - Religionskampf und europäische Machtauseinandersetzung